Mica - Eiskalte Erlösung (fm:Lesbisch, 27686 Wörter) | ||
| Autor: KönigSnüsse | ||
| Veröffentlicht: Jan 29 2026 | Gesehen / Gelesen: 1388 / 913 [66%] | Bewertung Geschichte: 9.47 (17 Stimmen) |
| Eine Entführung bringt mir mein Glück. | ||
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junge Frau an ihren Haaren hinter sich her und schlugen dabei auch noch auf sie ein. Hätten sich nur zwei von diesen Idioten wieder einmal geprügelt oder noch besser umgebracht, hätte mir das nichts ausgemacht. Das aber konnte ich nicht akzeptieren. Ich schnappte mir mein Telefon und rief die Polizei an.
"Polizeinotruf, wie kann ich ihnen helfen?"
"Anna Meier hier, ich habe gerade beobachtet, wie zwei Kerle eine junge Frau im alten Gewerbepark ins Gebäude 17 gezerrt haben. Und dabei haben sie auch noch auf sie eingeschlagen. Ich wohne in der Oberen Bachstraße 33 und kann das direkt einsehen."
Er fragte noch ein paar Daten ab und versprach, sofort eine Streife zu schicken. Es dauerte auch nur gut fünf Minuten, bis ich schon die Polizeisirene hörte. Aber die beiden Beamten waren gerade ausgestiegen und näherten sich dem Eingang, als die Tür aufging, die beiden Kerle rausliefen und sofort anfingen zu schießen. Ich kam mir vor wie in einem amerikanischen Krimi. Während der eine Polizist ins Bein getroffen wurde, warf sich der andere zu Boden und schoss sofort zurück. Die beiden Täter waren wohl nicht die hellsten, denn die gingen nicht großartig in Deckung und waren somit leichte Ziele. Während der eine sich nicht gar nicht mehr bewegte, versuchte der andere, noch einmal zu schießen. Doch davon konnte er abgehalten werden.
Der verletzte Polizist saß jetzt auf dem Boden, während sein Kollege die beiden Angreifer beobachtete und in Schach hielt. Ich hatte mir inzwischen wieder was angezogen und rannte hinunter. Bis der Krankenwagen kam, konnte ich schon mal helfen.
Inzwischen waren noch zwei Polizeiwagen eingetroffen. Kaum hatte ich die seitliche Mauer umrundet, wurde ich von einem Polizisten aufgehalten.
"Bleiben sie hier weg."
"Ich bin Ärztin."
Er sah mich sehr skeptisch an.
"Ich weiß, ich sehe nicht so aus, aber ich bin Ärztin am städtischen Krankenhaus."
Jetzt musste er doch kurz lachen. Nicht jeder vermutete hinter einer Frau mit leuchtend blauen Haaren und mehreren Tattoos eine Ärztin.
"Gut, aber warten sie, bis wir ihnen Bescheid sagen. Wir wissen nicht, ob da noch jemand drin ist."
"Ich habe nur zwei Männer gesehen. Ich hatte sie auch angerufen. Geben sie mir bitte ihren Verbandskasten?"
Der Beamte ging zu seinem Fahrzeug und gab mir den Verbandskasten. Während ich mich als erstes um seinen Kollegen kümmerte, stand er mit gezogener Waffe neben mir und passte auf. Dann kümmerte ich mich um die beiden anderen. Während der eine tot war, war der andere nur verletzt. Er sah mich böse an und sagte was in einer Sprache, die ich nicht verstand. Aber freundlich klang das zumindest nicht.
Nachdem auch der verarztet war, unterhielt ich mich noch kurz mit dem Polizisten, bis zwei Minuten später ein Krankenwagen und weitere Polizeiautos eintrafen. Ich hielt mich zurück, bis die beiden Verletzten abtransportiert waren. Dann wollte ich in das Gebäude gehen und nach der jungen Frau sehen.
"Sind sie verrückt? Sie können da jetzt nicht rein!"
"Aber da muß noch eine Frau drin sein. Ich habe ja beobachtet, wie sie sie da reingebracht haben."
"Das mag sein, aber wissen sie, ob da nicht vielleicht noch jemand von denen drin ist? Zuerst gehen wir rein und sagen ihnen dann Bescheid."
Ich wartete, bis er mit einem weiteren Kollegen das Gebäude untersucht hatte. Nach Kurzem kam einer rausgelaufen und winkte mir zu. Ich schnappte mir den Verbandskasten und lief hinter dem Polizisten her. Wir rannten durch die leere Halle, bis wir in einen kleinen verräucherten Raum kamen. Da stand, oder besser hing die nackte junge Frau. Die beiden waren wohl gerade noch rechtzeitig gestört worden, sonst hätten sie ihr armes Opfer vermutlich aufgehängt. Sie hatte die Schlinge zwar schon um ihren Hals, kniete aber noch auf einem Stuhl und das Seil hielt sie an ihrem Kinn aufrecht.
Während ich sie stützte, nahm der eine Polizist die Schlinge ab und half mir, die Frau auf einen Tisch zu legen. Der andere rief derweil einen weiteren Krankenwagen.
Die Frau war in einem fürchterlichen Zustand. Sie hatte ein blaues Auge, das aber wohl schon ein oder zwei Tage alt war, diverse blaue Flecke und Striemen am ganzen Körper. Die hatten sie ausgepeitscht und sogar eine Zigarette auf ihre linke Brust gedrückt. Zum Glück war sie aber, soweit ich es sehen konnte, nicht stärker verletzt. Bis auf ein paar kleine Narben würde alles wieder heilen. Wie es aber mit ihrer Seele aussah, war eine andere Sache.
Es war fürchterlich kalt in dem Raum und so wickelte ich sie erst einmal in die Rettungsfolie, auch um ihren nackten Körper zu bedecken. Sie war nur einmal kurz wach geworden und hatte mich dankbar angesehen, war dann aber wieder eingeschlafen. Es ging ihr aber soweit ganz gut, so dass ich sie schlafen ließ.
"Warum haben sie das andere Schwein nicht auch gleich erschossen? Verdient hätte er es."
"Wenn ich das so sehe, frage ich mich das jetzt auch. Aber zu dem Zeitpunkt wusste ich ja noch nicht, was das für welche waren."
Kurz darauf kamen zwei Sanitäter mit einer Trage und der Notarzt.
"Hallo Anna, wie sieht es aus?"
Ich berichtete ihm kurz, was ich beobachtet und getan hatte. Vorsichtig wurde sie auf die Trage gelegt und weggebracht. Als wir wieder nach draußen kamen, war auch schon die Kriminalpolizei da. Sie fragten mich kurz, was ich beobachtet hatte, aber viel konnte ich dazu ja nicht sagen.
Als ich dann endlich wieder daheim war und das Adrenalin langsam meinen Körper wieder verließ, spürte ich die Auswirkungen der letzten Stunde. Ich schaffte es gerade noch bis zur Couch, dann brach ich zittern zusammen. Plötzlich fror ich unheimlich und auch die Decke, die ich dann über mich zog, half nur wenig. Selbst wenn ich das normal nicht machte, nahm ich eine Tablette, um schlafen zu können.
Irgendwann klingelte mein Telefon.
"Ja?"
"Hallo Anna, du hast jetzt Schicht. Hast du verschlafen?"
Sofort schoss mir das Adrenalin wieder durch meine Adern. Die Uhr stand schon auf kurz nach acht und draußen war es schon wieder fast dunkel.
"Oh Scheiße, ich habe total verpennt. Ich komme so schnell wie möglich. Kannst du mich noch kurz vertreten?"
"Kein Problem, ist nicht viel los."
So schnell wie möglich zog ich mich um und fuhr ins Krankenhaus. Im Ärztezimmer traf ich auf meinen Kollegen, der mich aufgeweckt hatte.
"Oh Gott Daniel, es tut mir leid. Ich hab total verschlafen. Aber nach dem Tag ist das kein Wunder."
"Warum, was ist passiert?"
Ich erzählte ihm von meinen Erlebnissen am Vormittag.
"Da kann ich mir vorstellen, dass du fertig bist. Aber bist du ok? Willst du wieder nach Hause gehen? Ich kann dich schon vertreten."
"Danke, aber ich muss versuchen, mich abzulenken. Ich hab immer noch das Echo von den Schüssen im Ohr. Und... weißt du, wie es ihr geht?"
Er nickte und hörte sich verstörend professionell kalt an.
"Sie liegt auf 212. Physisch nicht lebensgefährlich, aber total verstört. Wir konnten sie kaum untersuchen. Sie spricht kein Deutsch und kriegt Panik, sobald ein Mann den Raum betritt. Das einzige, das wir wissen ist, dass sie Mihaela heißt und aus Rumänien kommt.
Anna, hör zu. Du kümmerst dich um deine Patientin und ich vertrete dich hier. Dann habe ich wenigstens einen guten Grund, nicht heimfahren zu müssen."
"So schlimm?"
Ich wusste, dass es mit seiner Ehe nicht zum Besten stand.
"Vor allem seit ihre Mutter jetzt auch noch da ist. Für die wurde der Ausdruck von der bösen Schwiegermutter erfunden."
"Dann kann ich verstehen, warum du nicht heim willst. Aber wenn du doch gehen willst, ruf mich kurz an. Ok?"
"Dann versuche ich es mal bei ihr. Vielleicht erkennt sie mich wieder."
Ich nahm mir die Patientenakte und klopfte leise an die Tür. Eine junge Polizistin, die vor dem Zimmer stand, kontrollierte kurz meinen Ausweis, dann ließ sie mich hinein. Drinnen war es halbdunkel. Die junge Frau lag zusammengerollt unter der Decke. Nur ihre Augen waren sichtbar, groß und wachsam.
"Hallo, ich bin Anna, Ärztin hier im Haus. Ich habe heute Morgen die Polizei gerufen, als ich gesehen habe, was passiert ist."
Sie zuckte bei jedem zweiten Wort und sah mich unverständlich an. Ich holte mein Handy hervor und öffnete die Übersetzungs-App.
Bună ziua, sunt Anna, medicul de aici. Am chemat poliția azi dimineață, când am văzut ce s-a întâmplat. Ești în siguranță.
Sie starrte mich an, dann huschte für einen Moment so etwas wie Erleichterung über ihr Gesicht.
"Unde sunt? În închisoare?" - Wo bin ich? Im Gefängnis?
"Im Krankenhaus, nicht im Gefängnis. Hier bist du sicher."
Ihre Lippen bebten und sie stotterte sogar leicht.
"Se... se vor întoarce?" - Kommen die wieder zurück?
Ich schüttelte den Kopf.
"Nein. Einer ist tot, der andere festgenommen." - Nu. Unul este mort, celălalt arestat.
Sie sah mich lange an, als ob sie überlegte, ob sie mir glauben konnte. Dann zog sie die Decke ein Stück tiefer und drehte das Gesicht zur Seite. Ich blieb noch einen Moment sitzen, sagte nichts, nur damit sie merkte, dass sie nicht allein war. Nach einer Weile flüsterte sie noch etwas, fast unhörbar und bis auf ein Wort unverständlich.
"Mulțumesc." - Danke.
Ich lächelte, obwohl sie es nicht sehen konnte. Leise verließ ich den Raum wieder. Später, im Schwesternzimmer, bat ich eine Kollegin, ihr ein neues Hemd und etwas zu essen zu bringen.
"Aber keine Männer ins Zimmer. Das würde sie nur verschrecken."
Am nächsten Vormittag sah ich wieder nach ihr. Sie hatte kaum geschlafen, zitterte noch immer, aß aber ein paar Bissen vom Frühstück. Ich setzte mich auf den Stuhl neben ihrem Bett.
"Ich weiß, das ist alles schwer. Aber du bist jetzt in Sicherheit. Wir kümmern uns um dich."
Sie nickte, ohne mich anzusehen. Meine Übersetzer-App war hilfreich, aber nicht optimal. Ich bat um die Hilfe einer Dolmetscherin aus dem Haus. Eine halbe Stunde später kam Elena, eine rumänische Kollegin aus der Inneren Abteilung. Sie sprach ruhig mit Mihaela, stellte einfache Fragen, versicherte ihr, dass niemand ihr etwas antun würde.
Währenddessen beobachtete ich die beiden. Ich sah, wie sich Mihaelas Schultern langsam senkten und ihr Körper nicht mehr ganz so unter Spannung stand, so als ob sie jederzeit flüchten musste.
Nach dem Gespräch wandte sich Elena an mich.
"Sie hat große Angst vor Männern. Aber sie weiß, dass du sie gesehen und geholfen hast. Sie sagt, sie vertraut dir - ein bisschen."
Das war schon mehr, als ich erwartet hatte. Ich blieb noch kurz bei ihr. Sie war erschöpft, aber ich spürte, dass der erste kleine Funken Vertrauen da war. Mihaela war mir unheimlich sympathisch und ich würde sie nie einfach nur als 'Patientin' sehen können.
Ich wusste, dass sie professionelle Hilfe brauchen würde, und auch, dass das hier erst der Anfang war. Aber in diesem Moment, als sie kurz meine Hand berührte und wieder 'Mulțumesc' flüsterte, fühlte es sich so an, als hätte sie ganz vorsichtig begonnen, zurück ins Leben zu finden.
Am nächsten Tag kam ich wieder auf die Station. Es war früher Nachmittag, und ich hatte eine kleine Tüte in der Hand. Obst, ein paar Kekse und eine Zahnbürste. Kleinigkeiten, aber etwas, das ihr zeigen sollte, dass jemand an sie denkt.
Vor Zimmer 212 stand eine andere Polizistin. Sie nickte mir zu, als ich ihr meinen Ausweis zeigte.
"Alles ruhig heute."
"Das ist gut."
Ich klopfte an und öffnete langsam die Tür. Mihaela saß aufrecht im Bett. Die Decke hatte sie ordentlich über die Knie gezogen. Ihre Haare waren ungekämmt und sahen trotzdem unverschämt gut aus. Als sie mich sah, spannte sie sich zuerst an, erkannte mich dann aber und entspannte sich wieder. Ein winziges, vorsichtiges Lächeln huschte über ihr Gesicht.
"Hallo, Mihaela, ich habe ein bisschen was für dich."
Sie verstand nicht jedes Wort, aber der Ton reichte. Ich stellte die Sachen auf den Tisch neben ihr Bett und setzte mich auf den Stuhl. Ich setzte mich weit genug von ihr weg, so dass sie sich nicht bedrängt fühlte. Mein Telefon mit dem Übersetzer legte ich auf den Tisch, so dass sie ihn auch benutzen konnte, wenn sie mir was mitteilen wollte.
Sie senkte den Blick, kaute auf ihrer Lippe herum, als wolle sie etwas sagen und sich doch nicht trauen. Schließlich griff sie vorsichtig nach meinem Handy. Ihre Finger zitterten leicht, als sie zu sprechen begann.
"Ich habe Angst, wenn es dunkel wird."
"Das verstehe ich gut. Aber du bist hier sicher. Es ist immer jemand in der Nähe. Vor der Tür steht immer eine Polizistin. Über die Klingel kannst du jederzeit um Hilfe rufen. Und ich bin auch nicht weit."
Sie sah mich lange an und nickte dann leicht.
"Danke."
Das sagte sie auf Deutsch. Das Wort kam hart über ihre Lippen, aber das war kein Wunder. Wahrscheinlich war das das erste Wort, das sie auf Deutsch sagte. Ich lächelte.
"Sehr gut!"
Ich zeigte ihr einen Daumen nach oben. Zum ersten Mal sah ich ein echtes Lächeln von ihr. Nicht erzwungen, nicht aus Unsicherheit, sondern ganz ehrlich.
"Mihaela, wir müssen dein Auge noch untersuchen. Ist das ok, wenn ich unseren Augenarzt hole?"
Sie nickte kaum merklich. Ich rief unseren Augenarzt an, aber er war gerade beschäftigt und brauchte noch eine halbe Stunde. Ich sagte Mihaela Bescheid, dass ich wiederkommen würde.
Später traf ich ihn in seinem Behandlungzimmer und gemeinsam gingen wir zu Mihaela. Als wir ihr Zimmer betraten, war sie gerade auf der Toilette. Wir warteten, bis sie wieder herein kam, aber sofort machte sie einen Schritt nach hinten und schloss die Tür ab.
"Nu! Nu! Nu!"
"Entschuldigung Doktor Franke, warten sie bitte kurz draußen. Ich muss das eben erst klären."
Während der Kollege das Zimmer verließ, holte ich meinen Übersetzer hervor.
"Mihaela, ich bin alleine. Komm bitte raus und lass uns reden."
Es dauerte einen Moment, bis sie die Tür einen Spalt öffnete und vorsichtig umher schaute.
"Was ist los, Mihaela? Hast du Angst?"
"Wer ist das?"
"Das ist unser Augenarzt. Er soll sich dein Auge ansehen. Das kann auch verletzt sein."
"Aber keinen Mann!"
"Mihaela, wir haben hier nur den einen Augenarzt. Aber ich bleibe hier bei dir und passe auf. Er wird dir nichts tun. Das verspreche ich. Ist das ok?"
Sie nickte zurückhaltend und ging wieder zum Bett. Ich lächelte sie an und ging zur Tür.
"Ok, sie können hereinkommen. Aber bitte Vorsicht, sie hat panische Angst vor Männern. Kein Wunder bei der Vorgeschichte. Ich musste ihr versprechen, dabei zu bleiben und auf sie aufzupassen."
Mihaela musste sich an den Tisch setzen. Während unser Augenarzt sie untersuchte, blieb ich hinter ihr stehen und streichelte langsam und vorsichtig ihre Schultern. Das beruhigte sie doch ziemlich und die Untersuchung war recht schnell abgeschlossen.
"So wie es aussieht, ist alles in Ordnung. Das Auge ist bei dem Schlag nicht getroffen worden oder nur ganz schwach. Nochmal Glück gehabt."
Mihaela lächelte glücklich und bedankte sich, war aber auch sichtbar erleichtert, als der Kollege ihr Zimmer wieder verlassen hatte.
"Vă mulțumesc pentru eforturile voastre. Dar probabil că sunt în zadar. Fratele meu vitreg și tatăl său mă vor găsi și mă vor ucide."
"Vielen Dank für eure Arbeit. Aber die ist wahrscheinlich vergebens. Die anderen werden mich finden und dann doch töten."
"Nein Mihaela, das werden sie nicht. Wir werden das verhindern. Das verspreche ich dir."
Zwei Tage später kam ich wieder. Ich hatte den Vormittag in der Notaufnahme verbracht und war müde, aber ich wollte sehen, wie es ihr ging. Mihaela saß am Fenster in einen Bademantel vom Krankenhaus gehüllt. Ein Notizheft lag vor ihr auf dem Tisch und sie hatte einen Stift in der Hand.
"Hallo Mihaela, was schreibst du?"
Sie blätterte kurz und zeigte mir eine Seite, auf der in schön geschwungener Schrift stand:
Apfel, Brot, Danke, Arzt, Nein, Ja
Ich musste lachen.
"Lernst du Deutsch?"
"Elena hilft."
Stolz schwang in ihrer Stimme mit. Die rumänische Kollegin aus der Inneren Abteilung hatte Wort gehalten und war ein paar Mal bei ihr gewesen. Ich setzte mich neben sie.
"Wie fühlst du dich heute?"
Sie zögerte und ich legte mein entsperrtes Telefon vor sie hin. Sie nahm das Telefon und öffnete die Übersetzer-App.
"Mein Kopf ist laut, wirr. Aber es wird besser."
"Das ist normal. Dein Gehirn versucht, alles zu sortieren. Das braucht Zeit."
Sie nickte. Dann reichte sie mir das Notizbuch. Mit der Hand machte sie eine Bewegung, dass ich was schreiben soll. Ich nahm den Stift, überlegte kurz, und schrieb Alles wird gut. Schritt für Schritt.
Sie las es, runzelte die Stirn, tippte auf das Wort 'Schritt' und sah mich fragend an. Ich versuchte, ihr mit den Fingern verständlich zu machen, dass alles gut wird. Und dann machte ich mit zwei Fingern ein paar kleine Schritte auf dem Tisch. Sie lachte. Zum ersten Mal richtig. Ein kurzes, helles Lachen, das mich bis in mein Innerstes berührte. Dann wurde sie wieder ernst, schob das Notizbuch zu mir zurück und schrieb darunter, ganz langsam und mit unsicherer Schrift 'Ich will leben'.
Ich musste schlucken und meine Tränen herunter kämpfen.
"Das ist ein sehr guter Satz, Mihaela. Der beste, den ich seit Langem gehört habe."
Ich spendete ihr leisen Applaus. Ich hätte gerne noch mehr Zeit mit ihr verbracht, doch leider hatte ich noch anderes zu tun.
"Mihaela, ich muss wieder gehen. Da warten noch andere Patienten."
Sie sah mich zwar ein wenig traurig an, nickte dann aber.
"Kommst du wieder?"
"Wann immer es geht."
Ich hob entschuldigend die Schultern und winkte ihr zum Abschied zu. Mein erster Weg führte mich in unseren Aufenthaltsraum. Aber kaum war die Tür hinter mir zugefallen, schossen mir die Tränen in die Augen.
"Anna, was ist los?"
Eine Kollegin setzte sich neben mich und legte ihren Arm um meine Schultern. Ich erzählte ihr, was ich gerade erlebt hatte. Alle hier im Krankenhaus wussten von Mihaela. Es kam sehr selten vor, dass ein Zimmer von der Polizei bewacht wurde.
"Anna, wir alle wissen, wie sehr dich das mitgenommen hat und wie sehr dir die Frau am Herzen liegt. Wenn wir dir helfen können, sag Bescheid."
"Vielen Dank. Aber ich hoffe, ich muss nicht darauf zurückkommen."
"Das ist wirklich kein Problem, Anna."
Sie gab mir noch einen Kuss auf die Stirn und erhob sich dann.
"Tut mir leid, aber ich werde gebraucht."
Wir winkten uns zum Abschied zu und ich ging ins Bad, um mich etwas zu erfrischen und wieder normal auszusehen.
Am Abend, bevor ich ging, fragte ich die Schwester am Tresen, wie es ihr gehe.
"Sie schläft endlich besser und sie isst wieder normal. Ich glaube, sie fängt an, uns zu vertrauen."
Ich nickte. Und mir wurde bewusst, dass ich gut auf mich selbst aufpassen musste. Nicht dass mich ihr Schicksal völlig vereinnahmte. In meinem Hinterkopf sah ich ein kleines Teufelchen, das sich auf dem Boden wälzte vor Lachen. Zu sehr war sie schon zu einem festen Teil meiner Gedanken geworden.
Drei Tage später ging ich wieder zu ihr. Ich klopfte an die Tür und trat ein. Auf dem Tisch lag ein kleiner Stapel Papier. Befunde, Formulare, Berichte. Mihaelas Akte war inzwischen dicker als die der meisten Patienten hier. Ich hatte sie heute Morgen mit der Stationsleitung durchgesehen. Medizinisch gab es keinen Grund mehr, sie länger hierzubehalten. Psychisch allerdings...
Sie saß auf der Bettkante, hielt das Notizheft auf den Knien. Als sie mich sah, hob sie leicht den Kopf.
"Hallo, Anna."
Das Wort kam noch etwas holprig, aber mit einem erfreuten Unterton.
"Hallo, Mihaela. Wie fühlst du dich heute?"
"Müde. Aber... ok."
Ich setzte mich neben sie und sah sie einen Moment an. Die blauen Flecken waren blasser geworden, das Auge fast abgeschwollen, aber in ihren Bewegungen war noch immer eine Vorsicht, als fürchte sie, jemand könne sie jeden Moment schlagen.
"Mihaela, wir müssen über Morgen reden."
Sie spannte sich sofort an.
"Morgen?"
Ich nickte und ließ die App übersetzen.
"Du bist gesund genug, um nach Hause zu gehen. Aber du hast kein Zuhause hier. Das Jugendamt wird dir helfen, einen sicheren Ort zu finden."
Sie starrte auf den Boden, als hätte sie genau das gefürchtet.
"Nicht Polizei? Nicht Männer?"
"Nein, ein Haus nur für Frauen mit sehr freundlichen Menschen. Niemand wird dich dort anfassen."
Sie presste die Lippen zusammen und überlegte eine Weile.
"Ich will nicht allein sein."
Das traf mich. Ich dachte kurz nach, was ich ihr sagen sollte.
"Du wirst nicht allein sein. Da ist immer jemand für dich da und ich bin auch in der Nähe. Ich komme dich oft besuchen. Versprochen."
Sie nickte langsam. War das jetzt ein Ja oder ein Nein? In dem Moment klopfte es und eine Frau mittleren Alters kam herein.
"Guten Tag, ich bin Frau Siebert vom Jugendamt."
"Ich bin Anna Meier, die behandelnde Ärztin. Und ich habe dafür gesorgt, dass sie befreit wurde. Sie sind über den Vorgang informiert?"
"Ja, wir haben den Polizeibericht erhalten, wobei das aber nicht viel war."
"Frau Matei ist ganz alleine hier. Ihr Stiefvater und Stiefbruder sind noch in Rumänien. So viel ich weiß, war sie hier irgendwo eingesperrt. Mehr hat sie mir leider noch nicht gesagt. Sie ist immer noch sehr verschlossen."
Ich rief meine Kollegin Elena an, um für uns zu übersetzen. Bei so schwierigen Themen war eine App nicht gut geeignet und Mihaela vertraute ihr auch ein wenig. Wir unterhielten uns erst ein wenig über Belangloses mit Mihaela, bis sie uns plötzlich fragte.
"Was ist mit dem anderen Bruder? Auch tot?"
Wir sahen sie verwirrt an. Warum sprach sie von Bruder?
"Was meinst du mit Bruder? Meinst du die beiden Männer, die dich entführt hatten?"
"Ja, das sind meine Stiefbrüder. Söhne von meinem Stiefvater."
Sie sprach sehr leise, kaum dass Elena sie überhaupt verstehen konnte. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen.
"Und warum haben die dich so misshandelt?"
"Die haben mich nach Deutschland gebracht um hier als Prostituierte zu arbeiten. Aber ich habe mich immer geweigert. Dann haben sie mich immer geschlagen. Und jetzt hätten sie mich umgebracht."
Die letzten Worte waren kaum noch zu verstehen. Bei den Erinnerungen hatte sie angefangen zu weinen, was sich in einen regelrechten Weinkrampf steigerte. Ich sprach ganz leise mit ihr und nahm sie in den Arm. Es dauerte fast zehn Minuten, bis sie sich beruhigt hatte.
"Du brauchst keine Angst haben, Mihaela. Wir passen auf dich auf. Aber warum hat dein Vater nichts unternommen?"
"Der hat ihnen das doch befohlen."

"Und die Polizei?"
"Mein Stiefvater ist der Polizist in unserem Dorf. Wer glaubt da schon mir? Er hätte immer gesagt, ich wäre dumm und wüsste nicht, was ich sage. Wir lebten in einem kleinen Dorf, weit weg von jeder Stadt."
"Warum hat er gesagt, du wärst dumm?"
"Weil ich schlecht in der Schule war."
Wir sahen uns ratlos an. Wir konnten nichts anderes tun als das der Polizei zu melden.
Frau Siebert war eine sachliche, freundliche Frau mit warmen Augen. Sie sprach ruhig und erklärte Mihaela, wie es jetzt weitergehen würde. Ich hielt mich zurück und beobachtete, wie sie versuchte, den Inhalt zu verstehen. Ihre Hände spielten nervös an der Bettdecke, doch sie hielt durch. Nach einer halben Stunde stand fest, dass sie am nächsten Tag in eine geschützte Wohngruppe gebracht werden würde. Da Mihaela noch minderjährig war, ließ das Jugendamt da keine Wahl. Die Wohngruppe, ausschließlich für Mädchen und junge Frauen, war nicht weit von der Stadt entfernt, mit psychologischer Betreuung und Dolmetscherhilfe. Da war Mihaela auf jeden Fall sicher.
Als alle gegangen waren, blieb ich noch bei ihr. Sie saß still da, den Blick zum Fenster gerichtet.
"Das ist gut, Mihaela, da bist du sicher. Und du kannst weiter lernen."
"Ich hatte Angst vor allem. Aber du warst immer für mich da. Ich vergesse dich nicht."
Ich spürte, wie ich einen Kloß im Hals bekam und die Tränen nach draußen wollten. Ich hatte sie in den paar Tagen unheimlich lieb gewonnen und wollte nicht, dass sie einfach so aus meinem Leben verschwand.
"Ich dich auch nicht."
Am nächsten Morgen half ich ihr beim Zusammenpacken. Es war nicht viel, eine kleine Tasche, das Notizbuch, die Kleidung, die das Krankenhaus gestellt hatte. Unten wartete schon die Betreuerin aus der Wohngruppe. Eine ruhige Frau, vielleicht Mitte vierzig, mit einem unaufdringlichen Lächeln.
Mihaela stand neben mir, sichtlich nervös. Ich drückte ihr das Notizbuch in die Hand.
"Hier, schreib weiter. Jeden Tag ein Wort. Und ich komme dich bald besuchen."
Sie sah mich an, und in ihren Augen lag etwas, das ich nur schwer beschreiben konnte - Dankbarkeit, Angst vor was Neuem, ich wusste es nicht.
"Danke, Anna."
Ich wollte etwas sagen, aber mir fiel nichts ein. Stattdessen legte ich ihr kurz die Hand auf die Schulter. Als sie den Gang hinunterging, drehte sie sich noch einmal um. Ich hob die Hand zum Gruß, und sie tat es auch. Es war immer was los hier im Eingangsbereich und ich hatte zu tun, meine Emotionen im Zaum zu halten. Ich hätte echt heulen können.
***
Zwei Wochen waren vergangen, in denen ich leider überhaupt keine Zeit fand, Mihaela zu besuchen. Ich ließ ihr das aber ausrichten, damit sie nicht meinte, ich hätte sie vergessen.
Mein Arbeitsleben im Krankenhaus war wieder in normale Bahnen zurückgekehrt. Jeden Tag nahm ich mir ein paar Minuten, um an Mihaela zu denken. Vor allem wenn ich an Zimmer 212 vorbei kam oder es betreten musste, schnürte es mir die Kehle zu. Auch wenn ich sie noch nicht besuchen konnte, so erkundigte ich mich doch regelmäßig nach ihr.
"Sie macht Fortschritte. Langsam, aber stetig. Sie fragt fast jeden Tag nach Ihnen. Sie ist traurig, dass sie sie noch nicht besucht haben, aber sie ist auch froh, dass sie ihr Bescheid sagen, wenn es nicht klappt."
Endlich hatte ich frei und auch keine anderen wichtigen Termine. Das Haus war ein ehemaliges Zweifamilienhaus, das entsprechend umgebaut worden war. Ich klingelte und nach einem Moment öffnete eine Betreuerin mit kurzen, grauen Haaren.
"Frau Meier? Schön, dass Sie da sind. Mihaela ist schon ganz aufgeregt."
Ich nickte, wusste aber nicht, ob ich mich selbst mehr freute oder nervöser war. Die erste Begegnung nach zwei Wochen war merkwürdig. Wir freuten uns beide, waren aber auch unsicher, wie wir uns verhalten sollten. Sie zeigte mir ihr Zimmer, das nicht gerade groß, aber nett eingerichtet war, mit einem Schreibtisch, Laptop, ein paar Büchern und Schulheften. Sie erzählte mir, dass sie so viel wie möglich Deutsch lernte und auch bald auch den Stoff der mittleren Reife lernen wollte. Wer zur Hölle behauptete, sie wäre dumm?
Das erste Mal war holprig, aber ich sah, dass sie sich wirklich gefreut hatte, mich wieder zu sehen. Und ich war auch mehr als glücklich, Mihaela wiedergesehen zu haben.
In der nächsten Zeit besuchte ich Mihaela ein Mal wöchentlich. Mit jedem Mal wurden unsere Gespräche länger und irgendwann, als auch ihre Psychologin dabei war, erzählte sie mir über ihre Vergangenheit in Rumänien.
Ihre ersten Jahre waren einigermaßen schön. Sie waren ziemlich arm und ihren Vater hatte sie nie gesehen, aber sie hatte eine tolle Mutter, die sie abgöttisch liebte. Als die dann den Dorfpolizisten näher kennenlernte, schöpften sie Hoffnung, dass es ihnen bald etwas besser gehen würde. Das tat es auch am Anfang, aber dann traten bei ihm und seinen drei Söhnen immer mehr die wahren Eigenschaften zutage. Sie behandelten ihre Mutter wie ihre Sklavin und als die dann irgendwann tot aufgefunden wurde, musste sie ihren Platz übernehmen. Später gingen zwei ihrer Stiefbrüder dann weg, aber die Situation besserte sich dadurch nicht. Sie wurde zwar oft geschlagen, aber zum Glück nie sexuell belästigt.
Das änderte sich aber, als sie siebzehn geworden war. Sie wurde eines nachts in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht. Dort traf sie dann wieder auf ihre beiden anderen Stiefbrüder. Sie sperrten sie in ein kleines Zimmer ohne Heizung und mit einer einfachen Matratze. Aber immerhin konnte sie sich waschen und bekam was zu essen.
Aber dann erklärten sie ihr, was sie in Zukunft zu tun habe. Doch da weigerte sie sich. Mehr als wieder zurück schicken konnten sie sie ja nicht. Dachte sie zumindest. Doch von Tag zu Tag schlugen sie sie mehr bis zu dem Moment, an dem sie sie umbringen wollten. Als sie die Polizeisirenen hörte, schöpfte sie Hoffnung und als dann die Schüsse fielen, war sie mit ihrer Kraft am Ende. Entweder sie waren erschossen worden, dann würde sie überleben, oder sie hatten gewonnen und dann war ihr Leben zu Ende.
Das alles hatte sie am Ende fertig gemacht. Sie weinte wieder mal, aber hinterher hatte ich den Eindruck, dass sie sich besser fühlte. Sie konnte sich das endlich mal alles von der Seele reden. Sie hatte viel mehr gesagt aber wir hatten sie reden lassen, auch wenn wir nicht alles verstanden. Sie sollte alles mal loswerden.
Wenn wir uns allein unterhielten, brauchten wir für vieles noch die Übersetzungs-App, aber ihre Kenntnisse der deutschen Sprache machten gute Fortschritte. Wie ihr Stiefvater behaupten konnte, sie wäre dumm, war mir völlig unverständlich. Sie erzählte mir auch, dass sie später in Deutschland arbeiten wollte.
Mihaela empfing mich dann jedes Mal an der Tür, barfuß, mit einem Lächeln, das langsam sicherer wurde. Am Anfang hatte sie mir jedes Mal gedankt, dass ich gekommen bin. Übertrieben oft, wie jemand, der sich noch nicht traut, etwas einfach selbstverständlich zu finden. Inzwischen war sie deutlich selbstbewusster.
"Schön, dass du da bist."
Diese Tage waren auch immer ein Lichtblick für mich. Ich zehrte die ganze Woche von der Energie, die mir die Begegnungen mit Mihaela gaben.
An einem Samstag kam ich früher als sonst. Mihaela stand in der Küche der Wohngruppe, eine Schürze umgebunden, die Ärmel hochgekrempelt. Sie kochte und sah mich stolz an.
"Ich mache Suppe. Rumänisch. Für dich auch."
Ich sah ihr über die Schulter und es roch grandios.
"Oh, viel Knoblauch. Meine armen Kollegen morgen."
Sie lachte, und es war dieses helle, fast kindliche Lachen, das jedes Mal etwas in mir auslöste.
Die Suppe war tatsächlich hervorragend. Wenn ich das mit meinen Fähigkeiten verglich, fragte ich mich, ob ich wohl nachträglich noch für die Misshandlung von Lebensmitteln belangt werden könnte.
Nach dem Essen holte sie ihr Notizbuch hervor. Es war inzwischen halb voll mit deutschen Wörtern, kurzen Sätzen, manchmal Zeichnungen. Ich blieb bei einer Seite hängen, auf der ein Satz stand stand.
Ich habe Angst, aber weniger als gestern.
Ich sah sie an und sie zuckte leicht mit den Schultern.
"Das ist gut, oder?"
"Ja, das ist sehr gut."
Mit der Zeit begann sie, über ihre Nächte zu reden. Nicht ausführlich, nur in Bruchstücken.
"Manchmal Traum. Ich sehe... Auto, Straße, Bruder. Ich wache auf... hier."
Sie deutete auf ihre Brust.
"Herz schnell. Dann sehe ich... Zimmer. Und dann ist gut."
"Weil du weißt, dass du hier bist?"
Sie nickte. Ich war begeistert, weil sie das alles ohne die App erzählen konnte.
***
Im Februar lud ich sie ein, einen Spaziergang mit mir zu machen.
"Draußen ist es kalt, aber schön."
Sie zögerte erst ein wenig, dann nickte sie aber. Ich hatte vorher bei einer Betreuerin nachgefragt und da Mihaela keine wirklich warme Jacke hatte, hatte ich eine für sie gekauft. Sie freute sich unheimlich und umarmte mich tatsächlich. Das war das erste Mal, dass sie so aus sich heraus kam.
Es war wirklich sehr kalt und der Schnee knirschte unter unseren Schritten. Ich hasste dieses Geräusch, aber ich ließ mir nichts anmerken. An einem kleinen Hügel, auf dem noch relativ viel Schnee lag, fuhren Kinder Schlitten. Mihaela blieb stehen und beobachtete sie lange.
"Ich war auch so, bevor... alles."
Ich wusste, dass sie nicht mehr sagen musste. Sie hielt sich an meinem Arm fest und ich merkte, dass sie mit ihren Tränen kämpfte, aber sie hielt sich tapfer. Wir gingen weiter, redeten über belanglose Dinge, wie man auf Deutsch 'Wolke' sagt, ob deutsche Bäume anders riechen als rumänische und dass Tee hier nie stark genug ist. Nach einer Weile hatte sie die Kinder wieder vergessen und es ging ihr wieder merklich besser.
Manchmal, wenn ich später abends in meiner Wohnung saß, dachte ich über all das nach, und ganz besonders über unsere Treffen. Wie seltsam es war, dass man einen Menschen inmitten von Chaos findet, und dass der einem plötzlich wichtiger ist, als man zugeben möchte. Ich wusste, dass ich aufpassen musste, auf mich, auf sie und auf das Gleichgewicht. Aber ich wusste auch, dass es nicht Mitleid war, das mich zu ihr hin zog.
***
Es war Frühling geworden. Die Luft roch wieder nach Erde und nassem Gras und an manchen Tagen konnte man wieder ohne dicke Jacke nach draußen gehen. Ich war gerade in der Klinik, als Frau Siebert mich anrief.
"Mihaela hat eine kleine Wohnung bekommen. Ein Übergangsprojekt, betreutes Wohnen. Sie hat mich gebeten, sie zu informieren - sie klang so unheimlich stolz."
"Das darf sie auch sein."
Ein paar Tage später stand ich mit ihr vor einem alten, hellen Mietshaus am Stadtrand. Die kleine Wohnung hatte nur ein Zimmer, Küche, Bad. Das Bett stand noch ohne Bettwäsche da, der Kühlschrank war leer. Aber sie platzte beinahe vor Stolz.
"Mein neues Zuhause, nur für mich."
"Das ist so toll, Mihaela. Ich bin so stolz auf dich, wie schnell du das geschafft hast."
Sie umarmte mich und legte ihren Kopf auf meine Schulter.
"Danke Anna, ohne dich ich hätte nie geschafft."
Ich wusste nicht, dass ich SO nah am Wasser gebaut war. Aber ich hätte in dem Moment schon wieder heulen können. Und wieder packte mich die Wut auf ihre Stiefbrüder. Wie krank musste man im Hirn sein, um so ein bezauberndes Geschöpf so zu quälen. Warum hatte der Polizist mit dem zweiten Schuss nicht besser getroffen. Dann müsste sich sich nicht in absehbarer Zeit mit dem Prozess gegen ihn herumschlagen. Denn der würde bald stattfinden. Oder warum hatte ich damals die Kugel nicht weiter rein gedrückt. Vielleicht wäre er dann auch tot.
Wir packten gemeinsam ein paar Kartons aus. Bücher, Kleidung, das Notizbuch, das sie immer noch führte. Ich sah es mir an und es war bis auf eine Seite komplett voll.
"Dein Deutsch ist super, Mica."
Sie blickte mich erschrocken an.
"Mica...?"
"Oh Mist, entschuldige bitte Mihaela. Das ist mir so rausgerutscht."
"Nein, Mica ist gut. Hat Mutter auch immer sagen. Du darfst auch Mica sagen."
"Aber wenn dir das zu weh tut, sag es mir."
"Nein, nein, alles gut. Wäre schön, du als Mutter meine."
Jetzt war es mit mir vorbei. Ich hockte mich auf den Boden und fing an zu heulen.
"Warum weinst du?"
Mica hockte sich hin und legte ihren Arm um mich.
"Ich bin so stolz auf dich, Mica. Du bist so stark und so tapfer. Viel stärker als ich."
"Nein Anna, du sehr starke Frau. Du bist toll."
Endlich beruhigte ich mich wieder.
"Entschuldige Mica."
"Alles gut."
Wir machten weiter damit, ihre Sachen auszupacken. An die Wand über dem Schreibtisch klebte sie ein Blatt Papier, auf dem in großen Buchstaben stand 'Heute - nicht gestern'.
"Mein Therapeut sagt, das ist gut."
"Er hat absolut recht."
Ich half ihr noch, ein paar Grundsachen einzukaufen - Besteck, Handtücher, eine kleine Topfpflanze. An der Kasse zählte sie das Geld langsam ab, konzentriert und stolz darauf, es allein zu schaffen.
"Du brauchst nicht zahlen."
Sie schüttelte den Kopf.
"Ich will. Ich kann."
Das sagte sie mit einer Entschiedenheit, die keine Diskussion zuließ. Ich lächelte nur.
Am späten Nachmittag tranken wir Tee auf ihrem Balkon. Die Sonne stand schon tief und bald würden wir rein gehen müssen. Es war schon fast zu kalt.
"Früher... ich dachte, niemand sieht mich. Jetzt sehe ich mich selbst."
Ich war sprachlos. Was hätte ich darauf sagen sollen. Aber es war wohl besser, wenn ich nichts sagte. Ich legte nur meine Hand auf ihre und drückte sie leicht. Sie drehte ihren Kopf zu mir und sah mich ernst an.
"Du glaubst an mich. Immer. Auch wenn ich Angst habe."
"Ja, weil du jeden Tag ein Stück mehr zu dir selbst wirst. Und endlich wirst du auch die tolle Frau, die du ja eigentlich auch bist."
"Und du? Du bist okay?"
Schon wieder war ich sprachlos. Ich hätte nicht erwartet, von so einem jungen Menschen so ernsthafte Sätze zu hören. Ich hätte die Frage mit einer einfachen Antwort wegbügeln können, aber das wollte ich nicht. Mica hatte eine korrekte Antwort verdient.
"Manchmal ja, manchmal nein. Aber das ist auch in Ordnung. Aber immer wenn ich dich treffe, geht es mir besser. Darum freue ich mich jede Woche auf dich."
Sie sah mich lange an.
"Dann trinken wir Tee, bis es besser ist."
Und genau das taten wir.
Ich besuchte sie hier immer am Wochenende. Sie hatte eine Ausbildung in einer Bäckerei begonnen und sie war abends immer so erschöpft, dass ich sie in Ruhe lassen wollte.
Drei Wochen nach ihrem Einzug kam der Brief. Ein gelber Umschlag, der einem sofort ins Auge fiel. Mica hatte mich sofort angerufen, als sie den Brief geöffnet hatte und ich war noch am Abend, direkt nach meiner Schicht, zu ihr gefahren. Die Tür war nur angelehnt und sie saß auf dem Boden, den Rücken an die Wand gelehnt. Ihr Gesicht war stark gerötet und es war klar, dass sie die ganze Zeit geweint hatte. Der Brief lag neben ihr. Sie sah nicht hoch, als ich die Tür hinter mir schloss.
"Der... Prozess, in zwei Wochen."
Ich setzte mich neben sie und nahm ihre Hand.
"Ich weiß."
"Ich habe gedacht, vorbei. Aber... er ist da. Wieder."
Ihre Hände zitterten, und in ihren Augen lag dieser alte, leere Blick, den ich aus dem Krankenhaus kannte. Dann liefen wieder die Tränen über ihr Gesicht. Ich konnte nichts tun, außer ihr moralische Unterstützung zu geben. Wir sagten fast den ganzen Abend nichts. Irgendwann brachte ich sie ins Bett. Sie machte fast nichts allein. Ich entkleidete sie und zog ihr ihren Schlafanzug an. Ich führte sie nochmal aufs Klo und brachte sie dann ins Bett.
Für den Fall, dass in der Nacht wieder Alpträume kamen, blieb ich bei ihr. Ich machte es mir in dem einen Sessel so bequem wie möglich. Erst beobachtete ich sie noch, doch dann schlief ich auch ein.
Zum Glück blieb sie ruhig in der Nacht. Am Morgen wachte sie zwar auf, stand aber nicht auf. Sie sah mich nur ausdruckslos an. Dann liefen ihr wieder die Tränen über das Gesicht. Wenn ich ihr doch bloß helfen könnte. Das einzige, das ich im Moment tun konnte, war, sie krank zu schreiben. Es war völlig unmöglich, dass sie in dem Zustand zur Arbeit oder in die Schule gegangen wäre. Ich rief meinen Kollegen im Krankenhaus an, schilderte ihm den Fall und ließ ihn eine Krankmeldung erstellen. Dann rief ich in der Schule und in ihrem Betrieb an. Zum Glück hatte die Bäckerei schon öfter Lehrlinge aus der Wohngruppe gehabt und war darauf gefasst, dass es mal Rückschläge geben konnte.
Seit dem Tag war Mica wie gelähmt. Sie stand nicht auf, aß und trank nur das nötigste. Manchmal waren es nur ein oder zwei Bissen, manchmal auch gar nichts. Ich hatte versucht, sie wieder zurück in die Wohngruppe zu bringen, aber da war ihr alter Platz schon wieder neu vergeben worden. Leider konnte ich mir keinen Urlaub nehmen, kümmerte mich aber trotzdem um sie. Ich hatte mir eine Luftmatratze mitgebracht und schlief jede Nacht bei ihr. Meine eigenen Wohnung sah ich nur noch, wenn ich mir frische Klamotten holte oder Wäsche waschen musste. Zum Glück waren meine Kollegen so hilfsbereit und tauschten ihre Tagschichten mit mir, so dass ich nachts immer bei ihr sein konnte.
Sie sprach nur sehr wenig und wenn, dann war es meistens wieder auf Rumänisch. Es war, als hätte sie alle bisherigen Erfolge komplett vergessen. Wenn sie tagsüber mal aufstand, dann nur, um auf die Toilette zu gehen. Und wenn ich an meinem freien Tag bei ihr war, kam sie zwar aus dem Bett, setzte sich dann aber nur neben mich, klammerte sich an mich und sagte entweder nichts oder weinte. Ihre Psychologin kam zwar auch wieder zu ihr, echte Fortschritte waren aber nicht zu verzeichnen. Die Nächte waren ganz unterschiedlich. Mal schlief sie durch, mal wachte sie ein oder zwei Mal schreiend auf und ein Mal war sie so fertig, dass ich mich sogar zu ihr ins Bett legen musste um sie zu beruhigen.
Dann endlich konnte ich mir ein paar Tage frei nehmen. An den Tagen war ich die ganze Zeit bei ihr. Ich kochte Tee und machte ihr was zu Essen. Die meiste Zeit aber saß sie nur stumm am Fenster und sah hinaus. Die höchste Aktivität war, dass sie zeichnete. Nichts gegenständliches, rein abstrakt. Sie wollte es dann immer zerreißen, aber ich konnte es ihr ausreden. Mir gefielen die Zeichnungen und ich wollte sie aufheben.
Einmal fragte ich sie, ob sie zu meinen Eltern wolle - ein paar Tage aufs Land, wo sie Ruhe hatte, einen Garten und wo sie Abstand gewinnen konnte. Aber sie schüttelte nur den Kopf.
"Ich will bleiben. Hier. Wenn ich gehe, gewinnt er."
Ich konnte sie verstehen und so blieb ich auch.
Wenn sie wieder mal nicht schlafen konnte, setzten wir uns auf den Balkon. Es war eigentlich noch zu frisch, aber mit ein paar dicken Decken und heißem Tee ging es. Sie erzählte dann immer bruchstückhaft, manchmal ohne Zusammenhang. Was ihr gerade in den Sinn kam.
"Er hat gesagt, dass mir niemand glauben wird. Dass ich nichts bin, dass ich dumm bin. Wenn ich rede, bringt er mich um."
"Er redet nicht mehr. Du schon."
Sie schwieg eine Weile dann flüsterte sie.
"Ich will das nicht wieder träumen."
"Dann weck mich, bevor du träumst."
Sie verstand meinen Witz erst nicht, lächelte dann auch nur schwach.
"Und wenn du schläfst?"
"Dann träume ich für uns beide was Besseres."
Als die zwei Wochen vorbei waren, war sie bei weitem noch nicht so wie vorher, aber bereit - so weit man das sein konnte.
Ich hatte ihr vorher schon von einem Anwalt, Marcus Kraft, einem guten Bekannten meiner Eltern, den ganzen Vorgang erklären lassen. Und er sagte mir auch, dass Mica unbedingt als Nebenklägerin auftreten sollte. Zum Glück musste sie auch dann nicht selbst anwesend sein. Er konnte das alleine machen. Er war dann noch zwei Mal bei uns, um mit Mica zu sprechen und ihre Seite der Geschichte zu hören. Sie hielt sich unheimlich tapfer in den Stunden, aber anschließend brach sie immer wieder zusammen.
Wir hatten mehrfach versucht, ihr die Aussage zu ersparen, aber sie war nun mal die Hauptbelastungszeugin. Ohne ihre Aussage wäre der Vorwurf des Menschenhandels und der Zwangsprostitution schwer zu beweisen - ihre Aussage machte die gesamte Anklage erst vollumfänglich möglich. Sie konnte aber ihre Aussage über Video machen, sie würde nicht zu sehen sein und sie musste auch den Angeklagten nicht sehen. Ich durfte aber nicht bei ihr sein, da auch ich als Zeugin benannt worden war.
Am Tag der Verhandlung stand Mica im Bad vorm Spiegel. Sie frisierte sich, nur um zwei Sekunden später die Bürste in die Ecke zu werfen.
"Warum mache ich das? Niemand wir mir glauben."
"Mica, du hast in den letzten Wochen und Monaten so viel geschafft. Du konntest schlafen, ohne immer wieder aufzuwachen. Du hast dich nach draußen getraut. Du hast sogar eine eigene Wohnung. Das ist absolut nicht selbstverständlich. Lass dir das doch von dem Bastard nicht wieder alles kaputt machen. Und bitte glaube mir, die Richterin wird DIR glauben."
Ich sah den Zweifel in ihren Augen, aber als ich ihr die Bürste wieder gab, frisierte sie sich fertig. Kurz darauf klingelte es.
Wir wurden von zwei Polizistinnen in Zivil mit einem neutralen Fahrzeug abgeholt. Über einen Nebeneingang betraten wir das Gebäude, wo wir wieder auf auf die Psychologin Frau Brandt trafen, die die ganze Zeit bei Mica bleiben würde. Wir trafen auch die Dolmetscherin, die alles übersetzen würde. Während ich dann vor dem Gerichtssaal warten musste, wurde Mica mit ihren Begleiterinnen in einen separaten Raum gebracht, von wo aus sie per Video ihre Aussage machen konnte.
Ich war relativ früh dran mit meiner Aussage. Nur als ich bestätigen sollte, dass ich den Angeklagten an dem Tag beobachtet hatte, sah ich ihn einmal an. Wenn Blicke töten könnten, wären wir wahrscheinlich beide in dem Moment tot vom Stuhl gefallen. Als ich dann fertig war und entlassen wurde, ergriff unser Anwalt das Wort.
"Frau Vorsitzende, meine Mandantin bittet darum, dass Frau Meier die restliche Zeit bei ihr bleiben darf. Sie hat eine sehr starke Bindung zu ihr aufgebaut und es ist zu erwarten, dass sie ihre Aussage viel leichter hinter sich bringen kann, wenn Frau Meier bei ihr ist."
"Frau Vorsitzende, ich halte das für keine gute Idee. Sie kann Frau Matei in ihrem Sinne beeinflussen."
Auch wenn die Richterin sich keine Emotionen erlauben durfte, war ihr doch anzusehen, was sie über den Einwurf dachte. Als sie ihre Antwort formulierte, wäre der Verteidiger der dritte Tote im Raum gewesen.
"Herr Verteidiger, ICH halte das für eine sehr gute Idee."
Sie drehte ihren Kopf zu einer anwesenden Polizistin.
"Bringen Sie Frau Meier bitte in den anderen Raum."
Ich wurde in einen anderen Raum ein Stockwerk höher geführt. Als ich eintrat, sah ich Mica auf einem Stuhl sitzen, neben ihr Frau Brandt und die vereidigte Dolmetscherin. Ich durfte mich neben Mica setzen und sofort umklammerte sie meine Hand.
Kurz darauf war sie selbst dran mit ihrer Aussage. Sie kämpfte mit sich um möglichst klar zu sprechen und doch brach sie ein paar Mal weinend zusammen. Es mussten viele Pausen gemacht werden und ein Mal, als sie die Stimme ihres Stiefbruders hörte, konnte sie sich gerade noch umdrehen, bevor sie sich übergeben musste. Also musste eine Pause gemacht werden, damit sich sich in einer Toilette wieder etwas herrichten und der Raum gereinigt werden konnte.
Insgesamt dauerte ihre Befragung mit Pausen fast zwei Stunden und als sie endlich alle Fragen beantwortet hatte und entlassen wurde, brach Mica wortwörtlich zusammen. Bewusstlos sackte sie zu Boden, was kein Wunder war, da sie in den letzten Tagen kaum noch was gegessen hatte. Wir legten sie auf eine Couch und ich kümmerte mich um sie, bis sie wieder in Ordnung war. Kurz darauf war die Verhandlung für diesen Tag dann auch zu Ende und unser Anwalt kam zu uns, um uns über den Fortgang zu unterrichten. Die beste Nachricht für Mica war, dass für sie die Befragung zu Ende war. Sie musste nicht mehr aussagen und auch sonst nicht mehr vor Ort sein.
Wir wurden wieder nach Hause gebracht und Mica ging sofort ins Bett. Sie wollte auch nichts mehr essen, sie wollte nur noch schlafen. Da das Bett für zwei Personen dann doch zu schmal war, holte ich mir nur den Sessel heran und blieb bei ihr sitzen. Solange sie wach war, hielt ich immer Körperkontakt mit ihr. Das beruhigt sie zwar etwas, aber es war immer noch eine mehr als unruhige Nacht.
Der weiteren Verhandlung blieben wir fern, wurden aber von unserem Anwalt auf dem Laufenden gehalten. Zur Urteilsverkündung wollte ich aber dabei sein. Ich wollte sehen, wie der Bastard seine gerechte Strafe bekam. Gut, die gerechte Strafe wäre die Todesstrafe gewesen, aber die gab es bei uns ja leider nicht mehr. Aber da solche Täter auch unter Kriminellen nicht gut angesehen waren, konnte man wenigstens annehmen, dass er in der Hierarchie ganz unten stehen würde. Vielleicht würde ja auch einer der Insassen die Bestrafung durchführen.
Zum Glück war Mica damit einverstanden, dass meine Mutter bei ihr blieb, während ich im Gericht war. Es ging ihr zwar schon wieder etwas besser, aber so wie vor dem Brief war es noch lange nicht wieder.
Der Saal war voll, als die Verhandlung begann. Irgendwas musste aber vorgefallen sein, da der Angeklagte in Handschellen und Fußfesseln hereingebracht wurde und die auch nicht an seinem Platz abgenommen wurden.
Als erstes hielt der Staatsanwalt sein Plädoyer.
"Dem Angeklagten konnte nachgewiesen werden:
Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft in Tateinheit mit Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung gemäß § 232 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 StGB,
in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger gemäß § 235 Abs. 1 StGB,
in Tateinheit mit Körperverletzung gemäß § 223 Abs. 1 StGB,
sowie Freiheitsberaubung gemäß § 239 Abs. 1 StGB,
alles begangen zum Zwecke der Zuführung der Geschädigten zur Prostitution.
Ferner:
Versuchter Mord gemäß § 211 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit § 22 StGB an der Geschädigten Mihaela Matei, sowie tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte gemäß § 114 Abs. 1 StGB in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB an einem Polizeibeamten.
Der Angeklagte handelte aus niedrigen Beweggründen im Sinne des § 211 Abs. 2 StGB - Habgier und völlige Missachtung der Menschenwürde seiner Stiefschwester. Die Tötungsabsicht ist zweifelsfrei: Die Geschädigte hatte bereits die Schlinge um den Hals. Er nahm ihren Tod nicht nur billigend in Kauf - er wollte ihn.
Ich beantrage daher:
lebenslange Freiheitsstrafe gemäß § 211 Abs. 1 StGB und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld nach § 57a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB."
Fast hätte ich applaudiert und konnte mich gerade noch zurückhalten. Ich wusste nicht, ob das überhaupt erlaubt war, aber ich hatte die Aufnahmefunktion meines Telefons aktiviert, um Mica später den Erfolg des Verfahrens vorspielen zu können. Wenn sie es denn wollte.
Danach war unser Anwalt an der Reihe.
"Hohes Gericht, meine Damen und Herren Schöffen,
ich schließe mich den Ausführungen des Herrn Staatsanwalts vollumfänglich an. Aber - ich möchte noch einmal das unsägliche Leid hervorheben, das dieser Angeklagte über meine Mandantin gebracht hat. Seit der Tat befindet sich Frau Matei in psychologischer Behandlung. Alle Fortschritte, die sie über fast ein Jahr mühsam erkämpft hat, waren mit Beginn dieses Verfahrens zunichte. Wäre ihre Aussage für die Wahrheitsfindung nicht so entscheidend gewesen - ich hätte ihr geraten, zu schweigen. Doch sie hatte den Mut, sich zu stellen - und sie zahlt dafür einen hohen seelischen Preis.
Laut dem Gutachten des Sachverständigen ist Frau Matei inzwischen wieder eingeschränkt arbeitsfähig, befindet sich jedoch weiterhin in psychotherapeutischer Behandlung. Die Krankenkasse hat bislang rund 14.000 Euro an Behandlungskosten getragen und wird voraussichtlich weitere 12.000 Euro regressieren.
Durch ihre mehrmonatige Arbeitsunfähigkeit entstand ein Verdienstausfall von etwa 8.400 Euro.
Für kurzfristige Sicherungsmaßnahmen und Erstausstattung der Wohnung sind zusätzlich 2.300 Euro nachgewiesen. Der materielle Gesamtschaden beläuft sich damit auf rund 24.700 Euro, zuzüglich der Ansprüche der Krankenkasse.
Für die Entführung, die Gewalt, die Demütigung und die nun wieder aufgebrochene Traumatisierung beantrage ich ein Schmerzensgeld von mindestens 75.000 Euro. Nicht als Preis für ihr Leid sondern als Anerkennung, dass ihr Leid gesehen wird und nicht folgenlos bleibt.
Hohes Gericht, Frau Matei hat neun Monate gekämpft, um heute hier zu sein. Sie hat kein Zuhause mehr in Rumänien, keine unbeschwerte Jugend und keine unversehrte Gesundheit.
Ich bitte Sie - lassen Sie sie nicht auch noch die Rechnung zahlen. Der Täter soll zahlen - materiell, rechtlich und moralisch.
Vielen Dank."
Danach hielt der Verteidiger noch sein Plädoyer und betonte darin noch einmal, dass sein Mandant unter dem starken Einfluss seines Vaters gestanden habe und nie eine Tötungsabsicht bestanden habe. Es sei nur darum gegangen, seiner Stiefschwester Angst zu machen. Doch so sehr das Gericht und der Staatsanwalt um ausdruckslose Gesichter bemüht waren, so war ihnen doch anzusehen, was sie darüber dachten. Und als der Verteidiger 12 Jahre forderte, meinte ich, ein leichtes Schmunzeln auf dem Gesicht der Vorsitzenden Richterin zu sehen.
Nachdem der Verteidiger sein Plädoyer beendet hatte, zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Nach knapp einer Stunde kehrten die Richter in den Saal zurück. Die Richterin, eine resolute Frau Ende fünfzig mit scharfem Blick, setzte ihre Brille auf und begann mit kräftiger, ja fast schneidender Stimme die Urteilsverkündung.
"Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
Der Angeklagte wird der Entführung einer Minderjährigen in Tateinheit mit Körperverletzung und Freiheitsberaubung zum Zwecke der Zuführung zur Prostitution, des versuchten Mordes an seiner Stiefschwester sowie des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit der Körperverletzung eines Vollstreckungsbeamten schuldig gesprochen.
Das Gericht schließt sich den Ausführungen des Staatsanwalts in vollem Umfang an. Die Taten des Angeklagten zeugen von einer rücksichtslosen Habgier und einer vollständigen Missachtung menschlicher Würde. Er handelte aus niedrigen Beweggründen, nutzte die Abhängigkeit seiner Stiefschwester aus und beabsichtigte ihren Tod, wie die Beweislage - insbesondere die Schlinge um ihren Hals - eindeutig zeigt. Der Einfluss des Vaters, den die Verteidigung betont, mindert die Schuld nicht ausreichend, da der Angeklagte aktiv und eigenständig an den Taten beteiligt war. Das unsägliche Leid der Geschädigten, Frau Mihaela Matei, wie von der Nebenklage dargelegt, unterstreicht die Schwere der Verbrechen.
Der Angeklagte wird daher zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellt die besondere Schwere der Schuld fest. Die Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet. Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.
Zusätzlich wird der Angeklagte verurteilt, an die Nebenklägerin 124.700 Euro Schadenersatz nebst Zinsen zu zahlen. Die Vollstreckung bleibt vorläufig ausgesetzt, da keine pfändbaren Vermögenswerte vorliegen, laut § 806 ZPO.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Gegen dieses Urteil kann innerhalb einer Woche nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden."
Ich konnte mich nicht mehr halten. Das war viel mehr als ich erwartet hatte. Ich sprang auf und applaudierte, was mir böse Blicke von allen Beteiligten und wohlwollende Zustimmung aller anderen Zuschauer einbrachte.
Als ich wieder nach Hause kam, lag Mica in den Armen meiner Mutter auf der Couch und zitterte und weinte. Nur langsam bekam sie überhaupt mit, dass ich zurück war. So sehr sie in ihrer Entwicklung wieder zurückgefallen war, so schön war es doch zu sehen, dass sie zumindest die körperliche Nähe von mir und meiner Mutter nicht nur ertrug, sondern auch suchte.
Mica setzte sich zwar auf, versteckte sich aber wieder unter dem dicken Pulli, den ich ihr mal gegeben hatte. Sie trug ihn nun fast täglich und er war schon so ausgeleiert, dass den niemand mehr anziehen konnte. Ich setzte mich neben sie und nahm sie in den Arm. Ich konnte förmlich spüren, wie sie sich entspannte, wie ich ihr gefehlt hatte. Für die nächsten Minuten hielten wir uns lediglich aneinander fest.
"Wie war es?"
"Es ist alles gut, Mica. Er wurde zu lebenslänglich verurteilt ohne die Möglichkeit, vorzeitig entlassen zu werden. Zudem wurde dir ein Schadenersatz von über 120.000 Euro zugesprochen."
Es dauerte eine Weile, bis die Nachricht in ihr Bewusstsein gelangt war. Zu sehr hatte sie wohl erwartet, dass das Gericht seinen Ausführungen geglaubt hätte.
"Ist das wirklich wahr? Ist es vorbei?"
"Ja Mica, es ist vorbei."
Wieder brach sie zusammen, doch dieses Mal waren es Tränen der Erleichterung. Ich hielt sich fest, aber dann machte sich auch bei mir die Erleichterung und die Freude über das Erreichte bemerkbar. Mir schoss das Wasser in die Augen und gemeinsam heulten wir, bis wir nicht mehr konnten.
Ein paar Tage nach dem Prozess kam unser Anwalt zu uns. Er informierte uns darüber, dass die Verteidigung Revision beim BGH eingelegt hatte. Die Aussicht auf Annahme sei mit unter fünf Prozent zwar sehr gering, aber bis zur Entscheidung dürfte etwa ein Jahr vergehen und bis dahin müssten wir auch auf das Schmerzensgeld warten. Ein weiteres Problem stellte das Eintreiben des Geldes dar, weil niemand wusste, ob ihr Stiefbruder hier oder in Rumänien über Geld oder Materialwerte verfügte.
Mica war verzweifelt. Natürlich war sie glücklich über den Ausgang des Verfahrens, aber es half ihr nicht bei ihren seelischen Schmerzen.
Die nächsten Wochen waren hart. Micas Therapie begann wieder, aber da ich arbeiten musste, blieb sie während der Zeit bei meinen Eltern. Ich war vorübergehend auch wieder dort eingezogen, damit wir nicht jeden Tag hin und her fahren mussten und ich trotzdem nachts auf sie aufpassen konnte. Alleine zu schlafen war ihr immer noch nicht möglich und selbst wenn sie mich spüren konnte, wachte sie mehrmals in der Nacht schreiend auf. Meinen Kollegen im Krankenhaus war ich so unendlich dankbar, dass alle von sich aus angeboten hatten, meine Nachtschichten zu übernehmen, so dass ich am Abend wieder bei meinem Schützling sein konnte.
***
Es verging ein gutes halbes Jahr und Mica machte wieder gute Fortschritte. Sie schaffte es sogar, wieder allein in ihrer Wohnung zu bleiben und sie ging auch wieder zur Arbeit. Ich konnte auch wieder in meine eigene Wohnung zurück. Das war für mich insofern von Vorteil, als dass ich mich mehr um meine eigenen Bedürfnisse kümmern konnte.
Micas Anziehungskraft auf mich war immer stärker geworden und so oft wie möglich masturbierte ich, während ich an sie dachte. Aber solange sie nicht komplett gesund war und die Schatten der Vergangenheit nicht vollständig verschwunden waren, würde ich mich zurückhalten. Ich liebte sie abgöttisch, nicht nur romantisch, sondern auch als Freundin und ich würde niemals etwas tun, was unsere Beziehung zerstören würde. Auch wenn das bedeuten würde, dass ich für den Rest meines Lebens heimlich masturbieren musste.
Eines Tages erhielten wir über unseren Anwalt eine gute und eine alarmierende Nachricht. Die gute war, dass die Revision zurückgezogen worden war. Er konnte nun anfangen, den Schadenersatz einzutreiben. Die schlechte Nachricht war, dass ihr Stiefbruder wieder auf freiem Fuß war.
Wie vermutet, hatten andere Häftlinge erfahren, weshalb er verurteilt worden war. Daraufhin war er ganz unten in der Hierarchie und wurde zum Fußabstreifer für alle anderen Häftlinge. Er wurde bedroht, zusammengeschlagen und vergewaltigt und auch die Verlegung in ein anderes Gefängnis brachte keine langfristige Besserung. Die Nachrichtenübermittlung unter den Insassen funktionierte auch über weite Entfernungen.
Ein wohlwollender Zellengenosse hatte ihm wohl auch mal erklärt, was man von ihm hielt. Die Taten an sich waren schon nicht gern gesehen, aber dass er dann nicht zu seinen Taten stand und die lebenslange Haft akzeptierte, sondern noch in Revision ging, war einigen wohl zu viel. Um nicht Gefahr zu laufen, noch schlimmer behandelt zu werden, sollte er besser die Revision zurückziehen. Doch noch bevor er die Möglichkeit gehabt hatte, mit seinem Anwalt zu sprechen, hatte ihm ein rabiater Mithäftling einen scharf geschliffenen Gegenstand in den Bauch gerammt. Beim Rücktransport vom Krankenhaus ins Gefängnis war er dann geflohen.
Die Nachricht bedeutete einen erneuten Rückschlag für Micas Entwicklung. Sie sollte nicht mehr zur Arbeit gehen, so lange er nicht wieder in Haft war. Da meine Wohnung deutlich besser gesichert war, zog sie vorübergehend zu mir, trotz der Nähe zum Ursprungsort ihrer Leiden. Ich ging zwar noch zur Arbeit, aber meine Leistung ließ deutlich nach und so wurde ich von unserer Chefärztin krank geschrieben. Es konnte ja nicht ewig dauern, bis er wieder eingefangen war.
Doch das war leider ein Trugschluss. Er war schon seit zwei Wochen verschwunden und unser Leben hatte deutlich an Qualität verloren. Wir erwarteten an diesem Tag wieder die Psychologin und sie klingelte auch zur ausgemachten Zeit. Wir kontrollierten die Kameras und konnten niemanden außer Frau Brandt entdecken. Ich drückte auf den Öffner für die untere Stahltür und erwartete das Klopfen an der eigentlichen Wohnungstür.
Als ich dann die Tür öffnete, traf mich eine gewaltige Überraschung. Draußen stand Micas Stiefbruder und verpasste mir einen Schlag, der mich sofort zu Boden streckte. Er stürmte weiter und ich hörte Mica in Todesangst schreien. Das jagte mir so viel Adrenalin in den Körper, dass ich alle Schmerzen vergaß und hinter ihm her lief. Bevor ich mich aber völlig sinnlos auf ihn stürzte, fiel mir noch rechtzeitig ein, dass wir uns für alle Fälle einen hölzernen Baseballschläger besorgt hatten. Der stand in einer Abstellkammer kurz hinter dem Eingang. Ich öffnete die Tür und schnappte mir den Schläger.
Zum Glück machte der Kerl genug Lärm, so dass er nicht hörte, was ich tat. Dazu kamen die Schreie von Mica. Als ich ihn erreichte, hatte er sich schon auf seine Stiefschwester gestürzt. Mit voller Wucht schlug ich ihm auf den Rücken, doch das streckte ihn noch nicht zu Boden. Er schwankte zwar, als er sich aufrichtete und zu mir umdrehte, aber wenigstens ließ er von Mica ab.
Er kam auf mich zu, hatte aber die Arme gesenkt, um sich abzustützen. Ich schlug wieder zu, wobei ich keine Ahnung hatte, wo ich ihn traf. Ich sah im wahrsten Sinne des Wortes rot. Wieder und wieder schwang ich den Baseballschläger und immer wenn er abrupt stoppte, schlug ich auf die selbe Stelle.
Irgendwann konnte ich nicht mehr. Meine Kräfte hatten mich verlassen und langsam klärte sich auch mein Blick wieder. Ich sah den Kerl bewegungslos auf dem Boden liegen und in dem Moment spürte ich, wie mich jemand berührte. Ich drehte meinen Kopf und sah Mica, die sich tränenüberströmt an mich klammerte.
"Anna, Anna, geht es gut?"
"Ja Mica, ich bin in Ordnung."
Vom Eingang her hörte ich Geräusche und kurz darauf kam unsere Psychologin in den Raum.
"Wie geht es euch?"
"Wir sind ok. Kümmern sie sich bitte um Mica. Ich muss sehen, was mit ihm ist."
Frau Brandt zog Mica von mir weg und brachte sie nach nebenan ins Schlafzimmer. Ich kroch zu dem leblosen Körper aber auf den ersten Blick konnte ich sehen, dass da nichts mehr zu machen war. In meiner Wut hatte ich sämtliche Knochen in seinem Körper zertrümmert und auch sein Schädel bestand nur noch aus Bruchstücken. Einerseits war ich froh, dass der Typ endlich tot war und Mica ein Problem weniger hatte. Andererseits hatte ich gerade einen Menschen getötet. Ich als Ärztin.
Da er zu groß war, um ihn in der Toilette runterzuspülen, musste ich die Polizei anrufen.
"Polizeinotruf, wie kann ich ihnen helfen?"
"Anna Meier, ich habe gerade einen Mann getötet."
Das schaffte ich gerade noch, dann knipste mein Körper mir das Licht aus.
Als ich wieder aufwachte, schrie mir jemand direkt ins Ohr.
"Anna, Anna, Anna! Anna, te rog, trezește-te!"
Ich wusste auch so, was Mica mir sagen wollte. Ich drehte meinen Kopf zu ihr und nahm sie in den Arm.
"Ich bin wieder da, Mica, ich bin wieder da."
Sie klammerte sich so extrem an mich, dass ich mich fast nicht bewegen konnte. Frau Brandt bemühte sich, Mica von mir wegzuholen, hatte aber keine Chance.
"Lassen sie sie, Frau Brandt. Nehmen sie bitte eine Decke und decken sie ihn zu. Und die Polizei müsste auch bald kommen."
"Mica, bitte steh auf."
Sie war immer noch so hysterisch, dass sie sowieso nichts mitbekam. Irgendwie schaffte ich es dann doch, zusammen mit ihr aufzustehen und uns auf die Couch zu setzen. Soviel ich auch versuchte, es war unmöglich, sie wieder zu beruhigen. Also ließ ich sie gewähren.
Ein paar Minuten später kam die Polizei. Zum Glück war einer der Beamten auch damals dabei, als Mica befreit wurde. Er erkannte mich wieder und sprach mit seinen Kollegen und so ließen sie uns in Ruhe, bis zuerst die Pathologin und dann die beiden Kommissare kamen.
Die Pathologin kannte ich von der Uni. Sie sah mich freundlich an und deutete dann auf Mica.
"Soll ich ihr was zur Beruhigung geben?"
"Ja bitte. Ich habe sonst Angst, sie dreht völlig durch."
Mica reagierte gar nicht, als sie die Spritze bekam. Dann dauerte es nicht mehr lange, bis wir sie auf die Couch legen konnte. Sie schlief jetzt tief und fest und ich konnte mich endlich um die Kommissare kümmern, die zum Glück geduldig warteten. Sie zeigten mir ihre Ausweise und stellten sich vor.
"Frau Meier, hatten sie uns angerufen?"
"Ja, ich habe den Kerl da erschlagen. Ich wollte es nicht, aber ich bereue es auch nicht. Das war ein Tier."
"Ok, eins nach dem anderen. Zuerst muss ich sie darauf hinweisen, dass alles, was sie ab jetzt sagen, gegen sie verwendet werden kann. Sie müssen sich nicht dazu äußern."
"Schon gut. Irgendwann muss ich es ja doch erzählen."
Ich berichtete den beiden, wer das war, was er mit uns zu tun hatte und wie es dazu gekommen war, dass er nun hier lag. Sie stellten mir noch ein paar Fragen, aber über den eigentlichen Vorgang konnte ich nicht viel sagen. Die Erinnerung an die Zeit zwischen den ersten Schlägen und dem Aufwachen war weg. Da war nur ein schwarzes Loch.
"Gut Frau Meier, dann kann ich nur noch sagen, dass ich sie vorläufig festnehme, weil sie im dringenden Tatverdacht stehen, Herrn Radu Matei getötet zu haben. Bitte abführen."
Ich war völlig apathisch. Ich konnte mich nur noch zu der Psychologin umdrehen, die am Tisch saß.
"Frau Brandt, rufen sie bitte meine Mutter an, damit sie herkommt. Und warten sie bitte, bis sie da ist."
"Ich werde hierbleiben und mich um Frau Matei kümmern, wenn sie wieder aufwacht. Machen sie sich keine Sorgen, ich kümmere mich."
Zwei Polizistinnen brachte mich hinunter, setzte mich in ein Polizeiauto und fuhr mich ins Präsidium. Dort wurde ich erkennungsdienstlich behandelt und dann in eine Zelle gesperrt. Immerhin konnten sie mir sagen, dass ich noch am selben Tag dem Haftrichter vorgeführt werden würde.
Gut zwei Stunden später kam mein Anwalt zu mir. Er sprach zwar mit mir und ich antwortete ihm, konnte später aber nicht mehr sagen, was wir gesprochen hatten.
Wir hatten unser Gespräch gerade beendet, als ich abgeholt wurde. Herr Kraft fuhr uns hinterher. Die Fahrt zum Amtsgericht dauerte nicht lange und bald saß ich in einem kleinen Raum zusammen mit zwei Justizbeamten. Mein Anwalt saß daneben. Vor mir die Richterin und die Staatsanwältin.
"Frau Meier, Sie sind heute vorgeführt worden, weil die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft beantragt hat. Ihnen wird vorgeworfen, am heutigen Vormittag Herrn Radu Matei durch Schläge mit einem Baseballschläger tödlich verletzt zu haben. Bevor ich über den Antrag entscheide, möchte ich Ihnen Ihre Rechte erläutern:
Sie müssen keine Angaben zur Sache machen, Sie dürfen sich jederzeit mit Ihrem Verteidiger beraten. Haben Sie das verstanden?"
"Ja ... hab ich."
"Frau Staatsanwältin, bitte tragen Sie den Haftantrag vor."
Die Staatsanwältin stand auf und sprach einer unangenehm tiefen Stimme.
"Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand griff die Beschuldigte ein, als der Verstorbene seine Stiefschwester - die Freundin der Beschuldigten - vermutlich erwürgen wollte. Frau Matei konnte noch nicht befragt werden und ist nach der ersten Einschätzung der Pathologin so bald wohl auch nicht dazu in der Lage.
Der Angreifer ließ dann zwar von seiner Stiefschwester ab und wandte sie Frau Meier zu, die zur Abwehr des Angriffes weiter zuschlug. Nachdem der Angriff abgewehrt war und Herr Matei bereits am Boden lag, setzte die Beschuldigte jedoch die Schläge fort.
Da der Tatbestand des Totschlags erfüllt sein könnte, beantragen wir Untersuchungshaft wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr."
Mein Anwalt trat einen Schritt vor.
"Frau Richterin, meine Mandantin hat kein Motiv, sich der Justiz zu entziehen. Sie hat sofort selbst den Notruf gewählt und auf die Polizei gewartet. Es war eine Ausnahmesituation - ein Kampf auf Leben und Tod. Ich habe Frau Matei schon beim ersten Prozess gegen ihren Bruder vertreten. Aus Aussagen von Häftlingen, die mit Herrn Matei in der Haft Kontakt hatten, geht eindeutig hervor, dass er seine Stiefschwester bei erster Gelegenheit töten wollte. Von Fluchtgefahr kann keine Rede sein."
Die Richterin sah mich etwas länger an. In ihren Augen meinte ich, etwas Sympathie zu sehen.
"Frau Meier, möchten Sie selbst etwas sagen?"
"Ich wollte ihn nur stoppen ... Er hat sie fast erwürgt. Ich habe die Hände ganz sicher um ihren Hals gesehen. Dann hat er sich zu mir umgedreht und wollte sich auf mich stürzen. Ich hab zugeschlagen, immer wieder. Ich hab nicht gesehen, dass er schon am Boden war. Ich hatte nur Angst, dass er wieder aufsteht. Dann hätte er nicht nur Mihaela, sondern auch mich getötet."
Ich hatte mich immer für eine starke Frau gehalten, aber in dem Moment konnte ich nicht mehr. Ich schlug die Hände vors Gesicht und fing an zu weinen.
"Die Kammer erkennt einen dringenden Tatverdacht, aber zugleich spricht vieles für eine Notwehrlage. Die Beschuldigte ist unbescholten, sie hat sich gestellt und kooperiert. Flucht- oder Verdunkelungsgefahr liegen nach gegenwärtigem Stand nicht vor. Der Antrag auf Untersuchungshaft wird daher abgelehnt. Frau Meier bleibt bis zur Hauptverhandlung auf freiem Fuß, mit der Auflage, sich wöchentlich bei der Polizei zu melden."
Die Erleichterung, vorerst nicht ins Gefängnis zu müssen, entzog mir sämtliche Kraft. Es rauschte in den Ohren, mir wurde schwarz vor Augen und dann fand ich mich kurz darauf auf dem Boden liegend wieder.
"Bleiben sie liegen. Ein Arzt kommt gleich und kümmert sich um sie."
Ich richtete mich trotzdem auf.
"Danke, aber es geht schon wieder. Das war nur die Erleichterung. Kann ich jetzt nach Hause?"
"Ja, ich bringe dich heim. Da haben wir noch einiges zu besprechen."
Herr Kraft und ein Justizbeamter halfen mir auf und brachten mich nach draußen. Mein Anwalt fuhr mich heim, wo mich meine Mutter, Frau Brandt und die immer noch schlafende Mihaela erwarteten.
"Anna, was ist passiert? Ich kann nicht glauben, dass du jemanden umgebracht hast."
Meine Mutter war besorgt und verärgert gleichzeitig. Ich erzählte ihr, was genau passiert war. Zumindest, so weit ich es bewusst wahrgenommen hatte.
"Anna, ich sage jetzt auch du zu dir, weil du ja jetzt wahrscheinlich auch eine Therapie brauchst. Du solltest morgen gleich deinen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen. Du magst jetzt vielleicht noch meinen, dass du das wegstecken kannst, aber das wirst du nicht können."
Die Zeit bis zum nächsten Morgen war die reinste Qual. Ich konnte nicht schlafen, weil ständig immer wieder die Szene vom Vormittag in meinem Kopf ablief und Mica war sowieso immer noch ein nervliches Wrack. Während meine Mutter bei Mica blieb, fuhr Frau Brandt mich ins Krankenhaus. Ich sprach mit der Verwaltung und der Chefärztin und wurde dann krankgeschrieben.
Die Situation war fürchterlich. Einerseits hätte ich gerne gearbeitet, um mich abzulenken, doch andererseits war ich absolut nicht fähig dazu. Oftmals lagen Mica und ich einfach nur im Bett und starrten vor uns hin. Mica blieb bis auf weiteres bei mir, damit wir uns gegenseitig Halt geben konnten. Einige Wochen später ging es Mica wenigstens wieder so gut, dass sie wieder zur Arbeit gehen konnte und, wenn sie bei mir war, mich motivieren konnte, wieder mit ihr nach draußen zu gehen. Nun war ich es, die sich bei jeder Gelegenheit bei ihr bedankte. Und sei es nur dafür, dass sie bei mir war.
Das einzig gute war, dass unser Anwalt nun versuchte, das Geld zu finden. Mit Hilfe eines Fachanwalts und der Opferhilfe konnten in der ehemaligen Wohnung der beiden Brüder knapp über 60.000 Euro in bar gefunden werden. Für den Rest besorgten sie einen entsprechenden Titel vom Gericht und übermittelten das ganze an einen rumänischen Gerichtsvollzieher.
***
Mein Prozess war nach nicht einmal sechs Monaten. Mica war zwar schon wieder ziemlich verstört als sie erfuhr, dass sie schon wieder ins Gerichtsgebäude musste, aber da sie es für mich tat, brauchte es keine große Überredung. Meine Mutter und meine Kollegin Elena begleiteten sie, damit sie seelischen Beistand hatte und eine exakte Übersetzung bekam.
Die Verhandlung dauerte nicht sonderlich lange. Nachdem ich meine Sicht der Dinge geschildert hatte und auch Mica, Frau Brandt und eine Sachverständige ihre Aussagen gemacht hatten stand der Staatsanwalt auf und begann mit seinem Plädoyer.
"Hohes Gericht,
die Angeklagte Frau Meier hat an jenem Vormittag Herrn Radu Matei mit einem Baseballschläger mehrfach auf den Kopf und auf den Körper geschlagen und ihn dadurch tödlich verletzt. Es steht außer Frage, dass sie zunächst eingriff, um ihre Freundin vor einem brutalen Angriff zu schützen. Der Getötete wollte seine Stiefschwester töten, die Situation war lebensbedrohlich.
Doch die rechtsmedizinische Untersuchung zeigt eindeutig, dass die tödlichen Schläge erst erfolgten, nachdem der Angreifer bereits am Boden lag und keine akute Gefahr mehr bestand. Frau Meier handelte zunächst in Notwehr - aber sie hörte nicht auf, als die Notwehr beendet war. Sie überschritt die Grenze, die das Gesetz zieht, zwischen Verteidigung und Vergeltung.
Natürlich war sie in einem Zustand großer Angst. Niemand bestreitet das. Doch Angst allein darf keine generelle Straffreiheit begründen. § 33 StGB kann nur angewendet werden, wenn die Überschreitung der Notwehr aus Furcht oder Schrecken resultiert, nicht aus Wut oder Überforderung. Die zahlreichen Schläge, die auch nach Ende der Bedrohung geführt wurden, sprechen für eine gewisse emotionale Entladung - nicht mehr nur für Panik. Die Tat war also keine entschuldbare Notwehrüberschreitung, sondern ein Fall von fahrlässiger Tötung im Affekt, wenn auch unter außergewöhnlichen Umständen.
Die Staatsanwaltschaft beantragt daher, Frau Meier wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zu verurteilen, deren Vollstreckung zur Bewährung auszusetzen ist. Damit würde der Schwere der Tat ebenso Rechnung getragen wie der menschlichen Ausnahmesituation, in der sie sich befand. Frau Meier ist keine Verbrecherin - aber das Gesetz verlangt, dass auch in Momenten des Schreckens Grenzen gewahrt werden."
Ich war ein zitterndes Wrack und wurde es noch mehr, als ich zu Mica hinüber sah. Als ihr bewusst wurde, was der Staatsanwalt gefordert hatte, brach sie in Tränen aus und meine Mutter hatte zu tun, sie möglichst schnell wieder zu beruhigen. Dann stand mein Anwalt auf.
"Hohes Gericht,
der Herr Staatsanwalt hat eben von Grenzen gesprochen - von der Grenze zwischen Verteidigung und Vergeltung. Doch wer je gesehen hat, wie ein Mensch um sein Leben kämpft, weiß: In solchen Momenten gibt es keine klaren Grenzen. Es gibt nur Panik, Lärm, Blut, Schock - und das nackte Überleben. Meine Mandantin handelte in genau so einem Moment. Sie sah, wie ihre Freundin zu Boden gedrückt wurde und der Täter schon die Hände um ihren Hals gelegt hatte. Sie griff ein - ohne zu zögern, ohne zu überlegen.
Dann richtete sich der Täter gegen sie. In dieser Sekunde war sie überzeugt, dass sie sterben würde.
Ja, sie schlug zu.
Ja, sie hörte nicht sofort auf.
Aber das war kein Ausdruck von Wut, kein Bedürfnis nach Rache. Das war pure, irrationale Angst - eine Angst, die stärker war als jedes vernünftige Denken.
Der rechtspsychologische Gutachter hat klar bestätigt: Frau Meier befand sich in einem akuten Angstzustand, ihr Handeln war reflexhaft, nicht willentlich steuerbar. Und genau für solche Fälle hat der Gesetzgeber den § 33 StGB geschaffen. Er erkennt an, dass selbst der rechtschaffenste Mensch in einer Extremsituation die Kontrolle verlieren kann - dass Schuld nicht dort beginnt, wo Panik regiert. Das Gesetz verlangt nicht, dass jemand, der um sein Leben fürchtet, nachzählt, wie viele Schläge noch 'verhältnismäßig' sind.
Frau Meier hat ihr ganzes Leben lang rechtstreu gelebt. Sie ist Ärztin, will menschliches Leben retten. Sie hat niemandem geschadet. Und nach der Tat hat sie sofort die Polizei gerufen, geweint, gezittert - und nie versucht, irgendetwas zu vertuschen. Das ist kein Verhalten einer Täterin. Das ist das Verhalten eines Menschen, der ungewollt in eine Katastrophe geraten ist.
Ich bitte das Gericht, die Worte des Gesetzes ernst zu nehmen: 'Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.'
Ich beantrage daher den Freispruch nach § 33 StGB. Nicht aus Mitleid, sondern aus Gerechtigkeit.
Ich danke ihnen."
Die Richterin fragte mich noch, ob ich auch noch was sagen wolle, aber ich konnte nur den Kopf schütteln. Ich war innerlich völlig leer.
Die Beratung des Gerichts war ungewöhnlich kurz. Nach nicht einmal einer Viertelstunde kamen sie wieder zurück. Jede Sekunde, die diese Verhandlung dauerte, entzog mir mehr Kraft und ich schaffte es kaum noch, zur Urteilsverkündung aufzustehen.
Die Richterin sah mich mit einem kaum merklichen Lächeln an.
"Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
Die Angeklagte Frau Anna Meier wird freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen der Angeklagten trägt die Staatskasse."
Als sich die Richterin wieder setzte und auch die anderen wieder Platz nahmen, plumpste ich regelrecht auf meinen Stuhl. Ganz langsam sickerte die Tatsache in mein Hirn, dass ich freigesprochen worden war. Ich war nicht unschuldig, aber ich war nicht schuldig.
"Zur Begründung: Das Gericht hat die Beweise umfassend gewürdigt. Es steht fest, dass die Angeklagte Herrn Matei mit einem Baseballschläger tödlich verletzte. Ebenso steht aber auch fest, dass sie in eine Situation geriet, die jedes menschliche Maß übersteigt. Der Getötete hatte die Hände um den Hals ihrer Freundin gelegt in der Absicht, sie zu töten. Frau Matei schrie um Hilfe und Frau Meier griff ein, um ein Leben zu retten.
Nach der glaubhaften Aussage der Zeugin und dem rechtsmedizinischen Gutachten war der Angriff zunächst eindeutig eine Notwehrlage. Dass die Angeklagte auch nach Ende der unmittelbaren Gefahr weiter zuschlug, ist unbestritten. Doch das Gericht ist überzeugt, dass sie in diesem Moment nicht mehr in der Lage war, die Situation richtig einzuschätzen. Die Sachverständige hat übereinstimmend erklärt, dass die Angeklagte sich in einem Zustand akuter Todesangst, Schock und Panik befand - einer emotionalen Ausnahmelage, die das rationale Urteilsvermögen vollständig ausschaltete.
Nach § 33 StGB handelt in einem solchen Fall ohne Schuld, wer die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken überschreitet. Diese Voraussetzungen liegen hier vor. Frau Meier hat nicht aus Rache gehandelt, nicht aus Wut, sondern aus blanker Angst. Sie rief selbst den Notruf, blieb am Tatort, kooperierte vollständig mit der Polizei. Das Gericht verkennt nicht, dass ein Mensch zu Tode kam. Aber Schuld setzt voraus, dass man anders hätte handeln können. Frau Meier konnte in diesem Moment nicht anders handeln.
Das Gesetz schützt nicht nur die, die kaltblütig reagieren, sondern auch die, die in Panik geraten, wenn sie Leben retten wollen. Die Kammer folgt daher dem Antrag der Verteidigung und spricht Frau Meier aus rechtlichen Gründen frei.
Frau Meier, Sie sind heute juristisch freigesprochen - menschlich werden Sie mit diesem Tag leben müssen. Das Gericht wünscht Ihnen die Kraft dazu."
Mein Anwalt gratulierte mir, aber ich war nicht fähig, groß darauf zu antworten. Ich lächelte ihn nur an und ließ dann meinen Kopf auf die Tischplatte sinken. Die Zuschauer redeten alle durcheinander, aber ich bekam nicht mit, was sie sagten. Ich hörte nur den Jubelschrei, als Mica übersetzt bekommen hatte, was passiert war. Auch wenn sie schon fast perfekt Deutsch sprach, verließ sie sich lieber auf die Übersetzerin, die wir engagiert hatten. Ich blickte auf und sah sie über die Absperrung springen und auf mich zulaufen. Bevor noch jemand reagieren konnte, hatte sie sich auf mich gestürzt und umarmte und küsste mich. Die Justizbeamten wollten sie von mir wegzerren, aber die Richterin grinste nur und hielt sie zurück.
Mica redete wie ein Wasserfall auf mich ein, mangels Übersetzer verstand ich aber kein Wort. Endlich konnte ich mich ein wenig von ihr befreien und da stand auch schon meine Mutter neben mir und gratulierte mir.
Kurz darauf kam ein Justizbeamter zu mir.
"Entschuldigung Frau Meier, draußen steht eine Hundertschaft Reporter. Wollen sie sich denen stellen oder sollen wir sie über einen anderen Weg rausbringen?"
"Oh ja, bitte, die brauche ich jetzt wirklich nicht."
Mein Anwalt legte mir eine Hand auf die Schulter.
"Ich kümmere mich um das Gesindel. Geht ihr nur heim und ruht euch aus. Du solltest dir aber für eine Weile eine Perücke zulegen. So bunt erkennt dich jeder."
Während meine Mutter, Mica und ich über einen gesonderten Ausgang nach draußen gebracht wurden, stellte sich Herr Kraft den Reportern.
Mit einem Taxi fuhren wir nach Hause. So sehr uns nach Feiern zumute war, so fertig waren wir auch. Wir setzten uns einfach nur zusammen, bestellten uns über einen Lieferdienst was zu essen und unterhielten uns. Mica war überglücklich, dass ich freigesprochen worden war und quietschte und jubelte immer wieder mal vor Glück. Man konnte den Eindruck haben, als ob der Prozess heute ihre ganzen verschütteten Fortschritte wieder ans Tageslicht gebracht hätten.
Natürlich war ich auch erleichtert über den Freispruch, aber an der Tat selbst hatte ich immer noch zu knabbern und das würde auch noch für eine ganze Weile so sein.
Am nächsten Tag brachte mir eine nette Nachbarin eine Bild-Zeitung vorbei. Zum Glück ohne Foto, dafür aber auf Seite 1, war ein Artikel über mich.
Sie wollte nur helfen - jetzt ist der Angreifer tot!
Frau (29) erschlägt Mann mit Baseballschläger - Gericht spricht sie frei!
STUTTGART - Sie wollte ihre Freundin retten - und tötete dabei einen Mann!
Ein halbes Jahr nach dem schockierenden Vorfall in einem Mehrfamilienhaus hat das Landgericht Stuttgart die Angeklagte Anna M. (29) jetzt freigesprochen. Die Richterin nannte es einen "tragischen, aber menschlich verständlichen Notwehrexzess".
Am Tattag wollte M. ihrer Freundin helfen, die von einem 31-jährigen Mann in ihrer Wohnung attackiert wurde. Es war ihr Stiefbruder und er wollte sie erwürgen. Eine Zeugin hörten Schreie, dann dumpfe Schläge. Als die Polizei kam, lag der Mann reglos am Boden - der Baseballschläger daneben, Blut überall.
"Ich wollte ihn nur aufhalten, er wollte sie umbringen", schluchzte die Angeklagte im Prozess. "Dann hat er sich umgedreht und ging auf mich los - und ich hab nur noch zugeschlagen."
Die Staatsanwaltschaft sah das anders: Sie forderte eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung. "Sie hat weitergeschlagen, als keine Gefahr mehr bestand", so Staatsanwalt Dr. Neumann. Doch Richterin Dr. Keller folgte dem nicht: "Frau M. handelte in Panik, in Todesangst. Sie war nicht mehr Herrin ihrer Sinne."
Juristisch heißt das: Freispruch nach § 33 StGB - der sogenannten Notwehrexzess-Regelung. Wer in einer Notlage aus Angst überreagiert, bleibt straffrei. Als das Urteil fiel, weinte die Angeklagte still. Ihre Freundin - das eigentliche Opfer des Angriffs - rannte noch im Saal zu ihr, fiel ihr in die Arme und ließ sie nicht mehr los. Selbst die Richterin ließ sie gewähren.
Ein Urteil, das polarisiert
Viele im Publikum zeigten Verständnis oder Zustimmung - andere sprachen von Selbstjustiz. Doch für die Richterin war der Fall eindeutig: "Wer um das Leben eines geliebten Menschen fürchtet, denkt nicht mehr juristisch - er kämpft."
Das Urteil ist rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hatte noch im Gerichtssaal verkündet, keine Berufung einzulegen. Man konnte den Eindruck haben, dass selbst Staatsanwalt Neumann froh war über das Urteil. Warum er dann aber selbst nicht auch einen Freispruch gefordert hat, bleibt sein Geheimnis.
Anna M. ist frei - aber den Vormittag in ihrer Wohnung wird sie wohl nie vergessen.
Auch wenn kein Bild von mir in der Zeitung war, wusste die ganze Umgebung doch, wer gemeint war. In meiner Wohnung wollte ich nicht mehr bleiben, auch wegen der ganzen Erinnerungen an die beiden Tage. Ich kündigte die Wohnung und zog zurück zu meinen Eltern.
Mica gab ihre Wohnung auch auf und zog zu mir. Sie hatte erkannt, wie sehr ich sie jetzt brauchte und sie fand es nur fair, dass sie jetzt zu mir kam. Vor allem nachts tat es uns beiden gut, die Nähe zur anderen Person zu spüren. Meine Eltern gaben uns sogar ihr großes Schlafzimmer und zogen selbst in ihr kleineres Gästezimmer. Ich solle das aber nicht als Freifahrtschein verstehen. Meine Mutter ermahnte mich immer noch, Mica in Ruhe zu lassen. Sie hatte schon lange bemerkt, dass ich nicht nur freundschaftliche Gefühle für Mica hegte.
So sehr ich Mica auch begehrte, ich hielt mich total zurück. Wir beide hatten mit unseren Vergangenheiten zu kämpfen, sie als Opfer und ich als Täterin. Und wenn wir nicht bei unserer Psychologin waren, hielten wir uns im wahrsten Sinne des Worten aneinander fest. Wir gingen Hand in Hand, wenn wir mal aus dem Haus gingen, wir saßen auf der Terrasse Hand in Hand und auch sonst brauchten wir den Körperkontakt wann immer möglich.
Nach einem guten halben Jahr ging es uns immer besser. Die Therapie schlug an und unsere Alpträume und unsere negativen und depressiven Phasen wurden immer seltener. Endlich konnte ich wieder arbeiten. Mica fühlte sich wohl in ihrer Arbeit und ihr Deutsch war fast perfekt. Nur am Akzent konnte man noch erkennen, dass sie keine gebürtige Deutsche war. Den Übersetzer brauchten wir schon lange nicht mehr.
Eines Tages kam unser Anwalt zu uns und hatte eine gute und eine schlechte Nachricht für uns. Die gute war, dass der Gerichtsvollzieher in Rumänien Erfolg hatte. Der brauchte zwar die Unterstützung der Polizei aus einer benachbarten Stadt, da der Stiefvater sich mit Gewalt gegen eine Beschlagnahme der Wertgegenstände seines Sohnes wehrte, aber nach knapp einem Jahr wurde Mica tatsächlich der restliche Betrag überwiesen.
Damit hatte aber auch die schlechte Nachricht zu tun. Dadurch dass sich ihr Stiefvater gegen die Beschlagnahme übermäßig gewehrt hatte, wurde er verhaftet und starb dabei an einem Herzinfarkt. Der letzte Sohn musste wohl geäußert haben, sich an uns zu rächen, konnte aber nicht verhaftet werden, da er nicht gegen Gesetze verstoßen hatte.
Jetzt mussten wir uns was einfallen lassen. Von hier mussten wir auf jeden Fall verschwinden. Wir sprachen zwar mit meinen Eltern, aber im Prinzip stand die Entscheidung fest.
Ich kündigte meinen Job und sie entließen mich tatsächlich schon zum Ende des Monats, da sie die Dringlichkeit einsahen. Unsere Therapien waren zwar noch nicht beendet, aber wir konnten mit Frau Brandt ausmachen, dass wir vorerst übers Telefon unsere Sitzungen fortführten.
In der Bäckerei waren sie zwar traurig, dass Mica ihre Ausbildung abbrach, aber sie verstanden unsere Beweggründe.
Um niemanden in Gefahr zu bringen, sagten wir keinem, wohin wir gehen wollten. Wir wussten es aber auch noch nicht. Als erstes zogen wir zu einer Ärztin auf Rügen, die ich noch vom Studium her kannte und mit der ich einige heiße Nächte im Bett verbracht hatte. Hier waren wir fürs erste sicher.
Dann ging es an die Jobsuche. Wir wollten möglichst weit weg, aber doch noch in Europa bleiben. Meine Kollegin hatte gute Verbindungen ins Ausland und nach ein paar Wochen hatte ich eine offene Stelle an einem Krankenhaus in Selfoss gefunden, ungefähr 60 km östlich von Reykjavik auf Island. Das war zwar nicht mehr EU, aber als ich mich etwas mehr damit beschäftigte, stellte ich fest, dass Island recht EU-freundlich eingestellt war und wir auch keine Probleme mit der Einreise und dem Daueraufenthalt da haben würden.
Ich schickte meine Bewerbung hin und drei Wochen später bekam ich tatsächlich eine Email mit einer Einladung zum Bewerbungsgespräch. Von meinem alten Arbeitgeber hatte ich mir ein Zeugnis auf Englisch ausstellen lassen, das sehr umfangreich ausgefallen war. Sie versuchten tatsächlich, mir den neuen Job so leicht wie möglich zu machen.
Zwei Tage vor dem Flug ließ ich mir die Haare neu färben, links rot, rechts grün. Ich schickte auch ein Selfie an meinen ehemaligen Finanzchef, der mir diesen Vorschlag vor gut zwei Jahren gemacht hatte. Er war begeistert. Mica konnte ich leider nicht mitnehmen. Nicht, dass ich nicht gewollt hätte, aber sie wollte sich noch einen Reisepass ausstellen lassen, da wir nicht wussten, ob sie den nicht irgendwann doch mal brauchen würde. Meine Kollegin war so lieb, mit ihr während meiner Abwesenheit nach Berlin auf die Botschaft zu fahren. Es würde zwar ein paar Wochen dauern, bis der Pass da war, aber das konnten wir abwarten.
Island war wunderschön. Auch wenn ich das Vorurteil bestätigen konnte "Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte eine Viertelstunde". Aber das würde mir nichts ausmachen, da ich kein Schönwetterfanatiker war. Ich konnte auch Regen, Schnee und Sturm was abgewinnen und ich mochte sogar das Autofahren bei solchem Wetter. Ich schickte Mica viele Fotos und auch sie war begeistert. Jetzt musste nur noch das mit dem Job klappen.
Mir zuliebe hatten sie mich als letzte Bewerberin eingeladen, damit ich das Ergebnis noch auf Island bekommen konnte, wenn ich bereit wäre, ein paar Tage Urlaub dort zu machen. Also lieh ich mir ein Allradfahrzeug und erkundete die nähere und weitere Umgebung von Selfoss. Ich fuhr eines nachmittags auch bis zum Sólheimajökull Gletscher. Bei schönem Wetter ein Traum, bei Nebel ein Alptraum. Auf der Hinfahrt hatte ich schönsten Sonnenschein, aber gerade als ich zurückfahren wollte, zog Nebel auf und ich brauchte über eine Stunde, bis ich überhaupt erstmal wieder auf der Ringstraße war. In die Gletscherspalten hätte man damals den Knochenberg hineinwerfen sollen, dann wäre mir der ganze Stress mit dem Verfahren erspart geblieben.
Am nächsten Tag wurde ich angerufen, um noch einmal in die Klinik zu kommen. Ich hatte es tatsächlich geschafft, den Job zu bekommen. Jetzt begannen die Behördengänge. Da war auch Island nicht vor gefeit. Dazu würde das größte Problem sein, Isländisch zu lernen. Das war eine ziemlich schwere Sprache, die zudem keine Verwandtschaft zu mitteleuropäischen Sprachen hatte. Aber da mein Englisch gut genug war, wollten sie mich trotzdem einstellen und gaben mir zwei Jahre Zeit, in Isländisch fit zu werden. Und da Mica das auch lernen musste und bestimmt auch wollte, konnten wir uns gegenseitig helfen.
Ich flog wieder zurück, ließ meine Papiere übersetzen und packte alles zusammen, was wir mitnehmen wollten. Für die erste Zeit würden wir uns eine Ferienunterkunft suchen, bis alle Behördengänge erledigt waren und ich anfangen konnte zu arbeiten. Bis dahin hatten wir genug Zeit, uns eine Wohnung oder ein Haus zu mieten. Ich träumte von einem kleinen Bauernhof, der nicht mehr bewirtschaftet wurde. Dort konnten wir abseits der Stadt wohnen und uns selbst Gemüse und Obst ziehen. Denn die Lebenshaltungskosten waren auf Island schon verdammt hoch. Das Einkommen war zwar auch deutlich höher als in Deutschland, aber wenn man irgendwo sparen konnte, sollte man das schon tun.
Drei Wochen später war es soweit. Mit sechs Koffern und einem saftigen Aufpreis für unser Übergepäck landeten wir in Reykjavik. Wir mieteten uns ein Auto und fuhren nach Selfoss, wo wir ein kleines Ferienhaus gemietet hatten.
Gleich am nächsten Tag fuhren wir zu meinem Arbeitgeber, um den Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Damit war ich automatisch registriert und bekam auch innerhalb kürzester Zeit meine Personenkennziffer. In Reykjavik registrierten wir Mica, damit sie auch selbständig und nicht immer von mir abhängig war. Mit ihrem fettem Bankkonto, auf dem fast 100.000 Euro waren, würde das für die erste Zeit reichen. Sie hatte auch noch ihre deutsche EHIC-Karte, die als Krankenversicherung ausreichte. Schön war auch, dass sie noch nicht gleich arbeiten musste, da sie genügend Geld und Versicherungen nachweisen konnte.
Es waren nur ein paar Tage und alles war erledigt. Ich hatte mir auch schon eine SIM Karte besorgt, um im Land telefonieren zu können. Um meine Eltern anrufen zu können, hatte ich mir über Freunde eine spanische SIM Karte besorgen lassen damit es so aussah als wären wir in Spanien, falls der dritte Stiefbruder wirklich meine Eltern finden würde.
Wir hatten jetzt noch ein gemeinsames Wochenende und dann fing ich an zu arbeiten. Die Anerkennung meiner Approbation dauerte zwar noch, aber ich konnte immerhin schon als Assistentin anfangen.
Wann immer möglich, fuhren wir umher und erkundeten die Umgebung, Ich hatte ja vieles schon gesehen, aber für Mica war das neu. Der Gletscher erwartete uns bei schönstem Sonnenschein und auch so blieb es auch bis wir wieder zurück fuhren.
"Hier wir hätten mein Stiefbruder reinwerfen sollen. Dann wäre dir alles erspart geblieben."
Ich konnte mich nicht mehr halten vor lachen. Mica sah mich verwirrt an.
"Was ist los?"
Ich umarmte Mica und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
"Genau dasselbe habe ich gedacht, als ich das erste mal hier war."
Jetzt lachte auch Mica und löste sich von mir, um sich besser bewegen zu können.
Als wir uns wieder beruhigt hatten, standen wir uns gegenüber und sahen uns in die Augen. Ich ging einen Schritt auf sie zu, legte meinen Kopf schräg und küsste sie. Mica erwiderte den Kuss zwar nicht, zuckte aber auch nicht zurück. Da schoss es mir durch den Kopf. Was hatte ich getan? Ich hatte sie regelrecht überfallen. Hoffentlich bekam ich das repariert.
Ich trat einen Schritt zurück und fiel vor ihr auf die Knie.
"Oh Gott Mica, es tut mir leid! Es überkam mich einfach! Ich habe nicht nachgedacht! Kannst du mir verzeihen?"
Mica sah mich zwar an, war mit ihren Gedanken aber ganz weit weg. Wahrscheinlich musste sie ihre Gedanken und Empfindungen erst einmal sortieren. Sie lächelte mich an, nahm meine Hand und zog mich hoch. Dann ging sie mit mir zu einem großen Stein, wo wir uns setzten.
"Warum, Anna?"
"Mica, ich muss dir ein Geständnis machen. Als ich dich in der Lagerhalle das erste Mal sah, war es schon um mich geschehen. Und als ich dich dann im Krankenhaus untersucht hatte, war ich Hals über Kopf verliebt in dich. Du bist so schön und so nett, aber was du zu der Zeit am wenigsten gebrauchen konntest, war eine sabbernde Verehrerin. Also ließ ich dich in Ruhe, bis du wieder ganz gesund warst. Nicht nur körperlich, sondern vor allem auch seelisch. Eigentlich wollte ich noch länger warten, aber jetzt gerade schaltete mein Gehirn einfach ab und mein Herz sagte, Küss sie! Es tut mir leid, Mica, bitte, bitte verzeih mir."
Sie saß für eine ganze Weile nur da und sah mich an. Dann beugte sie sich vor, zog meinen Kopf zu sich heran und küsste mich. Nicht lange, aber doch so lange, dass sich mir sämtliche Haare aufstellten.
"Ich bin dir schon böse. Warum hast du das nicht eher gesagt. Ich habe dich doch auch sehr sehr lieb."
Sie rutschte näher an mich heran und umarmte mich. Mein Herz raste und ich fing direkt an zu zittern. Was sollte ich jetzt tun? Das einzige was ich wusste war, dass ich es langsam angehen musste. Gleich am ersten Tag in die Kiste zu hüpfen war genau das Falsche.
Und dann küssten wir uns wieder. Es war so unglaublich toll. In meinem Kopf brannte ein ganzes Feuerwerk ab, als es passierte. Ich hatte einen Orgasmus! Ich hatte tatsächlich einen Orgasmus, nur weil sie mich geküsst hatte.
Mica drückte mich zurück und sah mich erschrocken an.
"Was ist passiert?"
"Etwas wunderbares ist passiert. Ich hatte einen Orgasmus als du mich geküsst hast."
"Orgasmus?"
"Einen Höhepunkt beim Sex?"
Mica sah mich weiter mit großen Augen an.
"Hattest du noch nie Sex?"
Sie schüttelte nur den Kopf. Ich zog sie wieder an mich und streichelte ihren Rücken.
"Ich werde dir alles zeigen. Ganz langsam. Du brauchst keine Angst haben."
Sanft küsste ich ihren verführerischen Mund.
"Ich liebe dich, Mica."
"Ich liebe dich auch, Anna."
Wir umarmten uns noch eine ganze Weile, bis es plötzlich wolkenbruchartig zu regnen begann. Schnell rannten wir zurück zum Auto, doch als wir endlich drin saßen, waren wir bis auf die Haut nass.
"Zieh deine Klamotten aus, Mica. Dann frierst du weniger."
Ich fuhr los, damit die Heizung möglichst schnell funktionierte. Mica entledigte sich ihrer Bluse und ihrer Jeans und saß frierend neben mir. Ich hätte mich auch gerne ausgezogen, aber ich musste ja fahren. Die Heizung war aber sehr gut und schon bald fingen wir fast an zu schwitzen, so warm wurde es. Aber dann mussten wir sogar ein Fenster einen Spalt öffnen, damit die Fenster nicht beschlugen.
Unten auf der Ringstraße ging es uns schon bedeutend besser und nach etwa einer Stunde waren wir wieder bei unserer Unterkunft. Es hatte wieder aufgehört zu regnen und die Sonne kam noch für ein paar Minuten raus, bevor sie endgültig für den Tag unterging.
Im Haus zogen wir uns erst einmal um. Da der Abend schon angebrochen war, zogen wir uns gleich unsere Schlafklamotten an. Normal trugen wir beide nur große T-Shirts und einen Slip im Bett, aber jetzt zogen wir uns noch Jogginghosen über.
Für das Abendessen war es noch etwas früh und so machten wir den Fernseher an und schauten ein paar Programme, von denen wir natürlich kein Wort verstanden. Das war uns aber auch ganz egal. Wir kuschelten uns aneinander und küssten uns. Ich war glücklich.
"Danke Anna, dass du mich geküsst hast. Das ist so schön."
"Hast du noch nie jemanden geküsst?"
"Nein, wen denn? Ich kam ja nicht raus aus dem Haus. Ich musste ja immer arbeiten."
Gleich war ihre Stimmung wieder verschwunden.
"Entschuldige mein Liebling. Daran habe ich nicht gedacht. Aber das wird jetzt anders. Ich werde dich jeden Tag küssen. Und noch vieles anderes."
"Zeigst du mir wie Liebe geht?"
"Natürlich Mica. Aber alles ganz langsam. Ich will dich nicht überfordern."
"Danke!"
Wir küssten und streichelten uns, bis wir beide Hunger bekamen. Meine Traumfrau liebte es zu kochen und bald stand ein tolles Essen auf dem Tisch.
"Wollen wir dann ins Bett gehen? Ich bin müde und du erzählst mir noch ein bisschen was?"
"Sehr gerne."
Als wir dann im Bett lagen, unterhielten wir uns zunächst nur. Erst über den Tag, dann aber langsam auch über unsere neuen Liebe.
"Mica, weißt du, wie Frauen funktionieren?"
"Nein, ich war nur sechs Jahre in der Schule und Mama hat mir nie was gesagt."
Also fing ich ganz langsam an, ihr zu erklären, wie das mit Männern und Frauen funktionierte. Aber Mica war ja nicht blöd und sie verstand sehr schnell, wovon ich sprach. Irgendwann kam ich dann aufs Masturbieren zu sprechen.
"Mica, du hast wahrscheinlich noch nie masturbiert, oder?"
"Mastu... was?"
"Masturbieren. Du spielst mit dir selbst, bis du einen Höhepunkt hast."
"Was spielen?"
"Du streichelst deine Brüste und deine Vagina, bis du schöne Gefühle hast."
"Wie?"
"Wie du möchtest. Aber lass uns das morgen machen. Ganz in aller Ruhe. Ist das ok?"
"Ja, wenn du mich führst, weiß ich, dass es gut wird."
"Danke Mica, dass du mir so vertraust. Ich könnte durchaus verstehen, wenn du noch Bedenken hättest. Immerhin werde ich dich bald mal da berühren, wo sie dich auch immer angefasst haben."
"Ich habe dich sehr sehr lieb, Anna. Du bist eine tolle Frau. Du bist ein echter Engel."
"Danke Mica, aber meine Flügel habe ich vor einer Weile verloren. Aber wenn ich dich dadurch gewonnen habe, war es das absolut Wert."
"Anna, du hast so viel getan für mich. Das kann ich nie gutmachen. Niemals."
Sie legte sich ganz eng neben mich, nahm meine Hand und küsste sie.
Ich drehte mich zu ihr und küsste ganz sanft ihre Lippen. Endlich, endlich, endlich! Endlich konnte ich diesen wunderschönen Mund auf meinen Lippen spüren. Zwei Jahre hatte ich davon geträumt.
Am nächsten Morgen war Mica schon auf, als ich erwachte. Sie hatte schon Kaffee gekocht und bereitete gerade das Frühstück zu.
"Guten Morgen, meine wunderschöne Freundin."
Ich schmiegte mich von hinten an sie, legte meine Arme um ihren Bauch und küsste ihren Hals. Mica drehte sich um, umarmte mich auch und küsste hauchzart meinen Mund.
"Guten Morgen mein Engel. Wollen wir was essen und dann wieder ins Bett? Habe viel zu lernen."
"Gerne, aber du bestimmst das Tempo. Ich habe zwei Jahre auf dich gewartet, da kommt es mir auf ein paar Tage nicht an."
Wir standen noch für eine ganze Weile einfach nur da und hielten uns fest. Es war ein so tolles Gefühl, diese wundervolle Frau in meinen Armen zu halten.
Dann endlich lösten wir uns voneinander und setzten uns an den Tisch.
"Mica, wir müssen selber Brot backen. Das Brot hier ist nicht so toll."
"Ich habe das mal gelernt. Du erinnerst dich?"
"Wir haben beide noch viel zu Lernen. Vor allem die Sprache. Für mich ist es noch wichtiger, aber auch du solltest Isländisch können."
"Wir werden das schaffen. Ich helfe dir. Ich bin ja gut in Sprachen."
"Ich weiß mein Liebling, ich höre das jeden Tag. Du bist ein echtes Talent."
"Gehen wir wieder ins Bett? Ich möchte was lernen."
Nur Minuten später lagen wir unter der kuschelig warmen Decke.
"Was zeigst du mir?"
"Lass uns mit einem Zungenkuss beginnen. Normale Küsse sind toll, aber Zungenküsse sind noch viel besser."
"Wie geht der Zungenkuss?"
Sie streckte ihre Zunge weit raus und ich musste kurz lachen.
"Nein Mica, man küsst sich ganz normal, öffnet dann aber den Mund und lässt die Zungen miteinander spielen."
Ich gab Mica einen Kuss, öffnete dann aber leicht meinen Mund und ließ meine Zungenspitze an ihren Lippen anklopfen. Zögerlich öffnete sie ihren Mund und ließ meine Zunge ein. Erst noch ganz vorsichtig und schüchtern, bald aber schon deutlich mutiger, spielte sie mit meiner Zunge. Es dauerte auch nicht lange, bis sie die Führung übernahm. Sie drängte mich zurück und stieß dann in meinen Mund vor. Mica war ein echtes Naturtalent.
Ziemlich außer Atem löste ich dann den Kuss.
"Habe ich was verkehrt machen?"
"Nein Mica, du machst das toll. Ich brauche eine Pause."
"Was jetzt?"
"Mica, wenn ich irgendwas tue, was du nicht willst, dann sag das sofort. Du sollst dich immer wohlfühlen und nie Angst haben. Ok?"
"Ja Anna, danke."
Wir machten ein paar Minuten Pause, in der wir nur miteinander kuschelten.
"Mica, darf ich dein Hemd ausziehen?"
"Ja. Ziehst du dich auch aus?"
"Ja, auf jeden Fall."
Langsam zog ich ihr T-Shirt nach oben und streifte es über ihren Kopf. Es war schon lange her, dass ich ihre Brüste das letzte Mal gesehen hatte, aber die hatten sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt. So wunderschön wie die waren, das konnte man nicht vergessen. Sie hatte zwar versucht, gleich ihre Brüste wieder mit den Händen zu verdecken, aber ich konnte ihre Arme zur Seite schieben. Sie schaute etwas ängstlich, weil sie wohl vermutete, dass ich sie gleich wieder anfassen würde. Aber das hatte ich gar nicht vor.
"Zieh mir auch mein Hemd aus."
Ich hob meine Arme an und Mica zog es mir aus.
"Du hast keine Haare."
"Ja Mica, ich rasiere mich jede Woche. Ich finde es viel besser ohne Haare."
"Soll ich das auch machen?"
"Nur wenn du willst. Aber wenn, dann zeige ich dir gerne wie das geht."
"Ja, das ist doch viel schöner. Machst du das gleich?"
"Gerne, aber vorher möchte ich dich spüren. Darf ich dich umarmen?"
Sie öffnete ihre Arme und ich nahm die Einladung an. Ohne uns dabei zu küssen, hielten wir uns gegenseitig fest, bis wir uns wieder aufs Bett sinken ließen. Es war so schön, ihre zarte Haut auf meiner zu spüren. Unsere steifen Nippel drückten sich aufeinander und sandten Signale durch meinen ganzen Körper.
"Anna, das ist so schön."
"Ja meine Süße, das ist wunderschön. Ich bin so unglaublich glücklich."
Dann hörte ich ein leises Schluchzen von Mica.
"Entschuldigung. Ich muss immer weinen wenn ich so glücklich bin."
Ich hielt sie ganz fest und küsste ihre Tränen weg. Noch nie hatten Tränen so süß geschmeckt. Ich ließ Mica ganz in Ruhe und streichelte nur ihren Rücken.
"Danke Anna, du bist so lieb."
"Mica, du bist die wundervollste Frau, die es gibt. Ich liebe dich und ich verehre dich. Du bist mein Ein und Alles."
Jetzt kamen auch mir die Tränen. Wir hielten uns ganz eng umklammert und genossen unsere Zweisamkeit. Wenn meine Mutter uns jetzt sehen könnte. Es hätte ihr gefallen.
"Rasierst du mich bitte?"
"Aber sehr gerne."
Mit einem schnellen Kuss weckte ich Mica aus ihrem Traum. Halbnackt gingen wir ins Badezimmer, wobei ich ihre so wunderschön wippenden Brüste bewunderte. Sie stellte sich neben das Waschbecken und hob ihre Arme. Schnell kürzte ich die Haare und rasierte die restlichen Stoppel ab. Dann drehte sie sich zum Spiegel.
"Viel schöner so."
Ich stellte mich hinter sie und legte meine Arme um ihren Bauch.
"Ja, viel schöner. Mica, du bist die schönste Frau, die ich kenne."
"Nein, sag das nicht. Ich bin nicht so schön."
"Doch mein Engel. Auf dich sollten alle Frauen neidisch sein. Du bist einfach nur perfekt. Du hast ein traumhaftes Gesicht mit tollen dunklen Augen und einem Mund, der nur danach schreit, geküsst zu werden. Du hast Haare, auf die ich total neidisch bin, weil sie einfach immer toll aussehen. Du hast einen wundervoll schlanken Körper mit perfekt geformten Brüsten und einen süßen knackigen Po. Hätten die alten Griechen dich schon gekannt, sie hätten dich zu ihrer Schönheitsgöttin gemacht."
Manchmal agierte ich schneller als ich nachdachte. Spontan legte ich meine Hände auf ihre Brüste und wollte sie streicheln, doch da zuckte Mica erschrocken zusammen. Schnell zog ich meine Hände wieder zurück.
"Entschuldige mein Schatz, manchmal denke ich nicht nach. Ich wollte dich nicht erschrecken und hätte dich vorher fragen sollen. Es tut mir leid."
"Ist gut, aber gib mir Zeit. Das haben die auch immer gemacht."
Sie drehte sich zu mir um, klammerte sich an mich und fing an zu weinen. Diesmal aber eindeutig aus Angst. Ich hielt sie fest und streichelte ihren Rücken. Was konnte ich manchmal für ein Trottel sein.
"Komm, lass uns wieder ins Bett gehen. Da ruhen wir uns aus und reden."
Ich führte sie ganz langsam zurück ins Schlafzimmer. Bald lagen wir wieder unter der warmen Decke und hielten uns gegenseitig fest.
"Entschuldige, dass ich so Angst habe. Ich sollte glücklich sein, dass du da bist."
"Ich muss mich entschuldigen. Ich weiß ja, dass du dein Trauma noch immer nicht ganz überwunden hast. Ich werde in Zukunft immer warten, bis du mir was erlaubst."
"Sie haben immer meine Brüste angefasst und geschlagen und die Warzen gedreht. Haben mir immer sehr weh getan."
Jetzt heulte sie wieder richtig. Ich überlegte, was ich machen könnte, damit es ihr wieder besser ging, aber da fiel mir nichts ein, außer sie festzuhalten und zu warten.
Nach einer Weile hatte sie sich wieder beruhigt. Ich trocknete ihr Gesicht und sah sie an. Auch so verheult sah sie wunderschön aus. Ich hauchte ihr einen Kuss auf den Mund.
"Ich liebe dich, Mica."
"Ich liebe dich auch."
"Anna, darf ich dich anfassen?"
"Wann immer du willst. Jede Berührung von dir macht mich glücklich."
Ich drehte mich auf den Rücken und sie schob die Decke etwas runter, bis meine Brüste frei lagen. Ganz vorsichtig legte sie ihre Hand auf meinen Bauch und streichelte mich. Sofort standen meine sämtlichen Haare auf und Mica zog ihre Hand weg.
"Nicht gut?"
"Sehr gut. Du machst das toll."
"Darf ich weitermachen?"
"Mica, du darfst mich immer anfassen. Wann und wo du willst."
Wieder legte sie ihre Hand auf meinen Bauch und streichelte mich weiter. Um ihr zu zeigen, dass da noch mehr war, das nach ihrer Aufmerksamkeit schrie, nahm ich ihre Hand und legte sie auf meine Brüste. Dann drehte ich meinen Kopf zu ihr und küsste ihre Nase.
"Da ist das ganz besonders schön. Du darfst sie auch massieren und kneten und auch daran lecken und die Nippel in den Mund nehmen und daran saugen. Mach was du willst."
"Tut das nicht weh?"
"Nur wenn du mich beißt."
"Nein, nie!"
"Mica, vorsichtiges Knabbern oder Beißen ist auch schön."
Sie sah mich skeptisch an. Ich nickte lächeln und streichelte ihre Wange.
Jetzt wurde sie etwas mutiger. Sie fasste schon etwas kräftiger zu, rollte einen Nippel zwischen ihren Fingern und zog vorsichtig daran. Dann endlich nahm sie auch einen meiner Nippel in den Mund und saugte leicht daran.
"Hör nicht auf Mica, hör nicht auf! Mach weiter, bitte! Ich komme gleich, oh Gott ist das gut! JA, JAA, JAAHHHHHH!!"
Mein ganzer Körper versteifte sich, meine Hände zitterten und wie ein Dampfhammer schlug mein Orgasmus zu. Mica hatte sich erschrocken aufgerichtet und sah mich ängstlich an.
"Geht es dir gut?"
"Ja Mica, es geht mir gut. Ich hatte einen Orgasmus, nur weil du mit meinen Brüsten gespielt hast."
"Du hast ausgesehen, als ob du Schmerzen hast."
"Nein, das ist das tollste Gefühl das es gibt. Aber ich kann es nicht beschreiben. Das musst du selbst erleben. Jede Frau erlebt es anders und reagiert anders. Manche sind ganz leise und mache schreien und zittern und spritzen."
"Spritzen?"
"Ja, manche Frauen können richtig abspritzen, aber das hat ganz verschiedene Ursachen. Wer weiß, vielleicht kannst du das auch."
"Ich habe dir nicht wehgetan?"
"Nein Mica, du hast mir wirklich nicht weh getan."
"Aber ich habe Angst."
"Das ist ok. Sag mir, wenn du bereit bist und dann zeige ich dir, wie schön das sein kann. Ich kann warten."
"Du bist nicht enttäuscht?"
"Nein Mica, ich bin nicht enttäuscht. Ich freue mich über jeden Fortschritt, den du machst. Und irgendwann wirst du bereit sein, den letzten Schritt zu machen und dann werde ich da sein und dich dabei begleiten."
"Du bist so lieb. Vielen Dank, dass du mich nicht bedrängst."
Ich zog die Decke wieder über uns, drehte mich zu ihr und legte meine Hand auf ihren Bauch. Nur ganz sanft streichelte ich sie mit meinem Daumen. Auch wenn ich bei ihr im Moment nicht weiter kam, war ich glücklich. Meine Traumfrau war mit mir nach Island gegangen und lag hier mit mir im Bett. Wir würden uns hier eine Zukunft aufbauen und glücklich werden. Micas Vergangenheit würde sie irgendwann loslassen und sie würde meine Ehefrau werden und den Sex genießen können. Egal wie lange das dauerte, ich würde warten.
***
Meine Approbation war inzwischen anerkannt worden und ich konnte als vollwertige Ärztin arbeiten. In der Zeit konnte ich auch feststellen wie locker die Isländer waren oder wie spießig doch viele Deutsche waren. Hier sagte niemand was über meine bunten Haare oder meine Tattoos, und wenn doch, dann fanden sie das toll. Mica und ich telefonierten immer noch einmal die Woche mit unserer Psychologin, brauchten sie aber immer weniger. Vor allem als sie erfuhr, dass wir beide jetzt ein Paar waren, freute sie sich und sagte uns auch, dass wir sie wohl nicht mehr brauchen würden. Die Liebe zu mir würde Mica wohl viel schneller über ihr Trauma hinweg helfen als die Gespräche mit ihr. Sie bat uns aber, sie jederzeit anzurufen, falls wir Probleme hätten.
In jeder Minute, die Mica und ich zusammen verbrachten, büffelten wir Isländisch und da zeigte sich mal wieder, dass sie viel besser darin war als ich. Sie hatte ja auch viel Zeit tagsüber und sah viel auf Youtube und als ich sah, was sie sich da anschaute und was sie nebenbei las, brach meine Welt zusammen. Sie las tatsächlich wissenschaftliche Abhandlungen über Quantenphysik. Etwas, das ich nicht einmal unfallfrei aussprechen konnte. Und nebenbei lernte sie auch noch Englisch.
"Mica, verstehst du das alles, was du da liest?"
"Nein, nicht alles. Für vieles fehlen mir die Grundlagen. Ist aber sehr interessant."
"Du solltest studieren. Hier gibt es bestimmt die Möglichkeit, die Hochschulreife nachzuholen und die Uni ist nicht so weit weg. Mach dein Abitur und studiere. Du bist viel zu intelligent, als hier Hausfrau zu spielen. Du wirst dich nur langweilen."
"Du denkst wirklich, dass ich intelligent bin? Nein, du bist viel intelligenter. Du bist Ärztin."
"Lass uns beide einen IQ Test machen. Dann sehen wir ja, wer besser ist."
Wir setzten uns nacheinander an meinen Computer und machten einen Online IQ Test. Ich war schon erschüttert, als sie deutlich schneller fertig war als ich und als wir dann unsere Ergebnisse verglichen, war ich am Boden zerstört. Ich war stolz über einen IQ von 132 und Mica erreichte in deutlich kürzerer Zeit 153. Und das bei einem Test, der auf Deutsch war. Sie musste also alles erst übersetzen. Jetzt war mir auch klar, warum sie als Kind immer für dumm gehalten wurde. Sie hatte sich in der Schule nur gelangweilt und darum nicht aufgepasst. Und ob es da überhaupt die Förderung von Hochbegabten gegeben hätte, war auch fraglich.
"Ist das gut?"
"Gut? Mica, du bist super intelligent. Du musst studieren, sonst wirst du hier unglücklich."
"Aber ich bin glücklich hier mit dir."
"Noch, weil alles neu ist. Aber irgendwann wirst du dich langweilen und nach neuen Herausforderungen suchen. Aber ich möchte dich nicht verlieren. Bitte glaub mir. Geh auf die Schule, studiere was du willst und dann werden wir sehen, was wir machen. Und wenn du weggehen willst, werde ich dir überall hin folgen."
"Du meinst wirklich?"
"Ganz ganz sicher!"
"Ich liebe dich Anna. Danke dass du da bist."
"Mica, ich muss mich bei dir bedanken, dass du in mein Leben getreten bist und bei mir bist."
Wir lagen uns in den Armen und genossen die Zweisamkeit. Wenn ich mit Mica zusammen war, war ich glücklich. Es konnte nichts geben, was mich noch glücklicher hätte machen können. Kein Reichtum der Welt war mir so viel wert wie ein einziger Kuss meines Schatzes.
Irgendwann nahm Mica meine Hand und schob sie unter ihren Pulli.
"Zeigst du mir den nächsten Schritt?"
"Du willst wirklich? Ich mache das nur wenn du wirklich willst."
Als Antwort zog sie ihren Pulli aus und öffnete ihren BH. Auf einen Schlag wurde mir warm. Ich saß auf der Couch und Mica setzte sich mit dem Rücken zu mir auf meinen Schoß. Um sie nicht gleich wieder zu verschrecken, legte ich zuerst meine Hände wieder auf ihren Bauch und streichelte sie sanft. Das war sie ja schon gewohnt. Dann schob ich meine Hände ganz langsam nach oben, bis meine Daumen über den Rand ihrer Brüste glitten.
Mica machte keine Anstalten, mich stoppen zu wollen. Im Gegenteil, sie stöhnte wohlig und manchmal lief ein leichter Schauer durch ihren Körper.
Schließlich nahm sie meine Hände und schob sie höher. Jetzt hatte ich ihre ganzen Brüste in meinen Händen. Das war so ein tolles Gefühl, ihre wunderschönen Brüste endlich ganz spüren zu können. Ich war wieder einmal im Himmel.
Ihre Nippel hatten sich schnell versteift und ich spielte ganz vorsichtig damit. Bald legte sie ihre Hände auf meine und folgte all meinen Bewegungen. Mein Höschen war nass wie ein Swimmingpool und allein die Gedanken, dass ich endlich die Brüste meiner geliebten Mica in Händen hielt, stießen meine Erregung in ungeahnte Sphären.
"Dreh dich bitte um, Mica."
Etwas zu fühlen war schön, aber es zu sehen und zu fühlen war noch viel schöner. Jetzt konnte ich endlich Micas Brüste sehen und fühlen. Ich konnte ihre kleinen Nippel in den Mund nehmen, daran saugen, vorsichtig daran knabbern und vor allem schmecken. Und sie schmeckte so gut. Ok, Haut schmeckte eigentlich immer ähnlich und im Endeffekt war es reine Einbildung, aber für mich schmeckten ihre Brüste süß wie Honig.
Ganz langsam griff ich etwas kräftiger zu. Ich massierte die weichen Hügel und knetete sie sanft. Und dann hatte ich den Erfolg, den ich immer beabsichtigt hatte. Mica erzitterte, sie keuchte und schrie, warf ihren Kopf hin und her und sackte schließlich erschöpft zusammen. Und in dem Moment erwischte es auch mich. Ich hatte einen Höhepunkt nur vom Fühlen und Schmecken von Micas Brüsten und dem Erleben ihres eigenen Orgasmus.
Doch plötzlich schreckte sie auf und sah mich panisch an.
"Ce a fost asta?"
Auch wenn ich noch immer kein Wort Rumänisch konnte, wusste ich, was sie so erschreckt hatte.
Ich name sie in die Arme und zog sie an mich.
"Das, mein Engel, war ein Orgasmus."
"Das ist das, wovon du immer gesprochen hast?"
"Ja genau. Hat es dir gefallen?"
"Ich habe zuerst gedacht, ich sterbe. Aber dann war es wunderbar."
"Darum nennen es die Franzosen auch den kleinen Tod."
"Kannst du das nochmal machen?"
"Ich kann es versuchen, aber sei nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt. Die Brüste sind nicht die besten Stellen, um dich zum Orgasmus zu bringen. Jetzt war es das Neue und Unbekannte. Wenn ich es nochmal mache, kennst du es schon und dann ist der Reiz geringer."
"Und wie funktioniert es einfacher?"
"Normalerweise geht es am einfachsten wenn deine Klitoris und der ganze Bereich zwischen deinen Beinen gereizt wird. Aber ich weiß nicht, ob du schon bereit dazu bist."
"Nein, ich glaube nicht. Lass uns da bitte noch warten."
"Natürlich, mein Schatz. Ich richte mich da ganz nach dir."
Etwas später gingen wir nach dem Abendessen ins Bett, obwohl es eigentlich noch zu früh war. Vom Bett aus konnten wir nach draußen sehen, wo ein heftiger Schneesturm tobte.Wir hatten uns inzwischen einen Pick-Up mit Allradantrieb gekauft, um bei jedem Wetter vorwärts zu kommen. Das würde am Morgen zwar wieder mehr Arbeit bedeuten, bis ich im Krankenhaus war, aber trotzdem liebte ich den Anblick. Vor allem natürlich, wenn mein Liebling bei mir war.
***
Überhaupt waren wir inzwischen vollständig angekommen. Wir hatten unsere Personennummern, die man für alles hier brauchte. Ich hatte die gleich über meine Arbeit bekommen, aber für Mica hatte es etwa zwei Monate gedauert. Sie hatte auch angefangen den Führerschein zu machen, um auch selbst mal was unternehmen zu können. Wir würden ihr dann später auch noch ein eigenes Auto kaufen.
Meine Fortschritte in Isländisch waren merklich, aber doch recht zäh. In der Arbeit musste ich immer noch alles auf Englisch machen. Meine süße Mica sprach inzwischen sehr gut Isländisch. Ein wenig holprig vielleicht noch, aber doch so gut, dass sie alles erledigen und für mich bei Bedarf übersetzten konnte. Ihr Englisch, das ja doch eine gewisse Verwandtschaft mit Deutsch hatte, war fließend. Und weil das ja noch nicht reichte, hatte sie sich in einer Schule für Erwachsenenbildung angemeldet um das Stúdentspróf zu erlangen, die Voraussetzung für ein Studium. Daneben machte sie im Moment großteils noch den Haushalt, da ich meistens Tagschicht hatte. Nachtschicht würde ich erst bekommen, wenn mein Isländisch besser war. Dementsprechend bemühte ich mich, das so schnell wie möglich zu schaffen, schon alleine um meine durchweg netten Kollegen zu entlasten.
Wir hatten auch schon mit einem Makler Kontakt aufgenommen, um ein eigenes Haus zu kaufen. Wir hatten uns beide so gut eingelebt, dass wir nie wieder weg wollten von hier. So wie wir uns das schon ausgemalt hatten, suchten wir einen kleinen Bauernhof, der nicht mehr bewirtschaftet wurde. Nach einigen Wochen des Wartens wurde uns ein kleiner Hof angeboten, der etwas außerhalb von Selfoss in Richtung Reykjavik lag. So konnte Mica später dann auch bequem zur Uni fahren.
Die Immobilienpreise in Island verursachten fast einen Herzinfarkt bei uns, aber mit meinem Gehalt als Ärztin konnten wir das schaffen. Da es ländliches Gebiet war, lag der Kaufpreis bei rund 350.000 Euro. Es kamen aber noch Renovierungskosten von knapp über 50.000 Euro dazu. Auch wenn es mir extrem unangenehm war, so musste ich doch das Geld von Mica annehmen. Die monatlichen Raten konnte ich stemmen, aber für die Anzahlung von 15% reichte es bei mir nicht.
Im Frühjahr konnten wir dann einziehen. Zum Glück gab es auch auf Island schwedische Möbel, so dass sich die Kosten dafür in erträglichen Grenzen hielten. Später, wenn wir ein paar Jahre hier waren und Mica vielleicht auch arbeitete, würden wir uns was besseren suchen, aber für den Moment reichte das.
Ich wusste nicht, wie Mica das machte, aber sie raste nur so durch ihr Schulprogramm. Immer wieder konnte sie Bausteine überspringen und bald würde sie auf die Uni gehen können. Sie machte sich auch schon schlau, was sie studieren wollte und entschied sich dann für Physik und Astrophysik.
Ein gutes Jahr später war es dann soweit. Sie schrieb sich an der University of Iceland ein. Nun waren wir beide tagsüber weg und wenn ich Nachtschicht hatte, sahen wir uns manchmal nur wenige Minuten am Tag. Aber trotzdem waren wir glücklich zusammen. Wir hatten spontan sogar schon geheiratet. Ich war mir sicher, dass ich den Rest meines Lebens mit Mica verbringen wollte und ihr ging es genauso. An ihr Schatzkästchen ließ sie mich zwar noch immer nicht und sie war auch noch nicht daran interessiert, mir an den Schlitz zu gehen, aber damit konnte ich leben. Ihre Liebe und abendliches Kuscheln und Streicheln war mir mehr wert als aller Sex.
***
Wir hatten uns an die unterschiedlichen Zeiten gewöhnt, in denen wir daheim waren. Diese Woche war es wieder einmal soweit, dass ich Tagschicht hatte und wir uns erst Abends sahen.
Ich war gerade draußen, um nach den Tomaten zu sehen, als ich hinter mir Schritte hörte. Die waren viel zu schwer, als dass sie von Mica stammen konnten. Ich drehte mich um und sah einen großen glatzköpfigen Mann vor mir, der mich sofort an der Gurgel packte.
"Unde este Mihaela?"
Das musste der dritte Stiefbruder sein. Wer sonst würde hier rumänisch sprechen und so aggressiv auftreten?
"Verdammt, was soll das? Was willst du?"
Mist, das war ein Fehler. Soviel würde er erkennen können, dass das Deutsch war. Ich hätte Isländisch sprechen sollen. Vielleicht hätte er dann von mir abgelassen.
"Vreau să știu unde e curvă aia nenorocită. Știu cine ești. Curva aia nenorocită care a eliberat-o pe curvă. Și care s-a asigurat că fratele meu a pierdut totul. Și apoi l-a omorât ca pe un câine râios. Și asta n-a fost de ajuns! Te-ai asigurat că tatăl meu a făcut un atac de cord pentru că nu te poți sătura. Dar nu-ți face griji, și judecătoarea aia nenorocită va primi ce merită. După ce vă omor pe amândoi."
Plötzlich brach er röchelnd zusammen. Hinter ihm stand Mica mit einem Vorschlaghammer in der Hand.
"Crezi că te omor acum, nenorocitul? O, nu, ar fi mult prea bine pentru tine. Vei suferi cum am suferit și eu."
Sie hob den Hammer etwas an und ließ ihn direkt auf seine Eier fallen. Doch eine Reaktion fiel aus. Er lebte noch, das war klar. Er atmete noch und sah uns hasserfüllt an. Eigentlich hätte ich jetzt meinen Job als Ärztin ausüben müssen, aber mir war mein Schatz wichtiger. Ich nahm sie in meine Arme und küsste sie.
"Danke mein Engel, vielen Dank. Ich dachte, er würde mich jetzt töten."
"Das wollte er auch. Ich kam kurz nach ihm an und habe ihn sofort erkannt. Zum Glück stand der Hammer hier draußen. Und er war so auf dich fixiert, dass er nichts gehört hat."
"Hast du gehört, was er gesagt hat?"
"Ja. Er wollte wissen wo ich bin und er hat uns beide mehrfach Hure genannt. Er gibt uns die Schuld am Herzinfarkt von seinem Vater, weil wir so gierig wären. Und die Richterin wollte er auch noch töten. Doch dann wollte er dich töten und da musste ich zuschlagen."
"Wo hast du ihn getroffen?"
"Ich weiß nicht. Ich wollte seinen Kopf treffen aber der Hammer war zu schwer. Wahrscheinlich unter seinem Hals."
"Oh, das ist schlecht. Das könnte eine dauerhafte Lähmung sein."
"Du willst ihn doch nicht retten."
"Natürlich."
"Ich habe eine bessere Idee."
Ich sah Mica ungläubig an und meine Augen wurden immer größer, als sie mir ihren Plan erläuterte. Ich war damit nicht einverstanden aber ich verstand sie und stimmte dann zu.
Da sich ihr Stiefbruder noch immer nicht bewegte, zogen wir ihn in die unbenutzte Scheune und legten ihn auf eine alte Matratze. Nachdem wir sicherheitshalber seine Arme und Beine gefesselt hatten, holte Mica noch eine Decke und legte sie über ihn, damit er nicht zu sehr fror.
"Cum ne-ai găsit?"
"Dacă nu-mi spui cum ne-ai găsit, îți voi rupe degetele unul câte unul."
Mica hatte ihm was gesagt aber er drehte nur seinen Kopf weg. Sie zog dann einfach seine Arme zur Seite und brach ihm den kleinen Finger.
Er schrie vor Schmerzen, sagte aber nichts. Also ging Mica ein paar Meter weg und suchte sich irgendwas zusammen. Als sie wieder zurück war, hatte sie einen Hammer, ein Holzbrett und einen Nagel in der Hand. Ihr Bruder bekam große Augen und sah sie hasserfüllt an.
Sie legte das Brett hin, zog den gebrochenen Finger zur Seite und setzte den Nagel an.
"Eh, eh, eh! Vrei să știi cum v-am găsit? Am relații bune, târfă!"
Mit einem kräftigen Schlag trieb sie den Nagel durch den Finger.
Er schrie wieder vor Schmerzen und versuchte, seine Hände wegzuziehen, aber Mica schlug einfach nochmal zu.
"Le-ai spus despre ce este vorba?"
"Nu, nu, doar că te caut!"
Mica ließ von ihm ab, legte in aller Ruhe den Hammer ins Regal und ging raus.
"Was hast du mit ihm geredet?"
"Ich habe ihn gefragt, wie er uns gefunden hat. Er sagte, er hätte gute Verbindungen. Dann wollte ich noch wissen, ob er denen irgendwas gesagt hat, aber er meinte, er hätte nur gesagt, dass er mich sucht."
"Du traust ihm?"
"Na ja..."
Dann drehte sie nochmal um und kam nach ein paar Minuten grinsend wieder.
"Ja, ich traue ihm. Ich habe seinen zweiten Finger auch noch festgenagelt und er sollte auf seinen toten Vater schwören, dass er die Wahrheit gesagt hat. Und das war bei denen ein heiliger Schwur. Er würde da nie lügen."
"Mica, du machst mir wirklich Angst. Wie kommt es, dass du plötzlich so boshaft und gewalttätig bist?"
"Ich habe seit der Entführung viel gelernt. Und ich habe mich entschieden, dass ich keine Angst mehr haben will. Vor allem da jetzt der letzte Bastard auch weg ist. Und ich will mich wenigstens ein bisschen rächen."
"Und du willst das wirklich durchziehen? Noch ist es nicht zu spät."
"Ja Anna, er soll dafür leiden, was er und seine Familie mir angetan haben. Zum Schluss war es Glück für uns, was sie getan haben, aber das war bestimmt nicht ihr Plan. Die hätten mich leiden lassen, bis ich irgendwann gestorben wäre. Das kann ich ihm nicht vergessen. Und nach den letzten Minuten wären wir auch dran, und das will ich nicht. Ich will mein Leben mit dir genießen."
"Ok, das verstehe ich. Dann lass uns mal überlegen, wie wir das machen."
Nachdem unser Plan stand, gingen wir ins Bett. Wir mussten beide am nächsten Tag wieder arbeiten bzw. studieren. Ich lag noch lange wach und grübelte, ob ich das wirklich durchziehen wollte. Mir fielen immer neue Sachen ein, die dagegen sprachen, aber am Ende gewannen immer wieder Micas Überlegungen.
Am nächsten Tag endete meine Schicht um vier Uhr nachmittags. Ich packte alles zusammen was wir brauchen würden und fuhr nach Hause. Mica war schon etwas früher gekommen und hatte ihrem Stiefbruder tatsächlich noch einen Kaffee eingeflößt. Doch dann wurde es Zeit, dass wir unseren Plan durchführten.
Als erstes mussten wir ihn von dem Holzbrett befreien, an dem Mica ihn angenagelt hatte. Damit er sich nicht zu sehr wehrte, stellte sich Mica einfach auf seinen Arm. Um nicht zu viel Blut zu verlieren und hier Spuren zu hinterlassen, klemmten wir die Blutzufuhr an den beiden Fingern mit Draht ab. Ob ihm das weh tat, war jetzt auch schon egal.
Damit er keinen Lärm machte, steckten wir ihm einen Lappen in den Mund. Wir wickelten ihn in große Plastiktüten, die ich aus dem Krankenhaus mitgenommen hatte und zogen und zerrten ihn zu unserem Pick-Up. Es war eine echte Quälerei, bis wir ihn auf der Ladefläche hatten, aber schließlich schafften wir es. Mica legte noch die Decke über ihn, damit er nicht durch Zufall entdeckt wurde.
Während ich nochmal alles überprüfte, zog Mica noch zwei Plastiktüten über den Sitz seines Mietwagens, zog sich Handschuhe und eine Wollmütze über und startete das Auto. Hintereinander fuhren wir Richtung Osten zum Sólheimajökull Gletscher. Es war schon Abend als wir ankamen und alles war verlassen. Es war kein Mensch mehr da, so wie wir gehofft hatten. Wir waren ganz alleine. Den Mietwagen stellten wir auf dem normalen Parkplatz ab, durchsuchten vorsichtig und immer mit Handschuhen sein Gepäck, nahmen die Plastiktüten mit und sperrten das Auto zu.
In der Scheune hatten wir einen alten Schlitten gefunden, wie man ihn zum Transport von Brennholz verwendete. Eine flache Kunststoffschale, die genau zu unserem Plan passte. Wir befestigten ein Seil zwischen dem Pick-Up und dem Schlitten und zogen den bewegungslosen aber immer noch lebenden Körper von der Ladefläche auf den Schlitten, über den wir auch eine Plastiktüte gezogen hatten, damit darauf keine Spuren zurückbleiben konnten. Wir befreiten ihm noch von den Tüten, in die wir ihn gewickelt hatten und zogen den Schlitten zu einer nahen Gletscherspalte. Um nicht selbst in Gefahr zu geraten, in eine Spalte zu stürzen, hatten wir beide uns mit Seilen am Auto gesichert.
Ich leuchtete mit einer Taschenlampe hinunter und suchte mir eine Stelle, an der in etwa 12 - 15 Metern Tiefe ein Vorsprung war.
"Femei blestemate. Ce puneți la cale? Diavolul să vă ia. Dacă vreți să mă omorâți, faceți-o cum trebuie, nu pe ascuns. Tipic pentru târfele astea!"
Er beschimpfte uns und ich hatte erwartet, dass Mica ihn treten würde. Aber sie kniete sich neben ihn, tätschelte seine Wange und stopfte ihm den Knebel wieder in den Mund, damit er ihre Rede nicht störte. Doch als erstes steckte sie ihm den Autoschlüssel in die Jackentasche.
"Vrei să te omorâm pur și simplu?
Nu.
Pentru că voi ați vrut să mă omorâți și pe mine încet - mult mai încet decât o să pățești tu acum. Voi ați vrut să mă chinuiți ani de zile și apoi să mă aruncați ca pe un pantalon rupt.
Dar primul nemernic a avut noroc: A fost pur și simplu împușcat. Prea repede.
Celălalt a slujit măcar în pușcărie ca sclav. Și ca curvă - pentru toți cei care nu aveau femei. Sper că fundul lui era frumos lărgit înainte ca nevastă-mea să-i sfărâme fiecare os din corp.
Și știi ce? Ea n-a fost pedepsită pentru asta.
Că tatăl vostru a crăpat și el acolo a fost un accident - dar, din ce se aude, a suferit zdravăn.
Și acum e rândul tău.
Te aruncăm de aici jos, pe un absatz într-o crăpătură de ghețar. Nu destul de adânc ca să mori imediat. Tu vei îngheța. Dacă tu ai noroc, durează cinci, șase ore. Poate tu cazi însă într-o spaltă și ești strivit încet.
Te vom arunca într-o crevasă ca să nu mori pe loc. Vei îngheța încet. Cu puțin noroc, va dura cinci până la șase ore. Există însă și posibilitatea să fii zdrobit încet.
Păcat doar că tu ești paralizat. Picioarele nu-ți vor mai simți cum se rup. Dar poate spatele. Poate pieptul.
Poți încerca să te ridici cu brațele. Mult succes cu asta.
Vei primi și o injecție ca să-ți facă inima să bată frumos și puternic și să te țină în viață cât mai mult posibil.
Și acum - să ai o moarte frumoasă.
Ah, da. Când ne întoarcem, iubita mea o să mă facă în sfârșit femeie. Ea are voie să mă fută - și e păcat că tu nu poți privi. Dar tu poți visa la asta."
Mica nickte mir zu und ich nahm die mitgebrachte Spritze mit 20 ml Dextroamphetamin und spritzte es ihm in eine Beinvene. Es war zu wenig um ihn umzubringen, aber genug, um sein Herz wie das einer Spitzmaus schlagen und ihn alles ganz genau miterleben zu lassen. Da er eine frisch rasierte Glatze hatte, war das später auch nicht nachweisbar, sollte er zu früh gefunden werden. Den Verbrauch konnte ich mit Notfällen kaschieren.
Mica durchsuchte noch seine Hosen und Jackentaschen.
"Wir wollen ja nichts wegwerfen."
Dann nahm sie ihm den Knebel wieder aus dem Mund, setzte ihm aber eine Klammer auf die Nase. Sie suchte sich zwei dicke Steine und fixierte damit seinen Kopf. Dann hob sie ihren Rock hoch, zog den Slip aus, hockte sich über sein Gesicht und pinkelte los. Sie machte auch immer wieder Pausen, damit er atmen konnte. Als sie fertig war, zog ich mir auch meine Hose und meinen Slip aus und pinkelte ihm auch noch in den Mund. Es war ziemlich kalt und ich war froh, als ich meine Hose wieder anhatte.
"Sper că nu mai ești însetat. Suntem atât de buni cu tine - nu te lăsăm să mori de sete. Și acum spune-ți rămas bun, pentru că acum te așteaptă coborârea.."
Wir nahmen ihm die Fesseln ab und er schrie uns immer noch irgendwas zu, aber ich konnte sehen, dass Mica ihm nicht zuhörte. Wir schoben den Schlitten bis an die Kante und ließen ihn langsam kippen. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Er rutschte los und prallte kurz darauf auf den Vorsprung in der Gletscherspalte. Er schrie, teils vor Wut und teils vor Schmerz. Wir leuchteten hinunter und sahen, dass er perfekt gefallen war. Er lag mit zertrümmerten Beinen auf dem Vorsprung und ein Arm klemmte tatsächlich in dem schmalen Spalt zwischen Vorsprung und der gegenüberliegenden Wand. Wenn er Glück hatte, würde der Arm noch schön zerquetscht werden, bevor er erfror.
Wir nahmen alles mit, was uns eventuell verraten könnte, packten alles zusammen in eine Plastiktüte und warfen die auf die Ladefläche. Noch immer konnten wir ihn schreien hören, aber das interessierte uns nicht. Wir waren unseren letzten Feind los. Die Plastiktüten waren jetzt noch das einzige, was uns belasten konnte. Aber die würde ich mit ins Krankenhaus nehmen und bei nächster Gelegenheit in der Nachtschicht zusammen mit anderem OP Müll in den Ofen für medizinischen Abfall werfen. Da blieb dann nur noch etwas Asche übrig.
Die Rückfahrt verging schweigend. Jede von uns hing ihren Gedanken nach. Wir hatten unser Leben gerettet, aber gleichzeitig einen kaltblütigen Mord begangen. Hätten wir nach dem Hammerschlag die Ambulanz gerufen, wäre alles gut gewesen. Oder hätte Mica in ihrer Panik nochmal zugeschlagen und er wäre dabei gestorben, wäre es auch nicht so schlimm gewesen. So aber hatten wir wirklich Rache geübt. Wir hatten uns vorher überlegt, was wir machen wollten und es dann eiskalt ausgeführt. Ich hatte sogar von meiner Arbeitsstelle Material mitgehen lassen. Andererseits hatten wir beide genug unter diesem Gesindel gelitten, vor allem meine liebe Frau. Wie es uns beiden in der nächsten Zeit gehen würde, musste man abwarten.
Als wir wieder daheim waren, kontrollierten wir peinlich genau, ob wir irgendwelche Spuren übersehen hatten, die uns in Zweifelsfall überführen konnten. Aber wir konnten nichts finden. Die einzige Stelle, an der er Fingerabdrücke oder DNA Spuren hinterlassen haben könnte, war der Schotter in unserer Zufahrt. Und da würde keiner die einzelnen Steinchen prüfen. Unser Sprachgenie Mica wollte sich am nächsten Tag mal nach Sperrmüll erkundigen und wo wir die Matratze abgeben konnten. Bei der Gelegenheit konnten wir auch noch anderen großen Müll entsorgen.
Als wir schließlich in der Küche bei einer Tasse Tee saßen, kamen mir ein letztes Mal Zweifel.
"War es das richtige, was wir getan haben?"
Mica sah mich lange an, bevor sie antwortete.
"Ja, definitiv ja. Gut, wir haben ihn umgebracht, aber wollten die das nicht auch erst mit mir und dann mit dir machen? Und wir hätten für den Rest unseres Lebens mit dem Gedanken im Hinterkopf gelebt, dass da noch jemand ist, der uns schaden könnte. Wer weiß denn, ob er nicht später jemanden gefunden hätte, der uns und die Richterin für ihn getötet hätte? Nein, das war schon richtig so. Wir haben jetzt unser Leben, so wie wir es wollten. Vielleicht nicht hier in Island, aber wären wir in Deutschland auf die Idee gekommen, dass ich doch nicht so ein Dummchen bin, als das ich immer hingestellt wurde? Ich bereue nichts. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mich so gut und so frei wie noch nie in meinem Leben. Ich werde die nächste Zeit mal abwarten, aber ich könnte mir vorstellen, dass ich meine Therapie nicht mehr weiterführen muss."
Ich umarmte meinen Liebling und gab ihr einen sanften Kuss.
"Ja, du hast Recht. Vergessen wir das Kapitel. Aber was anderes - was hast du ihm eigentlich noch alles gesagt? Du hast ja doch ganz schön viel geredet."
Sie grinste mich an.
"Nachdem er uns erst wieder so richtig schön als feige Schlampen beschimpft und zum Teufel gewünscht hatte, habe ich meine Abschiedsworte nochmal ausgeweitet.
Du willst, dass wir dich einfach töten?
Nein.
Denn ihr wolltet mich auch nur langsam töten - viel langsamer, als du es jetzt erleben wirst. Ihr wolltet mich jahrelang quälen und dann wegwerfen wie eine zerrissene Hose.
Aber der erste Bastard hatte Glück: Er wurde einfach erschossen. Zu schnell.
Der andere diente im Knast wenigstens noch als Sklave. Und als Hure - für all die, die keine Frauen hatten. Ich hoffe, sein Arsch war schön ausgeleiert, bevor meine Frau ihm jeden Knochen im Leib zertrümmerte.
Und weißt du was? Sie wurde dafür nicht bestraft.
Dass euer Vater dabei auch draufging, war ein Unfall - aber, was man so hört, hat er ordentlich gelitten.
Und jetzt bist du dran.
Wir werfen dich hier runter, auf einen Vorsprung. Nicht tief genug, um sofort zu sterben. Du wirst erfrieren. Wenn du Glück hast, dauert es fünf, sechs Stunden. Vielleicht fällst du aber auch in eine Spalte und wirst langsam zerquetscht.
Dumm nur, dass du gelähmt bist. Deine Beine werden dich nicht mehr spüren lassen, wie sie brechen. Aber vielleicht dein Rücken. Vielleicht dein Brustkorb. Du kannst ja versuchen, dich mit den Armen hochzuziehen. Viel Erfolg.
Und damit du uns nicht zu früh verlässt, ist hier noch eine Spritze. Sie hält dein Herz schön am Schlagen. Damit du jeden einzelnen Moment genießt.
Und jetzt - stirb mal schön.
Ach ja. Wenn wir zurück sind, wird mein Liebling mich endlich zur Frau machen. Sie darf mich ficken - und es ist schade, dass du nicht zusehen kannst. Aber du kannst ja davon träumen.
Zum Schluss habe ich ihm noch gesagt, dass wir ja eigentlich sehr nett sind. Immerhin lassen wir ihn nicht durstig sterben.
War das zu theatralisch?"
Was für Abgründe taten sich da in meinem Engel auf. Ich hätte nie erwartet, dass sie so eiskalt sein konnte.
"Wow, das war heftig. Das muss ich erst einmal verdauen. Nein, theatralisch war das nicht. Das war keine einfache Drohung, sondern eine sadistische Hinrichtungsrede - ein teuflischer Monolog, in dem jedes Wort wie ein Messer zugestochen hat. Alleine davon könnten sensible Menschen sterben. Ich hoffe, du wirst sowas nicht irgendwann einmal zu mir sagen."
"Wenn du mir immer schön gehorchst? Nein, Spaß gemacht. Dir würde ich sowas nie sagen. Du hast mir das Leben gerettet. Ich werde dir ewig dankbar sein."
"Aber du hast mir gestern auch das Leben gerettet."
"Dazu wäre es nie gekommen, hättest du damals einfach weggesehen. Aber das hast du nicht getan. Du hast schon Mut bewiesen und die Polizei gerufen und dich selbst in Gefahr gebracht. Das werde ich dir nie im Leben zurückzahlen können."
Sie setzte sich auf meinen Schoß und umarmte mich.
"Danke mein Schatz. Danke, dass es dich gibt und danke, dass du so wundervoll bist. Wenn wir das nächste Mal mit deinen Eltern telefonieren, muss ich mich nochmal bei ihnen bedanken.
Ich liebe dich, Anna."
Mir waren die Tränen gekommen. Ich liebte diese Frau abgöttisch und ich hätte alles für sie getan.
"Mica, du hattest ihm was gesagt von zur Frau machen. Was hast du damit gemeint?"
"Dass ich jetzt keine Angst mehr davor habe, den letzten Schritt zu gehen. Wir sind jetzt schon viele Monate verheiratet und du durftest mich noch nie überall anfassen. Ich habe immer meine Beine zusammengekniffen. Du musstest so enttäuscht von mir gewesen sein. Aber ich hatte immer Angst davor, dass es weh tun könnte. Aber das ist jetzt vorbei. Ich möchte, dass wir den letzten Schritt gehen, dass du mich entjungferst und du darfst auch deine Finger in mich rein schieben. Das war immer meine größte Panik, aber auch das ist jetzt vorbei."
"Mein süßer Engel, ich bin alles mögliche, aber bestimmt nicht enttäuscht. Ich weiß doch, was du alles in deinen jungen Jahren durchmachen musstest. Da hat es mich schon gewundert, wie schnell du auf mich eingegangen bist. Und ich hätte immer gewartet, bis DU mir sagst, dass du bereit bist. Und wenn das erst in 30 Jahren soweit gewesen wäre, hätte ich die 30 Jahre gewartet. Du bist mir viel mehr wert als ein paar Stunden schönen Sex. Versteh mich nicht falsch - Sex ist was Tolles. Aber du bist noch viel toller."
"Danke Anna."
Jetzt kamen ihr ein paar Tränen, aber das war mir egal. Wir küssten uns noch eine ganze Weile, aber nur ganz zärtlich. So zärtlich und gefühlvoll, wie es nur Frauen können.
"Mica, so gerne ich dich jetzt zur Frau machen würde, wie du es dem Bastard gesagt hattest, aber es ist schon spät und wir müssen beide morgen wieder raus. Wollen wir bis zum nächsten Wochenende warten, bis ich auch frei habe? Dann können wir uns die ganze Zeit lieben. Dann kommen wir zwei Tage nicht aus dem Bett."
"Meine Frau ist doch wirklich die klügste. So machen wir das. Dann lass uns jetzt aber schlafen gehen. Damit du morgen wieder viele Leben retten kannst und ich weiter lernen kann. Das ist wie eine Sucht. Ich war ja nur ein paar Jahre in Rumänien in der Schule. Ich dachte immer, ich wäre dumm, aber jetzt kann ich gar nicht genug bekommen. Danke, dass du mir die Augen geöffnet hast."
Wir gingen dann zwar ins Bett, schmusten und streichelten uns aber noch eine Weile, bis wir endlich schliefen.
Drei Tage später war es dann soweit. Ich hatte das ganze Wochenende frei. Vormittags waren wir noch nach Selfoss gefahren, um für die nächste Woche einzukaufen. Dann endlich konnte unser Liebesmarathon beginnen. Wir schalteten unsere Telefone aus, damit uns niemand stören konnte. Besuch erwarteten wir nicht und ein eventuelles Klopfen würden wir ignorieren.
"Anna, ich habe gesehen, dass du da unten auch rasiert bist. Soll ich das auch machen?"
"Das würde mich sehr freuen. Ich möchte dich auch lecken, dich schmecken und da stören Haare doch sehr. Aber bitte, immer nur, wenn du es wirklich willst."
Da sie etwas zögerte, machte ich ihr einen Vorschlag.
"Mica, warte. Lass uns erst einmal wieder ins Bett gehen. Dann kannst du dir das alles bei mir ansehen und dich dann immer noch entscheiden."
Ganz langsam zogen wir uns gegenseitig aus. Ich war immer wieder fasziniert von Micas Schönheit. Sie war so perfekt. Als wir dann im Bett lagen, gingen wir das doch ganz langsam an. Wir hatten ja so viel Zeit.
Streicheln war eine unserer liebsten Beschäftigungen. Wir konnten stundenlang im Bett liegen und uns streicheln und küssen. Auch unsere Brüste wurden nur ganz sanft behandelt und es kam oft genug vor, dass eine von uns dabei einen Orgasmus hatte. Wegen Micas Angst hatten wir uns gegenseitig noch nie weiter als bis zum Bauchnabel berührt. Aber heute sollte es anders werden.
"Wollen wir den nächsten kleinen Schritt machen, Mica?"
"Ja bitte, aber vorsichtig."
"Natürlich, mein Schatz. Gib mir mal deine Hand."
Ich nahm die Hand, die auf meinem Bauch lag und schob sie langsam hinunter bis sie meine Vagina erreichte. Ich ließ meine Hand auf ihrer liegen und schob ihre Finger leicht hin und her.
"Fühle erst einmal nur. Ertaste jede Falte und jeden Hügel. Dass ich da nass bin, ist ganz natürlich. Das ist dafür gedacht, dass der Mann leichter eindringen kann. Oder du mit deinen schlanken Fingern. Solange du nicht deine Fingernägel einsetzt, kann da auch nichts passieren. Du kannst mir nicht wehtun. Erkunde das erst einmal so und wenn du bereit bist, dreh dich um und sieh es dir an. Lass dir Zeit. Wir haben noch das ganze Wochenende."
"Darf ich meinen Finger auch reinstecken?"
"Aber natürlich. Du kannst auch zwei Finger reinstecken. Ich bin da ziemlich dehnbar."
Am Anfang war sie noch etwas hölzern, aber bald wurden ihre Bewegungen bedeutend geschmeidiger. Als sie dann meinen Kitzler entdeckte und ihren Zeigefinger langsam darüber kreisen ließ, stand ich kurz vor meinem Höhepunkt. Ich drückte ihren Kopf auf meine Brust und sie fing an, an meinem Nippel zu lutschen.
"JA, mach weiter! Das ist so guuuuut!"
Mein ganzer Körper schüttelte sich, als ich den Höhepunkt erreichte. Mica streichelte mich weiter, aber für den Moment war das zu viel.
"Warte bitte etwas, Mica. Nach dem Orgasmus bin ich immer sehr empfindlich."
Sofort nahm sie ihre Finger weg und zog die Hand hervor. Ihre Finger glänzten vor Nässe und sie schnupperte daran.
"Leck sie ab. Ich mag den Geschmack."
Ganz vorsichtig leckte sie mit der Zungenspitze über ihre Fingerkuppe. Doch es dauerte nicht lange, bis sie ihren ganzen Finger im Mund hatte.
"Das ist wirklich gut. Schokolade ist besser, aber ich mag das auch."
"Möchtest du dir das jetzt mal ansehen? Du kannst dann auch wieder mit den Fingern ran."
"Ja gerne."
Ich zog die Decke zur Seite und spreizte meine Beine ganz weit. Mica legte sich dazwischen und fing an, mich mit ihren Fingern zu erkunden. Sie war sehr vorsichtig, fast zu vorsichtig.
"Nimm auch die andere Hand. Zieh mein Loch ruhig weiter auf. Das ist der Teil, wo jeder Mann rein will. Und wo wir keinen hin lassen. Nur uns beide."
Ganz vorsichtig zog sie an meinen großen inneren Schamlippen.
"Tut das weh?"
"Nein mein Schatz, das tut gut. Zieh sie ruhig lang, so weit es geht."
Sie dehnte sie dann wirklich stärker und zog mein Loch auch immer wieder auf.
"Du bist schön, Anna."
"Wollen wir dich auch so schön machen, Mica?"
"Ja bitte."
"Dann komm."
Ich stand auf und zog sie mit ins Badezimmer. Ich setzte sie auf das breite Kopfende der Badewanne und hockte mich dazwischen.
"Wenn du Angst bekommst, dann sag es. Ich möchte nicht, dass du das nur für mich machst. Ok?"
Sie nickte und fixierte die Instrumente, die ich bereitliegen hatte. Als erstes kam die Schere dran, um die Haare so weit wie möglich zu kürzen. Sie zuckte kurz zurück und ich legte meine Hände auf ihre Oberschenkel.
"Versuch, dich so wenig wie möglich zu bewegen. Ich bin ganz vorsichtig, aber wenn du dich bewegst, kann ich nicht garantieren, dass ich dich nicht verletze."
Mica schaffte es tatsächlich, sich nicht zu bewegen. In zwei Minuten war ich fertig und warf erst einmal die abgeschnittenen Haare raus.
"So viel war das?"
"Ja, du hast einen recht dichten Busch."
"Sind wir schon fertig?"
"Nein, das waren jetzt nur die langen Haare. Jetzt wird rasiert. Halt jetzt bitte ganz still, wenn ich mit der Klinge dran bin."
"Sei bitte ganz ganz vorsichtig."
"Natürlich. Ich möchte ja auch das ganze Wochenende mit dir spielen und dich nicht verarzten."
Ich setzte noch eine frische Klinge ein und sprühte Rasierschaum auf. Ganz behutsam fing ich auf ihrem Venushügel an und arbeitete mich langsam vor. Mica beruhigte sich etwas und bald war ich fertig.
"Vorsicht, kalt!"
Ich legte einen nassen Waschlappen auf, um die gereizte Haut zu beruhigen. Ich sah meinem Schatz in die Augen. Der ängstliche Blick war Vergangenheit. Jetzt sah ich eher Neugier auf den neuen Anblick. Ich spülte die Schaumreste und die Stoppel weg, nahm einen Handspiegel und hielt ihn Mica hin. Neugierig hielt sie ihn vor ihren wunderschönen Schlitz.
"Das sieht schön aus. Warum hast du mir das nicht früher gesagt?"
"Weil ich wusste, dass du Angst hattest. Angst vor allem, was mit Sex zu tun hatte. Und ich will nicht, dass du in deinem Leben noch ein einziges Mal Angst hast. Darum habe ich damit gewartet, bis du wirklich bereit warst."
"Danke Anna, du bist so unheimlich verständnisvoll."
"Darf ich dich lecken?"
"Wo?"

"Da unten, zwischen deinen Beinen."
"Du willst wirklich da..."
"Wenn ich einen Finger ablecken kann, der da drin gesteckt hat, dann kann ich auch direkt an die Quelle gehen."
"Da hast du Recht. Aber wollen wir nicht lieber wieder ins Bett gehen? Da ist es bequemer.
Und wie oft muß man das jetzt machen?"
"Eigentlich alle paar Tage. Wir können uns aber auch mal überlegen, Waxing zu probieren. Dabei werden dir die Haare mit Wachs rausgerissen. Das tut im Moment weh, aber dafür hält es länger. Wir sollten uns mal an ein Kosmetikstudio in Reykjavik wenden. Die können uns da bestimmt gut beraten. Und ich möchte auch nicht selbst mit Wachs an deinen süßen Schlitz gehen. Das traue ich mich dann doch nicht."
Zurück im Bett legte sich Mica mit weit gespreizten Beinen hin. Jetzt war sie die absolut perfekte Schönheit. Es konnte keine schönere Frau geben. Mir kamen schon wieder die Tränen.
"Warum weinst du denn, mein Schatz?"
Ich legte mich hin und kuschelte mich an sie.
"Ich bin so glücklich. Immer wenn ich dich sehe, frage ich mich, womit ich dich verdient habe. Du bist die perfekte Frau. Du bist unglaublich schön, nett, sensibel, intelligent, verständnisvoll. Einfach ein Traum, aus dem ich hoffentlich niemals aufwache. Und wenn ich dich so sehe in deiner vollen Pracht kommen mir einfach die Tränen. Tränen der Freude und der Dankbarkeit."
"Danke Anna. Das hast du so schön gesagt. Aber vielmehr sollte ich doch dir dankbar sein. Ich sollte dich jeden Tag loben und preisen. Ohne dich wäre ich doch schon längst tot."
Jetzt fing auch Mica an zu weinen und so lagen wir wieder einmal im Bett, klammerten uns aneinander und ließen unseren Gefühlen freien Lauf.
"Anna, machst du mich jetzt zur Frau?"
"Sehr gerne. Ich freue mich schon seit Tagen darauf. Aber bitte, wenn dir was weh tut, sag es sofort."
"Warum, kann es weh tun?"
"Beim ersten Mal ja. Weil in deinem Eingang dein Jungfernhäutchen sitzt und dein Inneres beschützt. Ich habe vorhin gesehen, dass deins tatsächlich noch da ist. Beim ersten Mal zerreißt es und das kann schmerzen. Es gibt einen kurzen Stich und es fließen ein paar Tropfen Blut. Und dann ist es auch schon wieder vorbei. Aber wenn du das gar nicht willst, solltest du zu unserer Frauenärztin gehen und es dir beseitigen lassen."
"Nein, ich vertraue dir."
"Dann lass mich dich jetzt erst einmal lecken."
Ich richtete mich auf und legte mich zwischen ihre wieder weit gespreizten Beine. Jetzt konnte ich mir auch ihre Beine das erste mal von Nahem betrachten. Auch hier war sie perfekt. Eine makellos glatte Haut, die ich nur ganz vorsichtig berühren wollte.
Doch dann lockte mich der Duft ihrer Scheide. Ich ließ meine Finger über die nass glänzende Haut gleiten. Im geschlossenen Zustand war es nur ein einfacher Schlitz. Aber wenn ich den vorsichtig mit den Daumen aufzog, begrüßte mich das Paradies. Ihr rotes Inneres, der vom Häutchen verschlossene Eingang, der kleine Kitzler. Ich war fasziniert von diesem Anblick. Nicht dass ich noch nie eine Frau dort gesehen hatte - ich war schließlich Ärztin und hatte schon genügend Sex mit Frauen gehabt. Aber ich bildete mir ein, noch nie einen so schönen Intimbereich gesehen zu haben.
Dann endlich konnte ich mich von dem Anblick losreißen. Ich fing an, ihre inneren Oberschenkel zu küssen, bis weißlicher Saft aus ihrer Scheide sickerte. Ich presste meinen Mund auf ihren Eingang und fing an, sie zu lecken. Sie schmeckte verdammt gut und meine Zunge ging immer aggressiver zu Werke. Bald war mein ganzes Gesicht nass und sie produzierte immer mehr Saft.
Jetzt gab sie auch Töne von sich. Sie stöhnte und keuchte und sagte was auf Rumänisch. Aber es hörte sich gut an und so machte ich immer weiter. Ich schob meine Hände nach oben, massierte ihre Brüste und spielte mit den Nippeln.
Sie wurde nasser und nasser und ich nahm mir vor, beim nächsten Mal ein großes Handtuch unterzulegen, um nicht das ganze Bett nass zu machen. An ihren Äußerungen konnte ich erkennen, dass sie kurz vorm Orgasmus stand. Das war jetzt der richtige Zeitpunkt, sie zu entjungfern. Ich nahm eine Hand runter, setzte meinen Zeigefinger an ihrem Eingang an, machte ihr steif und stieß zu.
"Ou!"
Ich ließ meinen Finger drin und saugte kräftig an ihrem Kitzler. Schnell war der Schmerz vergessen und nur Sekunden später hatte ich ihr zum Orgasmus verholfen. Sie schrie auf, ich zog meinen Finger raus und sie spritzte tatsächlich kräftig ab. Sie machte mich von oben bis unten nass, aber ich freute mich unheimlich für sie. Da ihr Orgasmus viel intensiver war als bisher, hoffte ich, dass sie ihn auch so erlebt hatte.
Ich rutschte hoch und nahm die Mica in den Arm. Ihr Gesicht war schweißnass und sie atmete schwer. Ich legte eine Hand auf ihre Brust und konnte ihren Herzschlag spüren. Ich streichelte ihren sanften Hügel und kratzte leicht über ihren Nippel.
"Hallo mein Schatz! Willkommen zurück."
Sie sah mich aus großen Augen an.
"Was ist passiert?"
"Du hattest einen Orgasmus. Einen tollen Orgasmus, viel intensiver als sonst immer. Wie geht es dir?"
"Ich bin total fertig. Aber es war toll. Warum bist du so nass?"
Sie hatte mein Gesicht gestreichelt und befühlte nun ihre nassen Finger.
"Du hast abgespritzt, und mir direkt ins Gesicht."
"Oh, entschuldige bitte. Das tut mir leid. Oh, ist das peinlich."
"Nein, das war toll. Ich freue mich so sehr für dich."
"Wann entjungferst du mich jetzt?"
"Schon passiert. Kurz vor deinem Höhepunkt habe ich dein Häutchen geknackt."
"Ich habe gar nichts davon gespürt."
"Das war ja auch die Absicht. Du hast nur ein Mal kurz Aua gesagt und dann bist du auch schon gekommen."
"Danke Anna, es war wirklich schön."
"Ich bin noch nicht fertig mit dir."
"Aber ich bin müde und wir haben morgen noch den ganzen Tag Zeit. Wollen wir nicht etwas schlafen?"
Ich sah auf die Uhr und erschrak. Es war schon nach eins am Morgen. Der Blick auf die Uhr hatte mein Schlafzentrum aktiviert, denn plötzlich war ich auch ziemlich müde.
"Aber bevor wir schlafen, müssen wir das Bett neu beziehen. Es ist doch ziemlich nass geworden."
Zu zweit ging das doch einigermaßen schnell und bald lagen wir wieder im Bett und kuschelten uns aneinander.
"Ich liebe dich, Anna. Vielen Dank, dass du mich damals gerettet hast."
"Ich liebe dich auch, Mica. Vielen Dank, dass du in mein Leben getreten bist. Ich war noch nie so glücklich wie jetzt. Mein Leben ist jetzt absolut perfekt."
Ich sah meiner Süßen in die Augen.
"Bitte Mica, nicht wieder weinen. Die Bettwäsche ist ganz neu."
Jetzt musste sie doch lachen und damit war das Problem auch erledigt. Wir küssten uns noch ein paar Minuten, bis wir einschliefen.
Am späten Vormittag wachten wir wieder auf. Auch wenn wir schnellstmöglich wieder ins Bett wollten, ließen wir uns Zeit um ausgiebig zu frühstücken.
Eigentlich wollten wir ja den Nachmittag mit Sex verbringen, aber das Wetter war zu schön. Oder schlecht. Je nachdem, wie man es sah. Es regnete und stürmte, dann schien wieder die Sonne und bald danach stürmte es wieder. Wir lagen zwar im Bett, sahen aber dem Wetter zu. Es war so faszinierend und so anders als ich es von Deutschland gewohnt war. Dazu tranken wir Tee und aßen Kekse.
Später liebten wir uns zwar noch einmal, aber nicht so intensiv, wie wir es eigentlich vorgehabt hatten. Aber das war uns egal. Wir hielten uns einfach nur fest und rieben uns am Oberschenkel der anderen, bis wir schließlich fast gleichzeitig einen Orgasmus hatten, während dem wir uns ganz intensiv in die Augen sahen. Vor allem ich konnte nicht genug kriegen von dem Anblick. Mica hatte die schönsten Augen, in die ich jemals schauen durfte.
***
Drei Wochen später war ich allein zu Hause. Ich hatte wieder mal Spätschicht gehabt und den nächsten Tag frei. Mica war wie üblich in der Uni. Plötzlich klopfte es an der Tür und als ich öffnete, standen zwei Polizisten draußen.
"Guten Tag, bist du Mihaela Matei?"
"Nein, das ist meine Ehefrau. Sie ist jetzt noch in der Uni."
"Wann ist sie denn wieder da?"
Ich sah auf die Uhr.
"Ich schätze mal in gut zwei Stunden. Darf ich denn fragen, um was es geht?"
"Es ist was mit ihrem Bruder. Mehr möchten wir direkt mit ihr besprechen. Wir kommen dann später nochmal."
Sie verabschiedeten sich und ich schaffte es gerade noch die Tür zu schließen, bevor ich zusammenbrach. Was hatten wir verkehrt gemacht? Im Auto konnten keine Spuren von uns sein. Hier am Hof hatte er nichts angefasst. Der Hammer hatte seine Haut nicht berührt. Ich hatte alle Plastiktüten, Gummihandschuhe und die Spritze in unserem Ofen verbrannt. Was hatten wir übersehen?
Alle fünf Minuten versuchte ich, Mica zu erreichen, doch während der Vorlesungen hatte sie ihr Telefon ausgeschaltet. Als sie endlich auf dem Rückweg war, ging sie auch wieder ran.
"Baby, bleib bitte irgendwo stehen."
"Ich stehe gerade auf einem Parkplatz. Was ist los?"
"Die Polizei war hier und hat nach dir gefragt. Es geht um deinen Bruder."
"Scheiße!! Warum? Was haben wir vergessen? Der kann doch nicht überlebt haben."
"Nein, auf keinen Fall. Ich weiß nicht, um was es geht. Ich bin nochmal alles durchgegangen, aber ich habe nichts gefunden."
"Was machen wir jetzt?"
"Komm bitte nach Hause, aber lass das Auto stehen. Nimm ein Taxi. Du bist jetzt zu aufgeregt, um sicher fahren zu können. Bitte."
"Ja, du hast Recht. Bis nachher."
Ich konnte mich noch immer nicht beruhigen und tigerte durch das Haus. War jetzt schon wieder alles vorbei?
Die Polizisten kamen noch eher als Mica. Zu einer wenigstens kleinen Beruhigung für mich waren sie recht entspannt. Sie wollten mir zwar noch immer nicht sagen um was es geht, aber wenn es um unsere Tat ging, hätten sie mich auch befragt oder beschuldigt.
Eine Viertelstunde später kam Mica an. Ich konnte sie alleine an der Tür empfangen, was mich wieder ein wenig mehr beruhigte.
"Beruhige dich, mein Schatz. Es scheint wohl nicht um uns zu gehen. Ein Mal tief durchatmen und durch."
Hand in Hand gingen wir in die Küche, wo die Polizisten warteten.
"Frau Mihaela Matei?"
"Ja, aber eigentlich Mihaela Meier. Ich habe ihren Namen angenommen."
Mica hatte sich wieder voll im Griff. Sie nahm meine Hand und sah mich verliebt an.
"Entschuldigung. Kennst du einen Radu Matei?"
"Ja, das ist mein Stiefbruder."
"War er vor einer Weile mal hier?"
"Ja, vor, ich weiß nicht, vielleicht vier oder fünf Wochen. Wir haben ihn aber gleich wieder weggeschickt. Ich will mit dieser kriminellen Bande nichts zu tun haben."
"Du hast also nicht mit ihm gesprochen?"
"Doch, aber höchstens ein paar Minuten. Wir haben ihm klar gemacht, dass wir ihn nicht sehen wollen und er verschwinden soll. Und dann ist er wieder gefahren."
"Hat er dir gesagt, was er machen wollte?"
"Nein, keine Ahnung. Aber um was geht es denn überhaupt?"
"Wir haben seinen Mietwagen beim Sólheimajökull Gletscher gefunden und ein paar Leichenteile in einer Gletscherspalte. Wir wissen aber noch nicht, ob es sich dabei um deinen Bruder handelt. Wir vermuten es aber sehr stark. Hast du irgend etwas, was ihm gehörte, so dass wir vielleicht über einen DNA Vergleich Gewissheit erlangen?"
"Das tut mir leid, aber wie gesagt war er nicht lange bei uns und er war auch nur draußen. Dann ist er auch wieder gefahren. Aber über Fingerabdrücke solltet ihr ihn identifizieren können. Die ganze ursprüngliche Familie Matei war kriminell, obwohl der Vater Polizist war. Ich weiß bis heute nicht, warum meine Mutter den Typen geheiratet hat."
"Weißt du, wie wir die Brüder oder den Vater erreichen können?"
"Gar nicht. Der jüngste Sohn wurde in Deutschland von der Polizei erschossen, der mittlere Bruder wurde wohl von einem seiner Opfer erschlagen und der Vater starb an einem Herzinfarkt."
"Woher weißt du das alles?"
"Das hat er uns erzählt. Wir sollten ihn für eine Weile beherbergen, bis er zurück nach Rumänien könnte. Warum, weiß ich nicht. Er hat nur gesagt, dass er im Moment nicht zurück kann."
"Aber du wolltest nicht?"
"Richtig. Ich bin froh, dass ich da raus bin. Sobald es möglich war, bin ich nach Deutschland gegangen und habe da Anna kennengelernt."
Sie lehnte sich an mich und lachte die beiden glücklich an.
"Ok, dann werden wir das mal so weitergeben. Aber darf ich rein interessehalber mal fragen, warum du nach Island gegangen bist? Ist ja doch nicht ein gängiger Ort zum Auswandern."
Die Frage war jetzt eindeutig an mich gerichtet. Da inzwischen klar war, dass es nicht um unsere Entsorgungsaktion ging, hatte ich meine Selbstsicherheit wiedererlangt.
"Deutschland ist bei weitem nicht so offen wie z.B. Island. Eine Ärztin mit knallbunten Haaren und Tattoos stößt immer noch vielerorts auf Ablehnung. Und hier im Krankenhaus wurde ich mit offenen Armen empfangen."
"Und du?"
"Ich habe sie ursprünglich nur begleitet, studiere inzwischen aber Physik."
"Du sprichst so ein gutes Isländisch, wie ich es noch nie erlebt habe. Wie lange seid ihr schon hier?"
"Etwa anderthalb Jahre. Ich habe aber ein gewisses Talent für Sprachen."
"Unglaublich. Nun gut, dann ist das von unserer Seite erledigt. Wenn wir denn Fingerabdrücke noch bekommen und es sich wirklich um ihren Bruder handelt, werden wir dich informieren. Auf jeden Fall danken wir für die Informationen."
Die beiden verabschiedeten sich und kaum waren sie verschwunden, sanken wir uns in die Arme.
"Shit, war ich nervös!"
"Nicht nur du, mein Schatz. Aber trotzdem unglaublich, wie ruhig du geblieben bist und sogar für mich übersetzt hast."
"Aber du hättest nicht meinen Puls messen dürfen. Bestimmt über 200."
"Wollen wir was essen? Ich habe Hunger."
"Und danach habe ich eine Überraschung für dich!"
Da wir auf Island keine Germknödel kaufen konnten, hatte ich am frühen Nachmittag welche gemacht, Die brauchte ich jetzt nur noch dämpfen und wir konnten essen.
Als wir fertig waren, ging Mica hinaus zum Auto und kam mit einer großen Plastiktüte zurück.
"Anna, meine erste Überraschung für dich ist, dass ich keine Angst mehr habe. Ich bin viel selbstbewusster und traue mich auch in Bereiche, die oft von Männern beherrscht werden. Und darum war ich heute einkaufen, gerade bevor du mich angerufen hattest. Und das ist die zweite Überraschung. Ich weiß, dass du früher auch mit Männern zusammen warst und wahrscheinlich immer noch gerne einen Penis in dir hättest. Da ich dir den aber nicht bieten kann, habe ich uns ein paar Dildos und Vibratoren gekauft, mit denen ich dich verwöhnen kann. Und die dritte Überraschung ist, dass ich die auch ausprobieren möchte. Ich habe keine Angst mehr davor. Ich wollte nie etwas in meiner Scheide stecken haben. Meine Entjungferung hatte das einzige Mal sein sollen, dass etwas in mich eingedrungen war. Aber auch das habe ich überwunden. Ich möchte, dass du mich auch so richtig zur Frau machst."
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich war überwältigt. Nicht nur, dass sie mir wieder das Gefühl geben wollte richtig ausgefüllt zu sein, sie hatte auch ihre Ängste überwunden, die sie in den letzten Jahren bei allem möglichen behindert hatte.
Gemeinsam packten wir ihren Einkauf aus. Sie hatte Dildos und Vibratoren in verschiedenen Größen gekauft und auch welche, die sich an einem Strap-On befestigen ließen. So konnten wir uns gegenseitig richtig ficken. Ich würde zumindest teilweise wieder das Gefühl haben, von einem Mann genommen zu werden. So sehr ich Mica liebte, das war schon etwas, das ich vermisste.
Wir verbrachten eine unglaubliche Liebesnacht. Zuerst liebten wir uns wie bisher, langsam und zärtlich. Dann aber durfte ich einen kleinen Vibrator bei ihr ausprobieren und es war unglaublich. Ich hätte niemals gedacht, dass sie so darauf abfahren würde. Am Anfang war sie noch etwas vorsichtig, aber schon bald durfte ich das Ding tief in ihre immer nasser werdende Vagina schieben und als ich die Vibratorfunktion einschaltete, war es um sie geschehen. Innerhalb von Sekunden schlug ihr Höhepunkt zu und ließ wieder das Bett nass machen. Noch stärker als beim ersten Mal.
Danach schnallte sie sich den Dildo um und fickte mich von vorne und von hinten, bis ich um Gnade winselte. Sie prügelte mich von Orgasmus zu Orgasmus, bis ich wirklich nicht mehr konnte.
Am nächsten Samstag saßen wir abends zusammen und sahen fern. Es lief ein Film über eine vorgetäuschte Erbschaft. Da fiel mir wieder etwas ein, an das wir beide nicht mehr gedacht hatten.
"Was hattest du ihm damals eigentlich noch abgenommen?"
"Ich weiß nicht. Ich hatte es in eine Tüte getan und die nie mehr aufgemacht."
Sie holte die Tüte und schüttete den Inhalt auf den Tisch. Neben einer Brieftasche mit einer Kreditkarte, dem Rückflugticket, seinem Ausweis und mehreren tausend Euro in bar war nur noch ein Schlüsselbund dabei.
"Bist du damals eigentlich adoptiert worden?"
"Nein, glaube ich nicht."
"Glaubst du oder weißt du das?"
"Ich bin mir ziemlich sicher. Warum fragst du?"
"Wenn du damals adoptiert worden wärst, könntest du jetzt erben. Aber - Moment mal. Du hast doch den selben Nachnamen wie dein Stiefvater. Wenn du nicht adoptiert wurdest, hättest du wahrscheinlich deinen alten Nachnamen behalten. Du solltest dich da mal erkundigen."
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Mica besorgte sich einen Termin auf der rumänischen Botschaft und erkundigte sich dort nach ein paar Tagen, ob sie damals adoptiert worden war. Die Antwort dauerte zwar ein paar Wochen, aber dann kam die Bestätigung, dass sie tatsächlich adoptiert worden war. Jetzt musste sie nur noch warten, bis wir die Meldung vom Tod des letzten Bruders bekamen. Dann würde sie den ganzen Rest erben.
Ein paar Monate nach dem Besuch der Polizei bekamen wir die Nachricht, dass der Tote tatsächlich Micas Stiefbruder war. Fingerabdrücke waren nicht mehr erhalten geblieben. Die Leiche war durch Gletscherbewegungen zu sehr zerstört worden. Aber durch DNA Proben, die in Rumänien gefunden worden waren, konnte er eindeutig identifiziert werden. Es dauerte noch einige Monate, bis wir für ein paar Tage nach Rumänien flogen, um das Erbe anzutreten. Wobei uns das nicht wirklich groß interessierte. Wir machten das bewegliche Gut schnell zu Geld oder spendeten es und ließen die Immobilien über Makler verkaufen. Mica war jetzt nicht wirklich reich, aber schon eine 'gute Partie', wie man früher sagte.
Und in den nächsten Jahren zeigte sich einmal mehr, wie intelligent meine wunderschöne Frau war. Sie absolvierte ihr Studium in kürzester Zeit, machte ihren Bachelor, ihren Master und wurde zum Schluss die jüngste Professorin an der University of Iceland. Sie war zwar des öfteren unterwegs zu verschiedenen anderen Unis und Observatorien weltweit, ließ mich aber nie lange alleine.
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Vielen Dank, dass ihr bis hier durchgehalten habt. Ich freue mich auf jedes Lob und jede konstruktive Kritik.
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