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Die „Traumfrau“ aus dem Inserat (fm:Romantisch, 24601 Wörter)

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Veröffentlicht: Oct 20 2026 Gesehen / Gelesen: 0 / 0 [0%] Bewertung Geschichte: 0.00 (0 Stimmen)
Es begann mit einer Annonce. Eine romantische Erotikgeschichte mit tragikomischer Note über die Höhen und Tiefen einer Partnervermittlung, die nur das Leben schreiben kann. Ehrlich, kompromisslos, erregend. Ein Volltreffer!


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Kapitel 1

„Sympathische, kurvige Traumfrau (35, 163 cm) mit langer schwarzer Mähne sucht einen echten Mann, der keine Modelmaße braucht, sondern sich nach einem bodenständigen weiblichen Wesen mit bezauberndem Lächeln sehnt. Bei mir findest du alles, was dein Herz begehrt. Ich bin eine stolze Genussraucherin, herrlich unkompliziert und frei von Alltagsstress. Bei mir zählen Herzlichkeit und Humor mehr als Statussymbole oder Zeugnisse. Wenn dich (vielleicht selbst Nichtraucher?) mein Laster nicht stört, du mich riechen kannst und dich gerne an meinen barocken, weichen Rundungen anschmiegen und leidenschaftlichen Kuschelsex erleben möchtest, weil du eine authentische Partnerin für eine gemeinsame Zukunft suchst, lass uns bei einer gemütlichen Zigarette herausfinden, ob es zwischen uns funkt!“

Mein Blick blieb an dieser Anzeige kleben.

Ich hatte die Krone wie an jedem Sonntagmorgen aus dem keine 50 Meter von meinem Wohnhaus entfernten Zeitungsständer gezogen. Eine Zeitung für jedermann – vom Hausmeister bis zum Universitätsprofessor, wie jeder Wiener weiß. 30 Euro im Jahr kostete mich das Abo, ein Betrag, über den ich nie lange nachgedacht hatte. Es gehörte einfach zu meinem Sonntag dazu. Kaffee aufsetzen, die Zeitung auseinanderfalten, zuerst Politik, dann Wirtschaft, ein kurzer Blick auf den Sport, ins Fernsehprogramm und schließlich – fast schon aus Gewohnheit – die Partnersuchinserate.

Eigentlich wusste ich schon vorher, was mich dort erwartete: „Sie, 71, verwitwet, hofft auf den zweiten Frühling“, „Er, 68, naturverbunden, auf dem Weg zu neuen Gipfeln, sucht weibliche Begleitung“, „Junggebliebene Pensionistin (78) sehnt sich nach passendem Gegenstück“, „Rüstiger 85er hat noch eine Menge vor, zusammen mit dir, einer Frau, die mitten im Leben steht!“

Nichts dagegen. Jeder Mensch hatte das Recht auf sein Glück, egal, in welchem Alter. Trotzdem hatte ich die Seite in den letzten Jahren immer nur aus Neugier überflogen. Dass ein Herzblatt für mich dabei wäre – unrealistisch. Fast ausschließlich Damen und Herren im Pensionsalter suchten dort per Inserat nach einem neuen Lebensabschnitt zu zweit. Für jemanden in den Dreißigern wie mich schien diese Rubrik schon lange nicht mehr gemacht zu sein.

Bis heute. Mein Atem stockte. Ich las die Anzeige ein zweites Mal. Dann ein drittes. Und beim vierten Mal begann ich spontan zu lächeln.

Eine Frau. 35 Jahre alt, also tatsächlich in meinem Alter. Nein, sogar noch etwas jünger. Und was für eine Anzeige das war!

Sie klang nicht geschniegelt wie die glatt polierten Profile auf den Dating-Plattformen, auf denen jeder möglichst perfekt wirken wollte. Kein Wort von Fernreisen, Marathonläufen, Fine Dining oder Self-Optimierung. Keine endlosen Listen an Anforderungen. Keine Phrasen darüber, dass sie nur jemanden suche, der „mit beiden Beinen im Leben“ stehe, Adelstitel oder wenigstens ein paar Millionen auf dem Konto vorzuweisen habe, „emotionale Reife“ besitze oder mit mindestens drei exotischen Hobbys prahlen könne.

Diese Frau hier schrieb einfach, wie ihr der Schnabel gewachsen war. Sie bekannte sich ohne Umschweife dazu, dass sie rauchte. Sie schrieb offen über ihre kurvige Figur, ohne sich dafür zu entschuldigen. Sie stellte Herzlichkeit über Statussymbole, Humor über Zeugnisse, Ehrlichkeit über Perfektion.

Und mit jeder Zeile hatte ich mehr das Gefühl, dass dort kein Werbetext stand, sondern ein echter Mensch sprach. Jemand, der keine Rolle spielte, sondern einfach er selbst war.

Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück und ließ die Zeitung langsam sinken.

„Bei mir findest du alles, was dein Herz begehrt.“ Natürlich wusste ich, dass man so etwas nicht wörtlich nehmen durfte. Eine Kontaktanzeige war schließlich Marketing in eigener Sache. Trotzdem berührten mich diese Worte auf eine Weise, die ich mir selbst kaum erklären konnte. Vielleicht, weil sie Hoffnung ausstrahlten. Vielleicht, weil sie so

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