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Ex Libris 01 oder 'Dieser Papagei ist tot' (fm:Sonstige, 4523 Wörter) [1/5] alle Teilen zeigen
Autor: Iron_DukeVeröffentlicht: Feb 23 2010Gesehen/Gelesen: 8323/6595 [79%]Bewertung Teil: 9.03 (73 Stimmen)
Ein nicht völlig humorloses Märchen über die 1970er Jahre in Westdeutschland als Fortsetzungsroman. Für alle, die sich erinnern können oder einfach nur neugierig sind auf eine ganz besondere Zeit unserer Geschichte.
 

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© Iron_Duke
Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die 
schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. 
Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

EX LIBRIS oder "Die wundervolle Welt der Schwerkraft" 

© MMX by Iron_Duke 

Vorbemerkung 

Die nachfolgende Geschichte spielt Mitte der 1970er Jahre in einer
westdeutschen Großstadt. Für alle, denen das nichts sagt: es war die 
Zeit, in der fast alle Schüler Militärparkas und Jeans mit Schlag 
trugen und mindestens schulterlange Haare. Manches von hinten erspähte 
Mädel stellte sich von vorne betrachtet als Kerl mit Fusselbart und 
Koteletten heraus. Es gab keine PCs, kein Internet, keine Handys, nicht 
mehr als drei öffentlich-rechtliche Fernsehprogramme, kein AIDS und 
etliche Frauen hatten ihre BHs verbrannt. Eine sehr aufregende und 
spannende Zeit und vor allem: eine Zeit ohne Klingeltonwerbung. 
Natürlich sind Handlung und Personen frei erfunden, deshalb aber kein 
bisschen weniger wahrscheinlich. 

*** 

Teil 1 oder »Dieser Papagei ist tot« 

01. Eine Jungfrau namens Oliver 

Ich ging damals in die 13. Jahrgangsstufe eines wirklich großen,
westdeutschen Gymnasiums, welches damals über 1000 Schüler hatte. Mit 
der Schule kam ich eigentlich ganz gut zurecht, ohne dass ich mich groß 
anstrengen musste. Abgesehen natürlich vom Sportunterricht. Mit einer 
Größe von 180cm und einem Kampfgewicht von 93kg war der einzige 
Wettbewerb, in dem ich meiner Meinung nach reelle Chancen hatte, das 
verschärfte Kampftrinken. Welches allerdings in keinem Curriculum 
steht. 

Wie man sich leicht denken kann, war ich nicht gerade ein Frauenheld.
Nicht dass ich es nicht immer wieder mal versucht hätte, bei einer zu 
landen. Aber ein leicht schüchterner, hoffnungslos romantischer, 
langhaariger Fettklops, der zwar einen Führerschein hat, aber kein 
Auto, der was zu sagen hat, aber nicht weiß, wann er den Mund halten 
muss, ist eindeutig nicht die erste Wahl, wenn es um einen Partner geht 
und auch nicht die zweite oder dritte. So weit so schlecht: ich war 18 
Jahre alt und, zumindest gefühlt, weit und breit die einzige Jungfrau. 

02. Deutschkurs für Fortgeschrittene 

Eines Tages sprach mich unser Deutschlehrer, Dr. Winter, nach dem Kurs
an: »Oliver, haben Sie eventuell ein paar Minuten Zeit für mich?« 

Das war nichts Ungewöhnliches für mich. Dr. Winter war Tutor unseres
Jahrgangs, und da ich als Kurssprecher in der Schülermitverwaltung 
aktiv war, hatten wir schon öfter miteinander zu tun gehabt. Wir gingen 
also in die Cafeteria, holten uns einen Kaffee und setzten uns an einen 
Tisch. 

»Oliver, heute geht es einmal nicht um einen Mitschüler, sondern um eine
Sonderaufgabe.« Ich nickte kurz und er fuhr fort. 

»Wie Sie sicher wissen, wurde unsere Schule mit der Nachbarschule
zusammengelegt, um die 'kritische Masse' für die reformierte Oberstufe 
zu vergrößern. Jetzt gibt es nicht nur zwei Schulgebäude, sondern auch 
zwei Schulbibliotheken. Außerdem hat der Schulverein ein paar Nachlässe 
von Ehemaligen bekommen. Alles in allem haben wir jetzt weit über 
10.000 Bücher, die sortiert, katalogisiert und bearbeitet werden 
müssen. Das fällt in den Aufgabenbereich der Fachkonferenz Deutsch. Auf 
der letzten Sitzung haben wir daher beschlossen, Schüler aus 
Abiturkursen zu suchen, die sich an der Arbeit beteiligen, und da habe 
ich an Sie gedacht.« 

»Na ja«, antwortete ich. »So was habe ich noch nie gemacht ...« 

»Selbstverständlich werden Sie eingearbeitet. Sie müssten sich
allerdings verpflichten, mindestens die Zeit, die Sie sonst in den 
Deutschkurs gegangen wären, in der Bibliothek zu arbeiten. Als 
Belohnung für den Einsatz wird der Kurs mit 15 Punkten bewertet. Für 
Sie keine tolle Verbesserung, aber auch nicht schlecht, da die Kurse ja 
direkt mit zum Abitur zählen. Wie sieht es aus? Die Einführung ist 


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