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Den Schein wahren ... solange es möglich ist (fm:Ehebruch, 10176 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen

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Veröffentlicht: Nov 03 2026 Gesehen / Gelesen: 1466 / 962 [66%] Bewertung Teil: 9.37 (19 Stimmen)
Episode 2 - Beginn einer neuen Zeitrechnung

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Den Schein wahren …

… solange es möglich ist

Episode 2 Beginn einer neuen Zeitrechnung

Jenna öffnet die Schlafzimmertür, Egon dicht hinter ihr. Der vertraute Raum wirkt plötzlich fremd. Sie geht zum Schrank, zieht die Tür auf und bleibt davor stehen, als müsse sie sich zum Weitermachen zwingen. Dann dreht sie sich um. „Also?“ Ihre Stimme ist leise, aber fest. „Soll ich den Koffer herausnehmen und packen, oder sagst du mir endlich, warum ich bleiben soll?“ Egon bleibt im Türrahmen stehen. Er sucht nach einem Satz, der sie aufhält, und findet nur die alten Worte. „Jenna … bitte. Nach heute Morgen dachte ich, wir hätten wieder einen Anfang.“ „Ah und da hast du gedacht das meine Wut und der Preis, den ich für den erhalt unserer Ehe einfordere, sich wie Rauch verzogen hat“ Sie lacht kurz, freudlos. „Weil ich nicht sofort gegangen bin?“ Ihre Hand schließt sich um den Koffergriff. „Das war kein Anfang. Das war den Schein vor den anderen wahren. Bevor wir beide genau wissen, wie wir nun weiter miteinander umgehen.“ Etwas in ihm zieht sich zusammen. Erst jetzt begreift er: Sie droht nicht. Sie zeigt ihm, wie nah sie am Ende steht. „Ich liebe dich“, sagt er hastig. „Das muss doch zählen.“ „Es zählt“, erwidert sie. „Aber es reicht nicht mehr.“

Jenna stellt den Koffer aufs Bett. Der Reißverschluss klingt in der Stille zu laut. Egon zuckt zusammen. Es ist nur Metall auf Stoff, und doch klingt es endgültig. „Musst du das wirklich tun?“, fragt er und hört selbst, wie hilflos es klingt. „Ich weiß es nicht“, sagt sie. „Genau das ist das Problem.“ Jenna sieht ihn nicht an, während sie weiterspricht. „Ich weiß das du mich liebst. Aber ich weiß auch das du es liebst in der Möse meiner Mutter einzutauchen. Sie kräftig oder dich kräftig von ihr ficken zu lassen.“ Egon will sich verteidigen. Sagen, dass er nicht so berechnend ist. Dass er selbst kaum weiß, was richtig ist. Stattdessen sagt er: „Das ist nicht fair.“ Jenna richtet ihren Blick auf ihn. „Nein. Fair ist es schon lange nicht mehr.“ Ihre Stimme wird weicher, nicht schwächer.

Egon sieht, wie sehr Jenna unter Spannung steht; ihre Hände zittern leicht. Er tritt auf sie zu, will sie in den Arm nehmen und beruhigen. Doch Jenna hält ihn sofort auf und drückt beide Hände gegen seine Brust. „Nicht, Egon.“ Bewusst sagt sie in diesem Moment nicht Schatz. „Erst muss ich wissen, wo ich bei dir stehe. Nicht nur, ob du mich liebst, sondern ob dir unsere Ehe wirklich wichtig ist.“ „Jenna, Schatz. Natürlich bist du mir wichtig. Und unsere Ehe auch“, erwidert Egon mit unsicherer Stimme. „So fühlt es sich gerade nicht an.“ Jenna schiebt ihn weiter von sich weg und geht zum Kleiderschrank. „Du erwartest, dass ich dir diese Freiheit lasse. Jederzeit mit Mama schlafen zu können“, sagt sie und nimmt die ersten Sachen heraus. „Aber gleichzeitig soll ich hier bleiben und warten, bis du mich auch mal wieder fickst?“ Egon steht sprachlos am Fußende des Bettes. Er hört ihre Worte und sieht, wie sie die ersten Kleidungsstücke in den Koffer legt.

„Ist dir das wirklich so wichtig?“, fragt Egon, als Jenna zum zweiten Mal zum Schrank geht. Ohne sich umzudrehen, seufzt sie. „Ja. Nur so, Egon. Entweder zu meinen Bedingungen oder gar nicht. Ich kann und will nicht zweite Geige spielen — nicht bei dem Mann, den ich so sehr liebe.“ Die letzten Worte kommen fast nur geflüstert. Doch Egon hört sie. Mit schnellen Schritten steht er neben ihr. „Schatz, ich liebe dich doch auch. Wir kriegen das hin … ohne diesen Weg gehen zu müssen.“ Jenna dreht sich zu ihm um und sieht ihm direkt in die Augen. Egon erkennt, dass ihr Blick feucht ist. „Das wünsche ich mir so sehr. Aber kannst du mir versichern, dass zwischen dir und Mama nie wieder etwas passiert?“ „Ja, das kann ich“, antwortet Egon. Doch Jenna bemerkt die kurze Verzögerung. „Siehst du?“, flüstert sie. „Da ist sie wieder. Diese Sekunde, in der du die Antwort suchst, die mich am wenigsten verletzt.“ „Weil ich dich nicht verlieren will.“ Diesmal klingt es nicht wie ein Argument, sondern wie ein Geständnis. „Dann hör auf, mich mit halben Wahrheiten festzuhalten.“

„Gib mir eine Chance“, sagt Egon. „Eine echte. Nicht diesen Abschied auf Probe.“ Er hasst, wie sehr es nach Bitten klingt und wie wenig nach Verantwortung. Jenna schließt die Augen. „Ich habe dir Chancen gegeben, Egon. Stille Chancen. Jeden Tag.“ „Das habe ich nicht gesehen.“ Die Worte kommen klein heraus. Zum ersten Mal macht er sie nicht größer.

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