Die einsame Highland Farm - Oktober 2025 (fm:Romantisch, 10717 Wörter) | ||
| Autor: JoeMo619 | ||
| Veröffentlicht: Mar 11 2026 | Gesehen / Gelesen: 824 / 593 [72%] | Bewertung Geschichte: 9.85 (20 Stimmen) |
| Die Durran Farm Community bekommt neue und überraschende Mitglieder, die sich harmonisch in das Arbeite- und Liebesleben einfügen und es auf ihre Weise bereichern. | ||

Ersties, authentischer amateur Sex
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Euer Angebot zur Übernahme der Doppelhaushälfte annehmen“, bestätigten beide sowohl Mary als auch mir.
„Der Wohntrakt im neuen Haus wird wohl zum Sommer fertig“, antworteten Ilja und Marja als federführende Bauhandwerker. „Jedenfalls hat das Priorität. Dann machen wir mit dem Innenausbau sowohl von Hatchery als auch Tannery weiter und gehen dann zu dem im Rohbau fertigen zweiten Vollholzhaus, dass dann auf der einen Seite die Wohnung für die neue Lehrerin und auf der anderen Seite die wiedergeborene Schule werden soll. Wir schätzen, dass alles noch iom Herbst des Jahres fertiggestellt wird.“
„Das ist ein hervorragender Zeitplan“, positionierte sich Amy. „Das stillgelegte Kernkraftwerk und das radioaktive Abfalllager in Dounreay haben nach dem Plutoniumskandal die Position eines neuen Sicherheitschefs ausgeschrieben. Und mein Andrew und ich denken ernsthaft darüber nach, ob er sich nicht bewirbt. Wenn das klappt, würden wir als ersten Wohnsitz nach Durran Farm umziehen und hier ebenfalls dauerhaft leben.“
„Und was machst dann Du? Willst Du jeden Tag nach Lairg pendeln?“
„Nein“, lachte Amy laut. „Das wäre mir zu mühsam. Ich quittiere den Polizeidienst, denn ich möchte Kinder, am liebsten ganz viele. Und dafür gibt es keinen schöneren Platz als hier.“
Das positive Echo auf diese Überlegungen überwältigte Amy regelrecht. Ihr rollten vor Freude ein paar Tränen über die Wangen, aber sie strahlte uns mit einem unglaublichen Leuchten in ihren Augen an. „Und in der Zeit, die ich dann übrig habe, arbeite ich auf der Farm mit, wo helfende Hände gebraucht werden.“
„Tannery“, gab ich sogleich das Stichwort. „Dadurch, dass Greta ohne ihre bisherige Partnerin Evelyn nach Durran gekommen ist, suchen wir ab Herbst jemanden, der die Schafsfellproduktion übernimmt.“ Ich musterte die kleine, aber unglaublich durchtrainierte Polizistin genauer. „Ist zwar harte körperliche Arbeit, aber man muss keine schweren Lasten halten oder bewegen. Traust Du Dir das zu?“
„Und wie. Ist wie ein zusätzliches Fitnesstraining. Und gerade das kann ich gut gebrauchen. Ob mit Schwangerschaftsbauch oder ohne.“
So brachte unser Jahrestagsfest auch gleich eine Lösung für das überraschend entstandene Personalproblem mit der Schafsfellproduktion. Und Greta konnte sich auf den Aufbau ihres Ateliers und den Fortsetzung ihrer Schafsfellmodenproduktion konzentrieren.
An diesem entspannten Grillabend konnten wir nicht ahnen, dass das Schafsfell- und Modethema noch ganz andere Veränderungen für unsere Community und ihren wirtschaftlichen Erfolg haben würde.
Mit einsetzender Dunkelheit wurden die Kinder zu Bett gebracht, dann entstand rund um das entzündete Lagerfeuer aufgrund der sehr lauen, windarmen Mainacht eine unglaublich romantische Stimmung.
„Ekatarina, Betty und ich würden es gern unseren Männern ein wenig gemütlich machen“, sprach irgendwann Amy Mary und mich an, nachdem ich registriert hatte, dass die drei Paare sich eng aneinander gekuschelt hatten.
„Was habt ihr denn vor?“ Mary hatte bei ihrer Frage bereits einen neugierigen Unterton, den ich nur im Zusammenhang mit erotischen Aktivitäten kannte.
Amy grinste diabolisch, was der flackernde Lichtschein des Lagerfeuers noch unterstrich. „Betty hat ein kleines, neckisches Wettspiel vorgeschlagen: wer von uns welchen Mann am schnellsten mit Mund, Zunge und Hand zur Explosion bringt. Nur mit dem Unterschied, dass wir nicht unseren eigenen Mann liebevoll behandeln.“
Mary lachte so laut auf, dass sich alle Blicke auf sie richteten. „Finde ich gut“, sagte sie schließlich. „Vielleicht können sich ja noch ein paar mehr weibliche Münder und männliche Schwänze eurem Wettspiel anschließen.“ Sie blickte provozierend erst mich an und dann in die Runde. „Wer hat Lust?“
„Ich denke, alle!“ riefen Gwen und Ludmilla, unsere beiden Supervollbusigen, die direkt nebeneinander saßen und sich dabei ihre Arme unterhakten, wie im Chor. „Oder?“
Es gab keinen Widerspruch. Nur Greta beugte sich zu Mary herüber und flüsterte leise: „Ich habe schon Ewigkeiten keinen Schwanz geblasen. Ich weiß gar nicht mehr, wie das geht.“
Mary beugte sich leicht zu ihr rüber und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. „Die Frauen sind ohnehin 8 zu 6 in der Überzahl. Dann bildest Du mit mir ein Team und wir schauen mal, welcher unserer Männer ebenfalls das Vergnügen eines doppelten Blaskonzertes haben wird.“
Gesagt, getan. Zehn Minuten später war unsere gesamte Community in einem intensiven Blaskonzert verbandelt, nachdem Betty als Initiatorin das Startsignal gegeben hatte. Ich war einer der beiden glücklichen Männer, der gleich zwei Münder zu Diensten hatte. Gwen und Vicky hatten sich zusammengetan und bearbeiteten mich mit viel Übung und Raffinesse. Ich konnte mir nun gut vorstellen, welch liebevolle Behandlung Ilja als Dauerpartner der beiden mehrfach pro Woche genoss und warum er in den letzten Monaten wieder zu einem ausgeglichenen und fröhlichen Menschen geworden war. Meine beiden Liebhaberinnen waren echt gut, und so hatte ich nicht den Hauch einer Chance, den Preis für den standhaftesten Mann zu gewinnen. „Jetzt, gleich!“ war meine Ankündigung, die ich Gwen und Vicky unmittelbar vor dem Explosionspunkt zuteilwerden ließ. Meine Worte provozierten Gwen zu einer überraschenden Bewegung, bei der sie mit einem Ruck ihren Sweater und ihren BH nach oben über den Kopf zog, ihre wahrhaftig großartigen Venusglocken in ihre Hände nahm und sich mir nun mit blankem Oberkörper anbot. „Spritz meine Titten voll, Walter“, rief sie so laut, dass es bestimmt in der ganzen Runde zu hören war. In diesem Moment war ich so weit, folgte mit Vickys dirigierender und wichsender Hand Gwens Befehl und spritzte meine gesamte cremige Ladung über Gwens Prachttitten. Sie schien es zu mögen, denn zum Schluss zwängte sie meine langsam weicher werdende Männlichkeit in den speziellen Lustkanal zwischen ihren Brüsten und verpasste mir einen zusätzlichen, glitschigen Tittenfick, der mich umgehend wieder durchhärtete. „Zweiter Durchgang?“ fragte Gwen mit wirklich frivolem Unterton und gab dann auch an Vicky klare Anweisungen. „Und Du knetest mal seine Eier durch, sodass die noch einmal eine Ladung abspritzen.“
Ich konzentrierte mich jetzt ausschließlich auf meine beiden Liebhaberinnen und nahm nur noch am Rande wahr, dass auch weitere Paarungen das spritzige Etappenziel erreicht hatten. Gwens und Vickys Doppelbehandlung hatte tatsächlich Erfolg, und so spritzte ich nach einer geraumen Weile ein zweites Mal ab. Diesmal besonders neckisch, denn Gwen hielt meinen Schwanz so zwischen ihren Titten fest, dass meine prall gespannte Eichel oben herausschaute und meine zweite Ladung direkt in Vickys offenem Mund und über ihr Gesicht flog. Das Resultat sah schweinisch geil aus, insbesondere nachdem Gwen anfing, mein Sperma von Vickys Gesicht abzulecken.
Von dem übrigen Geschehen im Lagerfeuerlicht hatte ich fast nichts mitbekommen. Jedoch stellte sich heraus, dass unser IT- und Internetexperte John mit Abstand die größte Standfestigkeit hatte. Er und Betty, die vor ihm kniete, hatten immer noch nicht das spritzige Endziel erreicht. Plötzlich begannen die neben ihnen sitzenden Mary und Marja, die im Doppel den guten Malcolm bedient hatten, die beiden mit rhythmischem Klatschen und motivierenden Zurufen anzufeuern; eine Animation, in der die gesamte Runde am Lagerfeuer mit einstimmte. Das war dann auch für Johns Selbstbeherrschung zu viel. Er fasste mit beiden Händen fest in Bettys Haare, zog auf diese Weise ihren Kopf und ihren offenen Mund so weit wie möglich an sich heran und pumpte dann seine über lange Zeit aufgestaute Ladung tief in ihren Rachen, was sie nur mit gurgelnden und schmatzenden Geräuschen quittieren konnte. Allgemeiner Applaus begleitete diesen letzten Abgang.
Das Licht des Lagerfeuers schien in eine Vielzahl sehr befriedigt aussehender Gesichter. „Das war richtig geil“, kommentierte Ludmilla lautstark. Sie hatte sich anscheinend Gwen zum Vorbild genommen, ebenfalls ihre durch die Schwangerschaft bereits kräftig gewachsenen Brüste blank gezogen und die cremige Ladung unseres Detective Sergeants wie ein Massageöl einmassiert. Ein wahrhaftig prächtiger Anblick.
Die Feier zum zweiten Jahrestag klang fröhlich aus. Während sich die meisten Farmbewohner wieder in ihren gewohnten Paarungen zur Nacht zurückzogen, gingen die drei Paare, von denen die Initiative zur Oralorgie ausgegangen war, gemeinsam zu Malcolms und Bettys Haus. Mit sehr breitem Grinsen gestand unser Polizistenpaar am darauffolgenden Frühstück, dass Malcolm und Betty einerseits und Ekatarina und John andererseits noch viel Motivationshilfe zur dauerhaften Umsiedlung nach Durran Estate geleistet hätten. „Jetzt muss nur noch meine Bewerbung in Dounreay Erfolg haben“, lachte Andrew, „dann haben Amy und ich hier bei Euch eine dauerhafte Heimat.“
Die erste Maihälfte war durch richtig viel Arbeit für alle Durran-Bewohner gekennzeichnet. Die Lammsaison mit ihren Rund-um-die-Uhr-Geburtshelfereinsätzen hatte Mary und Malcolm in den letzten Wochen mehr als 14 Stunden pro Tag beschäftigt. Jetzt konnten sie erstmals wieder die Nacht durchschlafen, waren aber tagsüber sowohl mit der Futterversorgung als auch mit dem täglichen Unsinn, den fast zweihundert Lämmer anstellen können, beschäftigt.
Auf der gegenüberliegenden Seite, südlich der Farmgebäude, hatten Andrew und ich begonnen, ein sanft in die Hügelkette ansteigendes Gelände auszuheben und zu planieren, um dort die zwei Polytunnel- und das eine statische Gewächshaus aufzubauen. Der große Vorteil dieses Standortes war seine verhältnismäßig windgeschützte Lage, lediglich reiner Westwind würde direkt auf die Giebelseite der drei langgestreckten Gewächshäuser treffen. Andrew war von seiner neuen Aktivität begeistert. „Ich schmecke schon unsere eigenen Salate, Kräuter und Gemüse“, gestand er mir, während wir die ovalen Stahlträger der Polytunnelbausätze in das im Boden verankerte, umlaufende Hartholzfundament montierten. „Frischer und qualitativ hochwertiger geht es nicht.“ Er saß in jeder freien Stunde zusätzlich am Laptop, las ununterbrochen über die Möglichkeiten und Fallstricke einer eigenen Gemüseproduktion und machte eine Menge WhatsApp-Videocalls mit erfahrenen holländischen Produzenten; insbesondere zwei junge Wissenschaftler und praxisorientierte Berater an der weltberühmten Universität von Wageningen, Dr. Marion van Pelt und Dr. Jan Drakenshorst, waren seine regelmäßigen Gesprächspartner.
Unsere großen Investments in die Gewächshäuser und das Multifunktionsgebäude mit Studio, Tannery und Hatchery waren finanziell nur möglich geworden, weil der schwere Januarsturm einen großen, 40 Jahre alten Wald zerstört hatte. Das Spanplattenwerk bei Inverness, das bereits im Vorjahr einen ähnlich zerstörten Wald weiter nördlich abgeräumt hatte, erwies sich auch diesmal als absolut zuverlässig und vertragskonform. Mit Beginn der Rodungsarbeiten, für die diesmal keine besonderen Straßeninvestitionen notwendig waren, war das erste Drittel des Vertragsvolumens auf unser Bankkonto überwiesen worden. Hinzu kamen die Entschädigungszahlungen der Versicherung für das zerstörte Sägewerk.
„Trotz unserer gewachsenen Community mache ich mir keine Sorgen um unser finanzielles Fundament“, berichtete ich meiner Lebenspartnerin und Hauptgesellschafterin, nachdem ich die Quartalsbuchhaltung fertiggestellt und unseren Unternehmensplan fortgeschrieben hatte.
Mary schaute auf die ausgedruckten Exceldateien, die ich wie früher in meiner Firma erstellt hatte und die mit einer speziellen Übersicht über die bisherige und angenommene zukünftige Finanzentwicklung endeten.
„Ich weiß immer noch nicht, welches Schicksal Dich vor zwei Jahren durch das Unwetter auf meine Farm hat stolpern lassen“, blickte sie von dem Zahlenwerk auf und lächelte mich an. „Aber ich bin mir sicher, dass Durran Estate ohne Deine ungeplante Ankunft hier immer noch ein sehr einsamer Ort mit einer alternden Armynurse und einer Handvoll Schafen wäre.“ Sie legte die ausgedruckte Datei beiseite, stand auf, kam um den großen Tisch herum, umarmte und küsste mich. „Danke, dass Du in mein Leben getreten bist. Ich hätte diese Aufbauarbeit nie bewältigt, vermutlich noch nicht einmal angefangen. Und so sind wir zu einem Ort voller Hoffnung, Lebensfreude und guter Arbeit geworden. Und wir können alle von unserer gemeinsamen Arbeit gut und vernünftig leben.“
Ich muss gestehen, dass mir Marys Dankesrede richtig gut tat. Nach meiner Unternehmerkatastrophe war mein kaufmännisches Selbstbewusstsein schwer beschädigt gewesen und hatte mich tief ins Grübeln über den Sinn des Lebens gebracht. Hier hatte ich in zwei Jahren, nicht nur für Mary und mich, sondern für unsere gesamte Community, die Grundlagen für ein lebenswertes und wirtschaftlich erfolgreiches Leben geschaffen, welches zugleich ein gehöriges Maß an sexueller Befriedigung und Abwechslung bereit hielt.
Andrew kompensierte mit seiner Arbeits- und Fortbildungswut auch seine ständig ansteigende Nervosität. Ludmilla war mittlerweile so kugelrund, dass sie nicht mehr ihrer Arbeit in unserem kleinen Schlachthof nachgehen konnte. Für unsere Fleisch- und Pie-Produktion war dies nicht sonderlich schlimm, da wir sowohl außerhalb der Jagdsaison waren als auch unmittelbar nach der Lammsaison keine Schafsschlachtungen anstanden. Gwens und Ekatarinas Pie-Küche verarbeitete im Moment fast ausschließlich die Lieferungen unseres Schlachtermeisters aus Bonar Bridge beziehungsweise bediente sich der tiefgefrorenen Eigenbestände.
Insofern reagierte Andrew wie vorhergesehen, als er mitten in unserer Montagearbeit von Ludmilla auf seinem Mobiltelefon angerufen wurde. „Ich glaube, es ist so weit und wir sollten ins Krankenhaus fahren. Mary fährt bereits den Volvo vor unsere Tür.“ Andrew ließ schlagartig alles stehen und liegen und rannte, so schnell er konnte, zurück zu seinem Haus.
Mary hatte es übernommen, die beiden zum Krankenhaus nach Wick zu fahren, wo Ludmilla entbinden wollte. „Das sind fast zwei Stunden Fahrzeit“, hatte sie erklärt. „Ludmilla kann in ihrem Zustand garantiert nicht mehr fahren. Und Andrews Pick-up ist so unbequem und knüppelhart gefedert, dass das Baby bereits auf halbem Weg zur Welt kommt.“ Ich hörte von unserem Montageplatz aus nur noch, wie sich das wohlbekannte Motorengeräusch meines Volvos rasch in Richtung Norden entfernte.
Einen halben Tag später waren Mary und Andrew wieder zurück auf der Farm. „Das war knapp“, berichtete meine Lebensgefährtin, nachdem wir alle Andrew in aller Herzlichkeit zur Geburt seiner Tochter gratuliert hatten. „Kurz hinter Thurso platzte bereits die Fruchtbase.“ Sie grinste mich verlegen an. „Wir müssen jetzt zuschauen, wie wir Ludmillas Sitz wieder trocken bekommen. Dann bin ich auf den langen Geradeausstücken nach Wick deutlich schneller gefahren. Haben gerade noch eine Entbindung auf der Ladefläche des Volvo vermieden. Von unserer Ankunft in Wick bis zum ersten Schrei des Babys hat es dann nur noch 20 Minuten gedauert.“
Andrew war extrem erleichtert. „Ein wohlgenährtes, propreres Mädchen“, erzählte er jedem. „Über neun Pfund und 52 Zentimeter groß.“
„Habt ihr schon einen Namen?“ wurde er mehrmals neugierig gefragt.
„Noch nicht. Das entscheidet Ludmilla, wenn sie sich sicher ist, wie sie heißen soll.“
Ludmilla kam bereits nach zwei Tagen zurück nach Durran Farm und präsentierte mit gewaltigem Stolz ihre Tochter. „Darf ich vorstellen?“, zeigte sie uns ein wirklich properes, gesundes Mädchen. „Maria Antonova.“ Das erste neue Kind der Durran Estate war zu Hause angekommen. Dieser Bevölkerungszuwachs auf unserer Estate sollte eine nachhaltige Signalwirkung haben.
In ihren ersten Lebenswochen schleppte Andrew seine Tochter an jeden Ort, an dem er sich selbst aufhielt. „Sie kann ja schlecht mit Ludmilla in den Schlachthof gehen“, argumentierte er zurecht, und so stand sie mit ihrem Kinderwagen häufig in unserer Gewächshausbaustelle, und Andrew brachte sie zu Mama nur dann, wenn sie lautstark ihren Hunger deutlich machte. Er war geradezu vernarrt in seine kleine Tochter.
Andrew hatte mit seinen holländischen Beratern und Lieferanten ein klares Konzept erarbeitet. In den ersten Polytunnel bauten wir eine Reihe von Hochbeeten ein, in denen in frischer Erde saisonabhängig bodenwachsendes Gemüse wie diverse Kohlsorten, Brokkoli und Ähnliches angebaut werden sollte. Der zweite Polytunnel war primär auf den Anbau von rankendem Gemüse wie Tomaten und Paprika ausgerichtet und hatte im Inneren einen vollkommen unterschiedlichen Aufbau. Das Gewächshaus schließlich hatte auf dem Boden eine Reihe von parallelliegenden speziellen Wasserbassins von rund einem Meter Breite und fünfzig Meter Länge; auf diesen Bassins, in denen eine Wasser-Nährstofflösung permanent bewegt wurde, sollten spezielle Plastikboards schwimmen, in deren Löchern diverse Salate mit ihren Wurzeln in die Lösung und auf der Oberseite als Salatkopf wuchsen. Das Geheimnis war, dass diese Wasser-Nährstofflösung mittels Klimatisierung auf einem konstanten Temperaturniveau gehalten wurde und deshalb im Sommer wie eine Kühlung und im Winter wie eine Heizung direkt an der Pflanze wirkte. Andrew hatte mit seinen beiden Fachberatern Experten für dies Hydroponics-System gefunden, die ihn Schritt für Schritt berieten. „Du wirst sehen“, schwärmte er bereits während der Montage, „wir werden im Winter jeden Tag die besten Salate und Kräuter zur Verfügung haben. Frischer geht es nicht.“
Unser Polizistenpaar kam an jedem dienstfreien Wochenende zu uns raus auf die Farm. „Jede helfende Hand ist willkommen“, hatte ich den beiden bei ihrem letzten Besuch erklärt. „Umso eher sind wir mit unserem Multifunktionsgebäude fertig, Greta kann persönlich und mit ihrem Studio umziehen und Eure gewünschte Haushälfte wird bezugsfertig.“
„Das ist gut so“, antwortete Andrew bei einem ihrer Bauwochenenden. „Ich bin für den Job in Dounreay in der Vorauswahl und habe in zwei Wochen ein zweites, persönliches Interview. Sieht so aus, dass ich gute Chancen habe, die Position zum Herbst zu bekommen.“
„Aus meiner Sicht wäre das die Erfüllung eines Traums“, ergänzte Amy. „Wir könnten dauerhaft auf Durran Farm leben und arbeiten.“ Sie lachte leise. „Und die Community hier hätte ganz nebenbei ihre eigene, professionell ausgebildete Polizeistation. Wenn auch ohne Uniform.“ Keiner von uns sollte ahnen, dass dieser Nebeneffekt im kommenden Winter noch eine besondere Bedeutung bekommen sollte.
Zwei Wochen nach Maria Antonovas Geburt bekam Durran Farm aufgrund seiner bestehenden und weiter wachsenden Kinderschar hohen behördlichen Besuch. Mrs. Nicola Rutherford vom schottischen Schulministerium in Edinburgh war mit der Bahn nach Inverness gefahren und von dort am nächsten Morgen zusammen mit Mrs. Clara Mackenzie vom Highland Council die zweieinhalb Stunden zu unserer Farm herausgefahren.
„Bemerkenswert schön hier“, kommentierte sie ihren ersten Eindruck von den nördlichen Highlands. „Ich bin noch nie in dieser Gegend Schottlands gewesen.“ Ihrer sehr sauberen englischen Aussprache konnte man sofort entnehmen, dass sie keine geborene Schottin war. Aber sie hatte eine sehr offene und sympathische Art, auf Menschen zuzugehen. „Es ist überaus selten geworden, dass wir Anträge auf Wiedereröffnung einer Primary School aufgrund zunehmender Schülerzahlen bekommen“, erläuterte sie den Grund ihres Besuchs noch einmal persönlich. „Der Normalfall ist leider umgekehrt.“
„Muss hier vor unserer Zeit genauso gewesen sein“, antwortete Mary. „Lord Robertson erzählte uns, dass die alte Schule auf der Estate zu ihrer Spitzenzeit vor und nach dem Krieg bis zu vierzehn Schüler hatte. Die beiden letzten Schüler sind dann vor über vierzig Jahren zur Secondary School nach Golspie gewechselt.“
„Und sie bauen jetzt hier wieder eine eigenständige Estate-Community mit Kindern auf? Wie kamen Sie zu diesem Projekt?“ Mrs. Rutherford war auf sympathische Weise wissbegierig.
Mary erzählte kurz von ihrer Vergangenheit und unserer zufälligen Begegnung vor zwei Jahren. Und von unserer Absprache mit Lord Robertson, Durran Estate wieder zum Leben zu erwecken. „Durch den Zuzug unserer Community-Mitglieder haben wir jetzt sechs Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren und dazu eine Vierjährige, die aber extrem weit in ihrer Entwicklung und sehr helle ist. Sie werden tagsüber von Vicky wie in einem Vorschulkindergarten betreut, aufgrund unserer Gegebenheiten mit einem klar naturbezogenen, pädagogischen Konzept.“ Mary und Gwen hatten sich diese Erläuterungen lange überlegt und detailliert vorbereitet.
„Das sind dann also die Kinder, die sie mit ihrer eigenen Primary School unterrichten wollen. Ist das ein einmaliger Vorgang, der dann in sechs Jahren wieder ausläuft, wenn die Kinder alt genug für eine Secondary School sind?“
Mary, Gwen und ich lachten leicht. „Vermutlich nicht. Das weitere Kinderwachstum hier hat vor zwei Wochen mit der Geburt von Maria Antonova begonnen.“ Mary lachte noch einmal kurz auf. „Und ich vermute, da kommen in den nächsten ein, zwei Jahren noch eine ganze Menge neuer Babys nach.“
„Das wäre ganz erfreulich“, antwortete die Mitarbeiterin des Schulministeriums. „Das bedeutet, dass eine neue Schule hier mindestens eine gesicherte Lebenserwartung von zehn Jahren und mehr hat.“ Sie hatte den spöttisch-fröhlichen Unterton in Marys Statement im Gegensatz zu mir nicht mitbekommen.
Die gemeinsame Besichtigung des zweiten Vollholzhauses, dessen eine Hälfte das Schulgebäude und dessen andere Hälfte die Wohnung des Lehrers oder der Lehrerin werden sollte und dessen Rohbau abgeschlossen war, erbrachte das gewünschte Ergebnis. „Sie haben bereits sehr gute Voraussetzungen geschaffen“, bewerteten beide Frauen das Gesehene. „Bleibt nur die Frage nach einer geeigneten Lehrkraft für diese einklassige Schule zu beantworten.“ Mrs. Rutherford hörte sich skeptisch an. „Wir haben ziemliche Probleme, die richtigen Lehrkräfte für eine Tätigkeit in der Einsamkeit der Highlands zu finden.“
„Da können wir möglicherweise bereits mit einer Problemlösung dienen“, griff ich zu einem Folder, den ich bereits vorbereitet hatte. „Für den Fall, dass das Schulministerium und der Council der Einrichtung der Schule zustimmen, haben wir bereits die Bewerbung einer erfahrenen Primary School Lehrerin aus Glasgow vorliegen.“ Ich reichte Kopien von Heathers CV herum. „Heather Blaxton ist die Schwester einer zukünftigen Estatebewohnerin, unlängst geschieden, und würde sich auf die Aufgabe hier freuen.“
„Sehr interessant“, nahmen die beiden Damen die kopierten Bewerbungsunterlagen entgegen. „Auch wenn wir ein vorgeschriebenes Verwaltungsverfahren zur Ausschreibung dieser Stelle befolgen müssen. Es ist sehr gut, schon einmal eine Bewerberin zu haben. Wir werden Mrs. Blaxton von uns aus ansprechen, wenn wir so weit sind.“
Die Damen verabschiedeten sich sehr erfreut und machten sich wieder auf den Heimweg. „Ich denke, wir werden in spätestens vier Wochen eine Entscheidung vorliegen haben“, war ihr Abschiedskommentar. „Ist aufgrund der nach den Ferien beginnenden Unterrichtspflicht für die vier älteren Kinder auch absolut notwendig.“
Der zu erwartende positive Bescheid zur Einrichtung unserer Schule setzte uns bauhandwerklich noch mehr unter Druck. Der Innenausbau des zweiten Vollholzhauses musste parallel zum neuen Studio-Tannery-Hatchery-Mehrzweckhaus rechtzeitig bis Mitte August fertiggestellt werden.
Anfang Juni begannen in den nördlichen Highlands die ‚Weißen Nächte‘; die Sonne ging zwar spätabends weit im Nordwesten unter, aber es wurde nicht mehr dunkel. Dies war der perfekte Countdown zum größten Fest, das Durran Estate bis dahin erlebt hatte: das Dreifach-Event von Ludmillas und Andrews Hochzeit, gepaart mit Maria Antonovas Taufe und dem traditionellen Mitsommernachtsfest, auf Norwegisch „St. Hans Fest“. Alle Beteiligten hatten aufgrund meiner norwegischen Familienwurzeln den Montag, 23.Juni 2025, für diesen großen Tag akzeptiert. Zudem hatte dieser Montag den Vorteil, dass das Standesamt für die behördlich anerkannte Trauung am Vormittag geöffnet hatte und Reverend Charlotte McIlroy aus Armadale ihren freien Tag hatte und deshalb zugestimmt hatte, Trauung und Taufe auf Durran Farm vorzunehmen. Selbst der Wettergott war gnädig und bescherte uns trockenes, fast sonniges Wetter mit leichtem Wind, der wiederum die lästigen Midgies am Boden hielt. Die Seitenwände der beiden großen Festzelte, die wir für die Feier gemietet hatten, waren teilweise hochgerollt und gaben der Feier eine helle, luftige Atmosphäre, die sich direkt auf die feiernde Gemeinschaft übertrug. Ludmilla hatte im Gegensatz zu ihrer Schwester auf eine ukrainische Tracht als Brautkleid verzichtet und stattdessen für sich und ihre Tochter Anna ein traditionelles schottisches Tartan-Kleid mit schwarzer Weste, weißer Bluse und einem bodenlangen Rock im Tartan der Mackenzies ausgewählt. Auch Andrew trug ganz traditionell einen grün-blauen Mackenzie-Kilt. Die Krönung war jedoch das Taufkleid der jetzt vier Wochen alten Maria Antonova, die ebenfalls ein Tartan-Kleid im Miniformat trug.
Die Hochzeitsgesellschaft bestand im Wesentlichen aus unserer Community, auswärtige Gäste waren lediglich Andrews Bruder mit Familie, die aus dem südschottischen Coldstream angereist waren, zwei ehemaligen Army-Kameraden von Andrew mit ihren Ehefrauen und die beiden Ärzte aus Armadale, Dr. Cameron und Dr. Duncan, die im letzten Dezember Andrews Jagdverletzung in einer Notoperation auf unserem Küchentisch behandelt hatten, sowie die verwitwete Lady Elizabeth MacLellan, die Dr. Duncan begleitete und sich bereits ohne Zurückhaltung als seine Lebensgefährtin und zukünftige Ehefrau outete.
Der offizielle Teil des Festes war auf wunderbare Weise romantisch. Ludmilla verdrückte gleich zweimal ein paar Tränen, erst bei ihrer Trauungszeremonie und dann noch einmal bei Marias Taufe. Dann war sie aber ein unglaublich glückliches Energiebündel und steckte die ganze Hochzeitsgesellschaft mit ihrer positiven Laune an. Eine echt schottische Feier besteht aus viel Musik, Gesang und Tanz. Insofern war die gesamte Gesellschaft den ganzen Nachmittag und Abend aufs Beste beschäftigt.
So ergab sich in einer ruhigeren Minute am späten Nachmittag, dass Greta, unsere Designerin, Lady Elizabeth und ich uns an einem Tisch zusammensetzten, um über die Möglichkeiten einer neuen Zusammenarbeit zu diskutieren. „Wir übernehmen im Sommer den alten, nicht mehr genutzten Dorfshop schräg gegenüber des Armadale Inn meiner Freundin Heather“, erzählte Lady Elizabeth, „und wollen ihn den Herbst und Winter über umbauen und renovieren. Heather beteiligt sich daran, weil sie erwartet, dass unser Konzept insbesondere für ihre Campinggäste interessant ist.“ Sie lachte leise. „Damit vermeidet sie zugleich, dass unser angedachtes Café eine direkte Konkurrenz zu ihrem Inn wird. Im Café wollen wir die Pies aus Durran Farm und spezielle selbstgemachte Kuchen anbieten. In der Hauptsache wollen wir aber in einem gut sortierten Touristenshop hochwertige Produkte, Kunst und Schmuck aus der Region anbieten. Normale Touristenshops gibt es an der North Coast 500 genug, wir müssen ins obere Qualitätssegment. Man muss gezielt zu uns kommen, angezogen durch ein gezieltes Marketing genau für diese Zielgruppe, via Social Media und so weiter.“ Sie holte tief Luft und schaute wechselweise Greta und mich an. „Und da finden wir die Möglichkeit, hochwertige Schafsfelle aus einer örtlichen Tannery und die damit hergestellten Modeartikel zum zentralen Sortiment zu machen, hochattraktiv.“
Greta bekam leuchtende Augen, wie sie normalerweise nur kleine Mädchen am Weihnachtstag zeigen. Bisher hatte sie immer nur an Internet-Marketing gedacht, denn sie selbst war wahrhaftig keine Verkaufskanone.
„Ich glaube, wir sollten einen kleinen Spaziergang machen“, schlug ich irgendwann vor. „Dann zeige ich mal vor Ort, was wir bereits bauen und was wir insgesamt vorhaben.“ Ich hatte wirklich Gefallen an dem Konzept von Lady Elizabeth und ihren Partnern gefunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein Tourist den langen und schwierigen Weg von der küstennahen NC500 nach Durran Farm nehmen würde, um Schafsfelle zu kaufen, war gering. Außerdem wollten weder Mary noch ich oder sonstige Communitymitglieder ständigen Touristenverkehr auf der Estate. Mit diesem Konzept bekamen wir aber neben dem Direktvertrieb über Johns Webshop eine erstklassig gelegene, möglicherweise ganzjährig geöffnete Ladenpräsenz.
Wir drei verließen auf diskrete Weise die Festgemeinschaft und gingen die wenigen Schritte zum alten Sägewerksstandort, an dessen Stelle bereits der täglich wachsende Rohbau des Multifunktionsgebäudes aus Wohn- und Studiohaus, Tannery und Hatchery zu sehen war. Auf halber Distanz zu unserem unterhalb des Hydrokraftwerks zur Naver fließenden Flusses stand ein Bagger, der gerade eine beachtliche Baugrube aushob. „Das hier ist der schwierigste und zeitraubenste Schritt für unser ganzes Vorhaben“, erläuterte ich, nachdem ich zuvor in dem halbfertigen Rohbau der Tannery das althergebrachte technische Konzept erläutert hatte. „Schafsfelle sind von Natur aus sehr fetthaltig. Und dieses Fett muss auf der Lederinnenseite regelrecht abgeschabt und dann in einer sehr großen Waschtrommel herausgewaschen werden. Erst dann können die Felle so fertig behandelt werden, dass sie kuschelig und weich sind. Die so entstehenden fetthaltigen Abwässer müssen so gereinigt werden, dass sie unser ökologisch empfindliches Wassersystem und damit die Fischwirtschaft nicht beeinträchtigen. Und dafür bauen wir hier eine unterirdische Abwasserreinigungsanlage.“
„Und was machen sie dann mit den fettigen Rückständen der Tannery und Abwasseranlage?“ Die Frage ließ erkennen, dass Lady Elizabeth das Problem voll umfänglich begriffen hatte.
„Das ist ein hochwertiger Tierfettrückstand, der mit den manuell abgeschabten Fetten der Lederseite der Felle der professionellen Nutzung und Weiterverarbeitung zugeführt wird. Es gibt beispielsweise einen Betrieb in Inverness, der geradezu begierig diese Rohstoffmassen für seine Produkte übernimmt. Es entsteht null Abfall.“
„Das passt wieder wunderbar zu unserem ökologischen Verständnis“, freute sich Lady Elizabeth. Das kann man im Shop hervorragend auf kleinen digitalen Schautafeln darstellen. Zum Beispiel, um den Gegensatz zu sehr viel billigeren Fellprodukten aus Fernost darzustellen.“
„Genau. Unser Internet- und Marketingmeister ist bereits dabei, in Vorbereitung unseres Webshops diese Dinge PR-mäßig aufzuarbeiten.“
Lady Elizabeth, Greta und ich verbrachten insgesamt zwei Stunden damit, unsere Zusammenarbeitsideen zu formulieren. Dann legten wir fest, dass wir unsere Gespräche nach den Sommerferien fortsetzen wollten, um das gemeinsame Vorgehen bis zum nächsten Frühjahr zu fixieren. So wandten wir uns wieder fröhlich der Hochzeitsgesellschaft zu, die während des Abendessens dem letzten Höhepunkt des Tages entgegenfeierte: der Sommersonnenwendfeier.
Der Holzstapel mit trockenen Abfallhölzern unserer Baustellen, der in angemessener Entfernung von allen Gebäuden aufgeschichtet worden war, wurde von Andrew und Ludmilla bereits mit absinkender Sonne entzündet. Das Feuer erreichte schnell und fast rauchlos eine beachtliche, weithin sichtbare Höhe, sank aber bereits deutlich zusammen, nachdem die Sonne hoch im Norden untergegangen war und nur noch eine weiße Nacht die Umgebung in ein ganz besonderes, weiches Licht tauchte. Wir hatten ungeheures Glück mit dem Wetter. Es blieb relativ warm, ein immer noch gehender, leichter Wind hielt aber auch zu dieser Nachtzeit die Midges am Boden.
Ich hatte mit Malcolm die Brandwache für den niederbrennenden Holzstapel übernommen. In kleinen Schritten löste sich die Hochzeitsgesellschaft gegen Mitternacht auf, nachdem das Brautpaar sich ebenfalls zurückgezogen hatte. Wir saßen mit je einer frischen Bierflasche bewaffnet an einem strategisch günstigen Ort, von dem wir sowohl das kleiner werdende Feuer als auch die in die diversen Nachtquartiere abmarschierenden Communitybewohner als auch unsere wenigen Gäste beobachten konnten. Die regional beheimateten Gäste waren bereits mit ihren Autos abgefahren, sodass eine unglaublich friedliche Ruhe eintrat.
„Bist Du Dir eigentlich darüber im Klaren, dass Mary und Du hier auf Durran Estate etwas Einzigartiges für uns Army-Veteranen gestaltet habt?“ schnitt Malcolm in dieser melancholischen Stimmung ein Thema an, über das wir noch nie direkt miteinander gesprochen hatten.
„Ja und nein. Und das auch nur mittelbar. Ich war nie in der Army, aber ich habe gerade in den ersten Monaten meiner Mary sehr intensiv zugehört.“ Ich machte eine längere Pause, in der ich meine Gedanken erst einmal sortierte. „Im Prinzip schleppt jeder von uns sein ganz persönliches Trauma mit sich herum und versucht, es unter den hiesigen Bedingungen zu überwinden. Nicht nur ihr fronterfahrenen Veteranen, bei mir war es der Zusammenbruch meiner Firma beispielsweise.“ Ich prostete ihm mit meiner Bierflasche zu und nahm einen tiefen Schluck. „Meiner Meinung nach gehören zu unserer gemeinsamen und erfolgreichen Gruppentherapie insbesondere zwei Dinge: gemeinsame, befriedigende Arbeit und ganz viel Liebe zueinander.“
„Stimmt.“ Malcolm lachte leise, fast kichernd. „Und wie wir auch heute Abend wieder gesehen haben, in faszinierend freien Konstellationen.“
Ich lachte ebenfalls leise. „Ja. War schön niedlich zu beobachten, wie Ekatarina und John mit unserem Polizistenpärchen engumschlungen abmarschierten.“
„Ich finde diese Freiheit und Toleranz auf Durran Farm wunderbar“, gestand Malcolm nach einem weiteren tiefen Schluck aus der Flasche. „Es vermeidet Eifersuchtsdramen, weil man offen miteinander umgehen kann. Streng genommen, ist meine langjährige Beziehung genau an diesem Punkt gescheitert. Während ich meinem Dienst in Übersee nachging, langweilte sich meine Partnerin und hielt Ausschau nach Alternativen. Ein typisches Army-Schicksal.“
Ich lachte leise. „Passt. Hier langweilt sich niemand. Wirklich genug Arbeit einerseits und viel Liebe andererseits, sowohl fürs Herz als auch für den Körper.“ Wir prosteten uns wieder zu.
Malcolm und ich verbrachten noch eine Stunde bei unserer Brandwache, dann war das Feuer so weit zusammengesunken, dass wir es mit Sand abdeckten und ebenfalls in die Betten gingen. An meinem Bett angekommen, stellte ich verblüfft fest, dass ich keinen Platz mehr hatte. Mary und Marja hatten mit Betty eine gemeinsame Nachfeier genossen. Mir blieb damit nur das Sofa, zugleich schickte ich an Malcolm einen Solidaritätsgedanken, der nun ebenfalls allein in seinem Bett lag.
Direkt nach unserem großen Sommerfest stand die alljährliche Schafschur an. War es in den Vorjahren ein harter Arbeitseinsatz von Linda und ihrer Helferin in Zusammenarbeit mit Mary und Farmhelfern, der am Abend mit einem Festmahl und einer heftigen Liebesnacht endete, so war in diesem Jahr alles anders. Zum einen war Pamela, die wirklich sexhungrige, pralle Bodybuilderin, nicht mitgekommen. Sie war auf Lindas Farmcroft zurückgeblieben, da Lindas Vater ein Vollpflegefall geworden war und das Bett nicht mehr verlassen konnte. Aber auch Linda war stark verändert. „Ich musste mich im Winter operieren lassen“, erzählte sie uns am Vorabend der Schafsschur. „Eher per Zufall wurde bei mir eine grapefruitgroße Geschwulst an einem Eierstock festgestellt, dessen Bös- oder Gutartigkeit nicht sauber bestimmt werden konnte. Daraufhin haben die Ärzte alle weiblichen Organe in einer OP entfernt und mich einer Hormontherapie unterzogen, die ich nicht gut vertrage.“
„Hast Du denn noch Schmerzen?“ Mary war echt besorgt. „Die Schafschur ist ja nun wirklich knochenharte Arbeit.“
„Nein. Physisch ist alles gut verheilt und macht keine Probleme. Aber ich habe das Gefühl, ein total anderer Mensch geworden zu sein. Ich habe jegliches Interesse an Sex verloren, egal ob Mann oder Frau. Ich lebe wie eine keusche Nonne.“ Sie lachte zynisch. „Und bin zufrieden damit.“
Es war in der Tat eine neue Erfahrung für uns. Linda verbrachte die beiden Nächte keusch in ihrem Campervan, auch der junge Helfer, der sie auf dieser Tour begleitete, schien sich dieser Zurückhaltung anzupassen.
Insofern war Mary richtig betrübt, als mehr als zweihundert geschorene Schafe auf unseren Hausweiden darauf warteten, wieder in die freie Natur entlassen zu werden, und Linda alles zusammenpackte, um zum nächsten Einsatzort weiterzureisen. „Denkst Du, dass Du im nächsten Jahr wiederkommst?“ fragte sie zum Abschied, nachdem sie Linda lang und innig umarmt hatte. „Ich hatte mich eigentlich sehr auf Deinen Besuch gefreut, nicht nur in Hinsicht auf unsere Schafe.“
Linda grinste verlegen und drückte Mary erst einen Kuss auf die Wange, dann jedoch einen lieben, fetten Kuss auf die Lippen. „Ich hoffe, ich finde einen Weg, wieder die Alte zu werden. Ich habe schöne Erinnerungen an Euch und Durran Farm. Schauen wir mal.“ Dann winkte sie noch einmal aus dem Fahrerfenster und war fort.
Unsere Bauarbeiten am Mehrzweckgebäude, am zweiten Vollholzhaus, das zur Schule mit Wohnung werden sollte, als auch an Andrews Gewächshäusern gingen prächtig voran. Es war ein erstaunlich trockener Sommer, auch der Wind war gnädig, blies konstant, aber leicht, und hielt den Sommer über die Midges am Boden. In dieser gemütlich-ruhigen Sommeratmosphäre kündigte meine Mutter am Telefon ihren erneuten Besuch an. „Hast Du etwas dagegen, wenn ich im August für zwei Wochen zu Euch auf die Farm komme?“ fragte sie überraschend bei unserem wöchentlichen Telefongespräch. „Ich fand Mary, Dich und Eure Community bei meinem Weihnachtsbesuch so lieb und aufgeschlossen, dass ich mir Euer Leben auch gern mal im Sommer anschauen würde.“ Welcher Sohn hätte eine solche Selbsteinladung abschlagen können, insbesondere, wo ihr letzter Besuch wirklich allen Freude bereitet hatte? Meine Mutter schien sich ihre Selbsteinladung lange überlegt zu haben, denn sie versuchte zugleich, mir dies zu versüßen. „Ich bin auch gerne bereit, an jeder Arbeit tatkräftig mit zuzupacken, wenn ihr meine Hilfe benötigt.“
So holte ich sie Anfang August am Bahnhof in Kinbrace von der Bahn ab und fuhr mit ihr durch unsere in unterschiedlichsten Grüntönen leuchtende Landschaft, die durch die langsam beginnende Heidekrautblüte erste violette Flecken bekam. Meine Mutter war in einer unglaublich positiven Stimmung. „Ich bin nicht nur auf Familienbesuch gekommen“, verkündete sie Mary und mir bei einem ersten Becher Tee, in ihrem Fall mit Milch und Zucker. „Ich möchte mich sehr gerne nützlich machen.“ Sie schaute uns erwartungsvoll an, während wir, positiv überrascht, uns anschauten.
„Wie hast Du Dir das ‚nützlich‘ vorgestellt?“
Meine Mutter lachte. „Noch kann ich mich nicht um meine Enkel kümmern. Und für die übrigen Kinder auf der Estate ist bestens gesorgt.“ Mary quittierte die Worte meiner Mutter mit zwei hochgezogenen Augenbrauen, was aber wohl nur mir auffiel. „Nein“, setzte meine Mutter fort, „hier gibt es immer noch so vielfältige Aufbauarbeiten, dass bestimmt zwei helfende Hände gern gesehen werden. Auch wenn ich nicht die Fähigkeiten von Marja oder Ilja besitze.“
Meine Mutter hatte recht. Sie war Zeit ihres Lebens recht praktisch gewesen und konnte zupacken. „Hm“, begann ich nachdenklich, denn an einen Arbeitseinsatz meiner Mutter hatte ich nun wirklich nicht gedacht. „Ich wüsste in der Tat etwas, wo Du wahrscheinlich eine sehr willkommene Hilfe sein kannst. Unser Mehrzweckhaus ist im Wohn- und Studioteil fast fertig. Marja und Greta wollen ab morgen den Holzfußboden verlegen, dann will Greta ihr Studio einrichten und alles von ihrem Übergangsquartier in ihr neues Domizil schaffen. Die beiden werden sich bestimmt über Deine Mithilfe freuen.“
Gesagt, getan. Eine Stunde später stand meine Mutter in Jeans und T-Shirt mit Marja und Greta in Gretas neuem Reich und packte mit an. Es wurde wirklich ein richtiger Arbeitsurlaub für meine Mutter. Trotzdem steigerte sich die positive Stimmung bei ihrer Ankunft weiter, sie strahlte eine mich vollkommen überraschende Fröhlichkeit aus. „Mein Besuch hier ist für mich wie eine Zeitreise“, schmunzelte sie beim Abendessen. „Diese Community hier funktioniert genauso, wie ich meine Jugend in Erinnerung habe.“ Dann lachte sie mit einem ungewöhnlich hintergründigen Unterton. „Und Greta bei der Einrichtung ihres Studios zu helfen, ist das Beste, was man mir als Aufgabe stellen konnte. Sie ist eine wunderbare Frau und Künstlerin.“
Ich merkte auf. Meine Mutter hatte sich anscheinend innerhalb weniger Tage mit unserer Mode- und Schafsfelldesignerin angefreundet. Und die beiden am Abendessentisch nebeneinander sitzenden Frauen, die altersmäßig mehr als ein Vierteljahrhundert auseinander lagen, schauten sich gegenseitig auf ganz besondere Weise lieb an.
Drei Tage später – Gretas Umzug in ihr neues Domizil war mittlerweile vollzogen, was ihre übergangsweise genutzte Haushälfte nun endgültig für Andrew und Amy frei machte – ging ich am späten Nachmittag runter zum neuen Mehrzweckhaus, um Greta eine große Kiste mit Materialien zu überbringen, die von einem Kurierfahrer irrtümlich im Farmhaus abgeliefert worden war. Nicht weiter nachdenkend, öffnete ich einfach die Haustür, trat in den Vorraum ein und stellte die Kiste ab. Die Innentüre war halb offen und als ich mich gerade aufrichtete, hörte ich ein lautes, unverkennbar lustvolles Aufstöhnen. Ich muss gestehen, dieses Geräusch machte mich schlagartig neugierig. Bis dahin hatte Greta ein weitgehend keusches Leben auf Durran Farm geführt, immer noch ihrer langjährigen Lebens- und Künstlerpartnerin nachtrauernd.
Ich drückte die Innentür, die direkt in den offenen Wohn-, Ess- und Küchenbereich führte, leicht weiter auf und schüttelte ob des Bildes, das sich mir darbot, ein wenig meinen Kopf. Zugleich musste ich still grinsen. Meine Mutter lag mit breit gespreizten Beinen rücklings in der Sofaecke, Greta kniete vor ihr und behandelte ihre Weiblichkeit mit Mund und Fingern. Meine Mutter schwamm augenscheinlich eine ganze Zeitlang auf dem Wellenkamm ihres Orgasmus und stieß immer wieder kleine Freudenschreie aus. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie meine Mutter beim Sex beobachtet, erst recht nicht mit einer Frau. Es war wahrhaftig faszinierend. Trotzdem riss ich mich zusammen und zog mich leise und diskret in den Vorraum zurück. Mir gelang es sogar, ohne irgendein Geräusch den Eingangsbereich zu verlassen und die Haustür zu schließen.
Vor der Tür holte ich ein paarmal tief Luft, schüttelte mich und ging dann direkt zurück zum Farmhaus. Als ich in die Küche kam, um mir eine Flasche Cider aus dem Kühlschrank zu holen, sah mir meine Lebensgefährtin anscheinend sofort an, dass mich irgendetwas bewegte. „Ist was passiert?“ fragte sie ganz direkt.
Ich schaute sie an, schüttelte leicht meinen Kopf und musste plötzlich lachen. „Nein, eigentlich nicht. Oder besser gesagt, eigentlich viel und wirklich schön.“ Ich schaute Mary für einen Augenblick stumm an. Mir schossen eine Vielzahl von Gedanken durch den Kopf. Würde ich hier jetzt meine Mutter verraten? Mary hatte das große Fragezeichen in ihrem Gesicht stehen, was mich dann doch motivierte, einfach die Wahrheit zu sagen. „Ich habe meine Mutter inflagranti mit Greta beobachtet. Gott sei Dank habe ich sie beide nicht gestört und mich diskret zurückziehen können.“ Jetzt lachte ich laut. „Aber ich muss gestehen, es war ein wirklich verlockendes Bild für die Götter.“
Mary stimmte in mein Lachen ein. machte zwei Schritte auf mich zu und umarmte mich. „Gönnen wir ihr das Vergnügen. Greta ist bestimmt eine exquisite Liebhaberin.“
Der Umzug Gretas in ihr neues Reich schaffte nun auch den Platz für den Umzug Andrews und Amys nach Durran Estate. Andrew hatte in der Tat den Polizeidienst gekündigt und zum 1. August seinen neuen Arbeitsplatz als Sicherheitschef des stillgelegten Kernkraftwerks in Dounreay angetreten. Da dort auch ein Zwischen- und ein Endlager für hochradioaktive Abfälle betrieben wurde, war dies trotz des unverändert laufenden Rückbaus der drei alten Brüter-Reaktoren eigentlich ein Arbeitsplatz ohne zeitliche Begrenzung. Amy war seinem Vorbild gefolgt und hatte ihren Dienst in der Polizeistation von Lairg ebenfalls quittiert. Ihre beiden Umzugs-Vans mit der sehr übersichtlichen Habe von zwei Single-Haushalten waren von den Farmbewohnern mit großem Hallo begrüßt worden und mit vielen helfenden Händen umgehend ausgeladen worden.
Der ansonsten ziemlich regnerische Sommer zeigte sich am ersten Wochenende nach dem Einzug unserer ‚Polizisten‘ von der freundlichen Seite, was uns die Gelegenheit gab, das traditionell gemeinsame Sonntagsessen ins Freie zu verlagern und unseren großen Grill zu nutzen.
„Unsere Community auf Durran Estate ist durch Andrews und Amys Zuzug mittlerweile auf fünfzehn Mitglieder und acht Kinder angewachsen“, sprach Mary ein paar offizielle Begrüßungsworte, nachdem das Salatbuffet aufgebaut war und Gwen und ich mit unserem Grill voll beschäftigt waren. „Mit unserer neuen Lehrerin Heather und der neuen Schule wachsen wir im September noch einmal. Damit haben wir in den letzten zweieinhalb Jahren gemeinsam Durran Estate aus seinem einsamen Dornröschenschlaf erweckt und zu einer neuen Blüte geführt.“ Sie hob ihr Weinglas zum Toast, was von allen anwesenden Erwachsenen gleichermaßen beantwortet wurde. „Wir haben nur ein kleines Problem, wenn demnächst Herbst und Winter einsetzen und wir unsere gemeinsamen Freitags- und Sonntagsessen uneingeschränkt fortsetzen wollen. Der große Esstisch im Farmhaus reicht nicht mehr aus.“
Mary sprach mit diesem Detail einen Punkt an, den wir beide in den letzten Wochen mehrfach miteinander diskutiert hatten. Wo sollte die Entwicklung unserer Community enden und wie wollten wir ihren engen Zusammenhalt weiter sicherstellen.
„Ich schätze, das wird nicht das Ende des Bevölkerungswachstums auf Durran Farm sein“, kommentierte plötzlich meine neben mir sitzende Mutter leise.
Ich drehte meinen Kopf verblüfft in ihre Richtung und schaute sie fragend und verwundert an. „Wieso?“
„Greta und ich wollten das mit Euch unter acht Augen besprechen. Aber ich würde gerne regelmäßig hierher kommen und ihr bei ihrer Arbeit im Studio helfen. Insbesondere für Standardprodukte wie Schafsfellschuhe und Ähnliches würde ich die zeitraubenden Färbungen und Zuschnitte machen. Greta hat zwei Näherinnen hier in der Gegend ausfindig gemacht, die dann diese Zuschnitte mit den eingekauften Sohlen zu fertigen Fellschuhen verarbeiten. Lady Elizabeth war begeistert, dass wir ihren Laden auch mit solchen Standardprodukten versorgen würden.“
Meine Augen waren während des Gesprächs deutlich größer geworden. „Mutter, willst Du ganz nach Durran umsiedeln?“ Ich holte tief Luft. „Ich weiß, dass Greta und Du sich lieben. In jeglicher Hinsicht.“
Jetzt schaute mich meine Mutter vollkommen überrascht an. „Woher weißt Du das?“
„Mutter, ich habe zwei Augen im Kopf. Und hier auf Durran Farm bleibt nichts geheim.“
Meine Mutter holte ein paarmal tief Luft und schaute mich durchdringend an. „Ja, Walter“, antwortete sie schließlich. „Ich habe mich in meinem hohen Alter noch einmal verliebt. Mit Herz und Verstand. Und das in eine Frau, eigentlich unglaublich.“ Sie nickte ein paarmal. „Ich will eigentlich nicht mein Zuhause in England ganz aufgeben. Aber ich würde sehr gern regelmäßig nach Durran kommen, um mit Greta zu arbeiten und zu leben.“ Sie kicherte leise. „Und zu lieben. Sie schenkt mir die köstlichsten Höhepunkte meines Lebens.“
Ich legte meinen Arm um ihre Schulter und drückte sie an mich. „Du bist Mary und mir jederzeit willkommen. So oft Du willst.“
Als ich am späteren Abend Mary von meinem Gespräch mit meiner Mutter berichtete, nickte sie nur. „Ich habe so etwas fast erwartet, nachdem Du mir von Deiner Cuckold-Erfahrung berichtet hast. Und wenn man richtig hinschaut, sind die beiden trotz ihres Altersunterschiedes richtig glücklich miteinander.“ Sie trank einen großen Schluck aus ihrem Rotweinglas. „Und in Sachen Bevölkerungswachstum auf Durran tut sich noch mehr.“
„Wie? Was?“ Jetzt war ich der Erstaunte.
„Wir haben zwei junge Schwangere in unserer Community.“
„Wer denn?“
„Amy und Ekatarina. Ludmillas kleine Maria Antonova wirkt wohl wirklich sehr motivierend auf andere Frauen.“
„Wow. Das habe ich nicht erwartet.“
„Ich finde das gut. Damit bekommen sowohl Vicky als Kindergärtnerin als auch unsere Schule weiter kontinuierlichen Nachwuchs. Wenn ich mir das so recht überlege, könnten wir noch mehr Schwangerschaften gebrauchen.“
Typisch Mann registrierte ich den sehr speziellen Unterton in Marys Aussage nicht. Ich stimmte mit meiner Partnerin aber dahingehend überein, dass die weiter wachsende Kinderschar auf unserer Estate nur von Vorteil sein würde.
Parallel zum weiteren Bevölkerungswachstum auf Durran Estate stieg in diesem Sommer auch die Eigenproduktion an gesunden Lebensmitteln. Andrew hatte mit unglaublich großem Einsatz die Produktion von Tomaten und Gemüsen in den beiden Polytunneln als auch von Salaten und Kräutern mit dem Hydroponicsystem im Gewächshaus gestartet und die typischen Anfangsprobleme in vielen Videocalls mit den Lieferanten und den holländischen Beratern in den Griff bekommen. Stolz servierte er mit Ludmillas Hilfe an einem freitäglichen Abendessen im August einen Tomaten- und einen gemischten grünen Salat aus eigenem Anbau, der allgemeines Lob auslöste.
„Schmeckt fantastisch frisch“, war das Ergebnis der Geschmacksprobe in Grün.
„Und die Tomaten haben ein erstklassiges Aroma und schmecken richtig nach Tomaten“, lautete das Parallelergebnis.
In der Tat war ich besonders von dem Tomatensalat beeindruckt, denn ich hatte bei meinen Besuchen an Andrews Arbeitsfront schon den Geschmack von wässrigen Hollandtomaten aus dem Supermarkt befürchtet.
„Man kann mit diesen Anbaumethoden unglaublich viel verkehrt machen“, gestand Andrew ein. „Aber die Holländer haben mich auf digitalem Weg so gut betreut, dass ich viele Anfängerfehler vermeiden konnte. Jetzt gilt es, kontinuierlich und mehr zu produzieren, sodass wir im Herbst und Winter konstant frische Ernteprodukte für uns nutzen können.“
Andrew sprudelte geradezu vor Erzählungen und Erlebnisberichten und war hörbar stolz auf das Erreichte. „Ich glaube, mein lieber Mann hat seine Lebensaufgabe gefunden“, kommentierte Ludmilla später am Abend in kleiner Runde. „Seine Gärtnerei und unsere kleine Familie sind sein Ein und Alles. Manchmal vergisst er sogar zu humpeln.“ Das allgemeine Gelächter zeigte an, dass auch andere Durran-Bewohner dies bemerkt hatten.
„Bei Andrews Liste an Kriegs- und Jagdverletzungen ist vielleicht auch gut, dass in den Gewächshäusern nicht geschossen wird“, witzelte Mary, die Andrews Jagdunfall und dessen dramatische Umstände unmittelbar mitbekommen hatte.
„Ist mir auch lieber so“, lachte Ludmilla zurück. „Ich will meinen Mann möglichst lange an meiner Seite haben.“
Seit Beginn der weißen Nächte Mitte Mai hatten Ilja, Marja, ich und nach ihrem Umzug auch Amy in 12-Stunden-Schichten zeitgleich an dem neuen Mehrzweckhaus mit Studio, Tannery und Hatchery als auch an dem zweiten Vollholzhaus für unsere neue einklassige Schule und an der Wohnhaushälfte für unsere neue Lehrerin gearbeitet. Wir waren ein richtig gut eingespieltes Team geworden, und mit unserer kleinen, aber durchtrainierten Ex-Polizistin als Material- und Laufbursche war unser Installations- und Innenausbautempo beachtlich. Überhaupt entpuppte sich Amy mit ihrem Einsatzwillen und ihrer Bereitschaft, sich vollkommen in unsere Community zu integrieren, als ‚Mädchen für alles‘. Andrew war in seiner neuen Funktion als Sicherheitschef des stillgelegten und im Rückbau befindlichen Kernkraftwerks in Dounreay, das zugleich ein Zwischen- und ein kleines Endlager für hochradioaktive Abfälle darstellte, tagsüber an seinem Arbeitsplatz und nur abends und am Wochenende auf Durran Estate.
Mit diesem gemeinsamen Großeinsatz war es uns tatsächlich gelungen, das zweite Vollholzhaus sowohl mit seiner Wohnhälfte als auch mit seiner Schulhälfte fristgerecht bis Mitte August fertigzustellen. Der kleine Umzugswagen mit Heather Blaxtons Möbeln erreichte Durran Farm am Freitag, den 22. August, vier Tage vor dem offiziellen Schulbeginn am darauffolgenden Dienstag. Amys Schwester sprühte regelrecht vor Begeisterung, nachdem sie ihr neues Zuhause und ihren neuen Arbeitsplatz besichtigt hatte, den sie bis dahin nur im Rohbau gesehen hatte. „Großartig, was ihr in den letzten Monaten hier geschaffen habt“, wiederholt sie mehrfach. „Ich freue mich unbändig auf meine neue Arbeit. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise in die gute schottische Vergangenheit, in der in jedem kleinen Dorf eine Schule mit einem oder zwei Lehrern stand, die zugleich in ihrer Community tief verankert waren. Und hier, an diesem Ort, kehrt dieses schulische Prinzip dank Euch nach vielen Jahrzehnten mit einer neuen Schule zurück in die Wirklichkeit.“
„Wir haben noch mehr gute Nachrichten für Dich“, brachten Amy und Mary sie auf den neusten Stand. „Nach den vier oder fünf Kindern, mit denen die Schule jetzt startet, kommen im nächsten Jahr zwei weitere Kinder altersgemäß dazu. Und wir Durran-Frauen arbeiten fleißig an der nächsten Generation. Zur Unterstützung von Maria Antonova, die jetzt vier Monate alt ist, verzeichnen wir zwei weitere Schwangerschaften, die hoffentlich im Winter unsere Kinderschar weiter anwachsen lassen.“
Amy klatschte sich lachend auf ihren noch nicht sichtbaren Bauch. „Und ich bin eine davon.“
Es war in der Tat eine Neuigkeit für Heather, dass ihre kleine Schwester ihr erstes Kind bekam, und sie reagierte mit großer Freude und Herzlichkeit. „Dann muss ich mir ja für meine Zukunft in Eurer Community für die nächsten zehn, zwölf Jahre keine Sorgen machen. Wenn ihr so produktiv seid, ist für genug Schulkinder gesorgt.“
Bei aller Euphorie und Freude registrierte niemand, dass Mary bei dem Thema weiterer Kinder auf Durran Farm ganz ruhig und zurückhaltend geblieben war. Sie hatte nur einen ungewöhnlich verträumten Blick in ihren Augen. „Ich empfinde die neue Schule als einen absoluten Höhepunkt unserer Arbeit“, sagte sie schließlich. „Als Walter vor zweieinhalb Jahren zufällig hierherkam und mich aus meiner selbst gewählten Einsamkeit befreite, hätte ich mir diese Entwicklung nicht im Entferntesten vorstellen können.“ Mary atmete ganz tief durch. „Es macht mich unendlich glücklich.“
Zur offiziellen Schuleröffnung erschienen dieselben zwei Damen, die seinerzeit Durran Estate inspiziert und die sich sehr stark dafür engagiert hatten, dass diese Neu- bzw. Wiedereröffnung einer öffentlichen Primary School überhaupt stattfinden konnte. Nicola Rutherford und Clara Mackenzie waren genauso begeistert wie unsere neue Lehrerin, nachdem sie mit unseren fünf neuen Schulkindern die Schule offiziell ihrer Bestimmung übergaben. „Eine Wiedereröffnung einer vor Jahrzehnten geschlossenen Schule ist in meiner Dienststelle ein leider sehr seltenes Ereignis geworden“, bekannte die Vertreterin des schottischen Schulministeriums. „Wir haben es leider meist mit dem umgekehrten Fall zu tun, wenn wir, wie in Kinbrace vor acht Jahren, eine Schule mit dem letzten abgehenden Kind schließen müssen.“
„Und ihr Neubau ist wirklich schön geworden“, kommentierte ihre Kollegin vom Highland Council. „In dieser Vollholzkonstruktion könnte diese Schule auch in Norwegen oder Finnland stehen.“
„Dann wollen wir uns unsere skandinavischen Nachbarn auch zum Vorbild beim Bildungserfolg nehmen“, griff Heather den Vergleich auf. „Sie gelten nicht umsonst als die besten und erfolgreichsten Schulen der Welt.“ Damit hatte unsere Lehrerin auch ihren eigenen Anspruch definiert. „Ich habe aber ein unglaublich erstklassiges Fundament für meine Arbeit. Was Vicky in den letzten zwei Jahren mit ihrer naturorientierten Kindergartenarbeit geleistet hat, ist sowohl bildungsseitig als auch in seiner sozialen Erziehung aller Ehren wert. Das sind Lichtjahre Unterschied zu den Verhältnissen, die ich in der Großstadt hatte, wo ich eine extrem heterogene Schülerschaft hatte.“
„Und was machen Sie jetzt, wenn die Kinder nun in der Schule sind?“ fragte Nicola Rutherford unsere Vicky, der man eine gewisse Traurigkeit ansehen konnte.
Vicky gab sich einen Ruck und straffte sich regelrecht bei ihrer Antwort. „Ich habe noch die beiden kleineren Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind. Und dann kommen die Babys nach. Zudem haben Heather und ich bereits ein gemeinsames pädagogisches Konzept besprochen, um die naturorientierte Arbeit der letzten zwei Jahre für alle Kinder fortzusetzen. Praktisch wie ein Jugendklub in der Stadt, nur dass wir hier ohnehin den ganzen Tag sehr eng zusammenleben.“
„Ich sehe schon. Die Durran Estate-Schule kann ein richtiges Musterprojekt werden“, lächelte Nicola Rutherford. „Wenn ich darf, würde ich mir die Fortschritte gern in größeren Zeitabständen selbst ansehen.“
„Sie sind herzlich gerne eingeladen, wiederzukommen“, griff Mary ihre Aussage auf. „Wir wollen nur keine öffentliche Publizität, die dann möglicherweise unser Zusammenleben hier stört.“
Unsere beiden Besucher lachten gleichzeitig. „Das wird nicht passieren. Und in unserer sensationslüsternen Medienwelt ist so ein Heile-Welt-Thema keine Meldung wert. Da können Sie unbesorgt sein.“
Heather Blaxton war in der Tat eine Bereicherung unserer Community. Sie hatte eine beeindruckende Bibliothek von Sach- und Schulbüchern als auch Belletristik mitgebracht und war ausgesprochen belesen. So wurde sie innerhalb weniger Tage eine beliebte und gesuchte Gesprächspartnerin für viele Duran Farm-Bewohner.
Zum gemeinsamen freitäglichen Abendessen Mitte September brachte Greta ein dickes Buch mit und überraschte mich damit, indem sie es mir übergab. „Du hast mir vor einem Jahr einen deutschsprachigen Roman von einem Bekannten von Dir gegeben, den ich mit viel Interesse gelesen habe. Derselbe Joakim Aagaard hat vor drei Wochen einen neuen Roman bei Amazon veröffentlicht: „Familie von Keith“, eine wirklich gut geschriebene Familiengeschichte im Ostpreußen des 19. Jahrhunderts. Ganz in der Tradition deutscher Familienromane wie Buddenbrooks und anderer. Ich habe die 822 Seiten in drei Tagen und zwei Nächten regelrecht weggehauen und konnte das Buch nur ungern aus der Hand legen, um meiner Arbeit nachzugehen. Viel Spaß beim Lesen.“
Ich nahm das dicke Buch dankend entgegen und blätterte ein wenig darin. „Das wird bestimmt ein großes Lesevergnügen. Der letzte Roman war schon gut, ich hoffe, dieser ist auf demselben Niveau.“
„Absolut. Kann ich voll bestätigen.“
Greta und ich waren bis dahin in dieser Hinsicht die einzigen Durran-Bewohner, die sprachlich in der Lage waren, einen deutschsprachigen Roman zu lesen. Aber unsere Unterhaltung hatte das Interesse unserer neusten Mitbewohnerin geweckt. „Ihr lest hier fremdsprachige Romane?“ fragte Heather ganz direkt.
„Ja“, lächelte ich sie an. „Greta und ich auf Deutsch, ich kann auch weitgehend fließend Norwegisch beziehungsweise Dänisch.“
„Das habe ich nicht erwartet“, antwortete unsere Lehrerin. „Durran Estate hat mehr und mehr Überraschungen für mich. Ich liebe Bücher und ich liebe Menschen, die lesen und mit denen man darüber reden kann.“ Sie nahm den Keith-Roman in die Hand und las die Rückseite. „Wenn Du damit durch bist, würde ich den Roman auch gerne lesen.“
„Kein Problem“, schaltete sich Greta ins Gespräch ein. „Du kannst mein Exemplar haben. Ich bin ja bereits damit durch. Und ‚Der neue Stechlin‘ kann ich Dir auch geben. Walters Exemplar steht bei mir.“
Dieses kleine Dreiergespräch über zwei deutschsprachige Romane sollte in Heathers Kopf eine Idee auslösen, die sie in den kommenden Wintermonaten für uns alle verwirklichen sollte: ein abendlicher Lesezirkel, natürlich in Englisch, damit sich auch alle anderen Durran Farm-Bewohner beteiligen konnten.
Meine Mutter kam Ende September nach fünfwöchigem Aufenthalt in ihrem englischen Zuhause wieder nach Durran Farm. „Ich habe es nicht mehr ausgehalten, allein zu sein“, erklärte sie bereits entschuldigend in meinem Auto auf dem Rückweg von der Bahnstation in Kinbrace. „Das Leben auf Durran im Allgemeinen und das Zusammensein mit Greta im Besonderen sind unendlich anziehend für mich geworden.“
Ich grinste zunächst, dann konnte ich mir aber eine wichtige Frage nicht verkneifen. „Wie lange möchtest Du denn diesmal bei uns sein? Unser Gästezimmer ist derzeit ungenutzt, Du kannst Dich also gerne für länger einrichten.“
Meine Mutter lachte kurz auf und schaute mich von der Seite an. „Danke für die unlimitierte Einladung. Aber ich vermute, es wird Dich nicht zu sehr überraschen, dass ich Euer Gästezimmer diesmal nicht benötige. Greta möchte mich in ihrem neuen Zuhause beherbergen. Und ich habe dankend angenommen.“
Ich zog, halb anerkennend, halb verwundert, meine linke Augenbraue in die Höhe. „Seid Ihr schon so weit, dass Ihr zusammen leben wollt?“
„Ja und nein. Wir lieben uns und wir wollen gern zusammenarbeiten. Aber, auch aufgrund unseres Altersunterschiedes, wollen wir uns genügend Freiraum geben. Ich möchte schließlich nicht meine bisherigen Freunde und mein Stadtleben vollständig aufgeben.“
„Kann ich nachvollziehen.“
Den Rest der Fahrt zurück zur Farm legten wir schweigend zurück, jeder von uns hing seinen eigenen Gedanken nach.
Zwei Tage später stellte sich heraus, dass meine Mutter noch mehr mitgebracht hatte. Bereits zum Frühstück erschien Greta mit einer sorgenvollen Miene im Farmhaus. „Habt ihr eine Packung Beechams Grippepillen auf Vorrat, die ich mitnehmen kann?“
Mary und ich schauten sie zunächst irritiert an. „Wieso? Bist Du krank?“
„Nein. Aber Margret liegt mit Fieber im Bett und klagt über heftige Muskel- und Gliederschmerzen.“
„Oh!“ war unsere gemeinsame Reaktion. „Hat sie sich auf der langen Zugreise irgendwo angesteckt?“
„Sieht so aus. Ich weiß nur nicht, ob das ein grippaler Infekt oder eine COVID-Infektion ist.“
„Kein Problem“, erklärte meine Krankenschwester-Lebensgefährtin. „Ich habe noch ein paar Tests übrig aus der Pandemiezeit. Und ich habe die gewünschten Grippetabletten im Vorrat.“ Sie holte ihre Arzt- und Medizintasche – eine klassische, lederne, längliche Doktortasche – und holte die gewünschten Sachen hervor. „Lass uns mal gemeinsam zu unserer Kranken gehen und schauen, woran sie erkrankt ist und wie wir ihr helfen können.“
Eine Dreiviertelstunde später war sie zurück. „Deine Mutter ist an COVID erkrankt“, war Marys knappe Diagnose. „Der Test war eindeutig positiv.“
„Shit“, war meine ungeschminkte Reaktion. „Dann bin ich mal gespannt, wer sich bereits bei ihr angesteckt hat. Wir haben vorgestern alle auf engstem Raum zusammengesessen.“
Meine Befürchtungen waren berechtigt. Innerhalb weniger Tage zeigte fast die gesamte Bevölkerung von Durran Farm unterschiedlich starke Infektionssymptome, wobei mit John, Malcolm und mir ausgerechnet wir drei Männer mit kräftigem Fieber und erheblichen Seiteneffekten am heftigsten betroffen und für drei Tage vollkommen außer Gefecht waren. Mir ging es dabei so schlecht, dass ich vom ersten Tag an unser Dreier-Schlafzimmer verlassen und das freie Gästezimmer belegt hatte. Mary organisierte mit Hilfe der Arztpraxis von Dr. Duncan in der Apotheke von Thurso eine Großlieferung von 30 Packungen der hochwirksamen Beechams-Pillen, dazu einen großen Vorrat von Nasentropfen, Hustensaft und weiteren Medikamenten, die freundlicherweise von seiner frisch angetrauten Ehefrau Elizabeth, vormals Lady MacLellan, abgeholt und nach Durran Estate geliefert wurden.
Meiner Mutter war es mehr als peinlich, dass sie von ihrer Zugreise nach Kinbrace den neuen COVID-Virus in die Community der Durran Estate eingeschleppt hatte. „Ich bin wirklich untröstlich, dass so viele liebe Menschen wegen mir krank geworden sind“, gestand sie bei einem nachmittäglichen Kaffee an unserem großen Esstisch, nachdem wir wieder auf den Beinen waren. „Was kann ich denn als Entschuldigung tun?“
„Mutter. Das hätte jedem passieren können, den Virus aufzuschnappen und mitzubringen. Betty bei ihren Auslieferungen, mir oder Mary beim Einkaufen. Man sieht den Virus nicht.“
„Und er ist am meisten ansteckend, wenn die Krankheit noch gar nicht ausgebrochen ist“, ergänzte Mary. „Ich glaube, wir werden einfach mit dieser Infektion leben müssen.“ Sie lachte kurz auf. „Bei mir war das wie eine zweitägige Schnupfennase, dann war alles vorbei. Nur unsere Männer hatten es heftiger. So, von wegen starkes Geschlecht.“ Sie lachte diesmal eher herausfordernd, aber ich winkte nur ab.
„Ist ja niemand richtig ernsthaft krank gewesen, mit Atemproblemen und so. Für John, Malcolm und mich war es nur unglaublich lästig, nicht aufstehen und ordentlich unserem Tagwerk nachgehen zu können.“
Meine Mutter grübelte die nächsten Tage trotzdem über eine Entschuldigung nach und fand für sich eine Lösung. Sie stand bei unserem traditionellen gemeinsamen Freitagabendessen plötzlich auf und ergriff lautstark das Wort: „Ich wollte nach Abschluss unserer Krankheitswelle einfach sagen, dass es mir aufrichtig leid tut, den Virus von meiner Reise aus England mit eingeschleppt zu haben.“ Sie zuckte mit ihren Schultern. „Ich weiß nur nicht, wie ich das hätte verhindern können, denn ich habe vermutlich meinen Sohn als Ersten bereits auf der Fahrt von Kinbrace zur Farm angesteckt, ohne zu wissen, dass ich bereits infiziert war.“ Die abschwächenden und tröstenden Antworten aus unserem Kreis schienen sie jedoch richtig zu stimulieren. „Ich habe mir mit Greta etwas ausgedacht, dass jeder von uns sich an diese Episode positiv erinnern kann.“ Jetzt waren fast alle Augenpaare auf sie gerichtet, richtig neugierig. „Ich werde heute Abend von jedem seine Schuhgröße in Erfahrung bringen, bei den Kindern werden wir Maß nehmen. Und dann werde ich in den kommenden Wochen für jeden ein Paar Schafsfellhausschuhe anfertigen, damit wir alle mit warmen Füßen über den Winter kommen. Es gibt drei Farben zur Auswahl: whiskyfarben, bordeauxrot und heatherviolett.“
Allgemeiner Applaus und eine Vielzahl zustimmender Rufe aus unserer Community quittierten ihre Ankündigung, als sie sich mit hellrot glühenden Ohren wieder setzte und erst einmal einen tiefen Schluck aus ihrem Rotweinglas nahm. Dann grinste sie der Reihe nach mich, Greta und Mary an. „So hat wenigstens jeder ein positives Geschenk als Ausgleich für Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen.“
Wie versprochen, machte sich meine Mutter bereits am Wochenende an ihre Arbeitsliste und begann mit Gretas Hilfe mit den Vorbereitungen. Diese Eigenversorgungsfertigung wurde zur Grundlage einer Miniserienproduktion für zwei alternative Schuhmodelle: mit einfacher, glatter Sohle nur für den Hausgebrauch und mit einer stärkeren, profilierten Sohle, die man auch bei kurzen Wegen draußen tragen konnte.
Die lästige Zeitumstellung auf Winterzeit am letzten Oktoberwochenende führte wieder zu früher Dunkelheit. Somit konzentrierte sich die gleichbleibend umfangreiche Farmarbeit und Jagd auf weniger helle Stunden am Tag und machte sie intensiver. Andererseits bescherte sie uns längere Abendstunden, die bei der allgemeinen Liebeslust auf Durran Farm hinreichend genutzt wurden. Wir drei – Mary, Marja und ich – die jede Nacht ein Bett teilten, hatten mittlerweile eine gewisse sexuelle Routine miteinander, ohne dass es uns dabei langweilig wurde. Wir hatten gelernt, was der jeweilige Partner besonders gerne hatte, und konzentrieren uns darauf, diese Wünsche gezielt zu erfüllen. Das begann häufig mit einem gemeinsamen Duschvergnügen in Marys Luxusbad, bei dem man auch den Dreck und Schweiß des Arbeitstages abspülte, und endete zumeist auf unserem Riesenbett.
So lagen wir auch am letzten Oktoberabend in unserer gemeinsamen Lieblingsposition zusammen: die beiden Frauen in 69 mit Mary in der oberen Position, sodass mir wahlweise ihre Pussy, ihr Po oder Marjas Mund zur Verfügung stand. Marja hatte großen Gefallen daran gefunden, von Marys Liebessäften und meinem Sperma im Gesicht geflutet zu werden, und sah hinterher immer auf besonders geile Weise verschmiert aus, was dann von Mary und mir als ‚Dankeschön‘ abgeleckt wurde.
Auch an diesem Abend lagen wir anschließend ganz entspannt und befriedigt beieinander, ich mittendrin und je eine Geliebte zu jeder Seite. „Was für ein Paschaleben“, zuckte mir noch durch den Kopf, als sich beide Frauen auf ihre Ellenbogen hochstemmten und mich anschauten.
„Wir haben Dir etwas zu erzählen“, begann Mary, was mich hellwach und sehr aufmerksam werden ließ. Derartige Ankündigungen meiner Lebenspartnerin waren meistens wichtig. So auf diesmal.
Mary machte zunächst eine bedeutungsschwere Pause, in der ihr Blick zwischen mir und Marja wechselte. „Du wirst Vater, Walter.“
Schlagartig stemmte ich mich auch auf meine Ellenbogen hoch. „Wirklich?“ war meine etwas dümmliche Frage.
„Ja. Wirklich. Ist absolut sicher, denn Dr. Duncan hat heute einen eigenen Schwangerschaftstest gemacht, der meinen eigenen Test bestätigte.“
„Großartig!“ rief ich aus, setzte mich nun vollends auf und umarmte Mary. „Wir bekommen tatsächlich ein Kind.“
„Wir haben noch mehr zu erzählen“, grinste Mary, als wir uns aus unserer Umarmung gelöst hatten, und schaute dann unsere Bett- und Liebesgefährtin an.
„Du wirst gleich zweimal Vater“, flüsterte die kleine Litauerin. „Ich bin ebenfalls schwanger. Und die einzige Alternative als Vater bist Du, Walter.“
„Wow“, entfuhr mir nur noch und ließ meinen Oberkörper nach hinten fallen. „Das haut mich glatt um. Gleichzeitig zwei Kinder von zwei Geliebten geschenkt zu bekommen, ist echt ein Hammer.“
Mary und Marja hatten sich zu beiden Seiten auf meine Oberarme und Brust gelegt und überdeckten mich mit ihren Küssen. „Wir freuen uns unglaublich“, gestanden sie mir.
„Eine große Belohnung für unser Zusammenleben, denke ich“, ergänzte Mary noch. „Das werden zwei wunderbare Halbgeschwister.“
Wenig später waren die beiden Frauen eingeschlafen. In meinem Kopf liefen die Gedanken aber so Amok, dass ich die ganze Nacht nur nachdachte und nicht einschlief. Jenseits meines vierzigsten Geburtstags wurde ich noch zweimal Vater. Und die beiden von mir quasi zeitgleich geschwängerten Frauen freuten sich gemeinsam darüber. Irgendwann, in den frühen Morgenstunden, setzte sich bei mir ein Gedanke im Kopf fest, den ich aber für die kommenden Monate für mich behielt. „Mary und Marja haben dies lange geplant und gemeinsam ausgeführt“, war ich mir sicher. „Mir soll es recht sein.“
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