Tischler x 2 (fm:Dreier, 17690 Wörter) [7/7] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Corda54 | ||
| Veröffentlicht: Oct 31 2026 | Gesehen / Gelesen: 728 / 549 [75%] | Bewertung Teil: 9.82 (22 Stimmen) |
| Ein Oldtimer ist schön, viele sind schöner, eigentlich verbotene Werbung im Gericht, was wird mit Karin, kommt Helena wieder in die Spur?, ein Prozess wird abgeschlossen, zwei lernunwillige Übeltäter lassen sich gleich 2 x erwischen | ||
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wartet er heute noch.
Die Pensionswirtin, bei der wir uns eingemietet hatten, hatte glücklicherweise unsere Sachen noch aufgehoben. Darunter war auch mein Handy. Wir waren gerade rechtzeitig zurückgekommen als meine Mutter anrief, ich solle nach Haus kommen, sie wolle sich von meinem Vater trennen und rechne damit, dass er ihr und mir dann sofort sämtliche Geldmittel sperren würde. Also zur Botschaft, Ersatzausweise und Überbrückungsgeld besorgt, den Heimflug für uns gebucht und ab nach Haus. Nach unserem Auszug aus der Villa kam es so wie vorausgesehen: wir hatten keine gültigen Kreditkarten mehr, keinen Zugriff auf die Konten. Meine Mutter hatte das geahnt, ein wenig Bares auf die Seite geschafft. Als mein Freund mitbekam, dass ich jetzt eher auf seine Unterstützung angewiesen war und nicht mehr alles zahlen konnte, zeigte er sein wahres Gesicht und trennte sich von mir.
Studieren wollte ich Medizin. Ein Studienplatz war bei meiner Abinote kein Problem. Nur fehlte mir jetzt das Geld für das Studium. Mein Traum war sicher nicht der erste, der deswegen baden ging.“
Man sah wie ihr die Tränen kamen. Sie wollte es verbergen, aber vergeblich. Ich reichte ihr ein Taschentuch. In diesem Moment klopfte es und nach dem obligatorischen „Herein“ trat Fritz ein.
„Fritz, ich müsste Dich mal dringend unter vier Augen sprechen und Dieter, sei mir nicht böse, aber wenn das klappt sind die beiden schneller weg als wie sie angekommen sind.“
Ich ging mit Fritz in das Gartenzimmer, einfach weil das am nächsten war, setzte mich aufs Bett, bat ihn Gleiches zu tun.
„Fritz, brauchst Du Personal, das gleich mehrere Fremdsprachen beherrscht?“
„Welche Sprachen?“
Ich nannte die von den Frauen angegebenen Sprachen. Er war begeistert, auch nachdem ich darauf hinwies, dass die Tochter gern Medizin studieren würde und daher für den Betrieb – wenn überhaupt – nur aushilfsweise zur Verfügung stehen würde. Wir gingen wieder zurück.
„Dieter, sei uns nicht böse, aber es kann gut sein, dass Du auf die beiden verzichten musst.“
„Wieso? Läuft da wieder so eine Rettungsaktion wie damals bei Helena oder Lydia?“
„Wenn es klappt, ja.“
Ich riss das Heft des Handelns wieder an mich. „Carmen, gehst Du bitte mal nach oben und holst Deine Mutter runter?“
Carmen rannte förmlich los.
„Dieter, kurze Erklärung. Die beiden Frauen sind wahre Sprachgenies, Die eine spricht 5, die andere sogar 6 oder, je nach Betrachtungsweise, 7 Sprachen. Fritz sucht händeringend solches Personal. Die hier zu lassen bzw. nicht über eine solche Chance zu informieren wäre unverantwortlich und würde auch nicht zu Dir passen. Ich bin daher etwas vorgeprescht, aber der Zufall, dass Fritz ausgerechnet heute auch hier ist, den musste ich nutzen.“
Fritz bestätigte. „Da war wirklich Eile geboten. Ich wäre in 5 Minuten aus dem Haus und dann alles weit umständlicher gewesen.“
Dieter gab klein bei. „Ist ja richtig und dann war es im Nachhinein betrachtet auch richtig sofort zu handeln statt mich erst zu informieren und dann nur noch das Rücklicht Deines Fahrzeugs zu sehen.“
Bianca und Carmen kamen hereingestürmt, letztere sichtlich aus der Puste, erstere, als sie mich sah, überrascht, sichtbar erfreut und wollte sich auf mich stürzen, sicher um mir einen Kuss zu geben. In Anbetracht des ihr fremden Fritz hielt sie sich dann aber mit sichtbarer Mühe zurück.
Dieter lächelte. „Bianca, mehrere Mädels haben mir erzählt was sie vorm Zimmer gehört haben und wie Du Dich von Robert verabschiedet hast. Mach ruhig.“
Sie kam auf mich zu, drückte mir einen ganz zärtlichen auf, ließ die Zunge spielen. Einer in meiner Körpermitte wollte schon seine Arbeitsbereitschaft signalisieren. Ich küsste sie zurück, flüsterte ihr dann aber ins Ohr „wenn Du so weitermachst ziehe ich Dich ins nächste Zimmer und da kommst Du dann vor Ablauf einer Stunde nicht wieder raus!“
So ganz leise war ich wohl nicht. Jedenfalls hatten die Anderen das gehört, Bianca spielte Streichholz: schlank, lang und mit tiefrotem Kopf. Von Carmen kam ein erstaunter Zwischenruf: „Mama, was ist das, was hat er mit Dir gemacht?“
„Kind, er hat mich vorhin eineinhalb oder zwei Stunden im Zimmer gehabt und in den Himmel geschossen, das sogar mehrmals. Es war herrlich! Mit deinem Vater habe ich nie einen Orgasmus gehabt, mit ihm gleich drei oder vier. Du kannst dir nicht vorstellen wie ich mich gefühlt habe. Und als ich nach oben kam – Du hättest sehen sollen wie die anderen Frauen, die gerade oben waren, gegrinst haben. Die kannten ihn alle und wussten, dass er seine Bettgenossin mit Vorliebe so in die Wolken schickt. Sie muss sich nur auf ihn einlassen. Dazu kommt, dass er auch zuhören kann. Ich habe ihm von uns erzählt und hatte sofort den Eindruck, dass er sich seine Gedanken dazu macht. Aber warum habt Ihr mich wieder herunter gebeten?“
Fritz saß bisher still da. Jetzt übernahm er. „Sie wollten beide als Prostituierte hier anfangen. War das Ihre einzige Option oder gab es auch andere Wünsche?
„Andere Wünsche schon, aber keine Möglichkeiten, die sich soweit umsetzen ließen, dass sie uns ein Einkommen sicherten von dem das Überleben möglich war und schon gar keine, die es meiner Tochter ermöglicht hätten ein doch sehr zeitaufwändiges und kostenträchtiges Medizinstudium abzuschließen.“
„Sie sprechen beide mehrere Fremdsprachen? Nur sprechen oder auch schreiben?“
„Beide neben Englisch auch Französisch, Spanisch, Italienisch, meine Tochter auch Latein, alles in Wort und Schrift, Sprachniveau auf jeden Fall ausreichend für den Alltagsgebrauch, sowie meine Tochter auch Portugiesisch, aber nur sprechend, nicht bzw. nur wenige Worte schreibend.“
„Ich bin Chef einer kleineren Hotelkette. Wir haben eine zentrale Zimmerverwaltung. Bei Anrufen oder schriftlichen Anfragen aus dem Ausland mussten wir uns bisher mit teils recht eingeschränkten Englischkenntnissen des vorhandenen Personals behelfen. Gewünscht ist schon lange die Gäste möglichst in ihrer Muttersprache anreden oder anschreiben zu können. Wären Sie an einem solchen Arbeitsplatz interessiert? Die Gehaltshöhe kann ich Ihnen aus dem Bauch heraus nicht nennen, sie würde aber auf jeden Fall ausreichen um ihnen beiden ein solides Leben zu ermöglichen und auch noch einiges übrig lassen um Ihrer studierenden Tochter etwas unter die Arme zu greifen. Diese würden wir zusätzlich als Vertretungs- oder Verstärkungskraft mit einem geringen Grundgehalt und einer Zusatzvergütung nach Leistungsstunden einstellen. Dazu das BAföG, das müsste eigentlich ausreichen um ohne materielle Sorgen das Studium aufnehmen zu können. Dazu kommt noch, dass bei uns im Ort gerade einige Zwei- und Dreizimmerwohnungen recht günstig zur Miete angeboten werden, so dass auch da keine große Kostenlast entsteht. Wären Sie an einem solchen Arbeitsplatz interessiert?“
„Ja, sofort, da brauche ich Carmen gar nicht erst zu fragen.“ Die nickte.
Fritz wandte sich an mich. „Und wie kriegen wir die zu mir? Ich bin mit einem Motorrad hier.“
„Kein Problem. Ich packe die beiden bei mir ein und bringe sie dann zu Dir. Gepäck werden sie nicht viel haben. Aber auf eines muss ich noch hinweisen. Ich habe den Verdacht, dass Biancas Exmann sie gewaltig beschissen hat. Er dürfte ihr Gütertrennung und Unterhaltsausschluss vorgespielt haben, ohne dass das tatsächlich der Fall war. Das ist jedenfalls der Eindruck, den ich aus dem gewonnen habe was mir Bianca erzahlt hat. Demnach ist es ein einfaches Schriftstück gewesen, das er im Rechner geschrieben und ausgedruckt, sie dann auf seinen Wunsch unterschrieben hat. Eine notarielle Beurkundung hat es nicht gegeben.“
Ich drehte mich in ihre Richtung, zwinkerte mit dem Auge. „Er hat also tatsächlich zugehört und sich seine Gedanken gemacht.“
Bianca wurde erneut rot, ich ging den einen Schritt zu ihr, drückte ihr einen aufs Stupsnäschen und wandte mich wieder Fritz zu.
„Ihr Ex hat während der Ehe eine Firma gegründet mit der er jetzt Geld ohne Ende scheffelt. Allein beim Zugewinnausgleich dürfte es um etliche Hunderttausend, wenn nicht sogar mehrere Millionen Euro gehen. Dazu kommt die Nachforderung der verweigerten Unterhaltszahlungen für seine Frau und seine Tochter, denn die dürfte wohl – auch in Anbetracht des vorgesehenen Studiums - ebenfalls noch länger unterhaltsberechtigt sein. Meine Idee ist, dass Heiner alle notwendigen Daten zusammensuchen könnte, diese aufbereitet, der Kanzlei zur Verfügung stellt und von dort Klage erhoben wird auf Änderung der Entscheidung über die Scheidungsfolgen sowie auf Nachzahlung der bislang verweigerten Gelder und laufender Zahlung der künftigen Unterhaltsleistungen. Du, Carmen, bräuchtest dann sicher kein Bafög mehr und könntest Deinem Ex bei passender Gelegenheit auch aufs Butterbrot schmieren was er aufgegeben hat.“
Ich wandte mich Bianca zu. „Nur zur Erklärung: ich habe selbst ein paar Semester Jura studiert, kenne mich daher ein wenig aus. Ein Freund von mir ist Volljurist, arbeitet für Fritz und kümmert sich um die streitigen Sachen bis zur Verfahrensstufe Amtsgericht. Eine sehr gute Anwaltskanzlei, die ich auch schon mehrmals beauftragte, führt die Sachen ab der Verfahrensstufe Landgericht.“
Bianca und Carmen fielen sich in die Arme, beide hatten heftig Wasser in den Augen. Carmen fasste sich als erste. „Ich komme mir vor als wäre Weihnachten und Ostern heute auf einen Tag gefallen“ schniefte sie, das Echo kam von ihrer Mutter „ich auch! Aber Robert, Du brauchst uns nicht zu fahren. Wir sind mit unserem Auto hier und das wird den Weg sicher schaffen. Ein Navi haben wir auch. Aber vielen Dank für das Angebot!“
Mit Carmen in die Kiste, das hätte interessant werden können, war aber zumindest nach der ursprünglichen Intention nunmehr sinnlos geworden und einfach so zum Spaß an der Freude scheiterte schon daran, dass sie nun weder als Prostituierte tätig werden würde noch mit mir befreundet war. Ich kündigte daher an, dass ich wieder in den Clubraum gehen und danach vielleicht noch die eine oder andere Lady in den Arm nehmen wollte.
An der Theke ließ ich mir einen Kaffee geben, schnackte eine Runde mit dem Mädel, das gerade dort eingeteilt war, und ging mit einem Glas Brause ins Esszimmer, die verbrauchten Kalorien ersetzen. Frisch gestärkt führte mich mein Weg ohne konkretes Ziel nach einem Abstecher in die Abteilung für gebrauchte Getränke an den Zimmern vorbei nach hinten. Etliche Zimmer waren besetzt, stellte ich erstaunt fest. Es war total an mir vorbei gegangen, dass offenbar in den letzten Stunden nicht nur ein paar Männer und Heike, sondern etliche weitere Gäste eingetroffen waren.
Dieser ganz gemütliche Spaziergang endete schließlich vor der Tür der Sauna. Gute Idee! Ein Handtuch geschnappt, den Bademantel ausgezogen, ins Fach gelegt und hinein. Drinnen saßen schon zwei Gäste und zu meinem Erstaunen auch eine der Frauen. Sie unterhielten sich offenbar sehr angeregt, waren aber sofort still als ich in den Raum kam. Einer der Männer sprach mich an.
„Die junge Dame erzählte uns gerade, dass hier vor ein paar Monaten eine ganze Gruppe Schwerverbrecher dingfest gemacht wurde, in der Folge an anderer Stelle entführte Frauen befreit werden konnten und zur Zeit ein großer Prozess vorm Landgericht läuft, in dem sie gleich zu Anfang wie auch die meisten der anderen Frauen hier als Zeugin aussagen musste. Wissen Sie etwas Genaueres darüber?“
„Ja, durchaus. Was möchten Sie denn wissen?“
„Na ja, was da alles genau passiert ist, was inzwischen alles im Prozess herausgekommen ist, wie es den Frauen geht, wie lange der Prozess noch dauert und wann die Urteile zu erwarten sind.“
„So wie Sie fragen habe ich den Eindruck, dass es sich bei Ihnen um Journalisten handelt. Ein Interview zum gegenwärtigen Erkenntnisstand werde ich Ihnen sicher nicht geben. Und Sie brauchen sich auch gar nicht weiter anzustrengen die Leute hier auszuhorchen. Der einzige von denen die im Haus sind, der nähere Kenntnis über den aktuellen Stand des Prozesses hat, bin ich und was damals hier passiert ist stand danach in allen Zeitungen. Mehr wissen die Frauen und der Inhaber des Clubs auch nicht. Stören Sie bitte den Frieden im Club nicht und unterlassen Sie weitere Versuche sich hier Informationen dazu zu beschaffen. Das hier ist nicht die richtige Umgebung dafür. Wenn Sie Infos haben wollen kommen Sie als einfacher Zuschauer oder als Pressevertreter zu den Verhandlungsterminen. Die sind in der Regel am Montag und am Mittwoch. Machen Sie hier die Leute verrückt werden Sie staunen wie schnell jemand an die Luft gesetzt werden kann!“
„Nun spielen Sie sich mal nicht so auf! Der Chef sieht anders aus, das wissen wir zufällig. Und wenn Sie weiterhin große Töne spucken kriegen Sie welche aufs Maul. Wir machen das was wir wollen und damit hat es sich!“
„Das würde ich mir an Eurer Stelle gut überlegen. Er ist der beste Freund vom Chef und der Anführer der Gruppe, die die bewaffneten Verbrecher so zugerichtet hat, dass die Polizei die nur noch einsammeln musste. Er und seine Freunde waren selbst nicht einmal bewaffnet. Das ging alles so blitzschnell, ich habe nur noch gestaunt. Und im Prozess haben sie dann gesagt, dass sie nicht einmal richtig zugelangt haben“ warf die Kleine ein.
„Mädchen, soviel Erklärung sind die beiden nicht wert. Du gehst bitte nach vorn und informierst Dieter, dass ich eben zwei sensationslüsterne Reporter rausgeschmissen habe. Und Sie meine Herren, werden jetzt mir jetzt zeigen, welche Bademäntel zu Ihnen gehören, die aber erst anziehen können nachdem ich sie durchsucht habe. Und wehe ich finde da irgendwelche Geräte zur Bild- oder Tonaufnahme. Dann geht es Ihnen richtig schlecht!“
Sie machte sich gleich auf den Weg, die beiden Dummköpfe standen vor den Fächern in denen die Bademäntel lagen.
„Können Sie sich nicht entscheiden? Ganz einfach. Ich nehme dann beide an mich. Die Spindschlüssel werden, da Sie sie nicht in der Hand haben, sicher in den Taschen sein. Dann werden die Spinde in Gegenwart mehrerer Zeugen aus dem Gästebereich aufgeschlossen. Zumindest der Führerschein wird dort gefunden werden und dann wissen wir auch welcher Bademantel zu welcher Person gehört.“
In dem Moment kann Dieter angestürmt, hatte die letzten Sätze noch mitbekommen. „danke, Robert, hast mal wieder genau das Richtige gemacht!“ Zu den beiden Männern gewandt sagte er nur, sie hätten ihre Chance gehabt.
Vorn war sicher aufgefallen, dass Dieter Knall auf Fall losgelaufen war. Das hatte soviel Aufmerksamkeit ausgelöst, dass jetzt mehrere Frauen und etliche Gäste im Raum standen und gespannt verfolgten was passierte.
Ich hatte mir inzwischen die Bademäntel geschnappt und sie an den Taschen von außen abgetastet. Die Fernsehkrimis ließen grüßen, so waren meine Fingerprints sicher nicht auf den harten Gegenständen, die ich erfühlt hatte.
Ich wandte mich an die Gäste. „Meine Herren, hier in den Taschen befinden sich außer den Spindschlüsseln auch andere harte Gegenstände. Der Form nach könnten es USB-Sticks sein. Ich habe Grund zur Annahme, dass es sich um Kameras oder Tonaufzeichnungsgeräte handelt. Der Verdacht, dass sich da schon Aufnahmen drauf befinden, liegt nahe. Abgesehen davon, dass das Mitführen solcher Geräte nach den Clubregeln nicht erlaubt ist, wären Foto-, Film- oder Tonaufnahmen auch ein Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht jeder erkennbaren Person. In dem hier zu vermutenden Umfang gehe ich von einer Straftat aus. Zudem wurde mir von den beiden vorhin angedroht ich würde von ihnen welche aufs Maul bekommen, das heißt hier steht auch der Vorwurf der Nötigung im Raum, obwohl mir diese Drohung letztlich nur ein müdes Lächeln entlocken konnte. Unmittelbare Zeuginnen des Vorfalls gab es immerhin eine. Ich habe vor um Entsendung einer Polizeistreife zu bitten, in deren Anwesenheit der Spind geöffnet und durchsucht werden soll. Die beiden Geräte bleiben solange in den Bademänteln, sollen auch erst in Gegenwart der Polizisten daraus entnommen und überprüft werden. Es kann sein, dass die Streife die Personalien auch der Leute aufnimmt, die nicht am Ereignis beteiligt waren. Für die ist ausreichend Zeit jetzt den Verschwindibus zu machen. Dieter, hast Du einen Stempel im Haus?“
„Könnte sein, dass ich noch einen habe.“
„Dann hole bitte den und ein Stempelkissen. Die Gäste, die das Haus verlassen möchten, bekommen einen Stempelabdruck auf den Handrücken und können nach Abzug der Polizisten zurückkommen. Sie, meine Herren, bitte ich wegen der Aufregung um Nachsicht, aber auf das Fehlverhalten manch eines unwillkommenen Gastes hat der Club leider keinen Einfluss.“
Dieter bat Andrea oben Bescheid zu sagen Cordula möge bitte Stempel und Stempelkissen suchen und runterbringen. Ich schickte eines der Mädchen nach vorn um Ersatzbademäntel für die beiden Journalisten zu holen. Als sie die übergezogen hatten ging die ganze Meute nach vorn. Dieter hatte inzwischen bei der Polizei angerufen. Keine halbe Stunde später traf eine, kurz danach eine zweite Streife ein. Ich sah die beiden Männer aus dem zuerst angekommenen Fahrzeug und fing an zu lachen. Sie schienen ein Abo auf Fälle im Zusammenhang mit dem Club zu haben. Sie fanden es auch lustig.
Die beiden Übeltäter bequemten sich nun dazu anzugeben welcher Bademantel wem zuzuordnen war. Die Polizisten nahmen Fingerhandschuhe und Asservatenbeutel aus einer Tasche, fassten in die Seitentaschen der Bademäntel und holten tatsächlich aus jeder eine USB-Kamera heraus, packten sie in je einen der Beutel. Zwischenzeitlich war auch eingeräumt worden, dass Filmaufnahmen gemacht wurden. Anhand der Schlüssel in den jeweils anderen Bademanteltaschen war auch klar welche Kamera zu welchem Spind und, nachdem in den Hosen verschiedene Ausweise gefunden wurden, welcher Spind welchem Täter zuzuordnen war. Zwar hatten sie das schon eingeräumt, aber so war nun auch ein Sachbeweis da. Beide zogen sich an, wurden abgeführt und durften eine Fahrt zum Polizeipräsidium in einem Polizeiwagen genießen, natürlich getrennt voneinander. Kurz nach deren Abfahrt kamen die wenigen Gäste, die vorsichtshalber das Haus verlassen hatten, wieder zurück. Der Abend konnte weitergehen.
Ich hatte jetzt richtig Lust auf Sauna, ging rein und war dort allein, aber nur für kurze Zeit. Andrea gesellte sich zu mir, fragte ob sie bleiben dürfe. Natürlich. Erst schwiegen wir uns an, dann bat sie mich sie in den Arm zu nehmen.
„Nein, Andrea. Das werde ich nicht machen. Ich habe Gnade vor Recht ergehen lassen, damit Du hier bleiben kannst. Aber irgendwelche Zärtlichkeiten mit Dir, das kann ich mir nicht mehr vorstellen.“
Ihr kamen die Tränen. „Ich hoffte darauf von Dir wenigstens in den Arm genommen zu werden. Aber als ich eben sah wie konsequent Du mit den Reportern umgesprungen bist, da wusste ich, dass es aussichtslos ist. Aber ich verstehe Dich.“ Weinend verließ sie die Sauna.
Unmittelbar darauf ging die Tür wieder auf, Heike kam herein.
„Endlich finde ich Dich. Ich will mit Dir ficken. Komm, wir gehen ins Spiegelzimmer. Das magst Du doch auch gern, habe ich gehört.“
„Heike, ich habe Dir schon einmal gesagt, dass ich hier nur mit den Frauen vom Club in die Kiste gehe. Sollte es da mal eine Ausnahme geben ist das eine Entscheidung von mir, aber nicht von Dir! Du kannst hier vögeln mit wem Du willst, vorausgesetzt der Partner oder auch die Partnerin stimmen zu. Aber Du forderst und ich habe zuzustimmen, das gibt es nicht!“
„Ach was, ich mache Dich jetzt geil und dann gehen wir ins Zimmer.“
Sie setzte sich mir gegenüber auf die Bank, spreizte die Beine, streichelte ihre Scheide, verwöhnte mit der anderen Hand eine Brust. Das ging einige Zeit, zwischendurch wechselten die Hände ihre Aufgaben, die Tätigkeiten blieben dieselben. Ich konnte erkennen, dass sich in ihrer Spalte immer mehr Feuchtigkeit sammelte. Bald gab es auch eine akustische Untermalung und irgendwann hatte sie wohl ganz abgeschaltet, schloss die Augen. Es war absehbar, sie würde sich bis zum Orgasmus bringen. Bei mir tat sich gar nichts. Ich war von mir selbst überrascht, hätte nie gedacht, dass mich ein derartiges Schauspiel so kalt lassen würde. Schließlich kam sie, öffnete danach die Augen, der erste Blick galt meiner Körpermitte.
„Schlappschwanz!“
„Wenn Du das meinst, meinetwegen. Aber das ist mir sowas von egal. Bei mir hat der Kopf das Sagen über den Körper und wenn es bei Dir anders ist – und den Eindruck habe ich, sonst würdest Du Dich nicht jedem Kerl an den Hals schmeißen - dann ist das Dein, aber nicht mein Problem.“
Sie blieb stumm, dachte einen Moment nach und stand auf, ging zur Tür. Erst da bemerkte ich, dass sie nicht ganz geschlossen war.
Kaum war Heike verschwunden ging die Tür erneut auf, aber anstelle der fast erwarteten Heike erschien Carmen.
„Was war denn das eben? Die wollte Dich unbedingt in die Kiste kriegen und Du wolltest nicht? War das die Frau die vorhin geklingelt hat, also auch ein Gast?“
„Ja und ja. Aber weitergehende Auskünfte zu Gästen gibt es auch für Dich nicht.“
„Das ist voll in Ordnung. Ich bin auch aus einem ganz anderen Grund hier.“
„Und der wäre?“
„Ich möchte mit Dir dasselbe erleben was Du mit meiner Mutter gemacht hast. Ich möchte ebenso wie sie von Dir in den Himmel geschossen werden.“
„Carmen, es tut mir Leid, aber die Voraussetzungen dafür liegen nicht mehr vor. Mit Deiner Mutter war ich unter der Prämisse zusammen, dass Ihr hier als Prostituierte arbeiten werdet. Das hat sich vorhin geändert. Außerdem ist eine einfache Wiederholung sowieso nicht möglich, denn jeder Mensch reagiert anders auf andere Personen. Ein solches Erlebnis kann man also nicht wie im Büro einfach auf den Kopierer legen und dann kommt ein Abbild 1 : 1 heraus.
Ich habe mir vorgenommen hier im Haus nur mit den Frauen ins Zimmer zu gehen, die hier arbeiten. Du wirst ein Studium aufnehmen und wahrscheinlich auch in der Firma von Fritz angestellt werden. Hier arbeiten wirst Du nicht. Ich habe mir, als ich Dich sah, Sex mit Dir auch richtig reizvoll vorgestellt, aber dem ist die Grundlage entzogen. Wir können gern zusammen in der Sauna oder im Pool sitzen, uns unterhalten, aber Sex mit Dir werde ich nicht haben.“
Erwartungsgemäß zeigte sie sich enttäuscht, akzeptierte aber meine Einstellung. Wir gingen dann in den Pool, unterhielten uns einige Zeit bis ich mich verabschiedete und nach Haus fuhr.
Zuhause bekam Helena meinen obligatorischen Bericht zu hören, erzählte ihrerseits, dass Karin ihren Umzug zu Jürgen und seinen Söhnen fast fertig vorbereitet und heute ihren Arbeitsvertrag erhalten hatte. Ab dem nächsten Ersten wäre sie in der Kita in Jürgens Dorf.
Helena besuchte in der letzten Zeit mehrfach die als Nachfolgerin für Karin gedachte Marion Jäger und gewann einen sehr guten Eindruck von ihr. Deren Tochter war gut ein Jahr jünger als Udo, der nun auch schon seinem zweiten Geburtstag entgegen sah. Nach einem mittelprächtigen Realschulabschluss begann sie eine Ausbildung bei einem Bäcker, flüchtete aber förmlich aus diesem Betrieb als ihr Chef scheinbar lieber mit ihr ein niedliches Baby statt kleiner Brötchen backen wollte. Einen neuen Ausbildungsplatz fand sie nicht, bewarb sich bei einem Cateringservice, wurde eingestellt und fühlte sich im Betrieb wohl. Chef und Kolleginnen mochten die fleißige und hilfsbereite junge Frau. Zufällig fand sie dann auch noch eine kleine Wohnung nahe an ihrer Arbeitsstelle. Ihr Glück war perfekt als sie ihren Freund kennen lernte – bis sie nach einer Feier nicht mehr ganz nüchtern nach Haus kamen, in der Kiste landeten und jede Vorsicht vergaßen. Sie wurde prompt schwanger, ihr Freund verflüchtigte sich und kam weder seinen Unterhaltspflichten nach noch hatte er sich jemals um seine Tochter gekümmert. Nach dem Mutterschaftsurlaub wieder im Cateringservice arbeiten war wegen der Arbeitszeiten nicht möglich. Aussicht auf einen anderen Job bestand nicht und so kam ihr das Angebot von Helena, bei uns als Haushaltshilfe und eventuell als angelernte Bürokraft zu arbeiten, sehr entgegen. Udo und sie hatten sich auch schon kennen gelernt. Es passte mit den beiden. Helena und Marion verstanden sich auch gut und meine Frau hatte überrascht festgestellt, dass Marion sehr gut kochen und backen konnte. Ich war gleicher Meinung, als es an dem Wochenende nachdem sie ihren Arbeitsvertrag bekam eine Heidelbeertorte, am darauffolgenden Wochenende eine Schwarzwälder Kirsch gab.
Im Augenblick wohnte sie mit ihrer Kleinen mehr bei uns im Gästezimmer als in ihrer Wohnung. Das würde sich aber in ein paar Tagen ändern, denn wir hatten für sie eine kleine Dreizimmerwohnung in unserer Nachbarschaft gefunden, die sogar in der Miete noch etwas günstiger war als ihre bisherige Bleibe. Sie war inzwischen fertig renoviert. Hilfe kam dabei von Karin und Helena. Ihre alten Nachbarn, die sie auch gern hatten und gern in ihrer Nähe behalten hätten, unterstützten sie beim Packen ihres Hausrats und wollten auch in der neuen Wohnung helfen. Der Umzug war für den nächsten Donnerstag geplant.
Der auf den Umzug folgende Montag war wieder Verhandlungstag. Irgendwie war gerüchteweise bekannt geworden, dass der Prozess zuende ging und so war es dann auch. Zeugen waren keine mehr geladen, aber im Zuschauerbereich erkannte ich Dieter und etliche Frauen aus dem Club. Zwischen denen saßen Heiner und die Jungs aus dem Dojo. Jürgen hatte einen Platz in der ersten Reihe, neben ihm Fritz mit Britta und Benjamin – was die für ein besonderes Interesse an diesem Verfahren hatten war mir nicht klar. Neben Dieter erkannte ich Frau Berndt, die sich angeregt mit ihm unterhielt bis die Verhandlung eröffnet wurde. Ebenfalls in der ersten und auch in der zweiten Reihe saßen etliche Männer und Frauen, die ich als Pressevertreter einschätzte, hinter denen sich in der dritten Reihe zwei Gesichter versteckten die ich zuletzt mit einer eisernen Acht in einem Polizeifahrzeug hatte sitzen sehen. Im Gegensatz zu ihrem Besuch im Club – da waren beide ohne – trugen sie jetzt eine Brille mit getönten Gläsern. Schon, draußen war es sonnig, aber komisch kam mir das dennoch vor.
Auch viele andere Leute waren da, die Stühle bis auf den letzten Platz besetzt.
Nachdem der Richter fragte ob noch Anträge gestellt werden würden, niemand sich meldete, schloss er die Beweisaufnahme und bat um die Plädoyers.
Die Staatsanwältin erhob sich.
„Meine Damen, meine Herren, wir haben es hier mit einem unfassbar grausamen Verbrechen zu tun. Fünf Morde, mindestens 5 Entführungen; eine Nebenklägerin ist dem Haupttäter sogar unwissend in die Falle gefolgt –, sechs Personen, die ihrer Freiheit beraubt wurden sowie fünf weitere - nämlich die die danach umgebracht wurden -, denen sehr wahrscheinlich dasselbe geschehen ist, eine Vielzahl von Vergewaltigungen, teils sogar als Gruppenvergewaltigungen, durch alle sieben Angeklagten, Zwangsprostitution, physische und psychische Folter über einen Zeitraum zwischen einigen Monaten für die letzte gekidnappte Frau bis zu Jahren für die Nebenklägerin die zuerst entführt wurde. Erst der Mut einer Geschädigten ihre Flucht zu wagen und die Courage einiger Zeugen führten zur Aufdeckung der Verbrechen und zur Rettung der überlebenden Frauen. Die Skrupellosigkeit vor allem der treibenden Kraft unter den Angeklagten führte dazu, dass der jüngste Tatbeteiligte sogar den Auftrag bekam die noch lebenden Frauen zu erschießen und die Leichen dort zu beseitigen wo bereits die anderen Toten ruhten, wenn die sechs anderen Täter sich nicht vor Ablauf einer Frist melden würden.
Kommen wir zu den einzelnen Tatbeiträgen:
Ludwig Meier: er hat die Morde begangen. Das hat sich in der Beweisaufnahme bereits abgezeichnet als der Gerichtsmediziner zum jeweiligen Todeszeitpunkt aussagte und das mit den Aussagen der Dorfbewohner zu den Sichtungen der Angeklagten abgeglichen wurde. Bewiesen wird diese Feststellung durch die Tatsache, dass fünf der anderen Angeklagten jeweils von ihm aufgefordert wurden beim Transport einer Leiche ins Moor zu helfen. Jeder beschrieb die Kleidung der Toten anders, einer sagte aus, es habe sich um einen Mann gehandelt. Die Beschreibung der Kleidung traf schließlich in jedem Fall genau die Sachen in denen jeweils eine andere der Toten vorgefunden wurde. Daraus schließt zwingend, dass jeder der fünf Angeklagten, die hierzu als Zeugen gehört wurden, bei der Beseitigung einer anderen Leiche dabei war. Daraus schließt auch, dass Herr Meier die eigentlichen Morde ohne Beteiligung anderer Personen beging. Ohne im Einzelnen auf die weiteren Vorwürfe einzugehen – auch sie sind hinreichend bewiesen – ist festzustellen, dass Herr Meier auch da die treibende Kraft und nach Aussage aller Nebenklägerinnen auch der mit Abstand brutalste Täter war.
Ich beantrage gegen ihn eine lebenslange Haftstrafe mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
Fünf der sechs anderen Angeklagten waren Mitläufer, einer unter strafrechtlichen Aspekten sicher verantwortlich, aber unter sozialen Gesichtspunkten eher Opfer als Täter.
Ihnen – sie nannte einen, dann den zweiten Namen – ist es im wirklich allerletzten Moment gelungen auf den Zug des Rechtsgesprächs aufzuspringen. Zwei Minuten später wäre diese Chance vertan gewesen. Immerhin haben Sie durch Ihre Aussagen die Beweisführung zu den Morden untermauert, gleichzeitig aber auch im eigenen Interesse nachvollziehbar dargestellt, dass Sie selbst daran nicht beteiligt waren. Sie sind aber nach den Zeugenaussagen und letztlich auch nach Ihrem Geständnis für die anderen Gewalttaten voll verantwortlich, wenn Sie auch nicht die extreme Brutalität des Herrn Meier entwickelt haben. Entführung, Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution und die Vielzahl der einzelnen Vergewaltigungen, auch das sind schwerste Straftaten.
Für die schwere Vergewaltigung liegt der Strafrahmen zwischen 5 und 10 Jahren Haft – wohlgemerkt für einen Fall. Sie sind verantwortlich für eine Vielzahl von Einzeltaten sowie die Beihilfe zu diversen anderen Straftaten, wie ich sie vorhin aufgezählt habe. Rein rechnerisch würde das für mehrmals lebenslänglich reichen. Im deutschen Strafrecht ist die längste zeitige Haftstrafe 15 Jahre. In Betracht kommt somit ein Antrag auf lebenslängliche Haft oder eine zeitige Haftstrafe. Zu berücksichtigen ist, wenn auch geringfügig, Ihr Geständnis, das Sie allerdings erst ablegten als die Fakten bereits alle bekannt und belegt waren, Ihre Angaben somit lediglich der Absicherung der bis dahin getroffenen Feststellungen dienen konnten.
Ich beantrage gegen Sie eine Haftstrafe von je 14 Jahren.
Kommen wir zu Ihnen Drei.“ Sie wandte sich an die drei Kleiderschränke, nannte deren Namen. „Für Sie gilt das was ich eben ausgeführt habe in gleicher Weise. Auch Ihre Geständnisse haben die bereits vorhandenen Feststellungen lediglich abgesichert. Allerdings haben Sie bzw. Ihre Verteidiger die Rechtsgespräche initiiert, letztlich die beiden vorgenannten Angeklagten bewegt Gleiches zu tun und damit letztlich die Beweisführung vereinfacht, die Verfahrensdauer verkürzt.
Ich beantrage gegen Sie eine Haftstrafe von je 12 Jahren.
Bedanken Sie sich bei Gelegenheit bei Ihren Anwälten, meine Herren. Ohne die Geständnisse hätte ich bei den fünf eben genannten Personen eine lebenslange Haftstrafe beantragt.
Kommen wir zum letzten verbleibenden Angeklagten, Pierre Halser.“
Der war, als er die Strafanträge hörte, immer weiter zusammengesunken, die Tränen im Gesicht waren unübersehbar. Für mich nicht überraschend war, dass die junge Nebenklägerin, Dunja Soner, offen weinte. Der Anwalt des Herrn Halser dagegen lächelte und ich ahnte warum.
„Herr Halser, Sie haben geschildert wie Sie in den Täterkreis reingelockt wurden und, ich möchte das mal so bezeichnen, naiv und gutgläubig genug waren um dem zu glauben was Ihnen gesagt wurde. Sie haben auch geschildert wie Sie die Frauen aufsuchten, dabei stets höflich waren, nie Gewalt anwandten, sich sogar in eine der Gefangenen, Frau Soner, verliebten. Die anderen Frauen haben Sie dann nur noch im Rahmen der Ihnen übertragenen Pflichten aufgesucht, Frau Soner dagegen durch möglichst häufige Präsenz vor dem Zugriff durch die anderen Angeklagten schützen wollen. Sie verstanden dann auch, dass es entgegen des Ihnen Gesagten keine Freiwilligkeit der Frauen gab und haben später sogar den Entschluss gefasst die Frauen zu befreien sobald Sie eine Erfolgschance sahen.“
Pierre nickte, sein Verteidiger lächelte und sogar Dunja sah aufmerksam und sichtbar überrascht zur Staatsanwältin. Mit so einer Einleitung hatte sie nicht gerechnet.
„Sie sind so gut wie mittellos. Nach Ihrer Verhaftung wurde Ihnen daher ein Pflichtverteidiger zugeordnet. Der hat dem Nimbus des Pflichtverteidigers, nachdem diese interesselos und durchsetzungsschwach seien, gewaltig Schaden zugefügt – Herr Anwalt, diese Bemerkung, glaube ich, gestatten Sie mir gern – indem er Sie offensichtlich über sämtliche für Sie bestehenden Möglichkeiten und den daraus resultierenden wahrscheinlichen Entscheidungen im Strafverfahren aufgeklärt hat. Jedenfalls findet sich schon zu Anfang in der Akte ein Vermerk „auf die Kronzeugenregelung wurde hingewiesen“.
Sie haben sich als Kronzeuge zur Verfügung gestellt und vorbehaltlos alles ausgesagt was Sie wussten, dabei auf eventuell sich daraus ergebende Nachteile für sich selbst keine Rücksicht genommen. Allerdings wurde so auch deutlich wie gering Ihr Tatbeitrag war. Dazu wussten Sie zu Anfang gar nicht, dass Sie sich strafbar machen.
Kurz gesagt: ich glaubte Ihnen jedes Wort! Sie waren weder an der Ermordung einer Person noch haben Sie sich aktiv an einer Entführung beteiligt. Gewalt wurde von Ihnen jedenfalls nicht wissentlich ausgeübt. Dass es sich mit den Frauen nicht um freiwilligen, sondern um erzwungenen Geschlechtsverkehr handelte wurde Ihnen erst später bewusst. Auf diesen Gedanken hätten Sie allerdings schon vorher wegen der Art der Unterbringung der Damen kommen müssen. Das Tatbestandsmerkmal des § 177 StGB, der ERKENNBARE gegenteilige Wille des Opfers, sehe ich daher ungeachtet Ihres sonstigen Verhaltens als erfüllt. Nach Ihrer Erkenntnis, dass da etwas im Argen lag, haben Sie von erneutem Verkehr mit fünf der Opfer abgesehen und die Zeit, die Sie mit der Nebenklägerin Soner verbrachten war, wenn ich das richtig verstanden habe, einvernehmlich, auch was den Sex miteinander angeht.“
Dunja nickte ganz aufgeregt.
Die Staatsanwältin fuhr fort. „Es hört sich bis hierher fast wie ein Plädoyer für einen Freispruch an. Das ist es aber nicht, denn es gibt im Strafrecht einen Grundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht! Zusammenfassend muss ich feststellen, dass Sie sich strafbar gemacht haben. Ich war mir zunächst nicht sicher ob es sich bei Ihren Taten noch um sexuelle Nötigung oder bereits Vergewaltigung handelt. In Anbetracht der Tatsache, dass Sie gerade eben im voll strafmündigen Alter sind und eine bedingungslose Offenheit als Kronzeuge gezeigt haben entschied ich mich für ersteres. Der Strafrahmen reicht von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft. Ich beantrage gegen Sie eine Haftstrafe von sieben Monaten, auf die die erlittene Untersuchungshaft anzurechnen und der Rest zur Bewährung auszusetzen ist. Die Bewährungszeit wäre mit einem Jahr vorzusehen. Auf die Zuordnung eines Bewährungshelfers kann verzichtet werden.“
Pierre weinte hemmungslos, aus der Bank der Nebenklägerinnen war sogar ein zweistimmiges „Jaaaa“, aus dem Zuschauerbereich zunächst vereinzelter, dann immer heftiger werdender Applaus zu hören – sicher eine Seltenheit in einem Gerichtssaal.
Der Vorsitzende Richter bat dann die Anwälte der Nebenkläger um ihre Plädoyers. Vier von ihnen sagten im Prinzip dasselbe wie die Staatsanwältin, der fünfte – der von Dunja Soner – hatte dann aber noch mehr auf dem Herzen. Es wies darauf hin, dass sich seine Mandantin wegen der bis vor kurzem noch als Gefahr betrachteten Verbindung der Angeklagten zu einer anderen Tätergruppe in einem Zeugenschutzprogramm befand, aus diesem aber sicher bald entlassen werden würde. Vor ihrer Entführung wäre sie, wenn auch erst vor kurzer Zeit, wegen unhaltbarer Zustände aus ihrem Elternhaus abgehauen und hätte auf der Straße gelebt. Ein Zuhause, in das sie zurückkehren könne, habe sie nicht. Sie hätte sich in Herrn Halser verliebt und sei sich sicher, dass das auf Gegenseitigkeit beruhe. Es wäre auch in ihrem Interesse, wenn er eine derart geringe Strafe bekäme, dass sie sich zusammentun könnten.
Unser Anwalt machte es kurz, schloss sich den Ausführungen der Staatsanwältin an, ging zusätzlich auch noch auf die Worte des Anwalts von Frau Soner ein, unterstützte dessen Bitte. Ich wunderte mich. Wieso sprang er auf diesen Zug auf? Schon, mir war das durchaus Recht, aber ich kannte den Grund nicht. Was für ein Plan stand dahinter?
Die Plädoyers der Verteidiger entsprachen dem was zu erwarten war. Der von Ludwig Meier bestritt sämtliche Vorwürfe, die Frauen seien alle von sich aus zu ihm gekommen, hätten unbedingt in einer strengen BDSM-Umgebung leben wollen. Mit den Morden habe er nichts zu tun. Beantragt wurde Freispruch.
Die Juristen im Raum waren Profis. Denen war nicht anzusehen was sie von diesem Vortrag hielten. Ich hatte so etwas erwartet, war daher nicht überrascht. Im Zuschauerbereich schüttelten viele den Kopf, einige tippten mit dem Finger an ihre Stirn und drückten damit das aus was auch ich von diesem Vortrag hielt.
Die Verteidiger der fünf Mitläufer sagten allesamt dasselbe, wenn auch mit unterschiedlichen Worten. Ihre Mandanten seien doch gar nicht so böse gewesen. An den Morden waren sie nicht beteiligt, an den Entführungen ebensowenig, und die Freiheitsberaubung und die Verleitung ihrer Mandanten die Frauen zum Geschlechtsverkehr zu nötigen, dafür trage der Haupttäter die Verantwortung. Schon, es sei schlimm was während der Verhandlung zutage gefördert worden sei und dass das Gesetz eine Mindeststrafe von 5 Jahren vorsehe werde ja akzeptiert. Aber ein Strafantrag von 14 bzw. 12 Jahren wäre viel zu hoch gegriffen. Immerhin hätten ihre Mandanten doch ein Geständnis abgelegt, so dazu beigetragen, dass das Verfahren erheblich verkürzt wurde und den Frauen eine weitere Konfrontation mit der schrecklichen Zeit erspart geblieben sei. Da sei es doch angebracht bei der Strafzumessung in der Nähe der Mindeststrafe zu bleiben. Alle beantragten eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als sechs Jahren für ihre Mandanten. Reaktion im Publikum: allgemeines Kopfschütteln, einige zeigten auch ganz klar einen Scheibenwischer.
Der Anwalt von Pierre Halser hingegen machte es kurz:
„Ich bedanke mich bei der Staatsanwaltschaft für die faire und mitfühlende Bewertung der Tatbeiträge und des nachfolgenden Verhaltens meines Mandanten auf das herzlichste und schließe mich den Ausführungen der Staatsanwältin vollinhaltlich an. Bedanken möchte ich mich in Namen meines Mandanten auch beim Anwalt der Frau Soner für die Unterstützung meines Mandanten, ebenso auch beim Anwalt von Frau Schulz und Herrn Sierau dafür, dass sie dieses Ansinnen unterstützt haben.
Zu bedenken bitte ich, dass auch mein Mandant kein Zuhause hat in das er nach der Haftentlassung zurückkehren könnte. Wenn, was ich für sehr wahrscheinlich halte, Frau Soner und mein Mandant sich nach seiner Haftentlassung zusammentun stehen sie erstmal allein gegen den Rest der Welt. Beide wären obdachlos, ohne Arbeit und ohne nennenswerte Unterstützung durch andere Personen, die ihnen helfen könnten sich ein vernünftiges Leben aufzubauen. Da hat sich aber durch ein zufälliges Treffen mit meinem Kollegen von der Gegenseite eine Chance für Beide aufgetan, die er oder auch derjenige, der ihnen diese Chance geben will – er sitzt im Zuhörerbereich – sicher näher erklären kann.
Ich beantrage eine Freiheitsstrafe von 7 Monaten gegen meinen Mandanten, auf die die erlittene Untersuchungshaft anzurechnen und deren Rest zur Bewährung auf ein Jahr auszusetzen ist. Auf die Zuordnung eines Bewährungshelfers kann – insbesondere auch durch die Chance, die die jungen Leute erhalten wenn antragsgemäß entschieden wird - aufgrund der äußerst günstigen Sozialprognose verzichtet werden.“
Mein Anwalt war doch ein richtiges Schlitzohr! Davon hatte er nichts verraten. Ich ahnte aber nun weshalb die Mayserts im Zuhörerbereich saßen! Bei den beiden jungen Leuten waren die Köpfe hochgeruckt, grenzenloses Staunen zeigte sich in den Gesichtern. Der Verteidiger lächelte, sagte nichts weiter obwohl Pierre ihn offensichtlich drängte etwas zu verraten. Niemand hatte darauf geachtet, dass Dunja zwischenzeitlich zur Bank der Angeklagten gelaufen war und sich neben Pierre gestellt hatte. Der bekam das zunächst gar nicht mit, stand aber sofort auf als er sie neben sich stehen sah, nahm sie in den Arm und küsste sie. Beide schienen die Welt um sich herum vergessen zu haben. Aus dem Besucherbereich war erneut Applaus zu hören. Ob das nun den Anwälten oder dem jungen Paar galt war mir nicht klar. Schließlich ergriff der Vorsitzende Richter das Wort, bat um Ruhe. Er müsse das verliebte Paar jetzt leider trennen.
Die Angeklagten erhielten die Gelegenheit zu einem letzten Wort, schlossen sich aber alle den Aufführungen ihrer Verteidiger an. Lediglich Pierre ergänzte die um eine nochmalige Entschuldigung an die Adresse der Nebenklägerinnen und bat, wenn es ihnen möglich sei, ihm zu verzeihen. Zur Überraschung aller stand daraufhin eine der Frauen auf, die außer ihrer Zeugenaussage bislang kaum ein Wort von sich gegeben hatte.
„Wir haben Dir schon längst verziehen. Du bist auch der einzige Angeklagte, gegen den wir keinen Schadenersatz- und Schmerzensgeldanspruch einklagen werden.“ Letzteres hatte Karin mir schon erzählt, ersteres nicht. Die Frauen mussten sich also auf diesen Tag intensiv vorbereitet haben.
Der Richter griff wieder ein. Das Gericht würde sich zur Beratung zurückziehen. Zuschauer, Nebenkläger und deren Anwälte seien gebeten den Saal zu verlassen. Urteilsverkündung sei in einer Stunde.
Ich hatte in den letzten Stunden immer wieder meine besonderen Freunde unter den Reportern beobachtet weil ich mir fast sicher war, dass da etwas faul war. Zunächst fiel mir nichts auf, dann aber registrierte ich, dass die beiden immer wieder an ihre Brillen fassten und daran rumfummelten. „Klick“ machte es, denn ich erinnerte mich daran, dass ich beim Surfen im Internet auf Werbung für sogenannte Spionagebrillen gestoßen war! Die hatten eine eingebaute Kamera. Was die konnte wusste ich nicht, aber dass die benutzt worden war um irgendwelche Aufnahmen zu machen, da war ich mir sicher. Hatte ich eine ähnliche Situation nicht schon einmal erlebt? Egal. Ich schlenderte in Richtung Ausgang, tat dabei so als wenn ich mir die neben den Türen zu den anderen Sälen ausgehängten Terminlisten ansehen würde und lief, als ich nicht mehr im Sichtfeld der anderen Leute war, schnurstracks zur Pförtnerloge, informierte den dortigen Justizbeamten. Der reagierte sofort. Nach nicht einmal fünf Minuten kamen gleich vier Kollegen von ihm, davon zwei in Zivil. Ich informierte sie, beschrieb das Aussehen der beiden Reporter. Ich sollte allein zurückgehen. Die beiden in Alltagskleidung würden mir mit einigen Metern Abstand folgen, sich neben die beiden Übeltäter stellen und auf meine Bestätigung zufassen. Die beiden uniformierten Beamten würden ihren „zivilen“ Kollegen folgen und stünden bei Bedarf sofort als Unterstützung bereit. Kurz und gut – der Plan ging voll auf. Beide Journalisten hatten tatsächlich eine mit einer Kamera bestückte Brille dabei mit der im Gerichtssaal gefilmt worden war. Gesichter einzelner Personen waren deutlich erkennbar, ihre Aussagen hörbar. Die beiden hatten aber sowas von einer Arschkarte gezogen. 2 x innerhalb kurzer Zeit denselben Mist gebaut. In deren Haut wollte ich nicht stecken.
Pünktlich nach einer Stunde wurden wir zurück in den Verhandlungssaal gerufen. Der Richter kam sofort zur Sache.
Meine Damen, meine Herren, ich bitte Sie aufzustehen. Als alle standen begann er
„Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
Gegen den Angeklagten Ludwig Meier wird eine lebenslange Haftstrafe verhängt. Es wird die besondere Schwere der Schuld festgestellt.
Gegen die Angeklagten“ – er nannte zwei Namen – „wird eine Haftstrafe von jeweils 14 Jahren verhängt.“
Auch gegen die drei anderen Mitläufer wurden die Strafen verhängt die die Staatsanwältin gefordert hatte.
„Kommen wir zum letzten Angeklagten.“
Dunja saß wieder auf ihrem Platz. Ihren Gesichtsausdruck konnte ich von der Seite recht gut erkennen, erkannte die Hoffnung darin mit der sie ihren künftigen Freund ansah. Auch bei dem schien die Angst verflogen zu sein. Ganz große Augen, der Mund weit geöffnet, das Gesicht hochrot – der junge Mann bot ein Bild der Spannung, das schon fast schmerzhaft anzusehen war.
Herr Halser, gegen Sie wird eine Haftstrafe von sechs Monaten und 22 Tagen festgesetzt. Die erlittene Untersuchungshaft wird angerechnet. Wenn Sie nachrechnen werden Sie erkennen, dass Sie noch genau einen Tag Haft absitzen müssen. Den werden Sie allerdings auch brauchen um ihre Zelle im Untersuchungshaftgefängnis zu räumen und das Entlassungsprocedere abzuwickeln. Voraussetzung ist natürlich, dass diese Entscheidung noch heute rechtskräftig wird.“
„Jaaaa“. Dieser Ruf kam fast zeitgleich von zwei Stimmen aus sich im Saal gegenüberliegenden Seiten. Beide liefen in die Mitte des Raums, gaben sich einen Kuss und wandten sich dann Staatsanwältin und Richter zu.
„Danke“
Der Richter bat sie sich wieder auf ihre Plätze zu begeben sowie die Zuschauer sich wieder zu setzen, nannte im Anschluss eine ellenlange Kette von Paragraphen sowie die wesentlichen Gründe, die zu diesen Entscheidungen geführt hatten. Abschließend kam die Rechtsmittelbelehrung. Der Anwalt des Ludwig Meier verkündete lauthals in Revision zu gehen, notfalls bis zum Bundesgerichtshof. Die Anwälte der fünf Mitläufer tuschelten miteinander und mit ihren Mandanten. Die waren mit dem Urteil wohl auch nicht einverstanden. Die Diskussion wurde etwas lauter, man vernahm einzelne Äußerungen. Eine gefiel mir besonders: einer der Verteidiger wies darauf hin, dass er als Staatsanwalt oder Richter die Geständnisse nicht strafmindernd berücksichtigt hätte weil die Beweislage zu diesem Zeitpunkt bereits wasserdicht gewesen sei, es also, wenn Revision eingelegt würde, dies auch aus Richtung der Staatsanwaltschaft zu erwarten wäre und dann die Gefahr bestünde, dass die Geständnisse nicht berücksichtigt würden. Eine Verurteilung zu lebenslanger Haft wäre dann sicher, unter Umständen sogar mit Feststellung der besonders schweren Schuld. Das überzeugte wohl. Alle fünf Anwälte erklärten Rechtsmittelverzicht.
Pierres Verteidiger schloss sich an, stieß seinen Mandanten dann an. „na, gehen Sie schon rüber zu Ihrer Freundin. Jetzt hat niemand mehr etwas dagegen. Irgendjemand wird schon einen Stuhl für Sie besorgen können.“
Der Stuhl war blitzschnell da und besetzt.
Der Reihe nach wurden die Anwälte der Nebenkläger gefragt und erklärten für alle Urteile Rechtsmittelverzicht, denn härter als das gegen den Herrn Meier war unmöglich und entsprach ebenso wie alle andern Entscheidungen ihren eigenen Anträgen.
Der Richter schloss die Verhandlung, fügte den Worten aber zu „und jetzt bin ich doch neugierig. Was für eine Chance ist das, die den jungen Leuten geboten wird?“
Mein Anwalt meldete sich. „Ich vertrete einen Hotelier in einer anhängigen Zivilrechtssache. Er hat aktuell ein weiteres Haus im Bau, das kurz vor der Fertigstellung und Eröffnung steht. Vorher muss Personal gefunden und eingestellt werden. Vorzugsweise werden da natürlich Leute eingestellt, die eine einschlägige Ausbildung haben, aber auch für Ungelernte gibt es Jobs. Wir hatten vor ein paar Tagen ein Abstimmungsgespräch, nach dessen Ende wir uns auch über andere Dinge, darunter auch über dieses Verfahren, unterhielten. Ich schilderte ihm unter anderem den Eindruck, den ich von den einzelnen Angeklagten und deren Tatbeiträgen hatte, inwieweit es zu den einzelnen Personen eine abgesicherte Beweislage gäbe und mit welchen Urteilen ich rechne. Dabei kam auch die besondere Rolle des Herrn Halser, dessen deutlich erkennbarer und auf Gegenseitigkeit beruhender Wunsch eine Beziehung mit Frau Soner einzugehen und auch die Gefahr zur Sprache, dass die beiden mangels Unterstützung von dritter Seite untergehen könnten, auch wenn sie zusammen wären. Ich wusste nicht, dass der ursprünglich geplante Eröffnungstermin des Neubaus aufgrund glücklicher Umstände um eine Woche vorgezogen werden konnte. Normalerweise würde er immer noch um gut eine Woche zu spät liegen um das Geschäft mit den Ausstellern und, wenn die Betten reichen, Besuchern des Oldtimerfestivals mitzunehmen. Personal in einem neuen Haus muss aber trainiert werden. Es kam die Idee auf anstelle des vorgesehenen Trainings – eine Hälfte der Belegschaft übt, die andere Hälfte spielt die Gäste – die Zimmer Teilnehmern des Festivals zu wegen möglicher Servicemängel reduzierten Preisen anzubieten.
Einstellungsgespräche laufen wegen der vorgezogenen Eröffnung bereits. Platz für zwei ungelernte Kräfte gibt es in mehreren Bereichen. Teilweise ist sogar nur eine kurze Anlernphase erforderlich. Vorgesehen wäre, dass beide einen unbefristeten Arbeitsvertrag, natürlich mit der üblichen Probezeitregelung, erhalten. Erwartet werden neben Aufmerksamkeit und Lernwillen Offenheit, Sauberkeit und Fleiß selbstverständlich auch alle andern im Gastgewerbe üblichen Eigenschaften.“
Er wandte sich dem Pärchen zu.
„Hätten Sie Interesse?“
Pierre antwortete. „Ja, sofort. Aber wie kommen wir dahin, wo können wir wohnen, wer zeigt uns was wie zu tun ist? Wir haben sicher noch mehr Fragen.“
„Ich meine, dass Ihnen das der Chef des Hauses besser erklären kann. Herr Maysert, mögen Sie dazu Stellung nehmen?“
Fritz kam nach vorn, nahm der Einfachheit halber auf dem Zeugenstuhl Platz.
„Ich bin Fritz Maysert, der Chef mehrerer Hotels im Land. Wie erwähnt eröffne ich in Kürze ein neues Haus und brauche Personal dafür. Mein Anwalt erklärte mir Ihre Situation und empfahl mir mich heute hier ins Publikum zu setzen um mir selbst einen Eindruck von Ihnen zu verschaffen und, wenn dieser positiv ausfällt, ihm ein entsprechendes Zeichen zu geben. Nun, das Zeichen muss er wohl erhalten haben, sonst säße ich nicht hier.“ Er lächelte.
„Wie Sie zu meinem neuen Haus kommen ist einfach erklärt. Mein Sohn wird morgen zur Haftanstalt fahren und einen überglücklichen jungen Mann abholen, meine Tochter trifft morgen an einem von der Polizei benannten Treffpunkt eine aus dem Zeugenschutzprogramm entlassene junge Dame, die nicht weniger glücklich sein dürfte. Beide werden zu ihrem neuen Arbeitsplatz gefahren. Einige Doppelzimmer sind dort bereits bezugsfertig, aber noch nicht belegt. In eines davon werden Sie für eine Übergangszeit einziehen bis Sie eine Wohnung gefunden haben. Angeleitet werden Sie von Fachkräften, die vorher teils in einem unserer Häuser, teils auch in einem der der Konkurrenz gearbeitet haben. Es sind samt und sonders erfahrene Ausbilder. Nun, wie sieht es aus. Wollen Sie?
Diesmal ergriff Dunja das Wort. „Ja, nur zu gerne. Dass Sie das für uns tun – das werden wir Ihnen nie vergessen!“
Aus dem Zuschauerbereich kam schon wieder Applaus.
Die ersten Besucher wollten den Raum schon verlassen als der Richter sich noch einmal meldete.
„Moment mal, da fällt mir noch etwas ein. Vorhin war die Rede von einem Oldtimerfestival. Ich habe selbst einen. Wann ist das und wo findet das statt?
„Veranstaltungsort ist der ehemalige Militärflugplatz in der Nähe.“ Ich nannte das geplante Wochenende.
„Kann ich mich da auch noch anmelden?“
„Das weiß ich nicht. Da müssen Sie mit der Cheforganisatorin sprechen. Die hält die Fäden in der Hand.“
„Oh, da wird es heute zu spät sein. Wie heißt sie, wo finde ich sie?“
„Sie heißt Silke Berndt und Sie finden sie wenn sie in den Zuschauerraum sehen.“
Hier hatte ich die Lacher wieder auf meiner Seite,
Frau Berndt stand auf. „Sie brauchen nur anzurufen oder eine Mail zu schicken. Morgen gibt es auch eine Pressemitteilung dazu. Da steht auch beides sowie ein Hinweis zum Anmeldeschluss drin. Angemeldet sind bislang über 250 Fahrzeuge mit fast 400 Personen. Eine davon kam erst gestern rein. Angemeldet wurde ein VW-Porsche 914/6. Ein solches Fahrzeug hatten wir noch nicht dabei. Als ich mir die anderen Eintragungen in der Anmeldung ansah – Name, Vorname, Geburtsdatum, Daten zum Fahrzeug – fiel auf, dass unter Adresse ein „siehe unten“ stand. Ich wunderte mich, las weiter und fand unter den freiwilligen Eintragungen in der Spalte „Beruf“ das Wort „Ministerpräsident“. Wir haben unseren Ministerpräsidenten unter den Hobbyfreunden! Das wusste selbst ich bisher nicht und das Beste: er hat die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen!
Wir rechnen mit mehreren zehntausend Besuchern, zumal auch in einschlägigen Zeitschriften Artikel mit einem Hinweis auf die Veranstaltung erschienen sind. Es wurden überall im Kreisgebiet auf großen Parkplätzen und geeigneten landwirtschaftlichen Flächen Park & Ride-Parkplätze mit einem Verkauf von Eintrittskarten sowie einem Shuttledienst zum Flugplatzgelände vorbereitet. Die Straßen rund um den Flugplatz werden für den Allgemeinverkehr gesperrt, nur Anlieger und an der Ausstellung beteiligte Fahrzeuge dürfen passieren. Die Busse werden durch Nebentore aufs Gelände fahren und ihre Gäste auch dort wieder abholen wo sie abgesetzt wurden. Entsprechende Haltestellen sind eingerichtet. Ursprünglich hatten wir mit einer mittleren zweistelligen Zahl von Anmeldungen gerechnet. Inzwischen sind wir bei über 250 Fahrzeugen. Viele der Leute können nicht einfach am Abend nach Haus fahren und am nächsten Morgen rechtzeitig zurück sein. Für diese waren kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten auf Feldbetten in den ehemaligen Unterkunftsgebäuden vorgesehen. Bald wurde uns klar, dass das nicht reichen würde. Herr Maysert, der selbst auch mit vier Fahrzeugen teilnehmen wird, kam mit der Idee, den Trainingsbetrieb in seinem Neubau für allerdings kostenpflichtige, aber verbilligte, Übernachtungsangebote zu nutzen. Das erschien ausreichend um die Teilnehmer, die nicht auf Feldbetten übernachten wollen, unterbringen zu können. Für Besucher standen da über uns schon keine Kapazitäten zur Verfügung. Es kamen aber noch mehr Anmeldungen, so dass wir die Erlaubnis bekamen auch weitere Unterkunftsgebäude auf dem Flugplatzgelände zu nutzen, aber auch einsehen mussten, dass die beiden Routen für die Autokorsos nicht reichen und wir zusätzliche Polizeikräfte brauchen würden um die gegenwärtig drei Routen abzusichern. Nach der morgigen Pressemitteilung rechne ich mit einem Schwung weiterer Anmeldungen, so dass dann voraussichtlich auch die vierte Route genutzt werden muss. Die Genehmigungen des Ministeriums für Verkehr und des Innenministeriums liegen vor. Von letzterem wurden zudem zwei Polizeihundertschaften für die Absicherung der Routen und die Regelung des zu- und abfließenden Besucherverkehrs zugesagt. Auch diese Leute brauchen Betten für die Nächte. Für sie werden die ehemaligen Büros in den oberen Etagen des Stabsgebäudes mit Feldbetten versehen. Die Ausstellungsleitung wird das Erdgeschoss des Stabsgebäudes nutzen.
Wir rechnen mit insgesamt etwa 300 bis 350 Fahrzeugen in denen etwa 500 bis 600 Personen anreisen werden. Samstag- und Sonntagvormittag ist je eine Ausfahrt von etwa 2 Stunden Dauer, mit Vor- und Nachbereitung also einem Zeitbedarf von 3 Stunden, auf den vier genehmigten Routen mit jeweils etwa 60 Fahrzeugen vorgesehen. Die anderen bleiben in dieser Zeit auf dem Flugplatzgelände. Start um 09.00 Uhr, Abschluss gegen 12 Uhr. Ausfahrt und Rückkehr einer Gruppe durch den Hauptzugang, der anderen Gruppen durch Servicezufahrten Ost, Süd und West. Anschließend Mittagessen. Öffnung des Hauptzugangs für Besucher um 14 Uhr, Ende 18 Uhr, Abendessen 19 Uhr, Beginn des Zusammenseins für Teilnehmer und Unterstützungskräfte bei geeignetem Wetter an mehreren großen, weit auseinanderliegenden Lagerfeuern auf dem Flugplatzgelände, bei Schlechtwetter in einem der Hangars, um 20 Uhr.
Polizeibeamte aus unserem und den Nachbarlandkreisen haben wir etwa 100 hier, dazu die beiden Bereitschaften. DRK-Personal und mehrere Ärzte, insgesamt ca. 20 Personen, haben zugesagt. Sonstiges Personal – Kassen, Reinigungskräfte, Ordner, Fahrer der Shuttlebusse zu den Park & Ride-Parkplätzen sowie zum Hotel Maysert und den Bahnhöfen hier im Ort und der benachbarten Großstadt, sind ca. 100 Leute. Dazu kommen die, die an der Vorbereitung beteiligt waren, sich auskennen und bei Bedarf als Springer eingesetzt werden können oder auch nur wesentlichen Anteil an der Organisation oder anderweitigen Vorbereitungen hatten, schätze ich nochmal auf etwa 100 Personen. Dann noch ein paar an die ich nicht gedacht habe, dazu die Fahrer und Beifahrer der teilnehmenden Fahrzeuge, komme ich auf maximal 1.200 Personen. Überschlägig gerechnet stammen etwa 320 aus der näheren Umgebung. Die werden mit ziemlicher Sicherheit zuhause überachten. Von den verbleibenden rund 900 Teilnehmern werden auch viele in nicht allzu weit entfernten Orten wohnen. Auch ein Teil von diesen wird zuhause übernachten. Ich gehe daher von einem Bedarf von insgesamt 600 bis 700 Betten aus. Die haben wir sichergestellt.“
Soweit das was mir so auf Anhieb an Daten einfällt. Und lassen Sie mich noch eines sagen: ich war zunächst davon ausgegangen, dass es eine Veranstaltung mit 40, vielleicht 60 Fahrzeugen werden würde. Dass sich daraus eine derartige Riesennummer entwickelt hat niemand geahnt und hätte ich es vorher gewusst, hätte ich von der Vorbereitung sicher meine Finger gelassen. Jetzt hänge ich drin und muss sagen – ABER SPASS MACHT ES DOCH!“
Schon wieder Applaus im Zuschauerbereich. Schon deshalb dürfte dieser Tag in die Annalen des Gerichts eingehen.
„Beeindruckend“ äußerte sich der Vorsitzende Richter. „Das Schauspiel werde ich mir nicht entgehen lassen. Wird denn bekannt gemacht welche Fahrzeuge bei der Ausfahrt auf welcher Route unterwegs sind?“
„Nein. Bekannt gegeben wird lediglich der Verlauf der verschiedenen Routen, die so gelegt sind, dass sie sich nicht ins Gehege kommen. Es wird dafür gesorgt, dass der Erlebniswert durch die verschiedenen Gruppen etwa gleich ist und diese am zweiten Tag eine andere Route fahren als am Samstag.“
„Mal sehen. Vielleicht treffen wir uns ja. Einen Tag werde ich sicher an der Straße stehen, den anderen Tag auf dem Flugplatz verbringen. Derart viele schöne Autos – das darf ich mir auf keinen Fall entgehen lassen!“
Bevor wir den Raum verlassen konnten sprach mich die Staatsanwältin noch einmal an. „Ihre Freunde aus dem Sportverein müssen sich ja sehr gut verstehen wenn zwei sogar die gleiche Kleidung tragen.“
„Wieso?“
„Ich erinnere mich an ein Video vom Entführungsversuch der sechs Männer, bei dem sie von Ihnen und Ihren Freunden abgefangen wurden. Einer der Sechs griff Ihren Freund Heiner mit einem Taser an, streckte ihn nieder und wurde daraufhin von einem anderen aus Ihrer Gruppe derart vermöbelt, dass er noch wochenlang etwas davon hatte und sicher zeitlebens daran zurückdenken wird. Der der das geschafft hat trug exakt dieselbe Kleidung wie einer Ihrer Freunde heute. Nachdem der so arg Verletzte Strafanzeige erstattete wurden Sie im Ermittlungsverfahren befragt ob Sie wüssten welcher Ihrer Freunde das getan hat. Sie sagten aus Sie hätten mit Ihrem Gegner zu tun gehabt, wüssten es nicht. Wenn ich das so sehe haben Sie damals nicht ganz die Wahrheit gesagt, oder?“
„Oh doch, ich habe nicht geschwindelt. Ich wurde gefragt ob ich WÜSSTE wer das war. Ich wusste es aber nicht, konnte es nur vermuten. Da ich nicht nach einer Vermutung gefragt wurde behielt ich die natürlich für mich.“
Sie fing an zu lachen.
„Schlitzohr!!!“
Karin und ich fuhren nach Haus. Dort eröffnete sie uns, dass sie bereits in der Folgewoche umziehen wolle. Marion und sie hätten in den letzten Tagen Udo schon darauf vorbereitet indem Karin sich immer weniger und Marion immer mehr mit ihm befasste.
Ein paar Tage später war es soweit. Als Karin weg und Marion nach Ende ihrer Arbeitszeit heimgegangen war kam uns das Haus plötzlich leer vor. Wir hatten uns doch an sie gewöhnt und vermissten sie. Ein baldiges Wiedersehen war aber sicher, denn die Feier zum zweiten Geburtstag der Kinder stand an, sollte wieder bei Dieter und Cordula steigen. Eingeladen waren abgesehen von den Veränderungen, die es bei den Mädels im Club gegeben hatte, wieder alle die auch im letzten Jahr dabei waren. Besonders freuten wir uns dabei auf das Wiedersehen mit Dennis und Katharina, die wir bei den letzten Spielabenden leider nicht sehen konnten weil Dennis Auftritte hatte und Katharina nach Möglichkeit immer mit ihm mitreiste. Zusätzlich eingeladen waren lediglich die Mayserts.
Zwei Wochen später war es soweit. Vorher gab es aber noch eine halbwegs unerfreuliche Überraschung. Unser größter Pkw war ein Kombi. Da Udo natürlich mitkommen musste, musste auch Marion dabei sein und weil sie mitkam musste auch ihre Tochter mit. Drei Erwachsene, zwei Kleinkinder, eines davon im Kindersitz, das andere in der Babytrage. Dafür war die Rückbank zu schmal. Dazu zwei Kinderkarren, dafür reichte der Kofferraum nicht aus. Was nun, denn wir könnten uns zwar einen Bulli leihen – Helena und Udo auf der Zweierbank in der Mitte, Marion und Merle auf der Dreierbank hinten. Aber selbst in einem solchen Fahrzeug bekamen wir nicht zwei Karren unter – bis Marion uns darauf aufmerksam machte, dass man die ja auch auseinander bauen und die Teile stapeln kann. Problem gelöst!!
Die Feier begann mit einer faustdicken Überraschung! Wir waren fast vollzählig als Dennis und Katharina eintrafen. Dennis war nur am Grinsen, aber das tat er ja eigentlich meistens. Nach der allgemeinen Begrüßung versammelten sich fast alle Frauen um Katharina, fingen an zu tuscheln. Schließlich bekamen wir Männer mit, dass die leichte Wölbung in Höhe ihres Bauchnabels keine zusätzlich angefutterten Schwimmringe waren. Wir Kerle hatten gar nicht darauf geachtet, gratulierten den beiden dann aber natürlich auch. Die Schwangerschaft war dann selbstverständlich Thema Nummer 1 bei den Frauen.
Die Mädels vom Club hatten sich als Geburtstagsgeschenk für die Kinder wieder um Kuchen und Naschkram gekümmert, alles wie auch im letzten Jahr perfekt vorbereitet, freuten sich dann natürlich auch sehr über die großzügig verteilten Komplimente. Nachdem das Thema Kaffee und Kuchen durch war verteilten sich die Gäste in den Räumen. Viele blieben im Partyraum, etliche, darunter auch Karin, Malte, Jens und Jürgen, gingen nach oben, wollten Tischtennis spielen. Ein Paar ging in die Sauna, ein anderes in den Pool. Benjamin und Britta Maysert fremdelten zunächst etwas. Ihnen kam es wohl komisch vor wie vertraut ihr doch schon etwas angejahrter Vater mit den durchweg deutlich jüngeren Frauen aus dem Club umging. Dabei vermisste ich bei ihm allerdings Anzeichen, die auf ein besonderes Interesse an Kontakt mit der einen oder anderen Lady deuten würden. Sogar die beiden exotischen Neulinge – eine Asiatin und eine farbige Frau – fanden keine besondere Beachtung. Es dauerte einige Zeit, aber dann wurde der Grund dafür deutlich: er hatte sich mit Sicherheit in Bianca verguckt, auch wenn ihm das vielleicht nicht einmal selbst klar war. Auch sie zeigte ein wohl noch unbewusstes Interesse an ihm, jedenfalls sah man die beiden nie lange getrennt voneinander und waren sie doch mal Teil verschiedener Gruppen dauerte es nicht lange und einer von beiden sah sich nach dem anderen um, ging hin. Nachtigall, ick hör Dir trapsen, wie der Berliner sagt…
Malte kam zu mir. „Die Karin spielt ja jetzt bei uns im Verein. Oben ist sie gerade wieder am Tisch, bewegt sich da kaum, aber niemand hat eine Chance gegen sie. Als sie zum ersten Mal zum Training kam fing sie genauso an wie hier: sie hätte mal Tischtennis gespielt, ein wenig würde sie wohl noch mitspielen können. Wir wussten ja was kommen würde, haben nichts verraten. Einige Sportfreunde aus der mittleren Leistungsebene haben gegen sie gespielt. Sie hat es gnädig gemacht, ihnen ab und zu auch ein paar Punkte gegönnt. Die Nummer zwei des Damenteams wollte es dann wissen, trat gegen sie an und zog den Kürzeren. Die Nummer eins der Herrenmannschaft – das ist ein Mann Ende 20, der eigentlich ganz nett, aber sehr von sich überzeugt ist und oft recht großkotzig auftritt, tönte dann rum gegen ihn würde sie haushoch verlieren. Er ist wirklich ein sehr guter Spieler, aber was wir da gesehen haben – die hat nicht nur mit dem Ball, sondern auch regelrecht mit ihrem Gegner gespielt und den derart abgezogen, dass er hinterher keine großen Töne mehr gespuckt hat. Und jetzt steht sie oben an der Platte immer wieder mit anderen Gegnern und spielt mit jedem so, dass es dem auch Spaß macht. Dabei erklärt sie immer noch was die Gegenüber besser machen könnte und das so, dass es jeder verstehen und gleich umsetzen kann. Die haben alle einen Riesenspaß dabei. Das musst Du Dir unbedingt ansehen! Zuhause werde ich vorschlagen sie im Verein als Trainerin zu engagieren.
Ich ging nach oben, sah mir das Schauspiel einige Zeit an, ging dann zum Kicker und spielte eine Runde gegen Jürgen. Da war ich zwar zweiter Sieger, hatte aber dennoch jede Menge Spaß, zumal mich meine beiden Neffen anfeuerten, ihrem Papa eins auswischen wollten. Als wir fertig waren meldete sich Katharina. Sie wollte es auch mal probieren, sprach Iris an. Die wollte gern mitmachen, warnte Kathi aber. Sie hätte immerhin viel Übung. Katharina war es egal, sie wollte nicht unbedingt gewinnen, nur eben Spaß haben.
Ich ging wieder nach unten in den Partyraum, sah eine Traube von Leuten um Dennis herum stehen. Sie hatten sich sicher gerade erst versammelt, ich bekam offenbar den Anfang der Verschwörung mit. Einige kannten die Story nicht. Dennis erzählte zunächst kurz von den Anträgen, die Reiner und ich unseren Freundinnen gemacht hatten.
„Katharina weiß natürlich davon. Ich will ihr heute einen Antrag machen. Das weiß sie aber nicht! Deshalb – zwei gehen bitte in die Nähe der Treppe und wenn sie Kathi runterkommen sehen saust einer hierher und sagt Bescheid, der andere spricht Kathi an und hält sie unauffällig etwas auf. Ich tue dann so als erzähle ich gerade die Geschichte von der Verlobung. Mit Sicherheit wird sie hinter mir stehen bleiben, zuhören und Euch Zeichen geben, dass ihr sie nicht verratet. Ihr seid brav, macht das auch nicht. Dass einer von Euch – Jürgen, magst Du das übernehmen? – sich in dem Moment, wo sie hinter mir steht, auf die bis dahin unbesetzte Zweiercouch setzt wird ihr nicht als besonders auffallen, mir aber schon!“
Allgemeines Grinsen und Kopfnicken.
Zwei gingen aus dem Raum, einer kam nach wenigen Minuten zurück. Dennis tat so als wäre er mitten in der Erzählung,
„erst holte ich mir Robert auf die Bühne, danach war Reiner dran. Beide taten wie abgesprochen so als wäre ihnen diese Aufmerksamkeit nicht Recht, sie kämen nur weil ihre Freundinnen sie fast gezwungen hätten. Dann, so hatten Robert und Reiner vorgeschlagen, sollte ich ganz unbedarft tun. Schließlich würden sich die Herren eher mit einer Frau als mit dem Freund verloben wollen, So sei es doch angebracht auch die Damen auf die Bühne zu bitten die ihre Freunde vorher so gedrängt hatten. Das klappte auch, beide kamen zu uns hoch. Robert und Reiner konnte ihre Anträge loswerden. Das sah dann ungefähr so aus.“
Jürgen setzte sich auf die Couch. Dennis wartete noch ein paar Sekunden, führte den Satz zuende, griff in die Jackentasche und drehte sich um. Katharina stand unmittelbar vor ihm. Er zog ein kleines Etui aus der Jackentasche, klappte es auf. Drin war ein wunderschöner Ring mit einem kleinen Brillanten.
„Katharina, willst Du meine Frau werden und unserer Familie einen gemeinsamen Namen geben, mich heiraten?
Katharina stand starr vor ihm, den Mund weit geöffnet, die rechte Hand vorm Mund.
„Katharina?“
„Ja, ja, ich will. ICH WILL!!! Du bist vielleicht ein Schlingel! Du hattest mich ja schon ein paar Mal zu Auftritten mit und zwei Mal auch auf der Bühne. Da habe ich doch glatt gedacht jetzt machst Du Reiner und Robert nach, war einerseits ein wenig enttäuscht, dass da nichts kam, andererseits aber froh, dass Du denen nicht einfach etwas nachgemacht hast. Mit heute habe ich nun überhaupt nicht gerechnet. Wie hast Du das organisiert gekriegt?“
„Gar nicht. Ich habe den Leuten hier erzählt was ich vorhabe, wie ich mir den Ablauf vorstelle und wie Du vermutlich reagierst. Hast Du wirklich, als Du hier in den Raum kamst und mich gesehen hast, den rechten Zeigefinger auf den Mund gelegt, damit Du nicht verraten wirst?“
Sie brauchte nicht zu antworten. Der rote Kopf und das Gelächter der Anwesenden sagten alles.
Was mir erst jetzt auffiel: Fritz und Bianca standen unmittelbar nebeneinander, und das heute nicht zum ersten Mal. Nun, so ungewöhnlich wäre das nicht, schließlich war sie für ihn eine wichtige Mitarbeiterin und führte mittlerweile die gesamte Auslandskorrespondenz der Hotelgruppe für die Länder deren Amtssprache sie beherrschte. Dazu hatte sie Fremdsprachenschulungen für das Personal aller Häuser eingeführt. Jeweils ein paar der Angestellten sowohl aus den anderen als auch aus dem Stammhotel wurden auf freiwilliger Basis für eine Woche in die Schulungsgruppe im Stammhaus abgeordnet, bekamen dort die Aufgabe sich sowohl während der Unterrichtsstunden als auch in der Freizeit im Kollegenkreis möglichst in der gewählten Fremdsprache zu unterhalten. Sie bot bis in den Abend hinein Unterstützung an wenn es zu Problemen kommen sollte. Eine der Sprachen die angeboten wurden war Deutsch, nämlich für das Personal mit ausländischer Herkunft, und gerade diese Kurse wurden mit am besten angenommen. Ein angenehmer Nebeneffekt war, dass sich auch in den anderen Häusern Leute mit besonderen Fremdsprachen- oder Deutschkenntnissen bereit erklärten die dem interessierten Personal zu vermitteln. Mayserts hatten bei Neueinstellungen schon immer darauf geachtet bzw. achten lassen, dass die Neuen in die jeweiligen Teams passten. Nun aber war innerhalb kurzer Zeit eine Entwicklung feststellbar, dass sich deren Angehörige mehr füreinander zu interessieren begannen und sich ein ganz anderer Ton im Umgang miteinander entwickelte.
Fritz und Bianca unmittelbar nebeneinander, das war also nicht ungewöhnlich. Nur dass sie dabei Händchen hielten als sie meinten niemand würde das beobachten, das nötigte mir schon ein leises Lächeln ab. Waren sie also doch schon weiter miteinander als wie zunächst gedacht!
Britta und Benjamin bewegten sich nach kurzer Zeit völlig unbefangen unter den Anwesenden, unterhielten sich offensichtlich mit den Gästen ebenso gerne wie mit den Frauen aus dem Club. Während für Britta leider kein unbeweibtes männliches Gegenstück in passendem Alter dabei war hatte Benjamin reichlich Auswahl. Stets schwirrten einige Mädels um ihn herum. Von seiner sonst gezeigten Maulfaulheit war nichts zu merken. Im Gegenteil – die Unterhaltungen liefen nach dem was ich so mitbekam, recht lebhaft. Außerdem, und das wussten natürlich alle, war er auch eine gute Partie und warum sollte frau da nicht mal die Fühler ausstrecken?
Die Feier lief so vor sich hin bis die Zeit kam in der mehr und mehr sich auf den Heimweg machten. Allerdings bat Dieter mich, dass wir bitte noch bleiben mögen. Er müsse noch etwas mit mir besprechen.
Zuerst schockte Dieter uns mit der Information, dass er eventuell den Club verkaufen würde. Die Mädels wüssten noch nichts davon. Bis es soweit wäre, dass er sich entscheiden würde, würde es zwar noch etwas dauern, aber es sei sicher gut wenn wir frühzeitig Bescheid wüssten und für den Fall, dass eine Frau nicht woanders zu sicher schlechteren Bedingungen tätig sein, sondern aus dem Milieu aussteigen möchte, Möglichkeiten klären könnten.
Danach ging er nach draußen, kam kurz darauf zurück – mit Andrea an der Hand.
„Ich muss leider auch von einem Ereignis berichten, in dem Andrea eine Hauptrolle hatte.“
Mist, dachte ich mir. Ich gab ihr eine Chance, jetzt hat sie wieder was versaut. Hätte ich doch besser für ihren Rausschmiss plädieren sollen! Dass mein Blutdruck stieg war wohl an der Hautfarbe zu erkennen. Ich war richtig wütend!
„Ruhig, Brauner, ruhig!“ ließ sich Dieter vernehmen. „Es war alles ganz anders. Andrea war mit einem Gast auf dem Zimmer. Der begann ihr mehr und mehr Honig ums Maul zu schmieren, machte ihr jede Menge Komplimente wie toll sie doch aussehe. Nun, sie ist ja tatsächlich auch eine sehr attraktive Frau, aber das wurde ihr dann doch zunehmend unangenehm. Schon bevor sie in das Zimmer gingen hatte sie eine schlechte Meinung zu diesem Mann und sich entschlossen ihm nur den Standardservice zu bieten, also kein Küssen, Fingern, keine Massage, egal ob sie bei ihm oder er bei ihr. Genau danach fragte er, bekam die entsprechende Auskunft. Schließlich bot der Gast zusätzlich Geld dafür, erst 100, dann 200, schließlich 300 Euro. Sie lehnte immer wieder ab, wurde dabei laut weil sie wusste, dass andere Frauen und Gäste in der Nähe waren, hoffte draußen würde man sie hören. Sie war schon drauf und dran aus dem Raum zu flüchten als er seine wahren Absichten erkennen ließ:
„Ich gebe Dir zusätzlich 500 € wenn Du das machst was Du bislang abgelehnt hast und ich Dich ohne Gummi ficken kann!“
Als sie tief Luft holte um loszuschreien fiel er ein „na gut, dann eben 700 €.“
Vor Schreck wegen dieser Zumutung blieb sie einen Moment stumm, wollte loslegen als er erhöhte „meinetwegen auch 1.000 € für Küssen, Fingern, Ficken ohne Gummi in allen Stellungen, Massage. Mehr habe ich nicht dabei.“
Jetzt ging ihre Sirene los. Sie schrie um Hilfe. Sofort wurde die Zimmertür aufgerissen, einige Mädels und etliche Gäste stürmten rein, schnappten sich den Kerl. Ich war im Büro, konnte nicht sehen wer alles dabei war. Aber die behandelten den Widerling derart, dass er hinterher überall am Körper blaue Flecken hatte. Zwischenzeitlich war ich auch verständigt worden. Unter die Dusche haben wir ihn gar nicht mehr gelassen. In der Umkleide durfte er sich umziehen. Dann schoben wir ihn ins Büro. Seinen Personalausweis hatte ich mir geben lassen, vorsichtshalber auch eines der Mädels nach draußen geschickt um die Kfz-Kennzeichen auf dem Parkplatz zu notieren für den Fall, dass mit dem Ausweis etwas faul wäre.
Anschließend, und da habe ich mich an deiner Art des Vorgehens, Robert, orientiert, wies ich ihn darauf hin, dass wir einen Anwalt mit der Wahrnehmung der Interessen von Andrea beauftragen würden. Auch im Paysex heißt nein nun mal nein. Er hat sie durch seine das nein missachtenden immer neuen Angebote dermaßen unter Druck gesetzt, dass wir es vorbehaltlich der Wertung durch die Justiz sowohl als psychische Verletzung als auch als massive Beleidigung und Nötigung werten. Falls er eine Rechtsschutzversicherung habe sollte er sich vorher erkundigen ob diese in einem Fall wie hier eine Eintrittpflicht sieht. Ob ein Richter letztlich einen Anspruch auf Schmerzensgeld zuerkennt und wie hoch das wäre wüssten wir nicht. Er könne selbst überlegen was wohl dabei rauskäme und wenn es auf einen Anspruch herauslaufe – er wisse sicher, dass Anwälte teuer sind und die Gerichtskosten seien auch nicht ohne. Wir hätten so etwas zum ersten Mal und wären sehr gespannt darauf wie ein Urteil ausfallen würde, schon um für den Fall, dass jemand anders auf eine ähnliche Idee kommen würde, zu wissen was auf uns zukommen würde. Da eine solche Verhandlung öffentlich sei könnten wir uns die problemlos bis zum Ende ansehen.
Jetzt fing er das Heulen an. „Kann man das nicht ohne Gericht klären?“
„Wie meinen Sie das?“
„Ich gebe Euch Geld und dann vergessen wir die Geschichte. Ich habe zuhause dann sowieso noch genug Ärger wenn ich erklären muss wieso plötzlich so viele blaue Flecken habe.“
„Das ist doch wohl allein Ihr Problem. Ich finde das sogar gut und richtig. Nur wenn Sie dann behaupten Sie seien hier überfallen und ausgeraubt worden haben wir die Arschkarte. Aber Moment – dann landet die Geschichte ja auch vorm Richter und bei den vielen Zeuginnen hier wird das ein richtiger Spaß. Sie hätten dann genau die Öffentlichkeit, die Sie vermeiden wollen. Also gut. Was haben Sie sich denn als Schmerzensgeld für Andrea vorgestellt?“
„200 Euro.“
„Wissen Sie, ich lasse mich nicht gern für dumm verkaufen.“
„Na gut, 500.“
„Ich nehme an, dass, wenn Andrea auf 1.000 klagt, sie die, mindestens aber 500, zugesprochen bekommt. Sie haben doch ein Smartphone dabei. Sehen Sie mal rein wie hoch dann die Anwaltsgebühren für Andrea und die Gerichtskosten sind, die Sie ja auch zahlen müssen.“
„Also gut. 1000. Aber mehr habe ich nicht dabei.“
„Andrea, was meinst Du dazu?“
„Eigentlich würde ich dieses Schwein lieber auf noch mehr verklagen und zusätzlich dafür sorgen, dass er dazu noch bestraft wird. Aber dann habe ich die Rennerei zur Polizei und zum Gericht. Also gut, denn das Geld spende ich sowieso einem Verein, der Huren hilft wenn sie aussteigen wollen.“
„Gut, dann machen wir es so“ sagte ich ihm. „Geben Sie Andrea das Geld und dann verlassen Sie das Haus, haben natürlich Hausverbot. Und wenn Sie irgendwo von dem Tag hier erzählen bleiben Sie bei der Wahrheit und sagen Sie Ihren Kumpels auch gleich, dass denen das bei jeder der Frauen hier ebenfalls so gehen würde, denn die achten auf sich und ihre Gesundheit genauso wie auf die ihrer Gäste.“
Andrea strahlte in dem Bewusstsein hier alles richtig gemacht zu haben.
„Der Kerl legte danach das Geld auf den Tisch und trollte sich“ fuhr Dieter fort. „Ich hoffte und hoffe noch immer, dass er zuhause noch richtig Ärger bekommen hat. Andrea hat mir übrigens am Tag danach einen Kontoauszug mit einer Überweisung in Höhe von 1.000 Euro an diesen Verein vorgelegt. Sie war anschließend natürlich obenauf, hatte bei den anderen Frauen noch einen Stein mehr im Brett. Ich war etwas irritiert. 1.000 Euro einfach verschenken, das war doch viel Geld. Am Tag danach habe ich sie darauf angesprochen. Ich hatte nicht damit gerechnet, aber sie war da viel pfiffiger gewesen als ich. Aber das erzählst Du mal besser selbst, Andrea.“
„Ich habe mir gedacht, 1.000 € sind viel Geld, können aber auch viel Ärger auslösen wenn der Mann entgegen allen Erwartungen doch Zirkus macht. Also wäre es gut wenn ich beweisen kann, dass ich es nicht behalten habe. So etwas geht einfach indem man spendet. Und wenn man sich als Empfänger einen gemeinnützigen Verein aussucht kann man das in der Einkommenssteuererklärung angeben und bekommt vom Finanzamt je nach Steuersatz etwa 25 bis 30 Prozent zurück – und keiner weiß, dass die eigentlich aus dieser Geschichte stammen. 250 bis 300 Euro sind auch viel Geld, bringen keinen Ärger und etwas Gutes getan hat man noch dazu…“
Sie war sowieso ein eigentlich fast immer fröhliches Wesen, aber so strahlen, mit einem derart verschmitzten Gesichtsausdruck, hatte ich sie noch nie gesehen.
„Andrea“, ich ging zu ihr, nahm sie in die Arme, „das hast Du klasse gemacht. Lass Dich mal richtig drücken!“
„Drücken, kuscheln auch? Darf ich wieder?“
„Ja, gerne, und vielleicht kriegen wir auch irgendwann doch noch ein bisschen mehr hin.“
Ruckzuck hatte ich sie am Hals, wurde nach einem ersten Testküsschen förmlich niedergeknutscht.
Ich löste mich mühsam von ihr. „Andrea, ich sprach von irgendwann, nicht von überfallartig sofort!“
„Na, das war doch irgendwann. Es waren mindestens 10 Sekunden vergangen. Das war doch lange genug!“
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. „Na, dann komm nochmal her!“
Marion und Helena saßen im Zimmer. Meine Frau lächelte, Marion sah ungläubig von ihr zu mir, schüttelte den Kopf. Sie wusste zwar, dass ich des Öfteren im Club war, wusste auch worum es da ging, aber als aktuelles Ereignis konnte sie es sich wohl nicht vorstellen. Insbesondere ging es wohl über ihr Begriffsvermögen hinaus, dass Helena offensichtlich mit meinem Fremdgehen einverstanden war. Helena erkannte die Verwirrung unserer neuen Mitarbeiterin, kündigte an ihr während der Rückfahrt alles zu erklären.
Dieter meldete sich noch einmal. „Zum Schluss habe ich noch ein weiteres Anliegen. Heike, Ihr wisst schon, die Nymphomanin, hat gefragt ob sie bei mir arbeiten kann. Eine weitere Frau kann ich gut gebrauchen, es sind ja in der letzten Zeit mehrere woanders hingegangen. Aber sie will nicht regelmäßig, sondern immer nur spontan kommen.“
„Das ist ganz einfach. Sie kann gern als zahlender Gast kommen wenn sie sich an die Clubregeln und noch ein paar zusätzliche hält. Der Einsatz der Mädels ist ja so geplant, dass es für die am jeweiligen Tag erwarteten Gäste ausreichend viele, aber nicht zu viele sind. Richtig?“
„Stimmt.“
„Wenn sie hier arbeiten würde hätten die, ich möchte sagen, Stammfrauen bei einer gleichbleibenden Zahl von Besuchern weniger Gäste, würden also Einkommen verlieren. Richtig?“
„Ja.“
„Sie will mit Sicherheit nur deshalb hierher kommen weil hier genug Kerle sind die mit ihr in die Kiste steigen und ihre Dauergeilheit wenigstens vorübergehend stillen können. Auf Geld legt sie sehr wahrscheinlich keinen Wert; ihr Mann verdient sehr gut. Wenn sie als Gast hier ist arbeitet sie nicht im Club, sondern geht ihren ganz eigenen Interessen nach. Also hat sie auch keinen Anspruch darauf von den Freiern für den Zimmergang einen Jeton zu erhalten. Sie soll den aber dennoch fordern und die die sie bekommen hat unter den anderen Frauen verteilen, die an diesem Tag im Plan standen. So haben diese weniger Arbeit, ein unvermindertes Einkommen und Heike genug Meter zwischen den Beinen gehabt, also eine win-win-win-Situation für alle. Ich gehe im Übrigen davon aus, dass sie eine gehörige Entlastung für die Frauen sein wird, denn sehr wahrscheinlich wird sie den Gästen auch Sachen bieten die die anderen nicht oder nur selten machen. Ich denke da an Küssen, Fingern, Massagen und vielleicht sogar Analverkehr. Ich hätte da keine Bedenken, solange die Clubregeln eingehalten werden. Eines solltest Du ihr aber bitte auch noch klar machen: für mich ist sie dann immer noch Gast im Club, also keine hier tätige Prostituierte. Einen Zimmergang wird es also schon deshalb mit mir nicht geben. Aber auch wenn sie auf Dauer hier wäre: ich habe mir zwischenzeitlich Gedanken zu diesem Thema gemacht. Sie ist immerhin die Frau von einem Sportfreund. Auch wenn der selbst einen sehr freizügigen Lebenswandel führt und von ihren Eskapaden weiß – ich ficke nicht mit der Frau eines Freundes! Was meinst Du dazu?“
„Gute Idee. Ich denke, dass ich das so rüberbringen kann und die Mädels werden auch nichts dagegen haben wenn sie weniger Arbeit, aber das gleiche Geld haben. Oder Andrea, was meinst Du dazu?“
Andrea hatte staunend zugehört als ich meine Idee entwickelte. Jetzt schreckte sie etwas auf, hatte nicht damit gerechnet in die Entscheidung einbezogen zu werden.
„Ich finde, dass das eine ganz tolle Lösung ist von der alle was haben und zusätzlich bringt die auch dem Club einen Gast mehr, nämlich Silke.“
Ein paar Tage gingen ins Land bevor Helena mich an einem Montagmorgen ansprach. „Robert, Du brauchst mal wieder ein wenig Entspannung. Ich fahre mit Marion und Udo zu Karin. Britta Maysert lernten wir zwar erst auf der Geburtstagsfeier kennen, fanden wir aber alle nett. Sie ist auch eingeladen. Wir wollen einen Mädelstag machen. Karin hat auch dafür gesorgt, dass Jürgen mit den Jungs was unternimmt, wir also das Haus für uns haben. Es ist doch schönes Wetter, richtig gut geeignet dem Oldie mal wieder ein wenig Auslauf zu gönnen. Was meinst Du?“
„Gute Idee. Ich rufe im Betrieb an, dass ich heute nicht komme. Mal sehen wer im Club heute noch da ist und Interesse hat mitzukommen.“
Dieter nannte auf Nachfrage einige Namen. Teils waren es Frauen mit denen ich noch nie im Zimmer gewesen war, teils waren es welche, die ich zwar als charakterlich in Ordnung kannte, von deren Service ich aber nicht überzeugt war. Iris war außer Haus, aber dann fielen die Namen Anja und Christina. Eigentlich wollte ich ja entweder mit einer Begleiterin fahren oder sie sollten zu dritt sein, damit sich die auf der Rückbank im Auto nicht langweilen würde. Aber, und das war mir eben klar geworden, als dritte wäre eh nur Iris infrage gekommen. Nun aber einen der Zwillinge bevorzugen, die andere zuhause lassen, das hätte auch meiner Begleiterin nicht gefallen und ich brachte das sowieso nicht übers Herz.
Ich bat Dieter das Handy einer der beiden Frauen zu geben, aber nicht zu verraten wer dran ist. Anja meldete sich dann auch mit ihrem Namen und fragte wer dran sei.
Ich verstellte meine Stimme etwas, wobei ich mir aber sicher war dennoch sofort erkannt zu werden. „Hier ist ein böser Mann, der zwei hübsche Frauen mit einer uralten Klapperkiste entführen wird, aber nur wenn die wollen und sich schick, aber nicht zu schick kleiden und auch eine Jacke dabei haben wenn es mal ein bisschen viel Wind geben sollte.“
„Das ist Robert. Der will mit uns einen Ausflug machen“ kam es in einer derartigen Lautstärke aus dem Hörer, dass ich zwischen Gerät und Kopf unwillkürlich einen halben Meter Luft brauchte. Jetzt war auch Christina zu hören: „Wohin?“
„Wird nicht verraten“ kam es sofort von mir. „Ich bin in etwa einer Stunde da und wenn Ihr so gekleidet seid wie ich es mir wünschte dürft Ihr einsteigen. Fahrzeit bis zum ersten Ziel etwa zweieinhalb Stunden.“
Ich war mir sicher, dass beide jetzt raten und mich mit Fragen löchern würden, denn bis zum Harz war es weitaus kürzer. Meine Vermutung war, dass sie von Andrea etwas über Derenburg gehört hatten und nun, auch wenn das mit der Fahrzeit nicht ganz passte, auf die Glasbläserei als Ziel tippen würden. Ich hatte aber etwas ganz anderes vor!
Als ich auf den Hof fuhr warteten beide schon vorm Haus, unterhielten sich mit zwei anderen Frauen. Einige standen oben auch an den Fenstern. Ich winkte denen zu während Anja und Christina auf mich zurannten. Christina – nicht wie sonst meistens Anja – sprang mir förmlich in die Arme und war dabei so heftig, dass ich Mühe hatte auf den Beinen zu bleiben. Gleich gab es die erste Ansage: „Macht bitte mal Eure Jacken auf.“ Die sahen ausreichend windfest aus, Regen war für diesen Tag nicht vorhergesagt worden. Unter den Jacken trugen beide Blusen mit einem wunderschönen Dekolleté, Anja in rubinrot, Christina in einem dunklen violett. Echt reizvoll! Dazu eng sitzende Jeans. Ich war mir sicher: beide würden heute bei diversen Kerlen Schnappatmung auslösen!
Ein dickes Kompliment war fällig und wurde gern spendiert. Die Mädels einigten sich darauf, dass zuerst Christina auf dem Beifahrersitz Platz nehmen würde. Kaum losgefahren ging die erwartete Fragerei los. Zwischendurch wurden auch konkrete Orte – Derenburg, Braunlage, St. Andreasberg und Thale - genannt. Ich fand mich ja sowas von bestätigt! Erst als wir die BAB weder an der Abfahrt Seesen noch bei Rhüden oder Bockenem verließen, sondern auf der A 7 weiterfuhren, war der Harz kein Thema mehr. Die beiden kannten sich aus, ich war überrascht, denn als nächstes wurden das Phaeno und die Designer Outlets in Wolfsburg genannt. Ich grinste nur, sagte nichts dazu bis wir auch am Salzgitter-Dreieck vorbeirauschten und Richtung Hannover weiterfuhren. Nächste Vermutung war irgendein Ziel in Hannover. Maschseefest konnte es nicht sein, das war schon lange vorbei. Rummel ebenfalls. Ein Museum? Etwas für sie derart Langweiliges trauten sie mir nicht zu. Einkaufsbummel in der Innenstadt? Als Idee eines Mannes unmöglich! Komplett wurde die Verwirrung als wir auf die A 2 wechselten. Da hatten sie nun gar keine Ideen wo das Ziel sein könnte. Auch als wir die an der Abfahrt Wunstorf verließen keimte kein Verdacht auf. So gut waren ihre Ortskenntnisse dann doch nicht.
„Jetzt sind wir schon in der Nähe vom Meer“ sprach ich beide an.
Christina sah ungläubig zu mir. „Das ist doch noch viel weiter entfernt und vor allem, da hätten wir nicht nach Westen, sondern nach Norden fahren müssen!“
„Wir sind aber tatsächlich am Meer. Hier gibt es auch ganz viele Fischrestaurants. In einem werden wir jetzt einkehren, schön zu Mittag essen. Danach erkunden wir den Ort ein wenig. Es gibt hier wunderschöne alte Häuser, eine Promenade, einen Bootsverleih, Bademöglichkeiten und vieles andere. Anschließend fahren wir mit einem kleinen Segelschiff zu einer Insel, werden, wenn ich Recht mit meiner Vermutung habe, während der Überfahrt viel Spaß haben. Auf der Insel gehen wir ein wenig spazieren, sehen uns alles an und fahren dann ebenso zurück..“
„Du veräppelst uns doch!“
„Nein, ich sage die Wahrheit, nichts als die Wahrheit!“
Inzwischen hatten wir das Ortsschild von Steinhude passiert. Plötzlich kam von hinten ein Zwischenruf. „Du, der hat Recht und uns trotzdem verarscht!“
Ich grinste mir einen, sah in den Spiegel. Anja hatte ihr Handy vorm Gesicht, da offenbar den Ortsnamen als Stichwort eingegeben.
„Es gibt hier einen großen See. Der heißt „Steinhuder Meer“. Und es gibt zwei Inseln: eine Badeinsel unmittelbar vor der Stadt und die Festung Wilhelmstein weit draußen im See. Da kann man mit einem Segelschiff hinfahren.“
„Stimmt alles, Anja. Aber zuerst suchen wir uns ein schönes Restaurant, am besten an der Promenade, essen dort. Es ist lange her, dass ich zuletzt hier war. Damals bin ich in einer Gaststätte gewesen, die erstklassige Fischgerichte anbot. Vielleicht finde ich die sogar wieder.“
Wir stiegen aus und hatten das Auto noch gar nicht richtig verlassen als die ersten Passanten stehen blieben, zu uns rüber sahen. Fraglich war nur wem nun die Aufmerksamkeit galt: meinem Auto oder meinen Begleiterinnen.
Es war nicht mehr so frisch wie am Morgen als wir losfuhren, sondern angenehm warm geworden. Meine Schönheiten hatten ihre Jacken locker über die Schulter gelegt, ihr Dekolleté bot einen richtig heißen Anblick.
Vom Parkplatz war es nicht weit bis zur Promenade und zu meiner Überraschung fand ich auch das Lokal auf Anhieb wieder. Glück hatten wir auch, denn das Restaurant war bis auf den letzten Platz besetzt, aber gerade als wir eintraten wurde ein Vierertisch frei. Es war sogar einer am Fenster, von dem man einen schönen Ausblick hatte. Die Frauen saßen nebeneinander, ich ihnen gegenüber. Deren Anblick war mir aber noch lieber als der Ausblick zum See. Die sahen aber auch sowas zum Anbeißen aus…
Interessanterweise wählten wir alle drei unterschiedliche Gerichte, bekamen die nach angemessener Zeit und wurden nicht enttäuscht. Außenstehende mussten uns für eine frisch verliebte Dreierbeziehung gehalten haben, so wie jeder von jedem anderen Gericht naschte bzw. von dessen Besitzer/in mit kleinen Bissen gefüttert wurde. Alles war richtig lecker und wenn ich da dann noch hin und wieder an den ganz späten Nachtisch (meine beiden Grazien vernaschen) dachte – so scharf war ich bei meinem missglückten Ausflug mit Andrea auf meine Begleiterin bei weitem nicht gewesen. Aber die Vorfreude ist ja bekanntlich die beste Freude.
Nachdem ich die in Anbetracht der Lage des Hauses überraschend günstige Rechnung beglichen hatte schlenderten wir gemütlich zum Anleger, kauften Karten für die Fahrt zur Festung. Vorher hatte ich Anja und Christina noch instruiert, dass wir uns auf die Luv-Seite, also auf die Seite des Schiffes, die dem Wind zugewandt war, setzen sollten. Ich hatte eine Gruppe von vier jungen Männern ausgemacht, die anhand des Dialektes feststellbar mit Sicherheit auch Touristen und ebenso wie wir auf dem Weg zum Schiff waren. Scheinbar waren sie leicht angetrunken, jedenfalls gaben sie lauthals jede Menge Macho-Sprüche von sich. Noch halbwegs harmlos waren Äußerungen wie „die tolle Molkerei der Weiber / geile Schnitten, die will ich ficken / der einen Arschfick verpassen, dass sie jubelt“. Andere waren weitaus heftiger. Meine Frauen kannten solche Äußerungen aus dem Club, aber das war schließlich eine ganz andere Umgebung und selbst da waren die überwiegend nicht in Ordnung. So aber freute ich mich auf den Streich, den ich ihnen spielen wollte. Meine Mädels sollten den Jungspunden bevor wir aufs Schiff gehen ein paar Mal ihr Milchgeschäft zeigen und einen kurzen Einblick in die Schlucht dazwischen gestatten. Ich sei mir sicher, dass sie sich im Boot in der Hoffnung weitere Einblicke dieser Art zu bekommen, uns so gegenüber hinsetzen würden, dass sie einen bestmöglichen Aus- und Einblick haben würden.
Schon als wir auf dem Anleger standen war zu merken, dass über dem offenen See eine steife Brise herrschte. Meine Vorfreude stieg und ich konnte mir das Grinsen nur mühsam verkneifen als wir unsere Plätze an der Luv-Seite des Boots so einnehmen konnten, dass der Einblick von gegenüber auf die reizvollen Hügel meiner Schönen nicht durch das Segel behindert wurde.
Mädels waren ja immer neugierig und so fragten beide wiederholt, wo denn der besondere Reiz der gewünschten Sitzordnung wäre. Ich mauerte, verriet nichts, aber die Pärchen rechts und links neben uns bekamen mit worüber wir uns unterhielten. Alle Vier lachten, eine der beiden Frauen mischte sich ein.
„Warten Sie nur noch ein paar Minuten. Wir wissen worauf Ihr Freund wartet und wissen auch, dass es einen Heidenspaß für uns geben wird.“
Die Sprüche der Männer gingen mehr und mehr unter die Gürtellinie. Sogar der Schiffer sah zu uns, wartete wohl auf eine Bitte die vom Schiff zu entfernen. Sowohl ich als auch unsere Nachbarn schüttelten heftig den Kopf. Als er das sah fing er an zu lachen, nickte, warf den Motor an und steuerte den Kahn auf den See, stellte dann gleich den Motor aus. Wir segelten! Eine herrliche Ruhe wäre es gewesen, wenn die Proleten die Klappe gehalten hätten. Ich hatte keine Ahnung vom Segeln und wusste daher nicht wie der Schiffer es machte, aber jedenfalls fuhr er das Schiffchen hart am Wind. Das Segel drückte es in Schräglage. Die Bordwand auf der Seite, auf der wir saßen, kam hoch aus dem Wasser, die gegenüber war mit der Oberkante nur wenige Zentimeter über dem Wasserspiegel. Durch den Wind war das Wasser ziemlich kabbelig, Wellen klatschten an das Schiff. Uns machte das nichts, aber die Leute gegenüber bekamen häufiger eine Dusche verpasst. Am heftigsten erwischte es – dass das auch klappen könnte hatte ich weder eingeplant noch zu hoffen gewagt – na wen wohl? Die Typen waren am Schimpfen wie die Rohrspatzen, suchten erkennbar nach einem freien Platz auf unserer Seite. Pech, alles besetzt. Dann wollten sie aufstehen, wurden aber vom Schiffer aufgefordert zur Unfallverhütung sitzen zu bleiben. Sie seien erkennbar alkoholisiert und daher nicht standsicher genug wenn eine Bö das Schiff erwischen sollte. Was waren die plötzlich herrlich schweigsam….
Wir konnten nunmehr die Geräusche, die nur durch Wind und Wasser verursacht wurden, genießen. Natur pur – herrlich! Auch meine Begleiterinnen genossen es. Viel zu schnell war die Fahrt vorbei. Ich ging vor dem Aussteigen noch zum Schiffer, bedankte mich deutlich vernehmbar für die wunderschöne Fahrt hart am Wind und drückte ihm als Dankeschön einen kleinen Schein in die Hand. Einige andere Fahrgäste beobachteten das, machten es mir nach. Der Käptn freute sich und grinste übers ganze Gesicht als vier pitschnasse Männer ausgesprochen leise sein Boot verließen.
Die Insel mit ihren gerade einmal 120 x 120 Metern Seitenlänge war rasch erkundet. Im Cafe ließen wir es uns gut gehen bevor wir wieder zum Anleger gingen, Der Zufall wollte es, dass wir dasselbe Boot nehmen konnten, das uns hergebracht hatte. Der Schiffer erkannte uns sofort, verwickelte uns in eine kurze Unterhaltung bevor wir losfuhren. Auch diesmal saßen wir auf der Luv-Seite, waren aber eher gemütlich unterwegs. Unsere Bordwand ragte zwar höher aus dem Wasser als die der gegenüberliegenden Seite, aber auch die war noch hoch genug, dass die Passagiere trocken blieben. Wieder in der Stadt angekommen ging es direkt zum Auto. Da ich noch ein weiteres Ziel hatte nur kurz Fragen einiger Passanten beantwortet, die um das Fahrzeug herum standen, ansonsten auf die Internetseite für unsere Ausstellung verwiesen, die Ilona schon vor längerer Zeit ins Netz gestellt hatte. Überrascht war ich, dass ungeachtet der doch erheblichen Entfernung mehrmals der Kommentar kam, dass man sich das ansehen wolle. Drei fragten sogar wo man sich anmelden könne. Leider war die Anmeldefrist schon einige Tage abgelaufen. Schade, denn hier musste irgendwo ein Nest von Citroenfans sein, denn neben einem Citroen SM und eines DS war uns so auch ein Maserati Merak entgangen, der ja auch in den ersten Ausführungen viele aus dem Citroenkonzern stammende Teile in sich trug. Außerdem hatte ich ein solches Auto noch nie gesehen. Schade!
Anja bemerkte, dass ich nicht den Rückweg eingeschlagen hatte, sondern ein neues Ziel ansteuerte. Sie fragte wohin ich sie denn entführen wolle. Die Antwort „zu Tieren, deren Beine so dick sind, dass Ihr Euch dahinter verstecken könnt“ glaubte sie mir natürlich nicht. Auch als Christina warnte ich hätte ja schon auf der Fahrt nach Steinhude einen vom Stapel gelassen, der wie geschwindelt aussah und sich dann doch als wahr herausstellte. Nach etwa 20 Minuten waren wir am Ziel. Im Dinosaurierpark war ich selbst noch nie gewesen, hatte ihn schon lange auf der ToDo-Liste. Mir war schon klar, dass er bei den Mädels nicht unbedingt auf gesteigertes Interesse stoßen würde, aber wenn man sowieso in der Nähe ist kann man auch so etwas gern mal mitnehmen.
Lustig wurde es als die Frauen erkannten, dass es gar keine lebendigen Viecher waren. Das hatten sie unwillkürlich erwartet. Aber ich hatte ja nur von Tieren gesprochen, nicht von lebenden Tieren. Wir sahen uns daher zügig um, machten – wie auch in Steinhude und auf der Insel – ein paar Fotos (ich wollte meiner Helena ja auch was zeigen können) und wollten endlich zurück zum Club. Kurz vor der Abfahrt Dieter angerufen, dass der den Pool und die Sauna anheizte, dann ging es los. Auch da hatten wir Glück, kamen zügig voran.
Dieter hatte uns auf den Hof fahren sehen, ließ uns ins Haus und ging, als wir drin waren, wieder nach oben. Die Mädels zerrten mich förmlich zur Dusche in der Nähe der Sauna. Klamotten ausgezogen, kurz geduscht und ab in die heiße Bude. Schon vor deren Tür ging es mit der Knutscherei los. Immerhin hatten wir uns den ganzen Tag damit ziemlich zurückgehalten. Auf der Bank setzten sich beide neben mich, eine rechts, die andere links, und fingen an mich am ganzen Körper zu streicheln. Ich wandte mich wechselweise zur einen, dann zur anderen Seite, revanchierte mich. Während mich Anja und Christina aber nicht zu sehr reizen durften – ich hatte schließlich keine gegen unendlich gehende Kondition – brauchte ich mich nicht zurückhalten. Immer wenn ich eine der beiden küsste waren entweder beide Hände dabei sie an allen erreichbaren Stellen zu streicheln oder eine beschäftigte sich schwerpunktmäßig damit ihre Pussy zu verwöhnen und zwischendurch immer mal wieder einen Finger auf Tauchstation zu schicken. Ein wenig necken wollte ich sie auch dabei und so hörte ich immer dann kurz auf wenn ich Anzeichen für einen nahenden Orgasmus erkannte, wechselte zur Schwester. Es dauerte etwas, dann änderte sich der Unterton in den Bitten, doch endlich fertig zu machen. Bei beiden kündigte sich Frust an. Das wollte ich nicht, also erst Christina richtig niedergeknutscht und ihre Clit intensiv verwöhnt. Sie kam fast sofort, klammerte sich dermaßen fest an mich, dass ich mich, wenn ich gewollt hätte, nicht hätte von ihr lösen können. Als sie sich etwas entspannte flüsterte ich ihr ins Ohr „Deine Schwester möchte auch“.
Sie löste sich von mir, ich stand auf, stellte mich vor Anja und zog sie zu mir hoch. Ich wusste, bei ihr würde eine Überschwemmung herrschen, hielt mich daher nicht mit langen Umwegen auf. Ein langer Kuss war sowieso fällig, beide Hände auf ihren Rücken, eine blieb dort, die andere wanderte schräg abwärts, landete schließlich vorn auf ihrem Dreieck. Dort einen Finger weitergeschickt bis der in die Tiefe gehen konnte, zurückgenommen und fest über ihren Klingelknopf gezogen. Dort musste der wirklich Alarm gemacht haben, denn sie hörte für einen Moment auf zu atmen. Jetzt wieder zurück zum Kitzler, dort hauchzart drüber gefahren, dass der mehr vom Luftzug als von der Fingerkuppe gereizt wurde – und das ganz schnell nacheinander wiederholt. Es dauerte keine Minute bis sie abhob, mich dermaßen fest umklammerte, dass mir fast die Luft wegging. Leise war sie dabei auch nicht gerade.
Die eine links, die andere rechts eingehakt, gingen wir zur Dusche, anschließend ins Sprudelbecken. Dort war dann nur kuscheln und schmusen angesagt, zwischendurch aber auch immer mal wieder ein wenig Spielerei an ihren und meinen empfindlichen Stellen. Nebenbei unterhielten wir uns, ich erzählte zunächst von meinem Werdegang. Als sie erfuhren, dass ich schon als Schüler meine Gesellenprüfung als Tischler bestanden hatte, staunten sie. Das hätten sie auch gern gehabt. Nein, nicht schon als Schüler, aber einen Ausbildungsplatz in einem handwerklichen Beruf. Tischler hätten sie sich gut vorstellen können. Dummerweise waren beide in der Schule in den ersten Klassen recht gut, aber mit der einsetzenden Pubertät ziemlich faul gewesen, hatten mehr Interesse an Jungs als am Lernen. Zeichnen, auch perspektivisch, und rechnen konnten beide recht gut. Auf den Mund gefallen waren sie auch nicht, wie ich selbst wiederholt feststellen konnte.
Beiden kamen die Tränen. Sie wollten so gern raus aus dem Milieu, sahen aber keine Chance dafür. Jetzt war trösten angesagt. Beide in die Arme genommen und erst mal nichts gesagt, sie einfach nur ausweinen lassen.
Fast zeitgleich fingen sie sich, begannen wieder mich zu verwöhnen, wollten jetzt in unser Lieblingszimmer. Raus aus dem Pool, kurz unter die kleine Gemeinschaftsdusche ohne uns beim Duschen heiß zu machen (!) und ab ins Zimmer.
„Robert“ fragte Anja, „wollen wir heute mal ganz zärtlich miteinander schlafen, nicht so wild miteinander bumsen wie wir es sonst gern haben?“
„Ja, gerne. Aber das kommt etwas überraschend. Hattet Ihr es sowieso so vor oder ist das eine Idee von gerade eben und was sagst Du, Christina, dazu?“
„Das fiel uns eben ein. Und absprechen brauchten wir uns nicht. Wir sind Zwillinge! Da weiß die eine sehr oft was die andere will.“
Anja mochte gern in der guten alten Missionarsstellung verwöhnt werden, mir dabei ins Gesicht sehen, mich küssen und streicheln können und ihrerseits von Christina an den Brüsten und, wenn ich mal etwas langsamer und nicht ganz so tief in sie eindrang, an der Muschi gestreichelt werden. Eine derart ruhige Nummer hatte ich schon lange nicht mehr geschoben. Machte richtig Spaß! Es dauerte ziemlich lange bis ich merkte, dass sie auf ihren Orgasmus zusteuerte. Bei mir war es fast gleichzeitig soweit. Danach blieb ich noch etwas in ihr, legte mich dann neben sie, nahm sie in den Arm und merkte wie sich Christina von hinten an mich drückte. Anja hielt mich eine ganze Zeit fest, schob mich dann aber weg und drehte mich zu ihrer Schwester.
„Und jetzt mache sie bitte genauso glücklich wie Du mich eben gemacht hast!“
Christina schlang ihre Arme sofort um mich. Ich wollte mich aus der Umklammerung herauswinden um rasch unter die Dusche zu gehen, aber sie hielt mich fest.
„Brauchst Du nicht“ wusste sie offenbar was ich vorhatte. „Anja und ich teilen alles, auch unseren Saft, wenn Du weißt was ich meine.“
Wir blieben erst mal stehen, kuschelten, knutschten und streichelten uns eine ganze Zeit. Anja passte währenddessen einen geeigneten Moment ab um mir das Kondom abzuziehen, meinen Schwanz mit einem Haushaltstuch grob zu reinigen und einen neuen Pariser zu montieren.
Ich merkte schnell, dass auch Christina heute eher auf der zärtlichen Schiene unterwegs sein wollte und passte mich gern an. Es dauerte recht lange bis sie mich auf den Rücken drängte. So konnte ich mich nach dem Orgasmus zuvor gut erholen und war wieder voll einsatzbereit. Gesagt hatte sie nichts, aber das war auch nicht nötig. Ich ahnte was sie vorhatte und wusste es als sie sich über mich schwang, sich mein Glied ganz genüsslich einführte, sich langsam auf und ab bewegte und dabei jedes Mal, wenn sie nach unten kam, ihre Muschi so fest wie möglich auf meine Hüfte drückte. Ihr ging es sicher darum, auch den letzten verfügbaren Millimeter in sich aufnehmen zu können. Mein Krieger stand zunächst stramm seinen Mann, aber durch die Langsamkeit der Bewegungen zeigte er dann doch Tendenzen sich zur Ruhe zu begeben. Das gefiel mir nicht und so fasste ich Christina an den Hüften, wollte von unten gegenstoßen. Das wieder passte ihr nicht. Blitzschnell hatte sie meine Hände entfernt, sie neben meinen Kopf gedrückt, sich vorgebeugt und hielt sie fest. Einerseits lag sie jetzt fast flach auf mir, ich konnte den Druck ihrer Brüste fühlen, andererseits war ihr Mund in der Nähe von meinem. Küssen aber war zu meiner Enttäuschung nicht möglich, sie wich mir immer wieder aus und meine überlegene Körperkraft einzusetzen, die Kontrolle über meine Arme zu übernehmen und sie festzuhalten, das hätte die schöne Atmosphäre zerstört. Aber immerhin bewegte sie sich jetzt etwas schneller, wechselte bald auch das Tempo und die Tiefe, in der sie mich eindringen ließ. Es war einfach affengeil. Ich merkte, dass es in ihr immer weniger Reibungswiderstand gab und hörte, dass es ihr wohl dennoch gefiel:
„Ist das schön. Ich komme bald!“
Bei mir hatte sich zwar inzwischen auch merkbar Spannung angesammelt, aber ich sah nun doch, dass es für mich die zweite Runde war. Als ich nicht antwortete ahnte Christina wohl was mich bewegte. Sie richtete sich auf, stützte sich mit den Händen auf meinem Brustkorb ab und drückte ihr Zentrum wie so oft vorher auch richtig fest auf mich, bewegte sich dann aber kreisend auf mir, so dass sich mein Glied auf ganz ungewohnte Weise in ihr bewegte. Dann fühlte ich wie mich plötzlich in ihr eine imaginäre Faust packte, fest drückte, löste, und das etliche Mal wiederholte. Dann hörte sie mit dem Kreisen auf, hob ihre Hüfte langsam an während mich ihre innere Faust immer noch quetschte, löste die Klammer als sie wieder runter kam. Nächste Variante war, dass sie mit den Kunststückchen aufhörte gerade als ich sie an der Hüfte fassen wollte. Sie legte sich erneut mit dem Oberkörper auf mich, fixierte mit ihren Händen wieder meine Arme, knutschte mich und bewegte ihre Hüfte dermaßen rasch, dass ich anfing laut zu stöhnen.
Sie wurde ebenfalls laut. „Ich….will….dass….Du….zugleich….mit…mir….kommst!“
Nach wenigen Minuten brüllten wir beide unsere Erlösung hinaus, hörten aber von der Seite ein langgezogenes „jaaaa“, das nicht von uns stammte. Anja hatte sich durch unser Beispiel selbst verwöhnt, war gerade gekommen. Sie war ein schöner Anblick: die Augen geschlossen, ein ganz entrücktes Lächeln im Gesicht, sowieso ein wunderschöner Körper, in dessen Muschi immer noch zwei Finger steckten.
Sagen brauchten wir nichts. Als sich Christina auf meine Seite legte kam Anja zu uns, zog mir das Kondom ab, wischte den Schwanz mit einem Küchentuch trocken und legte sich an meine andere Seite. Mal abwechselnd, mal gleichzeitig streichelten und knutschten mich beide. Ich hatte für jede eine Hand. Irgendwann unterblieb das, es war leise im Zimmer.
Mir fielen die unbesetzten Ausbildungsplätze bei Reiner und mir ein und fing an ein paar von den Fragen zu stellen, die ich routinemäßig bei den Bewerbergesprächen für Azubis nutzte. Beide schlugen sich überraschend gut. Auch auf Scherzfragen, die eigentlich nur dazu da waren um sie aufs Glatteis zu führen, fielen sie nur in den wenigsten Fällen rein.
„Robert, Du unterhältst Dich gerade mit uns als hätten wir uns als Lehrlinge bei Dir beworben. Hast Du etwa zwei Ausbildungsplätze zu besetzen?“
„Nein. Ich habe zwar zwei offene Stellen für Auszubildende, mag die aber aus verschiedenen Gründen nicht mit zwei Personen besetzen, die auch privat immer zusammen sind. Aber Reiner, den kennt Ihr ja auch, hat auch zwei unbesetzte Ausbildungsplätze, ist, was deren Besetzung mit Geschwistern angeht, sehr wahrscheinlich derselben Meinung wie ich. Das neue Ausbildungsjahr hat noch nicht begonnen. Es wäre also der richtige Zeitpunkt. Allerdings habe ich weder mit Reiner gesprochen noch ist mir klar wie ihr zu den Arbeitsstellen kommen und wo Ihr wohnen könntet. Ihr müsstet Euch zumindest während der Arbeitszeit trennen, vielleicht sogar jede eine eigene Wohnung haben. Ich glaube das wäre das erste Mal, dass Ihr länger nicht zusammen seid und dürfte Euch entsprechend schwer fallen. Außerdem würde es natürlich die Bettgeschichten mit mir nicht mehr geben. Ihr seid dann Azubis und wenn die Sex mit dem Lehrherrn haben wäre das ein ganz spezielles Thema. Damit möchte ich mich nicht auseinandersetzen müssen und Reiner sicher auch nicht.“
„Robert, wir könnten eine gemeinsame Wohnung in einem der beiden Arbeitsorte nehmen. Unser Auto würde dann eben die nehmen die im anderen Ort arbeitet. In unserer Freizeit wären wir immer noch zusammen und wenn mal eine was unternehmen möchte nimmt sie eben unseren Wagen. Der ist zwar schon alt, macht aber keine Mucken und verursacht keine übermäßigen Kosten. Wohnung und Auto können wir, wenn wir beides zusammen nutzen, sicher auch von unserem Azubigehalt bezahlen. Da sehen wir kein Problem. Aber jetzt nach doch schon einigen Jahren als Huren werden doch alle Kollegen uns sicher nur als Nutte, aber nicht als Lehrling im Handwerk betrachten. Das gibt doch dann ein Spießrutenlaufen sondergleichen wenn wir uns nur gegen Übergriffe wehren müssen statt die Zeit zum Lernen verwenden zu können. Kein Sex mehr mit Dir wäre zwar schade, aber der Ausstieg aus dem Milieu wäre Anja und mir wichtiger. Aber wir haben ja sowieso keine Chance.“
Ihr kamen die Tränen.
Eine Fortsetzung ist in Arbeit, kann aber wie üblich länger dauern
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