Mareike 1/3 Dünenstille und ein Rauchstreifen im Wind (fm:Lesbisch, 3384 Wörter) | ||
| Autor: Misttueck | ||
| Veröffentlicht: Jul 17 2026 | Gesehen / Gelesen: 814 / 699 [86%] | Bewertung Geschichte: 9.00 (18 Stimmen) |
| Mareike flieht vor dem Druck des Abiturs in ein abgelegenes Ferienhaus an der Nordsee, um Stille und Einfachheit zu finden. Als sie die ältere Nachbarin Claire trifft, die seit Jahren jeden Juni hierherkommt, wird ihre selbstgewählte Isolation durchbroche | ||
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auf der Ablage im Bad. Das Bad ist winzig: eine Dusche, ein Waschbecken, ein Spiegel über dem Waschbecken. Ich betrachte mein Spiegelbild: kurze blonde Haare, die in alle Richtungen abstehen, Sommersprossen auf der Nase, die Augen – graublau – etwas gerötet vom zu wenig Schlaf der letzten Nächte.
Ich ziehe mir das Top aus und stehe im BH vor dem Spiegel. Ein schlichter weißer Baumwoll-BH, 70B, nichts Besonderes. Meine Brüste sind nicht groß, aber sie passen zu meinem Körper – proportioniert, mit kleinen, hellrosa Brustwarzen, die sich in der kühlen Luft des Bads leicht zusammenziehen. Ich streiche mit dem Daumen über die linke Brustwarze, nur so, ohne Grund. Ein kleiner Schauer läuft über meine Haut. Dann ziehe ich das Top wieder an.
Unten am Bauch, knapp über der Scham, glänzt das kleine Metall meines Christina-Piercing – ein winziger Zirkoniastein in einer gebogenen Stange, der durch die Haut über meinem Schambein gestochen ist. Ich habe es mir vor einem halben Jahr machen lassen, kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag. Ein kleiner Akt der Rebellion, der Kontrolle über meinen eigenen Körper. Ich betrachte es im Spiegel, wie es das Licht einfängt. Die Haut drumherum ist leicht pigmentiert, ein Schatten heller als der Rest meines Bauchs.
Ich ziehe den Rock gerade, trete zurück. Das genügt für jetzt.
Am späten Nachmittag gehe ich zum ersten Mal zum Strand. Der Weg führt durch die Dünen, über einen schmalen Holzsteg, der über das weiche Sand führt. Das Strandhafer wiegt sich im Wind, und die kleinen gelben Blüten der Dünenrose leuchten dazwischen. Der Sand wird weicher, je näher ich ans Wasser komme. Dann öffnet sich der Blick: ein breiter, leerer Strand, grauer Himmel über einer graublauen See, die sich in langen, gleichmäßigen Wellen am Ufer bricht. Niemand weit und breit.
Ich ziehe meine Sandalen aus und laufe barfuß zum Wasser. Der Sand ist kühl und feucht, dort, wo die letzte Welle zurückgezogen ist. Das Wasser ist kalt, als es meine Zehen erreicht, dann meine Knöchel. Ich bleibe stehen, lasse die Wellen über meine Füße rollen, ziehe den Atem tief ein. Die salzige Luft füllt meine Lunge, und der Wind drückt mir den Rock gegen die Beine.
Ich gehe zurück zum Haus, meine Füße sandig und nass. Auf der Terrasse wische ich sie mit einem Handtuch ab. Dann fällt mein Blick auf das Nachbarhaus.
Auf der Terrasse des blaugrauen Hauses steht eine Frau.
Sie ist vielleicht Mitte vierzig, schätze ich – oder Ende dreißig, schwer zu sagen aus dieser Entfernung. Sie trägt einen hellen Leinenrock, der bis über die Knöchel reicht, und ein schwarzes Trägertop. Ihr Haar ist dunkel – braun oder schwarz, zu einem losen Zopf gebunden, der über ihre Schulter fällt. Sie steht an der Brüstung der Terrasse, den Rücken zu mir gewandt, und blickt auf die Dünen hinaus. Eine Zigarette in der rechten Hand, der Rauch vom Wind verweht.
Ich beobachte sie, ohne es recht zu merken. Die Art, wie sie steht – eine Hüfte angehoben, das Gewicht auf einem Bein, der Oberkörper leicht gedreht. Eine Hand auf der Holzbrüstung. Sie bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit, die mir auffällt. Nichts Zögerliches, nichts Suchendes. Sie steht, als gehöre der Ort ihr.
Dreht sie sich um.
Ich zucke zusammen, als würde ich erwischt, und wende meinen Blick ab. Aber nicht schnell genug. Sie hat mich gesehen. Ihre Augen – ich kann die Farbe nicht erkennen, zu weit weg – finden meine. Einen Moment lang stehen wir beide still, einander zugewandt, zwanzig Meter und eine niedrige Hecke zwischen uns. Dann hebt sie eine Hand. Eine kurze, lockere Geste, nicht mehr als ein Anheben der Finger, die noch die Zigarette halten. Hallo.
Ich hebe meine Hand ebenfalls. Hallo.
Sie sagt etwas, das ich nicht verstehe – der Wind trägt es weg, oder es ist Niederländisch. Dann dreht sie sich zurück zu den Dünen, als wäre ich bereits wieder vergessen.
Ich gehe ins Haus.
Der Abend kommt langsam. Die Sonne sinkt hinter die Dünen, und das Licht wird wärmer, oranger, weicher. Ich mache mir etwas zu essen – Nudeln mit Tomatensoße, aus dem kleinen Vorrat, den ich im Supermarkt auf der Fahrt hierher gekauft habe. Die Pfanne auf dem kleinen Gasherd, das Wasser im Topf. Einfache Handgriffe, die mich beruhigen. Ich esse am Tisch, das Fenster offen, den Blick auf die dunkelnden Dünen.
Danach wasche ich ab. Stelle die Teller auf das Abtrockengitter. Wische die Arbeitsplatte. Jede Handlung klein, überschaubar. Nichts, was Denken erfordert.
Ich ziehe mir einen Schlafanzug an – eine kurze Baumwollhose und ein altes Shirt, das schon oft gewaschen ist und weich vom Tragen. Ich setze mich auf das Sofa, schlage das Buch auf, lese zwei Seiten, lese dieselbe Seite noch einmal. Der Text rutscht ab, wie Wasser auf Glas.
Ich lege das Buch weg und gehe zum Fenster. Die Dünen sind jetzt dunkle Formen gegen den tieforange Horizont. Das Rauschen des Meeres ist lauter geworden, oder bilde ich mir das ein. Die Luft ist kühler, feuchter. Ich lege die Stirn gegen das Glas.
Zwanzig Meter entfernt brennt Licht im Nachbarhaus. Die Terrassentür steht noch offen, und durch die Fenstertür sehe ich einen Streifen Innenraum – warmes Licht, eine Wand, etwas, das wie ein Bücherregal aussieht. Eine Bewegung. Die Frau geht durch den Raum, ich sehe nur den Umriss, eine Silhouette gegen das Licht. Sie trägt jetzt etwas anderes – ein langes, dunkles Gewand, vielleicht ein Bademantel. Ihr Haar ist offen, fällt über die Schultern. Sie verschwindet aus dem Blickfeld.
Ich bleibe am Fenster stehen, länger als nötig. Dann fällt mir auf, dass ich stehe. Ich trete zurück, ziehe die Gardinen zu.
Die Nacht ist dunkel und still. Ich liege im Doppelbett, die Bettwäsche kühl gegen meine Haut, und höre den Wind um das Haus. Ein leises Klappern der Fensterläden, ein Schieben der Hecke. Ich drehe mich auf die Seite, dann auf den Rücken. Meine Hände liegen auf dem Bauch, die Fingerspitzen berühren den Rand meines Piercing, das kleine Metall, das sich warm angefühlt hat unter der Decke.
Ich schließe die Augen. Der Atem geht langsam, gleichmäßig. Aber der Schlaf kommt nicht.
Gedanken kommen. Das Abitur, die Noten, die Frage, die jeder stellt: Und was jetzt? Das Studium, die Bewerbungen, der Druck, der sich wie eine Faust um meine Brust legt, wenn ich zu lange darüber nachdenke. Die Stimmen meiner Eltern, meiner Freunde, der Lehrer. Alle erwarten etwas, und ich weiß nicht, was ich will.
Ich drehe mich auf die Seite. Das Rauschen des Meeres füllt den Raum, dringt durch die geschlossenen Fenster. Ich ziehe die Decke höher, bis sie bis zum Kinn reicht.
Am Morgen wache ich auf, bevor der Wecker klingelt. Das Licht ist grau, die Sonne noch nicht über den Dünen. Ich liege still und höre auf mein Atmen. Dann stehe ich auf, ziehe mir eine Shorts und ein Shirt an, gehe barfuß in den Hauptraum.
Die Kaffeemaschine ist klein und alt, aber sie funktioniert. Ich fülle Wasser ein, setze einen Filter, schließe gemahlenen Kaffee ein. Während die Maschine gluckert und zischt, öffne ich die Terrassentür und trete hinaus.
Die Morgenluft ist kühl und feucht, der Sand auf der Terrasse noch taufrisch. Die Dünen liegen im Halbdunkel, das Strandhafer regungslos, der Wind noch nicht erwacht. In der Ferne höre ich das Meer.
Ich lege mich auf einen der Liegestühle, ziehe die Beine an, schlinge die Arme um die Knie. Der Kaffee dampft in der Tasse, die ich auf den kleinen Tisch gestellt habe. Ich warte auf den Tag.
Ein Geräusch vom Nachbarhaus. Eine Tür, die aufgeschoben wird. Schritte auf der Terrasse. Ich drehe den Kopf.
Die Frau kommt heraus, eine Tasse in der Hand. Sie trägt einen Bademantel aus dunkelgrünem Frottee, locker gebunden, die Haare noch zerzaust vom Schlaf. Sie setzt sich auf einen Stuhl auf ihrer Terrasse, die Beine übereinandergeschlagen, und blickt auf die Dünen.
Ich räuspere mich. Sie blickt auf.
„Guten Morgen", sage ich.
Sie lächelt, ein kurzes, waches Lächeln. „Guten Morgen." Ihr Deutsch hat einen leichten Akzent, die Vokale etwas weicher, die Konsonanten etwas schärfer. Niederländisch, denke ich. Oder vielleicht Flämisch.
„Schön hier", sage ich, und es klingt banal, aber mir fällt nichts Besseres ein.
„Ja." Sie trinkt aus ihrer Tasse. „Sehr ruhig. Bist du allein hier?"
„Ja. Nach dem Abitur... einfach mal raus."
Sie nickt, als verstünde sie. „Erste Mal hier?"
„Ja. Du?"
„Nein. Drittes Jahr." Sie stellt die Tasse ab. „Ich komme immer im Juni. Wenn es noch leer ist."
Wir schweigen. Der Wind kommt auf, schiebt das Strandhafer hin und her. Die Sonne steigt über die Dünen, und das Licht fällt golden über die Landschaft, wirft lange Schatten.
„Ich bin Mareike", sage ich.
„Claire." Sie hebt ihre Tasse leicht, eine Geste, die gleichzeitig Gruß und Anerkennung ist. Dann wendet sie sich den Dünen zu, und das Gespräch ist beendet.
Ich verbringe den Vormittag am Strand. Das Wasser ist zu kalt zum Schwimmen, aber ich watte bis zu den Knien ein, lasse das Salzwasser meine Haut trocknen, den Sand zwischen meinen Zehen. Ich lese, halb auf einem Handtuch liegend, das Buch, das gestern Abend noch nicht funktionieren wollte. Jetzt, im Sonnenlicht, mit dem Rauschen der Wellen, fließen die Sätze leichter.
Gegen Mittag gehe ich zurück. Der Weg durch die Dünen ist warm, der Sand trocken unter meinen Füßen. Ich trage meine Badesachen – ein einfaches schwarzes Zweiteiler, nichts Auffälliges. Der obere Teil sitzt fest über meiner Brust, der untere Teil hüfttief. Das Piercing glänzt im Sonnenlicht, wenn ich das Top hebe, um mich die Sonne auf den Bauch lassen.
Auf der Terrasse meines Hauses trockne ich mich ab, ziehe mir den Rock über die Badehosen an, lasse das Top an. Die Sonne wärmt meine Schultern, und ich lehne mich zurück, die Augen geschlossen.
Ein leises Klappen. Ich öffne die Augen. Claire steht auf ihrer Terrasse, eine Sonnenbrille auf der Nase, ein Buch in der Hand. Sie trägt einen Badeanzug – einteilig, dunkelblau, der ihren Körper straff umschließt. Ihr Körper ist... ich betrachte ihn, ohne recht zu wissen, warum. Sie ist schlank, aber nicht mager. Die Schultern gerade, die Taille deutlich, die Hüften weich gerundet. Der Badeanzug betont die Linie ihres Körpers, ohne viel zu zeigen. Ihre Beine sind lang, die Waden muskulös, als ginge sie viel zu Fuß.
Sie setzt sich auf einen Liegestuhl, schlägt das Buch auf. Sie scheint mein Betrachten nicht zu bemerken. Oder sie ignoriert es.
Ich wende den Blick ab, schließe die Augen wieder. Aber hinter meinen Lidern bleibt das Bild: die gerade Haltung, die Linie der Schultern, die Art, wie das Sonnenlicht auf ihrer Haut lag.
Der Nachmittag vergeht langsam. Ich gehe spazieren, entlang der Küste, über den Strand, bis die Häuser klein in der Ferne stehen. Der Wind frischt auf, und die Wellen brechen höher, weißer, lauter. Ich gehe bis zu einer kleinen Bucht, setze mich auf einen Felsen, ziehe die Knie an. Das Salzwasser sprüht mir ins Gesicht, und ich schmecke es auf den Lippen.
Ich denke an nichts. Zum ersten Mal denke ich an nichts.
Auf dem Rückweg treffe ich Claire. Sie kommt mir entgegen, auf dem Strand, barfuß, die Schuhe in der Hand. Sie trägt eine weite Leinenhose und ein weißes Shirt, das im Wind flattert. Ihr Haar ist offen, dunkel, windzerzaust.
„Du warst lange weg", sagt sie, als wir nebeneinander gehen.
„Ich habe nicht auf die Uhr geschaut."
Sie lacht, ein kurzes, helles Lachen. „Das ist der beste Grund."
Wir gehen schweigend nebeneinander, den nassen Sand unter den Füßen, die Wellen neben uns. Die Sonne steht tief, färbt den Himmel orange und rosa. Unsere Wege trennen sich an den Dünen, sie geht voraus, ich folge. Am Haus angekommen, hält sie kurz.
„Wenn du Lust hast – ich koche abends immer zu viel. Du kannst gerne mitessen."
Ich zögere. Dann nicke ich. „Gerne."
„In einer Stunde? Bei mir?"
„In Ordnung."
Sie geht in ihr Haus, und ich bleibe auf meiner Terrasse stehen, die Hand an der Tür, und blicke ihr nach.
Ich dusche, ziehe mir ein sauberes Top und eine Jeans an. Ich kämme mein Haar – was nicht viel bedeutet bei der Länge. Ich betrachte mich im Spiegel, ziehe das Top gerade, das den Bauch frei lässt. Das Piercing glänzt. Ich lege eine Hand auf meinen Unterbauch, die Fingerspitzen berühren den kühlen Stein. Dann lasse ich die Hand fallen und gehe hinaus.
Es ist dunkel geworden, nur die Lichter der beiden Häuser erhellen die Dünenlandschaft. Der Weg zwischen den Häusern ist kurz – zwanzig Schritte über den weichen Boden, vorbei an der Hecke, die die Grundstücke trennt. Ich trete an ihre Terrassentür und klopfe.
„Herein", ruft sie.
Ich schiebe die Tür auf und trete ein.
Das Innere ihres Hauses ist größer als meines, aber ähnlich eingerichtet. Holzfußboden, weiße Wände, eine offene Küche. Der Tisch ist gedeckt – zwei Teller, zwei Gläser, eine Flasche Wein. Es riecht nach Knoblauch, Tomaten, Basilikum. Claire steht am Herd, eine Pfanne in der Hand, und wendet etwas, das nach Fisch aussieht.
„Rotbarsch", sagt sie, ohne sich umzudrehen. „Frisch heute Morgen vom Markt in Callantsoog."
„Ich kenne Callantsoog nicht."
„Das nächste Dorf. Zehn Minuten mit dem Auto. Da gibt es einen kleinen Fischmarkt am Hafen." Sie dreht sich um, lächelt. „Setz dich. Es ist gleich fertig."
Ich setze mich an den Tisch. Sie schenkt mir Wein ein – ein Weißer, kühl, trocken. Ich trinke einen Schluck, und der Wein ist gut, leicht, fruchtig.
Sie stellt die Pfanne auf den Tisch, dazu eine Schüssel mit Salat, Brot, Olivenöl. Sie setzt sich mir gegenüber.
„Zum Wohl."
„Zum Wohl."
Wir essen. Der Fisch ist zart, der Salat frisch, das Brot knusprig. Wir reden wenig, aber das Schweigen ist nicht unangenehm. Es ist das Schweigen zweier Menschen, die einander noch nicht kennen, aber die Stille teilen können.
Nach dem Essen lehnt sie sich zurück, das Glas in der Hand, und betrachtet mich. Ihre Augen sind dunkel – braun, fast schwarz im Kerzenlicht. Zwei Kerzen stehen auf dem Tisch, werfen warmes Licht auf ihr Gesicht.
„Was machst du, wenn du nicht in den Dünen liegst?" fragt sie.
„Ich... weiß es nicht. Ich habe gerade Abitur gemacht. Ich weiß nicht, was ich studieren soll. Oder ob ich studieren soll. Ich weiß überhaupt nichts."
Sie nickt langsam. „Das ist nicht schlimm."
„Es fühlt sich schlimm an."
„Alles, was man nicht weiß, fühlt sich schlimm an. Bis man es weiß." Sie trinkt. „Oder bis man aufhört, es wissen zu müssen."
Ich betrachte sie über den Rand meines Glases. Das Kerzenlicht zeichnet Schatten auf ihr Gesicht, und ich sehe Linien, die mir am Morgen nicht aufgefallen waren – feine Fältchen um die Augen, eine leichte Zeichnung um den Mund. Sie ist älter, als ich geschätzt habe. Mitte vierzig, vielleicht mehr. Aber das Licht fällt günstig, und die Linien geben ihrem Gesicht etwas, das mir an meinem eigenen fehlt – Tiefe, vielleicht. Bestimmtheit.
Sie steht auf, nimmt die Teller, stellt sie in die Spüle. Ich helfe ihr, und unsere Hände berühren sich, als ich ihr ein Glas abnehme. Ein kurzer Kontakt, ihre Haut kühl vom Wasser, meine warm. Ich ziehe die Hand nicht sofort zurück.
Sie blickt auf unsere Hände. Dann auf mein Gesicht. Einen Moment lang steht die Zeit still, das Wasser rauscht leise im Hintergrund, und ihre Augen halten meinen Blick fest. Dann wendet sie sich ab, trocknet die Hände ab.
„Es wird spät", sagt sie. „Du solltest schlafen."
Ich nicke. „Danke für das Essen."
„Gern."
Ich gehe zur Tür, trete hinaus, in die kühle Nachtluft. Der Himmel ist voller Sterne, mehr als ich je gesehen habe. Ich bleibe stehen, blicke hinauf, atme tief ein.
Hinter mir schließt sich ihre Tür. Ich höre ihre Schritte im Haus, das Licht geht aus. Nur das Licht im Schlafzimmer brennt noch, hinter Gardinen, die nicht ganz geschlossen sind. Ein schmaler Streifen Licht fällt auf den Weg zwischen den Häusern.
Ich gehe zurück zu meinem Haus, schließe die Tür hinter mir. Im Schlafzimmer ziehe ich mir die Jeans aus, das Top, lege mich in Bett. Die Bettwäsche ist kühl, und ich zittere leicht, obwohl es nicht kalt ist.
Ich liege auf dem Rücken, die Hände auf dem Bauch, die Fingerspitzen auf dem Piercing. Meine Haut ist warm, und ich spüre mein Herz schlagen, langsam, gleichmäßig. Das Rauschen des Meeres draußen. Das Licht im Nachbarhaus, das durch den schmalen Spalt der Gardinen fällt.
Ich schließe die Augen. Meine Finger bewegen sich langsam, zeichnen Kreise um das kleine Metall. Ich spüre die Wärme unter meiner Haut, das leise Pulsieren, das sich ausbreitet. Ich atme tief ein, aus. Meine Oberschenkel pressen sich zusammen, entspannen sich wieder.
Dann ziehe ich die Hand weg, drehe mich auf die Seite, schließe die Augen fester. Der Schlaf kommt langsam, zögernd, und die Bilder des Tages – die Dünen, das Meer, Claires Augen im Kerzenlicht – fließen ineinander, bis alles verschwimmt und still wird.
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