Anastasia Serinskaya - Die Agentin - Teil 2 (fm:Romantisch, 72891 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Freudenspender | ||
| Veröffentlicht: Jan 24 2026 | Gesehen / Gelesen: 550 / 453 [82%] | Bewertung Teil: 9.93 (14 Stimmen) |
| Anastasia ist nun als Beraterin des Außenministers, ihres Freundes Sam tätig. In dieser Eigenschaft begleitet sie ihn zum Staatsbegräbnis von Präsident Popov. Zunächst sind dort die Machtverhältnisse unklar. Aber bald krista | ||

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mustern mich eingehend.
"Hat denn Frau Serinskaya die entsprechende Sicherheitsfreigabe, um an solch geheimen Treffen teilzunehmen?", will der Mann vom FBI wissen.
Ich halte augenblicklich die Luft an, weil mir in dem Moment klar wird, dass ich davon zwar gehört habe, dass es in den USA ein sehr strenges System gibt, wer welche Geheiminformationen und vertrauliche Unterlagen bekommen und einsehen darf. Bisher hat sich mir diese Frage allerdings nie gestellt, ich nehme aber an, dass ich nichts dergleichen besitze.
"Frau Serinskaya hat die höchste Freigabe - von mir persönlich", höre ich eine Stimme laut hinter mir.
Es ist der Präsident persönlich. Er muss von mir und wohl auch von den anderen unbemerkt den Raum betreten haben. Dabei hat er wohl auch die Frage mitbekommen und diese gleich beantwortet.
"Herr Präsident, ich wollte nur sicher sein, dass ...", rechtfertigt sich der FBI-Mensch. Dieser aber winkt nur ab.
"Herr Präsident", grüße ich freundlich.
"Anastasia, schön sie wiederzusehen", erwidert er meinen Gruß.
Ich bemerke, dass ihn die Umstehenden überrascht anstarren. Ich nehme an, das liegt daran, dass er mich beim Vornamen anspricht.
"Was ist, meine Herren, legen sie los! Zeit ist Geld!", meint der Präsident. Dabei nimmt er mich um die Taille. "Kommen sie, setzen wir uns. Haben sie sich gut eingelebt?"
"Ja, danke der Nachfrage."
"Sam hat aber auch ein Glück", meint er. "Fast könnte ich ihm neidisch sein."
"Ich habe mit ihm aber auch großes Glück, sehr großes Glück sogar", antworte ich.
Inzwischen sitzen wir in der ersten Stuhlreihe in der Mitte. Ich bin zwischen dem Präsidenten und Sam, dann kommen alle anderen. Direkt neben dem Präsidenten sitzt der CIA-Chef. Ich bin inmitten wichtiger Personen.
"Wie sieht es aus?", will der Präsident von seinen Geheimdienstleuten wissen. Er ist dabei ausgesprochen locker.
"Popov ist in einem wahren Raketenhagel ums Leben gekommen", beginnt der CIA-Chef. "Das war nur möglich, weil eine ukrainische Rakete im Anflug die russischen Systeme aktiviert hat, welche sie abfangen sollten.
Aus bisher unerklärlichen Gründen haben sich allerdings die Abfangraketen gegen das Ziel und nicht gegen die Rakete gerichtet. Sie haben plötzlich den Wagen von Popov anvisiert. Die Feuerkraft muss gewaltig gewesen sein. Vom Wagen und vom russischen Präsidenten selbst, ist so gut wie nichts mehr übrig. Wenn Sie wollen, ich hätte Fotos."
"Nein danke, das muss ich mir nicht geben", meint der Präsident. "Wie konnte es zu so etwas kommen?"
"Wir haben keine Ahnung. Selbst die Ukraine weiß nicht, warum die Rakete im Anflug auf den Wagen Popovs war. Sie hatten zu dem Zeitpunkt auch keinen Agenten in der Nähe. Es war nur eine einzige Rakete, die aber verheerende Folgen für die Russen hatte.
Was keiner sich erklären kann, ist, warum die Rakete genau dorthin abgefeuert wurde, wo sie den russischen Präsidenten getroffen hat. Niemand konnte wissen, dass Popov auf dem Weg zur FSB-Zentrale war. Auch weiß bis heute keiner, was er dort wollte.
Selbst die Russen stehen vor einem Rätsel. Er hat sich aus heiterem Himmel dazu entschlossen, dorthin zu fahren. Das konnten nicht einmal die eigenen Leute vorher wissen und deshalb scheint ein gezielter Anschlag auf den russischen Präsidenten auch eher unwahrscheinlich zu sein."
"Was denken die russischen Behörden?", will ich wissen.
"Die gehen auch von einer fehlgeleiteten Rakete und einem Zufallstreffer aus."
"Dann ist nicht mit Konsequenzen zu rechnen?", bohre ich nach.
"Konsequenzen? Warum? Außerdem befinden sich die Russen derzeit in einem internen Machtkampf. Jeder will jetzt an die Macht. Noch ist völlig unklar, wer auf Popov folgen soll. Erst dann wäre mit einer Reaktion zu rechnen. Aber ich glaube nicht, dass es eine geben wird."
"Wann wird die Beisetzung sein?", will nun wieder der Präsident wissen.
"Noch steht kein Datum fest. Lange kann es allerdings nicht mehr dauern. Zu lange dürfen sie nicht mehr damit zuwarten. Das Machtvakuum muss so schnell wie möglich geschlossen werden", antwortet der Mann von der CIA.
"Gut, gibt es sonst noch etwas?", will der Präsident wissen.
Alle schütteln nur den Kopf. Offenbar sind die Informationen dürftig, aber alles, was man besitzt. Deshalb hoffen die Leute von den Diensten, dass nicht viele Fragen gestellt werden, die sie in Verlegenheit bringen könnten. Mir jedoch soll es recht sein. Ich bin vor allem froh, dass auch die Russen im Dunkeln tappen.
"Dann lassen sie uns bitte allein. Ich möchte mit meinem Außenminister und Frau Serinskaya noch etwas besprechen", sagt der Präsident. Er bleibt ruhig neben mir sitzen.
Die Geheimdienstler stehen auf, verabschieden sich bei uns und machen sich auf den Weg. Mir fällt auf, dass sie mich genauso freundlich und aufmerksam grüßen, wie den Präsidenten und Sam. Offenbar hat der freundliche Umgang, den William mit mir pflegt, alle Bedenken ausgeräumt.
"Sie werden Sam nach Moskau begleiten, wenn es dann so weit ist, dass Popov beigesetzt wird", wendet sich der Präsident an mich.
"Das war so geplant."
"Sie beide waren wohl die letzten Ausländer, die mit Popov gesprochen haben."
"Sollen wir es ihm sagen?", flüstert mir Sam ins Ohr.
"Das musst du wissen", raune ich zurück.
"Was habt ihr beiden zu tuscheln?"
"Wir sollten dir etwas erzählen", meint Sam. "Als Präsident der Vereinigten Staaten hast du wohl ein Recht darauf, es zu erfahren."
"Das wäre?"
"Ich hin Schuld daran, dass Popov jetzt tot ist", gestehe ich.
Der Präsident schaut mich einige Zeit lang an, sagt aber nichts. Ein sonderbares Schmunzeln spielt um seine Mundwinkel.
"Schuld oder Verdienst?", meint er schließlich. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir so etwas bereits gedacht. Es waren keine Agenten der Ukraine in der Nähe, haben wir vorhin gehört. Aber eine Agentin war in Moskau.
Und ich denke, auch die Russen und unsere Geheimdienste haben sie im Verdacht. Die Sache ist allerdings, dass niemand auch nur den geringsten Hinweis oder gar Beweis dafür hat. Aber, sagen sie, wie haben sie es angestellt?"
"Ich hatte für meine Aktion auf der Krim fünf Peilsender bekommen. Vier davon habe ich bei meinen Einsätzen verwendet, einer war mir übriggeblieben."
"Und den hat sie Popov bei unserem Besuch in die Brusttasche gesteckt", erzählt Sam weiter.
"Du wusstest davon?", wendet sich der Präsident an meinen Freund.
"Sie hat er mir erst gestanden, als wir bereits in der Luft waren."
"Das hat sie gut gemacht", grinst der Präsident.
"Einmal aktiviert war klar, drei Stunden später schlägt die ukrainische Rakete ein und lenkt die russischen Abwehrraketen auch noch auf das Ziel."
"Aber warum ist Popov so unerwartet zur FSB-Zentrale aufgebrochen?"
"Wir sind von ihm empfangen worden und die Gespräche kamen nicht vom Fleck. Da wollte er überraschend mit mir unter vier Augen sprechen und mich dabei zum Aufgeben meiner strikten Position bewegen.
Er wurde dabei handgreiflich, als ich nicht auf seine Forderungen eingegangen bin. Als er mich daraufhin sogar gewürgt hat, habe ich ihm einen Tritt in sein Gemächt versetzt, was ihn ein wenig geärgert hat."
"Ein wenig geärgert, das kann ich mir gut vorstellen", lacht der Präsident.
"Er hat mir daraufhin gedroht, mich fertig machen zu lassen."
"Das war also sein Verhängnis."
"Die Rakete hätte ihn so oder so getroffen. Das ist nicht der Punkt. Seine Abreise war jedoch ein großes Glück für die Menschen im Kreml. Da er unterwegs war, schlugen die Raketen nicht dort, sondern in seinem Wagen ein."
"Das hast du gut gemacht", sagt der Präsident. Er ist einfach zum Du übergegangen. "Ich bin übrigens William."
"Ich bin Anastasia, aber das weißt du ja schon", lächle ich etwas verlegen.
"Du solltest in Moskau aber vorsichtig sein. Man kann nie wissen."
"Machst du dir Sorgen, um mich?"
"Mein Außenminister arbeitet doppelt so gut, seit du mit ihm zusammen bist. Ich habe zwar noch nicht verstanden, warum das so ist, aber ich denke es liegt an deiner guten Beratung."
Beide schauen wir schelmisch grinsend zu Sam.
Kapitel 2
"Ich habe nichts zum Anziehen!", jammere ich.
"Das sagen Frauen immer", kontert Sam.
"Du bist gemein. Ich habe wirklich nichts anzuziehen", protestiere ich.
"Ich sehe dich sowieso lieber nackt", grinst er schelmisch. Manchmal kommt er mir vor, wie ein kleiner Junge.
"Nackt? Bei Popovs Beerdigung?", antworte ich gespielt empört.
Gut zwei Wochen sind seit dem Tod des russischen Präsidenten vergangen und übermorgen sollen wir los, um an den Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen. Das Programm ist ganz schön umfangreich. Die Leiche wird zunächst im Kreml aufgebahrt. Das bedeutet, wir müssen dort vorbei.
Am Tag darauf findet dann die offizielle Trauerfeier statt. Mit einem großen Staatsakt soll sich die Welt vom großen Herrscher verabschieden. Im Anschluss daran sollen die sterblichen Überreste in seine Heimatstadt Sankt Petersburg übergeführt und dort am Freidhof im kleinsten Kreis beigesetzt werden.
Wir sind also zwei Tage in Moskau und dafür brauche ich die passende Kleidung. Ich bin nur mit dem, was ich am Leib trug in die USA gekommen. Ich habe zwar Einkäufe gemacht und im Schrank ein paar Kleider hängen, aber viel ist es nicht. Für einen so wichtigen Anlass ist sowieso nichts Passendes dabei.
Sam hat uns beide für den Staatsakt angemeldet. Die Russen wissen also, dass ich dabei bin. Die Warnung des Präsidenten hat mich ein wenig beunruhigt. Er kennt schließlich die russische Seite. Aber kneifen werde ich auf keinen Fall.
"Dann gehen wir einkaufen", meint Sam ungerührt.
"Wir?"
"Ja, ich begleite dich, damit du nicht etwas kaufst, das nicht angemessen ist. Immerhin bezahlt die Staatskasse deine Kleider."
"Die Staatskasse zahlt meine Kleider?"
"Es ist ein offizieller Anlass und du vertrittst zusammen mit mir den Präsidenten der Vereinigten Staaten."
"In solchen Fällen zahlt die Staatskasse?", frage ich ungläubig.
"Natürlich, du kannst doch solche Kleider nicht aus der eigenen Tasche bezahlen."
"Gibt es da ganz bestimmte Läden?"
"Nein, man geht zu Designern."
"Ich brauche doch kein Designerkleid", antworte ich leicht empört. "Ich bin doch kein Püppchen."
"Anastasia, das hat mehrere Gründe, warum wir bei Designern einkaufen, vor allem die Frauen."
"Die wären?"
"Zum einen werden auf diese Weise junge aufstrebende Modeschöpfer gefördert, weil sie ein Kleid verkaufen, aber auch weil jemand dieses in der Öffentlichkeit trägt und damit indirekt Werbung dafür macht. Andererseits geht es aber auch darum, dass unsere Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, sich so etwas leisten können."
"Ich bin also prominent?"
"Du vertrittst den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Hast du eine Ahnung, wie die Augen auf dich gerichtet sein werden?"
"Auf dich aber auch."
"Ja, auf mich auch", grinst er.
"Nun dann, lass uns shoppen gehen. Wann hast du Zeit?"
"Heute Nachmittag würde dir passen?"
"Ich kann es mir einrichten."
"Gut, dann hole ich dich um 14 Uhr ab."
Ich gebe Sam noch einen innigen Kuss, dann macht er sich auf den Weg. Ich bleibe in der Wohnung, um einige Unterlagen durchzusehen. Ich stehe inzwischen in Kontakt mit dem ukrainischen Geheimdienst. Ich darf dazu sogar die geheime Kammer für sichere Verbindungen im Weißen Haus nutzen, ganz für mich allein.
Ich habe meinen Landsleuten nie verraten, dass ich für die Rakete verantwortlich bin, die Popov erwischt hat. Sam hat mir geraten, dieses Detail auch vor den eigenen Leuten geheim zu halten. Es sollten nicht zu viele Leute davon wissen, weil die Gefahr einer undichten Stelle zu groß sein könnte.
Was mich beunruhigt ist, dass die Verbindung zu Ekaterina in Sewastopol auf der Krim abgebrochen ist. Seit mehreren Tagen hat sie sich, meinen Kontakten zufolge, nicht gemeldet. Sie war meine Ansprechperson, als ich auf die Krim beordert wurde, und ist in der Folge zu einer Freundin geworden. Ich mache mir deshalb Sorgen, große Sorgen sogar.
Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass für ein oder zwei Tage der Kontakt zu einer Außenstelle ausfällt. Bei Ekaterina sind es nun aber schon zu viele Tage, damit es noch normal sein könnte. Ich bin deshalb sehr beunruhigt.
Ich habe nur durch Zufall davon erfahren, dass sie Probleme gibt, mit ihr Kontakt aufzunehmen, weil ich mich nach ihr erkundigt habe. Ich wollte ihr einen schönen Gruß ausrichten lassen.
Schon bei einem früheren Kontakt mit dem SBU habe ich darum gebeten, der Leiterin der Modelagentur auf der Krim ausrichten zu lassen, dass es mir gut geht und, dass ich noch lebe. Nach dem Raketeneinschlag in das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte hatte sie, wie erwartet, angenommen, dass auch ich unter den Toten bin, weil ich mich nicht mehr zurückgemeldet habe. Sie konnte unmöglich wissen, dass ich nicht ganz freiwillig an Bord eines russischen U-Bootes gegangen bin.
Pünktlich um 14 Uhr fahre ich mit dem Aufzug hinunter in die Garage, begleitet von zwei Sicherheitsleuten. Sam hatte angerufen, dass er pünktlich sein werde und wir uns in der Garage treffen.
Ich muss auch nicht lange warten und schon rollt die Wagenkolonne auf mich zu. Ich steige ein und wir fahren los. Zur Begrüßung küsse ich Sam lang und innig. Erst danach setze ich mich neben ihm hin.
"Wohin bringst du mich?"
"Zu einer völlig unbekannten Modeschöpferin, die aber echt schöne Kleider macht", antwortet er.
Ich lehne mich im Wagen gegen ihn und genieße seine Nähe. Er legt den Arm um mich und spielt durch meine Bluse hindurch mit meiner Brust. Ich lasse ihn gewähren, auch wenn der Fahrer uns im Rückspiegel beobachtet und grinst.
"Ich hoffe, wir finden bald das richtige Kleid", sage ich verträumt. Ich genieße seine Zärtlichkeiten.
"Ein Kleid?"
"Was sonst?"
"Du kannst nicht die ganze Zeit dasselbe Kleid tragen. Das würde aussehen, als könnten es sich die USA nicht mehr leisten, dich angemessen einzukleiden."
"Dann eben zwei."
"Mindestens drei!"
"Wie, mindestens drei?", frage ich überrascht.
"Ein Kleid für den Besuch am Sarg, eines für das Abendessen und ein drittes tags darauf für den Staatsakt", zählt er auf.
"Kann ich nicht zumindest am ersten Tag nur ein Kleid tragen?"
"Wo denkst du hin. Du kannst mit mir doch nicht in einem schwarzen Kleid zum Abendessen gehen."
"Mann, ist das kompliziert", jammere ich.
Ich bin ein einfaches Mädchen vom Lande und komme zudem aus der Ukraine. Da hat man nicht so viele Kleider, zumindest nicht für jeden Anlass ein anderes. Trotzdem gebe ich mich ohne Widerworte geschlagen und lehne mich wieder an seine Schulter. Ich kenne diese Welt noch nicht gut genug und verlasse mich wohl lieber auf Sam.
Die Fahrt dauert zu meinem Leidwesen nicht lange und schon hält die Wagenkolonne an. Ich muss mich schon wieder von Sam lösen. Ich hätte noch gerne etwas länger gekuschelt, aber da die Sicherheitsleute schon alle ausgestiegen sind und die Türen unseres Wagens öffnen, wird daraus nichts.
Wir steigen beide auf der jeweiligen Seite aus und ich umrunde schnell das Fahrzeug, um mich bei Sam unterzuhaken, der mich dann zu einem Laden führt, der ausgesprochen schlicht aussieht.
"Das ist ein Mode-Label?", frage ich etwas überrascht.
"Ich habe dir doch gesagt, es ist eine noch völlig unbekannte Modeschöpferin."
"Und woher kennst du sie dann?"
"Sie ist mit meiner Schwester befreundet."
"Du hast eine Schwester? Davon hast du mir nie erzählt!"
"Du weißt nicht alles von mir, wie du siehst. Ein Mann muss sich ein paar Geheimnisse bewahren."
"Sagt man dies nicht eher bei Frauen?"
"Ich bin für Gleichberechtigung", grinst er schelmisch.
Wir haben die Tür erreicht und einer der Sicherheitsleute öffnet sie. Zunächst blickt er sich drinnen um und gibt dann erst den Weg frei. Mich nervt diese Kontrolle, als ob ich nicht selbst auf mich aufpassen könnte. Aber es ist nun mal die Pflicht dieser Männer, also lasse ich sie gewähren.
"Was für eine Überraschung! Bist du es wirklich?", quietscht eine Frau, als wir den Laden betreten.
Zunächst bin ich etwas überrascht von diesem Empfang, auch weil ich nicht weiß, ob sie mich oder Sam meint. Mir wird aber recht schnell klar, dass es nur um meinen Freund gehen kann, weil ich diese Frau noch nie zuvor gesehen habe.
Tatsächlich ist es dann auch so. Sie läuft auf Sam zu und fällt ihm um den Hals. Als einer der Sicherheitsleute eingreifen will, gebe ich ihm ein Zeichen, dass er sich zurückhalten soll. Er war wohl von der Frau überrascht worden, die so plötzlich auf den Außenminister zugestürmt war. Um ehrlich zu sein, kann ich es ihm auch nicht verübeln. Er hat schließlich nicht mitbekommen, was ich vorher mit Sam gesprochen habe, und weiß deshalb nicht, dass sich die beiden kennen.
Plötzlich hält die mir fremde Frau inne und löst sich von Sam. Ein wenig peinlich berührt, schaut sie mich an. Immerhin hatte Sam meine Hand loslassen müssen, als sie in angesprungen ist.
"Darf ich vorstellen", meint Sam. Ihm ist der Blick wohl auch aufgefallen. "Das ist Ava Greenwood, eine Freundin meiner Schwester und das ist Anastasia Serinskaya, meine Freundin."
Die Frau, von der ich nun weiß, dass sie Ava heißt, kommt auf mich zu und hält mir die Hand entgegen, die ich freundlich lächelnd schüttle. Sie ist nur wenige Jahre älter als ich. Ich nehme deshalb an, dass Sams Schwester jünger ist als er.
"Ich habe schon viel von dir gehört. Das Fernsehen berichtet ja öfters über dich."
"Öfter als mir lieb ist", lächle ich.
"Du bist im Moment eine der bekanntesten Persönlichkeiten im Land. Du hast dir diesen eingefleischten Junggesellen geschnappt, kommst aus der Ukraine und hast Heldentaten vollbracht. Das ist eine unfehlbare Mischung, um in die Schlagzeilen zu kommen."
"Obwohl mir das nicht besonders angenehm ist."
"Das kann ich mir vorstellen. Als Agentin bleibt man lieber unerkannt", grinst Ava.
Sie hat sich inzwischen bei mir untergehakt und mich zu einer Sitzecke geführt. Das Möbel ist etwas älter, aber sauber. Man sieht, dass Ava es nicht leicht in der Branche hat. Ich nehme an, dass ihr Sam dadurch unter die Arme greifen will, indem er mich bei ihr einkleidet.
Ich muss ehrlich gestehen, auch ich finde Ava ausgesprochen sympathisch. Sie ist zudem hübsch und könnte ohne Probleme als Model arbeiten. Trotzdem wirkt sie nicht eingebildet oder abgehoben.
"Serena hat mir schon erzählt, dass Sam nur so von dir schwärmt."
"Serena?"
"Hat er dir seine Schwester noch nicht vorgestellt. Wie lange seid ihr denn schon zusammen?"
"So lange ist das auch nicht und außerdem waren wir eine Woche in Alaska."
"Ach ja, Serena hat so etwas erwähnt. Wie hast du den alten Sportmuffel dazu gebracht ein solches Abenteuer mitzumachen."
"Ich habe gesagt, ich mache es auch allein. Das wollte er dann wohl doch nicht."
"Das kann ich verstehen. Serena hat mir erzählt, du hast ihm zweimal das Leben gerettet."
"Das war kein großes Ding", versuche ich abzuwiegeln.
"Kein großes Ding? Einmal hing er über einem Wasserfall und ein anderes Mal hast du einen Bären mit bloßem Messer gekillt. Wenn das kein großes Ding ist."
"Ich bin ausgebildet dafür."
"Aber sag, was führt euch zu mir?", erkundigt sie sich.
"Wir fahren übermorgen zu den Beisetzungsfeierlichkeiten in Moskau. Da braucht Anastasia etwas anständiges zum Anziehen", mischt sich Sam wieder in das Gespräch ein.
"Aha, also schwarz", mutmaßt Ava.
"Nicht nur. Wir brauchen auch etwas fürs Abendessen. Das muss nicht schwarz sein."
"Wartet einen Augenblick."
Ava verschwindet und kommt wenig später mit einer Kleiderstange auf Rollen zurück. Darauf hängen unzählige Kleider. Einige sind schwarz, andere jedoch nicht.
"Du brauchst also etwas für das Abendessen. Da hätte ich das perfekte Kleid für dich", meint Ava.
Sie hält mir ein rotes Kleid hin. Es ist wunderschön. Allerdings ist es ein wenig kurz und ich habe Bedenken wegen der Farbe.
"Ist das nicht ein wenig zu sexy. Wir sind in Moskau, um an einer Trauerfeier teilzunehmen", werfe ich ein. Dabei schaue ich hilfesuchend zu Sam.
"Das hat mit dem Abendessen nichts zu tun. Du bist keine Angehörige."
"Ziehe es doch einmal an", bittet mich Ava.
Ich nehme das Kleid und verschwinde in der Umkleide. Als ich herauskomme und mich im Spiegel betrachte, finde ich es immer noch zu kurz und zu sexy.
"Du siehst umwerfend aus", meint Sam. Er verschlingt mich förmlich mit den Augen.
"Ich kann mich nur anschließen", stimmt Ava zu. "Bei deinen Beinen kommt das Kleid erst so richtig zur Geltung. Wenn du damit fotografiert wirst, könnte dies mein Durchbruch sein."
Allmählich wird mir klar, warum Sam mich hierhergeführt hat. Er möchte die Freundin seiner Schwester, mit der er selbst ja auch gut bekannt ist, unterstützen. Dabei kommt ihm diese Gelegenheit vermutlich so richtig gelegen. Als Mann konnte er ihr bisher wenig helfen. Jetzt aber, da ich ins Spiel komme, bietet sich die perfekte Möglichkeit.
Ich muss zugeben, das Kleid ist wunderschön. Es ist aber nicht nur kurz, der Rückenausschnitt ist so groß, dass das Kleid so gut wie meinen gesamten Rücken freilässt. Jeder kann sehen, dass ich keinen BH trage und auch Höschen kann ich unter diesem Kleid keines anziehen.
Da ist zum einen der Rückenausschnitt, der so weit nach unten geht, dass der Ansatz meiner Arschkerbe zu sehen ist, und andererseits ist der Stoff dermaßen eng am Körper anliegend, dass man selbst das dünnste Bändchen sehen würde.
Ich komme mir sündig vor. Ich bin ohne Höschen in einem Kleid, in dem ich die Beine immer perfekt geschlossen halten muss, damit nicht meine Möse durchblitzt. Das könnte eine echte Herausforderung werden. Ich nehme auch an, dass, wenn ich sitze und die Beine übereinandergeschlagen habe, mein gesamter Oberschenkel zu sehen ist, vermutlich sogar die halbe Arschbacke.
Trotzdem gefällt es mir und ich sehe auch in ihren Augen, wie Ava hofft, dass ich es nehme. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass jemand meinetwegen ein Kleid kaufen würde, aber ich will ihre Hoffnungen nicht zerstören.
"Ich nehme das Kleid", sage ich.
Ich werfe alle meine Bedenken über Bord. Wenn die Weltöffentlichkeit einmal auf mich gerichtet ist, dann mache ich es. Ich bin ganz und gar nicht sicher, ob es wirklich den gewünschten Erfolg bringt, den Ava sich von meinem Auftritt verhofft. Ich bin zu unbedeutend, als dass Frauen mir nacheifern würden.
"Damit brauchen wir noch zwei schwarze Kleider", sage ich. Ich versuche von meiner Entscheidung abzulenken und zum nächsten Punkt überzugehen.
"Zwei?", erkundigt sich Ava.
"Zwei und weniger sexy", grinse ich.
Sie reicht mir ein Kleid und ich mache mich erneut auf den Weg zur Umkleide. Als ich den Vorhang zuziehen will, schlüpft Sam hinter mir hinein.
"Was machst du hier?"
"Ich helfe dir."
"Beim Umziehen?", frage ich und ziehe die rechte Augenbraue nach oben. "Das kann ich auch allein."
"Das Kleid hat mich so erregt, ich muss dich vögeln", knurrt er. Ich kann das unbändige Verlangen in seinen Augen erkennen.
"Jetzt?"
"Ja, jetzt sofort."
"Hier in der Umkleide?"
"Ja, hier!"
"Und Ava?"
"Das ist mir egal. Sie wird sich vermutlich denken, dass wir Sex haben. Aber das geht sie gar nichts an."
Ich sehe es an seinem gierigen Blick, dass er ausgesprochen erregt ist und sich nicht mehr zurückhalten kann. Deshalb wehre ich nicht weiter ab, auch wenn es mir ein wenig peinlich ist, dass Ava alles mitbekommt. Der dünne Vorhang wird wohl kaum vermeiden, dass verdächtige Geräusche nach außen dringen. Andererseits finde ich es auch ein wenig süß, dass allein mein Anblick in einem Kleid Sam dermaßen um den Verstand bringt.
"Hilfst du mir aus dem Kleid?"
"Nichts lieber als das."
"Ohne es zu zerreißen, ich muss es noch tragen", ermahne ich ihn und lache verschmitzt.
"Wenn es sein muss", knurrt Sam.
Er zieht mich in seine Arme und küsst mich ausgesprochen innig. Schon nach kurzer Zeit wandern seine Hände hinunter zum Saum des Kleides und ziehen ihn langsam nach oben. Ich spüre, wie der Stoff über meinen Hintern und damit auch über meine Scham hinaufrutscht und beides freigibt. Aber Sam macht weiter.
Als er sich kurz von mir lösen muss, um mir das sündige Teil über den Kopf zu streifen, blickt er an mir hinunter und ich kann deutlich erkennen, wie ihm einen Moment lang der Atem stockt.
"Du bist unter dem Kleid nackt?"
"Natürlich! Man würde die Unterwäsche sehen. Der Stoff schmiegt sich unglaublich an den Körper an."
"Ich dachte, ein kleiner Tanga."
"Nicht einmal einen winzig kleinen Tanga", grinse ich.
Bevor er noch etwas sagen oder tun kann, gehe ich vor ihm in die Hocke und öffne seine Hose. Als ich sie samt Short hinunterziehe, springt mir auch schon sein gar nicht mehr so kleiner Freund entgegen.
Ich lecke mir kurz über die Lippen, öffne sie und nehme die rot leuchtende Eichel in den Mund. Vorsichtig sauge ich daran und lecke mit der Zunge über die Spitze. Sam ist schon so erregt, dass allein das ein Stöhnen bei ihm auslöst.
"Alles in Ordnung bei euch? Braucht ihr Hilfe?", ruft Ava von draußen herein.
Die Situation ist etwas verzwickt. Sam hat seine Stimme nicht unter Kontrolle und ich habe den Mund voll. Doch bevor Ava nachschauen kommt, entlasse ich sein bestes Stück.
"Nein, nein, alles in Ordnung."
Mir ist die Sache mehr als peinlich, denn ich glaube, auch mir hört man an, dass die Stimme nicht mehr ganz normal ist. Immerhin bin auch ich erregt.
"Dann ist ja gut", kommt von draußen sichtlich erleichtert.
Nachdem die Gefahr abgewendet ist, blicke ich kurz zu Sam hoch und muss mich am Riemen reißen, um nicht laut loszulachen. Sein besorgtes und geschocktes Gesicht spricht Bände. Wäre doch interessant gewesen, hätte uns Ava ertappt, vor allem ihn, den Außenminister mit heruntergelassener Hose. So etwas sieht man sicher nicht alle Tage.
Dann aber mache ich weiter, sauge seinen Ständer wieder in meinen Mund und verwöhne ihn. Diesmal allerding spiele ich nicht mehr herum, ich gebe alles und versuche ihn so stark wie möglich zu erregen. Ich möchte, so schnell es geht zum Abschluss kommen. Damit wird auch die Gefahr geringer, ertappt zu werden.
Als er erregt genug ist, zieht er mich auf die Beine, dreht mich zur Wand und prüft zwischen meinen Beinen, ob ich feucht genug bin. Da ich von seiner Gier nach Sex angesteckt wurde, ist es kein Problem. Deshalb stellt er sich hinter mich und dringt auch schon mit einem Ruck in mich ein.
Sein Verlangen muss gewaltig sein, denn er legt auch unverzüglich los und fickt mich hart und tief. Nun bin ich es, die stöhnt und keucht. Die Entschlossenheit, mit der er mir seinen Bolzen in die Muschi hämmert, ist heftig und erregend gleichzeitig.
Wir nehmen beide keine Rücksicht mehr darauf, ob Ava etwas hören kann oder nicht. Wir wollen beide nur noch den Fick genießen und zum Höhepunkt kommen. Sam rammt seinen Speer immer und immer wieder tief in meinen Unterleib. Er treibt seine und meine Lust immer weiter in die Höhe, in ungeahnte Höhen.
Ich vergesse Raum und Zeit, ich weiß nicht einmal mehr, wo wir sind. Es ist mir einerlei. Ich spüre nur, dass ich einem Höhepunkt entgegenfliege und diesen auch unbedingt erreichen will. Als dieser über mich hereinbricht, entkommt mir ein spitzer Lustschrei, der draußen mit Sicherheit nicht zu überhören ist.
Meine Kontraktionen sind heftig und reißen auch Sam augenblicklich mit. Auch er wird von einem heftigen Orgasmus überrollt und stöhnt dabei heftig auf. Er spritzt mir seinen Samen in mehreren Schüben in den Unterleib und bleibt dann erschöpft stehen. Sein Schwanz steckt immer noch in mir.
Wir versuchen zu Atem zu kommen und bleiben eine Zeit lang einfach so, wie wir gerade sind. Keiner von uns bewegt sich. Dabei schrumpft langsam sein Prügel und rutscht irgendwann aus mir heraus. Sofort spüre ich, wie etwas über meinen Schenkel nach unten rinnt. Das bringt mich schlagartig in die Realität zurück.
Ich krame schnell aus meiner Handtasche ein Taschentuch hervor und wische mir damit den Schenkel nach oben. Anschließend presse ich es auf meine Spalte, um auch den Rest noch aufzufangen, der immer noch aus mir heraussickert.
Während ich bemüht bin, seine Sauerei wegzumachen, zieht sich Sam lässig die Hose hoch und knöpft sie zu. Er räuspert sich und lächelt mich schelmisch an.
"Ich warte draußen", meint er.
Ohne auf eine Antwort zu warten, verschwindet der Schuft durch den Vorhang und ich weiß nicht, ob ich dankbar sein soll oder verärgert. Er lässt mich einfach allein zurück. Sein Vergnügen hatte er ja.
"Hast du das Kleid angezogen?", erkundigt sich Ava. Mir ist allerdings nicht klar, ob sie mich necken will oder einfach so tun will, als sei nichts geschehen.
Lange schmollen kann ich deshalb nicht. Als mir klar wird, dass nicht mehr viel aus mir heraussickern wird, ziehe ich das schwarze Kleid über und trete ebenfalls vor den Vorhang. Beinahe lachen, als ich hervorkomme. Ich nehme an, aus Verlegenheit. Davor stehen Sam und Ava etwa zwei Meter auseinander und starren mich an. Ich vermute, sie haben den Vorhang angestarrt.
Ich versuche die sichtlich betretene Stimmung zu ignorieren, gehe auf den Spiegel zu und bewundere mich. Auch dieses Kleid sitzt unglaublich gut. Erst nach einer Weile löst sich Ava aus ihrer Starre und kommt auf mich zu.
"Steht dir auch gut", meint sie mit leicht belegter Stimme.
"Ich bin der gleichen Meinung", pflichtet ihr Sam bei.
"Das nehme ich auch", entscheide ich. "Jetzt brauche ich noch eines für den Staatsakt."
"Dann würde ich dieses empfehlen. Ist schlicht und müsste an dir wunderschön aussehen", meint Ava.
Sie nimmt ein weiteres Kleid und geht damit in die Umkleide. Ich werfe Sam einen fragenden Blick zu. Dieser zuckt mit den Schultern und schaut entschuldigend drein. Mir ist klar, er weiß nicht recht, wie er sich verhalten soll.
Was bleibt mir aber anderes übrig, ich atme tief durch und folge Ava in die Kabine. Es ist offensichtlich, dass sie Redebedarf hat.
"Was hast du mit Sam gemacht?", flüstert Ava, kaum dass der Vorhang geschlossen ist.
"Was soll ich gemacht haben?"
"Er war Mädchen gegenüber immer schüchtern."
"Ja und?"
"Er treibt es mit dir in der Umkleide?"
"Das ist für mich auch neu", grinse ich. "Liegt vermutlich an deinem Kleid."
"Trotzdem, er war immer zurückhaltend. Serena hat sich ständig Sorgen gemacht, er würde nie eine Frau finden, weil er so schüchtern ist."
"Sam und schüchtern? Er ist Außenminister!"
"Das ist etwas anderes. Er war schon immer zielstrebig und offen, wenn es um seine Pläne ging. Wenn er etwas erreichen wollte, dann konnte ihn nichts aufhalten. Ganz anders war das allerdings bei Frauen. Er hat sich kaum getraut Mädchen anzusprechen. Er hat nicht einmal mitbekommen, wenn eine auf ihn stand. Er hat es immer vermasselt und nie etwas auf die Reihe gebracht."
"Das passt nicht zu dem Sam, den ich kenne."
"Dann liegt es ganz offensichtlich an dir. Wenn ich seiner Schwester erzähle, dass er in der Umkleide Sex hatte, dann glaubt sie mir das nie!"
"So etwas solltest du nicht herumerzählen!"
"Sie ist seine Schwester!"
"Der schon gar nicht. Ich möchte ja auch nicht, dass mein Bruder über mein Sexleben informiert wird."
"Da hast du auch wieder recht", meint sie nachdenklich.
"Siehst du!"
"Aber sie würde es mir trotzdem nicht glauben", beharrt sie.
"Ich dachte, er war in der Highschool ein Frauenheld."
"Hat er dir das so erzählt?"
"So ähnlich."
"Dann hält er sich wohl nur für einen. Soweit ich das mitbekommen hab, haben ihn die Mädchen angehimmelt. Aber irgendwie hat er es immer vermasselt."
"Sei es, wie es ist. Ich mag ihn, so wie er ist", wechsle ich das Thema.
"Er ist einer von den Guten. Früher hatte auch ich einen Flug auf ihn."
"Früher?"
"Wenn ich ehrlich bin, beneide ich dich ein wenig."
Ich bin inzwischen in das zweite Kleid geschlüpft und wir treten erneut hervor. Als ich mich im Spiegel betrachte, steht mein Entschluss fest.
"Das und kein anderes!"
"Das würde ich auch sagen", stimmt mir Sam zu. "Es ist schlicht und du spielst dich damit nicht in den Vordergrund. Trotzdem wirst du die Schönste von allen sein und gerade wegen dieser schlichten Eleganz bestechen."
"Dann steht die Entscheidung. Wir nehmen alle drei Kleider", fasse ich zusammen.
Wir verabschieden uns herzlich von Ava, die mir Küsschen auf die Wangen gibt und verspricht, die Kleider noch heute Abend liefern zu lassen.
Kapitel 3
Wir sitzen auf der Terrasse von in Sams Wohnung. Ich fühle mich bei ihm inzwischen, wie zu Hause. Morgen früh geht es erneut nach Moskau. Unsere erste gemeinsame Reise dorthin ist noch nicht lange her und mir noch lebhaft in Erinnerung.
"Wer ist nun der neue starke Mann in Moskau?", frage ich meinen Freund.
"Das ist noch nicht so klar. Wir gehen davon aus, dass es Kakarov von den Tschetschenen sein wird. Noch sitzt er aber nicht so fest im Sattel. Der Außenminister hat ebenfalls Ambitionen."
"Der müsste doch eher der Nachfolger sein", mutmaße ich.
"Ohne Popov ist seine Macht nicht mehr die gleiche, wie vorher. Er war gestützt vom großen Führer und verliert durch seinen Tod einen wichtigen Vertrauten und damit auch deutlich an Einfluss."
"Dann ist der Wechsel gar nicht so gut. Kakarov ist nicht besser als Popov."
"Das ist noch nicht sicher. Kakarov gibt sich gern mächtig und spart nicht mit extremen Sprüchen. Ob er im Endeffekt so blutrünstig ist, wie er tut, muss erst abgewartet werden.
Auf jeden Fall wirft der Tod von Popov die Führung in Moskau weit zurück. Die Machtstruktur eines Nachfolgers, egal wer es letztlich auch immer sein mag, ist sicher nicht auf Anhieb die, wie Popov sie sich in vielen Jahren aufgebaut hat."
"Du meinst, einen Kakarov zu destabilisieren ist leichter, als es bei einem Popov der Fall war."
"Genau das wollte ich damit sagen."
"Etwas anderes", wechsle ich das Thema. "Ava war und ist noch immer in dich verknallt."
"Das weiß ich, aber sie ist nicht mein Typ."
"Sie ist doch eine hübsche Frau."
"Das mag durchaus sein, aber sie ist zu eng mit meiner Schwester befreundet. Die erzählen sich alles."
"Hast du kein gutes Verhältnis zu deiner Schwester?"
"Das schon. Aber wäre es für dich gut, wenn dein Freund deinem Bruder alles erzählen würde?"
"Du meinst, sie wird Serena berichten, was wir in der Umkleide getrieben haben?"
"Garantiert!"
"Wie soll ich dann deiner Schwester unter die Augen treten, wenn du sie mir eines Tages vorstellst."
"Ganz normal. Wir haben ja nichts getan, was man nicht dürfte."
"Es ist schon etwas ungewöhnlich, in einer Umkleide zu vögeln."
"Mein Gott, so schlimm ist das auch wieder nicht."
"Es wundert mich etwas, dass du das so siehst. Ava hat gemeint, du wärst schüchtern, wenn nicht sogar verklemmt gewesen."
"Ich habe Serena und Ava nie etwas über mein Sexleben erzählt. Ich habe im Gegenteil immer versucht, alles vor ihnen geheim zu halten."
"Wegen des Geredes?"
"Genau deswegen."
"Verstehe!"
"Wollen wir schlafen gehen?"
"Schlafen?", frage ich spitzbübisch.
"Nun ja, du weißt schon, was ich meine."
"Wenn das so ist", grinse ich.
Bei diesen Worten stehe ich auf und mache mich auf den Weg ins Bad. Ich ziehe mich aus und gehe unter die Dusche. Während ich noch die richtige Wassertemperatur einstelle, kommt auch Sam herein, zieht sich ebenfalls aus und kommt zu mir unter den inzwischen perfekt temperierten Wasserstrahl.
Er drängt sich von hinten an mich heran. Seine Hände streichen an meinen Seiten entlang nach vorne, legen sich auf meine Brüste und beginnen sie sanft zu kneten. Er genießt dies in vollen Zügen und auch ich muss zugeben, dass es äußerst angenehm ist.
Er lässt sich Zeit und massiert währenddessen meine Möpse mit einer solchen Hingabe, dass ich am liebsten hätte, er würde nie mehr damit aufhören. Zwischendurch lässt er meine inzwischen steil aufgerichteten Brustwarzen zwischen zwei Finger rutschen und quetscht und massiert sie leicht. Es ist äußert erregend.
Sein Becken drückt er dabei gierig gegen meinen Hintern. Ich kann seine Erregung deutlich wahrnehmen.
Nach einiger Zeit löst sich seine rechte Hand von meiner Brust und streicht über den Bauch weiter nach unten, umspielt den Nabel und legt sich schließlich auf meinen Venushügel. Dieser wird eine Zeit lang gestreichelt, bevor die Hand weitergleitet, genau zwischen meine Schenkel. Der Mittelfinger teilt dabei meine Schamlippen und legt sich genau dazwischen.
Nun beginnt er mit dem Finger durch meine Spalte zu streichen. Ganz langsam vor und dann wieder zurück. Es fühlt sich herrlich an. Zunächst übt er gekonnt einen leichten Druck auf meine inneren Schamlippen aus und massiert diese. Dann aber verlagert er der Schwerpunkt seines Tuns und reizt zunehmend intensiver meine Klitoris. Die kleine Perle ist äußerst sensibel und dankbar für jede Berührung und Reizung.
Schon bald entlockt er mir ein erregtes Stöhnen. Dies quittiert er mit einem zufriedenen Lächeln, das ich an meinem Ohr wahrnehme. Plötzlich aber dringt der Mittelfinger in mich ein und überrascht mich damit. Er schiebt sich so weit dies in dieser Haltung möglich ist, in mein Inneres und fickt mich ein wenig.
Aber Sam ist damit noch nicht zufrieden. Er zieht sich schon bald wieder aus mir zurück, dreht mich zu sich und drückt mich an den Schultern nach unten. Mir ist sofort klar, was er will, und gehe in die Knie.
Sein Prügel ist schon voll ausgefahren und wippt nun erwartungsvoll vor meinem Gesicht auf und ab. Ich zögere nicht lange und nehme ihn in den Mund, um ihn zu verwöhnen. Ich kenne inzwischen Sams Vorlieben und nehme seinen Schaft tief in meinen Rachen.
Durch Schluckbewegungen versuche ich ihn zu reizen, lasse ihn aber auch ab und zu etwas weiter herausrutschen. Ich umspiele ihn immer wieder mit der Zunge und sauge auch daran. Ich gebe mir größte Mühe, meinen Freund zu erregen.
Ich weiß, die Mischung macht Sam immer ganz heiß und so ist es kein Wunder, dass er mir schon wenig später unter die Achseln greift und mich ungeduldig nach oben zieht.
Seine ungestüme Art zeigt mir, dass seine Lust kurz vor der Explosion steht. Als ich stehe und er mich zur Wand umdrehen will, widersetze ich mich seinem Plan.
Zunächst schaut er etwas verwirrt. Als ich aber ein Bein hebe und ihm das Becken einladend entgegenschiebe, versteht er was ich will. Er zögert auch nicht lange und schiebt mir seinen Pfahl von vorne in mein Paradies. Ich lege meine Arme um seinen Hals und ziehe mich noch enger an ihn. Gleichzeitig klammere ich mich mit meinen Beinen an seiner Hüfte fest und er vögelt mich im Stehen.
Immer und immer wieder hebt er mich hoch, wobei ich ihn mit meinen Armen unterstütze. Anschließend lässt er mich auf seinen strammen Speer fallen, der sich daraufhin erneut tief in meinen Körper bohrt. Jedes Mal, wenn er mich auf sein bestes Stück niedersacken lässt, pfählt er mich und schenkt mir unglaublich süße und intensive Empfindungen.
Als er langsam müde wird, strecke ich meine Beine wieder aus und stelle mich auf den Boden. Er drückt mich gegen die Wand und fickt mich weiter, unbarmherzig und entschlossen. Immer und immer wieder hämmert er seinen Prügel in meinen Unterleib und treibt uns damit beide in den Himmel der Lust.
So ist es auch kein Wunder, dass ich schon wenig später abhebe und meine Lust sich in einem hellen Lustschrei Luft verschafft. Aber auch Sam kommt zum Höhepunkt und lässt einen brunftigen Laut hören. Dann aber schiebt er sich tief in mich hinein und verharrt dort, um sich Schub um Schub in mir zu entleeren.
Es dauert einige Zeit, bis wir halbwegs wieder zu Atem kommen. Mein Körper ist klatschnass und ich weiß nicht, ob es das Wasser oder der Schweiß ist. Auch Sam scheint es nicht anders zu ergehen. Er zieht sich aus mir zurück und stellt das Wasser wieder an.
Es ist wohltuend, das kühle Nass auf dem Körper zu spüren. Das Wasser ist genau genommen warm eingestellt, aber auf meiner überhitzten Haut wirkt es wunderbar kühlend.
Sam stellt das Wasser ab und nimmt etwas vom Duschgel. Dann beginnt er, damit meinen Körper einzuseifen. Genau das liebe ich so an ihm. Er ist nach dem Vögeln nicht einfach weg, er kostet die Situation noch weiter aus. Entweder er kuschelt mit mir, verwöhnt mich mit Streicheleinheiten oder seift mich - wie eben - auf äußerst sinnliche Art und Weise ein.
Seine Hände streichen langsam und sanft über meine Haut. Natürlich will er das Duschgel auf meinem Körper verteilen, reizt dabei aber bewusst die sensiblen Stellen besonders intensiv und verschafft mir damit herrliche Gefühle.
Er konzentriert sich auf meine erogenen Zonen und bearbeitet diese besonders lange und besonders intensiv. Aber auch der Rest meines Körpers kommt nicht zu kurz.
Als er nach einer herrlich langen Zeit fertig ist und ich schon wieder erregt bin, übernehme ich. Nun bin ich es, die seinen Körper einseift, diesen erkundet und ihm wohlige Gefühle verschafft.
Ich lasse mir bewusst viel Zeit, genieße jede einzelne Berührung und halte mich besonders lange an seinem Stamm auf. Er genießt es sichtlich und sein Freund rührt sich schon wieder. Bevor jedoch die Lust zu groß wird, lasse ich von ihm ab und wir duschen den Schaum von unseren Körpern.
Anschließend trocknen wir uns ab, putzen uns gemeinsam die Zähne und machen uns dann auf ins Bett. Hier aber kann ich mich nun nicht mehr zurückhalten. Kaum, dass wir gemeinsam unter der Decke sind, krabble ich zu ihm und mache mich sofort über sein bestes Stück her. Ich verwöhne es mit dem Mund, den Lippen und der Zunge. Ich sauge daran und schiebe es mir tief in den Rachen.
Als mir klar ist, dass er hart genug ist und ich sehe, dass Sam entspannt auf dem Rücken liegt und mein Tun genießt, schwinge ich mich über ihn und verleibe mir seinen Prügel ein. Noch bevor mein Freund reagieren könnte, hocke ich bereits auf seinem Becken, mit seinem Spieß tief in mir.
Ich halte mich nicht lange auf und beginne ihn sanft zu reiten. Unsere Augen verhaken sich ineinander und ich kann deutlich sehen, wie die Lust in den seinen immer deutlicher zu erkennen ist. Bevor er zum Höhepunkt kommen kann, erhebe ich mich jedoch, was ihm einen Laut des Bedauerns entlockt.
Ich halte mich aber nicht lange auf und setze mich verkehrt auf ihn. Ich habe noch nie in dieser Stellung einen Mann verwöhnt und will es endlich mit ihm ausprobieren. Ich lasse meinen Oberkörper nach hinten fallen, kaum, dass ich auf ihm sitze. Er ergreift sofort die Gelegenheit und legt seine Hände auf meine Möpse, um diese zu massieren und mit ihnen zu spielen.
Ich hingegen bewege mich auf und ab. Ich stelle mir vor, wie sein Pfahl mit jeder Bewegung meinerseits in mich ein- und ausfährt, mich anbohrt und mich wieder freigibt. Es ist eine erregende Vorstellung und sie treibt meine Lust noch weiter in die Höhe.
Sam lässt mich zunächst gewähren, scheint mein Tun zu genießen und lässt sich auf meine Stellung voll und ganz ein. Doch plötzlich wirft er mich zur Seite, ist im nächsten Moment auch schon über und sofort auch in mir. Dann legt er los. Seine Lust muss unglaublich sein, so ungestüm wie er mich fickt, muss er kurz vor einer Explosion sein.
Effektiv dauert es auch nicht lange und er kommt zum Höhepunkt. Hart drückt er sich in mich und mich damit in die Matratze. Dann ist es um ihn geschehen und er flutet mich.
Aber auch ich selbst bin bereits kurz vor dem Abheben. Sein Höhepunkt stößt auch mich über die Klippe und ich komme noch einmal heftig und werde in eine Wolke aus Lust und Verlangen gehüllt. Mein Körper fühlt sich an, als würde er sich auflösen und in tausend kleine Splitter der Erregung zerspringen.
Als der Höhepunkt abflaut, lässt sich Sam neben mir aufs Bett fallen und wir atmen beide heftig. Auch unser Herzschlag ist erhöht und ich kann das Blut in meinen Adern rauschen hören. Es ist einfach unglaublich.
Als wir uns halbwegs erholt haben, kuscheln wir uns aneinander und schlafen ein.
Kapitel 4
Der Wecker gibt seinen nervigen Ton von sich. Am liebsten würde ich ihn abstellen und einfach weiterschlafen. Aber es gibt sicher einen Grund, warum ich ihn gestellt habe.
Wie ich so langsam aus den Tiefen des Schlafes in die Wirklichkeit zurückkehre, wird mir allmählich bewusst, warum ich mich auf den Wecker verlassen wollte. Wir müssen los, nach Moskau.
Mit verschlafenen Augen schaue ich auf die Uhr. Es ist 5 Uhr morgens und damit noch mitten in der Nacht. Aber es hilft nichts, wir müssen aufstehen.
"Was ist denn los?", grummelt Sam neben mir verschlafen.
"Wir müssen aufstehen."
"Warum?"
"Wir müssen nach Moskau."
"Ich will noch schlafen."
"Ich möchte auch lieber noch mit dir schlafen. Aber es muss sein."
"Was muss sein."
"Die Pflicht ruft!"
"Ich höre sie nicht", grinst er schelmisch.
Ich stehe auf und ziehe ihm die Decke weg. Heftig protestierend versucht er zunächst diese krampfhaft festzuhalten, was ihm aber nicht gelingt, weil ich ihn mit meiner Aktion komplett überrumpelt habe. Dann kauert er sich zusammen, wie ein trotziges Kind.
"Komm schon, wir müssen los!", ermahne ich ihn.
"Warum bist du nur so pflichtbewusst?"
"Weil es sein muss, Herr Außenminister. Wir haben einen Auftrag des Präsidenten."
"Mein Gott, warum musstest du Popov in die Luft sprengen", kichert er.
"Ich habe ihn nicht in die Luft gesprengt. Ich habe ihm nur etwas geschenkt und in die Tasche geschoben", lache ich.
"Das Ergebnis ist das gleiche", kontert er.
"Nun mach schon, aufstehen!"
Ohne ihn weiter zu beachten, mache ich mich auf den Weg ins Bad. Offenbar kann er nicht lange ohne mich sein und kommt hinter mir hergedackelt. Ich quittiere dies mit einem zufriedenen Lächeln und wende mich der Morgentoilette zu. Er folgt meinem Beispiel und wir ziehen uns schließlich an.
"Kaffee?", will Sam wissen.
"Nein, ich frühstücke im Flugzeug. Im Moment ist es mir noch zu früh."
"Gute Idee. Dann lass uns gehen."
Die Koffer haben wir bereits am Tag zuvor gepackt und können uns damit auch schon auf den Weg machen. Vor dem Haus warten die Wagenkolonne und die Sicherheitsleute. Es geht ab zum Flughafen.
"Oh, wir dürfen wieder den Präsidentenflieger nutzen", grinse ich.
Wir sind gerade auf das Flughafengelänge gefahren und rollen nun auf den Flieger zu, den ich bereits kenne. Ich weiß, dass das Flugzeug erst dann die Kennung "Air Force one" bekommt, wenn der Präsident an Bord ist, aber es ist schon ein erhabenes Gefühl mit einem der beiden Flieger reisen zu dürfen, die für ihn und sein engstes Umfeld reserviert sind.
Als wir an Bord sind, lassen wir uns ein ausgiebiges Frühstück servieren. Da wir Zeit genug haben, beeilen wir uns auch nicht. Gesättigt und mit einem wohligen Gefühl im Bauch lasse ich mich schließlich in meinen Sessel zurücksinken und hänge meinen Gedanken nach. Sam hingegen liest Unterlagen durch, gibt einem Sekretär Anweisungen und ist ganz in seinem Element.
Ich hingegen mache mir Sorgen um Ekaterina. Sie hat sich immer noch nicht gemeldet und auch Kontakt zu ihrer Agentur aufzunehmen, ist offenbar nicht mehr möglich. Ich habe Sam bisher nichts von meinen Sorgen erzählt.
Aber ich gelange langsam zum Entschluss, dass etwas nicht stimmen kann und, dass ich aktiv werden muss. Aber zunächst müssen wir die Feierlichkeiten rund um die Beisetzung Popovs hinter uns bringen. Erst dann kann ich andere Pläne ins Auge fassen.
Ich muss eingeschlafen sein, denn Sam weckt mich. Sanft rüttelt er mich an der Schulter und als ich verschlafen die Augen öffne, blicke ich in seine, die mich liebevoll beobachten. Wir sind bereits kurz vor der Landung.
Ich bin wohl noch etwas verschlafen, als ich aus der Maschine steige. Die inzwischen übliche Wagenkolonne wartet bereits und bringt uns in die US-Botschaft.
Es ist schon spät am Abend und so bleibt uns nichts anders übrig, als schon wieder zu Bett zu gehen. Die Flugzeit und die Zeitverschiebung haben einen ganzen Tag gekostet. Während Sam neben mir bald einschläft, liege ich wach. Ich habe schließlich schon im Flieger geschlafen und bin deshalb auch nicht müde.
Erneut geht mir das Schicksal meiner Freundin nicht aus dem Sinn. Ich nehme mir vor, mit den Sicherheitsleuten zu reden. Seit unserem Tripp in Alaska habe ich ein ausgezeichnetes Verhältnis zu ihnen. Dass ich ihren Außenminister an einem Wasserfall und vor einem Bären gerettet habe, hat inzwischen die Runde gemacht und mir sehr viel Ansehen eingebracht. Ich vermute, Sam hat es ihnen in seiner blumigen Art erzählt. Seitdem verhalten sie sich mir gegenüber, als sei ich eine von ihnen und das empfinde ich als Ehre.
Irgendwann schlafe ich dann aber doch ein. Diesmal ist es Sam, der mich weckt. Heute mag ich nicht aufstehen und er ermahnt mich, dass wir einen wichtigen Termin haben. Wir müssen dem im Kreml aufgebahrten Popov die letzte Ehre erweisen. Ich finde es lustig, dass ausgerechnet ich ihm meine Aufwartung machen soll, ich, die ihm den Tod gebracht hat.
Nach der Morgentoilette nehme ich das schwarze Kleid, das ich für diesen Anlass gekauft habe und schlüpfe hinein. An Sams Blick erkenne ich, dass ich ihm darin ausgesprochen gut gefalle. Ich habe den Verdacht, er würde mir das Kleid am liebsten gleich wieder vom Leib reißen.
Da fällt mir wieder ein, was wir gemacht haben, bevor ich dieses Kleid zum ersten Mal anprobiert habe. Ich muss schmunzeln, denn offenbar habe ich noch immer dieselbe Wirkung auf ihn.
"Frühstück?", will Sam wissen. Ein Blick in seine Augen genügt, um zu wissen, dass er sich zusammenreißen muss und nur von seinen Gedanken ablenken will. Seine Stimme ist leicht belegt und zeugt von seinem Verlangen.
"Unbedingt. Vor allem Kaffee brauche ich. Ohne Koffein würde ich so etwas nie im Leben überstehen."
Er grinst nur und führt mich in einen Speisesaal. Dort ist nur für zwei Leute gedeckt und wir setzen uns hin. Was mich schon lange stört, die Sicherheitsleute müssen danebenstehen und zuschauen. Deshalb drehe ich mich zu ihnen um.
"Habt ihr schon gefrühstückt?", frage ich.
Sie schauen mich betreten an, so als hätte ich eine völlig unangemessene Frage gestellt. Es antwortet auch keiner. Erst als ich den Beamten, der wohl das Sagen hat, auffordernd anschaue, bekomme ich eine Antwort.
"Nein, das ist nicht üblich."
"Warum?"
"Wir sind für eure Sicherheit zuständig."
"Und das geht nicht, wenn ihr mit am Tisch sitzt?"
"Das Protokoll sieht das nicht vor."
"Interessiert mich das Protokoll? Holt euch Teller und setzt euch zu uns!", sage ich.
Der Mann wirft Sam einen fragenden Blick zu. Er will diese Entscheidung wohl nicht allein treffen. Sam hingegen scheint mit meiner Forderung auch etwas überfordert zu sein und erst als ich ihm einen mahnenden Blick zuwerfe, nickt er zustimmend mit dem Kopf.
Die Männer setzen sich etwas zaghaft zu uns, greifen zunächst nur vorsichtig zu und nehmen nicht viel von dem reichlichen Angebot. Ich habe beinahe den Eindruck, sie hätten Sorge, uns alles wegzuessen.
"Es ist genügend da, greift doch zu!", sage ich leicht genervt.
Langsam, langsam tauen die Männer auf. Sie nehmen sich, was sie gerne haben und beginnen auch zu plaudern. Plötzlich wird Sam zum Telefon gerufen und verschwindet aus dem Raum.
"Leute, ich brauche euren Rat. Von einer Freundin auf der Krim hat man schon seit Tagen nichts mehr gehört. Ich mache mir Sorgen. Was kann man machen."
"Auf der Krim? Nicht viel", meint der Mann, der offenbar das Sagen hat.
"Warum?"
"Dort haben die Russen das Sagen."
"Das weiß ich. Gibt es dort keine Agenten von uns?"
"Vermutlich schon."
"Dann frag nach, ob sie etwas wissen."
Ich erzähle ihm von der Modelagentur und von Ekaterina. Er verspricht mir, sich zu informieren. Ich bin damit gerade fertig, da kommt Sam wieder zurück und wir machen uns auf den Weg zum Kreml.
Wie üblich setzt sich unsere Wagenkolonne aus drei Fahrzeugen zusammen, die allesamt abgedunkelte Scheiben haben. Ich frage mich zwar, was das für einen Sinn hat, wenn sich sowieso die beschützten Personen immer im mittleren Fahrzeug befinden. Wozu also macht man so ein Geheimnis darum, wer im Wagen sitzt?
"Ich bin nervös", gestehe ich Sam.
"Das brauchst du nicht zu sein."
"Ich habe noch nie so etwas gemacht."
"Du brauchst nichts zu sagen. Du musst nur neben mir her zum Sarg gehen, so tun, als würdest du einen Moment innehalten und dann wieder gehen."
"Ich muss aber nicht für ihn beten?"
"Nein, natürlich nicht."
"Es würde sowieso nichts nützen, er kommt so oder so in die Hölle."
"Das denke ich auch."
Plötzlich muss ich lachen und Sam schaut mich überrascht und auch ein wenig irritiert an. Ich kann ihm aber nicht sofort antworten, weil ich kein Wort herausbekommen.
"Ich habe mir gerade vorgestellt, wie Popov auf einer Wolke sitzt, mit einer Harfe spielt und frohlockt, Halleluja ruft und singt", bringe ich unter Lachen hervor.
"Das kann ich mir auch nicht vorstellen", lacht nun auch Sam.
"Siehst du", sage ich. "Deshalb ist er in der Hölle auch besser aufgehoben."
Wir rollen durch Moskau und gelangen auf den Roten Platz. Es ist mir ein wenig peinlich, denn an unseren Autos sind links und rechts vorne zwei Wimpel mit der amerikanischen Flagge angebracht. Muss denn wirklich jeder gleich sehen, wer im Auto sitzt?
Wir dürfen heute ausnahmsweise über den Roten Platz fahren. Dieser ist normalerweise für jeglichen Verkehr gesperrt, aber für diesen besonderen Anlass ist es Vertretern ausländischer Regierungen erlaubt, vorzufahren. Solche Ausnahmen sind äußerst selten.
Vor uns sind noch andere Fahrzeuge. Mindestens noch ein Konvoi ist auf dem Weg zum Eingang des Kremls. Wir müssen deshalb warten, bis dieser seine Fahrgäste aussteigen lässt und weiterfährt.
Als wir an der Reihe sind, sehe ich, dass ein Mann, der wohl aus dem Fahrzeug vor uns ausgestiegen ist, auf uns wartet. Wenn mich nicht alles täuscht, war am Wagen vor uns die britische Flagge als Wimpel.
"Wer ist das?", raune ich Sam zu. Wir sitzen noch im Wagen sind aber kurz davor, stehen zu bleiben.
"Das ist der britische Außenminister."
"Oh, und ich habe mich schon gefreut, endlich den König persönlich zu treffen", grinse ich schelmisch.
"Das könnte schon passieren. Wenn du mich bei meiner nächsten Reise begleitest, dann treffen wir ihn bestimmt."
"Kann ich dich einfach so begleiten?"
"Selbstverständlich! Nach Großbritannien zwar nicht als Beraterin, aber als Freundin."
"Das ist mir ehrlich gesagt auch lieber."
"Jetzt aber musst du ernst bleiben", ermahnt er mich.
Tatsächlich werden genau in diesem Moment die Türen an unserem Wagen geöffnet und wir steigen aus. Aus dem Augenwinkel heraus sehe ich Fernsehteams, die uns dabei filmen.
Offenbar hat man auf uns gewartet, denn mit unserer Ankunft ist Bewegung in eine Gruppe gekommen, die ich nun als Medienleute erkenne. Auch Susan von CNN ist unter ihnen. Sie kommt direkt auf mich zu.
"Anastasia, hättest du Zeit für ein Interview?", erkundigt sie sich.
"Nicht jetzt bitte, das ist vermutlich nicht der passende Moment. Treffen wir uns zum Abendessen?"
"Wo?"
"Wie letztes Mal?"
"Du bist super!", meint sie und zieht sich zurück.
Sam schaut mich belustigt an. Ich verstehe aber nicht, was er damit sagen will. Deshalb schaue ich ihn wohl etwas fragend an.
"Du bist schon ein echter Medienprofi."
"Warum?"
"Du hast verstanden, dass es im Moment nicht opportun wäre, und hast eine Alternative angeboten."
"Mit dem Nebeneffekt, dass wir nun wissen, wo wir zu Abend essen", kichere ich.
"Da war das Essen doch köstlich", meint er.
Damit zeigt er mir, dass er mir nicht böse ist, weil ich einfach, ohne zu fragen, über unsere Zeit bestimmt habe. Na gut, wir könnten den Abend auch getrennt verbringen, aber das hoffe ich ehrlich gesagt nicht.
Im Moment ist aber nicht die Zeit, dies auszudiskutieren. Sam bietet mir den Arm an, ich hake mich unter und wir gehen auf den britischen Außenminister zu. Es handelt sich dabei um einen sehr distinguierten älteren Herrn. Ich würde ihn auf Mitte 60 schätzen. Zum Glück stellt uns Sam einander vor.
"Sir, darf ich ihnen meine Freundin und Ukraine-Beraterin, Anastasia Serinskaya vorstellen", sagt er. "Anastasia, das ist Sir Antony Werington, mein britischer Amtskollege."
"Sehr erfreut", sage ich sofort.
"Die Freude ist ganz meinerseits", meint er.
Der alte Knacker mustert mich mit unverhohlen lüsternem Blick. Am liebsten hätte ich ihn gefragt, ob er ihn noch hochkriegt. Aber ich reiße mich am Riemen und versuche seinen anzüglichen Blick zu ignorieren.
Seine Augen aber bleibt an meinem Ausschnitt hängen und so etwas schon bei meinem schwarzen Kleid, das kaum Einblicke gewährt. Wie würde der Mann erst glotzen, würde er mich im roten Kleid sehen, das ich für den Abend geplant habe? Zum Glück ist er dann nicht mehr dabei.
Sam bemerkt mein Unbehagen und macht sich auf den Weg in den Kreml. Da er dabei darauf achtet, dass ich zu seiner Rechten und der Außenminister zu seiner Linken gehen, nimmt er mich etwas aus der Schusslinie.
Die beiden unterhalten sich über allerlei Themen der Weltpolitik. Ich versuche nicht hinzuhören, weil es mich ehrlich gesagt nicht sonderlich interessiert. Meine Aufmerksamkeit liegt mehr auf den Gebäuden, an denen wir vorbeikommen, vorbei an strammstehenden russischen Soldaten, die wohl die Totenwache halten oder für Ordnung sorgen sollen.
Wir erreichen die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale. Darin ist der Sarg aufgebahrt. Das weiße Bauwerk mit seinen goldenen Dächern und Kuppeln ist wunderschön und zieht mich sofort in seinen Bann.
Vor der Eingangstür stehen Soldaten in Paradeuniform. Einer von ihnen öffnet uns die Tür und wir treten nacheinander ein. Im Inneren hängt der schwere Geruch von Weihrauch in der Luft und der Raum ist üppig mit weißen Blumen geschmückt.
Ausgerechnet weiße Blumen, denke ich. Man will damit wohl suggerieren, dass der Aufgebahrte eine reine Seele hätte. Aber welcher Mensch hat das schon. Ein Despot schon gar nicht. Da bildet Popov ganz sicher keine Ausnahme. Aber es geht wohl nur um Schein und weniger um das Sein.
Andächtig schreiten wir nach vorne auf den Sarg zu. Im Inneren der Kathedrale hat sich der britische Außenminister vor uns gesetzt und wir folgen in gebührendem Abstand. Ich bin froh, dass er sich nicht mehr in unserer unmittelbaren Nähe aufhält.
Es herrscht eine beklemmende Stille in der Kirche, obwohl zahlreiche Menschen in den Stühlen sitzen und den Anschein erwecken, andächtig zu beten. Ob sie tatsächlich im stillen Gebet verharren oder nur so tun, das lassen sie sich nicht anmerken. Das lernt man in einem Land, in dem man sich nicht so geben darf, wie man wirklich ist.
Nun ist der britische Außenminister an der Reihe. Er tritt vor zum Sarg, stellt sich davor hin und tut so, als würde er in sich gehen. Dann reicht ihm ein Priester ein Weihrauchfass und er schwenkt es dreimal in Richtung des Sarges.
Als er das Rauchfass zurückgibt, bekommt er einen Kessel hingehalten, in dem sich wohl Weihwasser befindet. Er nimmt eine Art Klobürste heraus, spritzt Wasser über den Sarg und legt das Teil wieder zurück. Er bleibt noch einen Moment andächtig stehen und dreht sich dann suchend um.
Nach kurzem Zögern geht er auf die vorderste Kirchenbank zu und setzt sich dort nieder. Er tut so, als würde er andächtig sein und beten. Aber ich kaufe es ihm nicht ab. Er blickt sich zu auffällig um.
Nun sind wir an der Reihe. Ich lasse den Arm meines Begleiters los, weil er mir signalisiert, dass er mir den Vortritt lässt. Ich mache zwei Schritte auf den Sarg zu, stelle mich davor und tue ebenfalls so, als würde ich in mich gehen. Ich versuche den britischen Außenminister zu kopieren.
Der Priester zögert einen Moment, bevor er mir das Weihrauchfass entgegenhält. Ich verstehe nicht ganz warum. Es könnte natürlich sein, dass er zögert, weil ich eine Frau bin, es könnte aber auch sein, dass es mit meiner mutmaßlichen Verantwortung für den Tod des Verblichenen zu tun hat.
Als ich das Rauchfass dann doch hingehalten bekomme, lasse ich mir nichts anmerken. Ich schwenke betont würdig und andächtig langsam das Fass und lasse jedes Mal eine kleine Wolke an wohlriechendem Rauch über den Sarg schweben.
Anschließend gebe ich mit einem Kopfnicken als Zeichen des Dankes das Weihrauchfass zurück, verspritze genauso würdevoll das Weihwasser und halte noch kurze Zeit inne. Erst danach trete ich zur Seite und stelle mich etwas seitlich hin. Ich will auf Sam warten.
Dieser macht es gleich, wie ich, und gibt mir dann zu verstehen, dass wir uns einen Platz suchen sollten. Das mache ich auch. Ich bleibe dabei bewusst etwas abseits des britischen Außenministers. Ich mag ihn nicht.
Während ich scheinbar in mich gekehrt dasitze und nur heimlich die Umgebung beobachte, sehe ich, dass Labradorov vor den Sarg tritt. Als er das Weihrauchfass überreicht bekommt, bleibt er zunächst untätig und scheinbar andächtig stehen.
Erst deutlich später nimmt er es dann doch an sich und schwenkt den Rauch über den Sarg. Erst als er das Weihrauchfass zurückgibt, schaut er sich um. Dabei sehe ich deutlich, dass er auf mich aufmerksam wird, denn sein Blick bleibt einige Zeit an mir hängen. Ich kann den Hass in den Augen auflodern sehen.
Langsam kommt er auf uns zu und setzt sich direkt neben mir in die Kirchenbank. Zunächst sagt er nichts und ich gehe schon davon aus, dass alles ausgestanden ist, da wendet er den Kopf zu mir.
"Über deinen Besuch hat er sich fürchterlich geärgert und das war das Letzte, was er in seinem Leben erlebt hat", faucht er mich an. "Was hast du mit seinem Tod zu tun?"
"Was hat er meinem Volk angetan? Hast du daran gedacht? Deshalb darf ich ihn wohl auch ein wenig ärgern. Das ist das Mindeste, was ich ihm antun konnte", raune ich aufgebracht zurück.
"Bist du sicher, dass du ihn nur geärgert hast?"
"Ich habe ihm mein Knie in seine Eier gerammt, dem alten Dreckschwein."
Sam, der zwar nicht hören kann, was wir reden, an unserer Stimmung aber sicher ablesen kann, dass wir keine Höflichkeiten austauschen, erhebt sich. Dabei schaut er auffordernd zu mir.
"Ich glaube, wir gehen lieber", meint er leise.
"Das glaube ich auch", antworte ich genauso flüsternd.
Wir verbeugen uns noch einmal vor dem Sarg und verlassen daraufhin die Kathedrale. Ich gehe dabei still neben Sam her. Erst als wir vor dem Bauwerk stehen bleiben, schaut er mich an.
"Was war das?"
"Labradorov hat angefangen."
"Aber, was wollte er."
"Er hat mir vorgehalten, dass sich Popov meinetwegen geärgert hat und dies das Letzte war, das er in seinem Leben noch erlebt hat. Außerdem wollte er wissen, was ich mit seinem Tod zu tun habe."
"Und was hast du ihm gesagt?", will er besorgt wissen.
"Ich habe ihm verraten, dass ich dem alten Sack mein Knie zwischen die Beine gerammt habe."
"Sonst nichts?"
"Nein, denkst du, ich bin dumm?"
"Nein, das denke ich ganz bestimmt nicht. Aber in der Hitze des Gefechtes könnte schon mal etwas herausrutschen, was lieber geheim bleiben sollte."
"Keine Sorge, ich habe mich nicht verplappert", beruhige ich ihn.
Um die Diskussion zu beenden, gebe ich ihm einen Kuss und es gelingt mir tatsächlich, ihn damit zu besänftigen. Er hat sich tatsächlich Sorgen gemacht, ich könnte etwas ausplaudern.
Kapitel 5
Ich spaziere durch den Park der US-Botschaft. Sam muss ein paar Dinge erledigen und so habe ich Zeit für mich. Allerdings weiß ich nicht genau, was ich mit dieser Zeit anfangen soll. Ich könnte ein Buch lesen, aber irgendwie habe ich nicht die Ruhe dazu.
"Anastasia, kann ich dich kurz sprechen?"
Es ist der Chef der Sicherheitsleute, der auf mich zukommt. Wir sind inzwischen beim Du. Genau genommen, seit ich mich allein mit Sam in Alaska auf den Weg gemacht habe.
"Was ist los, John?", erkundige ich mich.
"Du wolltest wissen, ob ich etwas über Ekaterina Solenskova herauskriege."
"Ja und?"
"Sie wurde verhaftet und sitzt in Sewastopol in einem Gefängnis. Ihr wird Spionage vorgeworfen. Sie soll in drei Tagen nach Moskau überstellt werden, wo man ihr den Prozess machen will. So, wie ich die Sache sehe, wird es ein Schauprozess und am Ende endet sie in einem Straflager in Sibirien."
"Wenn niemand etwas unternimmt."
"Wer soll denn etwas unternehmen?"
"Ich?"
"Du? Warum du?"
"Weil sie meine Freundin ist?"
"Das kann ich nicht zulassen."
"Das kannst du nicht verhindern", halte ich entschlossen dagegen. Ich stemme dabei meine Hände in die Hüften und schaue ihn herausfordernd an.
"Wie willst du das anstellen?"
"Ich habe noch die alten Kontakte und die alten Papiere. Ich werde hinfahren und schauen, was sich machen lässt. Ich kann Ekaterina nicht hängen lassen. Nie im Leben."
"Das ist zu gefährlich!"
"Was würdest du machen, wenn sie deine Freundin wäre?", frage ich.
John schaut mich eindringlich an. Ich kann Verständnis in seinen Augen aufblitzen sehen. Aber da ist auch noch etwas anderes. Ich kann aber nicht genau sagen, was.
"Und wenn ich mitkomme?"
"Du willst was?"
"Mitkommen!"
"Warum das?"
"Wenn ich dich schon nicht aufhalten kann, dann will ich dich zumindest begleiten."
"Dann brauchst du aber einen russischen Pass."
"Wenn ich mich vorstellen dürfte, Wasily Gregorov. Wachmann aus Moskau."
"John, du bist genial!"
"Das weiß ich. Aber was habe ich denn gemacht, dass du das erkannt hast?"
"Du hast mich auf eine Idee gebracht."
"Und die wäre?"
"Wir brauchen einen Marschbefehl, ein Dokument, das belegt, dass wir Ekaterina von Sewastopol nach Moskau bringen sollen."
"Und wie willst du das anstellen?"
"Wir werden einen Tag vor der geplanten Überstellung im Gefängnis vorstellig und behaupten, wir wären da, um sie abzuholen. Wir seien einen Tag früher gekommen, weil der Richter Eile hat."
"Das ist riskant."
"Hast du einen besseren Vorschlag?"
"Nein, eigentlich nicht. Ich besorge die Unterlagen für die Überstellung."
"Danke, das werde ich dir nie vergessen."
"Ist doch nur meine Pflicht."
"Nein, das ist es nicht und genau deshalb bin ich dir unendlich dankbar. Ich stehe tief in deiner Schuld."
"Ich bin mir sicher, du würdest das für mich auch machen. Du bist eine von uns."
"Das würde ich. Da kannst du dir sicher sein."
Wir verabschieden uns und ich mache mich auf den Weg in unser Appartement. Ich muss mit Sam reden. Das wird sicher ein hartes Stück Arbeit, ihn davon zu überzeugen, dass es sein muss. Aber ich werde nicht lockerlassen. Ekaterina ist meine Freundin.
Da er noch immer telefoniert, nehme ich eine Zeitschrift und setze mich ans Fenster. Ich will zwar den neuesten Klatsch lesen, kann mich aber unmöglich konzentrieren. Genau genommen interessiert es mich auch nicht.
Erneut hänge ich meinen Gedanken hinterher und stelle mir vor, wie Ekaterina in einem russischen Gefängnis sitzt. Mir ist klar, dass die Ukraine nichts unternehmen kann, und über Sam sehe ich auch keine Möglichkeit.
Erst nach einer endlos langen halben Stunde kommt Sam zu mir. Er hat offenbar seine Arbeit erledigt und setzt sich in einen Sessel neben dem meinen.
"Hallo Schatz", meint er.
Dabei beugt er sich zu mir herüber und gibt mir einen innigen Kuss. Er will zwar etwas fordernder werden, doch ich bremse ihn aus.
"Was ist?", will er sofort wissen.
"Ich muss etwas mit dir besprechen."
"Was ist denn los?"
Er klingt allarmiert. Keine Ahnung, warum er allein bei dieser unverfänglichen Information schon ahnen kann, dass ich ihm etwas sagen werde, was ihm vermutlich nicht gefällt. Ich bewundere wieder einmal seine Sensibilität.
"Ich werde nicht mit zurück in die USA fliegen."
"Warum das?"
"Ich muss etwas erledigen."
"Will ich wissen, was das ist?"
"Ich muss eine Freundin befreien."
"Befreien?"
"Sie sitzt in Sewastopol im Gefängnis. Wenn sie verurteilt wird, steckt man sie sicher in ein Arbeitslager in Sibirien."
"Und wer ist diese Frau?"
Ich erzähle ihm in wenigen Worten, wer Ekaterina ist. Er hört mir dabei aufmerksam zu. Sein Gesicht ist ausdruckslos. Als ich fertig erzählt habe, sagt er zunächst kein Wort. Er verzieht nicht einmal das Gesicht.
"Ich kann dich eh nicht davon abhalten, nehme ich an."
"Nicht wirklich."
"Ich kann dich verstehen", meint er. "Sie ist deine Freundin, die du nicht hängen lassen willst."
"Nein, ich kann sie nicht im Stich lassen und ich weiß, dass man von Kiew aus nicht viel unternehmen kann. Das wäre zu kompliziert"
"Gehst du allein?"
"Nein, Wasily begleitet mich."
"Wer?"
"John vom Secret Service."
"Du hast schon mit ihm gesprochen."
"Ich habe ihn gebeten, mir Informationen über Ekaterina zu besorgen. Als er mir heute erzählt hat, dass sie im Knast sitzt, gab ein Wort das andere."
"Du hast ihn einfach abkommandiert?"
"Nein, er hat sich freiwillig angeboten. Ich hätte so etwas nie von ihm verlangt."
"Das ist aber ungewöhnlich."
"Was?"
"Dass er sich freiwillig meldet."
"Er weiß, ich würde das auch für ihn tun."
"Warum?"
"Weil wir Agenten sind und wir müssen zusammenhalten."
"Gut, was ist der Plan?"
"Das willst du nicht wissen."
"Verstehe, es ist riskant."
"Ein wenig. Aber ich denke wir schaffen es. John hatte eine gute Idee."
"Ihr kehrt nach erfolgter Mission nach Moskau zurück?"
"Ja, wir melden uns hier in der Botschaft."
"Dann organisiere ich den Rückflug."
"Danke!"
"Wofür?"
"Dass du mich verstehst und mir nicht verbietest, meiner Freundin zu helfen."
"Inzwischen kenne ich dich. Du hast ein großes Herz."
"Obwohl man mich als Eisblock bezeichnet hat."
"Bei der Ausbildung? Ich denke, die haben nie die Chance bekommen, die wahre Anastasia kennen zu lernen."
"Das kann sein."
Sam beugt sich zu mir herüber und küsst mich. Diesmal werde ich fordernder und lasse mich in diesen Kuss fallen. Ich liebe diesen Mann, der mich kennt, mich versteht und mich gewähren lässt. Ich weiß, dass er sich unglaubliche Sorgen machen wird. Trotzdem lässt er mich gehen, weil er weiß, dass es mir wichtig ist. Er ist der Mann meines Lebens und genau deshalb werde ich zurückkehren, muss ich zurückkommen.
"Wir müssen zum Abendessen", meint er schließlich.
"Ich würde lieber hierbleiben, mit dir", antworte ich. Dabei versuche ich so verführerisch, wie möglich, zu klingen.
"Du hast Susan eingeladen."
"Oh, ja! Mann, das habe ich fast vergessen. Danke, dass du mich daran erinnert hast."
Wir gehen uns umziehen und ich bin schon gespannt darauf, das wunderschöne rote Kleid zu tragen. Da ich doch noch etwas Zeit habe, gebe ich mir beim Schminken besondere Mühe. Ich will nicht zu viel Makeup tragen, aber es soll schön aussehen.
Als ich aus dem Bad komme, bleibt Sam mit offenem Mund stehen. Ich verstehe nicht ganz, warum.
"Was ist los?", frage ich.
"So habe ich dich noch nie gesehen."
"Wie, noch nie? Ich hatte das Kleid doch schon an. Du erinnerst dich? Die Umkleide!"
"Ja, ja,", lacht er. "Wie könnte ich das vergessen. Aber heute passt alles. Das wunderschöne Kleid, das perfekte Makeup, du siehst aus, wie ein Top-Model."
"Jetzt übertreib nicht maßlos."
"Nein, du siehst umwerfend aus."
"So würde keiner glauben, dass ich eine Agentin bin?", grinse ich.
"Die perfekte Tarnung", lacht auch er.
"Dann können wir ja gehen und der Welt ein anderes Bild von mir präsentieren."
Wir machen uns auf den Weg. Erneut sind vier Leute vom Secret Service bei uns, einer von ihnen ist John. Als wir vor dem Restaurant aussteigen, ist er es, der mir die Tür öffnet.
"Ich habe den Segen des Außenministers", raune ich ihm zu.
"Er lässt dich tatsächlich gehen?"
"Hat er eine andere Wahl?", grinse ich.
"Ich denke nicht", grinst auch er.
"Wir starten morgen am späten Abend. Kannst du checken, welchen Zug wir nehmen könnten?"
"Das mache ich gleich morgen früh."
"Danke!"
Damit setze ich meinen Weg fort und zusammen mit Sam betrete ich das Lokal. Susan wartet bereits am Tisch, an dem wir das letzte Mal gesessen haben. Als sie uns sieht, springt sie auf und eilt auf uns zu. Sie schüttelt Sam artig die Hand, dann kommt sie auf mich zu und umarmt mich.
"Wie geht es dir?", erkundige ich mich.
"Immer gut, wenn ich dich treffe. Du siehst umwerfend aus."
"Danke, du sieht auch nicht schlecht aus", grinse ich etwas verlegen.
"Nein, ich meine das ehrlich. Das Kleid heute in der Kathedrale war schon der Hammer, aber dieses Kleid ist unglaublich. Es steht dir ausgezeichnet."
"Danke, lass uns niedersitzen, ich habe Hunger."
"Können wir vorher ein Interview führen?"
"Ich verstehe. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen", grinse ich. "Du solltest aber lieber mit Sam das Interview führen. Er ist der Außenminister."
"Aber du bist ein ehrlicher Mensch."
"Mach nur du", mischt sich nun Sam ein. Er hat unser Gespräch gehört.
"Na gut, dann wollen wir. Wo soll ich mich hinstellen?"
Susan dirigiert mich in eine Ecke. Der Hintergrund ist neutral und keiner würde verstehen, dass wir in einem Restaurant sind. Der Kameramann nimmt Aufstellung, Susan bekommt ein Mikrophon und stellt sich neben mich. Dann gibt er ihr das Zeichen, dass sie anfangen kann.
"Frau Serinskaya, sie sind in Moskau, um an den Zeremonien zum Tod von Präsident Popov teilzunehmen. Wenn ich bedenke, dass er ihr Heimatland angegriffen hat und ihren Landsleuten großes Unheil gebracht hat, frage ich mich, was sie in einem solchen Moment empfinden?"
"Ein Mensch ist gestorben. Das ist immer ein Moment der Trauer, egal wer er war. Er hinterlässt Menschen, die ihn geliebt haben und für die sein Tod ein schlimmer Augenblick ist. Was sein Handeln hier auf der Erde betrifft, so wird er sich vor Gott verantworten müssen. Mir steht da kein Urteil mehr zu."
"Sie waren zusammen mit unserem Außenminister die letzte, die einen offiziellen Termin bei ihm hatte. Würden sie im Nachhinein etwas anders machen?"
"Wir hatten ein sehr offenes und entschlossenes Gespräch. Wir waren keine Freunde, aber das liegt in der Natur der Sache. Wir sind im Streit auseinander gegangen, aber nichts anderes war zu erwarten."
"Darf ich sie noch fragen, wo sie ihre Kleider kaufen. Schon beim Besuch am Sarg in der Kathedrale hatten sie ein wunderschönes Kleid an und zahlreiche Zuschauer, die sie in den Nachrichten gesehen habe, haben neugierig im Sender angerufen und nachgefragt. Und nun tragen sie erneut ein atemberaubendes Kleid. Können sie uns verraten, woher sie die Kleider haben?"
"Ich bin eigentlich kein Modefrettchen. Aber eine Freundin von mir ist Designerin. Sie ist noch nicht sehr bekannt, aber ich bin mir sicher, dass sie eine großartige Zukunft vor sich hat."
"Das glaube ich auch. Verraten sie uns noch den Namen."
"Ungern, denn es ist immer von Vorteil, eine unglaublich talentierte Beraterin zu haben, die nicht so bekannt ist. Dann hat man etwas Besonderes, das nicht jede hat. Sowohl das Kleid von heute Vormittag als auch dieses sind von ihr. Sie sollten aber erst das Kleid sehen, das ich morgen bei der offiziellen Trauerfreier tragen werde. Ich liebe es."
"Aber mir können sie doch verraten, wer diese Designerin ist."
"Wenn sie nicht lockerlassen. Ihr Name ist Ava Greenwood", sage ich schmunzelnd.
Ich habe mich bewusst geziert, den Namen zu nennen. Das wirkt immer. Jede Frau glaubt nun, einen Geheimtipp bekommen zu haben. Ich hoffe, Ava bringt dieses Interview den gewünschten Erfolg.
"Danke für das Interview", meint Susan.
Sie gibt dem Kameramann noch einige Anweisungen, dann setzen wir uns zusammen an den Tisch, an dem bereits Sam sitzt und auf uns wartet. An zwei Tischen in der Nähe haben sich die Sicherheitsleute niedergelassen. Sie lernen offenbar dazu.
Der Abend verläuft entspannt. Susan ist eine angenehme Gesprächspartnerin und auch Sam gibt sich nicht als Außenminister, sondern einfach als Freund.
Kapitel 6
Als wir zurück in der Botschaft sind und Sam die Tür unseres Appartements ins Schloss schiebt, herrscht eine angenehme Spannung zwischen uns. Ich kann sein Verlangen überdeutlich spüren. Sein Atem geht leicht schneller, er lässt mich keinen Moment aus den Augen und seine Pupillen sind leicht verkleinert.
Aber auch ich will ihn. Deshalb drücke ich ihn hinter der Tür an die Wand und küsse ihn stürmisch. Wenig später packt er mich an der Taille, hebt mich hoch, dreht uns herum und nun stehe ich mit dem Rücken zur Wand. Sam führt etwas im Schilde, denn er lächelt in den Kuss hinein.
Während er mich mit einer Hand am Hals an die Wand hält und küsst, fährt die andere nach unten. Ich verstehe im ersten Moment nicht, was er will. Anstatt sich meiner Brüste oder meine Scham zu bemächtigen, nestelt er an seiner Hose herum.
Dann aber wird mir klar, was er im Schilde führt. Ich trage keine Unterwäsche und das weiß er. Deshalb befreit er seinen schon hart abstehenden Schwanz, zieht die Hose etwas nach unten und drängt sich zwischen meine Beine, die er bei dieser Gelegenheit etwas weiter spreizt. Gleichzeitig schiebt er auch mein Kleid nach oben.
Als Außenstehender könnte man sein Vorgehen auch als leicht aggressiv empfinden, aber ich will es in diesem Moment genau so. Ich finde es schön, dass er sich holt, was er will und braucht. Sein Verlangen musste er bereits den gesamten Abend lang zügeln. Das weiß ich, weil ich mir denken kann, wie dieses Kleid auf ihn wirkt. Dass er nun, wo er die Gelegenheit hat, sich nicht mehr zurückhält, ist mehr als verständlich.
Wenig später spüre ich schon seine Eichel an meiner Scham. Ich bin genauso erregt wie er und auch schon klatschnass. Sam dringt zunächst nur mit der Eichel ein und teilt damit meine Schamlippen. Es fühlt sich herrlich intensiv an. Auch er keucht auf, als er sich ein kleines Stück in mich schiebt.
Da ich ihm mein Becken voller Verlangen entgegenrecke, soweit ich nur kann, wird auch er mutiger und stößt zu. Er kann dabei ohne Probleme bis zum Anschlag in mich eindringen. Voller Erregung wegen seines Vorstoßes schlinge ich die Beine um seine Mitte und bin nun auf seinem Pfahl aufgespießt. Es fühlt sich herrlich an.
Sam lässt sich nicht bitten und legt los. Er drückt mich mit dem Rücken gegen die Wand und rammt mir Stoß für Stoß seinen Prügel zwischen die Beine. Es fühlt sich herrlich an.
Da ein beachtlicher Teil meines Gewichtes auf die eine Stelle einwirkt, sobald er mich nicht hochhebt, sondern auf seinen Speer zurücksacken lässt, dringt er jedes Mal ausgesprochen tief in mich ein. Ich kann dann die Basis seines Geschlechtsteils an meinen Schamlippen spüren. Es ist unglaublich intensiv.
Immer und immer wieder dringt er bis tief in meinen Lustkanal ein. Er erobert ihn immer wieder aufs Neue, weitet ihn und nimmt ihn in Besitz. Meine Erregung steigt gewaltig an, meine Lust wird immens und irgendwann rollt ein unglaublicher Höhepunkt über mich hinweg. Ich hoffe, niemand hört meinen Lustschrei, aber um ehrlich zu sein, ist mir dies in dem Moment völlig egal.
Sam hält plötzlich inne, sobald mein Orgasmus mich überrollt. Er macht es allerdings nicht, um mir eine Verschnaufpause zu gönnen, er hat selbst die Klippe erreicht. Mein Höhepunkt scheint auch ihn zum Abheben zu bringen. Er presst sich noch einmal tief in mein Inneres und nur durch einen Nebel der Lust hindurch nehme ich wahr, dass er sich in mir entlädt.
Als er sich ausgespritzt hat, lässt er mich sanft auf den Boden zurück. Dabei löse ich mich nur mit Widerwillen von ihm. Am liebsten hätte ich es, wenn er mich erneut vögeln würde. Aber er scheint andere Pläne zu haben.
Er nimmt mich bei der Hand und zieht mich ins Bad. Wir entkleiden uns, ich wasche mich und wir putzen gemeinsam die Zähen. Dann nimmt er mich bei der Hand, hebt mich überraschend hoch und trägt mich zum Bett. Sanft legt er mich darauf ab.
Seit wir das Zimmer betreten haben, haben wir kein einziges Wort miteinander gesprochen. Das Einzige, was zu hören war, waren Stöhnen, Keuchen und ähnliche Laute. Nun aber beugt er sich über mich und schaut mir tief in die Augen.
"Das musste sein."
"Bin ganz deiner Meinung", sage ich lächelnd. "Aber das war hoffentlich noch nicht alles."
"Du bist ein kleiner Nimmersatt", neckt er mich.
"Bei dir doch immer."
"Dann halte dich mal hier fest!", weist er mich an.
Dabei zieht er meine Arme hinauf zum Kopfteil des Bettes und legt die Hände um die Stäbe dort. Ich verstehe, was er will, und halte mich daran fest.
"Heute gehörst du mir!", sagt er entschlossen.
"Ich gehöre doch immer dir", antworte ich.
"Heute besonders", grinst er.
Sam begibt sich genau zwischen meine Beine, die er noch ein wenig mehr spreizt. Meine Scham liegt nun offen und beinahe obszön vor ihm. Er betrachtet sie eingehend und es ist mir beinahe peinlich, so offen vor einem Mann zu liegen. Wäre es nicht mein Sam, würde ich alles tun, um die Beine zu schließen und meine intimste Stelle vor ihm zu verbergen.
Doch bei Sam kann ich diesem inneren Drag widerstehen. Es bleibt nur ein leichtes Unbehagen. Doch je länger er mir zwischen die Beine starrt, umso mehr kann ich mich daran gewöhnen. Das alles gehört doch schließlich ihm, kommt mir in den Sinn. Er allein kann so herrlich damit spielen und mir dabei so wunderschöne Empfindungen verschaffen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit beugt er sich vor und riecht auffällig an meiner Spalte. Er berührt sie dabei nicht. Ich bin davon völlig überrascht. Er jedoch scheint es zu genießen.
"Du riechst herrlich."
"Wonach?"
"Nach Sex, nach Frau, nach dir."
"Allein darauf zu warten, dass du mich dort berührst, erregt mich", gestehe ich.
"Ich sehe, wie es zwischen deinen Schamlippen schimmert. Das ist deine Erregung."
"Die nur dir gehört."
Fast andächtig blickt er immer noch auf mein Geschlechtsteil. Langsam nähert er sich mit dem Zeigefinger der rechten Hand meiner Möse und legt ihn auf meine Perle. Diese massiert er sanft, ja beinahe andächtig, und katapultiert damit meine Lust augenblicklich in die Höhe.
Sein sanftes Kreisen an dieser höchst empfindsamen Stelle, ist magisch. Ich drücke ihm mein Becken voller Verlangen entgegen und öffne mich damit noch ein kleines Stückchen mehr. Ich will nichts sehnlicher, als mich ihm hinzugeben.
Sam lässt nach einiger Zeit von meinem Knubbel ab und fährt zwischen den Schamlippen, die sich aufgrund der auslaufenden Feuchtigkeit bereitwillig teilen, nach unten. Ich bin unglaublich offen.
Meine Scheide öffnet sich von allein, so erregt bin ich. Auch die Schamlippen sind leicht angeschwollen und gieren danach, sich um den Schaft eines männlichen Gliedes legen zu können.
Aber so weit ist Sam noch lange nicht. Er fährt einfach weiter, über den Damm bis zu meinem Hintereingang. Als der Finger genau auf meinem Anus ruht, ist mir dies äußert peinlich. Auch, wenn Sam vermutlich diese Stelle schon sehr gut kennt, ist es für mich immer noch ungewohnt, dass ich dort berührt werde.
Sanft übt er Druck aus und automatisch verkrampfe ich. Damit gibt es für ihn keine Chance, in meinen Hintern einzudringen.
"Du solltest lockerlassen!"
"Aber ich ..."
"Du gehörst heute mir!", unterbricht er mich entschlossen.
Ich versuche mich zu entspannen und es gelingt mir auch. Doch kaum, dass er erneut Druck ausübt, will sich mein Ringmuskel schon wieder selbstständig machen und krampft. Aber er kommt zu spät. Der Finger steckt bereits ein kleines Stück in mir drinnen.
Was soll ich an diesem Punkt noch machen? Ich gebe auf und löse erneut die Anspannung. Sam grinst und plötzlich schiebt sich der Finger tief in meinen Arsch. So schnell kann ich gar nicht reagieren und als sich ganz von selbst erneut alles bei mir zusammenzieht, steckt er bereits tief in mir.
Mit einem siegreichen Lächeln schaut er mich an. Er bewegt sich in mir und gibt mir so zu verstehen, dass es eh keinen Sinn mehr hat. Ich lasse also los und nun beginnt er mich mit dem Finger zu stimulieren. Er zieht ihn etwas zurück, um gleich wieder in mich zu stoßen. Es fühlt sich erregender an, als ich gedacht hätte. Ich gebe mich deshalb bereitwillig seinem Tun hin und schließe die Augen.
Ich quieke überrascht auf, als sich plötzlich ein zweiter Finger in meinen Hintern bohrt. Nun wird es deutlich enger, aber er schafft auch das. Ich frage mich, was er mit meinem Po vorhat. Wir haben noch nie über Analverkehr gesprochen.
Er aber scheint genau zu wissen, was er will, denn schon wenig später schiebt sich ein dritter Finger in meinen Anus und nun weitet er den Ringmuskel noch entschlossener.
"Du willst aber nicht meinen Arsch?"
"Warum nicht?"
Ja, warum eigentlich nicht? Diese Frage stelle ich mir in diesem Moment auch und mir fällt kein vernünftiger Grund ein, warum ich ihm diesen Wunsch nicht erfüllen sollte.
Weil ich es mit meinen früheren Partnern immer abgelehnt habe, ist bei Sam auch für mich kein triftiger Grund. Bei ihm ist auch sonst alles anders. Ich will mit ihm neue Erfahrungen machen und dazu gehört wohl auch Analverkehr.
"Du hast recht. Warum nicht?", antworte ich deshalb.
Er grinst nur, macht weiter, dehnt meinen Hintereingang und bereitet mich damit eindeutig darauf vor, von ihm in den Arsch gefickt zu werden.
Plötzlich aber lässt er von mir ab, legt sich meine Beine auf die Schultern und dringt in meine Pflaume ein. Ich dachte, er wollte mich hinten nehmen. Warum schiebt er seinen Schwanz dann in meine Muschi?
"Du bist falsch", protestiere ich.
Er aber lacht nur und beginnt mich sanft und rhythmisch zu stoßen. Ich verstehe gar nichts mehr. Wozu hat er sich so viel Mühe gemacht, meinen Po auf den Eindringling vorzubereiten?
"Du solltest mehr Geduld haben", grinst er.
Nun hält er inne und schiebt meine Füße unter die obere Stange des Kopfteiles, sodass ich mich daran festhalten kann und ihm meinen Arsch noch einladender entgegenrecke. Dieses Mal setzt er seinen Prügel an meinem Hintereingang an. Sehr vorsichtig beginnt er zu drücken und dringt äußerst langsam mit der Eichel in mich ein. Es ist ein ungewohntes Gefühl, aber gar nicht so übel. Ich spüre auch keinen Schmerz.
Sam lächelt mich durch meine Beine hindurch an. Dann drückt er erneut und dringt ein weiteres Stück ein. Auch das gelingt ihm. Es geht zwar etwas schwerer als der erste Teil, aber auch hier tut es gar nicht weh.
"Wie fühlt es sich an?", will er wissen.
"Es passt."
"Es passt? Nicht mehr?"
"Du bist noch nicht weit. Ich werde dir am Ende sagen, wie gut es mir gefallen hat. Da kann ich es besser beurteilen."
"Ist es dein erster Arschfick?"
"Ja, ich habe bisher noch keinen rangelassen."
"Oh, das wusste ich nicht."
"Kein Problem. Mach weiter!"
Er übt erneut Druck aus und schiebt sich nun bis zum Anschlag in meinen Darm. Seinen kompletten Prügel in mir stecken zu haben, ist ungewohnt, aber gar nicht so schlimm.
Zunächst hält er inne und gibt mir die Möglichkeit, mich an den Eindringling zu gewöhnen. Mein Hintern wird ordentlich geweitet.
"Wie gefällt es dir?", erkundige nun ich mich.
"Ich finde es wunderschön. Aber mit dir ist es immer geil."
"Dann leg mal los."
Langsam und sehr sachte zieht er sich aus meinem Hintern fast ganz zurück und schiebt sich anschließend wieder hinein. Es ist gar nicht so unangenehm, wie ich gedacht hätte. Noch kann ich allerdings keine Erregung spüren.
Vermutlich bin ich aber auch zu sehr abgelenkt. Ich will dieses neue Gefühl erst einmal genauer bewerten und bin vermutlich zu konzentriert, zu viel Kopfmensch.
Er wiederholt sein sanftes Ein und Aus, beschleunigt jedoch schon bald äußerst langsam seine Bewegung. Nach kurzer Zeit ist es für mich gar nicht mehr ungewohnt und ich kann mich mehr und mehr auf das Gefühl konzentrieren, das er mir damit verschafft. Zu meiner Verwunderung steigt meine Erregung immer weiter, es fühlt sich herrlich an und er schenkt mir lustvolle Empfindungen.
Mit der Zeit nehmen seine Bewegungen die normale Geschwindigkeit an und er fickt mich tief in den Hintern. Ich genieße es zunehmend und bin schließlich sehr überrascht als ein Orgasmus auf mich zurollt und mich völlig einnimmt.
Meine leere Muschi zieht sich rhythmisch zusammen und löst sich wieder. Es ist ein ungewohntes, aber auch sehr äußerst erregendes Gefühl.
Sam macht ungerührt weiter und kommt schließlich auch selbst zum Höhepunkt. Dabei füllt er meinen Arsch mit einer gewaltigen Menge Sperma.
Ermattet lässt er sich schließlich auf mich herabsinken. Ich hänge noch immer am Kopfteil des Bettes, auf mir liegt Sam und ich bin frisch abgefüllt. Erst nach einiger Zeit geht er von mir herunter und lächelt mich verlegen an.
"Wie war´s?", will er wissen.
"Beruhig dich, ich bin gekommen."
"Ehrlich?"
"Ja, ehrlich!"
"Das habe ich nicht mitbekommen. Entschuldige."
"Du warst wohl mehr mit dir selbst beschäftigt", necke ich ihn.
"Du hast keine Ahnung, wie geil es ist, deinen Arsch zu vögeln."
"Wir können es gerne wiederholen", biete ich an.
"Aber nicht heute!", meint er.
"Zu müde?"
"Es war ein langer Tag", grinst er.
Wir erheben uns vom Bett, gehen ins Bad, um uns zu waschen und wollen anschließend ins Bett. Im letzten Moment fällt mir ein, dass ich mein Kleid irgendwo achtlos habe fallen lassen. Genau genommen war es Sam! Er hat es mir ausgezogen.
Ich schaue mich um und finde hinter der Eingangstür das Kleid. Ich hänge es auf einen Kleiderbügel und dann in den Schrank. Sam wirft noch einen letzten Blick auf sein Handy.
"Ava schreibt. Sie wird überrannt", informiert er mich.
"Wie? Sie wird überrannt?", frage ich nach.
"Sie hat schon über 3000 Anfragen von möglichen Kundinnen, die gerne einen Termin bei ihr hätten."
"Wie? Jetzt mitten in der Nacht?"
"Vergiss die Zeitverschiebung nicht."
"Oh, in Washington ist es früher Nachmittag."
"Der Bericht hat offenbar eingeschlagen, wie eine Bombe."
"Das nenne ich Werbung", grinse ich.
"Du hast das aber auch sehr geschickt gemacht", meint er. "Danke dafür."
"Gern geschehen. Darauf warst du doch aus."
"Das hast du bemerkt?"
"Ich bin doch nicht blöd."
"Bist du mir böse deswegen?"
"Nein, warum? Wenn ich nicht gewollt hätte, dann hätte ich ganz sicher keine Werbung gemacht."
"Ava ist mir wichtig, als Freundin. Sie hat meiner Schwester sehr geholfen, als die beiden noch Teenager waren."
"Schon gut, du musst es mir nicht erklären. Ich habe gesehen, dass es dir wichtig ist. Das hat für mich gereicht."
"Du brauchst auch nicht eifersüchtig zu sein."
"Das bin ich nicht, keine Sorge."
Wir liegen inzwischen aneinander gekuschelt im Bett. Ich streichle geistesabwesend über seine Haut und genieße die vertraute Zweisamkeit. Sie wird mir ganz besonders fehlen, wenn ich auf die Krim reise, mehr noch als der Sex.
Kapitel 7
Müde gähne ich, als mich nach längerem Läuten der Wecker endlich aus meinem Schlaf reißt. Kann denn niemand dieses blöde Ding abstellen, denke ich mir. Doch offenbar tut es keiner. Sam neben mir brummt wieder einmal nur etwas Unverständliches. Er ist ein ausgesprochener Morgenmuffel. Aber heute kann ich ihn nicht ausschlafen lassen. In nicht einmal drei Stunden beginnt der Staatsakt zum Tode des russischen Präsidenten.
"Aufstehen, du Faulpelz!", necke ich ihn.
"Was ist denn los?"
"Wir müssen zum Staatsakt."
"Welchem Staatsakt?"
"Die Trauerfeier für Wasili Popov."
"Der ist doch tot?"
"Wie lange hast du denn geschlafen?", frage ich lachend.
"Ach ja, da war etwas", grinst nun auch er. "Er wurde in die Luft gesprengt."
Ich drücke ihm einen Kuss auf die Lippen und klettere aus dem Bett. Im Bad holt er mich wieder ein und stellt sich ans zweite Waschbecken, um ebenfalls die Zähne zu putzen.
"Dir ist schon klar, dass ich mich nicht mehr lange zurückhalten kann", meint er.
"Warum?"
"Dich nackt beim Zähneputzen zu sehen, das macht mich unglaublich an."
"Das Zähneputzen?"
"Nein, natürlich nicht, das Zähneputzen. Es geht eher darum, dass du nackt bist."
"Was macht dich denn da so an?", kokettiere ich.
"Deine Beine, dein knackiger Po, die frechen Brüste, eigentlich alles an dir."
"So, so, eigentlich alles an mir", grinse ich. "Glaubst du, mir fällt es leicht, einen nackten Adonis neben mir stehen zu haben?"
"Einen nackten Adonis? Das hat noch keine zu mir gesagt."
"Die Wahrheit muss Platz haben."
"Wann müssen wir beim Staatsakt sein?"
"In drei Stunden."
"Dann können wir doch noch ..."
"Nein, das geht sich nicht mehr aus!", antworte ich dezidiert. "Wir müssen uns anziehen, frühstücken und hinfahren. Das braucht seine Zeit."
"Ach, das schaffen wir schon."
"Du vielleicht, ich muss mich schminken und so."
"Das kriegst du auch noch hin", meint er neckisch. Er schaut mich dabei mit einem derart flehenden Blick an, dass ich bereitwillig lachend nachgebe.
Im Nu ist er auch schon hinter mir, dreht mich um und hebt mich hoch, sodass ich auf dem Waschbecken sitze. Ich quieke etwas, weil ich mit dem nackten Hintern auf das kalte Emaile gesetzt werde. Aber ihn scheint das nicht zu interessieren. Er geht vor mir in die Hocke und beginnt meine Scham mit den Lippen und der Zunge zu verwöhnen.
Dieser Mann hat eine unglaubliche Wirkung auf mich. Bereitwillig spreize ich meine Schenkel, um ihm den bestmöglichen Zugang zu verschaffen. Seine Zunge ist magisch und ich kann ihr einfach nicht widerstehen.
Alle meine guten Vorsätze sind definitiv verraucht. Ich denke nur noch an die süße Tortur, die mir seine magische Zunge verschafft und Sam ist ein Meister darin. Popov und der Staatsakt können warten.
Er weiß genau, was er tut, er treibt meine Lust und mein Verlangen sofort in die Höhe, er steigert meine Erregung und bringt meine Säfte zum Fließen. Dabei wirkt er ausgesprochen konzentriert. Mir ist nicht klar, will er mich verwöhnen und mir wunderschöne Reize schenken oder geht es ihm einzig und allein darum, mich für den Fick vorzubereiten, der zwangsläufig folgen wird.
Tatsache ist, dass ich schon bei den ersten Zungenschlägen feucht genug wäre. Ich bin aber froh, dass er noch etwas weitermacht, weil ich es unglaublich genieße. Ich könnte mich ewig von ihm weiterlecken lassen.
Für mich viel zu früh lässt er dann auch von mir ab und steht auf. Sein bestes Stück steht hammerhart von ihm ab und reckt sich gierig meinem Körper entgegen. Auch er ist erregt und kann es kaum noch erwarten.
Er hebt meine Füße an und stellt sie auf den Rand des Beckens. Nun hocke ich mit noch weiter gespreizten Schenkeln da, warte darauf, dass er seine Eichel an meiner Spalte ansetzt und mich endlich erobert. Er macht es auch und ich schmelze dahin.
Ich spüre zunächst, wie seine, empfindsame Spitze meine Schamlippen berühren und dann auch vorsichtig teilt. Sam legt überraschend viel Zurückhaltung an den Tag. Vorsichtig schiebt er seinen Schwanz langsam, aber beständig in mich hinein.
Zunächst verschwindet nur die Spitze in mir. Es fühlt sich herrlich an, wie meine Schamlippen auseinander gedrückt und gereizt werden. Zu spüren, wie er meinen Körper erobert, ist jedes Mal ein unglaublich schönes und intensives Gefühl.
Ich will ihm gehören und gebe mich nur allzu gerne dieser wunderbaren Inbesitznahme hin. Ich will auch nichts anderes, als einfach nur ihm zu gehören. Ich bin ihm hörig und genieße es.
Seine Schwanzspitze neckt mich. Immer wieder schiebt er sie in mich hinein und zieht sich dann wieder zurück. Er dringt nicht bis zum Anschlag in mich ein. Er macht das bewusst. Doch offenbar weiß er nicht, dass eine Frau vor allem im vorderen Bereich der Scham besonders empfindsam ist und mir sein Reizen die allerschönsten Momente schenkt.
Ich beginne deshalb auch bald zu stöhnen, was schließlich sogar in ein Keuchen übergeht. Schweiß bildet sich auf meiner Stirn und auch sonst am Körper wird meine Haut zunehmend feucht.
Offenbar bemerkt Sam, dass ich das Necken in vollen Zügen genieße und sticht nun hart und entschlossen zu. Er pfählt mich voller Kraft und Entschlossenheit. Er steckt damit endlich tief in mir drinnen. Meine Position mit den weit gespreizten Schenkeln ermöglicht ihm ein besonders tiefes Eindringen.
Er verharrt kurz in mir und scheint zu genießen, mich ganz in Besitz genommen zu haben. Ich spüre, wie mich sein Bolzen ausfüllt und weitet, wie tief er in mir steckt und sich einfach nur herrlich anfühlt.
Dann aber legt er los. Zunächst langsam, dann jedoch immer schneller werdend, zieht er sich aus mir zurück und rammt mir seinen Speer gleich wieder entschlossen zurück in den Körper.
Ich werde jedes Mal ein kleines Stück in die Höhe gehoben, wenn er mit seinem Becken an meiner Schamgegend anstößt. Hinter seinem Stoß stecken sehr viel Kraft und Entschlossenheit.
Sam spielt mit mir. Er versteht es meisterlich, mich zu erregen, aber nicht kommen zu lassen. Er hält mich lange Zeit kurz vor dem Höhepunkt und schenkt mir damit unglaubliche Empfindungen. Allerdings ist dies auch anstrengend und quälend. Ich hoffe auf Erlösung, bekomme sie aber nicht, zumindest nicht sofort. Sam scheint das Spiel zu genießen. Auch ihm stehen die Schweißperlen auf der Stirn und ein zufriedenes Grinsen im Gesicht.
Ich bin hin und her gerissen. Einerseits fiebere ich diesem alles verschlingenden Höhepunkt entgegen, der mich meinen Körper auf immer neue Art fühlen lässt, andererseits möchte ich, dass dieses Spiel nie endet.
Nach einer herrlich langen Zeit entschließt er sich dann doch, mich über die Klippe zu treiben. Ich habe den Verdacht, dass er es auch selbst nicht mehr schafft, sich zurückzuhalten.
Plötzlich vögelt er mich entschlossen, treibt meine Lust explosionsartig in die Höhe und wenig später reißt mein Verlangen mich in eine Welt aus Lust und Erregung. Ich stoße einen langgezogenen Lustschrei aus. Er ist wohl dem Umstand geschuldet, dass er mich so herrlich lange hat zappeln lassen.
Auch er kommt zum Höhepunkt. Er presst sich mit aller Kraft in meinen Unterleib und ich muss schauen, dass ich nicht in das Waschbecken hineinrutsche. Das lenkt mich etwas ab, sodass ich nur halb mitbekomme, wie er einen brunftigen Schrei ausstößt und sich in zahlreichen Schüben entlädt.
Wir bleiben zunächst nach Atem ringend und keuchend an Ort und Stelle. Keiner von uns rührt sich. Wir genießen es, außer Atem zu sein und die Nachwehen des eben erlebten Höhepunktes so lange es irgendwie geht, auszukosten.
Dann aber ist es Sam, der sich aus mir zurückzieht und mich schelmisch lachend anschaut. Er führt schon wieder etwas im Schilde. Tatsächlich bekomme ich einen Klaps auf den Hintern.
"Trödel nicht, wir müssen los", neckt er mich.
"Du Schuft!", lache ich. "Du bekommst zwei Wochen Sexverbot."
"Was?"
"Zwei Wochen keinen Sex mehr."
"Das hältst du nicht aus."
"Ich schon, du nicht", lache ich belustigt.
"Das kannst du nicht machen, das ist seelische Grausamkeit."
Ich aber lache nur und steige vom Waschbecken. Dadurch, dass er den Fick so lange hinausgezögert hat, sind meine Glieder etwas steif und ich bin nicht so geschmeidig, wie ich es sonst bin.
"Wie lange haben wir noch?", frage ich.
"Zwei Stunden und zehn Minuten."
"Das wird knapp."
"Beeil dich!"
Ich springe unter die Dusche, schminke mich, so gut es in der Eile machbar ist und suche mir dann Unterwäsche und mein Kleid. In nicht einmal einer halben Stunde bin ich fertig und gehe zusammen mit Sam zum Frühstück. Bevor wir jedoch das Esszimmer betreten, nimmt mich John zur Seite.
"Anastasia, nach eurer Rückkehr müssen wir uns zusammensetzen und planen. Ich denke, wir sollten, wie du angedeutet hast, heute Abend los."
"Schon heute Abend?", sage ich überlegend. "Je schneller wir dort sind, umso besser dürfte es sein."
"Wir haben die beste Verbindung. Der letzte Direktzug für diese Woche."
"Da niemand weiß, dass wir kommen, wäre das tatsächlich die beste Option. Noch sucht uns keiner."
"Noch?!", präzisiert John.
"Danke, wir reden nachher."
"Ich bereite alles vor", bietet er an.
"Du bist ein Schatz!"
"Du bist die beste Chefin. Endlich kann ich etwas Aufregendes erleben. Von so einem Einsatz träume ich schon lange."
Ich drücke ihm einen Kuss auf die Wange und kehre zurück zu Sam. Dieser hat unser Gespräch und vor allem den Kuss mit gerunzelter Stirn beobachtet.
"Läuft da etwas zwischen euch?", will er wissen.
"Sam, du weißt, du bist der einzige Mann für mich. Ich bin aber ein Mensch, der seine Dankbarkeit zeigt und ein Kuss auf die Wange ist noch lange kein Grund zur Eifersucht."
Ich stelle mich auf die Zehenspitzen, meine Lippen suchen die seinen und ich küsse ihn voller Leidenschaft. Er beruhigt sich daraufhin sofort. Der Unterschied ist mehr als deutlich.
"Wir müssen heute Abend schon los", eröffne ich ihm nach dem Kuss.
"Heute Abend schon?"
"Es muss sein, heute haben wir die beste Verbindung."
"Ich habe Angst um dich."
"Das brauchst du nicht."
"Oh doch. Ich weiß zwar, dass du gut bist, aber es kann immer etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen. Wir wissen beide, wie sehr dich die Russen hassen."
"Ich weiß."
"Dann kannst du dir vorstellen, was passiert, wenn sie dich erwischen. Oft sind es blöde Zufälle, dass man auffliegt."
"Ich werde auf mich und John aufpassen."
"Eigentlich sollte er auf dich aufpassen", lächelt er schon wieder.
"Weißt du was, wir passen gegenseitig aufeinander auf. Das ist das Beste."
"Du sagst es."
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Wir werden zum Roten Platz gebracht und steigen dort aus. Unsere Sicherheitsleute halten sich zwar im Hintergrund, sind aber ständig präsent. Offenbar fürchten auch sie, dass etwas gegen mich geplant sein könnte. Auszuschließen ist dies tatsächlich nicht, auch wenn ich nicht glaube, dass es während der Trauerfreier passieren wird.
Wir gelangen unbehelligt in die Kathedrale, in der wir bereits gestern dem Toten unsere Aufwartung gemacht haben. Uns wird ein Platz ganz vorne zugewiesen. Die Totenfeier durch den Patriarchen von Moskau zieht sich unglaublich lange hin. Immer wieder preist Kyril die Heldentaten des Verstorbenen. Kritik wird keine geübt, das versteht sich von selbst.
Sam neben mir verzieht keine Mine und auch ich bemühe mich, nicht zu zeigen, was ich von dem heuchlerischen Theater halte. Ich hoffe, dies gelingt mir. Auch andere ausländische Staatsmänner oder deren Vertreter scheinen Mühe zu haben, eine nichtssagende Haltung einzunehmen.
"Wir ziehen nun hinter dem Sarg unseres Freundes und Präsidenten hinaus auf den Platz, wo die weltliche Feier stattfindet", informiert Kyril.
Zum Glück steht der monumentale Sarg auf einem Wagen, der nun durch den Mittelgang zum Haupttor geschoben wird. Die Besucher der ersten Reihe stellen sich dahinter auf, dann folgen jene der zweiten, der dritten und so weiter. Als der Trauerzug sich in Bewegung setzt, reihen sich immer mehr Leute ein.
Sam und ich sind nur knapp hinter dem Sarg. Einige der engsten Freunde haben vor uns Aufstellung genommen. Sie gehen direkt hinter dem Sarg. Die Menschen im Trauerzug geben monotone Gebete von sich, die auf mich beinahe einschläfernd wirken. Das Gesprochene wirkt, wie ein Mantra, das sie immer wieder vor sich herbeten.
Am Roten Platz erwarten uns Abordnungen aller Völker aus dem russischen Reich in ihren Trachten. Sie haben so Aufstellung genommen, dass der Sarg genau vor ihnen abgestellt werden kann. Wir, die Staatsgäste, stellen uns auf der gegenüberliegenden Seite der Mittelgasse hin.
Wie ich dabei den Roten Platz entlang schaue, erblicke ich in der Ferne, den Leichenwagen, in den der Sarg nach der Feier wohl verladen werden soll, um nach St. Peterburg zur eigentlichen Beisetzung gebracht zu werden. Es ist eine beachtliche Strecke.
Der Weg zum Leichenwagen wird im zweiten Teil von einer Militärschau gesäumt. Der Sarg muss an Panzern und allen möglichen Waffen vorbei geschoben werden. Es ist wohl eine Machtdemonstration für uns westliche Vertreter. Mir kommt es beinahe so vor, als wolle man uns zeigen, dass Popov über seinen Tod hinaus Macht besitzt und wir nicht denken sollen, gewonnen zu haben.
Bevor der Sarg verladen wird, müssen wir zahlreiche Lobeshymnen über uns ergehen lassen. Der erste Redner ist Labradorov, der natürlich den Staatsmann Popov preist. Eine Frau, man munkelt, dass es seine Freundin sein soll, spricht über ihn als den Vater der Nation.
Zahlreiche andere Redner folgen, unter ihnen auch Tschetschenenführer Sergeij Kakarov. Er ist der Erste, der auf den Westen schimpft und jenen, die den Tod von Popov zu verantworten haben, erbitterte Rache schwört.
Dann endlich ist es so weit. Der Sarg wird weitergeschoben. Als er an einigen der Waffen vorbeizieht, werden diese abgefeuert. Es sind nur Salutschüsse, knallen aber doch gewaltig und der Schall wird auf dem Roten Platz immer wieder hin und her geworfen. Ich muss mir die Ohren zuhalten.
Genau in dem Moment schaut Kakarov zu mir her und grinst. Mir ist klar, in diesem Mann habe ich einen Feind. Er mag mich nicht, egal ob er ahnt, dass ich hinter dem Tod seines Freundes stecke oder nicht.
Ich hoffe nur, dass nicht er die Macht an sich reißen kann. Das hätte verheerende Auswirkungen für die gesamte Welt. Popov war ein Despot, aber dieser Mann ist noch viel schlimmer. Ich frage mich, ob es tatsächlich ein Segen ist, dass Popov tot ist. Für mich auf jeden Fall, er hätte mich jagen lassen und dazu wäre ihm jedes Mittel recht gewesen.
Als der Sarg endlich am Leichenwagen ankommt und verladen wird, lösen sich die Menschenmassen auf. Wir werden von unseren Sicherheitsleuten zur Wagenkolonne gebracht und fahren zurück in die Botschaft.
"Ich bin froh, dass ich dieses Theater endlich hinter mir habe."
"Sein Abgang wurde aufwendig inszeniert", stimmt Sam mir zu.
"Wer wird nun die Macht übernehmen?"
"Der Staatsakt hat gezeigt, dass dies noch nicht entschieden ist. Labradorov ist sicher einer der Anwärter."
"Der andere ist Kakarov", ergänze ich.
"Der wäre auch ein Kandidat."
"Gott bewahre."
"Du sagst es", bestätigt er meine Sorge. "Ich hoffe, die gemäßigten Kräfte können ihn verhindern."
"Der Außenminister ist aber auch kein Sängerknabe."
"Das nicht, aber ohne Popov ist er deutlich schwächer. Kakarov hingegen wäre unberechenbar."
Wir erreichen die Botschaft und als wir das Gebäude betreten, werde ich von John bereits erwartet. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und gebe Sam einen langen und sehr leidenschaftlichen Kuss.
"Ich muss zu John."
"Ich lass dich nicht gern gehen."
"Ich weiß, dass du dir Sorgen machst, und bin mir sehr wohl bewusst, welch großer Liebesbeweis es ist, dass du es mir trotz allem erlaubst."
"Ich weiß doch, dass du nicht anders kannst. Aber pass auf dich auf!"
"Das verspreche ich. Ich will dich doch auch noch lange in meinem Leben haben."
"Und vögeln", raunt er mir ins Ohr.
"Auch das", antworte ich schmunzelnd. "Du denkst auch nur an das eine."
Ich küsse ihn noch einmal, dann gehe ich zu John und mit ihm in ein Besprechungszimmer. Dort setzen wir uns an einen kleinen Tisch.
"Wir könnten heute um 20 Uhr den Zug nach Sewastopol nehmen. Dann wären wir morgen früh dort."
"Das machen wir."
"Ich habe schon zwei Tickets besorgen lassen."
"Super. Hast du deine Papiere?"
"Für mich und für dich."
"Für mich auch?"
"Deine Papiere, die du zu Beginn deiner Mission bekommen hast, lauten auf deinen richtigen Namen."
"Ja und?"
"Das war damals kein Problem, eigentlich sogar besser, weil du auf diese Weise keine Schwierigkeiten hattest, auf den Namen zu reagieren. Nun aber kennt jeder in Russland deine wahre Identität."
"Das könnte tatsächlich zum Problem werden", gebe ich zu.
"Außerdem brauchen wir Papiere, die uns als Angehörige der Moskauer Polizei, einer Sondereinheit, um genau zu sein, ausweisen."
"Und wie heißen wir dann?"
"Ich bin Hauptmann Wasily Gregorov und du Oberst Olga Ferinskaja."
"Ich habe den höheren Dienstgrad als du?"
"Du hast dich hochgeschlafen. Das ist in der russischen Armee und bei der Polizei normal."
"Warum muss ich immer die Nutte sein?", sage ich lachend.
"Es ist eindeutig besser, wenn du den höheren Dienstgrad hast. Da wir eine Frau abholen, ist das selbst im rückständigen Russland von Vorteil, zumindest bei wichtigen Gefangenen. Man will sich keinem Vorwurf aussetzen, solange es einen Einfluss auf den Blick von außen und das Ansehen des Staats hat."
Ich schaue ihn ein wenig überrascht an. So ganz kann ich nicht verstehen, warum das so ist. Normalerweise sind die Russen mit ihren Gefangenen nicht zimperlich.
"Wenn eine weibliche Gefangene nicht korrekt behandelt wird, dann ist es in den verschwiegenen Gefängnissen des Geheimdienstes. Vor Ort und auf dem Transport will man den Anschein erwecken, mehr als korrekt zu sein", erklärt er weiter.
"Ah! Ich verstehe."
"Ich habe uns auch Uniformen besorgt. Die sind in diesen Taschen. Die Größen passen, ich habe deine Maße noch wegen deiner Garderobe."
"Gut, dann hast du ja schon alles vorbereitet."
"Ich habe mir alle Mühe gegeben."
"Du bist genial."
Kapitel 8
"Ich werde dich vermissen", sagt Sam.
"Ich vermisse dich jetzt schon."
"Dann bleib doch einfach da!"
"Du weißt, dass ich das nicht kann. Eine Freundin braucht Hilfe."
"Ich weiß!"
Sam zieht mich in eine innige Umarmung. Auch mir fällt der Abschied nicht leicht. Seit ich ihm in Washington am Eingang in diesen Saal begegnet bin, haben wir fast die gesamte Zeit zusammen verbracht. Da war nur die kurze Phase vor unserem Urlaub. Damals wussten wir allerdings, dass es nur vorübergehend sein würde. Aber nun starte ich ins Ungewisse und ich kann nicht sagen, wie lange wir uns nicht sehen werden.
"Ich liebe dich!", hauche ich ihm ins Ohr.
"Ich dich auch!", haucht er zurück.
"Wir sehen uns bald wieder."
"Pass auf dich auf!"
Als wir uns voneinander lösen, schauen wir uns noch einmal tief in die Augen. Ich kann in seinen die unendliche Liebe und die große Sorge erkennen. Er ist für mich inzwischen wie ein offenes Buch.
Es zerreißt mir fast das Herz, ihm Sorgen bereiten zu müssen, aber es geht nun mal nicht anders. Ich kann Ekaterina unmöglich hängen lassen. Das würde ich nie übers Herz bringen.
"Wir sehen uns bald wieder!", verspreche ich noch einmal.
Dann gehe ich auf John zu, der etwas abseits mit zwei Taschen, wie sie beim russischen Militär üblich sind, auf mich wartet. Darin ist unsere Ausrüstung. Ich habe noch ein paar Toilettensachen zusammengepackt und ein paar zivile Anziehsachen. Im Moment trage ich Kleidung, wie sie jedes normale russische Mädchen auch tragen würde.
"Hauptmann Wasily, gehen wir?"
"Ja Obert Olga", grinst er.
Ich blicke mich noch einmal zu Sam um, nehme die Tasche und werfe ihm einen Luftkuss zu. Dann verschwinden wir durch einen Hintereingang. Wir schleichen durch den Park und verlassen das Grundstück der Botschaft über eine geheime und gut getarnte Pforte an der Rückseite.
Es ist nicht auszuschließen, dass der Haupteingang der Botschaft von den Russen oder auf Anweisung Kakarovs überwacht wird. Ich hoffe, dass keiner diese Pforte kennt und wir damit unbemerkt das Gelände verlassen können.
Wir kämpfen uns durch das Gebüsch und stehen auf einer ganz normalen Straße in Moskau. Ich blicke mich aufmerksam um, kann aber niemand entdecken. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof. Eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren, wäre zu riskant. Wir versuchen so vorsichtig zu sein, wie nur irgend möglich.
Wir erreichen den Zug pünktlich und stiegen ein. Wir suchen uns ein Zugabteil und setzen uns ans Fenster. Bisher haben wir kaum ein Wort miteinander gewechselt, das nicht mit unserem Weg zu tun hatte. Wir sind beide etwas angespannt.
Nun aber, da wir im Zug sitzen, fällt ein Teil der Anspannung von uns ab. Wasilys Körperhaltung zeigt dies deutlich und auch ich spüre, dass ich um einiges ruhiger bin. Bis hierher haben wir es geschafft und sitzen nun im Zug. Besonders, als sich dieser in Bewegung setzt, und bei der Kontrolle unserer Fahrkarten alles reibungslos läuft, scheint der erste Teil unserer Mission geschafft zu sein.
"Du hast gesagt, du freust dich auf die Reise", beginne ich nach einiger Zeit.
"Nur zu Hause herumzusitzen ist doch langweilig."
"Das kann ich mir vorstellen. Vor allem, wenn nicht gerade Besuch im Haus ist."
"Ich habe meine Ausbildung gemacht, um etwas zu bewegen, um Erfolge zu erzielen. Stattessen bin ich in die normale Verwaltung eingebunden."
Ich finde es faszinieren, wie wir beide versuchen, so unverfänglich, wie möglich, zu sprechen und doch das verstehen, was der andere sagen will. Ein Außenstehender soll nicht sofort verstehen, dass wir Agenten sind. Ich glaube, das gelingt uns recht gut.
Auch, wenn wir im Abteil allein sind, dürfen wir nicht unvorsichtig werden. Man kann in diesem Land nie wissen. Zu meiner Beruhigung sprechen wir dieselbe Sprache und verstehen uns, auch wenn wir zwischen den Zeilen sprechen.
"Ich habe mich am Anfang auch gelangweilt. Dann bekam ich eine wichtige Arbeit übertragen und war beinahe überfordert."
"Du überfordert?"
"Ja, ich war nicht auf all´ das vorbereitet."
"Aber du machst es hervorragend."
"Bist du sicher?"
"Du bist die beste Chefin, die ich je hatte."
"Ich bin doch nicht deine Chefin", wehre ich ab.
"Du bist die Chefin von meinem Chef", grinst er.
"Die Chefin deines Chefs?"
"Du weißt schon, dein Freund."
Ich muss lachen. Sam ist als Außenminister zwar nicht direkt Chef des Sicherheitspersonals, aber da John in der Botschaft arbeitet, hängt dies wohl irgendwie zusammen. Dass er gern mit mir auf Mission geht, freut mich.
Wir vereinbaren, abwechselnd wach zu bleiben, während der andere schläft. Ich übernehme den ersten Turnus und als ich nach den vereinbarten zwei Stunden noch nicht sonderlich müde bin, was vermutlich auch an der Aufregung liegt, lasse ich John einfach weiterschlafen. Erst nach vier Stunden rüttle ich an seiner Schulter.
"Was ist?", grummelt er.
"Wechsel!"
"Ach so. Schon so spät?"
Er hat inzwischen auf die Uhr gesehen und wohl bemerkt, dass es später ist, als wir vereinbart hatten.
"Ich war noch nicht müde."
"Gut, jetzt schlaf aber."
Ich mache es mir gemütlich und schlafe auch bald ein. Ich träume von Piotr bei der Raketenabwehrstation, vom Hauptquartier der Schwarzmeerflotte und vom U-Boot. Die Erinnerungen scheinen mich wieder einzuholen.
Als an meiner Schulter gerüttelt wird, liege ich gerade mit Sam auf der Wiese am See in Alaska. Wir hatten gerade Sex und versuchen wieder zu Atem zu kommen. Offenbar haben die schönen Erinnerungen die aufregenden abgelöst.
"Was ist?", frage ich und öffne meine verschlafenen Augen.
"Du hast gestöhnt."
"Was habe ich?", frage ich schockiert. Augenblicklich bin ich hellwach.
"Du hast gestöhnt. Es war fast schon wie Telefonsex", grinst John.
Ich spüre, wie Hitze meine Wangen hinaufklettert. Ich kann mir vorstellen, was passiert ist. Der Traum vom Sex auf der Wiese war wohl etwas zu realistisch.
"Wasily, was denkst du schon wieder?", sage ich gespielt tadelnd.
"Du vermisst ihn?"
"Und wie!", gestehe ich. Zu leugnen hat an diesem Punkt eh keinen Sinn. "Willst du noch eine Runde schlafen?"
"Danke, aber ich bin nicht mehr müde. Ich möchte lieber ankommen."
Ich schaue auf die Uhr und schätze, dass wir in einer Stunde unser Ziel erreichen dürften. Langsam wird es ernst.
"Was machen wir, wenn wir ankommen?", will John wissen.
Offenbar hat er erraten, was meine Gedanken sind, oder er kennt mich bereits dermaßen gut, dass er weiß, was mir durch den Kopf geht. Das wäre hervorragend für unsere Mission.
"Wir besuchen eine alte Freundin."
"Ist die zuverlässig?"
"Absolut!"
Danach schweigen wir bis zur Ankunft in Sewastopol. Kaum, dass der Zug hält, steigen wir aus, verlassen zügig, aber nicht hastig das Bahnhofsgebäude und tauchen in der Menschenmasse unter. Der Tag beginnt gerade Schwung aufzunehmen und schon überraschend viele Menschen scheinen auf dem Weg zur Arbeit zu sein.
Ich gehe durch die Straßen der Stadt und schaue mich mehrfach um. Ich kontrolliere, ob wir verfolgt werden. Es ist eine Gewohnheit, die auf die Ausbildung zurückzuführen ist. Der Blick über die Schulter verlässt mich selbst in Washington nicht.
Da wir zum Glück unbehelligt und ohne Schatten durch die Straßen gehen können, mache ich mich nach einer kleinen Schleife auf den Weg zur Modelagentur. Sie ist mein erstes Ziel.
Wie schon bei meinem ersten Besuch, suche ich mir eine stille Ecke auf der gegenüberliegenden Seite der Straße und beobachte das Gebäude. John stellt sich neben mich und folgt meinem Beispiel. Es passiert nichts. Offenbar ist niemand mehr da. Ansonsten müssten doch immer wieder Mädchen kommen und gehen.
John steht die ganze Zeit neben mir und sagt kein Wort. Er verlässt sich darauf, dass ich weiß, was ich mache. Als ich mich von der Wand abstoße, wirft er mir zwar einen fragenden Blick zu, den ich aber nur mit einem Kopfnicken beantworte.
Ich gehe zur Eingangstür und läute bei "Wohnung Nr. 2". Es passiert einige Zeit nichts. Dann aber geht über mir ein Fenster auf und Annas Kopf kommt zum Vorschein. Sie versucht zwar leise zu sein, um nicht bemerkt zu werden, ich aber nehme ein Geräusch wahr, trete etwas zurück und schaue nach oben.
Als sich unsere Blicke treffen, reißt Anna die Augen weit auf und verschwindet sofort wieder. Wenig später ertönt der Türöffner, ich drücke gegen die Eingangstür und John und ich verschwinden im Flur.
Zusammen gehen wir die Treppe nach oben und bleiben vor Annas Wohnungstür stehen. Diese geht, kaum dass wir davor zum Stehen kommen, auf und sie zieht mich in den Flur und dann in ihre Arme.
"Du? Wo kommst du her?"
"Aus Moskau."
Ihr Blick wandert über meine Schulter und nimmt nun auch John wahr. Ich kann in ihren Gesichtszügen das Misstrauen erkennen. Dieses Mädchen traut niemandem mehr.
"Der ist in Ordnung!", sage ich.
"Bist du dir sicher?"
"Er ist vom Secret Service."
"Vom Secret Service? Wie kommst du zu dem?"
"Hast du keine Nachrichten gesehen?"
"Nur ganz selten."
"Ich bin die Freundin und Beraterin des amerikanischen Außenministers."
"Oh, und er ist dein Aufpasser?"
"So in etwa", lacht John.
"Die Agentin mit dem Aufpasser, das klingt abenteuerlich."
"Darf ich euch bekannt machen? Das ist Anna, eine Kollegin von mir. John ist, wie ich schon gesagt habe, vom Secret Service und heißt hier in Sewastopol Wasily."
"Anastasia, was machst du hier? Die Russen haben ein enormes Kopfgeld auf dich ausgesetzt!"
"Das kann ich mir vorstellen. Aber ich muss Ekaterina befreien."
"Wie willst du das anstellen? Das ist unmöglich. Sie wurde verhaftet und ins Gefängnis gebracht."
"Wir haben einen Plan."
"Das ist alles zu gefährlich."
"Aber wir müssen es versuchen. Sie hat so viel für uns getan und du weißt selbst, wenn wir ihr nicht helfen, dann tut es keiner."
"Und er?", dabei deutet sie auf John.
"Er hat Spaß an Abenteuern."
John lacht. Er versteht meinen Humor und das ist super. Ich bin mir sicher, dass er der Einzige ist, mit dem ich diese Aktion durchziehen möchte.
"Du solltest aber ab sofort eine Perücke tragen und deine Augenbrauen färben", meint John.
"Wie stellst du dir das vor? Wo soll ich eine Perücke hernehmen und dann passt das doch nicht mehr mit dem Foto im Ausweis zusammen. Das würde auffallen."
John grinst nur wissend, geht zu seiner Tasche und holt eine Perücke sowie Färbemittel für Augenbrauen hervor. Ich kann nur staunen.
"Dieser Mann ist echt auf alles vorbereitet, wie es scheint", grinst Anna.
"Und das Foto?", frage ich, weil ich mich damit noch nicht zufriedengebe.
John holt gelassen den Ausweis aus der Seitentasche und zeigt mir das Foto. Das bin ich, allerdings mit schwarzen und kurzen Haaren, nicht mit langen braunen. Ich verstehe gar nichts mehr.
"Wo hast du dieses Foto her?"
"Künstliche Intelligenz. Zu etwas sollte sie doch auch nützlich sein."
"Der Man ist echt gut", staunt Anna.
"Der Secret Service verfügt offenbar über andere Mittel als wir", sage ich schmunzelnd.
"Man muss nur etwas kreativ sein", hält John dagegen.
Kapitel 9
"Was habt ihr nun konkret vor?", will Anna wissen.
"Wir müssen heute im Gefängnis vorstellig werden und Ekaterina abholen, um sie nach Moskau zu bringen. Laut Plan soll sie morgen überstellt werden."
"Du glaubst, das geht so einfach?"
"Ich bin Oberst, John ist Hauptmann."
"Oberst? Bist du dafür nicht etwas zu jung?"
"Sie hat sich nach oben geschlafen. Du weißt doch, wie das geht", grinst John.
"Einmal die Nutte, immer die Nutte", sage ich gespielt genervt.
"Aber einflussreich!", stellt John klar.
"Was habt ihr mit Ekaterina vor, wenn ihr sie einmal habt?", will Anna wissen.
"Wir bringen sie zunächst hierher verändern sie, damit man sie nicht sofort erkennt und dann ab mit ihr nach Moskau", erklärt John.
"Was macht ihr dort?"
"Wir verstecken uns in der amerikanischen Botschaft und organisieren einen Flug in die USA", erklärt John. "Kommst du auch mit?"
"Ich sollte wohl besser hier die Stellung halten."
"Ist das nicht zu gefährlich?", frage ich besorgt.
"Die Polizei hält mich für ein normales Model, wie alle anderen und hat mir sogar erlaubt, auch weiterhin hier zu wohnen. Sie haben uns alle genau durchleuchtet und offenbar ist meine Tarnung besser als die von Ekaterina. Kann auch sein, dass sie nicht glauben, dass die Chefin der Agentur nicht wusste, dass ihr Schützling eine Agentin ist."
"Dann war das meine Schuld?"
"Es musste irgendwann so kommen. Deine erfolgreichen Aktionen haben den Feind verständlicherweise aufgeschreckt. Doch dieses Risiko war Ekaterina bekannt. Sie hat sogar jahrelang darauf hingearbeitet und du hast ihre Hoffnungen noch bei Weitem übertroffen. Sie war glücklich, dass alles so gelaufen ist."
"Gibt es die Agentur noch? Wovon willst du leben?"
"Zusammen mit den anderen Models führe ich die Agentur weiter. Allerdings läuft das Geschäft nicht mehr so gut. Ich gehe davon aus, dass Ekaterina auch Geld aus Kiew bekommen hat."
"Dann werde ich schauen, ob ich etwas machen kann, damit die Gelder wieder fließen. Ich hoffe, dass entweder Kiew oder Washington die erforderlichen Mittel locker machen kann."
"Du scheinst ein hohes Tier zu sein, wenn du solche Dinge in Aussicht stellen kannst."
"Ich habe nur gute Kontakte", weiche ich aus.
"Gut, dann scheint ja alles klar zu sein. Wann wollt ihr los?"
"Ich würde sagen, wir sind um 10 Uhr dort. Wenn alles gut läuft, sind wir zu Mittag oder am frühen Nachmittag wieder zurück."
"Und wenn nicht?"
"Dann rufst du diese Nummer an."
Ich schreibe Anna die Nummer von Sam auf einen Zettel. Allerdings schreibe ich die Zahlen so auf, dass sie um zwei Positionen verschoben sind. Am Ende der Nummer setze ich die Zahl 2, damit sie weiß, wie sie rechnen muss.
"Was ist das für eine Nummer?", erkundigt sich John.
"Wir haben eine geheime Verschlüsselung."
Er schaut mich wissend an, dann macht er sich an seiner Tasche zu schaffen. Er gibt mir die Perücke und die Papiere, ich hole meine Uniform aus der Tasche, genauso wie er dies macht. Zunächst färbe ich mir die Augenbrauen, dann ziehen wir uns um und als ich John sehe, bekomme ich beinahe einen Schreck. Vor mir steht ein verblüffend echt aussehender Hauptmann einer russischen Sondereinheit. Sein grimmiger Gesichtsausdruck würde mir Respekt einflößen, wüsste ich nicht, wer er ist.
"Du siehst aber auch aus, als wärst du Russin und das Kommandieren gewohnt", grinst er. Offenbar hat er meinen Gesichtsausdruck richtig gedeutet. "Für einen Oberst bist du, wie gesagt, noch etwas jung, aber das ist kein Problem. Wir haben schließlich die passende Erklärung."
"Warum kannst nicht du der Oberst sein?"
"Weil das zu normal wäre", grinst er.
"Aha, du baust auf das Motto, auffallen, um nicht aufzufallen."
"Genau!"
"Wir sollten uns nun langsam auf den Weg machen", schlage ich vor.
"Gibt es einen Hinterausgang?", will John wissen.
Anna schaut ihn nachdenklich an. Ich bin mir nicht sicher, ob sie nachdenkt, warum er sich nach einem Hinterausgang erkundigt, oder ob sie sich die Frage stellt, ob es einen solchen gibt.
"Es gibt einen alten Eingang für Warenlieferungen, die direkt in den Keller gebracht werden sollten. Dieses Haus war früher ein Gemischtwarengeschäft. Das ist aber schon ewig lange her. Ekaterina hat es mir einmal erzählt."
"Können wir nachschauen?"
"Ja, gerne."
Anna geht mit uns hinunter ins Erdgeschoss und dann den Gang weiter. Zu meiner Überraschung führt ein langer Flur zur Hinterseite des Hauses, wo sich ein großes Holztor befindet.
"Das müsste es sein", meint Anna. "Ich weiß nur nicht, ob es dazu einen Schlüssel gibt."
Ich gehe auf das Tor zu. Von innen steckt kein Schlüssel. Deshalb schaue ich mich um und entdecke links und rechts direkt hinter dem Tor etwa in Hüfthöhe zwei Löcher im gemauerten Torbogen.
Ich gehe davon aus, dass diese früher einmal dazu dienten, einen dicken Holzbalken hineinzuschieben. Dieser ging dann vermutlich direkt hinter dem Tor quer von einer Seite zur anderen und gab dem Tor auf diese Weise noch mehr Stabilität gegen ein gewaltsames Aufdrücken.
Ich kenne diese Art, ein Tor zu sichern, vom Hof meiner Eltern her. Auch dort gibt es mehrere Türen, die auf ähnliche Weise gesichert werden können. Daher weiß ich aber auch, wo der Schüssel sein könnte. Die Gewohnheiten sind hoffentlich überall ähnlich.
Ich gehe auf das Loch an der linken Seite zu und fahre mit der Hand hinein. Ich taste den Hohlraum ab, finde aber nichts. John und Anna schauen mir interessiert, aber auch etwas skeptisch zu. Ich versuche es daraufhin auf der rechten Seite und finde dort tatsächlich einen alten massiven Metallschlüssel.
"Das könnte er sein", sage ich erfreut.
Ich versuche ihn ins Schlüsselloch zu schieben und tatsächlich passt er. Als ich ihn umdrehe, schiebt sich ein massiver Riegel ein Stück zurück. Da es aber nicht reicht, um das Tor zu entsperren, drehe ich erneut den Schlüssel um und diesmal funktioniert es. Der Riegel schiebt sich ein weiteres Stück zurück und die Tür lässt sich öffnen.
Ich ziehe das Tor nur ein kleines Stück auf. Vorsichtig stecke ich den Kopf durch den Spalt und schaue mich um. Ich blicke hinaus auf eine Nebenstraße, die ausgesprochen ruhig zu sein scheint. Weit und breit kann ich keinen Menschen entdecken. Ich ziehe mich wieder ins Haus zurück und schließe das Tor. Die anderen schauen mich etwas überrascht an.
"Wie gehen wir vor. Den Schlüssel mitzunehmen ist nicht ratsam. Wenn wir auffliegen, dann könnte der Schlüssel Anna verraten."
"Das stimmt", meint nun auch John. "Dieser Eingang ist aber ideal, um ungesehen ins Haus zu kommen. Wenn im Haus schon niemand von dem Hinterausgang weiß, dann wird er von der Polizei ganz sicher nicht überwacht."
"Wir müssen ein Zeichen vereinbaren", schlage ich vor.
"Meine Küche geht nach hinten raus. Das Fenster liegt genau über dem Tor. Werft einen Stein nach oben und ich komme, um euch aufzumachen. Zwischendurch schaue ich auch aus dem Fenster", meint Anna.
"So machen wir es!", beschließe ich. "Hauptmann Gregorov, können wir los?"
"Jawohl, Oberst Ferinskaja", grinst er.
Ich nehme Anna in den Arm, um mich von ihr zu verabschieden. Doch da kommt mir eine Idee.
"Du hast nicht zufällig noch ein oder zwei von den Peilsendern?"
"Ich habe sogar noch fünf oder sechs Stück davon."
"Kannst du mir zwei geben?"
"Ja natürlich. Was hast du vor?"
"Sollte etwas schief gehen, könnte ich aus der Aktion ein Selbstmordkommando machen."
"Dein Ernst?", will Anna wissen.
"Es ist nur eine Möglichkeit", stimmt John mir zu.
Ich hätte erwartet, dass er mir das ausreden will. Aber er unterstützt mich aus voller Überzeugung. Das hätte ich zwar nicht erwartet, aber es zeigt mir, dass er ähnlich denkt, wie ich, und ausgesprochen pragmatisch vorgeht. Wenn schon alles verloren ist, dann sollen auch die anderen mit uns untergehen, lautet die Devise.
Anna läuft noch einmal nach oben und kommt mit zwei der kleinen Peilsender zurück. Ich gebe einen John, zeige ihm, wie er funktioniert, und stecke den zweiten in die Hosentasche. Darin gibt es ein Geheimversteck, das mein Begleiter hat einnähen lassen. Auch er verfügt offenbar über ein solches Geheimfach in seiner Hose.
"Jetzt können wir los", sage ich.
"Ich wünsche euch viel, viel Glück!", meint Anna.
Sie drückt mich noch einmal fest an sich und umarmt auch John zum Abschied. Dann öffne ich das Tor und wir huschen hinaus. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Gefängnis.
Wir nehmen dabei Haltung an und marschieren mit einem militärisch strammen Schritt, als hätten wir nie etwas anderes gekannt. In Uniform würde es auffallen, hätten wir einen lockeren Gang. Zum Glück ist es nicht besonders weit bis zum Gefängnis.
Wir betreten den Eingangsbereich und ich baue mich vor dem Empfang auf. Ich kann keine Menschenseele ausmachen. Deshalb rufe ich laut.
"Ist jemand in diesem Saustall hier?"
Ein einfacher Wachmann kommt verschlafen aus einer Tür im hinteren Bereich. Er gähnt herzhaft und mustert mich gelangweilt.
"Wer macht denn da so ein Geschrei?", jammert er.
"Geschrei? Ich mache ein Geschrei?", brülle ich.
Er schaut uns aus noch nicht ganz offenen Augen an und wendet sich dann an meinen Begleiter.
"Lassen sie immer ihr Püppchen brüllen, Herr Hauptmann?", meint die Wache.
Offenbar hat er meine Schulterstücke nicht gesehen oder er hat gar nicht darauf geachtet. Er hält John für den, der das Sagen hat und konzentriert sich vermutlich deshalb auf ihn. Dieser aber räuspert sich.
"Ich würde Oberst Ferinskaja nicht verärgern, Oberst Olga Ferinskaja."
Er betont meinen weiblichen Vornamen besonders deutlich. Aber auch mein Dienstgrad kann nicht überhört werden. Das hat offensichtlich Wirkung, denn der Kopf des Mannes wandert ruckartig zu mir. Ganz automatisch nimmt er Haltung an. So gefällt es mir!
"Oberst? Eine Frau?"
"Haben sie etwas dagegen?", fauche ich ihn an.
"Nein, nein, so war das nicht gemeint."
"Na dann! Deswegen sind wir aber nicht hier. Wo ist der Kommandant dieses Sauladens?"
"Äh, ich lasse ihn rufen", antwortet der Wachmann und will schon verschwinden.
Mein Bauchgefühl sagt mir allerdings, ich sollte selbst nachschauen, womit der Mann gerade beschäftigt ist. Wenn schon seine Untergebenen den Tag verschlafen, dann möchte ich nicht wissen, was der Kommandant so alles treibt. Deshalb bremse ich den Mann aus.
"Halt! Bringen sie mich zu ihm!", sage ich in strengem Ton.
"Ich verständige ihn lieber, das geht ganz schnell", weicht er aus.
"Ich habe gesagt, sie sollen mich zu ihm bringen. Was ist daran nicht zu verstehen? Ich will ihn überraschen."
"Äh, muss das sein?", meint er kleinlaut.
"Verdammt nochmal! Das ist ein Befehl!", fauche ich ihn schon beinahe an. "Was ist das denn für ein Sauladen, dass man einem Vorgesetzten widerspricht?"
Der Mann zuckt zusammen, gibt sich geschlagen und nimmt seine Mütze. Still und mit hängenden Schultern führt er uns einen Gang entlang, sperrt eine Tür in einem massiven Eisengitter auf und schließt diese hinter uns wieder ab. Wir befinden uns nun im eigentlichen Gefängnistrakt.
Wir gehen einen langen Gang hinunter. Links und rechts davon gehen massive Türen ab. Dahinter befinden sich vermutlich Zellen. Als wir fast am Ende des langen Flures sind, sehe ich, dass von einer Zelle heraus ein Lichtschein auf den Gang fällt. Die Tür muss also einen Spalt breit offenstehen.
"Nein, bitte nicht!", höre ich eine flehende Frauenstimme. Ich kann die Angst drin deutlich heraushören.
"Stell dich nicht so an, mein Täubchen", lacht hingegen eine Männerstimme. Ich kann deutlich hören, dass er die Angst der jungen Frau genießt.
"Ich will das nicht."
"Du ziehst dich auf der Stelle aus. Oder soll ich das für dich übernehmen? Dann hast du nachher allerdings keine Kleider mehr und musst die ganze Zeit nackt herumlaufen. Wenn ich genau nachdenke, könnte mir das sogar gefallen."
"Ich will das trotzdem nicht."
"Sei vernünftig! Du kommst mir doch nicht aus. Ich werde dich vögeln, wie es noch kein Mann vor mir gemacht hat. Du kannst von mir noch viel lernen. Wir werden unseren Spaß zusammen haben. Das verspreche ich."
"Das dürfen sie nicht", wehrt sich die Frauenstimme immer noch.
"Wer soll es mir denn verbieten?", lacht er hämisch auf. Der Mann weiß genau, dass er mächtig ist und, dass ihm in diesem Gefängnis wohl keiner seiner Untergebenen Einhalt gebieten wird.
"Ich!", sage ich laut und entschlossen.
Ich stehe inzwischen in der Tür und sehe, wie sich ein bulliger Mann vor einem Mädchen aufgebaut hat, das ich auf 18 Jahre schätze. Sie ist hübsch, auffallend hübsch sogar. Sie ist aber vor Angst auf der Pritsche zusammengekauert und versucht ihren Körper mit den Armen zu schützen. Sie macht sich so klein, wie möglich.
Der Mann dreht sich ruckartig zu mir um. Zunächst erkenne ich Verwunderung in seinem Gesicht. Dies wandelt sich jedoch in ein hinterhältiges Lachen. Er mustert mich lüstern von oben bis unten.
"Eine kleine Schlampe wie du, will mich davon abhalten. Du kannst ja mitmachen, wenn du willst. Ein Mann, wie ich, schafft es auch, zwei Weiber ranzunehmen. Ich kann richtig gut ficken und besorge es dir so, dass du nur so schwärmst."
Während dieser Worte macht er eine eindeutig obszöne Bewegung, indem er sein Becken mehrfach vor und zurück bewegt. Dabei zeigt er bei einem hinterhältigen Lachen seine vom Nikotin gelb-braunen Zähne.
"Wie sprechen sie mit mir?", fauche ich ihn an.
"Ich bin Major und du bist eine einfache Polizistin, nehme ich an."
"Ich bin Obert Olga Ferinskaja! Sie sollten anständig grüßen oder sind wir hier in einem Bordell?"
Seine Augen werden riesengroß als er meine Schulterstücke genauer betrachtet. Dann stellt er sich stramm hin und grüßt zackig.
"Verzeihen sie, Oberst Ferinskaja."
"Was wollen sie von diesem Mädchen?"
"Äh, ich habe nur Spaß gemacht", versucht er eine Ausrede.
"Der jungen Frau hat es mit Sicherheit keinen Spaß gemacht", antworte ich. "Ich denke allerdings, es war nicht nur ein Scherz, sie hatten sehr konkrete Pläne."
"Wo denken sie hin?", spielt er den Unschuldigen.
"Macht er das öfter?", wende ich mich an den Wachmann, der uns hergebracht hat.
"Äh, was meinen sie?", spielt dieser den Unwissenden.
"Ich rate ihnen, mir die Wahrheit zu sagen. Sonst lasse ich sie wegen Mittäterschaft anklagen."
"Warum kommen sie auf die Idee, dass er es öfter macht?"
Der Wachmann windet sich immer noch. Er glaubt wohl, er wird es auch weiterhin mit dem Major in diesem Gefängnis aushalten müssen und will sich nicht dessen Zorn zuziehen. Das wäre nicht gut für seine Zukunft.
"Weil sie mich zielstrebig zu dieser Zelle geführt haben, nehme ich an, dass sie genau wussten, was hier vor sich geht. Es war keine einmalige Sache."
"Das stimmt. Er macht dies seit zwei Jahren", sagt ein Mann hinter mir.
"Wer sind sie?", frage ich.
"Hauptmann Simonov, ich bin der Vizekommandant."
"Und haben diesem Treiben kein Ende gesetzt?", frage ich empört.
"Er hätte nie geduldet, dass sich ein untergebener Rang gegen ihn auflehnt."
"Gut, dann werde ich den Herrn Major seines Amtes entheben und degradieren, zum einfachen Beamten."
"Das können sie nicht machen!", brüllt der Major.
"Kann ich nicht?", frage ich spöttisch.
Dann wende ich mich dem Mädchen zu. Ich gehe zu ihr und nehme sie in den Arm. Ich streiche ich beruhigend über den Rücken.
"Komm, lass uns hier rausgehen. Du hast nichts mehr zu befürchten."
"Ehrlich?"
"Ich bin jetzt da."
Sie steht auf und lässt sich von mir aus der Zelle führen. Als mir alle folgen, auch der Major, drehe ich mich um.
"Er bleibt da. Sperrt die Zelle ab und gebt mir den Schlüssel!", gebe ich Anweisung.
"So ein Blödsinn, wie kommen sie dazu, sich hier so aufzuspielen", protestiert der Major. Er will wohl immer noch nicht wahrhaben, dass ich im Rang über ihm stehe.
Der Vizekommandant scheint allerdings vernünftiger zu sein. Er hält seinen bisherigen Vorgesetzten mit Entschlossenheit zurück und schließt ab. Dann reicht er mir den Schlüssel.
"Gibt es noch andere Schlüssel?", frage ich.
"Nein, das ist der einzige."
"Das ist ungewöhnlich in einem Gefängnis", frage ich leicht irritiert.
"Der Kommandant hat darauf bestanden, dass nur er Zugang zu dieser Zelle hat. Ohne ihn war es nur möglich, den Personen, die hier drinnen einsaßen, durch die Luke Essen oder andere Dinge zu reichen. Die Zelle betreten sollte kein anderer, aus offensichtlichen Gründen."
"Es waren immer junge Frauen, die hier eingesperrt waren, nehme ich an."
"Ja, immer junge und hübsche Frauen."
Ich stecke den Schlüssel ein, mit der Absicht, ihn nie mehr herzugeben. Die Tür aufzubrechen ist vermutlich kaum möglich. Sie wirkt ausgesprochen solide und stammt noch aus Zeiten, wo für die Ewigkeit gebaut wurde. Er wird einige Zeit in diesem Raum verbringen müssen und das ist gut so. Ein solches Ungeheuer gehört für immer weggesperrt.
Ich lasse mich nun in das Büro des Kommandanten führen und setze mich an seinen Schreibtisch. Dem Mädchen gebe ich ein Zeichen, sich auf einen Stuhl neben mir zu setzen.
"Was hast du den ausgefressen?"
"Ich habe ein Ei gestohlen, weil meine Schwester krank ist und wir nichts haben, was sie essen könnte. Wir haben kein Geld und sie ist so schwach. Wenn sie aber nicht zu Kräften kommt, kann sie nicht gesund werden."
"Das ist zwar kein Grund, zu stehlen, aber ich kann dich verstehen."
Ich überlege hastig, was ich machen könnte. Da kommt mir eine Idee und ich wende mich an den Vizekommandanten.
"Gibt es hier eine Geldkassette?"
"Ja, in der obersten Schublade."
Ich öffne diese und finde die Brieftasche des Kommandanten sowie eine Geldkassette. Ich öffne die Geldtasche und finde darin eine beachtliche Summe.
"So viel Geld? Für einen einfachen Gefängnisleiter etwas zu viel", sage ich verwundert.
"Er hat sich von einigen Gefangenen bestechen lassen", kommt die knappe Erklärung. "Geld gegen Gefälligkeiten."
Ich nehme eine schöne Menge an Scheinen aus dem Fach für das Papiergeld und reiche den Packen an das Mädchen weiter. Der Kommandant braucht es sowieso nicht mehr.
"Nimm das Geld und kauf deiner Schwester etwas Ordentliches zu Essen."
"Und wegen des Diebstahls?"
"Den vergessen wir. Du hast nicht richtig gehandelt, das wissen wir beide. Was dir allerdings in diesem Gefängnis widerfahren ist, war genauso falsch. Ich denke, wir können die Sache deshalb auf sich beruhen lassen."
Dabei blicke ich fragend zum Vizekommandanten. Dieser versteht im Moment nicht, was ich von ihm will, schüttelt dann aber hastig mit dem Kopf.
"Natürlich können wir das. Wladimir, bringen sie die junge Dame nach draußen. Ich will keine Klage hören", meint er.
Das Mädchen bedankt sich bei mir, ich drücke sie aufmunternd und dann verschwindet sie zusammen mit dem Wachmann. Zurück bleiben John, der Vizekommandant und ich.
"Warum wir eigentlich hier sind, hat aber einen anderen Grund. Wir müssen Ekaterina Solenkova nach Moskau bringen. Könnten sie die Delinquentin herbringen lassen?", wende ich mich an Hauptmann Simonov.
"Aber die Übergabe ist doch erst für morgen vorgesehen", wirft dieser ein.
"Hier ist der Marschbefehl. Der Richter hat es wohl eilig und wir müssen wieder einmal springen", stelle ich klar. Dabei versuche ich leicht genervt zu klingen und verdrehe die Augen.
Ich halte ihm zur Bestätigung den Schein unter die Nase, den John hat anfertigen lassen. Er sieht wohl verdammt echt aus, denn Simonov schöpft keinen Verdacht.
"Wenn das so ist, dann hole ich sie."
"Danke Hauptmann. Wir wurden von der Planänderung auch überrascht. Aber sie wissen ja, wie dies mit den Beamten in Moskau ist. Wenn sie etwas entscheiden, müssen wir es umsetzen."
"Ja, das kenne ich."
Damit verschwindet er und kommt nach etwa zehn Minuten mit Ekaterina zurück. Sie steckt in einem ärmlichen Kleid und hat Ketten an Händen und Füßen. Sie kann nur kleine Schritte machen.
"Komm, du Verräterin. Mach vorwärts. Du wirst erwartet!", höre ich ihn schon von weitem durch die offene Tür brüllen.
Als die Tür ganz aufgestoßen wird und Ekaterina im Türrahmen erscheint, ist Simonov zum Glück hinter ihr und sieht nicht, wie überrascht sie dreinschaut, als sie mich sieht. Zum Glück fängt sie sich schnell wieder.
"Wer ist denn das. Im Büro des Kommandanten?", will sie wissen. "Eine Frau und dann auch noch so jung?"
"Klappe!", brüllt sie Simonov an.
Während sie in den Raum geführt wird und auf den Stuhl vor dem Schreibtisch gedrückt wird, stehe ich auf und umrunde den Tisch.
"Ich bin dein schlimmster Albtraum. Deine Ferien auf der Krim sind vorbei. Ich werde dich nach Moskau bringen, wo dir der Prozess gemacht wird. Ich rate dir, keine Dummheiten zu machen. Sonst Gnade dir Gott!", fahre ich sie an.
Ekaterina muss sich zurückhalten, um nicht zu lachen. Vermutlich ist sie belustigt, wie ich ihr drohe. Es kann sie zwar keiner dabei sehen und auch dann würde wohl kaum jemand verstehen, was hier vorgeht, weil nur ich, der sie doch schon einigermaßen gut kennt, begreife, dass sie nicht zerknirscht, sondern belustigt ist. Das Problem ist jedoch, dass ich mich nun noch mehr am Riemen reißen muss, um nicht loszulachen, was ich mir auf keinen Fall leisten könnte.
"Nehmen sie ihr die Ketten ab!", weise ich Simonov an. Dann wende ich mich an John. "Hauptmann, stellen sie sich hinter sie. Unterbinden sie jeden Fluchtversuch sofort! Wenn es sein muss, schießen sie!"
Beide kommen meinem Befehl unverzüglich nach. Ich beobachte die Situation und warte gelassen. Mein Plan scheint aufzugehen.
"Hätten sie angemessenere Kleidung für die Gefangene?", frage ich den Vizekommandanten.
"Äh, nein, höchstens einen Mantel."
"Dann bringen sie mir diesen. Ich kann doch nicht so mit ihr im Zug nach Moskau fahren."
"Im Zug?", will Simonov wissen
"Wir haben ein eigenes Abteil. Aber der Weg dorthin ist ja auch zu bedenken."
"Jawohl, Oberst."
Er eilt davon und kommt wenig später mit einem Mantel zurück, den er Ekaterina reicht. Sie zieht ihn an und bleibt dann abwartend stehen. Sie spielt ihre Rolle gut, denn es wirkt, als würde sie Angst vor mir haben.
Ich nehme die Handschellen, die zu meiner Uniform gehören und fessle Ekaterina mit einer Hand an eine Hand von John.
"Zusammen mit dem Hauptmann kannst du ganz sicher nicht flüchten", grinse ich sie gemein an. "Und nun los. Wir haben einen Zug zu erreichen."
Damit setze ich mich in Bewegung und alle folgen mir. Am Eingang verabschiede ich mich vom Vizekommandanten.
"Sie müssen mir noch den Schlüssel für die Zelle geben", wendet sich Simonov an mich.
"Welche Zelle?", frage ich unschuldig.
"Die, in der der Major sitzt."
"Ach so. Den behalte ich. Vorerst."
"Aber wir kriegen die Zelle ohne den Schlüssel nicht auf."
"Das ist auch gut so. Ich werde den Schlüssel zusammen mit meinem Bericht in Moskau abgeben. Bis dahin kann er nicht davonlaufen."
"Sie wollen ihn so lange sitzen lassen?"
"Das ist ganz sicher kein großer Verlust für die Menschheit."
"Das nicht, aber er ist immerhin Major."
"Er war Major. Nun ist er ein einfacher Polizist."
"Wie sie meinen."
Damit machen wir uns auf den Weg. Ekaterina spielt ein wenig die Widerspenstige und lässt sich von John immer wieder hinter sich herziehen. Erst als wir garantiert außer Sichtweite sind, spielt sie kein Theater mehr.
"Was machst du hier. Bist du wahnsinnig, Anastasia? Die ganze Welt sucht nach dir."
"Nicht die ganze", grinse ich.
"Trotzdem, was machst du auf der Krim?"
"Dich befreien. Allein kriegst du es ja nicht auf die Reihe", grinse ich.
"Und wer ist er?"
"Das ist John, er ist vom Secret Service."
"Von was?"
"Vom Secret Service. Ich bin Amerikaner", mischt sich nun John ein.
"Und was machen sie auf der Krim?"
"Auf Anastasia aufpassen."
"Warum passt der Secret Service auf dich auf?", wendet sie sich wieder an mich.
"Lass uns schnell in die Agentur, dann erzähle ich dir alles. Wir sollten uns nicht zu lange auf der Straße aufhalten."
Wir gehen so schnell es geht, um nicht aufzufallen, durch die Gassen und erreichen schließlich den Hintereingang des Hauses. Schon von weitem sehe ich, dass Anna die ganze Zeit aus dem Fenster schaut und, als sie uns sieht, ihr Kopf verschwindet. Sie scheint die ganze Zeit auf uns gewartet zu haben. Als wir das Tor erreichen, ist sie gerade dabei, es zu öffnen.
"Ekaterina, da bist du ja!", meint sie erfreut. Stürmisch nimmt sie ihre Chefin in den Arm.
"Wir müssen uns beeilen. Gibt es die Kleiderkammer im Keller noch?", frage ich.
"Ja, die haben sie nicht gefunden."
"Dann suchen wir etwas passendes für Ekaterina zum Anziehen."
Auch, wenn ich sehr geschäftsmäßig wirke, nehme ich Ekaterina die Handschellen ab und ziehe sie in eine herzliche Umarmung, kaum dass wir hinter dem Tor sind und dieses geschlossen haben.
"Ich bin froh, dass die Aktion geklappt hat", gestehe ich.
"Und ich erst. Du kannst stolz auf dich sein. Zuerst sprengst du wichtige Anlagen des Feindes in die Luft und dann so eine Befreiungsaktion. Das hätte ich meiner kleinen Agentin frisch von der Ausbildung nie im Leben zugetraut", gesteht Ekaterina.
"Kleine Agentin?", frage ich belustigt. "Du hast General Anastasia Serinskaya vor dir."
"General? Du?"
"Die Ernennung geht auf die Zeit zurück, als man geglaubt hat, ich sei tot und könnte keinen Schaden mehr anrichten", lache ich.
"Du und Schaden anrichten. Wie ist es dir ergangen?"
Ich erzähle ihr in Schnellfassung von dem, was ich erlebt habe. Auch Anna hört genau hin. Beide unterbrechen mich nicht ein einziges Mal.
"Popov ist tot?", will Ekaterina wissen. "Davon habe ich im Knast nichts mitbekommen. Auch nicht, dass du dir den amerikanischen Außenminister geangelt hast."
"Popov wurde von einem Peilsender erledigt, den du mir gegeben hast."
"Dann ist es ein klein wenig auch mein Verdienst", lacht Ekaterina.
Kapitel 10
Zusammen gehen wir in den Keller. John begleitet uns und staunt nicht schlecht, als er die vielen Kleider sieht. Hier finden wir sicher das Passende für Ekaterina.
"Ich denke, es ist besser, wir bleiben hier herunten", entscheide ich.
"Wie geht es nun weiter?", will Ekaterina wissen.
"Wir schauen, so schnell wie möglich nach Moskau zu kommen", meint John.
"Was machen wir in Moskau?"
"Von dort geht es in die USA. Wenn du dann zurück in die Ukraine willst, können wir das organisieren", schalte ich mich wieder ein.
"In die USA? Wie soll das gehen."
"Wir nehmen dich als Diplomatengepäck mit", lache ich.
"Als was?", will sie wissen.
"Ich genieße Diplomatenstatus und mein Gepäck darf nicht kontrolliert werden."
"Ich soll die ganze Reise in einem Koffer verbringen?"
"Nein, wo denkst du hin. Sobald wir im Flieger sind, kannst du raus. Außerdem haben wir spezielle Transpotboxen", lacht John. Er hat verstanden, dass ich meine Freundin nur necke und steigt voll darauf ein.
"Im Flieger kann ich einfach raus?"
"Das ist eine amerikanische Regierungsmaschine", erkläre ich.
"Eine Regierungsmaschine?"
"Wir sind wichtig", lache ich laut auf.
"Ich hole schnell unsere Sachen", informiert mich John.
Er lässt sich von Anna die Schlüssel zur Wohnung geben und ist kurz weg. Schon wenig später kommt er mit unseren Habseligkeiten. Er kramt aus seiner Tasche eine Perücke hervor und reicht sie Ekaterina.
"Setz die auf, dann kennt dich keiner."
"Und was ist mit Ausweisen?", erkundigt sich diese.
John holt einen Pass aus seiner Tasche und reicht ihn meiner Freundin. Diese öffnet ihn und schaut ihn staunend an. Auf dem Dokument lacht mir Ekaterina mit blonden Haaren entgegen, die genau gleich aussehen, wie die Perücke.
"Woher hast du das Foto?", frage ich überrascht.
"Ich habe es mir vom ukrainischen Geheimdienst schicken lassen und angepasst."
"Und die Haare?", will Ekaterina wissen.
"Künstliche Intelligenz", antworte ich an Johns Stelle.
"Was könnt ihr nicht?"
"Ein Auto auftreiben. Das wäre jetzt genial", antworte ich.
"Ich habe eine Freundin. Der könnten wir es abkaufen. Ist eine alte Klapperkiste. Es ist nicht hübsch, fährt und fällt nicht auf."
John öffnet seine Tasche und holt ein Bündel Rubel heraus. Es muss ein halbes Vermögen sein.
"Nimm und kaufe ihr den Wagen ab. Zeig ihr aber nicht das ganze Geld", mahnt er die junge Frau. "Hier ist auch mein Pass. Lass den Wagen auf Hauptmann Wasily Gregorov übertragen. Wenn sie jemand fragen sollte, soll sie sagen, sie hat den Wagen an einen Mann verkauft und sich auch noch zur Sicherheit den Ausweis zeigen lassen. Dann fällt kein Verdacht auf sie oder dich."
Anna versteht, was er ihr sagen will, und eilt ohne weitere Fragen los. Offenbar hat sie verstanden, dass wir wissen, was wir tun. Ich, Ekaterina und John suchen uns passende Kleidung aus dem Bestand des Kellers heraus und wir Frauen setzen die Perücken auf.
Wir müssen danach auch nicht lange warten und Anna kommt zurück. Sie strahlt über das ganze Gesicht.
"Ich habe den Wagen an der Rückseite des Hauses abgestellt. Er ist auch schon vollgetankt."
"Du bist ein Schatz!", antworte ich ihr und nehme sie in den Arm. "Bist du uns böse, wenn wir verschwinden. Es ist jetzt fast 16 Uhr. Da haben wir einen ordentlichen Vorsprung, bevor morgen am Vormittag alles auffliegt und sie nach uns suchen."
"Du hast dem Vizekommandant gesagt, wir würden den Zug nehmen. Deshalb werden sie zunächst nicht auf den Straßen, sondern im Zug suchen", wirft John ein.
"Das habe ich bewusst getan. Aber wir sollten uns nicht zu sehr darauf verlassen und trotzdem so schnell wie möglich verschwinden."
"Ich verstehe. Macht es gut", sagt Anna.
Sie zieht mich in eine freundschaftliche Umarmung. Dann wendet sie sich Ekaterina zu und umarmt auch sie. Am Ende ist John dran. Er bekommt sogar Küsse auf die Wangen.
Als sie ihm das Geld zurückgeben will, winkt er ab. Sie schaut ihn überrascht an.
"Für die Reise habe ich noch genug davon und du kannst das sicher gut gebrauchen", meint er.
"Das kann ich. Vielen Dank."
"Ich werde dafür sorgen, dass die Finanzierung wieder aufgenommen wird", versichere auch ich ihr.
"Du bist die Beste!", meint Anna.
Dann machen wir uns auf den Weg. An der Hintertür steht ein etwas älteres Modell, aber der Wagen scheint noch recht gut in Schuss zu sein. Ich bin froh, dass John auf die Idee gekommen ist, ihn auf Hauptmann Gregorov schreiben zu lassen.
Damit haben wir die Papiere dazu und, wenn uns jemand auf die Spur kommen sollte, kann keine Verbindung zu Anna hergestellt werden. Ihre Freundin kann hingegen die Unwissende spielen. Immerhin hat sie sich den Ausweis zeigen lassen.
Ich übernehme die erste Etappe. Wir haben eine Fahrt von rund 22 Stunden vor uns. Wenn wir durchfahren wollen, dann müssen wir uns hinter dem Steuer abwechseln. Ekaterina möchten wir schonen und haben deshalb beschlossen, dass weitgehend John und ich fahren.
Nach etwa einer Stunde sehe ich im Rückspiegel, wie Ekaterina den Kopf an Johns Schulter angelehnt hat. Die beiden verstehen sich offenbar gut, sonst würde sie ihm nicht dermaßen vertrauen. Sie sieht müde aus. Die Zeit im Gefängnis hat ihr wohl doch zugesetzt.
Eine weitere Stunde später scheint sie tief und fest zu schlafen. Mir fällt auf, wie John ihr liebevoll die Wange streichelt. Auch sein Blick hat etwas sehr Liebvolles an sich und ich muss still in mich hineinlachen.
Ich fahre länger als ausgemacht war. Da ich Ekaterina nicht wecken will für den Wechsel, gebe ich John einfach ein Zeichen, dass ich länger hinterm Steuer bleibe. Erst als Ekaterina erwacht, halte ich an einer geeigneten Stelle an und wir tauschen die Plätze. Nun setze ich mich nach hinten, zu meiner Freundin.
"Du hast dich ganz gut herausgemacht", meint sie.
"Wie meinst du das?"
"John hat mir erzählt, dass du dich gut machst in deiner Rolle als Freundin und Beraterin des Außenministers."
"Ich bin unsicher und ich versuche, das Richtige zu machen. Ob ich das immer hinkriege, weiß ich nicht."
"John ist begeistert von dir als Chefin."
"Ich bin nicht seine Chefin", wehre ich ab.
"Er sieht dich als Kollegin, aber auch ein wenig als Chefin. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass du mit seinem Außenminister zusammen bist, aber auch weil du den Dienstgrad eines Generals erreicht hast."
"Ekaterina, wir wissen beide, warum ich zum General befördert wurde. Posthum!"
"Ich denke, es war auch wegen deiner Verdienste. Das Hauptkommando der Schwarzmeerflotte dem Erdboden gleich zu machen, ist keine kleine Leistung."
"Mann, wie oft soll ich das noch wiederholen. Das war reines Glück. Hätte der Befehlshaber, der alte Narr, keinen Narren an mir gefressen, wäre das nie möglich gewesen."
"Aber du hast auch den richtigen Moment erwischt und alles so geplant, dass der größtmögliche Schaden entsteht."
"Das glaubst auch nur du", lache ich sarkastisch auf.
"Das glauben alle."
"Weißt du, was ich getan habe? Ich habe dem alten Sack den Peilsender in die Brusttasche seiner Anzugjacke gesteckt, weil ich gehört habe, dass dies vermutlich der letzte Abend für mich sein würde."
"Sie wollten dich nicht mehr haben?"
"Nein, es lag nicht an mir. Eine Inspektion war angekündigt worden, um die Finanzen unter die Lupe zu nehmen. Wenn dabei aufgeflogen wäre, dass aus der Kriegskasse Nutten bezahlt werden, hätte das auf jeden Fall, das Aus dieser Annehmlichkeiten für die Herren Offiziere bedeutet."
"Du hast also die Gelegenheit beim Schopf gepackt."
"Achtung! Polizeikontrolle!", warnt uns John.
Als ich daraufhin nach vorne schaue, erkenne ich den Wagen am Straßenrand. Der Polizist hat sich bereits so hingestellt, dass wir davon ausgehen können, dass er uns hinauswinken wird.
Gelassen bleibe ich sitzen. Ekaterina sehe ich an, dass sie etwas angespannt ist. Deshalb lege ich ihr beruhigend die Hand auf den Oberschenkel. Sie schaut mich dankbar an und wird tatsächlich ein wenig ruhiger, wenn auch nicht viel.
"Setz den Winker und fahr an die Seite. Tu so, als würdest du etwas fragen wollen. Damit schöpfen sie weniger Verdacht", rate ich John. "Keiner der etwas zu verbergen hat, bleibt freiwillig bei der Polizei stehen."
Er tut auch sofort, was ich sage. Noch bevor der Beamte uns an den Straßenrand winken kann, wo eine kleine Ausbuchtung ist, setzt John den Winker und fährt auf den kleinen Platz, stellt den Motor ab und kurbelt das Fenster herunter.
Der Beamte kommt auf den Wagen zu und leuchtet erst einmal mit seiner Taschenlampe ins Wageninnere. Es ist inzwischen kurz vor Mitternacht und draußen stockdunkel.
"So spät noch unterwegs?", meint er.
"Ja, die Damen waren bei einer Tante zu Besuch und müssen zurück nach Moskau. Es ist leider etwas spät geworden. Könnten sie uns eine kleine Pension in der Nähe empfehlen, wo wir um diese Zeit noch stören könnten?", erkundigt sich John gelassen.
"Um diese Zeit?"
"Ich weiß, dass wir wohl zu lange gewartet haben", gibt ihm John recht.
"Ich wüsste keine Pension, wo sie um diese Zeit unterkommen. Kann ich vorher die Papiere sehen?"
John reicht ihm seinen Pass und ich nehme das Dokument von Ekaterina und halte es zusammen mit meinem dem Polizisten entgegen. Dieser öffnet zunächst jenen von John.
"Hauptmann Gregorov?"
"Das bin ich."
"Sie begleiten die Damen? Haben die etwas ausgefressen? Sie sind von einer Sondereinheit."
"Oberst Ferinskaja ist meine Vorgesetzte", erklärt John, als wäre das ganz normal.
"Oberst?", will der Mann wissen.
"Ja, ich bin Oberst Ferinskaja und Hautmann Gregorov begleitet mich. Anuschka ist meine Cousine."
"Ist das ein Dienstfahrzeug?"
"Nein, der Wagen gehört mir."
John reicht dem Polizisten auch die Wagenpapiere und der Mann kontrolliert auch diese. Offenbar gibt er sich damit zufrieden.
"Alles in Ordnung. Verzeihen sie die Störung, Oberst."
"Sie tun doch nur ihre Pflicht. Dafür müssen sie sich nicht entschuldigen. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend."
Der Polizist grüßt noch zackig und wir fahren weiter. Als wir die Kontrolle hinter uns lassen und der Polizeiwagen am Straßenrand immer kleiner wird, atmet Ekaterina hörbar aus.
"Ich wusste nicht, dass du so eiskalt lügen kannst. Ich hätte dir alles geglaubt."
"Das lernt man, wenn man mit einem Außenminister zusammen ist", grinse ich.
Wir setzen die Fahrt fort und wechseln uns gegen zwei Uhr nachts wieder ab. In den frühen Morgenstunden entdecke ich am Straßenrand eine weitere Polizeikontrolle, diese scheint aber nicht an uns interessiert zu sein. Ich habe sogar den Verdacht, die Beamten schlafen im Wagen.
Als John gegen 14 Uhr das Tor zur amerikanischen Botschaft in Moskau erreicht, genügt es, dass er winkt und es wird geöffnet.
"Wir sind in Sicherheit", meint John trocken.
"Ist das die Botschaft?", will Ekaterina wissen.
"Ja, das ist die Botschaft. Hinter dieser Mauer kann uns nichts mehr passieren."
Kapitel 11
"Guten Tag, Frau Serinskaya", begrüßt mich der Botschafter. Den anderen nickt er nur zu. "Der Herr Außenminister ist bereits verständigt, dass sie wohlbehalten zurück sind. Er lässt ihnen ausrichten, sei möchten ihn nachher anrufen."
"Das werde ich. Kann ich im Gästehaus wohnen?"
"Wir haben es bereits für sie herrichten lassen."
"Und meine Freundin darf bei mir wohnen?"
"Wie sie wünschen. Sonst hätten wir die zweite Wohnung vorbereitet."
"Nein, das passt schon. Vielen Dank."
Wir stehen in der Eingangshalle der Botschaft. Ein Bediensteter hat sich bereits um unser bescheidenes Gepäck gekümmert. John und Ekaterina stehen neben mir, sagen aber nichts. Ich wende mich an meinen Begleiter.
"John, ich weiß nicht, wie ich dir danken kann. Ich bin echt froh, dass du mich begleitet hast. Sehen wir uns später zum Abendessen."
"Ich esse normalerweise mit dem Personal in einem Raum neben der Küche."
"Du bist heute mein Gast. Das wäre noch schöner. Und sollte jemand Probleme machen, dann schick ihn zu mir", grinse ich.
"Ganz die Chefin", lacht Ekaterina. "So gefällst du mir."
"Ich bin gern dein Gast. Sehen wir uns später?"
"19 Uhr?"
"Das passt."
"Wo gehen wir hin? In das nette Restaurant, wo wir immer hingehen?", erkundige ich mich.
"Ich würde in der Botschaft bleiben. Heute könnte es zu gefährlich sein. Ob die Russen deinen diplomatischen Status noch anerkennen, wenn du ohne Außenminister unterwegs bist, kann ich nicht beschwören. Aber Ekaterina wäre auf jeden Fall in Gefahr, verhaftet zu werden."
"Oh, so weit habe ich gar nicht gedacht. Ich bin es nicht gewohnt, dass man sich nicht frei bewegen darf", antworte ich. "Danke, dass du mitdenkst."
"Wir haben eine ausgezeichnete Küche, wir können hier essen", meint John.
"Ich habe für heute schon ein Menu zusammenstellen lassen", mischt sich wieder der Botschafter ein.
"Danke, das ist sehr aufmerksam von ihnen. Dann essen wir gerne hier", lobe ich. "Wir gehen inzwischen ins Gästehaus und machen uns etwas frisch."
Damit löst sich unsere kleine Gesprächsrunde auf. John geht in sein Zimmer und der Botschafter wieder seinen Amtsgeschäften nach. Ich gebe Ekaterina zu verstehen, dass sie mir folgen soll und mache mich auf den Weg zum Hinterausgang des Gebäudes.
Als meine frühere Chefin den Park sieht, bleibt sie einen Moment stehen und schaut sich staunend um. Dann wendet sie sich wieder mir zu.
"Du kannst hier einfach kommen und gehen, wie du willst?"
"Solange wir auf dem Gelände der Botschaft sind, habe ich offenbar freie Bahn. Immerhin ist Sam der Außenminister und damit der Herr über die Botschaften und das Personal."
"John hat mir auf der Fahrt erzählt, du hättet dem Außenminister zweimal das Leben gerettet."
"Nun ja, hätte ich ihn nicht mit auf den Alaska-Tripp genommen, dann wäre er erst gar nicht in Gefahr geraten."
"Aber du hast ihn gerettet. Hat er sich deshalb in dich verliebt?"
"Nein, wir sind schon vorher zusammengekommen. Er ist ein wunderbarer Mann."
"Du bist verliebt?"
"Und wie!"
"Ist er auch verliebt?"
"Ich hoffe es", antworte ich. Dann aber korrigiere ich mich sofort. "Ich bin mir sicher."
Als das Gästehaus in Sicht kommt, schaut Ekaterina erneut überrascht. Sie ist es wohl nicht gewohnt, so viel Luxus zu haben.
"Da dürfen wir wohnen?"
"Ja, dort drinnen haben wir eine Wohnung."
Ich muss verschmitzt lächeln. Ich bin ja selbst immer noch überrascht, was für Möglichkeiten ich nun habe. Ich bin mir aber sicher, Ekaterina wird noch mehr staunen, wenn sie erst die Wohnung sieht. Und genau das macht sie dann auch.
"Wow, das nenne ich ein Gästezimmer."
"Komm, lass uns ins Bad gehen. Ich muss den Schmutz der letzten Tage loswerden."
Ich gehe ins Bad und ziehe mich nackt aus. Ekaterina schaut mir dabei einige Zeit lang zu. Sie mustert meinen Körper.
"Du hast aber auch einen verdammt heißen Body."
"Du siehst auch nicht schlecht aus. Kein Grund, neidisch zu sein."
"Du hast aber das gewisse Etwas."
"Wie meinst du das?"
"Du hast nicht nur einen fast perfekten Körper, du erweckst in den Menschen auch den Drang, dir zu helfen, dich zu beschützen. Du wirkst wie ein Mädchen, dem man helfen muss. Ich denke, vor allem bei den Männern zieht das besonders, weil sie den Beschützer spielen können."
Was soll ich darauf sagen? Sie könnte recht haben und als frühere Leiterin einer Modelagentur kennt sie sich in diesem Bereich wohl besser aus. Wir enden uns wieder der Körperpflege zu.
Während sich Ekaterina mit einer ausgiebigen Dusche begnügt, lege ich mich in die Wanne. Ich habe auch genügend Duftperlen ins Wasser geschüttet und komme mir vor, wie in einem Rosengarten. Nun nehme ich das Handy zur Hand und wähle die Nummer von Sam.
"Hallo", höre ich nach endlosem Läuten eine verschlafene Stimme.
"Guten Morgen, mein Schatz."
"Ana, du bist es. Ich hatte solche Angst um dich!"
"Hättest du nicht haben müssen. Es ist alles perfekt nach Plan gelaufen."
"Hast du deine Freundin befreien können?"
"Sie ist hier und duscht."
"Und du?"
"Ich liege in der Badewanne."
"Nackt?"
"Natürlich nackt", grinse ich.
Mir ist klar, dass er nicht gefragt hat, weil er daran gezweifelt hätte. Er wollte es einfach nur bestätigt wissen. Allein schon zu hören, dass ich nackt bin, scheint ihn zu erregen. Er sehnt sich nach mir und meinem Körper.
"Du würdest mich jetzt am liebsten vögeln?", necke ich ihn.
"Dass dir Hören und Sehen vergeht."
Als ich bei diesem Gespräch zu Ekaterina blicke, die nackt auf dem geschlossenen Klo sitzt und auf mich wartet, muss ich lachen. Ihr Blick sagt alles.
"Wir haben Zuhörer."
"Eine erwachsene Frau hoffe ich."
"Sie ist nackt und sie ist hübsch."
"Anastasia!", meint Ekaterina gespielt tadelnd.
"Sie braucht sich nicht aufzuregen. Ich interessiere mich sowieso nur für dich. Nichts gegen deine Freundin."
"Das möchte ich hoffen", grinse ich.
"Wann sehe ich dich?"
"Ich kann hier nicht weg. Ich habe wirklich alles versucht, aber es geht nicht. Ich schicke dir einen Flieger, der dich abholen kommt."
"Die Air force one?"
"Ich habe dir gesagt, dass die Maschine diese Kennung nur dann bekommt, wenn der Präsident an Bord ist. Aber nein, die bekommst du nicht. Du brauchst auch kein Schlafzimmer, wenn ich nicht dabei bin."
"Und wie kommen wir zum Flughafen? Genieße ich noch diplomatische Immunität?"
"Du schon, deine Freundin leider nicht. Aber ich lasse euch mit dem Wagen der Botschaft zum Flughafen bringen, dann seid ihr sicher."
"Kommt John auch mit?"
"Er gehört zu den Sicherheitsleuten der Botschaft."
"Aber du kannst ja seinen Auftrag ändern und ihn zu meinem Sicherheitsmann berufen."
"Hat deine Bitte einen Grund?"
"Ich habe mit ihm ein Abenteuer erlebt und vertraue ihm."
"Ich verstehe. Er kommt mit, ich kümmere mich darum."
"Danke, das ist mir wichtig."
Wir plaudern noch über verschiedene Dinge. Als ob wir uns abgesprochen hätten, verrate ich nichts von der Mission und auch er stellt keine Fragen. Das hat Zeit, bis wir uns zu Hause endlich wiedersehen.
"Wo bringen wir in Washington Ekaterina unter?"
"Wir haben ein Gästezimmer, wenn du magst."
"Das stört dich nicht."
"Warum sollte es mich stören?"
"Weil du dann nicht mehr alles machen kannst. Mit mir und sonst auch nicht."
"Das kann ich doch trotzdem. Ich hoffe, deine Freundin ist nicht prüde."
"Du würdest ..."
"Ich würde immer, Hauptsache mit dir."
Sam lacht so schön schelmisch ins Telefon, dass ich ihm gar nicht böse sein könnte. Ich will mir aber gar nicht ausmalen, wie das in unserer Wohnung sein wird. Ich traue ihm nämlich zu, dass er mich im Wohnzimmer vögelt, während Ekaterina dabei ist. Wenn er Lust auf Sex hat, ist dieser Mann kaum zu bremsen. Aber genau das liebe ich auch an ihm.
Nachdem wir uns etwas umständlich verabschiedet haben und wir vermutlich wirken, wie zwei verliebte Teenager, beende ich den Anruf und steige aus der Wanne.
"Ihr seid ein tolles Paar", meint Ekaterina.
"Du hast ihn doch noch gar nicht gesehen."
"Aber ich kann aus eurem Gespräch und damit, wie ihr miteinander umgeht, schon erkennen, dass es passt. Er liebt dich wirklich und du ihn auch."
"Das tue ich", versichere ich ehrlich.
Wir legen uns etwas aufs Bett und Ekaterina erzählt mir, wie die Polizei bei ihr in der Agentur aufgetaucht ist und sie verhört hat.
"Einen Beweis dafür, dass ich mit dir unter einer Decke gesteckt habe, haben sie keinen gefunden, nicht einmal den Hauch einer Spur. Aber da ich deine Chefin war und nichts gemerkt habe, sollte ich bestraft werden.
Mir wurde kurzerhand Mitwisserschaft unterstellt. Ich denke, sie haben einfach eine Schuldige gebraucht. Dich konnten sie nicht kriegen, deshalb haben sie genommen, was eben greifbar war."
"Das tut mir leid."
"Das muss es dir nicht. Das war mein Job und ich kannte das damit verbundene Risiko. Dafür bin ich zur legendären Agentenführerin aufgestiegen."
"Was hast du nun vor, was würde dir gefallen?"
"Ich weiß es noch nicht. Ich hoffe, ich kann noch etwas auf deine Gastfreundschaft bauen."
"Natürlich kannst du das."
"In den echten Einsatz kann ich nicht mehr zurück. Ich kann mich in Russland nicht mehr blicken lassen."
"Du könntest in der Ukraine in der Ausbildung oder in der Leitung von Agenten tätig sein, ich könnte aber auch fragen, ob es einen Job für dich in den USA gibt."
"Das würdest du?"
"Ich kann dir nichts versprechen, aber ich habe Kontakte", kichere ich.
"Nach dem, was ich erlebt habe, würde ich gerne in den USA bleiben und von dort aus für mein Land arbeiten."
"Schauen wir, was sich ergibt. Doch nun sollten wir uns für das Abendessen vorbereiten."
"Ich habe aber nichts anzuziehen!", kommt ihr Aufschrei.
"Der übliche Spruch einer Frau", lache ich. "Komm mit!"
Ich stehe auf und gehe ins Ankleidezimmer. Etwas skeptisch folgt mir Ekaterina. Da sie in etwa meine Kleidergröße hat, kann sie sich problemlos an meinem Kleiderschrank bedienen. Den hat mir Sam vorbereiten lassen, als wir das erste Mal nach Moskau geflogen sind und da sind reichlich Kleider drinnen. Das weiß Ekaterina allerdings noch nicht.
Ich gehe auf den Schrank zu und öffne jene Türen, hinter denen sich meine Kleider befinden. Über ihren verblüfften Gesichtsausdruck muss ich beinahe lachen. Nur mit Mühe kann ich mich zurückhalten.
"Bediene dich!"
"Wer ich? Wem gehören diese Sachen?"
"Mir!"
"Du hast in Moskau einen Kleiderschrank voller wunderschöner Kleider?"
"Das sind Privilegien, die man genießt, wenn man die Freundin des Außenministers ist und eine beratende Funktion obendrein noch hat. Ich musste am Staatsbegräbnis für Popov teilnehmen und auch sonst einige offizielle Termine wahrnehmen. So gesehen, handelt es sich um Dienstkleidung."
"Naja, die Uniform eines Stubenmädchens ist das nicht."
Dabei nimmt Ekaterina das rote Kleid aus dem Schrank, das ich am Abend vor dem Staatsakt im Restaurant anhatte.
"Oh-la-la, kann ich da nur sagen", grinst sie.
"In diesem Kleid habe ich ein Interview gegeben."
"Ohne BH, denn in diesem Fummel konntest du garantiert keinen anziehen."
"Höschen hatte ich auch keines an", necke ich sie.
"Zum Glück hat das niemand gewusst."
"Doch, Sam."
"Und der ist dich nicht angesprungen?"
"Doch, als wir zu Hause waren."
"Der Mann hat eine gewaltige Selbstbeherrschung", lacht sie.
"Wir müssen uns langsam beeilen, oder willst du John warten lassen?"
"Nein, auf keinen Fall!"
Ich muss lachen. Ihre Reaktion zeigt mir, dass ihr John nicht gleichgültig ist. In Windeseile schnappt sie sich ein passendes Kleid und alles, was sie sonst noch benötigt. Sie verschwindet nach dem Anziehen wieder im Bad, um sich zu schminken.
Als auch ich meine Wahl getroffen habe und ihr ins Bad folge, steht sie in ausgesprochen sexy Unterwäsche vor dem Spiegel und schminkt sich. Ich verkneife mir einen erneuten Hinweis auf John. Denn für wen sonst zieht sie die heiße Unterwäsche an?
Als wir ins Speisezimmer kommen, erwartet uns John bereits. Seine Augen beginnen sichtlich zu strahlen, als er uns sieht. Doch das hat nur mit Ekaterina zu tun. Er hat nur noch Augen für sie, was allerdings auf Gegenseitigkeit beruht.
Während des Essens ist ein vernünftiges Gespräch kaum möglich. Die beiden himmeln sich gegenseitig an, sind geistig abwesend und bringen keinen geraden Satz heraus. Dafür schauen beide leicht dümmlich drein.
Nach den ersten Versuchen, trotz alledem ein vernünftiges Gespräch in Gang zu bringen, gebe ich auf. Ich konzentriere mich nur noch auf mein Essen und sage nichts mehr.
Die Speisen sind köstlich und ich genieße es in vollen Zügen, mir endlich wieder den Bauch vollschlagen zu können. Wir haben während der Mission nur sehr wenig gegessen.
Wir waren angespannt, aber wir haben uns auch nicht die Zeit genommen, besonders auf unsere Nahrungsaufnahme zu achten. Zunächst wollten wir nur hinkommen und dann nur noch weg. Wir sind die Gesamte Rückfahrt über nicht einmal stehen geblieben, um zu essen. Wir haben nur zweimal Halt gemacht, um zu tanken und zu pinkeln. Dabei haben wir uns zwar Schokoriegel besorgt, aber ein vernünftiges Essen war das nicht.
Umso mehr genieße ich nun die vorzügliche Küche in der Botschaft. Als ich mich satt und zufrieden zurücklehne, sind auch John und Ekaterina mit dem Essen fertig.
"Ich bin müde und gehe schlafen. Ihr könnt gerne noch ein wenig wach bleiben", biete ich an.
John stahlt mich an. Er scheint verstanden zu haben, was ich damit bezwecke. Ekaterina hingegen scheint nicht ganz zu verstehen.
"Ist es nicht unhöflich, wenn ich dich allein lasse?"
"Ich bin schon ein großes Mädchen und was soll mir bitte auf dem Gelände der Botschaft zustoßen. Wir werden hier bestens bewacht."
"Wenn du mir nicht böse bist ..."
"Das bin ich dir nicht. Die Tür zur Wohnung steht dir offen. Du kannst kommen, wann immer du willst."
Damit stehe ich auf und ziehe mich zurück. Ich bin tatsächlich müde, vor allem aber vermisse ich Sam. Wie gern würde ich mich jetzt in seine Arme kuscheln.
Kapitel 12
Als ich am Morgen erwache, ist das Bett neben mir leer. Da es aussieht, als wäre es noch unberührt, bin ich etwas verwirrt. Kann es sein, dass Ekaterina schon wieder losgezogen ist und vorher das Bett gemacht hat? Das glaube ich eher nicht. War sie die ganze Nacht weg?
Ich schleppe mich ins Bad, ziehe mich nach einer ausgiebigen Morgentoilette an und begebe mich schon etwas frischer, aber noch nicht ganz munter, in den Speisesaal. Auf dem Weg dorthin informiert mich ein Mitarbeiter der Botschaft, dass wir gegen 11 Uhr zum Flugplatz fahren. Die Maschine müsste dann gelandet und wieder aufgetankt sein.
Ich bedanke mich und setze mich an den Tisch. Eine Bedienstete schenkt mir Kaffee ein, den ich gedankenverloren in die Hand nehme.
"Haben sie meine Freundin schon gesehen?", frage ich die junge Frau.
"Die hat gestern mit dem Sicherheitsmann einen ausgedehnten Spaziergang unternommen."
"Wie ausgedehnt?", frage ich.
"Sie sind eigentlich nur bis zu den Buchen dort hinten gekommen."
"Nur bis zu den Buchen? Das sind doch keine zwei Minuten."
"Sie hatten wohl etwas Besseres zu tun?", kichert sie verstohlen.
"Etwas Besseres?", frage ich und ziehe die rechte Augenbraue nach oben.
Statt einer Antwort macht sie einen Kussmund und presst die Lippen immer wieder vor. Mir ist sofort klar, was sie damit sagen will. Mich wundert allerdings, wie schnell die beiden zur Sache kommen.
"Haben sie etwa zusammen die Nacht verbracht?"
"Das kann ich nicht sagen. Ich bin gegangen, da waren sie noch unter den Buchen."
"Okay, danke für die Info. Ich habe meine Freundin heute früh vermisst."
Sie kichert etwas und ist dann auch schon verschwunden. Nach der ersten Hälfte der Tasse, beschließe ich, mir doch etwas zu Essen zu holen. Der Tag könnte wieder lang werden.
Während ich allein dasitze und esse, überlege ich, ob ich die beiden darauf ansprechen soll. Ekaterina ist zwar nur wenige Jahre älter als ich, aber sie war immerhin meine Vorgesetzte. Auch, wenn sie das nun nicht mehr ist, so komme ich mir doch etwas blöd vor, mich in ihr Privatleben einzumischen.
Allerdings wird mir die Entscheidung darüber, ob ich etwas sagen soll oder nicht, eh abgenommen. Als die beiden in den Speisesaal kommen, sieht meine Freundin dermaßen derangiert aus, dass kein Zweifel daran aufkommen kann, was sie getrieben hat.
Während John halbwegs gut gekleidet und gekämmt ist, stehen bei ihr die Haare kreuz und quer ab. Es sieht so aus, als hätte sie den Kampf, sie zu bändigen, kläglich verloren. Auch ihr Kleid sieht etwas mitgenommen aus. Es fehlt ein Knopf und es ist ausgesprochen zerknittert.
"So können wir nicht zurück in die USA fliegen", necke ich sie.
"Warum nicht?"
"Die Einreisebehörde würde dich verhaften wegen Verstoßes gegen die Kleiderordnung", lache ich.
"Wir sind doch nicht im Iran", meint sie empört.
"Du solltest dich trotzdem vorher umziehen und kämmen", muss ich immer noch schmunzeln.
"Bist du mir böse?", will sie wissen. Sie schaut mich dabei ausgesprochen schuldbewusst an. Sie kommt mir vor, wie ein unsicherer Teenager und nicht, wie eine Agentin.
"Warum sollte ich?", frage ich überrascht.
"Weil ich bei John ..."
"Du bist eine erwachsene Frau und er ist auch kein Kind mehr. Ihr müsst selbst wissen, was ihr macht. Ich habe mich nur etwas gewundert, als heute früh dein Bett unbenutzt war. Ich habe mir aber keine Sorgen gemacht. Hier auf dem Gelände der Botschaft wirst du wohl nicht abhandenkommen."
"Ich war vorsichtig und habe auf sie besonders gut aufgepasst", grinst John.
"Deshalb hast du dich gleich auf sie geworfen, um sie vor allen möglichen Gefahren zu schützen", lache ich laut auf.
Wir lachen alle drei. Zum Glück nehmen sie mir die kleine Neckerei nicht übel. Plötzlich aber wird Ekaterina ernst. Sie wirkt unsicher.
"Ich muss schauen ob ich unter den Sachen, die ich in der Eile eingepackt habe, auch etwas habe, das passt", meint sie.
"Du kannst dich aber auch an meinem Kleiderschrank bedienen."
"Das darf ich wirklich?"
"Du bist ja meine Freundin", versichere ich ihr.
Nach dem Frühstück gehen wir in meine Wohnung. Ekaterina wirkt etwas unsicher.
"John ist ein toller Mann", meint sie, als wir im Bad sind.
"Das ist er."
"Ich frage mich nur, haben wir eine Zukunft?"
"Das hängt von euch ab."
"Wie meinst du das?"
"Wenn ihr zusammenbleiben wollt, dann gibt es sicher einen Weg."
"Aber ich bin keine Amerikanerin und ob John in die Ukraine kommt, kann ich nicht einschätzen. Das wäre für ihn ein großer Schritt."
"Ihr könnt aber auch in den USA bleiben."
"Das ist doch nicht so leicht."
"Du bist eine gute Agentin mit viel Erfahrung und Führungsqualitäten. So jemand braucht man immer und ich denke jedes Land wäre froh, wenn du dort arbeiten würdest."
"Ich hoffe du hast recht."
"Natürlich habe ich recht. Ich werde mich in den nächsten Tagen umhören, unabhängig davon, wie es mit dir und John weitergeht."
"Das würdest du machen?"
"Natürlich! Und jetzt sollten wir uns beeilen."
"Was ist aber mit John? Ist er nicht hier in der Botschaft beschäftigt?", will sie wissen.
"Ihr habt schon darüber geredet?"
"Ja, heute früh."
"Er begleitet uns nach Washington. Er übernimmt meinen Schutz."
"Was sagst du da?", erkundigt sie sich überrascht.
"Er kommt mit."
"Weiß er das?"
"Ich muss es ihm noch sagen."
"Das kannst du einfach so bestimmen?"
"Das habe ich gestern mit Sam besprochen."
"Wegen mir?"
"Ich habe mit John erfolgreich eine Mission durchgezogen und möchte ihn bei mir haben. Ich habe aber auch gesehen, dass sich bei euch etwas anbahnt."
"Du bist ein Schatz!"
Wenig später treffen wir uns mit John in der Eingangshalle. Ich habe ihn informiert, dass er uns begleitet und die Zelte in Moskau abbrechen soll. Er und noch ein Beamter sind zu unserer Bewachung abgestellt. Wir fahren heute, auf meine Anweisung hin nur mit zwei Autos. John ist dabei mit Ekaterina im Fond des Wagens, ich habe neben dem Fahrer Platz genommen. Der zweite Agent folgt uns im zweiten Wagen.
"Können wir so einfach zum Flughafen fahren?", will Ekaterina wissen.
"Das sind Diplomatenfahrzeuge. Hier drinnen sind wir sicher."
Als wir das Gelände der Botschaft verlassen, folgen uns zwei Autos. John weist mich darauf hin und behält sie auch die ganze Zeit im Auge. Ekaterina verunsichern die Verfolger, sie hält sich Schutz suchend an ihrem Freund fest.
"Die tun uns nichts", versichere ich, um sie zu beruhigen.
"Warum folgen sie uns dann?", will meine Freundin wissen.
"Sie wollen zeigen, dass sie uns im Auge behalten. Es ist eine Drohgebärde. Ich bin mir aber sicher, dass sie uns nicht behelligen werden."
"Warum die Drohung?"
"Wir haben sie in ihrer Eitelkeit erwischt. Wir haben den weiten Weg von Sewastopol bis Moskau zurückgelegt, ohne dass sie uns entdeckt hätten. Inzwischen aber haben sie sicher bemerkt, dass du befreit worden bist, und können sich denken, wer in diesem Wagen sitzt. Das nagt an ihrem Stolz."
"Ich glaube, Anastasia hat recht", stimmt mir John zu.
Es ist dann auch so. Wir gelangen ohne Probleme zum Flughafen und fahren auf eine Maschine der US-Air Force zu. Die beiden Verfolger bleiben am Tor zum Flughafen zurück und wenden.
Als wir die Gangway nach oben steigen, schaut sich Ekaterina erstaunt zu mir um.
"Dieses Flugzeug ist nur gekommen, um uns abzuholen?"
"Nur für uns", antworte ich.
Nun übernimmt John die Führung und begleitet uns in den hinteren Bereich des Flugzeuges. Es ist etwas kleiner als die Maschine des Präsidenten, aber für uns reicht sie allemal. Der Passagierraum ist in zwei Bereiche geteilt. Der hintere wirkt wie ein gemütliches Wohnzimmer, der vordere, wie ein Büro.
John führt uns in den Wohnbereich und bleibt bei uns. Sein Kollege verzieht sich in den Raum davor. Wir setzen uns in die bequemen Sessel und warten auf den Start. Es dauert auch nicht lange und wir rollen los. Wenig später sind wir auch schon in der Luft.
Da wir nicht mehr angeschnallt sein müssen und es nun lockerer zugehen kann, setzt sich Ekaterina auf Johns Schoß und die beiden beginnen zu knutschen. Ich versuche zwar ein Gespräch zu beginnen, die beiden sind aber abgelenkt und schenken mir kaum Beachtung. Ich fühle mich, wie das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen.
Nach einiger Zeit wird mir die Sache zu blöd und ich verziehe mich. Im Bürobereich gefällt es mir nicht. Deshalb mache ich mich auf den Weg ins Cockpit. Ich bin neugierig, wie so eine Maschine geflogen wird.
"Personal hat keinen Zutritt", brummt jemand, als ich die Tür zum Cockpit öffne.
"Oh, Verzeihung! Ich wolle nur schauen", beschwichtige ich und drehe schon wieder um.
"Ah, sie sind es. Sie sind doch kein Personal."
"Sie kennen mich?"
"Sie scherzen, sie sind eine Legende bei der Air Force."
"Ich? Warum?"
"Ben, der Pilot, mit dem sie im Tarnkappenbomber in die USA gekommen sind, erzählt allen, dass sie den Vogel selbst, ohne Autopiloten gelandet hätten. Der nimmt uns doch alle auf den Arm?"
"Nein, das tut er nicht, das war sogar ein riesiger Spaß."
"Beim ersten Flug?"
"Warum nicht?"
"Das hat sich bei uns noch keiner getraut. Und dabei lassen sie nur die Besten mit einer solchen Maschine fliegen."
"War doch gar nicht schwer."
Er schaut mich skeptisch an, mustert mich eingehend und ich sehe ihm an, dass er mir nicht glaubt. Um ehrlich zu sein, kann ich ihn sogar verstehen. Eine schmächtige Frau, die noch dazu als Beraterin des Außenministers tätig ist, passt unmöglich ins Bild der wagemutigen Pilotin. Wie soll so jemand einen derart großen und komplizierten Vogel fliegen?
"Wie wäre es mit diesem Flieger?", meint er provozierend.
"Warum nicht?", halte ich belustigt dagegen. "Das wir ein Spaziergang."
Er schaut mich an, als würde er nicht glauben, was ich soeben gesagt habe. Dann aber gibt er seinem Copiloten ein Zeichen, Platz zu machen. Dieser mustert mich mit einem überheblichen Schmunzeln auf den Lippen und setzt sich auf einen kleinen Klappsessel, der eigentlich nur dazu dient, einen weiteren Passagier mitzunehmen.
Ich aber schwinge mich in den Sessel des Copiloten und studiere kurz die Instrumente. Ich muss mich zunächst bei der Anordnung zurechtfinden, bin aber wenig später so weit, dass ich übernehmen könnte.
"Wie fühlt es sich an, hier zu sitzen?", will der Pilot wissen.
"Wie in einem Cockpit."
"Sie wissen, was das für Instrumente sind?"
"Natürlich!", sage ich ein wenig eingeschnappt. "Außerdem sollten wir du zueinander sagen. Immerhin sind wir beides Piloten."
"Ich schon!", lacht er.
"Ich auch!"
"Dann könnten sie übernehmen?"
"Wenn ich bis Washington durchfliegen darf", halte ich dagegen.
"Von mir aus gern", meint er leicht verblüfft.
Damit übernehme ich. Es macht deutlich weniger Spaß, eine Passagiermaschine zu fliegen als einen Kampfjet, weil sie weniger wendig ist und man mit ihr nur sehr begrenzt Figuren fliegen kann. Schon allein aus Rücksicht auf die Menschen an Bord, ist das nicht möglich.
In einem Kampfjet sind alle angeschnallt und kopfüber zu fliegen, stellt kein Problem dar. Würde ich das aber mit diesem Flugzeug machen, würden sich John und Ekaterina küssend an der Decke wiederfinden. Bei diesem Gedanken muss ich unwillkürlich lachen.
Trotzdem finde ich es schön, wieder einmal fliegen zu dürfen. Das war immer schon meine große Leidenschaft. Während die meisten bei der Ausbildung die Flugstunden als unnötige Mehrbelastung gesehen und eher gehasst haben, war ich dabei in meinem Element. Für mich war es Entspannung und die pure Freude.
Auch der Pilot neben mir scheint dies schon bald zu verstehen. Er lehnt sich lässig zurück und beobachtet mich.
"Du machst das, als hättest du nie etwas anderes getan", stellt er fest.
"Ich liebe das Fliegen."
"Man sieht es."
Ich habe sehr wohl bemerkt, dass er zum du übergewechselt ist. Er erkennt mich also als Seinesgleichen an. Ich bin als Pilotin akzeptiert.
Wir fliegen auch dieses Mal auf den Militärflughafen bei Washington zu, auf dem ich bei meiner ersten Landung aufgesetzt habe. Regierungsmaschinen landen nur selten auf regulären Flughäfen. Eigentlich nur dann, wenn es anders nicht geht.
"Bei der Landung solltest du den Autopiloten verwenden", rät mir der Pilot.
"Warum?"
"Weil es schwer ist, so einen Vogel zu landen, wenn man ungeübt ist."
"Schwerer als beim Tarnkappenbomber?"
"Nein, wo denkst du hin. Gegen den ist dieser hier ein Spielzeug."
"Na dann!", lache ich.
Tatsächlich leite ich wenig später den Sinkflug ein. Ich überlege, ob dieses Flugzeug eine Anlage besitzt, um die Fluggäste auf die Landung aufmerksam zu machen. Ich lasse es dann aber doch bleiben.
Je näher wir dem Boden kommen, umso nervöser wird der Pilot. Er scheint nur darauf zu warten, dass ich endlich den Autopiloten aktiviere. Doch ich tue dies schon aus Eitelkeit nicht. Wenn ich einen Tarnkappenbomber mustergültig landen kann, dann wird es mit diesem Flieger schon erstrecht kein Problem sein.
"Du hast den Moment verpasst. Jetzt musst du selbst landen", meint der Pilot.
"Na klar! Das war meine Absicht", halte ich dagegen.
Er schaut mich zweifelnd an und ist etwas angespannt. Ich wette, er ist bereit, einzugreifen, sollte dies notwendig sein. Aber das wird es nicht.
Tatsächlich gelingt mir auch dieses Mal eine butterweiche Landung. Ich bin stolz auf mich, es ihm gezeigt zu haben. Diese erkennen meine Leistung an. Während ich zum Standplatz rolle, applaudieren mir der Pilot und der Copilot.
"Jetzt glaube ich Ben, dass du auch den Tarnkappenbomber selbst auf den Boden gebracht hast. Das war eine Landung, wie aus dem Bilderbuch. Du könntest sofort bei uns anfangen."
"Das hat Ben auch gesagt", lache ich.
Als wir stehen, verabschiede ich mich beim Piloten und dem Copiloten und danke den beiden dafür, dass ich selbst fliegen durfte.
"Jederzeit wieder", meint der Copilot.
"Ich komme ganz sicher auf das Angebot zurück", lache ich.
Dann verlasse ich das Cockpit und warte darauf, dass die Tür geöffnet wird. Erst ein paar Minuten nach mir, kommen John und Ekaterina aus dem hinteren Bereich.
"Wo warst du die ganze Zeit?", begrüßt mich meine Freundin.
"Ich bin geflogen?"
"Wie geflogen? Wir doch auch."
"Ich habe das Flugzeug geflogen."
"Dieses da?"
"Ja, welches sonst?"
"Das ist doch kein Kampfjet."
"Funktioniert aber ähnlich. Ist nur etwas langweiliger zu fliegen", lache ich.
"Wie langweiliger?"
"Weil da hinten so nervige Passagiere waren, konnte ich keine Kunststücke fliegen", grinse ich breit.
"Kunststücke, mit so einem Vogel?"
"Nun ja, mit einem Kampfjet ist es leichter, das gebe ich zu", lache ich.
"Du bist verrückt, Anastasia, du bist definitiv ein verrücktes Huhn."
Wir steigen die Gangway hinunter. Gleich neben dem Flieger hat sich inzwischen eine Wagenkolonne eingefunden. Zu meiner Überraschung werden die Türen geöffnet und Sam steigt aus. Nun gibt es für mich kein Halten mehr.
Ich springe die letzten Stufen der Gangway hinunter, laufe auf ihn zu und falle ihm um den Hals. Ihn an mich ziehen und ihn küssen, ist eine einzige Bewegung. Auch er scheint mich vermisst zu haben, denn der Kuss ist ausgesprochen leidenschaftlich.
Erst nach einiger Zeit lösen wir uns voneinander. Etwas entschuldigend blickt mein Freund zu Ekaterina, die er ja noch nicht kennt.
"Sie sind also Ekaterina?", erkundigt er sich.
"Ja, das ist Ekaterina", bestätige ich. "Und das ist mein Freund, Sam."
"Der Außenminister", grinst meine Freundin.
"Ja, das ist er auch. Aber in erster Linie ist er mein Freund, für mich zumindest."
"Was machen die beiden so eng umschlungen", meint Sam. Dabei deutet er neckend auf John und Ekaterina.
"Ich glaube, die beiden haben sich gefunden. Keine Ahnung, was die während des Fluges alles angestellt haben", lache ich.
"Wie, du warst nicht dabei?"
"So viel Knutschen kann doch keiner aushalten, der allein ist."
"Wo warst du dann?"
"Sie hat den Flieger übernommen. Piraterie, nennt man das, glaube ich", meint meine Freundin.
"Was heißt Piraterie, der Pilot hat mir das Kommando freiwillig übergeben", antworte ich gespielt aufgebracht.
"Wie?", mischt sich nun Sam ein. "Du hast diesen Flieger geflogen?"
"Sie hat ihn sogar ohne Autopiloten auf den Boden gebracht und dabei eine Bilderbuchlandung hingelegt", höre ich den Piloten Sam zurufen. Er muss die Frage im Vorbeigehen gehört haben. "Diese Frau kann morgen schon bei der Air Force anfangen."
"Nein, nein, Anastasia ist meine Beraterin", protestiert Sam.
"Streitet euch nicht", lache ich.
Ich winke dem Piloten noch einmal hinterher, dann steigen wir alle ein. Ich bin mit Sam allein im Wagen, John und Ekaterina setzen sich in das Fahrzeug, das uns folgt. Sie wollen uns wohl ein wenig Privatsphäre lassen, die ich auch ausnütze. Ich küsse Sam und habe das Gefühl alles nachholen zu müssen, was ich versäumt habe.
Wir fahren vom Flughafen direkt in unsere Wohnung. Als Ekaterina diese sieht, schaut sie sich staunend um. John ist immer noch bei ihr, der zweite Wachmann hat Posten vor der Wohnung bezogen.
"Ihr seid schon zusammengezogen?", will meine Freundin wissen.
"Sam hat gemeint, es würde sich nicht lohnen, wenn ich mir eine eigene Bleibe suche. Früher oder später würden wir eh die meiste Zeit in einer der beiden verbringen."
"Stimmt doch", meint er leicht beleidigt.
Ich lehne mich an ihn und streiche ihm während dieses kleinen Disputs liebevoll über die Wange. Genießerisch lehnt er sich dagegen. Er liebt die Liebkosungen sichtlich.
"Wir sollten darüber reden, was wir mit den beiden Turteltäubchen machen", sage ich bewusst wie nebenbei zu Sam.
"Was meinst du damit?", erkundigt er sich.
"Wen bezeichnest du als Turteltäubchen? Schau euch an", protestiert Ekaterina gespielt.
"Die beiden sind unzertrennlich", erkläre ich.
"Das sehe ich, aber was willst du damit sagen. Du hast doch angeregt, dass John auf uns aufpassen soll", grinst Sam. Er hat mich wieder einmal sofort verstanden, besser gesagt meine Gedanken. "Aber was ist, wenn er im Dienst ist und wir verreisen müssen. Dann reißen wir die beiden auseinander."
"Das können wir unmöglich machen", antworte ich gespielt nachdenklich.
"Das wäre grausam."
"Hast du eine Lösung für dieses Problem?"
"Da wir ein Mann und eine Frau sind, könnten wir auch bei unseren Sicherheitsleuten einen Mann und eine Frau brauchen?", spinne ich den Gedanken gespielt weiter.
"Du meinst, wir könnten Ekaterina zu deinem Schutz anfordern?"
"Können wir das? Sie ist Ukrainerin."
"Du doch auch", grinst er. "Das passt dann doch noch besser."
"Ich bin nur Beraterin."
"Ja, das ist leichter. Ekaterina müsste man ins Angestelltenverhältnis übernehmen."
"Sie ist doch in der Ukraine angestellt. Können wir sie uns nicht einfach nur ausleihen?", schlage ich vor.
"Das wäre die Lösung. Aber mit dem Gehalt aus der Ukraine kommt sie hier nicht zurecht."
"Wenn die USA ihr Gehalt aus der Ukraine übernimmt und ein paar Zulagen für Auslandsaufenthalt, eine dicke Gefahrenzulage und so ähnliche Dinge drauflegt?"
"Das könnte eine Lösung sein", spielt Sam den Überlegenden.
"Hallo Leute, wir sind auch noch da und wir hören mit", meldet sich Ekaterina lachend zu Wort.
"Ach ja, Sam, wir sollten vorher mit den Betroffenen sprechen", ermahne ich meinen Freund gespielt.
"Wir sollten das bei einem Abendessen besprechen", schlägt er vor.
"Das machen wir."
"Wir sind auch dabei", grinst nun John. Sein Blick sagt aber schon alles. Er ist überglücklich, dass es offenbar kein Problem ist, dass Ekaterina bei uns bleibt.
"Glaubst du die Ukraine spielt mit?", frage ich leise Sam, weil ich doch Bedenken habe.
"Die bekommen von uns so viel Geld und Waffen. Wenn wir einmal etwas von ihnen wollen, werden sie sich wohl nicht querlegen?"
"Stimmt, so blöd sind sie nicht."
"Wir treffen uns in einer halben Stunde. Dann fahren wir."
"Gehen wir in dieses süße kleine italienische Restaurant?", bettle ich.
"Das hat dir gefallen."
"Und es hat mir dort vor allem auch geschmeckt."
Etwas mehr als eine Stunde später sind wir auf dem Weg ins Restaurant. Außer John und Ekaterina sind auch noch zwei weitere Sicherheitsleute bei uns. Ich hatte gehofft, dass es nun bei zwei bleiben könnte, aber offenbar sind die Vorschriften nicht zu umgehen.
Noch auf der Fahrt klingelt mein Telefon. Etwas erstaunt ziehe ich es aus der Tasche. Meine Nummer dürften nur ganz wenige Menschen haben. Deshalb wundere ich mich, dass mich jemand sprechen will.
Als ich jedoch sehe, dass es Susan von CNN ist, bin ich beruhigt. Ihr habe ich sie gegeben. Deshalb nehme ich das Gespräch sofort an.
"Hallo Susan, was gibt´s?"
"Du fährst ja morgen nach Moskau? Kannst du mir etwas über die Reise erzählen?"
"Wo bist du?"
"In Washington."
Ich schaue etwas ratlos Sam an. Er lächelt mich verliebt an. Ich kann ihn jetzt nicht fragen, ob das mit dem Besuch in Moskau stimmt.
"Wir fahren gerade ins Restaurant. Hast du Hunger?"
"Hunger? Immer!", grinst sie.
Ich gebe ihr die Adresse durch und verabrede mich mit ihr. Sam schaut mich dabei etwas fragend an.
"Was ist los?"
"Susan möchte etwas über unsere morgige Moskaureise wissen", sage ich. Dabei bemühe ich mich um einen neutralen Ton, auch wenn es mir schwerfällt. Warum hat er mir nichts davon gesagt?
"Oh, das hat sie schon erfahren?"
"Sie offenbar schon, ich noch nicht", sage ich leicht eingeschnappt.
"Bist du sauer?"
"Ich weiß es noch nicht", sage ich ehrlich. "Was ist Sache?"
"Wir sollten morgen Abend Labradorov und Kakarov treffen."
"Den Außenminister und den Führer der Tschetschenen", sage ich nachdenklich. "Wozu?"
"Sie wollen mit uns reden."
"Mit uns?"
"Sie haben ausdrücklich darum gebeten, dass du mitkommst."
"Und warum hast du mir nichts gesagt?"
"Weil ich das heute Abend machen wollte, nach dem Abendessen."
"Warum erst dann."
"Weil ich zuerst die Zeit mit dir genießen wollte. Zumindest einen Abend lang."
"Aha, den können wir immer noch genießen."
"Na hör mal! Was hättest du gesagt, wenn ich dir schon am Flieger gesagt hätte, dass wir morgen gleich wieder zurück nach Moskau fliegen."
"Hättest du es mir früher gesagt, wäre ich in der Botschaft in Moskau geblieben. Das wäre einfacher gewesen."
"Als ich die Einladung bekommen habe, warst du bereits in der Luft. Außerdem wäre ich dann einen Tag länger von dir getrennt gewesen."
"Gut, so gesehen verstehe ich dich. Was jetzt?"
"Nehmen wir an?"
"Du hast noch nicht zugesagt?"
"Ohne mit dir zu reden?"
"Das ist aber süß von dir. Was wollen sie?"
"Das haben sie nicht gesagt. Es geht wohl darum, wie die neue Machtverteilung sein wird."
"Also sagen wir zu?"
"Wenn du meinst."
"Ich habe keine Angst vor dem Feind."
"Gut, dann gebe ich im Büro Bescheid, dass sie die Einladung annehmen sollen und alles vorbereiten."
Durch unser Gespräch ist die Zeit schnell vergangen und wir haben das Restaurant erreicht. Wie immer hat Sam gleich das gesamte Lokal reserviert. Das verrät das Schild an der Tür, welches eine geschlossene Gesellschaft ankündigt.
Ekaterina und John setzen sich zu uns an den Tisch, die beiden übrigen Sicherheitsleute setzen sich in der Nähe an einen eigenen. Wir bestellen vorerst nur die Getränke, wobei wir auch den Wein noch auslassen.
Keine fünf Minuten später möchte Susan zur Tür herein. Sie wird aber vom Wirt auf die geschlossene Gesellschaft hingewiesen. Er will sie nicht hereinlassen. Um einer Diskussion zuvorzukommen, rufe ich ihm zu, dass Susan zu uns gehört. Sie darf daraufhin eintreten und kommt gleich zu mir an unseren Tisch.
Ich stelle Susan und Ekaterina einander vor. Die Reporterin schaut meine Freundin fragend an und darf sich dann an meine freie Seite setzen.
"Sie kommen auch aus der Ukraine?", wendet sich Susan freundlich an Ekaterina.
Diese kann es sich nicht verkneifen, und erzählt die Geschichte ihrer Befreiung. Susan hört ihr dabei aufmerksam zu.
"So eine Freundin ist Gold wert. Ohne sie würde ich in einem Arbeitslager in Sibirien versauern und müsste mir die Wachen vom Leib halten."
"So schlimm?"
"Ich war die Agentenführerin jener Bestie, welche drei große Anschläge auf Mütterchen Russland begangen hat. Sie ist Staatsfeind Nummer eins und ich komme gleich dahinter", plappert Ekaterina.
Ich bin überrascht. Als Agentin sollte sie wissen, dass es besser wäre, nicht allzu viel zu erzählen. Aber offenbar sitzt die Freude über ihre Befreiung so tief, dass sie es jemandem erzählen muss, der nicht dabei war.
"Du bist zurück auf die Krim? War das nicht gefährlich?"
"Als Agentin lebt man gefährlich. Das steht so schon in der Berufsbeschreibung", sage ich vergnügt.
"Aber diese Befreiung war ganz schön riskant."
"Sie war gut geplant", meint nun auch John.
"Sie waren auch dabei?"
"Ohne ihn wäre eine solche Aktion niemals denkbar gewesen", erkläre ich. "Aber von dem Ganzen bringst du nichts an die Öffentlichkeit. Das wäre weniger gut."
"Das ist also deine Offenheit", meint Susan vergnügt. "Da werde ich wohl auch meinen Teil einhalten müssen. Ich verspreche dir, ich bringe darüber nichts. Ich sehe ein, das wäre nicht gut. Aber ich bin euch trotzdem dankbar, dass ihr es mir erzählt habt. So bekomme ich mehr Einblick in die Sache."
"Das ist sicher gut für das Verstehen mancher Zusammenhänge", meint Sam.
Er scheint inzwischen verstanden zu haben, was ich damals mit Offenheit gemeint habe. Ich bin nun gar nicht mehr so unglücklich darüber, dass Ekaterina etwas zu sehr aus dem Nähkästchen geplaudert hat. Bei jedem anderen Reporter wäre das nicht so gut gewesen. Bei Susan kann ich aber davon ausgehen, dass sie sich an die Absprache hält und nichts davon veröffentlicht.
"Was ist mit morgen?", will sie wissen.
"Wir wissen nur, dass uns der Außenminister und der Führer der Tschetschenen zu einem Gespräch eingeladen haben. Ich denke, es geht um die Machtaufteilung nach Popovs Tod."
"Was erwartet du?"
"Ich fürchte, der Außenminister wird sein Amt weiter ausführen, der große Präsident wird der Tschetschene."
"Du fürchtest?"
"Mit Kakarov ist keine Änderung im Kurs zu erwarten. Ich befürchte, er wird noch entschlossener sein. Er muss schließlich beweisen, was für ein harter Hund er ist."
"Das wäre nicht gut. Dann hätte Popovs Tod keine Verbesserung gebracht", meint Susan nachdenklich.
"Es hat auch Vorteile", gestehe ich unumwunden. "Kakarov hat noch keinen so ausgeprägten Machtapparat und kennt sich auf internationaler Bühne nicht so gut aus. Außerdem ist er leichter zu durchschauen. Er macht sich erst gar nicht die Mühe, seine wahren Absichten zu kaschieren. Bei Popov war man sich da weniger sicher, was nun echt und was eine Finte war."
Wir plaudern noch einige Zeit, essen und trinken. Es wird ein vergnüglicher Abend. Als wir uns verabschieden, umarmt mich Susan.
"Wir sehen uns morgen in Moskau."
"Hast du deinen Flug schon gebucht?", frage ich.
"Nein, noch nicht."
"Kann sie mit uns fliegen?", wende ich mich an Sam.
"Ja, von mir aus."
"Ich habe aber auch noch einen Kameramann bei mir."
"Den stecken wir in den Kofferraum", grinse ich.
"Darf der auch mit?"
"Natürlich!", bestätigt Sam.
Kapitel 13
Endlich sind wir zu Hause und allein. Ich bin durchaus ein geselliger Mensch, aber ich brauche auch ab und an Zeit für mich. Seit ich mit Sam zusammen bin, brauche ich die Zweisamkeit noch mehr als früher.
Ich schließe gerade die Tür unseres Schlafzimmers, da zieht mich Sam auch schon in seine Arme und küss mich voller Leidenschaft. Ich lasse mich nur zu gerne auf den Kuss ein. Unsere Zungen suchen und finden sich. Sie umspielen einander, erforschen die Mundhöhle des anderen und sind voller Zärtlichkeit.
"Zieh dich aus!", raune ich Sam zu, als wir uns kurz voneinander lösen.
Das Glitzern in seinen Augen zeigt mir, dass er es auch will. Hastig zerren wir uns die Kleider vom Leib. Wir können es beide nicht mehr erwarten, endlich nackt zu sein und uns intensiv zu spüren.
Als wir uns beide unserer Textilien entledigt haben, nimmt mich Sam erneut in die Arme. Küssend und den Körper des anderen liebkosend finden wir den Weg zum Bett. Diesmal drehe ich uns so, dass ich Sam sanft in die weichen Kissen schubsen kann.
Als er das Gleichgewicht verliert, schaut er mich aus großen Augen an. Er hat es nicht kommen sehen. Ich aber muss grinsen. Dieser Mann gehört heute Abend mir und dagegen kann er gar nichts mehr machen.
Bevor er richtig realisiert, dass er auf das Bett gefallen und mir ausgeliefert ist, bin ich schon über ihm und nehme seine Eichel in den Mund. Überrascht saugt er tief die Luft ein.
Als er aber versteht, was ich vorhabe, ergibt er sich meinem Tun und lässt sich entspannt auf das Bett niedersinken. Er streckt die Arme nach oben und spreizt seine Beine noch etwas mehr. Gleichzeitig schiebt er mir sein Becken einladend entgegen. Er bietet sich mir an. So mag ich es.
Als ich daraufhin beginne, eher fordernd an seiner roten Spitze zu saugen, diese mit der Zunge umspiele und mich vor allem auf die besonders empfindliche Furche konzentriere, mit seinem Bändchen spiele und meine Zungenspitze übermütig auf sein kleines Loch drücke, da beginnt er immer lauter und immer öfter zu stöhnen. Es gefällt ihm.
Plötzlich spüre ich, dass er mit einer Hand zwischen meinen Beinen spielt. Er erregt mich damit aber nicht besonders stark, da er meine sensible Stelle nicht erreicht. Deshalb komme ich ihm etwas entgegen und gehe in die 69-iger Stellung. Dabei bin ich aber sehr darauf bedacht, dass ich jederzeit optimal an sein bestes Stück herankomme.
Er nützt zwar die neu gewonnene Erreichbarkeit meiner empfindsamen Stelle aus, macht dies aber eher nebenbei. Ich spüre, dass er von meinem Tun an seinem Speer abgelenkt ist. Seine Hände streichen eher abwesend über die Innenseiten meiner Schenkel, fahren durch meine Spalte und ab und an verirrt sich sogar ein Finger in meinem Liebestunnel.
Es ist auch für mich erregend, aber ich konzentriere mich lieber auf seinen Bolzen. Ich sauge an ihm, ich lecke über ihn drüber, ich lasse ihn zwischendurch auch tief in meinen Rachen gleiten und ich necke ihn mit meinen Lippen.
Ich beobachte Sam die ganze Zeit eingehend und bekomme dabei immer wieder flehende Blicke zugeworfen. Er möchte mich endlich erobern. Aber ich spiele noch mit ihm. Ich verwöhne weiter seinen Schwanz, halte ihn aber so, dass er gerade nicht kommen kann.
"Wie du mir, so ich dir", knurrt er plötzlich.
Völlig überraschend bäumt er sich auf und wirft mich neben sich aufs Bett. Diesmal ist er es, der schnell reagiert, über mich klettert und meine Beine spreizt. Als er sich an meiner Scham festsaugt, ist es um mich geschehen. Diesmal lasse ich mich auf das Bett zurückfallen, strecke alle vier Glieder von mir und genieße, wie er meine Spalte gekonnt verwöhnt.
Als er bemerkt, dass ich keinen Widerstand mehr leiste, geht er zarter und gezielter gegen meine Vagina vor. Er leckt darüber, zieht meine Schamlippen auseinander, um dazwischen zu züngeln, macht immer wieder einen Abstecher zu meiner Perle und schiebt mir ab und zu auch die Zunge in mein Loch, um mich damit zart zu ficken. Es ist herrlich und bringt mich immer wieder zum Stöhnen.
Die Lust und das Verlangen steigen in mir an. Nun bin ich es, die endlich Erlösung herbeisehnt. Sam scheint gnädiger zu sein als ich es war. Kaum, dass er die unbändige Erregung in meinen Augen erblickt, kommt er über mich und rammt mir hart und tief seinen Pfahl in den Unterleib. Sämtliche Luft entweicht aus meinen Lungen, aber ich komme mir vor, wie im Himmel.
Er verharrt kurz in mir. Er will mir wohl die Möglichkeit geben, mich an die neue Situation anzupassen. Ich mache das auch, indem ich meine Beine um seine Taille schwinge und ihn damit festhalte. Das entlockt ihm ein Lächeln und schon beginnt er sich in mir zu bewegen.
Zunächst stößt er mich nur langsam, quälend langsam sogar. Zudem zieht er sich auch nicht weit zurück, nur ein kleines Stück. Es ist schön und erregend, aber viel zu wenig intensiv, um mich zu befriedigen. Ich brenne danach, hart und tief gevögelt zu werden, aber er lässt sich Zeit.
Da ich weiß, dass sich Sam sowieso nicht von seinem Plan abbringen lässt, gebe ich mich seinem Tun hin und genieße zumindest das, was er mir bietet. Das geht dann allerdings nicht lange. Offenbar ist auch ihm diese langsame und nur unbedeutende Bewegung zu wenig. Er kommt zunehmend in Fahrt, er beschleunigt die Stöße und erregt mich immer stärker.
Auch er stöhnt immer häufiger und ich kann an seinen Augen erkennen, dass auch in ihm, Lust und Verlangen ansteigen. Ich gebe mich immer bereitwilliger seinen Stößen hin. Je schneller, je härter und je tiefer er sich in mich bohrt, umso mehr genieße ich es.
Ich komme dem Punkt immer näher, an dem ich über die Klippe getrieben werde und freue mich bereits darauf, als er sich überraschend aus mir zurückzieht. Was? Das kann er doch nicht machen! Ich bin so kurz davor!
Er aber grinst nur, dreht mich auf den Bauch und legt sich über mich. Sein Bolzen findet seinen Weg zurück in meinen Körper und beginnt das Spiel von neuem. Zunächst verharrt er tief in meinem Inneren. Er presst mein Becken aufs Bett und bewegt sich nicht.
Ich drehe meinen Kopf nach hinten und schaue mich nach ihm um. Dabei kann ich ein herausforderndes Lächeln erhaschen, das über sein Gesicht huscht. Er will mit mir spielen, mich quälen und mich necken.
Erneut beginnt er, sich langsam in mir zu bewegen. Genau genommen bewegt er nur sein Becken auf meinem Po. Damit aber bewegt sich sein Schwanz in meinem Innern, wenn auch nicht besonders stark.
Er will mich aus der Reserve locken, das erkenne ich an seinem abwartenden Blick. Seine Absicht ist es, dass ich ihn anflehe, mich doch endlich hart und entschlossen zu nehmen. Doch genau diesen Gefallen will ich ihm nicht machen, ich werde nicht darum bitten, dass er mich ordentlich rannimmt. Deshalb lasse ich mich erneut auf das ein, was ich bekomme. Und es ist gar nicht so wenig.
Meine Rechnung geht auch dieses Mal auf. Erneut beschleunigt er von sich aus, weil ihm offenbar nicht reicht, was er selbst macht. Immer schneller und immer weiter zieht er sich aus mir zurück. Sein Becken klatscht immer heftiger gegen meinen Hintern. Langsam, langsam werden seine Bewegungen entschlossener und ungestümer.
Auch mich erregt sein Tun immer stärker, meine Säfte fließen und schließlich kann ich ein leises schmatzendes Geräusch vernehmen, wenn er sich wieder aus mir zurückzieht. Er fickt mich so heftig, dass ich jedes Mal hart auf die Matratze gepresst werde, wenn er in mich stößt.
Wir stöhnen beide immer lauter und immer erregter. Ich spüre, wie sich auf unseren Körpern Schweißperlen bilden. Vor allem Sam ist die Anstrengung immer deutlicher anzumerken.
Diesmal zum Glück hört er nicht noch einmal auf. Er macht weiter, er fickt, wie ein Tier, und bringt uns damit beide schließlich zu einem heftigen Abgang. Zunächst presst er sich in mich, stützt sich dabei noch mit den Armen weit nach oben, um schließlich loszulassen und sich in mir zu entladen. Erst danach lässt er sich auf mich niedersacken und bleibt schwer atmend liegen.
Ich komme, als ich den ersten Schub Sperma spüre, der gegen meinen Muttermund klatscht. Dann aber brechen auch bei mir alle Dämme und ich werde von heftigen Kontraktionen geschüttelt. Mein Körper bäumt sich auf und genießt die Lustwellen, die durch ihn hindurchjagen.
Es dauert eine Weile, bis die Nachwehen meines Höhepunktes allmählich abflauen. Auch die Spannung in meinem Körper lässt langsam nach und meine Muskeln entspannen. Ich lass mich auf das Bett niederfallen und bleibe erstmal erschöpft liegen. Ich bemerke nicht einmal, dass Sam immer noch auf mir draufliegt und ich mich so gut wie nicht rühren kann, weil ich unter ihm eingeklemmt bin.
Erst allmählich erholen wir uns beide von der süßen Anstrengung. Ich bin wohl schneller wieder bei mir und mir wird Sams Gewicht allmählich zu viel. Ich will ihn aber noch kurz ausruhen lassen.
"Das habe ich gebraucht", raunt er mir ins Ohr.
"Ich auch", bestätige ich. "Aber jetzt könntest du von mir heruntergehen."
"Oh, Verzeihung."
Offenbar wird ihm erst jetzt bewusst, dass er die ganze Zeit auf mir gelegen hat. Sofort rollt er sich zur Seite und bleibt neben mir liegen. Ich fühle mich einerseits von seinem Gewicht befreit, andererseits fehlt mir plötzlich die Nähe. Deshalb krabble ich eilig wieder zu ihm hin und schmiege mich von der Seite an seinen Körper. Meinen Kopf lege ich auf seine Brust. So mag ich es.
Sam scheint es ebenfalls zu gefallen, denn er legt den Arm um meine Schulter und zieht mich noch etwas enger an sich. So schlafen wir auch ein.
Kapitel 14
Als ich am Morgen erwache, bemerke ich zwischen meinen Beinen ein seltsames, klebriges Gefühl. Ich brauche etwas länger, bis mir klar wird, dass es sich wohl um das inzwischen eingetrocknete Sperma von Sam handeln müsste. Es ist vermutlich in der Nacht aus mir herausgeflossen.
Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, versuche ich mich aus seinen Armen zu schälen. Ich will mich waschen. Kaum aber bin ich frei, klingelt der Wecker. Sam öffnet benommen die Augen und mustert mich verwundert.
"Was ist los?"
"Wir müssen aufstehen."
"Müssen wir?"
"Wir sollten nach Moskau."
"Ich habe keine Lust. Ich möchte bei dir bleiben."
"Ich komme mit", antworte ich belustigt.
"Das macht es auch nicht besser. Ich will nicht."
"Du bist der Außenminister."
"Mir hat keiner gesagt, dass ich so oft zu den Russen muss."
"Die Situation ist im Moment eben die, die sie ist."
"Ich mag aber trotzdem nicht."
"Was soll ich dann sagen? Ich bin erst gestern aus Moskau gekommen und muss nun schon wieder hin."
"Selbst schuld! Warum hast du dir auch einen Außenminister geangelt?", grinst er.
"Ich wollte eigentlich nur den Sam. Den Außenminister musste ich dazunehmen. Es gab dich nur im Paket", lache nun auch ich.
Mir ist klar geworden, er meint es nicht sehr ernst. Natürlich würde ich auch lieber mit ihm im Bett bleiben, am besten gleich eine ganze Woche. Aber das geht eben nicht. Also schwinge ich mich aus dem Bett und verschwinde im Bad. An der Tür drehe ich den Kopf noch einmal zurück und schicke ihm einen Luftkuss.
Komplett angezogen bereite ich das Frühstück vor. Auch Ekaterina und John kommen angedackelt und lassen sich auf einen der Stühle fallen. Sie achten darauf, dass ihre Stühle eng beieinanderstehen.
Ich muss mich allein um das Frühstück kümmern. Ich nehme mir vor, dass ich nach unserer Rückkehr reden muss, um festzulegen, wer welche Aufgaben im Haushalt übernimmt. Im Moment ist wohl nicht der richtige Zeitpunkt. Wir müssen schließlich zum Flughafen.
Ich rufe Susan an und vereinbare mit ihr einen Treffpunkt. Wir nehmen sie und ihren Kameramann im Konvoi mit. Als ich auch das organisiert habe, kommt endlich Sam, der sich an den Frühstückstisch setzt und in aller Ruhe ein Brötchen schmiert. Ich komme mir vor, wie eine Servicekraft. Das muss ich ändern!
Schließlich machen wir uns auf den Weg. Mit Susan klappt es perfekt und so erreichen wir alle zusammen den Flugplatz. Heute haben wir erneut die große Maschine. Das sehe ich schon von Weitem.
Als wir die Gangway erreichen, trifft dort auch die Crew ein. Ich bin überrascht, weil ich darunter auch Christopher entdecke, den Piloten, mit dem ich gestern im Cockpit saß.
"Hallo Christoph, musst du heute schon wieder fliegen?"
"Man hat mich eingeteilt, weil aufgekommen ist, dass ich gestern dich habe die ganze Arbeit machen lassen", grinst er.
"Du kennst den Piloten?", raunt mir Susan zu.
"Ja, wir sind schon gestern zusammen unterwegs gewesen."
"Du weißt, wer fliegt?"
"Ich bin ins Cockpit gegangen, weil ich mich gelangweilt habe."
"Dann gehst du einfach so ins Cockpit?"
"Sie hat mich nicht nur besucht, sie hat mir die Arbeit abgenommen. Genau genommen hätte ich auch heimgehen können", mischt sich Christopfer ein.
"Du kannst fliegen?", will Susan wissen.
"Wie der Teufel", bestätigt Christopher.
"Das würde ich gerne sehen", meint die Reporterin. Sie ist plötzlich ganz aufgeregt.
"Von mir aus", grinst der Pilot. "Ich überlasse euch den Vogel gern."
"Dann aber inklusive Start", lache ich. Ich habe Feuer gefangen.
"Von mir aus."
"Gut, dann machen wir das. Kommst du mit ins Cockpit, Susan?"
"Darf ich das?"
"Wenn die Pilotin das erlauft", lacht Christopher.
"Ist es nicht schwer, so ein großes Flugzeug zu fliegen."
"Sie ist sogar einen Tarnkappenbomber geflogen und hat nicht einmal für die Landung den Autopiloten verwendet. Wer das hinkriegt, der kann diesen Vogel problemlos fliegen."
"In Zukunft sparen wir bei unseren Reisen den Piloten gleich von Anfang an", lacht Sam. "Aber nicht, dass du glaubst, du bekommst dann doppelt bezahlt."
Alle lachen und wir gehen gemeinsam die Gangway hinauf. Langsam, langsam treffen auch die Sekretäre und anderen Beamten ein, die uns begleiten. Als diese sehen, wie ich in Richtung Cockpit gehe, beginnt das Getuschel.
Ich lass mich davon aber nicht abhalten und gehe zusammen mit Susan und allen, die befugt sind, nach ganz vorne. Ich übernehme die Kommunikation mit dem Tower und bekomme auch schon die Startfreigabe. Regierungsmaschinen haben sowieso Priorität und dieser Vogel ganz besonders.
Ich lasse den Flieger anrollen und mache mich auf den Weg zur Startbahn. Susan, die auf einem Sessel hinter mir sitzt, beobachtet mich staunend. Plötzlich geht die Tür auf und Sam kommt herein. Ich sehe das, als ich mich umdrehe, um zu schauen, wer uns besucht.
"Setz dich hin, wir starten in wenigen Augenblicken", weise ich ihn an.
Sam schaut sich etwas unsicher um, dann aber wird ihm von Christopher der Platz des Copiloten angeboten.
"Müssen nicht sie zur Sicherheit auf diesem Platz bleiben?", wehrt Sam ab.
"Ich vertraue Anastasia, sie macht das schon."
"Wenn sie das sagen", lenkt Sam ein.
Die beiden wechseln die Plätze und Sam sitzt schließlich neben mir. Er lächelt mich an und ich kann so etwas wie Stolz in seinen Augen aufblitzen sehen.
Wir haben die Startbahn erreicht, ich bekomme das Go vom Tower und gebe vollen Schub auf die Triebwerke. Wir beschleunigen, brettern über den Asphalt und als ich den Vogel hochziehe, geht es ab in die Lüfte.
Nach dem Steilflug erreichen wir die Reiseflughöhe und ich fliege eine kleine Schleife, um Kurs auf Moskau zu nehmen. Bisher waren alle ruhig und haben gespannt beobachtet, was ich mache. Nun aber fällt die Anspannung von ihnen ab.
"Das hätte ein richtiger Pilot auch nicht besser gemacht", meint Sam.
"Willst du mich beleidigen?", frage ich gespielt empört.
"Äh, nein, das war als Lob gemeint."
"Ich bin eine richtige Pilotin", stelle ich klar.
"Äh, du machst das nicht nur als Hobby?"
"Ich habe im Rahmen meiner Ausbildung auch jene zum Kampfpiloten durchlaufen. Ich kann dir jederzeit einen Luftangriff auf den Kreml fliegen."
"Aber nicht mit dieser Maschine."
"Na klar! Diese wäre etwas zu schwerfällig."
Schon nach einer halben Stunde wird es den anderen zu langweilig und sie ziehen sich wieder zurück. Nur Susan bleibt bei mir und will wissen, was ich in meiner Ausbildung sonst noch alles lernen musste.
Wir plaudern ausgesprochen angenehm. Auch Christopher und das rechtliche Cockpit-Personal hören aufmerksam zu.
"Ist nicht jedes Flugzeug anders?", will Susan wissen.
"Nun ja, das Fliegen an sich ist immer gleich. Allerdings ist auch jedes Flugzeug etwas anders. Bei Kampfflugzeugen ganz besonders, weil dort auch die Bewaffnung sich ändert."
"Wie kannst du dich dann einfach so in ein Passagierflugzeug setzen und es fliegen?"
"Ich hatte das Glück, dass ich im Flugsimulator mehrere Flugzeuge ausprobieren durfte. Außerdem habe ich ein fotografisches Gedächtnis und habe mir vieles gemerkt."
"Auch ein Passagierflugzeug?"
"Das war deswegen in der Ausbildung, zumindest bei jenen, die diesen Teil absolvieren wollten, um im Falle von Flugzeugentführungen oder anderen Notfällen, in der Lage zu sein, eingreifen zu können und den Vogel sicher zu landen."
"Und du hast gewollt, nehme ich an."
"Ich liebe das Fliegen. Ich musste mich melden und konnte gar nicht anders."
"Das sieht man dir auch an."
Mit dem Plaudern vergeht die Zeit, wie im Flug. Ich setze in Moskau zur Landung an, wobei zunächst der Tower nicht akzeptieren will, dass ich die Maschine fliege. Bei ihnen sei ein anderer Pilot vorgemerkt. Als sich Christopher meldet und dem Tower bestätigt, dass ich berechtigt bin, das Flugzeug zu fliegen, dürfen wir auch landen.
Ich setze die Maschine sanft auf und lasse sie bis zu der uns zugewiesenen Parkposition rollen. Dort erwartet uns bereits eine Wagenkolonne. Ich verabschiede mich herzlich von Christopher und begebe mich zum Ausstieg. Dort treffe ich auf Sam.
"Du bist die ganze Zeit geflogen?", erkundigt er sich. Dabei zieht er mich in eine Umarmung und küsst mich leidenschaftlich.
"Ja, warum?"
"Gelandet bist auch du?"
"Ja, warum?"
"Weil es der angenehmste Flug und die sanfteste Landung war, die ich seit langem erlebt habe."
"Du Schmeichler!", lache ich laut auf. "Das müsstest du auf jeden Fall sagen."
"Nein, ehrlich, du hast das perfekt gemacht. Ich frage mich, was du nicht kannst?"
"Oh, da würde es so einiges geben", lache ich.
Erneut steigen wir Händchen haltend die Gangway hinunter. Diesmal werden wir von keinem Begrüßungskomitee empfangen. Wir steigen in die Autos und fahren in die Botschaft, wo wir uns frisch machen und umziehen. Viel Zeit haben wird nicht, weil wir in den Kreml müssen.
Von der Botschaft aus machen wir uns mit dem üblichen Wagenkonvoi auf den Weg. Ich sehe Ekaterina an, dass sie ein wenig angespannt ist. Ich kann mich noch gut an meine erste Fahrt erinnern. Auch ich war nervös, ins Zentrum der Macht meines Feindes zu kommen.
"Du bist angespannt", sage ich zu meiner Freundin.
"Ich kann nicht verstehen, dass du so ruhig bleibst", kontert sie.
"Ich bin es allmählich gewöhnt. Ich habe sogar Popov gegenübergestanden."
"Du bist abgestumpft."
"Nein, das nicht, aber es ist nichts Neues mehr für mich. Ich weiß, was mich erwartet und gehe nicht mehr so ins Ungewisse, wie es bei dir noch der Fall ist."
"Ich glaube, ich schaffe das nicht."
"Du bist Agentin und solltest keine Angst kennen."
"Ich mache mir aber trotzdem Sorgen", meint sie und grinst sarkastisch. "Noch vor wenigen Tagen saß ich in einem russischen Gefängnis auf der Krim und sollte nach Moskau gebracht werden, damit man mir dort den Prozess machen kann. Ich wette, die wussten schon vorher, in welches Straflager in Sibirien sie mich stecken würden."
"Du bist nun ein freier Mensch und niemand wird dir den Prozess machen."
"Bist du dir sicher?"
"Du stehst unter diplomatischem Schutz."
"Da können die nichts machen?"
"Gar nichts", grinse ich.
Da wir den Kreml erreichen, ist damit wohl unser Gespräch beendet. Sam hat sich zurückgehalten und nur liebevoll meine Hand gedrückt. Als wir auf den Eingang zugehen, stellt sich uns ein Mann in den Weg. Er ist offenbar vom russischen Sicherheitsdienst.
"Was macht diese Frau hier?", knurrt er mehr, als dass er spricht.
"Sie gehört zu mir", sage ich, noch bevor ein anderer sich zu Wort melden kann.
"Sie ist eine Verbrecherin."
"Ist sie das?", frage ich und ziehe meine linke Augenbraue nach oben. Ein verschmitztes Lächeln spielt um meine Lippen.
"Wir haben sie gesucht."
"Ich habe sie auch einmal gesucht. Sie war dann beim Einkaufen", spotte ich.
"Sie wissen genau, was ich meine."
"Der Herr Außenminister und ich werden von Außenminister Labradorov und Herrn Kakarov erwartet. Frau Solenkova gehört zur Delegation und steht damit genauso unter diplomatischem Schutz, wie wir auch."
"Das kann schon sein, aber sie hat die Attentäterin von der Krim unterstützt. Sie ist eine Feindin des Volkes."
"Die Attentäterin von der Krim bin ich. Dann bin ich auch eine Feindin des Volkes. Wollen sie mich auch aussperren?"
"Sie sind das?", meint er überrascht.
"Sie sollten sich jetzt entscheiden. Entweder sie lassen uns durch oder wir fahren zurück", sage ich entschlossen.
"Kannst du so etwas einfach selbst entscheiden?", raunt mir Ekaterina ins Ohr.
"Gehen sie!", meint der Sicherheitsmann und gibt seinen Untergebenen ein Zeichen.
Wir werden durchgelassen und von einem Beamten hinauf in den Saal geführt, in dem wir uns das letzte Mal mit Popov getroffen haben.
"Du hast das gut gemacht", lobt mich Sam.
"Ich habe vom Besten gelernt", grinse ich.
Wir sind dabei die Treppen hinauf in den ersten Stock zu gehen. Ekaterina ist neben mir und bekommt mit, was Sam sagt.
"Anastasia darf so reden? Bist nicht du der Außenminister?", will sie von Sam wissen.
"Ich muss nicht immer selbst das Wort ergreifen. Anastasia kann das super, ist meine Beraterin und fast so etwas, wie meine Vertreterin."
"Du lässt ihr aber viele Freiheiten."
"Ich vertraue ihr - blind sogar."
"Das kannst du auch. Sie ist ein gutes Mädchen", grinst meine Freundin.
Wir betreten den großen Konferenzsaal. Diesmal warten Labradorov und Kakarov bereits auf uns. Offenbar hat die Verzögerung am Eingang ihren Zeitplan etwas durcheinandergebracht.
"Meine Herren, ich muss mich für die Verspätung entschuldigen, aber ihr Sicherheitsmann am Eingang hat Probleme gemacht", sagt Sam. Dabei lacht er freundlich und es klingt ganz und gar nicht wie ein Vorwurf. Dabei ist es einer.
"Er hat was?", will der Tschetschene wissen.
"Er wollte Frau Solenskova nicht durchlassen", ergänze ich.
"Das war ein Missverständnis", entschuldigt sich Labradorov.
"Die Missverständnisse häufen sich", meint Sam.
"Ich werde persönlich dafür Sorge tragen, dass das nicht mehr vorkommt", versichert der Außenminister.
"Gut, dann zum heutigen Besuch. Warum wurden wir hergebeten?"
"Herr Außenminister, ich wollte sie persönlich kennenlernen und sie dabei über die neuen Machtverhältnisse im Kreml informieren", meldet sich Kakarov zu Wort.
Er geht dabei auf Sam zu und hält ihm die Hand hin. Dieser nimmt und schüttelt sie. Sein Lächeln im Gesicht erreicht die Augen nicht. Es ist aufgesetzt und das so, dass man das sogar zweifelsfrei sehen kann.
"Darf ich ihnen meine Beraterin vorstellen, das ist Anastasia Serinskaya."
"Ich habe von ihr gehört", meint der Tschetschene.
Dabei würdigt er mich jedoch keines Blickes. Er zeigt deutlich, dass ihn nicht interessiert, wer ich bin oder warum ich da bin. Sam aber scheint dies ganz und gar nicht zu gefallen.
"Was Frau Serinskaya sagt, gilt, als hätte ich es gesagt", stellt er klar.
"Aber nicht doch. Wir Männer brauchen uns nicht von Frauen dreinreden zu lassen."
"Ich lasse mich beraten und bin Frau Serinskaya sehr dankbar für ihre Meinung. Ich empfinde dies nicht als Dreinreden."
"Ach, setzen sie sich doch."
Kakarov scheint definitiv der neue starke Mann zu sein. Vor allem die Körpersprache der beiden lässt keinen Zweifel offen. Zudem hält sich Labradorov deutlich im Hintergrund. Kakarov ist hingegen der, der spricht und spontan antwortet. Für mich ist klar: Der Tschetschene hat das Sagen.
Wir folgen der Einladung und setzen uns an den Tisch. Ich nehme zu Sams Rechten Platz, auf meiner rechten Seite lässt sich Ekaterina nieder. Auf der linken Seite von Sam nehmen zunächst der Botschafter und dann einige Beamte Platz. John bleibt neben seiner Freundin.
"Wie sie wissen, ist Popov einem heimtückischen Attentat zum Opfer gefallen", eröffnet Kakarov.
"Wir waren beim Staatsakt dabei und sind tief betrübt über das Ableben des Präsidenten", entgegnet Sam.
"Wir mussten die große Lücke, die diese grässliche Tat gerissen hat, möglichst schnell wieder füllen und haben beschlossen, dass mit Außenminister Labradorov in diesem Amt Kontinuität bewahrt werden soll. Ich übernehme die Führung des Staates bis freie Wahlen angehalten werden können."
Er macht eine kurze Pause und ich muss beinahe lachen. Wenn dieser Mann von freien Wahlen spricht, dann klingt das, wie ein schlechter Scherz. Aber das darf man in dieser Runde nicht sagen.
Mein Gesicht allerdings spricht vermutlich Bände. Als Kakarov mir einen Blick zuwirft, kann er darin lesen, was ich denke, und seine Mine verfinstert sich sichtlich. Auch Sam sagt nichts. Deshalb sieht sich Kakarov genötigt, weiterzusprechen.
"Ich möchte ein altes Thema neu aufgreifen und einen Waffenstillstand mit der Ukraine vorschlagen."
"Da müssen sie mit der Ukraine sprechen", wirft Sam sofort ein.
"Herr Außenminister, wir wissen doch beide, dass die USA auf Seite der Ukraine stehen und sehr wohl vermittelnd wirken könnten."
"Ein Waffenstillstand kommt nur in Frage, wenn alle russischen Soldaten mein Heimatland verlassen, haben", stelle ich daraufhin klar.
Kakarov schaut kurz zu mir, schenkt mir einen Blick, wie einem unartigen Kind und wendet sich dann wieder an Sam.
"Was sagen sie?", will Kakarov leicht verärgert wissen.
"Sie haben Frau Serinskaya gehört", meint Sam gelassen.
"Ich spreche nicht mit Frau Serinskaya, sondern mit ihnen."
"Soll ich wiederholen, was sie gesagt hat?", kontert Sam.
"Sie sollen ihre eigene Meinung kundtun."
"Ein Waffenstillstand kommt nur in Frage, wenn alle russischen Soldaten mein - äh - ihr Heimatland verlassen, haben", spricht mein Freund genau die Worte nach, die ich bereits zuvor gesagt habe. Dabei grinst er von einem Ohr zum anderen.
"Das kann doch nicht ihr Ernst sein?"
"Warum nicht?", mische ich mich wieder ein.
"Mein Täubchen, sie sollten schweigen, wenn die Männer reden", fährt mir Kakarov über den Mund.
"Und wenn die Männer - eigentlich nur einer von ihnen - Blödsinn redet?"
"Ich rede keinen Blödsinn, du dumme Pute!", faucht er mich an.
"Oh, oh", grinse ich. "Da ist einer aber sehr undiplomatisch."
"Weißt du was, du dumme Fotze?", braust er auf. Dabei erhebt er sich sogar vom Stuhl. "Schlampen wie du, sind zum Vögeln da und zu nichts anderem!"
"Das reicht!", faucht nun Sam verärgert. "Wir gehen. So etwas müssen wir uns nicht bieten lassen."
Mit Zornesröte im Gesicht springt er auf. Alle Mitglieder unserer Delegation erheben sich ebenfalls, außer mir. Ich bleibe gelassen sitzen und lächle provozierend.
"Herr Außenminister, warten sie doch", will Labradorov beschwichtigen. "Das war nicht so gemeint."
Dabei wirft er dem Tschetschenen einen strafenden Blick zu. Dieser allerdings schaut immer noch vor Wut schnaubend in meine Richtung. Dabei stemmt er die Hände auf dem Konferenztisch ab. Er hat alles um sich herum ausgeblendet.
"Wissen sie, was ihr Problem ist? Das gleiche, wie bei allen russischen Diktatoren. Sie sind überheblich und ungehalten", sage ich ruhig und überlegt.
Nun erst stehe auch ich auf und lächle den Mann an. Ich will ihm zeigen, dass ich vor ihm keine Angst habe.
"Du wirst mir noch in die Finger kommen und dann Gnade dir Gott!", faucht er in meine Richtung.
"Auf ein Wiedersehen!", sage ich.
Dann drehe ich mich um und folge Sam sowie den anderen aus dem Raum. Da sie ein paar Schritte Vorsprung haben, bin ich etwas hinter ihnen.
"Was glaubt denn diese dreckige Fotze? Die werde ich kriegen und dann ficke ich sie so lange, bis sie nicht mehr kann und zugibt, dass sie nur ein Loch ist, ein verdammtes Loch, das nur zum Vögeln da ist", höre ich Kakarov schnauben.
Dann bin auch ich aus dem Raum und hole zu den anderen auf. Mein Eindruck und meine Befürchtungen haben mich nicht getäuscht. Der Tschetschene ist noch schlimmer als Popov. Ich hoffe, das endet nicht in einem Desaster.
Kapitel 15
Noch auf der Rückfahrt zur Botschaft erreicht Sam ein Anruf. Ich kriege nicht viel mit, weil ich die andere Seite nicht höre und Sam nicht viel spricht. Erst als er das Gespräch beendet hat, schaut er mich an.
"Wir müssen heute noch weiter nach Brüssel."
"Nach Brüssel?"
"Treffen der NATO-Außenminister."
"Ist dein Leben immer so voller Termine?"
"In letzter Zeit schon", grinst er. "Aber zumindest bin ich nicht allein."
Wir fahren zur Botschaft in Moskau, um uns Kleider zu holen, dann geht es auch schon weiter zum Flughafen. Diesmal lasse ich Christopher fliegen, auch wenn er mir anbietet, erneut zu übernehmen. Ich bin zu aufgebracht über das Erlebte und lasse mich lieber in einen der Sessel im hinteren Bereich plumpsen.
"Das war heftig", meint Ekaterina. Sie hat bisher nichts zu dem Vorfall gesagt.
"Was hast du dir von einem Hinterwäldler wie Kakarov anderes erwartet?", frage ich.
"Selbst seinem Außenminister war die Situation peinlich", meint Sam. "Du hast ihn aber auch ganz schön aus der Reserve gelockt."
"Was habe ich denn so Schlimmes gesagt, dass er dermaßen ausflippen muss? Ich denke, allein meine Anwesenheit und, dass ich überhaupt etwas gesagt habe, hat ihn auf die Palme gebracht."
"Er hält nicht viel von Frauen."
"Das muss ich mir aber nicht gefallen lassen. Ich glaube, ihn hat provoziert, dass ich trotz allem so ruhig geblieben bin."
"Das ist dir echt gut gelungen", meint Ekaterina. Ich kann Anerkennung in ihrer Stimme erkennen.
"Dieser Vorfall war aber nicht gut. Er hat zwar sein wahres Gesicht gezeigt, aber ich habe einen persönlichen Feind mehr."
"Der hätte dich so oder so nicht gemocht. Er weiß genau, dass du in irgendeiner Form mit dem Tod seines Freundes Popov zu tun hast. Von dem hast du keinen Blumentopf zu erwarten", grinst Sam.
"Ich traue ihm aber alles zu und ich bin mir sicher, wenn auch Popov es nicht geschafft hat, die Jagd auf mich zu eröffnen, so übernimmt dies nun sein Kumpel."
"Das könnte sein. Du musst vorsichtig sein."
"Das werde ich."
"Soll ich mehr Sicherheitsleute für dich anfordern."
"Ich kann auf mich selbst aufpassen. Ich mache mir eher Sorgen um dich."
"Solange du bei mir bist, kann mir nicht viel passieren", meint er.
"Ich bin mir da nicht so sicher, ob ich nicht die Gefahr erst anziehe."
"Wir werden damit klarkommen."
Wir landen wenig später in Brüssel und auch von hier aus geht es in einem Konvoi zur Botschaft. Noch bevor wir unsere Räume aufsuchen können, ruft Sam den Sicherheitschef zu sich.
"Ja, Herr Außenminister", meldet er sich wenig später.
"Sie müssen die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Botschaft verstärken. Zumindest so lange Frau Serinskaya in Brüssel ist."
"Warum das?"
"Ich fürchte, die Russen haben es auf sie abgesehen."
"Auf die Beraterin des Außenministers?", will er ungläubig wissen.
"Das hat seine Gründe", mische ich mich ein. Ich will kein großes Aufheben machen und ich will auch keine Erklärungen abgeben. "Ich bräuchte aber Waffen. Am besten einen Revolver und ein Messer, das ich mir ans Bein schnallen kann."
"Sie sind Beraterin des Außenministers und keine Personenschützerin. Ein Messer und ein Revolver sind kein Spielzeug", meint er abwehrend. Man sieht ihm deutlich an, dass er nichts davon hält, mir Waffen zu geben.
"Ich bin ausgebildete Agentin des ukrainischen Geheimdienstes. Ich kann mit Waffen umgehen."
Der Mann wirft Sam einen fragenden Blick zu. Er weiß offenbar nicht, ob er mir diesen Wunsch ausschlagen kann oder nicht. Er traut sich wohl nicht von sich aus, meine Bitte abzulehnen. Seinem Blick nach hofft er jedoch, dass ihm Sam diese Entscheidung abnimmt.
"Geben sie Frau Serinskaya alles, was sie haben will", würgt jedoch Sam die Diskussion ab. Die Aussage ist mehr als klar.
"Ich bringe ihnen das Gewünschte", lenkt der Sicherheitschef nach kurzem Zögern ein. Ihm ist anzusehen, dass ihm dies zwar nicht recht ist, er aber nichts dagegen machen kann.
"Wir gehen nun in unsere Gemächer. Morgen findet das Treffen der NATO-Außenminister statt", informiert uns Sam.
"Da kann Anastasia wohl einiges berichten", grinst Ekaterina.
Wir gehen in unsere Räume und als Sam hinter uns die Zimmertür schließt und wir endlich allein sind, bleibe ich kurz an die Wand gelehnt stehen und holte tief Luft.
"Das ist alles etwas viel", meint er.
"Was meinst du?"
"Kakarov und seine Drohungen."
"Die machen mir weniger aus. Ich bin es nur nicht gewohnt, so wichtige Gespräche zu führen."
"Weil du glaubst, nur eine einfache Agentin zu sein?"
"Bei uns werden Frauen nicht oft in solche Gespräche eingebunden. Deshalb bin ich nicht darauf vorbereitet. Außerdem siehst du, wie es läuft, wenn man Typen, wie diesem Tschetschenen gegenübersteht."
"Der ist ein ausgesuchtes Arschloch."
"Hast du eine Ahnung, wie viele solcher Arschlöcher es auf der Welt gibt? Er ist sicher nicht der einzige Mann, der sich so verhält."
"Da kannst du auch wieder recht haben", meint er nachdenklich. "Hast du Angst vor ihm?"
"Ich werde vorsichtiger sein. Aber Angst habe ich nicht. Ich lass mich sicher nicht von diesem Mann in meinen Entscheidungen beeinflussen."
"Aber ich mache mir Sorgen um dich, mein tapferes Mädchen", meint er.
Dabei streicht mir Sam sanft über die Wange. Sein Blick ist voller Liebe. Ich bin sehr gerührt von dieser liebevollen Geste. Deshalb drücke ich meine Lippen auf die seinen und gebe mich einfach nur diesem wundervollen Gefühl hin.
Er legt seine Arme um mich und drückt mich noch enger an sich. Ich schlinge daraufhin die Arme um seinen Hals und ziehe mich das kleine Stück zu ihm hoch. Es ist wunderschön und lässt mich die Welt um uns herum vergessen. Als wir uns voneinander lösen und in den Augen des anderen versinken, gibt es für mich nur noch uns beide.
"So schnell kriegt mich keiner klein", grinse ich. "Einer hat mir bereits gedroht und hat es nicht überlebt."
"Ob du zweimal so viel Glück hast?"
"Ich lasse es auf mich zukommen."
Erneut suche und finde ich seine Lippen. Der Kuss wird noch leidenschaftlicher als der zuvor. Die Lust in mir steigt weiter an und ich versinke in der Umarmung. Ich lasse mich von Sam zum Bett drängen. Sanft lässt er sich und damit auch mich drauffallen. Dabei dreht er uns so, dass ich unter ihm zu liegen komme und er mich unter sich festklemmt.
Ich lasse mich allerdings zu gern darauf ein, von ihm kontrolliert zu werden. Inzwischen habe ich die nötige Ruhe, um mich auch darauf einzulassen. Nur bei ihm kann ich mich, seit der letzten Erfahrung, einfach nur fallen lassen und das voller Vertrauen.
Auch Sam scheint sehr erregt zu sein. Er öffnet langsam Knopf für Knopf meine Bluse und lässt dann eine Hand sanft darunter gleiten. Er sucht und findet meine Brüste, er knetet sie abwechselnd ausgesprochen sanft und es ist unglaublich angenehm. Es ist einfach göttlich, ihn zu spüren.
Nun versuche auch ich, sein Hemd zu öffnen, habe aber Mühe damit, weil ich mich nicht richtig konzentrieren kann. Seine Hände auf meinem Körper, auf meiner nackten Haut, nehmen meine gesamte Aufmerksamkeit in Beschlag. Er hingegen genießt es, meine nackten Brüste zu spüren und zu liebkosen. Meine Brustwarzen recken sich ihm hart und gierig entgegen. Er bemerkt es und zwirbelt sie verspielt.
Während ich mich immer noch mit den ersten Knöpfen seines Hemdes abmühe, wandern seine Lippen zu meiner Halsbeuge und über die Schulter weiter zum Schlüsselbein. Immer wieder saugen sie sich an meiner Hat fest und jagen mir wohlige Schauer über den Körper.
Damit aber nicht genug, Sam macht sich zusätzlich auch an meiner Hose zu schaffen und hat überraschend schnell den Reißverschluss und den Knopf geöffnet. Wenig später spüre ich, wie seine Hand in die geöffnete Hose gleitet und sich dabei auch hinter meinen Slip schiebt.
Die Fingerkuppen streichen sanft meinen Unterbauch nach unten, weiter zu meinem Schamhügel und schließlich weiter, um sich besitzergreifend auf meine Spalte zu legen. Ich hole überrascht Luft, als der Mittelfinger durch meine Spalte geschoben wird und dabei meine Schamlippen teilt, um zwischen ihnen hindurchzugleiten. Dabei schenkt er mir unglaublich schöne Empfindungen.
Ich bin unglaublich stark erregt, meine Säfte fließen in Strömen und ich drücke mein Becken gierig nach oben und damit seiner Hand entgegen. Ich bekomme mit, wie er lächelt, während seine Lippen immer noch auf meiner Haut liegen und immer wieder sanfte Küsse auf sie hauchen.
Völlig überraschend schiebt er den Mittelfinger schließlich in meine überlaufende Spalte. Dabei bäume ich mich voller Verlangen auf und stöhne laut. Er aber macht unbeirrt weiter. Er bewegt sich aufreizend in meinem Inneren und treibt damit meine Lust immer weiter in ungeahnte Höhen.
Er fingert mich lange und ausgesprochen intensiv. Ich bin nur noch ein Spielball seines Fingers. Ich kann nichts mehr anderes denken und auch nichts anderes tun, als mich auf den Eindringling in mir zu konzentrieren.
Dabei könnte etwas viel Schöneres in mir stecken und ich beginne mich, je länger er in mir wütet, nach seinem Schwanz zu sehen. Aber Sam hält mich mit dem Finger so erregt, dass ich nicht anders kann, als mich einfach nur ihm hinzugeben.
Sam genießt es, mich zu beherrschen, das weiß ich. Aber ich weiß nicht, wie weit er heute noch gehen wird. Seine gezielte Reizung deutet aber darauf hin, dass er mich fertigmachen will. Und so kommt es dann auch, dass er mich erstaunlich schnell über die Klippe bringt und ich mich unter ihm winde, seinen Finger immer noch tief in mir.
Erst als ich matt und schwer atmend auf die Matratze sacke, zieht er sich aus mir zurück. Er hockt sich auf und betrachtet mich. Er befindet sich zwischen meinen Beinen und genießt offenbar den Anblick meines nackten, verschwitzten Körpers.
Ich weiß in diesem Moment, dass er noch nicht mit mir fertig ist, noch lange nicht. Genau darauf freue ich mich, denn ich weiß, dass noch viele erregende Stunden auf mich warten.
Sam beginnt sich langsam auszuziehen. Je mehr Haut er von sich entblößt, umso gebannter schaue ich auf seinen Körper. Er ist so stattlich und er gehört mir. Ja, dieser Mann gehört mir und ich bin stolz, dass es so ist.
Als endlich auch Sam nackt ist, hockt er sich wieder zwischen meine Beine, die er mit einem Lächeln auf den Lippen noch etwas weiter spreizt und macht sich dann mit dem Mund über meine Scham her.
Seine Zunge ist einfach göttlich. Dieser Mann versteht es, eine Frau zu erregen. Als er auch noch ab und zu mit den Fingern mithilft, bin ich schon wieder im Land der Erregung und des Verlangens.
Stöhnend liege ich vor ihm und recke ihm gierig mein Becken und damit meine intimste Stelle entgegen. Er grinst nur und lässt seine Zungenspitze immer wieder neckend über meine Klit huschen. Er weiß genau, dass er mich damit in den Wahnsinn treiben kann.
Und er macht es, er intensiviert sein Spiel an meiner Perle sogar noch etwas mehr und treibt meine Lust damit immer weiter auf die Spitze zu. Als ich schlussendlich loslasse, weil ich es nicht mehr aushalte, entkommt mir ein spitzer Lustschrei, der von ihm mit einem zufriedenen Lächeln quittiert wird.
Diesmal lässt er sofort von mir ab und so kann ich allmählich wieder zu Atem kommen. Mein Puls ist immer noch hoch und erneut hat mir die Anstrengung den Schweiß aus allen Poren getrieben. Er aber beobachtet mich nur mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen.
"Darf ich dich nun verwöhnen?", erkundige ich mich.
"Wenn du das möchtest", grinst er.
"Ja, das möchte ich", antworte ich entschlossen. "Leg dich hin!"
Sam kommt meiner Aufforderung sofort nach und legt sich mit weit ausgestreckten Gliedmaßen aufs Bett. Nun bin ich es, die zwischen seine Beine klettert. Ich beuge mich zu seinem senkrecht aufstehenden Schwanz und lecke erstmals an diesem Abend genüsslich über die Eichel. Ich kann sogar schon einen Lusttropfen erkennen, den ich dabei wegschlecke.
Dann aber nehme ich seinen Prügel in den Mund und umspiele vor allem die Eichel sanft und gekonnt mit meiner Zunge. Ich sauge sachte an ihm und kann ihm immer wieder ein Stöhnen entlocken.
Zunächst spiele ich nur, genieße es, ihn zu schmecken und zu berühren. Dann aber sauge ich immer intensiver, lasse den herrlichen Prügel tiefer in meinen Rachen vorstoßen und konzentriere mich mit der Zunge auf seine empfindlichsten Stellen. Es ist wunderbar.
Sam wird zunehmend erregter. Das zeigt er mir deutlich. Er drückt mir sein Becken auffordernd entgegen, versucht zwischendurch tiefer in meinen Rachen vorzudringen und sein Keuchen wird immer lauter.
Plötzlich stößt er einen brunftigen Laut aus, drückt sich mir noch einmal weit entgegen und spritzt mir dann seine Sahne direkt in den Rachen. Ich nehme alles auf und schlucke es hinunter. Ich liebe inzwischen den Geschmack nach Sex und Verlangen, seinen Geschmack.
Sam versucht noch einige Male zu spritzen, auch wenn es schon längst nicht mehr geht. Sein Samen ist aufgebraucht und es kommen nur noch wenige Tröpfchen etwas mühsam aus der Öffnung an seiner Spitze gequollen. Sein Körper versucht trotz allem noch, sich zu entladen.
Schließlich sackt er erschöpft und schwer atmend aufs Bett. Auch er hat sich etwas verausgabt. Ich habe ihm also einen ausgesprochen schönen und intensiven Höhepunkt schenken können.
Zufrieden lasse ich mich neben ihm aufs Bett fallen und bleibe dort liegen. Ich habe noch immer seinen Geschmack im Mund. Das stört mich nicht im Geringsten. Ich hänge etwas meinen Gedanken nach, wie schön der Sex mit Sam ist.
Dieser erholt sich aber offenbar schneller als ich es erwartet hätte. Plötzlich werde ich zur Seite gedreht und noch bevor ich realisiere, was vor sich geht, ist er über mir und schiebt mir seinen Bolzen in mein Fötzchen. Ich liege auf dem Rücken und er hat meine Beine noch etwas weiter gespreizt, um besser in mich eindringen zu können.
Ich spüre, wie er sich in mich schiebt, wie er von meinem Körper Besitz ergreift und wie er mich ausfüllt und weitet. Ich liebe es, wenn Sam sich in meinen Körper drängt, wenn ich ihn spüre. Heute habe ich ewig lange darauf warten müssen.
Zunächst verharrt er kurz in mir und beginnt mich anschließend langsam und sehr sanft zu stoßen. Es ist angenehm, aber ich weiß, dass ich damit nicht zum Höhepunkt komme. Doch im Augenblick genügt mir das und ich genieße die Reizungen, die er mir damit schenkt.
Auf einmal zieht er sich ganz überraschend aus mir zurück, dreht mich so, dass ich auf dem Buch liege und dringt nun von hinten in mich ein. Ich versuche meinen Po etwas nach oben zu pressen, um ihm damit entgegenzukommen. Je heftiger er jedoch zustößt, umso schwieriger wird dies. Er presst mich schon bald mit seinem Gewicht jedes Mal hart auf die Matratze und nagelt mich dort fest.
Ich versuche trotzdem, so gut es eben geht, mich ihm entgegenzustemmen. Aber ich genieße auch den Pfahl, der sich immer und immer wieder in mich bohrt. Er ist einfach herrlich und schenkt mir Empfindungen, die unglaublich intensiv sind.
Erneut lässt er plötzlich von mir ab. Ich will schon protestieren, da zieht er meinen Hintern in die Höhe und gibt mir damit zu verstehen, dass ich mich in die Hündchenstellung begeben soll.
Kaum, dass ich diese eingenommen habe, dringt er erneut in mich ein und fickt mich nun, wie ein Tier. Sam ist nun enthemmt. Er hämmert sein Becken gegen meinen Hintern und rammt mir damit jedes Mal seinen hammerharten Bolzen in mein Döschen. Es ist hart, aber auch unglaublich erregend. Er treibt mich fast bis zum Orgasmus, lässt dann aber gerade im letzten Augenblick schon wieder von mir ab.
Diesmal dreht er mich herum, dass ich wieder auf dem Rücken liege. Heute scheint Sam alle Stellungen durchmachen zu wollen. Erneut ist er über mir, zwängt sich zwischen meine Schenkel und rammt mir seinen Speer in den Körper.
Diesmal fickt er mich in langen Zügen, dringt tief in mich ein und füllt mich unglaublich aus. Ich werde sofort wieder von meiner Lust gepackt und diesmal fickt er mich bis zum Höhepunkt und darüber hinaus.
Als der Orgasmus über mich hereinbricht, werde ich von heftigen Kontraktionen erfasst und gebe mich einfach nur noch meinem Orgasmus hin. Es ist wunderschön. Ich verliere mich in diesem wundervollen Gefühl.
Ich bekomme mit, wie auch Sam zum Abschluss kommt und seinen Samen in mich pumpt. Auch sein Höhepunkt ist ausgesprochen stark und so stößt er immer und immer wieder zu, auch dann, als er sich schon lange ausgespritzt hat.
Erst nach einiger Zeit lässt er sich fix und fertig neben mir aufs Bett fallen und bleibt dort reglos liegen. Sein Atem geht heftig. Er ist völlig erschöpft und muss sich erholen. Mir geht es nicht anders. Auch mein Herz klopft mir bis zum Hals und ich muss schwer atmen. Aber ich bin glücklich. So heftigen Sex hatten wir schon lange nicht mehr.
Kapitel 16
Zusammen mit Ekaterina und John fahren Sam und ich zum Tagungsort der NATO-Außenminister. Wir hätten heute früh beinahe verschlafen. Gestern sind wir gleich nach dem Sex eingeschlafen und haben vergessen, den Wecker zu stellen.
Hätte meine Freundin nicht gegen unsere Zimmertür geklopft - ach, was sage ich, gehämmert - und uns damit aus dem Schlaf geschreckt, würden wir vermutlich immer noch im Bett liegen.
Ohne Frühstück mussten wir uns auf den Weg machen, um noch rechtzeitig zu sein. Ich komme mir vor, wie zwei Teenager, denen alles egal ist, weil sie verliebt sind. Dabei kommt vor allem Sam eine wichtige Rolle bei diesem Nato-Treffen zu. Als Vertreter der USA und damit der mächtigsten Nation im Bündnis, hat er ein gewichtiges Wort mitzureden.
Als wir vor dem NATO-Gebäude vorfahren, blicke ich zunächst beeindruckt nach oben. In diesem Haus werden wichtige Entscheidungen getroffen, überlege ich. Beinahe ehrfürchtig folge ich Sam zum Eingang, Ekaterina und John dürfen uns als Sicherheitsleute begleiten.
Kaum, dass wir die Eingangstür erreichen, werden wir von zahlreichen Reportern und Kameras umringt. Alle wollen Sam Fragen stellen. Sie wollen meist wissen, was Sam seinen Amtskollegen berichten wird.
"Meine Damen und Herren, sie müssen schon verstehen, dass ich ihnen nicht jetzt schon sagen kann, was ich in diesem Gebäude meinen Bündnispartnern berichten werde. Es gehört einfach zum guten Ton, dass sie nicht über die Presse erfahren, was ich ihnen sagen werde."
Einige der Anwesenden murren und versuchen, ihn doch noch zu einer Stellungnahme zu bewegen. Als er ihnen jedoch versichert, nach dem Treffen alle Fragen zu beantworten, jetzt aber noch nichts sagen wird, verpufft das Interesse an seiner Person und wir können endlich das Gebäude betreten.
"Du lernst dazu", raune ich ihm zu.
"Wie meinst du das?"
"Du hast gesagt, warum du nichts sagen kannst. Du hast einen guten Grund und ein vernünftiger Mensch akzeptiert dies."
"Ist das ein Lob", grinst er.
"Ein dickes noch dazu", kichere ich.
"Bekomme ich auch eine Belohnung?"
"Was möchtest du denn haben?"
"Das überlege ich mir noch", meint er verschmitzt.
"So wie ich dich kenne, können wir die Belohnung hier sowieso nicht einlösen", kichere ich.
Wir haben inzwischen den Sitzungssaal erreicht. In der Mitte steht ein riesengroßer ovaler Tisch, an dem bereits einige Männer und Frauen sitzen. Sam weiß offenbar genau, wo er hingegen muss und als er mir einen Platz anbietet, steht vor mir ein Schild mit "USA" drauf. Der Platz neben mir ist hingegen eindeutig für den US-Außenminister reserviert. Das Schild vor ihm trägt seinen Namen und auch seine Bezeichnung.
Ekaterina und John bleiben im Hintergrund. Am Tisch ist nur Platz für uns beide. Sie setzen sich auf Stühle, die an der Wand aufgereiht stehen und wo auch andere Sicherheitsleute Platz genommen haben.
Noch herrscht eher Chaos im Raum. Alle reden durcheinander. Ich kann nicht sagen, ob es bei diesen Treffen immer so zugeht oder ob die Außenminister heute besonders aufgeregt sind.
Ich bleibe einfach ruhig sitzen und beobachte. Ich kenne nur wenige der Anwesenden und auch die nur aus dem Fernsehen. Persönlich habe ich bisher nur den britischen Außenminister kennen gelernt.
Ab und zu bleibt jemand bei Sam stehen, grüßt ihn und wechselt ein paar Worte mit ihm. Bei solchen Gelegenheiten stellt er mich auch vor immer und die meisten reichen mir die Hand, um mich zu begrüßen.
Als die Sitzung endlich beginnt, wird zunächst die Frage aufgeworfen, wie sich das Machtverhältnis in Russland verschoben hat. Sam berichtet, dass wir gestern aus Moskau angereist sind. Er erzählt von der Aufteilung der Macht zwischen Labradorov und Kakarov, so wie sie es uns geschildert haben.
Ich bin beruhigt, als er sich überraschend bedeckt hält und nichts von meiner verbalen Auseinandersetzung mit dem Tschetschenen erwähnt. Er ist wohl derselben Meinung, wie ich, dass dies nichts mit der internationalen Gemeinschaft zu tun hat. Dabei geht es wohl eher um den Tschetschenen und mich. Ich bin Kakarov als Frau wohl zu aufmüpfig. Nicht einschätzen kann ich, ob er glaubt, dass ich etwas mit Popovs Tod zu tun habe.
Die Außenminister reden alle durcheinander. Jeder hat eine etwas andere Einschätzung von der sich nun abzeichnenden Situation. Ich beobachte nur und auch Sam mischt sich nicht sonderlich oft in die Gespräche ein. Wozu auch? Wir haben uns bereits eine Meinung bilden können und die anderen sollten wohl besser ihre eigenen Erfahrungen mit den Machthabern in Moskau machen.
Am Ende der Sitzung machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Wir kehren nach Washington zurück.
Als wir gemütlich im Flieger sitzen, lehne ich mich gegen Sams Schulter. Ich kann in seiner Nähe unglaublich gut entspannen. Ich muss heute wieder einmal daran denken, wie sich mein Leben verändert hat.
Ich war ein einfaches Mädchen, in einem kleinen Ort in der Nähe von Kiew. Ich wollte mutig sein und habe mich für den Geheimdienst gemeldet. Sie haben gesagt, ich sei ein sportliches und intelligentes Mädchen und haben mir angeboten, mich zur Agentin auszubilden. Das hat mir Spaß gemacht. Ich habe eine ganz neue Welt kennengelernt.
Mit meiner ersten Mission hat sich mein Leben erneut verändert. Ich war als Model tätig und habe dem Feind erhebliche Verluste zugefügt. Ich habe ihn an ausgesprochen empfindlichen Stellen getroffen und schwere Schäden zugefügt. Dann aber bin ich auf ein russisches und schließlich auf ein amerikanisches U-Boot gelangt.
Ich lebe nun in den USA und habe die meiste Zeit mit wichtigen Menschen zu tun. Wohl eher mit Menschen, die glauben, wichtiger zu sein als die anderen. Allerdings habe ich, so zumindest mein Eindruck, recht schnell gelernt, mich in dieser Welt zu bewegen.
Plötzlich überkommt mich ein Gedanke. Ich habe meine Eltern schon lange nicht mehr gesehen. Schon während meiner Ausbildung waren die Besuche zu Hause ausgesprochen selten. Seit ich zu meinem Einsatz auf die Krim gereist bin, hatte ich gar keinen Kontakt mehr. Schon vor meinem Aufbruch war ich bereits ein halbes Jahr nicht mehr bei meinen Eltern gewesen.
Mich überkommt Sehnsucht. Ich möchte meine Eltern und Geschwister endlich wieder einmal in die Arme schließen können. Es ist nicht Heimweh, aber mir fehlen eben jene Menschen, die über sehr viele Jahre hinweg die wichtigsten Personen in meinem Leben waren.
"Du Sam?", frage ich.
"Ja, mein Schatz?"
"Meinst du, ich könnte meine Familie besuchen?"
"Du willst in die Ukraine?"
"Es sind inzwischen viele Monate, in denen ich sie nicht mehr gesehen habe. Kannst du mich ein kleines Bisschen verstehen?"
"Ich kann dich sogar sehr gut verstehen. Dir ist aber hoffentlich klar, dass eine solche Reise gefährlich ist."
"Mein ganzes Leben ist gefährlich, zumindest seit einiger Zeit", antworte ich ernst.
"Ich werde schauen, was ich machen kann", meint er.
Mir ist klar, er kann auf eine solche Frage nicht sofort mit Ja oder Nein antworten. Er muss sich informieren, wie die Sicherheitslage vor Ort ist und ob er es verantworten kann, dass ich dorthin fahre. Außerdem muss er vermutlich auch abklären, wie ich diese Reise antrete und sie mit den Behörden in der Ukraine koordinieren.
Aus diesem Grund insistiere ich nicht länger und kuschle mich wieder an ihn. Ich weiß, dass Sam meinen Wunsch auch so ernst nehmen wird. Der Flug verläuft ausgesprochen ruhig und ich genieße es, bei Sam zu sein und entspannen zu können.
In Washington erwartet uns die inzwischen gewohnte Wagenkolonne. Der Sekretär informiert Sam, dass der Präsident uns sprechen möchte, und so fahren wir zunächst ins Weiße Haus.
Wir werden ins Oval Office geführt, ins Heiligtum, das wichtigste Symbol von Macht in den USA. US-Präsident William Hard, begrüßt uns herzlich. Er bietet uns auf der Couch Platz an.
Ich komme mir ausgesprochen wichtig vor, weil ich hier sitze. Auch ich kenne diese Couch aus dem Fernsehen. Jedes Mal, wenn sie gezeigt wird, sitzen wichtige Leute drauf. Und nun bin ich in diesem Raum und darf hier Platz nehmen.
Sam und ich berichten über unseren Besuch in Moskau. William teilt dabei unsere Einschätzung, dass sich die Lage wohl nicht verbessert hat und Kakarov vermutlich noch etwas skrupelloser sein dürfte als Popov. Auch der Präsident schätzt ihn so ein, dass er das Einmaleins der Diplomatie nicht kennt, sondern nur die Sprache von Macht und Gewalt.
"Anastasia, darf ich dich unter vier Augen sprechen", meint plötzlich der Präsident.
Dabei schaut er mich bittend an. Ich hingegen blicke zwischen William und Sam hin und her. Ich verstehe nicht, was der amerikanische Präsident mit mir besprechen will, was Sam nicht hören darf oder nicht hören soll.
Sam zuckt nur mit den Schultern und gibt mir damit zu verstehen, dass auch er nicht weiß, was das soll. Aber er signalisiert mir gleichzeitig, dass er nichts dagegen hat.
"Von mir aus", meint Sam dann auch laut.
Damit kann ich mich nicht mehr dem Wunsch des Präsidenten entziehen. Also stimme ich zu und erhebe mich.
"Gehen wir etwas in den Garten. Die Sonne scheint heute so schön", meint William.
Auch er steht auf und nimmt mich galant um die Taille. Es ist keine anzügliche Geste, sondern eher ein Zeichen väterlicher Vertrautheit. Als ich mich noch einmal zu Sam umschaue, erhasche ich seinen etwas ratlosen Blick.
Eine Zeit lang gehen wir schweigend nebeneinanderher. Den Sicherheitsleute, die uns folgen wollen, gibt er ein Zeichen, dass sie zurückbleiben sollen. Auch sie schauen uns unsicher und leicht irritiert hinterher. Offenbar kommt es nicht oft vor, dass der Präsident allein sein will.
Als wir sicher sein können, dass niemand uns hören kann, bleibt William stehen. Er hat inzwischen meine Taille losgelassen und wir stehen uns direkt gegenüber.
"Sam hat sich wesentlich zum Besseren verändert, seit er mit dir zusammen ist", beginnt er.
"Das kann ich nicht beurteilen. Ich finde, er ist ein wunderbarer Mann. Aber wie er war, bevor ich ihn getroffen habe, das kann ich echt nicht beurteilen."
"Du kannst es mir glauben."
"Wie sollte ich dem US-Präsidenten nicht glauben", antworte ich schmunzelnd. "Es freut mich, zu hören, dass ich einen positiven Einfluss auf ihn habe. Ich verstehe allerdings nicht, warum."
"Es ist aber nicht nur das, die Leute lieben auch dich. Deine Art, dich zu geben und mit der Presse zu sprechen, ist neu und wohltuend. Die Menschen in diesem Land vertrauen dir, sie glauben dir, dass du ehrlich bist und offen."
Nun schaue ich ihn irritiert an. Ich frage mich, was der Mann von mir will. Ich habe den Eindruck, das dicke Ende kommt erst noch. Bisher waren es nur Schmeicheleien.
"Was ist los, William?", frage ich deshalb direkt. "Du brauchst mir keinen Honig ums Maul zu schmieren."
"Du weißt, dass in etwas über einem Jahr Neuwahlen anstehen."
"Das wusste ich nicht, aber wenn du es sagst, wird es wohl stimmen."
"Ich könnte noch einmal antreten. Aber ich bin müde. Die Welt hat sich verändert und sie braucht neue Gesichter, frische Leute, die Schwung und Elan mitbringen."
"Was willst du mir damit sagen? Ich glaube nicht, dass ich für das Amt des US-Präsidenten kandidieren darf", lache ich ein wenig schräg.
"Du könntest das echt nicht, weil du keine US-Bürgerin bist, auch wenn du durchaus bei den Wählern gute Chancen hättest", lacht nun auch er.
"Ja, was denn dann?", frage ich leicht genervt. Er soll endlich heraus mit der Sprache.
"Ich würde gerne Sam als meinen Nachfolger sehen."
"Dann frage ihn."
"Ich frage aber lieber dich."
"Warum mich?"
"Weil du einen guten Einfluss auf ihn hast."
"Dir ist klar, dass ich Sam zu nichts überreden oder drängen werde."
"Das habe ich schon befürchtet", grinst nun auch er. "Mir ist nur wichtig, dass du ihn unterstützt. Außerdem muss dir bewusst sein, dass du ihn dann heiraten musst."
"Ich muss Sam heiraten, damit er als US-Präsident kandidieren kann?"
"Wir Amerikaner sind ausgesprochen konservativ."
"Das dachte ich früher auch."
"Früher?", will er etwas verwirrt wissen.
"Seit ein bestimmter Dagobert La Mar eine Affäre mit einem Pornostar haben durfte und sogar verurteilt wurde, weil er eine Frau vergewaltigt hat, bin ich mir da nicht mehr so sicher."
"Das stimmt, La Mar darf so einiges, wo früher nur ein Bruchteil einem Kandidaten das politische Genick gebrochen hätte", stimmt er mir zu.
"Was ist eigentlich mit La Mar?"
"Er wird noch einmal antreten, das ist so gut wie sicher."
"Oh Gott, in Washington La Mar, in Moskau Kakarov. Das könnte eine fürchterliche Mischung werden."
"Und genau, um diese Katastrophe zu vermeiden, muss Sam bei den Wahlen antreten."
"Sam soll die Welt retten?", lache ich.
"Er ist schließlich nicht allein. Mit dir an seiner Seite, könnte sogar die Rettung der Welt gelingen."
"Du hast echt Humor."
"Galgenhumor", grinst er.
"Die Welt steht echt am Abgrund, wenn ich zu Hilfe kommen muss, um sie zu retten", lache ich ein wenig sarkastisch.
"Was sagst du?"
"Was soll ich sagen?"
"Redest du mit Sam?"
"Ich werde mit ihm reden. Ich werde ihn aber nicht überreden."
"Damit kann ich leben. Wenn du der Kandidatur nicht prinzipiell negativ gegenüberstehst und ihn heiraten würdest, dann bin ich zufrieden."
"Dir ist schon klar, dass es zum Heiraten zwei braucht."
"Das ist mir klar", sagt er. "Danke, Anastasia."
Er zieht mich in eine Umarmung, eine väterliche Umarmung. Dann machen wir uns schweigend auf den Rückweg. Ich hänge meinen Gedanken nach. Wo bin ich da nur hineingeraten.
Nach unserer Rückkehr ins Oval Office verabschieden wir uns und Sam und ich machen uns auf den Weg zum Wagen.
"Was wollte der Präsident von dir?"
"Er hat mich gebeten, mit dir darüber zu sprechen, dass du dich als nächster Präsident der Vereinigte Staaten bewerben sollst."
"Er will was?"
"Er möchte, dass du der nächste US-Präsident wirst."
"Und da redet er mit dir?"
"Er hat wohl gehofft, dass ich dich überrede."
"Und, willst du das?"
"Nein, ich werde dich nicht überreden. Du sollst frei entscheiden. Aber ich werde hinter dir stehen, egal welche Entscheidung du triffst."
"Dir ist klar, dass sich dann unser Leben ändern wird."
"Das kann ich mir vorstellen. Aber, wie ich schon gesagt habe, ich werde hinter dir stehen, egal was du dazu sagst. Mir ist nur wichtig, dass ich bei dir und mit dir zusammen sein kann."
Sam schaut mich unsicher an. Er ist von dem Vorschlag völlig überfordert, was ich auch gut verstehen kann.
"Denk darüber nach, wir reden in ein paar Tagen darüber. Zunächst musst du dir überlegen, wie du die Sache siehst", biete ich an.
"Das ist sicher keine schlechte Idee", antwortet Sam.
Kapitel 17
Wir sind seit etwa zwei Wochen wieder in Washington. Da andere Themen auf der weltpolitischen Agenda stehen, verbringen Sam und ich die Tage meist getrennt voneinander. Umso mehr liebe ich es, wenn ich mich am Abend an ihn kuscheln kann. Heute ist er sogar etwas früher heimgekommen und wir sitzen auf dem Sofa im Wohnzimmer.
"Wir werden in zwei Tagen den ukrainischen Präsidenten besuchen", eröffnet mir plötzlich Sam.
Ich döse im Halbschlaf vor mich hin, bin aber nach dieser Ankündigung augenblicklich hellwach. Sofort richte ich mich auf und schaue Sam an.
"Dein Ernst? Wir reisen nach Kiew?"
"Ein Besuch dort ist schon lange überfällig", grinst er.
"Und du meinst, ich könnte bei dieser Gelegenheit einen kurzen Abstecher in ein kleines Dorf in der Nähe machen?"
"Nicht du, wir!"
"Wir? Du willst mitkommen?"
"Ich muss mich doch deiner Familie endlich einmal vorstellen", grinst er.
"Du willst meine Familie kennenlernen?", frage ich völlig enthusiastisch.
Dabei schlinge ich die Arme um seinen Hals und ziehe ihn zu mir her. Meine Lippen presse sich auf die seinen und ich küsse ihn, wie selten zuvor. Seine Ankündigung, dass ich meine Familie wiedersehen werde und er mich dabei begleitet, ist das Größte. Ich kann endlich meiner Familie meinen Freund vorstellen.
"Ist das mit uns für dich sicher genug?", frage ich zur Vorsicht noch einmal nach.
"Wenn es für dich sicher genug ist, dann ist es das auch für mich. Ich will mit dir zusammen sein. Daran gibt es keinen Zweifel."
"Ich freue mich so sehr, meine Familie zu sehen", gestehe ich.
"Deshalb habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit wir sie besuchen."
Er küsst mich und ich lasse mich auf den Kuss ein. Er hat mir die größte Freude gemacht, die er hat machen können. Sanft streichelt er meinen Körper, erregt mich und nimmt schließlich von meinem Körper Besitz.
Bereitwillig gebe ich mich ihm hin. Ich liebe diesen Mann und ich kann mir keinen besseren vorstellen. In dieser Nacht liebt er mich sanft und ausgesprochen liebevoll. Ich genieße es. Es ist nicht der leidenschaftliche Sex, wie wir ihn sonst oft haben, es ist dieses Mal ruhig und zärtlich, es ist wunderschön.
Am nächsten Tag trennen sich wieder einmal unsere Wege. Ich habe alle Hände voll zu tun, um Geschenke zu kaufen und für uns beide einzupacken. Bei den Geschenken muss ich nicht lange überlegen. Ich besorge vor allem praktische Dinge für meine Eltern und auch einige Süßigkeiten für meine Geschwister.
Sam, der am Abend nach Hause kommt, lacht mich beinahe aus. Er blickt mich belustigt an.
"Anastasia Serinskaya, du bist ja aufgeregt."
"Wärst du das nicht, wenn du nach über einem Jahr deine Eltern wiedersiehst?", antworte ich leicht verärgert.
"Ich kann dich verstehen. Deshalb habe ich alles unternommen, um dir diesen Wunsch zu erfüllen", meint er beschwichtigend.
Dabei nimmt er mich liebevoll in den Arm und hält mich fest. Zunächst lege ich meine Wange an seine Brust und höre seinem Herzschlag zu. Bei ihm fühle ich mich geborgen und zu Hause.
"Du bist der Beste!", sage ich liebevoll und küsse ihn.
Als wir tags darauf zum Flughafen fahren, kontrolliere ich gefühlt hundertmal, ob ich wirklich alles dabeihabe. Für den Besuch beim Präsidenten habe ich ein schickes Kleid eingepackt, für den Besuch bei mir zu Hause, saloppe Kleidung, wie ich sie öfters trage, wenn ich keine offizielle Aufgabe erfüllen muss.
Ich habe auch eine Kombination aus Hose und Jacke dabei, die ich zwar im Alltag tragen kann, die aber auch kampftauglich ist. Ich will kleidertechnisch vorbereitet sein, sollte es wider Erwarten zu einer brenzligen Situation kommen. Das wurde mir so anerzogen.
Im Flugzeug nimmt mich Sam in den Arm und hält mich fest. Das gibt mir zumindest ein wenig Ruhe. Er verwickelt mich in ein belangloses Gespräch und so vergeht die Zeit relativ schnell. Ich bin im dankbar für seine Nähe und für seine aufmerksame Art.
Wir fliegen nach Polen und reisen von Warschau aus mit dem Zug weiter. Mit dem Flugzeug direkt nach Kiew zu reisen, wäre zu gefährlich. Immerhin befindet sich das Land in einem Krieg. Auch so ist es schon gefährlich genug, dorthin zu reisen.
Erneut liege ich in den Armen meines Freundes. Das monotone Rattern des Zuges wirkt einschläfernd und so dösen wir vor uns hin. Auch Ekaterina und John, die uns begleiten, müssen sich bemühen, damit ihnen nicht die Augen zufallen.
Am Bahnhof in Kiew werden wir abgeholt und so schnell wie möglich weggebracht. Der Bahnhof könnte ein Ziel von Raketen sein und unsere Gastgeber sind bemüht, uns nicht länger als notwendig, einem Risiko auszusetzen.
Sam war schon öfters in Kiew zu Besuch und ist deshalb von der Situation nicht überrascht. Für mich allerdings ist die Zerstörung, die allgegenwärtig ist, erschreckend. Mir blutet das Herz.
Ich kenne die Stadt, als sie noch nicht von unzähligen Bomben und Drohnen Narben davontragen musste. Während meiner Schulzeit haben wir als Klasse einen Ausflug in die Hauptstadt unternommen. Als Jugendliche vom Land war ich von der Stadt und ihren Lichtern schwer beeindruckt.
Heute sind alle Leuchtreklamen dunkel und auch sonst wird versucht, so wenig Strom wie möglich zu verbrauchen. Dabei soll nicht nur Strom gespart werden, man will auch dem Feind kein leichtes Ziel sein.
Es ist früher Morgen als wir ankommen, der Tag hat noch nicht richtig begonnen. Auf den Straßen herrscht noch kein geschäftiges Treiben.
Wir werden in einen Bunker gebracht. Von hier aus werden die wichtigsten Regierungsgeschäfte geführt, erklärt mir unsere Begleitung. Im Schutz der dicken Mauern wird emsig gearbeitet.
"Bitte, hier entlang", meint ein hoher Beamter des Außenministeriums. "Präsident Comenskyj wird bald hier sein."
Er führt uns in einen kleinen Besprechungsraum. Er ist nichts im Vergleich zum großen Saal, in dem wir in Moskau mit Popov zusammengekommen sind. Aber in Anbetracht der Lage ist der Raum absolut groß genug.
Wir setzen uns an den einfachen Tisch. Darauf liegen unzählige Landkarten und Zeichnungen sowie Aufstellungen, die wohl für irgendwelche Planungen benötigt werden.
Plötzlich geht die Tür auf und Yegor Comenskyj kommt herein. Ich halte die Luft an. Das kleine, ukrainische Mädchen in mir will sich schon ehrfürchtig verbeugen. Ich kann es kaum glauben, ich stehe dem Präsidenten meines Heimatlandes persönlich gegenüber.
Er erblickt uns und kommt eilig auf uns zu. Dabei lächelt er sowohl Sam als auch mich an. Er freut sich sichtlich, uns zu sehen. Außerdem ist klar, er lässt mich nicht einfach links liegen.
"Der Außenminister und die Agentin, welche Freude, euch beide in Kiew begrüßen zu dürfen", sagt er. Dabei breitet er einladend seine Arme aus.
Mit seinen Worten holt er mich ein wenig aus meiner Ehrfurchtshaltung. Der Präsident freut sich, auch mich zu sehen und er weiß, wer ich bin. Ich, das unbedeutende Mädchen aus der Provinz.
"Herr Präsident", antworten Sam und ich, wie aus einem Mund.
Comenskyj wendet sich nun mir zu und streckt mir die Hand entgegen. Eher aus einem Reflex heraus nehme ich sie.
"Sie sind die Heldin, die ich am meisten verehre", meint er. "Sie haben Großes vollbracht."
"Ich hatte nur Glück", antworte ich. Dabei verwende ich mein Mantra, das ich in solchen Situationen immer benutze.
"Das Glück ist nur den Tüchtigen hold", meint er und lächelt.
Comenskyj lächelt mich an. Ich kann es nicht glauben. Nur langsam kehre ich aus meiner Klein-Mädchen-Welt zurück. Die Begegnung mit dem Präsidenten hat mich in meine Kindheit zurückgeworfen. Ich bin nicht mehr die Agentin, die Beraterin und die Freundin des US-Außenministers, ich bin das einfache Mädchen aus einem unbedeutenden Dorf in der Nähe von Kiew.
Aber allmählich erwache ich aus dieser Ehrfurchtshaltung und kehre in die Realität zurück. Ich straffe meinen Rücken und räuspere mich.
"Ich habe nur meine Pflicht getan und das auch nur, dank einer guten Ausbildung."
"Es freut mich, dass sie die Ausbildung gut finden. Trotzdem braucht es kluges Handeln und Entschlossenheit, um solche Taten zu vollbringen, wie sie es getan haben."
"Das hätte jede andere Agentin auch getan."
"Ich sehe, sie sind zu bescheiden. Deshalb lassen wir dieses Thema. Darf ich euch zu einem einfachen Frühstück einladen?"
Sam nimmt dankend an und wir werden in einen anderen kleinen Raum geführt, wo ein bescheidenes Frühstück aufgebaut wurde. Ich bin dankbar für einen starken Kaffee. Während die Männer über Weltpolitik plaudern und Sam Comenskyj die weitere Unterstützung der USA zusichert, höre ich kaum noch hin.
Ich schwelge in Erinnerungen an meine Kindheit und meine Jugend. Ich war glücklich, auch weil ich das Glück hatte, Eltern zu haben, die mich stets geliebt und mich immer unterstützt haben. Ich frage mich, wie das Leben der Kinder heute aussieht, wie sie in einem Land leben, wo sie vor Raketen und anderen Angriffen des Feindes kaum sicher sind.
Ich möchte vor allem für diese Kinder tun, was immer in meiner Macht steht. Sie haben es genauso verdient, wie ich, eine glückliche Kindheit erleben zu dürfen, eine ohne Bomben, ohne Tod und ohne Entbehrungen. Aber leider ist dies im Moment nicht möglich.
Wie grausam können Menschen sein. Viele dieser Kinder werden psychische Schäden davontragen und ich frage mich, welche Zukunft sie haben werden. Ich frage mich, warum Menschen so etwas machen, warum es nicht möglich ist, vernünftig miteinander umzugehen, ohne Bomben und Raketen, einfach nur miteinander sprechen.
Ist das bisschen Macht für meist nur eine sehr begrenzte Zahl von Menschen, alle diese Opfer wirklich wert. Was haben diese Männer davon? Ich glaube das ist einfach nur krank, so was von krank!
Ich denke dabei nicht nur an Popov, ich denke auch an so viele andere Männer, die im Laufe der Geschichte Kriege angezettelt und ihre eigenen Machtgelüste über alles andere gestellt haben. Ob diese Cäsar, Napoleon oder sonst wie geheißen haben, keiner von ihnen ist glücklich gestorben. Sie sind alle elendig krepiert.
Man könnte sagen, dass ihnen recht geschehen ist. Aber auch das ist auch naiv. Was haben die Opfer dieser Tyrannen davon, dass ihre Peiniger gelitten und ein schlimmes Ende genommen haben? Wäre es nicht viel besser, wenn es kein Leid gegeben hätte, weder bei den Opfern noch bei den Tätern?
Mir ist auch klar, das Leid gibt es nicht nur auf einer Seite. Auch russische Kinder, Frauen und Mütter werden ihren Vater, ihren Ehemann, Freund, Sohn oder was auch immer, womöglich nie mehr wiedersehen. Und wenn sie heimkommen, dann haben sie so viel Grauen in den Schützengräben gesehen, dass sie nie mehr so sein werden, wie ihre Lieben sie in Erinnerung haben. Wozu dieser ganze Irrsinn?
Aber ich fürchte, wir werden die Welt und die Menschen nicht ändern. Der Mensch ist ein Raubtier und er wird es wohl immer bleiben, vermutlich das schlimmste, das je auf unserer Erde gelebt hat.
"Würden sie mir die Ehre erweisen und mich zu einem Schulbesuch begleiten", höre ich.
Damit reißt mich Präsident Comenskyj aus meinen Überlegungen. Da ich nicht aufgepasst habe, muss ich mich erst einmal umschauen und stelle fest, dass sowohl Sam als auch der Präsident abwartend zu mir blicken.
"Ich?", frage ich überrumpelt. "Warum ich?"
"Weil sie ein Kind dieses Landes sind, das zur Heldin wurde."
"Ich bin keine Heldin. Wie oft muss ich das noch sagen?"
Der Präsident lacht und schaut mich belustigt an. Dann macht er eine kurze Pause und ich habe den Eindruck, er überlegt sich seine nächsten Worte genau.
"Meine liebe Anastasia, ich darf sie doch so nennen?"
"Ja, natürlich dürfen sie das."
"Dann müssen sie mich aber auch Yegor nennen."
"Wenn ich darf?"
"Natürlich darfst du", antwortet er. "Also nochmal: Meine liebe Anastasia, die Menschen, die im Laufe der Geschichte zu Helden wurden, haben sich dieses Schicksal nicht ausgesucht. Sie sind nicht eines Tages in der Früh aufgewacht und haben sich vorgenommen, dass sie nun große Taten vollbringen wollen. Das hätte sicher nicht funktioniert. Sie sind zu Helden geworden, weil sie gehandelt haben, ganz spontan, ohne lange zu überlegen. Ob jemand ein Held ist, entscheidet dieser nicht selbst, sondern die Geschichte oder die anderen."
"Helden wider Willen also?"
"So in etwa", lacht er.
"Und deshalb soll ich in eine Schule?"
"Ich glaube, du könntest den Kindern einige Fragen beantworten, die sie nur dir stellen können."
Ich schaue zu Sam. Als mir dieser aufmunternd zunickt, habe ich keine andere Wahl.
"Na gut, ich mache es."
"Kommen sie auch mit?", wendet sich Yegor an Sam.
"Natürlich kommt er auch mit", sage ich entschlossen. "Mitgehangen, mitgefangen."
Da wir mit dem Frühstück fertig sind, erheben wir uns und werden in einer Wagenkolonne in einen Vorort von Kiew gebracht. Die gesamte Fahrt über schweige ich. Ich schaue mir mit Bestürzung die Zerstörung an, die ich beinahe an jeder Ecke ausmachen kann. Warum nur? Dabei sieht es in anderen Städten, die näher an der Front liegen, sicher noch weitaus schlimmer aus.
Als wir an einem Gebäude vorfahren, das zwar aussieht, wie eine Schule, das aber an einer Ecke eingestürzt ist, weil es vermutlich einen Treffer abbekommen hat, frage ich mich, ob hier wirklich Kinder oder Jugendliche unterrichtet werden.
Wir verlassen den Wagen und Yegor geht auf den Eingang zu. Dieser ist noch heil geblieben. An der Tür begrüßen uns fünf Erwachsene.
"Herr Präsident, schön, dass sie uns besuchen", meint eine der Frauen und verbeugt sich dabei tief.
Ich stelle mit Erleichterung fest, dass nicht nur ich zum Kind werde, wenn ich einer wichtigen Person meines Landes begegne. Wir teilen wohl die gleiche Geschichte und die gleichen Erfahrungen.
"Frau Direktor, ich freue mich sie besuchen zu dürfen. Sie leisten eine sehr wichtige Aufgabe", meint der Präsident und verbeugt sich ebenfalls.
Ich finde ihn sympathisch. Er ist noch Mensch geblieben und ich glaube ihm, dass er sich immer noch als ein ganz normaler Mensch sieht.
"Ich habe ihnen einen weiteren Besuch mitgebracht, das hat sich spontan ergeben."
Die Direktorin schaut zunächst Sam an, dann mich. Ich kann erkennen, dass sie überlegt. Dann scheint sie zu realisieren, wer ich bin.
"Im Fernsehen sehen sie etwas anders aus", meint sie und reicht mir lachend die Hand. "In Wirklichkeit sind sie noch viel hübscher."
"Danke, ich freue mich hier zu sein."
"Das ist aber nicht der amerikanische Außenminister"; meint die Direktorin fast schon verschwörerisch zu mir.
"Ja, das ist er", bestätige ich lachend.
"Darf ich euch in die Aula führen, wo sich die Schüler bereits versammelt haben?"
"Ja gerne. Wie alt sind die Schüler?", erkundige ich mich. Ich will mich schließlich schon ein wenig darauf einstellen, wer uns erwartet. Teenager sind anders als Volksschüler.
"Sie sind zwischen 14 und 18, einige wenige sogar schon 19", antwortet die Direktorin.
Sie führt uns eine Treppe nach unten. In einem unterirdischen Raum, der vermutlich einmal eine Turnhalle war, treffen wir auf eine große Anzahl Jugendliche. Ich schätze es sind 300 bis 400 Personen. Alle schauen uns erwartungsvoll entgegen. Sie sind überraschend ruhig.
Zu meiner Zeit hätten alle durcheinandergeredet und gelacht. In diesem Raum kann ich kein Lachen hören, ich kann nur neugierige Gesichter erkennen.
Die Schüler sind etwas irritiert. Sie erkennen ihren Präsidenten. Warum dieser noch zwei Personen dabei hat, die sie nicht kennen, zumindest nicht auf Anhieb, das scheint ihnen ein Rätsel zu sein.
"Liebe Schüler, begrüßt mit mir unseren Präsidenten Yegor Comenskyj."
"Guten Tag Herr Präsident", tönt es uns aus unzähligen Kehlen entgegen.
"Wer ist denn der andere?", höre ich eine leise Mädchenstimme. "Und die da?"
Bevor die anderen etwas sagen können, werde ich aktiv. Da ich zum Glück gesehen habe, welches Mädchen gesprochen hat, gehe ich auf sie zu. Als sie bemerkt, dass ich sie entdeckt habe, schaut sie mich ängstlich an.
"Keine Angst, ich tu dir nichts", sage ich. Dabei lege ich den Arm um ihre Schulter und ziehe sie nach vorne. "Wollen wir uns alle auf den Boden setzen?"
Ich höre hinter mir, wie die Direktorin laut Luft holt. Mein Ansinnen, mich einfach mit den Schülern auf den Boden zu setzen, scheint für sie unerhört zu sein. Deshalb drehe ich mich um.
"Dürfen wir nicht?", frage ich unschuldig.
"Äh, doch, doch. Ich finde es nur etwas unangebracht, wenn sich der Präsident und der amerikanische Außenminister auf den Boden setzen müssen."
"Die beiden sind doch auch nur Menschen", antworte ich, als sei es ganz normal. "Oder macht es euch etwas aus?"
Dabei wende ich mich an meine beiden Begleiter. Ich schaue sie direkt an und sehe, dass auch sie von meinem Ansinnen etwas überrumpelt sind. Dann aber schütteln sie nur den Kopf.
"Leute, wir sind in einer Schule zu Besuch, bei jungen Menschen. Das ist kein Parlament, das ist kein Staatsbesuch. Wir sollten uns den Gastgebern anpassen und nicht umgekehrt.
Also würde ich vorschlagen, wir setzen uns in die Mitte und ihr Schüler setzt euch um uns herum nieder. Dann können wir locker reden und ich hoffe, dass alle hören, was gesprochen wird. Stellt Fragen, erkundigt euch, jetzt ist die Gelegenheit dazu."
Sam legt Yegor die Hand auf den Rücken und schiebt ihn sanft, aber bestimmt, zu mir in die Mitte des Raumes. Dabei grinst er ein wenig.
"So ist unsere Anastasia. Sie ist locker und macht einfach das, was ihr richtig erscheint. Sie pfeift auf Konventionen oder Gepflogenheiten. Das liebe ich so an ihr", sagt Sam zum Präsidenten.
"Das können sie laut sagen. Aber es gefällt mir auch."
"Sie will auf die Menschen zugehen."
Während die beiden zu uns in die Mitte des Raumes kommen, wende ich mich schon wieder dem Mädchen zu. Sie ist sichtlich unsicher und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Die plötzliche Aufmerksamkeit behagt ihr gar nicht. Ich kann sie nur zu gut verstehen. Mir ist es früher auch so ergangen und zum Teil geht es mir heute noch so.
"Wie heißt du?", frage ich sie.
"Ich heiße Anna."
"Gut Anna, setzen wir uns."
Meine Hand liegt immer noch auf ihrer Schulter und ich führe sie zu einem Punkt in der Mitte, wo ich mich hinsetze. Sie zögert etwas, setzt sich dann aber neben mich, als ich ihr mit den Augen einen auffordernden Blick zuwerfe.
Zögerlich folgen auch alle anderen unserem Beispiel. Doch schon bald drängen sie sich um uns herum und ich spüre, sie haben keine Berührungsängste mehr. Sie sind neugierig. Als alle sitzen, beginne ich wieder zu sprechen.
"Zuerst möchte ich mich vorstellen. Anna hat recht, ihr wollt wissen, wer wir sind. Ich bin Anastasia Serinskaya ..."
"Die Anastasia Serinskaya, die Agentin?", meint ein Bursche in unserer Nähe.
"Ja, genau die bin ich."
"Wow und du kommst zu uns?"
"Oleksandr, du kannst doch nicht Frau Serinskaya mit Du ansprechen", meint die Direktorin sofort tadelnd.
"Warum denn nicht?", frage ich versöhnlich. "Ich bin genauso ein Mädchen aus der Ukraine. Ich bin wie ihr."
"Du bist eine Heldin", meldet sich nun Anna zu Wort.
Seit sie weiß, wer ich bin, schaut sie mich mit großen und ehrfurchtsvollen Augen an. Ich kann auch aus ihren Worten die Bewunderung deutlich heraushören.
"Ich habe heute schon mit eurem Präsidenten darüber diskutiert, was ein Held ist und was ihn ausmacht. Ich glaube, jeder Mensch, der seinen Beitrag zum großen Ganzen beiträgt, ist ein Held. Nur weil es bei einem auffällt, was er getan hat und beim anderen nicht, macht dies doch in Wirklichkeit keinen Unterschied."
"Was ist das große Ganze?", will Anna wissen.
"Das ist eine gute Frage. Ich denke es geht um das Wohl der Gemeinschaft. Im Moment ist es wohl die Verteidigung unseres Landes."
"Aber du hast Raketenstationen und das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte zerstört. Was machen wir hier schon Heldenhaftes?"
"Ihr lernt. Wie glaubst du habe ich angefangen?"
"Du meinst, zur Schule gehen wäre heldenhaft?"
"Natürlich ist es das. Das Wissen, die Bildung, die Erziehung sind die Basis für alles, was danach kommt. Zu meinem Glück bin ich zur Schule gegangen. Das ist nicht überall selbstverständlich und vor allem kommt es auch darauf an, was unterrichtet wird.
Zum Glück war ich fleißig, habe gelernt und bin, auch dank meiner Lehrer, zu einem Menschen geworden, der selbstständig denkt und in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen."
"Du wurdest aber als Agentin ausgebildet?", will ein Junge wissen.
"Ich habe diesen Weg eingeschlagen, weil ich dachte, ich könnte damit etwas bewegen und ich hatte - das muss ich ganz ehrlich zugeben - viel Spaß dabei. Natürlich war es manchmal auch hart und es ist auch mir nicht immer leichtgefallen, diszipliniert zu sein und Befehle anzunehmen. Aber es gab auch wunderbare Seiten an der Ausbildung. Ich durfte Kampfjets fliegen und über den Himmel jagen. Das war wohl das Schönste von allem", komme ich ins Schwärmen.
"Und wenn ich Ingenieurin werden will?", meint Anna schüchtern.
"Dann sollst du das versuchen. Nur, wenn du einen Beruf liebst und wenn du Spaß an deiner Arbeit hast, dann machst du sie gut. Außerdem braucht das Land sicher viele gute Ingenieure, wenn wir das wieder aufbauen wollen, was im Moment kaputt gemacht wird."
"Der Mann da", meint ein anderes Mädchen. "Der, mit dem du gekommen bist. Ist das dein Freund?"
"Ja, Sam ist mein Freund."
Dabei drehe ich meinen Kopf zu ihm und lächle ihn an. Er lächelt zurück. Offenbar gefällt es ihm, dass ich so entschlossen dazu stehe.
"Ich liebe ihn, weil er ein guter Mensch ist und mich sehr liebevoll behandelt. Er lässt mich sein, wie ich bin. Ihr habt ja gesehen, er hat sich gleich zu uns gesetzt, weil er weiß, dass ich es so lieber habe."
"Aber wie ist es, mit einem Außenminister zusammen zu sein?", hakt das Mädchen nach.
"Anstrengend, das kann ich dir sagen", lache ich. "Er ist immer unterwegs und oft muss ich mit. Ehrlich gesagt, würde ich auch lieber auf einer Couch mit ihm kuscheln und eine Serie im Fernsehen gucken. Stattdessen sitzen wir in einem Flieger und machen und auf den Weg, manchmal zu einem bösen Menschen.
Aber ich weiß, warum er das macht, und ich finde es großartig, dass er versucht die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Er kann nicht die ganze Welt verbessern und er kann sicher nicht all das Leid und das Elend auslöschen, das es gibt. Aber er kann versuchen etwas zu ändern, ein Vorbild sein."
"So siehst du mich?", platzt Sam heraus.
Die Schüler um uns herum sind schlagartig still. Man könnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.
"Ja, so sehe ich dich. Alles, was ich bisher erlebt habe, ging in diese Richtung und ich bin mir sicher, dass ich mich nicht täusche."
"Wenn das kein Liebesbeweis ist", grinst Yegor. "Und ich, bin ich auch ein guter Mensch?"
"Ich kenne dich noch zu wenig. Aber ich denke und vor allem hoffe ich, dass du nur das Beste für dieses Land und seine Bewohner im Sinn hast. Ein Politiker soll nicht nach Macht streben, soll nicht seinen persönlichen Eitelkeiten nachjagen, wie dies leider so viele auf dieser Erde tun, sondern dem Volk dienen."
"Lebst du nun in Amerika?", erkundigt sich ein anderer Junge.
"Ja, im Augenblick schon."
"Hast du Heimweh?"
"Nein, Heimweh nicht. Das hat aber vermutlich damit zu tun, dass ich bei Sam sein will und, dass ich immer wieder mit meinem Heimatland zu tun habe."
Wir plaudern noch eine ganze Weile. Dabei wenden sich die Schüler immer öfter auch an Sam und Yegor. Die Tatsache, dass ich so offen und ehrlich mit ihnen plaudere, ermutigt sie, auch den beiden Männern Fragen zu stellen. Diese sind zu Beginn etwas steif, werden mit der Zeit aber ganz locker. Die jungen Leute sind neugierig und beinahe nicht zu bremsen.
Als wir uns verabschieden, jubeln uns die Schüler noch einmal zu und die Direktorin begleitet uns schließlich zum Ausgang. Sie wirkt etwas unsicher.
"Sie müssen entschuldigen, Herr Präsident, dass die Schüler sie so lange aufgehalten haben", meint sie.
"Das war wohl eher meine Schuld", grätsche ich sofort dazwischen. "Ich habe sie ermutigt Fragen zu stellen. Das war aber doch schließlich der Zweck unseres Besuches."
"Außerdem hat es Spaß gemacht, viel Spaß sogar", ergänzt Yegor.
"Aber wir haben eine Stunde überzogen", wendet die Direktorin ein.
"Da sehen sie, wie schnell und angenehm die Zeit vergangen ist", lacht Yegor. Dann wendet er sich an mich. "Danke, dass du mir diesen schönen Moment ermöglicht hast. Deine Art ist wirklich angenehm. Ich habe völlig neue Eindrücke gewonnen."
"Du musst den Schülern danken, sie haben dir erlaubt, an ihrer Welt, an ihren Gedanken und an ihren Sorgen teilzuhaben. Ich war nur behilflich, das Gespräch in Gang zu bringen."
Während der Präsident zurück zu seinen Amtsgeschäften fährt, fahren Sam und ich in meinen Heimatort. Ich bin nun echt aufgeregt. Ich habe meine Familie schon so lange nicht mehr gesehen.
Kapitel 18
Wir fahren mit zwei gepanzerten Geländefahrzeugen durch das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Aus Sicherheitsgründen wurde unser Kommen nicht angekündigt. Während im Wagen vor uns ukrainische Sicherheitsleute sitzen, sind Ekaterina und John bei uns.
Unser Auftauchen weckt sofort die Neugier der Bewohner, die eilig zusammenlaufen und wissbegierig die Köpfe aus den Fenstern recken oder am Straßenrand stehen bleiben und schauen.
Ich hätte mir nie gedacht, dass mein Besuch in diesem Ort eines Tages so viel Aufmerksamkeit erregen würde. Ich versuche mich etwas klein zu machen und lehne mich an Sam. Dieser legt beschützend einen Arm um meine Schulter und zieht mich an sich.
Langsam rollen die beiden Fahrzeuge durch die Straßen und erreichen schließlich etwas außerhalb des Ortes das Haus meiner Eltern. Es ist ein Bauernhof, der noch intakt geblieben und offenbar voll bewirtschaftet ist.
Als wir auf den Platz vor dem Haupthaus fahren, stecken aus allen möglichen Türen und Fenstern Leute den Kopf heraus. Als wir endlich stehen und ich meine Mutter entdecke, reiße ich hastig die Tür auf und laufe auf sie zu.
"Mama, Mama, wie geht es dir?", rufe ich.
"Anastasia? Bist du es wirklich?", antwortet sie staunend. Sie bleibt aber starr vor Überraschung stehen.
"Ja, Mama, ich bin endlich wieder einmal zu Hause."
Ich falle ihr um den Hals und drücke sie fest an mich. Auch meine Mutter drückt mich und wir stehen einige Zeit einfach nur da und halten uns gegenseitig fest. Ich hätte nie gedacht, dass dies ein so emotionaler Moment für mich sein könnte. Erst als sich jemand neben uns räuspert, lösen wir uns voneinander.
"Darf ich auch einmal meine Kleine in den Arm nehmen?", sagt jemand vergnügt.
"Natürlich Papa!", antworte ich lachend.
Auch ihn nehme ich in den Arm und drücke ihn ganz fest an mich. Danach sind meine Geschwister an der Reihe. Auch sie strahlen über das ganze Gesicht, weil sie froh sind, mich endlich wiederzusehen.
"Anastasia, wer sind die Leute hinter dir?", will meine kleine Schwester wissen. Sie war immer schon neugierig.
Ich drehe mich zu meinen Begleitern um, lasse dabei allerdings meinen Arm auf der Schulter meine Schwester liegen. Diese schaut neugierig auf die Neuankömmlinge, die ihr völlig unbekannt sind.
"Mama, Papa, darf ich vorstellen, das ist Sam, mein Freund", sage ich.
Dabei deute ich auf Sam und schiebe ihn etwas nach vorne, damit er meinen Eltern die Hand schütteln kann, was er auch ganz brav macht. Meine Mutter lächelt ihn wohlwollend an. Ich sehe sofort, sie mag ihn.
"Sie sind also der Außenminister? Hier in unserem kleinen Ort?"
"Es ist der Ort, an dem meine Anastasia aufgewachsen ist und, wo sie eine glückliche Kindheit erleben durfte", antwortet er.
"Hat sie das so gesagt?", meint meine Mutter ganz ungläubig.
"Sie hat es nicht ausdrücklich so gesagt, aber man spürt es. Sie spricht immer wieder von zu Hause und hat dabei ein Leuchten in den Augen, das man nur hat, wenn man sehr schöne Erinnerungen mit diesem Ort verbindet."
"Das habe ich?", frage ich überrascht.
"Du hast auch sonst immer ein Strahlen in den Augen. Wenn du aber von deiner Kindheit und von diesem Ort sprichst, dann ist es anders, noch viel leuchtender und man kann spüren, wie verbunden du mit deiner Familie und diesem Ort hier bist."
"Das fällt ihnen auf?", wundert sich meine Mutter. "Sie müssen meine Kleine sehr liebhaben."
"Das habe ich. Sie ist eine wunderbare Frau."
"Ich mag den Mann", grinst meine Schwester.
Nun wende ich mich Ekaterina und John zu und stelle auch sie beide vor. Auch sie werden von meiner Familie herzlich aufgenommen.
"Da werde ich wohl mehr fürs Abendessen vorbereiten müssen", grinst meine Mutter.
"Mach dir keine Umstände. Wir sind nicht anspruchsvoll", wehre ich ab. "Wir sind froh, hier sein zu dürfen."
"Na hör mal, wenn meine Anastasia zu Gast ist, dann mache ich mir Umstände. Immerhin bist du eine Heldin."
"Mama, nicht du auch noch", wehre ich ab. "Ich bin keine Heldin, ich bin nur eine Frau, die ihre Pflicht erfüllt hat."
"Aber du hast den Russen ganz schön eingeheizt", grinst mein Vater schadenfroh.
"Das hat sie, und wie", grinst auch mein Bruder.
Mein Vater legt Sam die Hand auf den Rücken und schiebt ihn in Richtung Schuppen. Mir ist sofort klar, dass er mit ihm in unseren Schnapskeller will. Mein Vater liebt das Brennen von Schnaps. Seine Erzeugnisse sind weitum bekannt und er beliefert auch zahlreiche Nachbarn mit allerlei alkoholreichen Destillaten. Natürlich ist er stolz drauf und will Sam sicher so einige Kostproben anbieten.
"Halt Papa, du wirst meinen Freund nicht abfüllen", bremse ich.
Für mein Eingreifen ernte ich einen missbilligenden Blick meines Vaters. Sam hingegen schaut mich etwas überrascht an.
"Papa, Sam ist Amerikaner und kein Russe. Er trinkt nie Schnaps", füge ich erklärend hinzu.
"Wie Schnaps?", erkundigt sich mein Freund.
"Mein Vater brennt selbst Schnaps, vor allem Vodka."
"Dann zeige ich ihm den Hof", meint mein Vater leicht trotzig.
Meine Mutter zieht mich hingegen in die Küche. Ich sehe ihr an, dass sie neugierig ist.
"Wie ist er?", platzt sie heraus, als die Männer weg sind. Nur noch meine Schwester ist bei uns.
"Ich liebe ihn."
"Du hättest ihn uns schon vorstellen können, bevor du im Fernsehen Händchen haltend mit ihm aus einem Flieger steigst."
"Mama, ich wurde auch überrascht von allem."
"Wir waren der Meinung, du wärst noch immer in der Ausbildung, dann wurden wir informiert, dass du bei einer Mission ums Leben gekommen bist und plötzlich haben wir dich im Fernsehen gesehen, wie du in Moskau aus einem amerikanischen Regierungsflugzeug steigst. Das war für uns sehr verwirrend."
"Ich wurde bei der Ausbildung völlig überraschend zum Kommandanten gerufen und musste noch am selben Tag los. Man hat mir eine Mission zugewiesen, die mich auf die Krim geführt hat. Was dort passiert ist, wisst ihr vermutlich. Allerdings wurde ich nach der Zerstörung der Basis der Schwarzmeerflotte von einem russischen Offizier auf ein U-Boot mitgenommen.
Aus diesem Grund wurde auf ukrainischer Seite angenommen, ich sei bei diesem Angriff auch selbst um Leben gekommen. Das russische U-Boot wurde von einem amerikanischen U-Boot gestellt und von dort aus kam ich in die Türkei auf einen amerikanischen Stützpunkt und dann ging es weiter in die USA."
"Da hast du aber viel erlebt", meint meine Schwester.
"Sehr viel", bestätige ich.
Ich habe tatsächlich viel mitgemacht. Dabei habe ich meiner Mutter natürlich nicht alles erzählt, was mir widerfahren ist und was ich tun musste. Das würde sie vermutlich nicht verstehen.
"Er ist ein toller Kerl", meint meine Mutter.
"Ich liebe ihn, sehr sogar."
"Das sieht man", bestätigt sie. "Er lässt dich aber auch kaum einen Moment aus den Augen."
"Außer er ist mit Papa", grinse ich.
"Du kennst deinen Vater, er muss deinen Freund unter die Lupe nehmen. Da spielt es keine Rolle, ob er der amerikanische Außenminister ist oder ein armer Junge aus der Nachbarschaft."
"Mir geht es nicht darum, wer er ist oder ob er Geld hat. Ich liebe ihn, weil er so ist, wie er ist."
"Das weiß ich ja."
Wir plaudern noch lange und vor allem meine Schwester quetscht mich ausführlich über meine Erlebnisse aus. Immer noch vermeide ich, pikante Details preiszugeben. Manchmal muss ich ganz schön schwindeln, um nicht die Wahrheit verraten zu müssen. Aber diese Dinge sind meine Sache und ich will weder meine Mutter noch meine Schwester damit belasten.
Zum Glück schwenkt meine Schwester sehr schnell um und will vor allem wissen, wie das Leben in Amerika ist. Als ich ihr verrate, dass ich den Präsidenten kenne, ist sie schwer beeindruckt.
Schließlich sitzen wir alle beim Abendessen. Sam und mein Vater verstehen sich prächtig. Meine Eltern und meine Geschwister sprechen fließend Englisch, sodass es keine Verständigungsschwierigkeiten gibt.
Ich lehne mich einfach zurück und sauge dieses Bild der heilen Welt und des ruhigen Familienlebens in mich ein. Ich genieße diese Normalität, die ich manchmal vermisst habe. Ich bin auch froh, wie gut sich Sam und meine Familie verstehen. Es ist, als wäre er tatsächlich der Junge von nebenan, der vorbeigekommen ist.
Wir sind bei der Nachspeise, als plötzlich fünf Männer in den Raum stürmen. Sie halten Maschinenpistolen im Anschlag und sie richten sie auf uns. Ein weiterer schiebt die beiden ukrainischen Sicherheitsleute vor sich her und bedroht sie mit einer Pistole. Sie müssen sie überrascht und entwaffnet haben. Ich verstehe auf der Stelle, was los ist und was diese Männer wollen.
"Halt, keiner bewegt sich, keiner wehrt sich!", sage ich im Befehlston.
Dabei schaue ich vor allem zu Ekaterina und John. Mein Blick bremst sie in ihrer Bewegung. Mir ist klar, sie wollten ihre Waffen ziehen. Aber das hat in dieser Situation keinen Sinn. Es würde nur alle in Gefahr bringen.
Gegen fünf Maschinenpistolen im Anschlag hat man keine Chance. Da wäre Widerstand blanker Selbstmord. Zudem könnten auch alle anderen in Gefahr kommen, wenn einer der Männer wie wild um sich schießt.
"Du bist ein kluges Mädchen", lobt der Mann, der die Sicherheitsleute bedroht.
"Ich bin nur vernünftig", antworte ich. "Was wollt ihr?"
"Dich!"
"Warum mich?"
"Weil ein gemeinsamer Freund noch eine Rechnung mit dir offen hat."
"Ein gemeinsamer Freund?", frage ich und ziehe die rechte Augenbraue nach oben.
"Sergeij Kakarov."
Bei diesem Namen holen alle im Raum überrascht Luft. Nur ich bleibe ruhig. Mein Verdacht bestätigt sich. Sam schaut mich fragend an. Da wir ukrainisch sprechen versteht er kein Wort. Meine Familie hingegen bekommt alles mit.
"Was will er von mir?"
"Du weißt, was er dir versprochen hat, du Schlampe", faucht der Mann mich an.
"Gut, dann lass die anderen in Ruhe. Ich komme freiwillig mit."
"Als ob du das Sagen hast", lacht er.
"Es ist ein Angebot. Ihr wollt doch sicher auch keine Schwierigkeiten."
"Ich glaube nicht, dass du dazu in der Lage bist, uns Schwierigkeiten zu machen."
"Wenn wir alles ohne Aufsehen über die Bühne bringen, ist es besser für alle. Das kannst du mir glauben!"
Der Mann gibt einem seiner Leute zu verstehen, auf die beiden ukrainischen Sicherheitsleute aufzupassen. Dann macht er sich auf den Weg zum Tisch, den er umrundet. Hinter meiner Schwester bleibt er stehen und lächelt mich fies an.
"Es tut mir leid, wenn ich euch beim Essen störe", meint er mit geheucheltem Mitgefühl.
"Kein Problem! Wir waren fast fertig", gebe ich Kontra.
"Du hast eine hübsche Schwester."
"Lass meine Familie aus dem Spiel. Was willst du?"
"Das habe ich schon gesagt, ich will dich!"
"Da bin ich. Was nun?"
"Wir gehen."
"Wohin?"
Er lacht laut auf. Der Versuch, ihm Informationen zu entlocken, ist wohl schief gegangen. Zumindest habe ich ihn von meiner Schwester ablenken können. Der Mann umrundet den Tisch und kommt wieder auf mich zu.
"Du weißt, was dich erwartet?", meint er hämisch.
"Ich kann es mir vorstellen."
"Gut, ich bin Said und du wirst alles machen, was ich von dir verlange?"
"Habe ich eine andere Wahl?"
"Nein, das hast du nicht", lacht er spöttisch.
"Also, was willst du."
"Du und dein Freund kommen mit!"
"Lass meinen Freund aus dem Spiel. Ich denke nicht, dass internationale Verwicklungen gut für deinen Auftraggeber sind."
"Hältst du mich für dumm?"
"Nein, warum?"
"Der amerikanische Außenminister ist besser als jede Lebensversicherung."
Ich überlege fieberhaft. Aber ich glaube nicht, dass ich ihn dazu bewegen kann, Sam nicht mitzunehmen. Ich bin schon einigermaßen beruhigt, dass meine Familie unbehelligt bleiben könnte.
"Darf ich mit meinem Freund sprechen? Er versteht unsere Sprache nicht."
"Gut, aber keine Tricks!"
Ich wende mich Sam zu. Er schaut mich immer noch fragend an. Ich kann aber auch die Sorge in seinen Augen erkennen.
"Das sind Tschetschenen. Wir beide sollen ihnen folgen."
"Lassen sie dann deine Familie in Ruhe?"
"Ja, das verspreche ich", antwortet Said an meiner Stelle.
"Dann los, gehen wir", meint Sam.
"Willst du nicht wissen, wer sie schickt?", frage ich überrascht.
"Das kann ich mir denken."
Sam erhebt sich von seinem Stuhl. Im Gegensatz zu mir, ist er sitzen geblieben, als die Tschetschenen den Raum gestürmt haben.
Als wir auf die Tür zugehen, gibt Said Anweisung, dass zwei seiner Kämpfer zurückbleiben und auf meine Familie und die ukrainischen Sicherheitsleute ein Auge haben sollen. Er will damit einen Vorsprung herausschlagen.
"Ihnen passiert aber nichts!", stelle ich klar.
"Wenn du keine Dummheiten machst, wird ihnen kein Haar gekrümmt. Das verspreche ich", versichert mir Said.
Er nickt dabei seinen Leuten zu und diese bestätigen mit einem Kopfnicken. Ich bin mir sicher, dass er sich an sein Wort halten wird. Deshalb folge ich Said und Sam, die hinausgehen.
Wir legen ein Stück zu Fuß zurück, erreichen dann zwei Geländefahrzeuge und müssen uns gegen eines der beiden stellen und daran abstützen. Sam und ich werden nach Waffen abgesucht. Sie entdecken bei mir den Revolver, den ich unter der Hose an meinen Schenkel gebunden habe. Das Messer, das in meinem Stiefel steckt, finden sie zum Glück nicht. Das könnte mir noch von Nutzen sein, hoffe ich, lasse mir aber nichts anmerken.
Anschließend werden uns die Hände auf den Rücken gebunden und wir in den Wagen verfrachtet. Dabei grinst mich Said hämisch an.
"Das werden harte Tage für dich."
"Leicht hatte ich es schon lange nicht mehr", kontere ich.
Dann geht es los. Wir fahren über holprige Straßen. Said und seine Männer scheinen sich in der Gegend gut auszukennen. Sie nutzen Seitenstraßen und Feldwege, die nur jemand kennen kann, der mit dieser Umgebung vertraut ist. Selbst ich werde manchmal überrascht, welche Wege sie nehmen.
Ich vermute, Said und seine Leute haben gehofft, dass ich irgendwann meine Familie besuchen würde und sich vorbereitet. Könnte sein, dass sie sogar jemand aus der Gegend angeheuert haben.
Nun, da ich endlich meine Familie besuche, scheinen sie davon Wind bekommen zu haben und in Aktion getreten sein. Zumindest habe ich den Eindruck, dass alles sehr genau geplant und vorbereitet worden ist.
Wir fahren etwa eine Stunde. Ich kann zwar nicht auf die Uhr schauen, aber anhand der Sterne kann ich halbwegs abschätzen, wie viel Zeit vergangen sein muss.
Völlig überraschend bleiben sie irgendwo im Nirgendwo stehen. Als wir aus dem Wagen gezerrt werden, schaue ich mich aufmerksam um. Wir stehen inmitten von Feldern. Weit und breit ist nichts zu erkennen. Ich frage mich, was wir hier suchen.
"Komm mit!", befiehlt mir Said.
Dabei packt er mich ausgesprochen grob am Arm und zieht mich mit sich. Ich sehe, wie Sam sich sofort anspannt.
"Lass sie in Ruhe!", brüllt er.
Said scheint seine Macht zu genießen. Er wendet sich um und geht ein Stück auf Sam zu. Die beiden Männer stehen sich einige Zeit schweigend gegenüber und starren sich in die Augen.
"Hast du Angst, um deine Kleine?"
"Du sollst sie in Ruhe lassen."
"Als ob du in der Lage bist, mir Befehle zu geben", lacht Said spöttisch auf.
Sam scheint innerlich zu kochen. Ich sehe es ihm an, dass er den Tschetschenen am liebsten anspringen würde. Er ist dann aber doch so vernünftig, dies nicht zu tun.
"Sam, reg dich nicht auf. Er sitzt am längeren Hebel", sage ich, um ihn zu beruhigen. "Er wird mich sicher nicht hier umbringen. Das würde Kakarov nie zulassen."
"Da hast du recht. Das würde mich das Leben kosten", grinst Said.
"Da hörst du es. Bleib ruhig. Alles andere hat keinen Sinn."
Ich bin über mich selbst verwundet, wie ruhig und pragmatisch ich denke und handle. Eigentlich müsste ich Angst haben, weil Kakarovs Drohungen sehr eindeutig waren und keinen Spielraum für Hoffnungen lassen. Aber ich lasse einfach alles auf mich zukommen. Meine Familie ist in Sicherheit und ich hoffe, dass auch Sam nichts passiert. Das ist für mich das Wichtigste.
Mein Schicksal scheint hingegen besiegelt zu sein, auch, wenn ich natürlich alles unternehmen werde, was in meiner Macht steht, um das Los, das mir droht, doch noch abzuwenden. Einfach so geschlagen geben werde ich mich ganz bestimmt nicht.
Said packt mich erneut am Oberarm und zerrt mich nun definitiv hinter den Wagen. Ich bin mir nicht sicher, ob er einfach nur über mich herfallen will, oder ob er mir etwas sagen will, das die anderen nicht hören sollen.
Kaum sind wir vom Wagen verdeckt, stößt er mich dagegen, sodass ich mit dem Rücken an die Karosserie plumpse und dann dort angelehnt dastehe. Meine Arme sind immer noch hinter meinem Rücken zusammengebunden. Wehren kann ich mich nicht.
Said kommt auf mich zu und bleibt ganz nahe vor mir stehen. Er schaut mir überheblich dreinblickend in die Augen. Plötzlich legt er seine Hände auf meine Brüste und beginnt sie durch den Stoff meiner Bluse hindurch, zu kneten.
"Du bist ein verdammt heißes Weib!"
"Soll das ein Kompliment sein?", frage ich belustigt. "Dann solltest du an deinen Fähigkeiten noch etwas feilen."
"Halts Maul!", fährt er mich an.
Überraschend bekomme ich seine Hand ins Gesicht geschlagen. Er hat mir eine Ohrfeige verpasst! Mein Kopf fliegt zur Seite, aber ich lasse mir sonst nichts anmerken.
"Was willst du von mir?", frage ich.
Mir ist klar, dass ich ihn damit noch etwas herausfordere. Aber er bekommt sich doch in den Griff und lächelt.
"Du wirst schon noch sehen, wo dich dein freches Mundwerk hinbringt."
Ich sage nichts. Was soll ich daraufhin auch antworten? Wir stehen uns einige Zeit einfach nur schweigend gegenüber. Nun greift er mir zwischen die Beine und packt dort unangenehm zu. Es ist eine Machtdemonstration und keine sexuelle Handlung. Er will mir zeigen, dass ich als Frau nur zum Vögeln da bin und er mit mir machen könnte, was immer er wollte. Allerdings wissen wir beide, dass ihm das Kakarov nie verzeihen würde.
"Wir bringen dich in unser Lager. Dort warten wir auf Kakarov. Ich denke, er wird übermorgen in der Früh zu uns stoßen. Bis dahin halten ihn die Amtsgeschäfte in Moskau auf."
"Wir wären schon auch zu ihm gekommen", antworte ich.
"Mach dir keine Hoffnungen. Da wo wir ihn treffen, sind wir unter uns. Das ist auch besser so. Das, was wir mit dir vorhaben, sollte nicht in der Öffentlichkeit passieren", grinst er.
"Was soll denn mit mir passieren?"
"Zuerst wird sich Sergeij mit dir vergnügen. Das wird ein Spaß - für ihn natürlich. Du hast dabei sicher nichts zu lachen. Mein Freund hat eine Vorliebe dafür, die Weiber in den Arsch zu ficken. Weil er es liebt, wenn sie sich vor Schmerzen dabei winden und schreien, nimmt er sie ohne jede Vorbereitung."
Einen Moment lang bleibt mir die Sprache weg. Ich wurde zwar noch nie ohne Vorbereitung in den Arsch gefickt, mein Hintereingang wurde nur selten benutzt und ist damit noch sehr eng.
Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, wie schmerzhaft es ohne jede Dehnung vorher sein muss. Eine Freundin hat mir einmal erzählt, wie ihr Freund sie in den Arsch gevögelt hat. Dabei hat er zwar versucht, sie so gut es ihm möglich war, zu weiten. Trotzdem war es äußerst schmerzvoll für sie gewesen.
"Damit wird es aber nicht erledigt sein", mutmaße ich.
"Sobald Sergeij den Spaß an dir verloren hat und das kann lange dauern, sind dann alle anderen an der Reihe."
"Was heißt, alle anderen?"
"Wir sind fast 60 Mann im Lager."
"Und jeder soll ...?", frage ich schockiert.
"Jeder will seinen Spaß haben. Was hast du gedacht?"
"Das wird allerdings heftig", überlege ich laut.
"Das wird es, das kannst du mir glauben."
"Ich komme aber schon irgendwann frei?"
"Ich glaube nicht, zumindest nicht gleich. Wenn du nicht mehr zum Vögeln taugst, werden wir dich quälen. Zum Spaß versteht sich. Du hast es schließlich verdient."
"Womit?"
"Das weißt du ganz genau. Du hättest Sergeij besser nicht widersprochen. Das mag er ganz und gar nicht. Wenn es dann auch noch eine Frau ist, dann verzeiht er das nie."
Noch einmal fasst er mir mit der Hand grob zwischen die Beine und knetet meine Scham. Plötzlich zieht er die Hand zurück und mich ruckartig an sich. Er drückt seine Lippen auf meine und will mit seiner Zunge in meinen Mund. Ich presse meine Lippen fest zusammen, damit ihm das nicht gelingt.
Er löst sich nach einiger Zeit verärgert von mir und tritt einen Schritt zurück. Er lacht laut auf. Meine Gegenwehr scheint in zu amüsieren. Dabei packt er mich wieder am Oberarm und bringt mich zurück.
"Geht es dir gut?", raunt mir Sam zu.
"Wir haben nur geredet", antworte ich.
Mir ist klar, ich sage dabei nicht ganz die Wahrheit. Es nützt aber niemandem, wenn er weiß, was genau passiert ist.
"Und was habt ihr besprochen?"
"Wie es weitergeht."
"Und wie geht es weiter?"
"Wir werden in ein Lager der Tschetschenen gebracht und dort will mich Kakarov vergewaltigen."
"Er will seine Macht demonstrieren."
"Das denke ich auch."
"Und was machen wir?", will er wissen. Ich kann deutlich hören, wie besorgt er ist.
"Das wird sich zeigen. Kampflos gebe ich mich sicher nicht geschlagen."
Kapitel 19
Einige Zeit später höre ich ein Geräusch. Ein Hubschrauber muss sich im Anflug befinden. Es ist zwar Nacht, aber ich gehe davon aus, dass der Hubschrauber nachtflugtauglich ist.
Tatsächlich setzt einige Minuten später ein russischer Militärhubschrauber auf der Wiese vor uns auf. Sam und ich werden gepackt und dorthin gebracht. Wir müssen einsteigen, wobei man und nicht hilft, was aufgrund der Fesselung etwas fies ist. Ich falle einmal beinahe wieder auf den Boden, weil ich mich nicht festhalten kann. Zum Glück kann ich mich im letzten Moment doch noch fangen.
Mit uns, Said und seinen Leuten an Bord hebt der Hubschrauber ab. Nur der Fahrer des Wagens bleibt zurück. Aufgrund der Dunkelheit kann ich nicht viel erkennen. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir über die nicht weit entfernte Grenze nach Russland gebracht werden.
Da nur wenige Hubschrauber nachtflugtauglich sind, wir zudem gefährlich tief fliegen und wir vermutlich ohne Positionslichter unterwegs sind, ist das Risiko, abgeschossen zu werden, nicht sonderlich groß. Der Plan ist gar nicht so schlecht.
Nach etwa einstündigem Flug erblicke ich in der Ferne ein schwaches Licht, das immer näher kommt. Es entpuppt sich als Flughafen. Es ist zwar nur ein kleiner, aber ich gehe davon aus, dass er für die Zwecke dieser Männer ausreicht.
Tatsächlich landen wir am Rande dieses Flugplatzes. Sam und ich werden aus dem Hubschrauber gezogen und über eine Wiese zu einem Flugzeug gebracht. Es ist ein kleineres Frachtflugzeug, ohne jeden Luxus. Der Innenraum ist nur durch ein Gitter vom Cockpit abgeschirmt. Ansonsten ist es ein einziger leerer Raum.
Wir werden hineingehoben und nun werden auch unsere Beine gefesselt. Wir sind verschnürt, wie Pakete. Da der Flug etwas unruhig ist, werden wir einigermaßen heftig hin und her geworfen und bekommen mit Sicherheit zahlreiche blaue Flecken.
Aber das interessiert weder unsere Entführer noch uns. Blaue Flecken sind im Moment unser geringstes Problem. Wenn es dabei bleiben würde, könnte ich damit leben.
Said hat mich bewusst in die Pläne seines Chefs eingeweiht. Er will mir Angst machen und sich an meiner Furcht aufgeilen. Aber ich versuche nicht daran zu denken, was mir bevorsteht, und konzentriere mich vielmehr darauf, eine Fluchtmöglichkeit zu finden. So schnell gebe ich nicht auf und vor allem gebe ich ihm nicht die Genugtuung meine Angst zu sehen.
Da ich hier im Flieger sicher keine Möglichkeit bekomme, zu fliehen, versuche ich etwas zu schlafen. Das ist bei dem unruhigen Flug zwar nicht leicht, aber zumindest ab und zu dämmere ich etwas weg.
Auch Sam scheint sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben, vorübergehend zumindest. Sein Blick zeigt mir, dass er, wie ich, nicht in Panik verfallen will.
"Du findest einen Weg", raunt er mir einmal zu.
Dabei liegen wir sehr nahe beieinander und keiner unserer Bewacher kann ihn hören. Dazu ist auch der Lärm der kleinen Propellermaschine viel zu laut.
"Ich versuche alles! Das verspreche ich!", bestätige ich genauso leise.
Der Flug geht eine ewig lange Zeit. Ich hatte vermutet, sie würden uns in die Nähe von Moskau bringen. Aber dazu ist die Strecke, die wir zurücklegen, viel zu lang. Mir kommt deshalb ein ganz anderer Verdacht.
"Die bringen uns nach Tschetschenien", raune ich Sam zu.
"Warum das?"
"Weil dort Kakarov zu Hause ist und uns dort sicher niemand suchen wird."
"Das könnte tatsächlich so sein. Wir sind also auf uns allein gestellt."
"Das wären wir sowieso."
Auch diese kurze Unterhaltung hat niemand mitbekommen. Es wäre mir aber auch egal gewesen. Der Umstand, dass wir nach Tschetschenien gebracht werden, ist für mich ein Zeichen, dass kein Zurück geplant ist. Man wird mit uns machen, was man machen will.
Egal, wie lange dies dauern wird, am Ende wird man uns irgendwo in einer unwegsamen Gegend weit ab jeder Zivilisation verscharren. Kakarov und seine Leute kennen das Gebiet perfekt und wissen genau, wo man zwei Menschen für immer verschwinden lassen kann.
Als wir endlich landen und aus dem Flugzeug gezerrt werden, ist der neue Tag bereits angebrochen. Ich gehe davon aus, dass wir uns bereits der Mittagszeit nähern. Mit der kleinen Maschine sind wir wohl nicht sonderlich schnell vorangekommen.
Diesmal werden wir von weiteren Männern erwartet. Jeweils zwei packen Sam und mich, um uns zu einem weiteren Hubschrauber zu tragen. Bei mir werden die beiden Männer ein wenig übergriffig und nützen die Situation weidlich aus.
Der eine packt mich von hinten mit den Armen um die Brust, sodass mein Hinterkopf auf seiner Vorderseite aufliegt. Seine Hände packen und massieren genüsslich meine Brüste.
Der andere hat es auf den Bereich zwischen meinen Beinen abgesehen. Er steht seitlich von mir, hat seine Arme um meine Oberschenkel geschlungen, um mich so zu tragen. Das wäre noch in Ordnung, wäre da nicht eine Hand, die sich von unten her zwischen meine Beine drängt. Er macht es so geschickt, dass es die anderen gar nicht sehen können.
Zum Glück ist der Weg nicht weit und wir sind wenig später bereits im Hubschrauber Erneut fliegen wir etwa eine Stunde lang. Ich habe keine Ahnung, wo wir uns befinden. Sehen kann ich auch nichts.
Ich habe durch den ständigen Wechsel vollkommen die Orientierung verloren. Ich habe ja nicht einmal mitbekommen, in welche Himmelsrichtung wir geflogen sind. Tschetschenien ist nur eine Vermutung.
Während der Ausbildung haben wir zwar einige Länder und Städte anhand von Bildern und Karten studiert, um uns im Notfall einigermaßen orientieren zu können. Aber sich die Flut an Bildern nun ins Bewusstsein zu rufen, ist nicht ganz leicht.
Ich habe nach einiger Zeit allerdings zumindest eine grobe Ahnung, wo wir sein könnten, und gehe davon aus, dass wir in der Nähe von Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, gelandet sind und nun gegen Süden auf das Gebirge zufliegen, das die Grenze zu Georgien bildet. Zumindest sieht alles danach aus.
Meine Vermutung wird bestätigt, als wir in einem ausgesprochen abgelegenen Tal einer Gebirgskette landen. Vermutlich sind es tatsächlich die Berge, die ich vermute. Ich habe in den letzten Minuten unseres Fluges weit und breit keinen Ort oder keine Siedlung mehr ausmachen können. Wir sind echt am Arsch der Welt.
Auf einem kleinen Plateau hoch oben in einer steilen Felswand kann ich ein Lager ausmachen. Es gleicht mehr einem Adlerhorst, der an den Stein geklebt ist. Ein Stück daneben landen wir auf einem zweiten Plateau. Viel Platz ist hier nicht, aber gute Piloten dürften es schaffen, dass auf diesem kleinen Flecken zwei Hubschrauber nebeneinander Platz finden, zum Landen und zum Abstellen. Einfach ist dies allerdings nicht, weil in dieser Gegend heftige Winde zu wehen scheinen.
Unser Pilot ist wohl nicht der Geübteste. Seine Landung ist etwas ruppig, aber wir kommen heil am Boden auf. Zum Glück ist weit und breit kein anderer Hubschrauber.
Kaum haben wir das Plateau erreicht, wird auch schon die Tür aufgerissen und kühle Luft strömt zu uns herein. Daraus schließe ich, dass wir ganz schön weit oben sind.
Diesmal werden wir bis zum Ausstieg gezerrt. Dort aber schneidet man uns die Fesseln an den Beinen durch. Wir sollen also zu Fuß gehen. Das Aussteigen allerdings gestaltet sich mit immer noch auf den Rücken gefesselten Armen erneut etwas schwierig.
"Stell dich nicht so an, du dumme Pute!", fährt mich einer der Männer an.
Am liebsten würde ich ihm eine scheuern, aber ich beiße die Zähne zusammen und versuche seine respektlose Art zu ignorieren. Mir ist klar, dass ich nicht in der Lage bin, mich zu wehren und es mir nichts bringt, wenn ich jammere. Im Gegenteil! Dann haben die Typen noch mehr Spaß daran, mich zu piesacken.
Als ich draußen bin und darauf warten muss, dass der Hubschrauber komplett zur Ruhe kommt und alle Männer ausgestiegen sind, schaue ich mich genauer um. Ich will die Umgebung kennen, sollte dies notwendig sein.
Wir befinden uns auf einem sehr kleinen Hochplateau, das mit einem zweiten, welches geringfügig tiefer liegt, über einen schmalen Weg entlang des Berghanges verbunden ist. Zwischen den beiden nutzbaren Flächen liegt eine tiefe Schlucht. Auch sonst fallen die Berghänge um uns herum ausgesprochen steil ab.
Ich versuche zwar einen Weg ausfindig zu machen, über den man zu Fuß ins Tal absteigen könnte, kann aber keinen entdecken. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es den überhaupt gibt.
Ich traue es diesen Leuten zu, dass man diesen Platz nur mit dem Hubschrauber erreichen kann. Ein Überraschungsangriff wäre damit ausgeschlossen. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass man nachts hier festsitzt oder nicht heraufkommen kann.
Das gleiche würde aber auch für einen Steig gelten. In der Nacht würde ich diesen nicht benutzen wollen. Die Gefahr abzustürzen wäre viel zu groß. Man muss schon am Tag, einigermaßen schwindelfrei und geübt sein.
Das zweite Plateau scheint das Lager zu sein. Geschätzte zehn Baracken stehen im Halbkreis um einen zentralen Platz herum. Manche sind halbwegs solide gebaut, andere wirken schnell-schnell zusammengezimmert. Sie sind alle unter die Felswand gebaut. Vermutlich bietet diese einigermaßen Schutz vor Wind und Wetter, möglicherweise auch vor Steinschlag.
Relativ zentral und direkt am Platz befindet sich eine größere Hütte. Ich nehme an, dass es sich dabei um eine Art Gemeinschaftsraum oder um einen Versammlungsort handelt.
Über dem Plateau erhebt sich eine ausgesprochen steile Felswand, ähnlich wie beim Landesplatz für die Hubschrauber. Ein Angriff von oben ist nahezu ausgeschlossen. Wer sich von oben abseilen möchte, muss ein sehr geübter Bergsteiger sein.
"Na los, du Schlampe, du musst nicht trödeln. Wir kommen ins Lager und dann werden wir ein wenig Spaß mit dir haben", fährt mich Said an.
Dabei versetzt er mir mit einem Gewehrkolben einen Schlag in die Nierengegend. Es ist zwar nicht brutal, aber es ist trotzdem ganz schön schmerzhaft. Er aber lacht nur hämisch.
"Moment! Stehen bleiben!", sagt er plötzlich.
Überrascht bleiben alle stehen, ich auch. Said läuft die wenigen Schritte zum Hubschrauber zurück und kommt wenig später mit einem Seil wieder. Ich gehe davon aus, dass er es einfach nur vergessen hat.
Als er auf mich zukommt und mir ein Ende des Seils um den Hals legt, wird mir klar, was er will. Er nimmt mich an die Leine! Er lacht immer noch hämisch, während er mir eine Schlaufe um den Hals bindet. Der Rest des Seiles hängt daran.
Zu meiner Überraschung gibt er einem anderen Tschetschenen das lose Ende und weist ihn an, es einfach zu halten. Dann tritt er direkt vor mich.
"Wir wollen dir einen standesgemäßen Auftritt ermöglichen", grinst er gemein.
Bevor ich etwas sagen kann, beginnt er meine Bluse aufzuknöpfen, zieht sie aus dem Hosenbund und streift sie mir über die Schultern. Da meine Arme immer noch zusammengebunden sind, fällt sie nicht auf den Boden, sondern bleibt hängen.
Das ist Said aber egal. Er hat erreicht, was er wollte. Mein Oberkörper ist nackt und meine Brüste für jeden sichtbar.
"Das können sie nicht machen!", brüllt Sam.
"Klappe!", faucht ihn Said an. "Du hast hier nichts zu melden."
Vermutlich, um meinen Freund zu provozieren, greift er nach meinen Brüsten und knetet sie rüde. Es ist erniedrigend, so gefesselt und hilflos dazustehen und nichts tun zu können. Aber genau das ist seine Absicht. Er will mir zeigen, dass ich ihm hilflos ausgeliefert bin.
"Eigentlich schade. Du bist hübsch und wir könnten viel Spaß mit dir haben. Aber Sergeij hat andere Pläne mit dir."
Damit nimmt er wieder das Seilende und setzt sich in Bewegung. Ich folge ihm vorsorglich, damit er nicht ziehen muss. Barbusig muss ich hinter dem Mann herlaufen, wie ein Tier.
Ich war in vielen schwierigen Situationen, aber die hier scheint mir ausweglos. Ich wüsste nicht einmal, wie wir von hier wegkommen sollten. Uns einfach in die Büsche schlagen und hoffen, dass sie uns nicht finden, ist hier oben keine Option.
Wir gehen den schmalen Steig an der Felswand entlang. Wir müssen einer hinter dem anderen gehen, weil der Weg äußerst schmal ist. Said hält das Seil, an dem er mich vorwärts zieht, ausgesprochen kurz. Immer wieder reißt er es ruckartig nach vorne, sodass ich nach vorne gerissen werde und drohe, das Gleichgewicht zu verlieren.
"Sei vorsichtig. Wenn du hinunterfällst, baumelst du am Seil. Das dürfte dir nicht gut bekommen", sagt er und lacht dabei hämisch.
Sam wird einfach nur nach vorne gestoßen. Er hat es aufgegeben zu protestieren. Auch er scheint die Ausweglosigkeit unserer Lage erkannt zu haben. Vermutlich auch deshalb zeichnen sich tiefe Sorgenfalten auf seinem Gesicht ab.
Wir erreichen schließlich das Lager. Dort werde ich auf den zentralen Platz geführt, wo sich eine große Zahl an Männern versammelt hat. Unsere Ankunft ist nicht unbemerkt geblieben und man hat wohl schon von Weitem gesehen, dass ich obenrum nackt bin.
Die Männer johlen und pfeifen, als ich barbusig vorgeführt werde. Auch einige zotige Sprüche sind zu hören. Zum Glück sind sie auf Tschetschenisch, was ich zwar verstehe, weil es mit dem Ukrainisch verwandt ist, aber zumindest Sam bekommt so nicht mit, was mir alles zugerufen wird.
Es sind Sprüche, die Männer von sich geben, die nur von ihren niedrigsten Instinkten geleitet werden. Da Said dem Ganzen nicht Einhalt gebietet, machen die Männer munter weiter und die Sprüche werden mit der Zeit sogar noch derber. Mir soll damit wohl vorgeführt werden, wo ich gelandet bin, mitten in einer Horde geiler Männer, die nur mit dem Schwanz denken.
Anders habe ich es, um ehrlich zu sein, auch nicht erwartet. Solche Kämpfer sind einfach gestrickte Männer, die einen beachtlichen Testosteronüberschuss haben. Um aggressiv zu bleiben, noch angriffslustiger und gleichgültiger zu werden, schüren Vorgesetzte meist noch diese Triebe.
Je enthemmter diese Männer sind, umso gefährlicher werden sie für die Feinde. Der Nachteil bei der Sache ist allerdings, dass sie weniger überlegen und wagemutiger werden. Deshalb sind ihre Lebenserwartungen im Kampf nicht sonderlich hoch. Doch das interessiert die Anführer sicher nicht.
Diesen Männern sagt aber keiner, wie gefährlich sie leben. Ihre Anführer wollen sie genau so. Sie dienen nur als Kanonenfutter. Die Frage dabei ist nicht, ob sie dabei draufgehen, sondern eher, wann dies der Fall sein wird. Doch solange für Nachschub gesorgt ist, interessiert dies keinen der Befehlshaber.
Wenn sie so, wie hier, in einem Lager auf ihren Einsatz warten, dann ist das, was ihnen heute geboten wird, eine willkommene Abwechslung. Eine halbnackte Frau ist bei solchen Typen jederzeit eine Attraktion.
Als einer einen Satz nach vorne macht und mir derbe an die linke Brust fasst und daran zerrt, pfeift ihn Said sofort zurück.
"Diese Schlampe wird vorerst nicht angerührt. Euer Anführer will sie zuerst in die Finger bekommen. Er hat noch eine Rechnung mit ihr offen. Ihr seid erst danach an der Reihe", ruft er laut in die Runde.
Sofort lässt der Mann meine Brust los und tritt einen Schritt zurück. Seine Männer hat Said im Griff, das muss ich ihm neidlos zugestehen.
Wir erreichen die Mitte des Platzes und werden sofort umringt, als wir stehen bleiben. Alle Augen sind auf mich gerichtet. Genau genommen auf meine Brüste.
Said zieht mich auf eine Stelle des Platzes weiter hinten. Ich verstehe im ersten Moment nicht, warum er das macht. Dann sehe ich mit Schrecken drei hölzerne Verschläge. In einem jeden davon sitzt eine nackte Frau. Viel Platz ist in den Käfigen nicht. Ich schätze die Grundfläche auf etwas mehr als einen Quadratmeter.
"Schau sie dir an. Du wirst dir wüschen an ihrem Platz sein zu dürfen und nicht an dem, der dir zugewiesen wird."
Die drei Frauen sind alle noch recht jung. Ich würde sie auf 20 bis 25 Jahre schätzen. Sie sind aber nicht nur nackt, sie befinden in einem erbärmlichen Zustand. Sie sind schmutzig, die Haare zerzaust und ich kann überall auf ihren Körpern bunte Flecken erkennen. Es sind blaue Flecken, die aber in den unterschiedlichsten Heilungsstadien sind. Einige sind bereits gelb-grün, andere braun und einige sehen noch sehr frisch aus. Mit den armen Frauen wurde in letzter Zeit sicher nicht sanft umgesprungen.
Was mich aber besonders schockt, ist die Leere in den Augen der jungen Frauen. Sie haben jede Hoffnung aufgegeben. Ich gehe davon aus, dass man sie gebrochen hat. Sie haben keinen eigenen Willen mehr.
Said bemerkt meinen Blick zu den jungen Frauen und ich gehe davon aus, dass er sich auch vorstellen kann, was ich mir denke. Er lacht nur.
"Das ist unser Spaßprogramm. In dieser Einöde gibt es nur wenig Unterhaltung", grinst er.
"Ihr haltet die Mädchen zum Vögeln?"
"Sie können nur das."
"Das glaube ich zwar nicht, aber ihr wollt sie nichts anderes machen lassen. Wo kommen sie her?"
"Das sind Kriegsgefangene aus der Ukraine."
"Aus der Ukraine?"
"Ja, wir nehmen doch nicht die eigenen Frauen."
"Aber, was haben euch die drei getan?"
"Sie sind auf der falschen Seite."
"Das ist doch Irrsinn. Was würdet ihr sagen, wenn wir eure Frauen schänden würden."
"Du bist ganz bestimmt nicht in der Lage dazu und dein Land auch nicht. Wenn du Glück hast und dich kooperativ zeigst, dann bauen wir für dich einen weiteren Käfig, wenn wir mit der ersten Runde durch sind", lacht er laut auf.
"Ich werde mich nie geschlagen geben."
"Eigentlich schade, aber das habe ich mir schon gedacht.", kontert er. "Im Grund ist das aber egal. So haben wir eben nur einmal Spaß mit dir, dafür allerdings noch viel, viel intensiver als mit den Schlampen hier."
Er zerrt mich nun direkt vor die Käfige und stellt mich davor. Die Männer bilden inzwischen einen Halbkreis um uns herum. Sam wird etwas abseits von uns festgehalten. Sein Gesicht ist sorgenvoll.
"Ein wenig Spaß werden wir aber schon vorher mit dir haben", meint Said. "Holt Seile!"
Zwei Männer laufen, um das Gewünschte zu holen. Ich habe den leisen Verdacht, die wissen bereits, was ihr Boss plant. Dieser dreht sich nun wieder mir zu.
"Ziehst du dich selbst aus oder soll ich es zwei von meinen Männern machen lassen."
"Was hast du vor?", frage ich.
"Das wirst du noch früh genug erfahren.", grinst er. "Wer will?"
"Halt, ich mach schon. Dazu musst du mir aber die Fesseln abnehmen."
Er gibt einem seiner Männer ein unmissverständliches Zeichen. Dieser geht hinter mich und macht sich an meinen Fesseln zu schaffen. Gleichzeitig löst Said das Seil um meinen Hals.
"Das wird uns auch nur stören", meint er. "Ich hoffe, du bist so vernünftig und nimmst nicht Reißaus. Das würde dir sowieso nicht gut bekommen."
"Ich habe keine Lust auf Strafe", gestehe ich.
"Es ist nicht wegen der Strafe. Wegen der würde ich es sogar begrüßen, wenn du einen Fluchtversuch unternehmen würdest. Dann hätten wir jetzt schon unseren Spaß. Das Problem ist nur, du könntest es nicht überleben."
"Würdest du auf mich schießen?"
"Das bräuchte ich gar nicht. Du kommst hier sowieso nicht weg. Es führt nur ein sehr schmaler und steiler Weg über die Felsen hinab ins Tal. Ich hätte Angst, dass du dir dabei den Hals brichst. Nachts ist es sowieso zu gefährlich und auch am Tag muss man den Weg sehr gut kennen.
Aber ich halte es für wahrscheinlicher, dass du den Aufstieg erst gar nicht findest und dich im Felsen versteigst und irgendwann in die Tiefe stürzt. Dabei bricht man sich hier mit Sicherheit den Hals."
"Ich bin nicht lebensmüde, keine Sorge."
Inzwischen hat der Mann hinter mir die Fesseln gelöst. Ich ziehe die Bluse aus und lege sie auf einen der Käfige. Danach reibe ich mir die Handgelenke, damit die Blutzirkulation etwas in Schwung kommt. Die Männer haben das Seil ganz schön fest zugezogen.
"Jetzt zieh dich schon aus!", fährt mich Said an.
Dabei löst er erst in diesem Moment das Seil um meinen Hals. Aber er will wohl nur seine Macht unterstreichen, indem er mich antreibt.
Langsam ziehe ich die Stiefel aus. Dabei achte ich peinlich genau darauf, dass keiner das Messer sieht, das ich immer noch darin stecken habe. Kurz überlege ich sogar, ob ich damit jetzt schon eine Chance hätte, entscheide mich dann aber doch dagegen.
Um uns herum stehen etwa 50 Kämpfer. Da gibt es kein Entkommen, das ist auch mit einem Messer unmöglich. Ich würde in einer derart ausweglosen Situation nur mein Leben und womöglich auch das von Sam gefährden.
Deshalb stelle ich die Stiefel neben den Käfigen ab, lege die Bluse drauf und mache mich dann daran, die Hose auszuziehen. Auch, wenn es mir ausgesprochen widerstrebt, mich hier vor all den Männern nackt auszuziehen, so weiß ich genau, dass ich keine andere Wahl habe.
Ich ziehe die Hose herunter und steige heraus. Auch sie lege ich zur Bluse auf die Stiefel. Das Messer ist nun gut verborgen unter den Kleidern. Damit trage ich nur noch einen winzigen Tanga. Ich bin ja nicht darauf eingestellt, mich vor feindlichen Kriegern entblößen zu müssen.
"Reicht das?", frage ich.
"Wir wollen dich schon nackt sehen. Aber im Moment würde ich vorschlagen, genießen wir das Schauspiel. Wir haben sowieso Zeit, bis Kakarov kommt. Da ist es nicht schlecht, wenn du uns eine Show bietest. Dreh dich im Kreis und beweg deine Hüften. Wir wollen sehen, wie du mit dem geilen Arsch wackeln kannst", weist er mich an.
Ich mache, wie mir befohlen. Ich versuche mich nicht nur im Kreis zu drehen, sondern mich auch etwas aufreizend zu bewegen. Ich kann die Gier in den Augen der Männer sehen, die mit der Zeit immer stärker wird.
Meine Show scheint ihnen zu gefallen. Einige lecken sich bereits mit der Zunge gierig über die Lippen. Aber sie halten sich alle zurück. Said hat seinen Leuten klar gemacht, dass der Chef sein Vorrecht geltend machen will und mit Kakarov will es sich offenbar keiner verscherzen.
"Wackle noch etwas mehr mit dem Arsch", ruft mir einer zu.
Ich bemühe mich, noch etwas lasziver zu tanzen. Ich komme mir dabei wie eine Stripperin in einem billigen Puff vor.
"Massier dir die Möpse!", ruft ein anderer.
Ich mache auch das und bekomme sogar von ein paar der Männer Applaus. Es ist erniedrigend, aber es ist genau das Schauspiel, das die Männer sehen wollen. Wenn sie mit so wenig bereits zufrieden wären, könnte ich damit leben. Aber nach dem, was Said mir angedroht hat, wird es dabei garantiert nicht bleiben.
"Zieh dich ganz aus", kommt nun der Befehl von Said.
Schweren Herzens streife ich nun auch das letzte Stückchen Stoff ab und lege es zum Rest meiner Kleidung. Weil ich dabei ganz nahe an den Käfig muss, schaue ich auch zur jungen Frau, die darin auf einem Holzstumpf sitzt.
"Das wird heftig", raunt sie mir zu.
"Ich kann es mir denken", raune ich zurück.
Dann muss ich auch schon wieder aufstehen und stelle mich neben Said. Dieser mustert meinen Körper, genauso wie alle anderen. Um seine Mundwinkel spielt ein zufriedenes Grinsen.
"Was haltet ihr von einer Spermadusche?", ruft er den Männern zu. "Dagegen kann Kakarov nichts einzuwenden haben."
Mir stockt bei dieser Ankündigung der Atem. Ich weiß nicht, wie er sich das vorstellt, angenehm dürfte es aber auf keinen Fall werden. Said aber gibt mir einen heftigen Klapps auf den Hintern. Das laute Klatschen ist weitum zu hören und entlockt den Männern ein schadenfrohes Lachen. Dann packt er mich bei den Haaren und zieht mich daran auf die andere Seite der Käfige.
Erst jetzt fallen mir vier Pfähle auf, die dort neben den Käfigen für die jungen Frauen aus dem Boden ragen. Sie bilden am Boden ein Rechteck.
"Leg dich dort auf den Boden!", weist Said mich an.
Dabei deutet er auf den Platz genau zwischen den Pfählen. Etwas unsicher, weil ich nicht weiß, wie er das genau meint, gehe ich auf die Stelle zu, auf die sein Finger zeigt. Said wird etwas ungeduldig, deshalb beeile ich mich.
"Hier legst du dich hin. Arme und Beine schön in Richtung der vier Stangen", präzisiert er seine Anweisung von vorher.
In etwa verstehe ich nun, was er sich vorstellt, und lege mich mit gespreizten Armen und Beinen auf den steinigen Boden. Da der Platz übersäht ist mit kleineren und etwas größeren Steinen, drücken diese unangenehm an allen möglichen Stellen gegen meinen Körper. Besonders schlimm ist es am Rücken.
"Bindet sie fest!", befiehlt Said seinen Männern.
Vier von ihnen nehmen jeweils ein Seil und binden es an meinen Handgelenken und Knöcheln sowie an einem der Pfähle fest. Da sie kräftig ziehen, liege ich schlussendlich mit gestreckten Armen und weit gespreizten Beinen am Boden.
"Ist sie nicht zum Anbeißen?", will der Anführer wissen. Dabei lacht er gemein.
"Ich würde sie am liebsten ficken, dass ihr Hören und Sehen vergeht", ruft einer der Männer.
"Das kannst du morgen auch noch. Heute allerdings muss sie unversehrt bleiben. Der Boss will seinen Spaß haben."
"Immer der Boss", jammert einer.
"Du hast morgen Küchendienst", faucht ihn Said an.
Der Mann, der sich beklagt hat, schaut leicht betreten drein. Er ist sich nicht sicher, scheint aber Fürchterliches zu ahnen.
"Ich darf aber schon ...", will er einwerfen.
"Du verlässt zwei Tage lang nicht die Küche", unterbricht ihn Said.
"Bis dahin habt ihr die Nutte totgefickt oder zumindest ist dann das Beste schon lang vorbei."
"Dann hättest du eben nicht aufmüpfig sein sollen."
"Das ist unfair!"
"Willst du noch zwei Tage dranhängen?", fährt ihn Said an.
"Nein, nur das nicht."
Der Mann zieht sich missmutig zurück. Würde es nicht um mich gehen, könnte ich sogar etwas Mitleid mit ihm haben.
"Will sich noch einer beklagen?", ruft Said laut. Doch keiner meldet sich, was ich auch verstehen kann.
"Gut, dann machen wir die Kleine mal zur Wichsvorlage. Jeder darf sich über ihr einen runterholen", ruft er. "Von mir aus auch öfters."
Dabei öffnet er schon seine Hose, holt seinen Lümmel heraus und stellt sich vor meinem Kopf auf. Er schaut überheblich grinsend auf mich herab und beginnt damit, an seinem Ding entschlossen zu rubbeln.
Nun kann ich mir vorstellen, was es mit dieser Spermadusche auf sich hat. Es wird zwar eine eklige Angelegenheit und erniedrigend sein, aber zumindest tut es nicht weh.
Während Said mit seinem Schwänzchen spielt, stellen sich weitere Männer um mich herum auf und packen ebenfalls ihre Freunde aus. Es dauert nicht lang und ich bin umgeben von unzähligen Männern, die onanieren. Es ist grässlich. Ich habe noch nie, so viele Schwänze auf einmal gesehen.
Die Männer beschränken sich aber nicht nur darauf, sich über mir einen herunterzuholen, sie beginnen auch versaut über mich zu reden und sich gegenseitig ihre schmutzigen Fantasien zu erzählen. Diese handeln davon, wie sie mich vögeln werden, sobald sie dann endlich an der Reihe sind. Es ist grauenhaft, welche Vorstellungen und perversen Ideen diese Männer haben.
Es dauert eine Weile, dann spüre ich, wie Tropfen auf meinen Körper fallen. Der erste ist zum Abschuss gekommen. Sein Sperma klatscht als kleiner Batzen auf meinen rechten Oberschenkel. Er packt seinen Pimmel ein, tritt zurück und ein anderer nimmt seinen Platz ein.
Es dauert nicht lange und ich spüre, wie eine größere Menge Sperma gegen meine rechte Brust klatscht, fast zeitgleich werde ich von einer Ladung im Gesicht getroffen. Es ist verdammt eklig. Aber was soll ich machen. Ich liege festgebunden am Boden, die Männer stehen über mir und grinsen schadenfroh.
Die Kerle, die gekommen sind, machen den Platz frei und der Nächste bekommt die Gelegenheit, sich an mir zu ergötzen und mich zu bespritzen. Einer nach dem anderen kommen die Männer zum Höhepunkt. Einige grunzen zufrieden, andere atmen erleichtert aus und wieder andere geben einen blöden Spruch von sich.
So geht das eine ganze Weile. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren, aber ich gehe davon aus, dass es deutlich mehr als eine Stunde dauert. Währenddessen wird mein Körper immer mehr mit Sperma besudelt. Dieses trocknet an einigen Stellen allmählich ein und auf meiner Haut beginnt es unangenehm zu ziehen und zu spannen.
Ich atme erleichtert auf, als der letzte über mir zum Abschuss kommt. Auch er packt sein bestes Stück weg und tritt zurück. Nun ist es Said, der wieder zu mir tritt. Er hält ein Glas Bier in der Hand und grinst.
"Wie schaut denn die aus?", lacht er. "So eingesaut habt ihr noch keine."
"Es hat aber auch Spaß gemacht. Einige haben sich zweimal angestellt", lacht einer.
"Ich habe sogar dreimal", prahlt ein anderer.
"So können wir sie aber nicht Kakarov übergeben. Wir müssen sie ein wenig säubern. Hat jemand eine Idee, wie wir das machen?"
"Ich hätte etwas Druck auf dem Rohr", meint einer.
"Du willst auf sie pinkeln?"
"Abwaschen kann man damit auch", grinst der andere.
"Dann mach mal!", bietet Said an.
Einer der Männer tritt vor. Ich kann ihn nicht genau sehen, da ich die Augen nicht weit aufmachen kann, weil auf den Augenlidern eine dicke Spermaschicht drauf ist. Die meisten haben sich einen Spaß daraus gemacht, auf mein Gesicht zu zielen und einige haben auch getroffen.
Ich erkenne, dass der Mann sich etwa auf Hüfthöhe neben mich stellt. Wenig später nehme ich wahr, wie eine Flüssigkeit im Strahl auf meinen Körper trifft. Das Schwein zielt schon wieder genau auf mein Gesicht.
Er hat eine beachtliche Menge, die er auf mich spritzt. Er hatte es wohl nötig, sich zu erleichtern. Die Umstehenden scheinen es schön zu finden, wie ich angepisst werde und beginnen zu johlen.
"Ich will auch", ruft einer aus der Gruppe.
"Mach nur", bietet ihm Said an.
Damit ist eine zweite Runde eingeläutet. Diesmal werde ich angepinkelt und ich könnte nicht sagen, was ekliger ist. Die Typen zielen ausnahmslos auf mein Gesicht. Alle wollen mich dort treffen und die meisten treffen gar nicht schlecht. Es ist mindestens genauso eklig, wie das Sperma.
Es dauert erneut einige Zeit, bis alle sich erleichtert haben. Diesmal geht es zum Glück deutlich schneller. Ich weiß nur nicht, ob dies daran liegt, dass sie nicht zwei- oder gar dreimal können, wie beim Wichsen oder ob das Pinkeln an sich einfach schneller erledigt ist.
Ich muss ein Bild des Elends abgeben. Ich spüre selbst, dass meine Haare und mein Körper komplett nass oder von Sperma verklebt sind. Außerdem muss ich fürchterlich stinken.
"So können wir sie Kakarov schon gar nicht präsentieren. Wer meldet sich, die Schlampe zu waschen?"
Natürlich melden sich so gut wie alle. Ich kann mir schon vorstellen, was mir bei dieser Köperwäsche blüht. Schließlich sucht Said zwei Männer aus. Ich nehme an, es sind die, die ihm treu ergeben sind.
Sie binden mich zunächst los. Dann packt mich einer bei den Haaren und schleift mich zu einem Brunnen, der sich in der Nähe befindet. Nun werde ich gewaschen. Ich muss mich in den Brunnen stellen und die Männer schöpfen Wasser über mich.
Damit geben sie sich aber nicht zufrieden, sie reiben an mir herum und tu so, als wollten sie dabei helfen, dass ich sauber werde. Dass sie dabei am Hintern, an den Brüsten, den Schenkeln und vor allem zwischen den Beinen besonders gründlich vorgehen, muss ich wohl nicht extra erwähnen.
Auf jeden Fall dauert das Waschen deutlich länger als notwendig. Aber Said lässt sie gewähren und ihre Kumpels feuern sie noch mit zotigen Sprüchen an. Mit meinen schon wieder auf den Rücken gebundenen Armen kann ich mich auch nicht ihren Übergriffen entziehen. Es ist fürchterlich in einer so hilflosen Situation zu sein.
"Ist sie langsam sauber?", will nach einer gefühlten Ewigkeit Said wissen.
Auch ihm wird das Warten offenbar allmählich zu lange. Deshalb kommt er auch schon auf uns zu. Bevor die beiden Saubermänner mich richtig loslassen können, ist er auch schon bei ihnen und packt mich bei den Haaren.
"Wir müssen die Kleine noch vorbereiten. Wenn Kakarov kommt, soll sie ihn einladend begrüßen", meint Said.
Er zieht mich erneut zwischen die Stangen und stellt mich zwischen jene beiden, die weiter hinten stehen. Sie ragen etwa zwei Meter hoch auf. Er holt ein Messer hervor und schneidet meine Fesseln durch.
"Komm nicht auf die Idee, dich zu wehren oder davonzulaufen. Das würde dir nicht gut bekommen", knurrt er.
"Schon gut, schon gut!", beschwichtige ich.
Er gibt einem Mann einen Wink, der mit Lederriemen kommt. Als er bei mir ist, wird mir klar, dass es Manschetten sind, die mir um die Handgelenke und die Knöchel herum festgemacht werden. Dann holt er dünne Seile hervor und nimmt das erste davon zur Hand.
Er zieht es durch einen Ring ein Stück oben an der Stange und durch einen Ring an meiner Manschette. Dann bindet er die beiden Enden fest am Ring meiner Manschette fest. Der Mann verfährt genau gleich an meiner anderen Hand sowie an den beiden Füßen. Am Ende hänge ich zu einem großen X aufgespannt und nackt stehend zwischen den Stangen.
"Eine so geile Braut hatten wir lange nicht mehr", ruft einer.
"Keiner fasst sie an, bevor der Boss sie nicht freigibt", stellt Said sofort noch einmal klar.
Dann wird Sam gepackt und mir gegenüber zwischen die anderen beiden Stangen gebunden. Auch er wird zu einem großen X aufgespannt, hat aber noch alle seine Kleider an.
Während er festgebunden wird, sind die Augen meines Freundes die ganze Zeit auf mich gerichtet, er blickt mir direkt in die Augen. Ich kann seine Sorge und Angst erkennen. Ich glaube auch Schuldgefühle zu erkennen, die aber in diesem Fall wirklich nicht angebracht sind. Ich war es, die in die Heimat wollte, um die Familie zu besuchen. Sam trägt sicher keine Schuld an dem, was passiert ist.
Kapitel 20
"Jetzt hängen die beiden", meint Said. "Aber ein wenig Spaß sollten wir doch noch haben."
Ich schaue ihn überrascht an, weil ich nicht verstehe, was er damit schon wieder meint. Immerhin hat er doch gesagt, man sollte mich in Ruhe lassen. Was soll nun diese Ankündigung von wegen Spaß. Diesen hatten die Männer doch schon.
"Hol die Kleine dort drüben her", weist Said einen seiner Männer an.
Er deutet dabei auf den ersten Käfig. Es ist die junge Frau, mit der ich kurz gesprochen habe. Allerdings verstehe ich nicht, was er nun schon wieder vorhat.
Ich verfolge die Szene mit wachsender Verwunderung. Der von Said beauftragte Mann geht hinüber zum Käfig, öffnet diesen und packt die junge Frau an den Haaren.
"Komm schon her!", brummt er.
Sie versucht, so schnell wie möglich aus dem Käfig zu kommen, aber sie ist nicht schnell genug, weil auch der Platz, zu klein und sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Ich nehme an, dass ihre Glieder vom Hocken im kleinen Käfig auch steif und starr sind.
Der Mann ist aber sehr ungeduldig und zerrt sie an den Haaren heraus. Er schiebt sie vor sich her zu den Stangen und versetzt ihr dabei immer wieder Fußtritte auf den Hintern. Ich würde den Typen am liebsten in der Luft zerreißen. Er schikaniert die Frau bewusst, obwohl sie sich redlich bemüht, seinen Aufforderungen nachzukommen.
"Ich hätte eine Aufgabe für dich", grinst Said.
Er hat die junge Frau nun ebenfalls an den Haaren gepackt, führt sie zu Sam und stellt sie genau vor ihn. Dann drückt er sie nach unten. Die Frau geht sofort brav in die Hocke.
"Unser amerikanischer Freund soll doch auch ein wenig Spaß haben. Wir Männer müssen zusammenhalten", lacht Said. Dann wendet er sich an die junge Frau. "Hol den Ami-Schwanz aus der Hose und blas ihn. Ich will sehen, dass er dir ins Maul spritzt. Du zeigst uns, was du bekommen hast, und schluckst es dann hinunter."
Ohne Zögern öffnet die junge Frau die Hose und holt Sams Schwanz heraus. Er ist nur ein bisschen erigiert. Ich kann es sehen, weil die junge Frau den Kopf noch etwas zur Seite geneigt hat. Dann aber nähert sie sich damit seiner Körpermitte.
Da ich direkt gegenüber von ihr bin, bekomme ich zwar nicht genau mit, was sie macht, weil ich nur ihren Hinterkopf sehen kann. Allerdings kann ich mir anhand der Bewegungen des Haarschopfes ausgesprochen lebhaft vorstellen, was sie macht. Sie bläst meinem Freund den Schwanz.
Mir wird die Boshaftigkeit hinter dieser Aktion bewusst. Eine mir fremde Frau befriedigt meinen Freund oral und ich muss dabei zuschauen. Natürlich lässt mich das nicht kalt, auch wenn ich versuche, so zu tun, als würde es mich nicht interessieren. Immerhin will ich Said und seinen Männern nicht die Genugtuung geben, zu zeigen, dass ich darunter leide.
Sam schaut zu mir herüber. Er blickt einerseits verzweifelt, ich kann andererseits aber auch Schuldgefühle erkennen. Mit der Zeit mischt sich zusätzlich noch Lust dazu.
Auch, wenn ich verstehe, dass es in seiner Natur liegt, erregt zu werden, wenn eine Frau seinen Prügel bearbeitet, mache ich ihm insgeheim Vorwürfe, weil er es nicht schafft, sich zurückzuhalten. Mein Verstand sagt mir zwar, dass er keine Chance hat, doch die Eifersucht in mir ist bereits erwacht.
Die junge Frau hat die Aufgabe, ihn zum Höhepunkt zu bringen und je mehr er sich dagegen sträubt, umso länger wird es dauern. Das Ende dieser Aktion ist unvermeidlich. Ich bin mir sicher, dass die Männer nicht abbrechen. Er wird kommen, egal wie lange die Frau dafür an seinem Schwanz lutschen muss.
Ich kann nicht anders, ich muss die Augen schließen, als er schließlich zum Orgasmus kommt und der Frau sein Sperma in den Mund pumpt. Ich kann das an den Zügen seines Gesichtes ablesen. Ich könnte sogar ganz genau sagen, wann er wieder einen Schub Sperma in ihren Rachen schießt.
Die Frau macht weiter, bis klar ist, dass kein einziger Tropfen mehr zu holen ist. Dann zieht sie den Kopf zurück und hält Said den offenen Mund hin.
"Zeig es der Schlampe dort drüben!", weist er sie an.
Die Schlampe wäre ich und die Frau steht auch auf und kommt folgsam auf mich zu. Als sie vor mir stehen bleibt, kann ich deutlich den weißlichen Schleim erkennen, der um ihre Zunge verteilt ist.
"Dein Freund ist nicht schlecht", grinst Said. "Schlucken!"
Die junge Frau schenkt mir einen mitleidigen Blick und schluckt das Sperma hinunter. Ich sehe ihr an, dass sie mit mir leidet, und das macht die ganze Sache ein klein wenig erträglicher.
Außerdem wird mir in diesem Moment wieder bewusst, dass sie ja auch nur ein Opfer ist. Gegen sie darf ich keinen Groll hegen, genauso wenig wie gegen Sam. Allerdings ist das nicht so leicht. Der Kopf weiß, was Sache ist, aber meine Seele ist trotzdem verletzt.
"War das schön?", will Said grinsend von Sam wissen.
Als dieser nicht antwortet, stellt er sich direkt davor und schaut ihm in die Augen. Er wartet, bekommt aber immer noch keine Antwort. Da holt er aus und gibt Sam eine schallende Ohrfeige.
"Ich habe dich gefragt, ob es schön war?", faucht er dabei.
"Nein, es war nicht schön", knurrt Sam. Er ist verärgert und macht auch keinen Hehl draus.
"Dann wollen wir etwas anderes probieren?"
"Mach, was du willst", brummt Sam.
"Komm her!", wendet er sich wieder an die Frau.
Diese geht brav zu ihm und bleibt vor ihm stehen. Er packt sie erneut an den Haaren, führt sie direkt vor Sam und drückt sie erneut nach unten. Ich frage mich, ob sie ihm schon wieder einen blasen soll.
"Knie dich hin und nimm den Schwanz in dein Maul!", befiehlt Said.
Sie kniet sich, ohne zu murren, hin und schiebt den Kopf nach vorne. Ich gehe davon aus, dass sie nun den Lümmel meines Freundes wieder im Mund hat. Dabei frage ich mich, was das soll. Aber ich kann beim besten Willen die kranke Logik des Tschetschenen nicht durchschauen.
Said schnappt sich in aller Ruhe ein Seil und bindet den Kopf der Frau so an Sam fest, dass sie gegen seine Schamgegend gepresst bleibt. Er schnürt die beiden so geschickt aneinander, dass die Frau fest gegen Sam gepresst wird und sich dabei nicht bewegen kann. Ich gehe deshalb davon aus, dass sie auch keine Möglichkeit hat, zumindest den Schwanz aus dem Mund zu entlassen, wenn später niemand mehr da ist.
"Wer hält Wache?", will Said wissen.
"Darf ich dabei ...?"
"Nein!"
"Zumindest eine der anderen."
"Nein. Gevögelt wird erst morgen!", stellt Said klar.
"Warum nicht eine von den Kleinen da?"
"Ihr sollt morgen alle so viel Manneskraft haben, wie möglich ist. Du darfst dafür als erster nach Kakarov und mir, die Schlampe rannehmen."
"Na gut, ich halte Wache", stimmt der Mann zu.
Da es einer von jenen ist, die mich vorhin gewaschen haben, nehme ich an, dass es tatsächlich einer von Saids treuesten Kriegern ist. Er nimmt ein Gewehr und stellt sich neben den Käfigen auf.
"Aber schauen darf ich schon", grinst er.
"Schauen ist erlaubt", lacht auch Said.
Er gibt den anderen ein Zeichen, sich in die größere Hütte zu begeben, die ich für einen Gemeinschaftsraum halte. Dann wendet er sich an Sam.
"Die Kleine hängt die ganze Nacht an deinem Schwanz. Wenn du pissen musst, dann lass es laufen. Sie hat sicher ihren Spaß dabei", lacht er. "Wir sehen uns morgen."
Dann wendet auch er sich ab und folgt den anderen in den großen Raum. Damit sind nur noch Sam und ich, die drei jungen Frauen sowie unser Aufpasser im Freien. Ich hoffe, die Nacht wird nicht zu kalt. Nackt im Freien zu hängen ist nicht angenehm, zumindest nicht hier in diesen Höhen. Auch Wind wäre besser, wenn keiner wehen würde.
Zunächst sagt keiner ein Wort. Sam schaut mich schuldbewusst an. Mein anfänglicher Ärger über den Blowjob ist schon wieder weitgehend verraucht.
"Dich trifft keine Schuld", sage ich.
"An was?", will er wissen.
"An allem", entgegne ich. "Du trägst keine Schuld, dass wir entführt wurden und du hast keine Schuld, dass du es genossen hast, dass sie dir einen geblasen hat."
"Ich habe es nicht genossen", protestiert er.
"Du bist gekommen", antworte ich lächelnd. Dabei ziehe ich die linke Augenbraue nach oben und schaue ihn an.
"Das war eine rein körperliche Reaktion."
"Ok, dann hast du ja erst recht keine Schuld", lenke ich ein. Ich will deshalb sicher keinen Streit mit ihm.
"Das hilft mir auch nicht viel. Dir ist schon bewusst, dass unsere Lage ausweglos ist."
"Sagt der Mann, an dessen Schwanz eine junge Frau hängt", necke ich ihn und lache dabei.
"Mach keine Witze!"
"Was soll ich sonst machen. Heulen und jammern hat doch auch keinen Sinn."
"Was machen wir jetzt?"
"Wir hoffen, dass es nicht so schlimm kommt."
"Es kommt schlimm, das kannst du mir glauben", mischt sich die Wache ein. "Viel schlimmer als du es dir jemals ausmalen kannst."
"Reden wir von etwas anderem", sage ich zu Sam und ignoriere den Mann. "Du solltest dich als Präsident bewerben."
"Das willst du jetzt diskutieren?", will Sam fassungslos wissen. "Ausgerechnet jetzt, wo wir hier hängen?"
"Hast du heute noch etwas vor?"
"Nein, aber ich bin nicht in der Lage und auch nicht in der Stimmung, über eine Präsidentschaftskandidatur zu sprechen."
"Worüber willst du sonst sprechen?"
"Müssen wir sprechen?"
"Der Abend und die Nacht werden lang. In dieser Position finden wir eh keinen Schlaf."
"Ich will ihr nicht in den Mund pissen", meint Sam. Sein Blick zeigt auf die junge Frau vor ihm. Allerdings hätte ich das auch ohne Hinweis verstanden.
"Hast du Druck?"
"Noch nicht stark. Aber ich fürchte, die ganze Nacht halte ich nicht durch."
"Ich glaube, die Kleine hat schon Schlimmeres mitmachen müssen."
"Das tut mir auch leid, aber ich will nicht der sein, der es macht."
"Was willst du sonst tun, wenn der Druck zu groß wird?"
"Keine Ahnung. Reden wir von etwas anderem."
"Von was?"
"Egal was. Hauptsache nicht über Wasser. Davon steigt der Drang."
"Dann können wir ja doch über eine Kandidatur reden", lache ich.
"Von mir aus. Du gibst sonst eh keine Ruhe."
"Wir haben vereinbart, dass du es dir überlegst und wir später darüber sprechen. Jetzt wäre doch eine gute Gelegenheit."
"Von mir aus."
"Wie stehst du dazu?"
"Ich weiß nicht. Habe ich Chancen?"
"Nach diesem Abenteuer ganz bestimmt."
"Was hat das damit zu tun?"
"Du bist dann auch ein Held."
"Dazu müsste ich hier lebend rauskommen."
"Was ich bezweifle", lacht die Wache.
"Lass dich nicht unterkriegen. Wir finden einen Weg", versuche ich Sam aufzubauen.
"Ja sicher!", lacht die Wache.
"Warum soll ich kandidieren?"
"Weil du ein guter Mann bist. Du denkst an das Volk und nicht an deine Macht."
"Ist das genug?"
"Alle machen Fehler. Allerdings gibt es Menschen, die aus ihren Fehlern lernen und andere nicht."
"Ich lerne aus meinen Fehlern?"
"Du hast auf unser Kajakfahrt ständig dazugelernt und dich verbessert."
"Aber das Leben ist keine Kajakfahrt und die Präsidentschaft schon gar nicht."
"Es geht ja auch nicht darum, ob das Leben eine Kajakfahrt ist oder nicht, sondern ob du lernfähig bist."
"Gut, ich bin also lernfähig, sagst du."
"Wer sonst soll Dagobert La Mar schlagen? Ich finde es gut, dass William sich eingesteht, dass er das nicht mehr schafft."
"Glaubst du? Ich hingegen würde immer noch auf ihn setzen."
"Die Wähler wollen jüngere Leute."
"Neue Leute?"
"Nein, jüngere. Sie wollen den Kandidaten schon kennen und wissen, wofür er steht. Sie wollen aber jemand der dieses Amt noch nicht innehatte."
"Du glaubst wirklich, ich wäre der richtige Kandidat?"
"Ganz bestimmt", versichere ich. "Ich wüsste keinen Besseren."
"Ehrlich?", will er unsicher wissen.
"Ehrlich!", sage ich mit voller Überzeugung.
"Und was wird dann aus uns?"
"Wir sind ein Paar und werden es auch bleiben. William glaubt, dass ich ein Pluspunkt sein könnte. Er meint aber auch, dann müssten wir heiraten."
"Er will dich drängen, mich zu heiraten?", will Sam wissen. Ich kann heraushören, dass er verärgert darüber ist.
"Es war ein Rat."
"Trotzdem hat er sich da nicht einzumischen."
"Sei ihm nicht böse. Er hat sich eben Gedanken gemacht."
"Ob ich dich heiraten will oder nicht, das ist immer noch meine Sache."
"Willst du mich nicht heiraten?"
"Natürlich, irgendwie ganz sicher. Aber wenn dem so ist, dann frage ich dich und nicht William, ich sage, wenn es soweit ist."
"Mann Sam, sei nicht gleich eingeschnappt. Er hat einfach über die Reaktion der Wähler nachgedacht."
"Würdest du mich denn heiraten?", will er plötzlich wissen. Sein Ton ist unsicher und schüchtern.
"Natürlich würde sie", lacht die Wache. "Welche Frau liebt nicht einen Mann, an dessen Schwanz eine andere hängt."
"Halt den Mund!", fahre ich ihn an.
"Die Nutte an seinen Eiern dürfte morgen dein kleinstes Problem sein. Wenn Sergeij und Said mit dir fertig sind, bist du sicher schon geschafft. Dann aber geht der Spaß erst richtig los. Dann kommen noch ich und alle anderen. Da denkst du garantiert nicht mehr an eine Kandidatur oder an eine Hochzeit. Wenn wir mit dir fertig sind, will dich sowieso keiner mehr haben", kontert der Mann.
"Was machen die da drinnen?", frage ich, um abzulenken.
Sams Gesichtszüge sind bei den Worten des Tschetschenen entgleist. So direkt mit dem, was sie mit mir machen wollen, konfrontiert zu werden, ist heftig für ihn. Natürlich ist es heftig auch für mich. Aber ich habe die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, mich doch noch irgendwie aus der Affäre ziehen zu können.
Das ist mir bisher noch immer gelungen und da waren auch die eine und die andere echt brenzlige Situation dabei. Wenn ich an die Raketen auf das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte oder an die Situation auf dem russischen und dann auf dem amerikanischen U-Boot denke, dann stand es da auch nicht so rosig um mich. Trotzdem bin ich davongekommen.
Ich muss aber auch zugeben, so schlimm wie jetzt war es noch nie. Die Ausgangslage ist diesmal echt beschissen und auch ich mache mir Sorgen. Gefesselt, am Arsch der Welt und ohne Möglichkeit, mich heimlich vom Acker machen zu können, bin ich in einer wirklichen schwierigen Lage. Die Pläne der Männer kommen dabei auch noch dazu.
"Dort sind der Speisesaal und die Küche. Manchmal verwenden wir den Raum auch für Versammlungen. Da passen alle hinein."
Plötzlich geht die Tür auf und einige Männer kommen heraus. Sie lachen und unterhalten sich. Einige werfen noch einen letzten Blick auf uns, oder es kommt noch ein anzüglicher Spruch, dann verschwinden sie in den verschiedenen Baracken.
Immer wieder kommen Männer heraus, einige wünschen dem Wachmann eine gute Nacht, andere scheinen etwas zu tief ins Glas geschaut zu haben und torkeln mehr als sie gehen.
Auch Said kommt durch die Tür. Er schaut sich um und schlendert dann zu mir her. Direkt vor mir bleibt er stehen. Etwas verstohlen fasst er mir zwischen die Beine und lässt sogar einen Finger in mich rutschen. Er kommt nicht weit, weil ich trocken bin.
Er drückt aber dennoch entschlossen zu und es tut weh. Weit jedoch dringt er immer noch nicht ein und lässt dann auch recht schnell von mir ab. Ich vermute, er will keine Spuren hinterlassen. Das würde ihm sein Freund vermutlich übelnehmen.
"Du bist ein scharfer Zahn. Schade, dass du nicht auf unserer Seite bist", raunt er mir zu. "Wir könnten sehr viel Spaß miteinander haben."
"Lieber sterbe ich."
"Langsam und qualvoll. Ich weiß."
Damit lässt er von mir ab und geht zu Sam. Er schaut ihn herausfordernd an.
"Hat er schon der kleinen Sau ins Maul gepisst?", will er vom Wachmann wissen.
"Noch nicht, aber das kommt schon noch. Keine Sorge", antwortet dieser.
"Dann wollen wir die Turteltäubchen mal allein lassen. Wir sehen uns morgen!", meint er lachend.
Auch er macht sich auf den Weg und verschwindet in einer Hütte. Als ein Mann den Speisesaal verlässt und das Licht ausmacht, gehe ich davon aus, dass nun Ruhe im Lager einkehrt. Ich schätze, es ist inzwischen etwa 9 Uhr am Abend.
Kapitel 21
Als es um uns herum allmählich ruhig wird, schweigen auch wir. Vermutlich hängen alle ihren Gedanken nach. Ich hänge an meinen Stangen und versuche an meiner rechten Hand das Seil zu erwischen.
Es ist einen Versuch wert. Wenn ich genau überlege, ist es meine einzige Chande. Es ist kompliziert und ich muss die Finger ganz schön verrenken, aber mit etwas Mühe komme ich schließlich dran.
Der Wachmann hat sich ein windgeschütztes Plätzchen gesucht. Es ist ungemütlich geworden, weil eine scharfe Briese aufgekommen ist und ich friere leicht. Die ganze Nacht zwischen den Pfählen festgemacht zu sein, wird mit Sicherheit mehr als unangenehm. Aber der Schnupfen, den ich mir dabei holen könnte, ist morgen wohl nicht von großer Bedeutung.
Ich versuche mich auf das Seil an meiner rechten Hand zu konzentrieren. Wenn ich eine Chance habe, dann ist diese tatsächlich die einzige. Die Nacht ist die Zeit, in der es möglich sein könnte, zu verschwinden. Am Tag hätten wir niemals die nötige Ruhe dazu.
Die Kälte zieht aber bereits allmählich in meine Finger und es wird zunehmend schwieriger, meinen Plan in die Tat umzusetzen. Aber ich will nichts unversucht lassen. Nur mit großer Mühe und kalten Fingern kann ich den ersten Knopf des Seiles lösen. Es kostet mich viel Zeit, ist aber trotzdem ein Hoffnungsschimmer.
Der erste Erfolg beflügelt mich und treibt mich an. Ich mache weiter und kann nach einer gefühlten Ewigkeit den zweiten und schließlich den dritten Knoten lösen. Nun habe ich eine reelle Chance.
Ein schneller Blick zur Wache beruhigt mich. Der Mann glaubt vermutlich nicht, dass Gefahr droht und hat es sich ausgesprochen bequem gemacht. Er ist sich zu sicher. In zwei Decken gehüllt sitzt er da, den Kopf an den leeren Käfig gelehnt.
Ich löse das Seil komplett und als es nur noch am Ring an der Stange hängt, kann ich meinen Arm vorsichtig zur linken Hand bewegen. Ich bemühe mich, keine zu schnellen Bewegungen zu machen, damit die Wache nicht auf mich aufmerksam wird.
Nun versuche ich, an der anderen Hand, nicht das Seil, sondern die Manschette zu lösen, was mir bereits nach wenigen Handgriffen gelingt. Dies war die richtige Entscheidung.
Erneut blicke ich zur Wache. Der Mann bewegt sich nicht und ich habe den Eindruck, als würde er schlafen. Seine Atemzüge sind regelmäßig und deuten darauf hin. Ich beobachte ihn einige Zeit. Er rührt sich nicht.
Deshalb nehme ich allen meinen Mut zusammen, beuge mich zu meinen Beinen und befreie auch diese. Sam hat schon nach der ersten Hand mitbekommen, dass ich dabei bin, mich zu befreien und beobachtet mich mit wachsender Spannung.
Kaum, dass ich frei bin, schleiche ich zu meinen Stiefeln, hole mein Messer hervor und nähere mich langsam und vorsichtig der Wache. Ich lasse mir Zeit und übereile nichts. Mir ist klar, dass ich nur diese eine Chance habe. Wenn ich diese vergeige, dann ist endgültig aus.
Aber es geht alles gut. Ich erreiche den Mann und gehe hinter ihm in die Hocke. Ich will ihm vorsichtig das Gewehr wegnehmen, das er achtlos an den Käfig gelehnt hat.
Plötzlich gibt eine der Frau in einem der Käfige einen überraschten Laut von sich und weckt damit die Wache. Ich vermute, sie hat geschlafen und ist erschrocken, als sie eine Bewegung in der Nähe der Käfige wahrgenommen hat.
Der Mann wacht auf und schaut sich um. Mir ist klar, ich muss sofort handeln. Ohne zu zögern, lege ich die linke Hand über seinen Mund und ziehe mit der rechten die Klinge quer über seine Kehle.
Das Metall hinterlässt im ersten Augenblich nur einen schmalen roten Strich, aus dem aber schon bald eine Menge Blut quillt. Der erstickte Laut, der durch meine Hand hindurch noch zu hören ist, verfliegt in der Nachtluft. Außer in unmittelbarer Nähe ist nichts davon zu hören.
"Pssst!", weise ich die Frau an. "Wir nehmen euch mit. Seid aber still!"
"Wo willst du hin?"
"Wir finden einen Weg."
Ich gehe schnell, mich anziehen. Dabei fällt mir ein, dass ich immer noch einen Peilsender in der Hosentasche haben müsste. Ich kontrolliere kurz und stelle erleichtert fest, dass er immer noch da ist. Ich habe ihn damals auf der Krim von Anna bekommen, bevor wir ins Gefängnis gegangen sind, um Ekaterina zu befreien. Er ist dann einfach dort verblieben, nachdem John und ich Ekaterina nach Moskau gebracht haben, ohne ihn verwenden zu müssen.
Ohne jedes Schuldgefühl aktiviere ich ihn und werfe ihn zwischen die großen Steine, die hinter den Käfigen an der Felswand liegen. Sie sind wohl von der Felswand dahinter heruntergefallen und liegen geblieben oder die Männer haben die Steine hier zusammengetragen, um die Fläche davon zu befreien.
Hier zwischen den Felsbrocken, würde niemand den Sender finden, selbst wenn man wüsste, dass er da ist. Das kleine Ding fällt zwischen den Steinen nach unten und ist nicht mehr zu sehen.
Dann mache ich mich auf den Weg zu Sam. Zuerst binde ich die junge Frau los, die erleichtert ist, als sie sich endlich von meinem Freund lösen kann.
"Befreie deine beiden Leidensgenossinnen und wartet dort auf uns."
Anschließend mache ich mich dran, meinen Freund von seinen Fesseln zu befreien. Auch bei ihm öffne ich nur die Manschetten und lasse die Seile einfach hängen. Das geht bedeutend schneller.
"Mach die Hose zu", necke ich ihn "Dann komm mit!"
"Was hast du vor?"
"Wir schleichen zum Hubschrauber."
"Was willst du dort?"
"Abhauen!"
"Und wie?"
"Das wirst du schon noch sehen."
Ohne auf eine weitere Antwort zu warten, schleiche ich zu den drei Frauen. Ich nehme noch schnell die Waffen der Wache an mich und gebe den anderen ein Zeichen, mir zu folgen. Die Leiche habe ich zuvor hinter die Käfige gezogen, damit man sie nicht sofort entdeckt.
Vorsichtig, weil es dunkel ist, schleichen wir den schmalen Steig am Felsen entlang zum Hubschrauber. Er ist nicht sehr breit und überhängende Felsen machen das Weiterkommen zusätzlich gefährlich.
Es ist ein Vor- und ein Nachteil, dass wir in zwei Tagen Neumond haben. Wir sehen deshalb nicht viel und kommen nur äußerst langsam voran. Dieses Problem haben allerdings auch eventuelle Verfolger, auch wenn ich hoffe, dass unsere Flucht noch etwas länger unbemerkt bleibt.
Die drei Frauen sind immer noch nackt. Ich wüsste aber nicht, wo ich Kleider für sie auftreiben könnte. Ihnen allerdings scheint es wenig auszumachen, vermutlich weil sie es gewohnt sind. Ich möchte nicht wissen, wie lange sie keine Kleider mehr tragen durften. Hauptsache für sie ist wohl eher, dass wir schnell und unbehelligt wegkommen.
Es dauert seine Zeit, bis wir das zweite Plateau erreichen. Aber ich habe es nicht eilig. Es ist noch dunkel, weshalb ein Start mit dem Hubschrauber nicht ganz ungefährlich wäre, vor allem hier mitten zwischen den Felswänden.
Ich schätze, ich habe den Peilsender gegen Mitternacht aktiviert. Damit müsste - zumindest hoffe ich das - gegen 3 Uhr eine Rakete im Lager einschlagen. Da es Sommer ist und wir weiter oben im Gebirge sind, müsste um diese Zeit bereits die Dämmerung einsetzen.
Ich bin mir nicht sicher, ob eine Rakete in Reichweite ist, um auf das Signal des Peilsenders zu reagieren. Aber auch ohne die Rakete dürfte es uns mit dem Hubschrauber gelingen, von hier wegzukommen. Wenn wir es schaffen, erst einmal in der Luft zu sein, dann können sie uns nicht mehr viel anhaben. Eine Verfolgung wäre für die Männer nicht mehr möglich.
Mit der Zeit, die ich für die Befreiung von Sam und den drei jungen Frauen gebraucht habe, sowie für das Zurücklegen des Weges vom Lager zu dieser Plattform, dürfte in etwa eine gute Stunde vergangen sein. Damit haben wir noch knappe zwei Stunden Zeit. Solange wir nicht entdeckt werden, möchte ich diese Zeit abwarten.
"Und nun?", will Sam wissen. "Wir sind auf dem anderen Plateau. Aber wie kommen wir von hier weg?"
Die Frauen haben sich hinter ihn geschart. Sie glauben immer noch, dass er der Anführer ist. Sie sind es vermutlich gewohnt einem Mann und nicht einer Frau zu folgen. Ich kann außerdem an ihren Gesichtern ablesen, dass sie sich genau dieselbe Frage stellen und nun auf meine Antwort warten.
"Ich fliege uns von hier weg", antworte ich ruhig, als sei das, das Normalste der Welt.
"Du?"
"Ja, das Fliegen eines Hubschraubers gehört zur Grundausbildung."
"Aber das ist ein russisches Modell."
"Was glaubst du, hatten wir?"
"Russische Modelle?", meint er verwundert.
"Der Kandidat bekommt 100 Punkte", scherze ich.
"Na los, worauf warten wir dann noch? Einsteigen!"
"Halt, halt! Es ist noch zu dunkel. Solange sie nicht bemerken, dass wir weg sind, möchte ich noch etwas abwarten."
"Ist das nicht zu riskant?"
"Zu riskant wäre, überstürzt loszufliegen."
"Schaffen wir es noch, wenn sie uns entdeckt haben und herüberstürmen?"
"Keine Sorge, sie brauchen genauso viel Zeit, um in der Dunkelheit den engen Steig entlangzugehen. Das verschafft uns Zeit. Du hältst das Lager im Blick, ich und die Frauen schauen uns hier um."
"Jawohl, mein Kapitän", grinst er.
Ich stelle mich vor ihm auf die Zehenspitzen und lege meine Lippen auf die seinen. Jetzt, da wir etwas Abstand zwischen uns und das Lager gebracht haben, kann ich mir die Zeit nehmen. Ich küsse ihn und er lässt sich nur zu gern auf den Kuss ein.
"Ich hatte solche Sorge um dich", meint er.
"Und ich um dich."
"Sie haben es auf dich abgesehen."
"Aber ich glaube nicht, dass sie den amerikanischen Außenminister einfach wieder zurückgegeben hätten."
"Da könnest du auch recht haben."
"Außerdem sind wir noch nicht weg. Es liegt noch ein ganzes Stück Weg vor uns. Wir sind immer noch in Tschetschenien."
"Jetzt, da du entfesselt bist, mache ich mir keine Sorgen mehr", versichert er mir schmunzelnd.
Dieses Mal drückt er mir einen Kuss auf die Lippen. Nur widerwillig löst er sich von mir.
"Was willst du suchen?"
"Waffen und etwas zum Anziehen für unsere Begleiterinnen. Wäre blöd, würden sie immer noch nackt sein, wenn wir irgendwo landen."
Damit mache ich mich auf den Weg. Ich habe etwas entfernt, im Schutz der Felswand, eine kleine Hütte ausgemacht. Ich gehe darauf zu und öffne vorsichtig die Tür. Durch das geringe Licht von draußen wird das Innere nur äußerst schwach beleuchtet.
Im ersten Moment sehe ich gar nichts. Aber meine Augen gewöhnen sich mit der Zeit an die Dunkelheit drinnen und mir fallen zwei Overall, die normal Bordmechaniker tragen, sowie die Kleidung für einen Piloten auf.
"Kommt!", rufe ich leise den drei Frauen zu.
Sie eilen auf mich zu und ich gebe jeder eines der Kleidungsstücke. Sie verstehen sofort, überlegen nicht lange und ziehen sich augenblicklich die gefunden Kleider an. Sie versuchen dabei nicht einmal ein wenig Sichtschutz zu suchen. Sie machen es gleich vor Ort. Ihr Schamgefühl ist ihnen bei diesen Barbaren aus verständlichen Gründen abhandengekommen.
Während sie sich hastig anziehen, schaue ich mich im Schuppen noch weiter um, kann aber nichts finden, was uns nützlich sein könnte. Deshalb schließe ich die Tür wieder und wir machen uns auf den Weg zu Sam.
"Wir setzen uns schon mal in den Hubschrauber", gebe ich Anweisung. "Dann kommen wir schneller weg, sollte unser Verschwinden auffliegen. Außerdem dürften sie nicht sofort sehen, dass wir beim Hubschrauber sind."
Vorsichtig öffne ich die Türen des Hubschraubers auf der Seite, die vom Lager abgewandt ist. Sam behält als einziger das Lager im Auge. Als die drei Frauen auf der Rückbank Platz genommen haben, gebe ich ihm zu verstehen, dass auch er einsteigen soll.
Wenig später sitzen wir alle im Hubschrauber. Ich mache mich mit den Instrumenten vertraut und kontrolliere, wie viel wir Sprit an Bord haben. Zu meiner Erleichterung muss der Vogel kurz zuvor aufgetankt worden sein. Entweder hier oben oder jemand ist damit nochmal ins Tag geflogen. Bei der Aufregung um unsere Ankunft hier oben, könnte es tatsächlich unbemerkt an mir vorübergegangen sein.
"Du bist dir sicher, dass du das Teil hier fliegen kannst?", will Sam wissen.
"Willst du mich beleidigen? Behalte du lieber die andere Seite im Auge."
Es wird still im Hubschrauber. Wir warten. Dabei ist die Anspannung deutlich wahrzunehmen. Ich spüre, dass die drei Frauen Angst haben und sich gleichzeitig langweilen. Sie können es nicht erwarten, endlich loszufliegen.
"Wer seid ihr?", will nach einiger Zeit eine von ihnen wissen. Es ist jenes Mädchen, das Sam einen geblasen hat.
"Er ist der amerikanische Außenminister und ich seine Beraterin."
"Der amerikanische Außenminister?", erkundigt sie sich ungläubig.
"Ja, dem hast du einen Blowjob geschenkt", grinse ich.
Ich sehe nicht, ob sie rot wird. Im Hubschrauber ist es zu dunkel, um das erkennen zu können. Sam jedoch räuspert sich auffallend.
"Es war mir ein Vergnügen, Sir", meint die junge Frau ernst.
"An diesem Punkt kannst du auch Du sagen", lache ich.
"Da hast du auch wieder recht", kichert sie leicht verlegen.
"Eines aber verstehe ich nicht", wirft ihre Kollegin ein.
"Das wäre?"
"Warum haben sie es nicht auf ihn, sondern eher auf dich abgesehen. Wer will schon die Beraterin, wenn er den Außenminister haben kann. Das zumindest ist mein erster Gedanke."
"Ich habe ihrem Anführer, Sergeij Kakarov, ordentlich die Meinung gesagt. Das hat er nicht verkraftet", lache ich.
"Der ist auch ein Arsch!", meint die Frau.
"Und was für einer", bestätige ich ihre Feststellung.
"Wie lange willst du noch warten?", mischt sich Sam ein. "Es wird langsam hell."
"Wir haben noch eine Viertelstunde, schätze ich."
"Wie, eine Viertelstunde?", will die dritte der Frauen wissen.
"Dann kommen die Raketen", antworte ich gelassen.
"Die Raketen? Woher?"
"Aus der Ukraine, wenn wir Glück haben."
"Und wie finden die hierher?"
"Ich zeige ihnen den Weg", lache ich.
"Du hattest noch einen Peilsender?", erkundigt sich nun Sam.
"Einen hatte ich noch übrig. An den hatte ich bisher nicht mehr gedacht. Jetzt aber könnte er uns den Arsch retten."
Da es allmählich Zeit wird, beginne ich mit den Vorflugkontrollen und starte dann die Turbine. Sam hält immer noch das Lager im Auge.
"Du hast Glück, dass der Nebel nicht bis zu uns herauf reicht. Sonst wäre es schwieriger hier wegzukommen", meint eine der Frauen.
Tatsächlich schwebt knapp unter uns eine dichte Wolkendecke. Sie sieht aus, wie ein riesiger Wattebausch. Darüber ist es klar und es herrscht das beste Wetter. Am Horizont wird es an einer Stelle bereits hell und man kann erahnen, dass sich bald die Sonne über den Rand schiebt.
"Sie kommen aus den Hütten, sind aber noch nicht aufgeregt. Ich denke, sie haben unsere Flucht noch nicht bemerkt", warnt mich Sam.
"Dann schaffen sie es auch nicht mehr", lache ich.
Im selben Moment starte ich den Rotor, lasse ihn auf Touren kommen und hebe ab. Ich ziehe den Vogel zur Seite hin, die vom Lager abgewandt ist. Ich mache das bewusst, um nicht mit einer Rakete in Konflikt zu kommen, sollte diese bereits im Anflug sein.
"Laufen sie herüber?", frage ich.
"Sie haben bemerkt, dass du abhebst und sind stehen geblieben. Halt, einige laufen zurück", informiert er mich.
Im selben Moment entdecke ich einen weiteren Hubschrauber. Er schwebt über der Wolkendecke und kommt direkt auf uns zu. Das muss Kakarov sein, der zu mir will. Jetzt wird es eng.
Geistesgegenwärtig lasse ich den Hubschrauber in den Wolken verschwinden und fliege auf den anderen Vogel zu. Sehen kann ich nichts, ich fliege rein nach Gefühl.
"Was machst du? Du siehst doch nichts!", will Sam wissen.
"Wir tauchen unter."
"Ist das nicht gefährlich?"
"Oben zu bleiben könnte gefährlicher sein."
"Du weißt hoffentlich, was du tust."
"Ich improvisiere", verrate ich.
"Das beruhigt mich jetzt nicht sonderlich", antwortet Sam. Dabei grinst er aber so breit, dass mir klar ist, dass er nur einen Scherz gemacht hat.
"Du vertraust ihr offenbar blind", meint die Frau, die an ihn gebunden war.
"Das muss man in einer guten Beziehung", lache ich.
"Ihr seid ein Paar?"
"Hast du nicht gehört, dass sie mich heiraten will", meint Sam belustigt.
"Ich dachte, das wäre ein Scherz."
"Nein, das war Politik", lacht nun auch Sam.
"Solange ihr nicht in Streit geratet, fühle ich mich sicher", lacht eine der anderen Frauen.
Sie hat den Satz gerade fertig ausgesprochen, da gibt es einen gewaltigen Knall und eine heftige Druckwelle erfasst den Hubschrauber. Zum Glück war ich bereits darauf vorbereitet und kann den Vogel nahezu problemlos auf Kurs halten.
Ich überlege kurz und entscheide mich blitzartig. Ich lasse den Hubschrauber rasch nach oben steigen, durchbreche die Wolkendecke und bin nur noch etwa 50 Meter vom anderen Hubschrauber entfernt. Dieser ist genau vor uns.
Er muss wegen der Druckwelle und des Raketeneinschlags in der Luft stehen geblieben sein, um sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen und zu schauen, was passiert ist.
Da ich meine Finger bereits am Knopf habe, schieße ich, kaum, dass ich sicher sein kann, zu treffen, eine Rakete ab. Erst dann schaue ich genauer zum Feind hinüber. Bisher hat es mir genügt, den Hubschrauber zu sehen und zu treffen. Details haben mich nicht interessiert.
Nun aber, da ich die Rakete auf den Weg gebracht habe, schaue ich genauer. Ich habe Zeit. Dabei kann ich Kakarov deutlich erkennen, der gebannt zum Lager schaut. Ich kann den Unglauben in seinem Blick erkennen.
Auch der Pilot ist abgelenkt und hat noch gar nicht bemerkt, dass ein zweiter Hubschrauber in seiner Nähe ist und, dass eine Rakete auf ihn zuschießt. Ich bin beruhigt, weil mir klar ist, dass ich perfekt gezielt habe und, dass der andere Pilot an diesem Punkt keine Chance mehr hat, auszuweichen.
Während ich schon wieder abdrehe und meinen Hubschrauber erneut in den Wolken verschwinden lasse, erhasche ich noch schnell einen Blick zu meinem Gegenüber. Kakarov hat inzwischen unseren Hubschrauber entdeckt. Er reißt die Augen weit auf. Ich kann darin die blanke Panik erkennen. Mir ist allerdings nicht klar, ob er realisiert hat, wer diesen Hubschrauber fliegt oder ob er wegen der Rakete erschrocken dreinschaut.
Wir sind bereits wieder im Nebel verschwunden und ich versuche so viel Distanz wie möglich zwischen uns zu bringen, da gibt es einen weiteren Knall. Die Rakete hat ihr Ziel erreicht und ist explodiert. Es ist aber nicht nur die Rakete, es muss auch der Treibstoff des anderen Hubschraubers hochgegangen sein. Das erkenne ich daran, dass bei genauem Hinhören, ein doppelter Knall zu hören ist.
"War das der andere Hubschrauber?", will Sam wissen.
"Das war er. Kakarov ist Geschichte."
"Jetzt ist er wieder bei seinem Freund Popov."
"Die schmoren ganz sicher in der Hölle", meint eine der drei Frauen.
"Anzunehmen", lache ich. "Der Teufel hat mit uns wohl keine Freude, wenn er es mit diesen beiden aushalten muss und das noch dazu für die Ewigkeit."
Ich lasse den Vogel wieder steigen und wir durchbrechen erneut die Wolkendecke. Vom zweiten Hubschrauber ist keine Spur mehr zu erblicken. Dafür steht das Lager auf dem Plateau hell in Flammen.
Ich fliege etwas näher heran und erkenne, dass etwa vier oder fünf Männer den schmalen Steg zum zweiten Plateau entlanglaufen. Ich stelle den Hubschrauber so hin, dass ich aus dem Maschinengewehr, das wir an Bord haben, feuern kann und schieße eine ganze Salve ab. Die Männer gehen zu Boden und zwei stürzen sogar über die steile Felswand in die Tiefe.
"Musste das sein?", will Sam wissen.
"Weißt du, ob einer von ihnen nicht etwa Said war?", frage ich herausfordernd. "Außerdem haben diese Männer allein schon dafür, was sie den drei Frauen hier angetan haben, den Tod mehr als verdient. Sie sollen niemand mehr verletzen oder töten können."
"Die haben ganz sicher den Tod verdient", sagt eine der Frauen.
"Das waren Tiere!"
"Was die mit uns gemacht haben, das willst du gar nicht wissen", sagt die dritte.
Kapitel 22
"Und jetzt?", will Sam wissen.
"Jetzt fliegen wir nach Tiflis."
"Du weißt, wo wir sind?"
"Ich habe eine grobe Vorstellung davon."
"Was täten wir ohne dich", grinst Sam. "Aber woher weißt du das alles."
"Ich hatte eine gute Ausbildung."
"Wer bist du?", will nun eine der Frauen wissen. "Nur die Freundin oder eine Beraterin des Ministers bist du ganz sicher nicht. Da ist noch etwas anderes mit im Spiel."
"Sie ist eine ukrainische Geheimagentin. Die schlimmste von allen", meint Sam scherzhaft.
"Die schlimmste von allen?"
"Sie hat auf der Krim gewütet", erklärt Sam weiter.
"Du bist aber nicht Anastasia ... wie hieß die noch."
"Serinskaya, Anastasia Serinskaya", hilft ihr eine andere.
"Genau, Serinskaya."
"Ja, die bin ich", antworte ich leicht genervt.
"Du bist eine Heldin."
"Das sagen auch nur die anderen. Ich hatte einfach nur Glück", wehre ich, wie immer, ab.
"Glück? Das nennst du Glück. Ich habe nur das gesehen, was du in den letzten Stunden geleistet hast. Das hat mit Glück schon lange nichts mehr zu tun", meint die Frau mit deutlich hörbarer Bewunderung in der Stimme.
"Ja, ja, Können ist schon auch dabei. Aber das hat mit einer guten Ausbildung zu tun."
"Ausbildung ist eines, aber du hast auch verdammt viel Mut und Klugheit bewiesen."
"Klugheit?"
"Du hast dich zurückgehalten, taktiert und dich nicht provozieren lassen. Du hast geduldig auf den richtigen Moment gewartet, diesen erkannt und gnadenlos zugeschlagen", mischt sich nun auch Sam ein.
"Das hätte doch jede", winke ich ab.
"Aha", grinst die Frau nur.
"Wo kommt ihr denn her?"
"Wir waren an der Front. Eine besonders brutale Einheit der Tschetschenen hat uns gefangen genommen. Wir waren insgesamt acht bis zehn Frauen", erzählt sie.
"Sie haben uns drei ausgewählt. Wir seien die hübschesten und sollten deshalb in ihr Hauptquartier gebracht werden. Wo wir gelandet sind, habt ihr ja gesehen."
"Dann könnten die anderen vermutlich in anderen Lagern den Männern zu Willen sein müssen?", frage ich geschockt.
"Kann sein, sicher bin ich mir nicht", antwortet sie.
"Wir sind ganz sicher keine Einzelfälle", wirft eine andere ein.
Ich kann darauf nichts mehr sagen. Mir fehlen die Worte und ich komme erneut ins Grübeln über den Krieg. Er ist offenbar nicht nur sinnlos, er fördert in den Menschen das Schlimmste zutage. Warum macht man so etwas nur?
Inzwischen habe ich die Bergkette überflogen, der Tag ist voll angebrochen und wir fliegen auf eine Ebene zu. Ich versuche ständig über Funk jemand zu erreichen.
Plötzlich fliegen drei Hubschrauber auf uns zu. Sie nehmen eindeutig eine abwehrende Position ein. Ich versuche es auf allen Kanälen und gebe schon beinahe auf, als ich einen Funkspruch empfange.
"Wir fordern euch auf, sofort zu landen!", tönt es aus den kleinen Lautsprechern.
"Ich lande, sofort. Wir sind keine Tschetschenen."
"Das soll ich glauben?"
"Wir wurden entführt und konnten fliehen."
"Setzt auf der Stelle am Boden auf und verlasst den Hubschrauber!", kommt die Anweisung. "Legt euch daneben mit ausgestreckten Armen auf die Erde."
"Wir machen das. Aber bitte schießt nicht auf uns."
"Wie viele Personen sind an Bord?"
"Fünf Personen. Vier Frauen und ein Mann."
"Gut!"
Ich habe bereits damit begonnen, an Höhe zu verlieren und setze zur Landung an. Ich schalte den Rotor ab und weise die anderen an, meinem Beispiel zu folgen.
Langsam öffne ich die Tür, steige mit deutlich erhobenen Händen aus und gehe etwa 20 Meter vom Hubschrauber weg. Dort lege ich mich auf den Boden und bleibe mit ausgestreckten Armen liegen.
Sam und die drei Frauen tun es mir gleich. Sie steigen aus, kommen mit erhobenen Händen zu mir und legen sich nebeneinander auf die Erde.
"Was jetzt?", will Sam wissen.
"Wir bleiben liegen, bis wir Anweisungen bekommen."
"Die landen?"
"Ich nehme an, dass einer landen wird. Die anderen geben ihm aus der Luft Rückendeckung."
Tatsächlich ist es dann auch so. Einer der fremden Hubschrauber setzt in sicherer Entfernung zu unserem Vogel auf. Die beiden anderen geben ihm Feuerschutz. Dabei konzentriert sich einer auf uns, der andere behält unseren Hubschrauber im Visier.
Aus dem gelandeten Hubschrauber steigen vier Soldaten mit Maschinenpistolen aus, die sie deutlich sichtbar im Anschlag halten. Sie kommen langsam und vorsichtig auf uns zu. Ich kann deutlich erkennen, wie angespannt sie sind.
Zunächst durchsuchen sie den Hubschrauber, ob sich darin nicht doch noch jemand versteckt hält, dann erst kommen sie zu uns herüber.
"Seid ihr bewaffnet?", will einer von ihnen wissen. Ich nehme an, dass es der Anführer ist.
"Im Hubschrauber haben wir ein erbeutetes Gewehr. Außerdem trage ich eine Pistole und ein Messer am Gürtel."
Von meinem Messer im Stiefel sage ich vorerst nichts. Es ist eine Angewohnheit von mir, nicht unbewaffnet bleiben zu wollen.
"Leg die Pistole und das Messer weit weg von dir hin. Und mach ja keine Dummheiten, wir schießen sofort."
Ich nehme vorsichtig die Pistole und werfe sie weit vor mir in den Sand, das Messer folgt gleich darauf. Dann lege ich mich wieder hin.
"Ihr habt keine Waffen mehr?"
"Nein, wir sind jetzt unbewaffnet."
Der Anführer gibt einem der Männer einen Wink und dieser durchsucht uns einen nach dem anderen. Natürlich fängt er bei mir an und versetzt mir einen Klapps auf den Hintern.
"Etwas mehr Respekt, bitte!", fahre ich ihn an.
"Willst du mir Befehle geben?"
"Nein, dazu habe ich nicht das Recht. Aber ich bin General der ukrainischen Armee."
"Du?"
"Und er ist der amerikanische Außenminister", fahre ich fort.
"Und ich bin der Papst und er der Kaiser von China."
"Wir sind wirklich die Personen, die wir vorgeben zu sein. Frag einfach nach. Wir wurden in der Nähe von Kiew von Kämpfern der Tschetschenen entführt und in ihr Hauptquartier auf der anderen Seite des Gebirges verfrachtet. Wir konnten zum Glück fliehen."
"Na klar, ihr habt dabei so nebenbei auch noch das Lager in die Luft fliegen lassen."
"Das war eine ukrainische Rakete."
"Woher wisst ihr das alles. Wir wurden nur informiert, dass es eine Explosion gegeben haben soll und wurden losgeschickt, um nachzuschauen", antwortet der Anführer.
"Es ist so, wie ich gesagt habe. Ich hatte zum Glück einen Peilsender mit und konnte damit eine Rakete dorthin locken. Wir konnten noch gerade rechtzeitig mit dem Hubschrauber entkommen."
"Wo lag dieses Lager?"
"Hier, direkt dahinter auf etwa 1200 Meter Meereshöhe."
"Das würde sich mit unseren Vermutungen decken", meint er nachdenklich.
"Ich würde vorschlagen, ihr bringt uns nach Tiflis und dort klären wir unsere Identität. Ihr könnt uns auch fesseln, wir sind kooperativ", schlage ich vor.
Der Mann funkt mit einem der Hubschrauber. Offenbar ist der Mann, der diese Operation leitet, noch immer oben in einem der Helis. Der Mann hat sich zum Funken ein Stück von uns entfernt, zudem weht der Wind in seine Richtung, sodass ich nicht mitbekomme, was genau die beiden bereden.
"Ihr steigt bei uns ein. Einer von uns fliegt mit diesem Vogel", meint er schließlich. Dann wendet er sich an seine eigenen Leute. "Wer ist in der Lage zu fliegen?"
Niemand meldet sich. Ich kann das auch verstehen. Man nimmt normalerweise keinen zusätzlichen Piloten mit. Der Mann schaut sich suchend um, blickt aber zunehmend ratloser drein.
"Soll ich fliegen und du hältst mich mit der Waffe in Schach", schlage ich schließlich vor.
"Kann ich dir trauen?"
"Ehrlich? Das musst du selbst wissen, ob du kannst. Ich würde dir so oder so mit ja antworten."
Er blickt sich noch einmal hilfesuchend zu seinen Leuten um. Diese zucken aber nur mit den Schultern. Eine andere Lösung scheint es tatsächlich nicht zu geben.
"Na gut, dann steh auf und geh schon!", meint er.
"Dürfen wir auch aufstehen?", erkundigt sich Sam.
"Ja natürlich", meint der Mann etwas unwirsch.
"Ich möchte mit euch fliegen", meint Sam.
"Nein!"
"Sam, sei vernünftig, wir sehen uns in Tiflis. Wo soll ich sonst hinfliegen?"
"Na gut", brummt er.
Zusammen mit den drei Frauen steigt er in den Hubschrauber der Georgier. Ich dagegen klettere zurück in den tschetschenischen Vogel und der Anführer steigt neben mir ein.
Er beobachtet mich die ganze Zeit sehr genau und lässt mich keine Sekunde aus den Augen. Die Waffe hat er immer noch in der Hand, auch wenn er sie nicht mehr direkt auf mich richtet. Er traut mir allerdings immer noch nicht so recht über den Weg.
"Keine Dummheiten!"
"Ich mache nie Dummheiten. Ich bin ein vernünftiges Mädchen", grinse ich.
"Wie heißt du?"
"Anastasia."
"Und wie noch?"
"Serinskaya."
"Du bist aber nicht die Anastasia Serinskaya?"
"Ich kenne nur eine und die schaut mir jeden Morgen aus dem Spiegel entgegen. Sofern ich einen Spiegel zur Verfügung habe."
"Du bist die Agentin von der Krim?"
Bewunderung klingt bei seinen Worten mit. Offenbar eilt mein Ruf mir voraus und man hat wohl auch in Georgien von mir gehört.
"Ja, ich habe dort einige Schäden hinterlassen", lache ich. "Du musst deshalb aber keine Angst vor mir haben. Ich tu dir nichts."
"Ich habe doch keine Angst vor Anastasia Serinskaya. Man kennt auch bei uns deinen Namen und du bist schuld daran, dass sich so viele junge Mädchen melden, die plötzlich alle Agentinnen werden wollen."
"Ich? Schuld? Warum?"
"Im Fernsehen haben sie über dich berichtet und auch Bilder von dir gezeigt. Du bist das Vorbild für ganz viele Frauen, vor allem junge Frauen. Du gibst ihnen Mut. Wenn du so tapfer sein kannst, dann hoffen sie, es auch sein zu können."
"Ich habe doch nur ein paar Peilsender liegen gelassen."
"Nur liegen gelassen allein reicht wohl nicht. Man muss auch die richtige Stelle ausmachen und dorthin gelangen."
"Ach, mit etwas Glück geht das schon."
Inzwischen habe ich meine Vorflugkontrollen erledigt und starte den Rotor. Als ich startklar bin, gebe ich dem georgischen Hubschrauber am Boden Bescheid und dieser erhebt sich in die Luft. Ich mache es ihm nach. Dann machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Ein georgischer Hubschrauber fliegt voraus, ich folge und hinter mir sind auch noch zwei Helis.
Während wir über das weite Land fliegen und vermutlich Tiflis zum Ziel haben, fällt immer mehr die Anspannung von mir ab. Mit Georgien haben wir einen Verbündeten und damit nichts zu befürchten. Sie sind natürlich vorsichtig, weil auch sie von den Russen bedroht werden.
"He Leute, wisst ihr eigentlich, bei wem ich mitfliegen darf?", funkt plötzlich der Mann neben mir. Er reißt mich damit aus meinen Grübeleien.
"Nun ja, mit einer Frau. Aber auch bei uns sind seit Neuestem Frauen dabei, den Flugschein zu machen", antwortet ihm einer seiner Kollegen.
"Ich fliege nicht mit irgendeiner Frau."
"Jetzt sag nicht, wir sollten sie kennen."
"Sie heißt Anastasia Serinskaya."
"Was?!", höre ich aus dem Funk. "Das gibt´s doch nicht."
"Wenn ich es euch sage, ich sitze mit der Agentin von der Krim im Hubschrauber."
"Kann ich ein Foto mit dir machen?", kommt daraufhin eine Stimme aus dem Funk.
"Das glaubt uns keiner", meint ein anderer.
"Schade!", sagt einer.
"Was schade?", bin ich überrascht.
"Schade? Spinnst du?", sagt der Mann neben mir.
"Nein, versteht mich nicht falsch. Meine Tochter ist 19 und ein riesiger Fan von dir. Wenn sie dich treffen könnte, wäre es das Größte für sie."
"Wir fliegen jetzt nach Tiflis. Ist sie dort?", erkundige ich mich.
"Ja, aber ich darf nicht den Funk verwenden, um sie zu verständigen."
"Aber du könntest sie nach der Landung anrufen."
"Ja, aber dann schafft sie es niemals, rechtzeitig zum Stützpunkt zu kommen."
"Sie muss gar nicht zum Stützpunkt kommen. Schafft sie es, morgen früh in die amerikanische Botschaft?"
"Das würde sie schaffen, aber was soll sie da."
"Mich zum Frühstück treffen. Sagen wir um 8 Uhr? Oder ist das zu früh?"
"Nein, nein, 8 Uhr passt perfekt."
"Dann soll sie kommen. Wie heißt sie?"
"Sie heißt Roni."
"Hat der Name eine Bedeutung?"
"Er bedeutet starke Frau."
"Oh, dann ist das aber ein schöner Name."
"Dürfte meine zweite auch mit? Sie heißt Xatia."
"Das bedeutet ohne Fehler, das weiß ich. Ich hatte eine Freundin mit diesem Namen."
"Das Stimmt. Darf sie auch mit?"
"Wir haben sicher ein Brötchen auch für sie. Wie alt ist sie."
"Sie ist 16."
"Dann werde ich einen Kakao vorbereiten lassen, wenn es so etwas gibt."
"Kakao haben sie sicher", höre ich Sam sagen.
"Das würdet ihr möglich machen?"
"Warum nicht?", meint Sam.
Kapitel 23
Am späten Nachmittag werden wir zur amerikanischen Botschaft in Tiflis gebracht. Am Luftwaffenstützpunkt, wo wir mit den Hubschraubern gelandet sind, mussten wir noch einige Formalitäten erledigen.
Es ist schließlich ungewöhnlich, dass ein amerikanischer Außenminister illegal in einem tschetschenischen Hubschrauber nach Georgien einreist. Aber schon bald stand unsere Identität fest und man hat uns keine Probleme mehr gemacht.
Als wir endlich vom amerikanischen Botschafter abgeholt werden, bin ich ganz schön fertig. Der Tag war lang und in der Nacht habe ich auch so gut wie kein Auge zugemacht. Trotzdem möchte ich morgen bald wieder weg von hier.
Nach der Aufregung möchte ich so schnell wie möglich zu meinen Eltern, damit meine Familie mit eigenen Augen sehen kann, dass es uns gut geht. Aber auch ich möchte mich vergewissern, dass es ihnen gut geht und sie in den Arm schließen.
Beim Abendessen ist Sam ausgesprochen schweigsam. Er ist nicht, wie immer, er sucht auch nicht meine Nähe, wie er es sonst tut. Ich kann mir keinen Reim darauf machen. Natürlich könnte es sein, dass er einfach nur müde ist, allerdings glaube ich eher, dass es mit den jüngsten Ereignissen zu tun hat. Darauf deutet auch der Umstand hin, dass er mir auch immer nur kurz in die Augen blicken kann.
"Sam, was ist los mit dir?", frage ich deshalb.
"Nichts!"
"Nichts sieht anders aus."
"Ich habe dich von einer ganz neuen Seite kennen gelernt."
"Als Kämpferin?"
"Auch das."
"Mensch Sam, sag mir schon, was dich bedrückt. Es ist mir wichtig, dass wir uns immer alles sagen."
"Du warst so brutal", kommt es nach einer Pause etwas zögerlich von ihm.
"Ich habe dir gesagt, sie haben mich bei der Ausbildung den Eisblock genannt."
"Musstest du wirklich alle töten? Macht dir das nichts aus?"
"In diesem Fall nicht. Wir waren im Kampf. Es ging ums Überleben."
"Du hast 50 bis 60 Menschen getötet. Einfach so, ohne mit der Wimper zu zucken."
"Was hätte ich anderes machen sollen? Die Rakete war notwendig, um dieses Lager zu vernichten, ein Lager in dem skrupellose Männer nur auf ihren nächsten Einsatz warten. Glaubst du, die hätten auch nur einmal mit der Wimper gezuckt, uns umzubringen?"
"Und den Hubschrauber, musstest du ihn abschließen?"
"Entweder sie oder wir. Da gab es keine Alternative. Sie hätten uns gejagt und Kakarovs Tod ist wohl eher ein Segen für die Menschheit."
"Zumindest die Männer, die auf dem Steig zum Hubschrauberlandeplatz flüchten wollten. Die waren doch keine Gefahr mehr."
"Für uns nicht, aber für jeden anderen, der ihnen bei einem späteren Einsatz in die Quere gekommen wäre."
"Warum hattest du dann Skrupel, als du Popov den Sender in die Tasche geschoben hast?"
"Da hatte ich Angst, es können viele unschuldige Menschen sterben. Das hätte mich sehr wohl belastet. Im Kreml arbeiten viele Leute, die mit den Zielen der Führung nicht einverstanden sind, die aber nicht anders können, als still ihre Arbeit zu machen. Sie zu töten wäre mir schwergefallen.
Bei diesen Kämpfern jedoch hat es sich um brutale Männer gehandelt. Sonst hätten sie nicht zum engsten Kreis Kakarovs gezählt. Allein dafür, was sie den armen Frauen angetan haben, die wir befreit haben, haben sie den Tod mehr als verdient."
"Du hast ja recht, aber ich bin es nicht gewohnt."
"Der Tod ist mein Metier", lache ich. "Du bist der Diplomat."
"So kann man es auch ausdrücken", lächelt er.
Es ist ein schwaches Lächeln, aber es ist zumindest ein Anfang. Ich kann Sam sogar ein wenig verstehen. Er ist ausgebildet worden, zu vermitteln, den Ausweg zu suchen, den Kompromiss. Ich hingegen wurde immer darauf trainiert, eine sichere Lösung finden.
"Ich kann es immer noch nicht glauben, dass Kakarov ein solches Risiko eingegangen ist, den amerikanischen Außenminister zu entführen", wechselt er das Thema.
"Du warst ein Kollateralschaden, ein Mittel zum Zweck. Abgesehen hatte er es auf mich."
"Nur wegen seiner gekränkten Eitelkeit?"
"Manche Männer ticken so und genau das sind die gefährlichen Typen."
Wir haben das Abendessen beendet und sitzen schon länger nebeneinander da und reden. Nun jedoch erheben wir uns.
"Danke dir!", meint er auf dem Weg zu unserem Zimmer.
"Wofür?"
"Du hast mir wieder einmal den Arsch gerettet."
"Ich habe meinen Arsch gerettet", lache ich. "Auf den hatte es Kakarov abgesehen."
"Ist es nicht krank, eine Frau mit dem Schwanz dominieren zu wollen?"
"Das ist eine ganz andere Logik, eine kranke Logik."
"Trotzdem, du hast uns gerettet, auch wenn er es auf dich abgesehen hatte. Er hätte mich unmöglich gehen lassen können."
"Er hätte uns beide töten lassen, da bin ich mir sicher."
"Siehst du, deshalb hast du mir das Leben gerettet. Nur deinetwegen sind wir nun hier in Tiflis."
"Ich habe nur meinen Job gemacht und auf dich aufgepasst", grinse ich.
"Du hast nicht nur deinen Job gemacht. Ich glaube kein anderer Agent hätte uns in dieser Situation noch retten können. Du aber hast auch noch die drei Frauen befreit. Diese Aktion war eine bemerkenswerte Leistung."
Wir erreichen unser Zimmer und verschwinden im Bad. Ich bin hundemüde und will nur noch ins Bett. So kommt es auch, dass ich mit der Abendtoilette schneller fertig bin, obwohl ich länger unter der Dusche war als Sam. Ich schlafe ein, noch bevor er es schafft, zu mir ins Bett zu klettern.
Als ich am Morgen erwache, bin ich ganz eng an ihn gekuschelt. Er schläft noch und ich beobachte ihn eine ganze Zeit lang. Sein ruhiger Atem, seine entspannten Gesichtszüge und das versteckte Lächeln auf seinen Lippen, das alles faszinieren mich. Ich genieße diese stille Zeit.
Während ich noch überlege, ob ich ihn wecken soll, indem ich mich über seinen kleinen Freund hermache, fällt mein Blick auf den Wecker. Es ist 20 Minuten vor 8. Siedend heiß fällt mir ein, dass ich die beiden Mädchen zum Frühstück eingeladen habe.
Ich winde mich vorsichtig aus Sams Armen, weil ich ihn noch etwas schlafen lassen möchte. Ihn jetzt zu wecken, bringe ich nicht übers Herz. Schließlich habe ich die Einladung ausgesprochen und sie wollen mich treffen.
Hastig eile ich ins Bad, erledige die Morgentoilette in Windeseile und ziehe mich an. Wenig später bin ich bereits auf dem Weg zum Eingang. Ich komme gerade noch rechtzeitig, denn ein Sicherheitsmann will zwei Mädchen wegschicken.
"Halt! Halt!", rufe ich. "Die wollen zu mir!"
"Zu ihnen?", will der Sicherheitsmann wissen.
"Das sind Roni und Xatia. Hat man ihnen nicht gesagt, dass sie kommen?"
"Man hat nur gesagt, es kommen zwei Mädchen."
"Und was sind das?", frage ich und rolle genervt mit den Augen.
Dann wende ich mich Roni und Xatia zu. Die beiden himmeln mich an und bringen kein Wort heraus.
"Hallo, ihr beiden. Wie seid ihr hergekommen?", frage ich.
"Unsere Mutter hat uns mit dem Wagen hergefahren", antwortet die Größere der beiden. "Papa muss wieder arbeiten."
"Und wo ist eure Mutter?"
"Sie wartet draußen im Wagen."
"Warum im Wagen, sie kann doch auch hereinkommen", biete ich an. Dabei werfe ich dem Sicherheitsmann einen bösen Blick zu. Er versteht sofort, dass ich keine Widerrede dulde.
"Ich hole die Frau. Sie parkt vor dem Haupteingang", bietet er sich zu meiner Überraschung sogar an.
"Danke!", sage ich und muss grinsen.
Dann wende ich mich wieder den beiden Mädchen zu. Sie stehen immer noch wie angewurzelt vor mir.
"Hallo, ich bin Anastasia. Euer Vater hat gemeint, ihr würdet mich gern treffen."
"Bist du es wirklich?"
"Ich denke schon", grinse ich.
"Du bist so cool", meint die kleinere der beiden.
"Ich bin nur eine junge Frau."
"Du bist eine Heldin."
In dem Moment kommt eine Frau zur Tür herein, begleitet vom Sicherheitsmann. Sie wirkt etwas unsicher. Deshalb gehe ich ihr entgegen.
"Hallo, schön sie zu treffen. Ich bin Anastasia."
"Hallo, ich bin Farris. Sind sie es wirklich?"
"Ich glaube schon", lache ich. "Gehen wir frühstücken."
"Meine Mädchen schwärmen schon lange von ihnen. Seit im Fernsehen über sie berichtet wird, verfolgen sie ihren Weg."
Ich nehme die beiden Mädchen links und rechts um die Schultern und führe sie in den Speisesaal. Zum Glück hat man zumindest diesen Auftrag ausgeführt. Ich habe mich gestern noch ausdrücklich erkundigt, ob Kakao im Haus ist.
"Wer mag Kakao?", frage ich deshalb.
"Gibt es den wirklich?", erkundigt sich Xatia. "Ich dachte Papa macht Witze, als er gesagt hat, wir würden Kakao bekommen."
"Euer Vater hat euch nicht geneckt."
Ich dirigiere sie so, dass sie links und rechts von mir sitzen, die Mutter setzt sich mir gegenüber hin. Nur zaghaft nehmen sie und ihre Mädchen Brötchen und beginnen diese mit Streichschokolade zu beschmieren.
"Warum bist du in Georgien?", will Roni wissen.
"Roni, du kannst doch nicht einfach Du sagen", tadelt die Mutter das Mädchen.
"Doch, das kann sie. Ich bin nicht viel älter als sie."
Roni schaut mich strahlend an. Dann beißt sie herzhaft ins Brötchen, das unter einer dicken Nutella-Schicht verschwunden ist. Auch die Streichschokolade ist offenbar etwas Besonderes für sie. Da fällt mir ein, dass ich noch eine Frage beantworten muss.
"Wir wurden von Tschetschenen entführt."
"Ihr konntet entkommen?"
"Ja, Anastasia hat 50 bis 60 Angreifer getötet und uns befreit", höre ich Sam von der Tür her. "Sie hat auch drei ukrainische Frauen befreit, die im Lager der Tschetschenen gefangen gehalten wurden."
"Echt?", staunt Xatia.
"Sie hat außerdem einen Hubschrauber mit einer Rakete abgeschossen", fährt Sam fort.
Er setzt sich zu uns an den Tisch, nachdem er alle begrüßt hat. Dann wird er auch schon von den Mädchen bestürmt, mehr von der Aktion zu erzählen.
Sam erzählt dann auch überraschend spannend, wie wir uns mit dem Hubschrauber zwischen den Wolken versteckt haben und plötzlich aufgetaucht sind. Sam kann ausgezeichnet erzählen und die Mädchen hängen an seinen Lippen. Ich beobachte ihn und bin froh, mit diesem Mann zusammen zu sein. Er wird einmal ein guter Vater sein, denke ich bei mir.
Als mir so richtig bewusstwird, was ich da gerade denke, muss ich über mich selbst schmunzeln. Denke ich tatsächlich darüber nach, mit diesem Mann Kinder in die Welt zu setzen? Offenbar ist mir dieser Gedanke nicht mehr fremd.
"Ist das dein Freund?", will Roni wissen. Damit reißt sie mich aus meinen Gedanken.
"Ja, Sam ist mein Freund."
"Wie hast du ihn kennengelernt und warum seid ihr in der amerikanischen Botschaft? Ist er Amerikaner?", will das Mädchen wissen.
"Roni, sei nicht so neugierig", meint ihre Mutter erneut leicht verlegen.
"Das macht doch nichts", antwortet Sam. "Ich bin Amerikaner."
"Herr Außenminister, könnten sie bitte ans Telefon kommen, der Präsident möchte sie sprechen", sagt ein Mann. Er ist eilig in den Speisesaal gekommen.
"Außenminister?", staunt nun die Mutter.
"Ja, mein Freund ist der Außenminister", antworte ich.
"Mutti, sei nicht so neugierig", meint Roni gespielt tadelnd. Dann lacht sie verschmitzt.
Sam steht auf und entschuldigt sich, bevor er den Raum verlässt. Roni und ihre Mutter schauen ihm voller Bewunderung hinterher.
"Roni, was möchtest du für einen Beruf ergreifen?", frage ich.
"Ich habe die Schule abgeschlossen, das was bei euch dem Abitur entspricht. Eigentlich wollte ich Ärztin werden, weil es in Georgien nur sehr wenig Frauen in diesem Beruf gibt. Aber ich wurde nicht zum Studium zugelassen."
"Warum nicht?", frage ich.
"Es wurde kein Grund genannt. Aber ich fürchte es liegt daran, dass in der Kommission, welche über die Zulassungen entscheidet, nur alte Männer sitzen, die es Frauen nicht zutrauen, diesen Beruf auch voll auszuüben. Es gibt schon länger Diskussionen darüber."
"Deshalb möchte sie Agentin werden, seit sie von dir gehört hat", meldet sich ihre Schwester zu Wort.
"Du bist so cool", meint Roni und wird dabei ein wenig rot im Gesicht.
"Wofür schlägt dein Herz? Möchtest du lieber Ärztin oder Agentin werden?"
"Ärztin, wenn ich könnte, immer Ärztin."
"Dann komm mit uns in die USA", biete ich an.
"Das können wir uns nie leisten!", mischt sich die Mutter ein.
Roni, die bei meinem Einwand vom Studium in den USA sofort leuchtende Augen bekommen hat, wird augenblicklich traurig, als ihr Mutter abblockt.
"Sie könnte bei uns wohnen und ich könnte die Kosten für die Uni übernehmen", biete ich an.
"Das können wir nicht annehmen!", bremst die Mutter erneut.
"Was könnt ihr nicht annehmen?", kommt Sams Stimme von der Tür her.
"Roni würde gerne Ärztin werden. An der Uni in Tiflis ist dies nicht möglich, weil sie eine Frau ist", erkläre ich. "Deshalb habe ich ihr angeboten, in den USA zu studieren. Sie könnte bei uns wohnen und ich würde die Kosten tragen. Ich bekomme doch ein Gehalt als Beraterin des Außenministers."
"Das Außenministerium kann Stipendien vergeben, wenn es dies für angebracht hält", meint Sam.
"Und wer entscheidet darüber?", frage ich nach.
"Der Außenminister, der sich beraten lässt", grinst er.
"Von wem?"
"Von seiner Beraterin, könnte ich mir vorstellen."
"Der für die Ukraine?"
"Ich müsste ihren Auftrag etwas ausweiten. Dazu allerdings brauche ich die Zustimmung des Präsidenten."
"Des Präsidenten?", will Roni wissen. "Der Vereinigten Staaten?"
"Ja, von dem."
"Alles nur wegen mir?"
"Ich denke dabei auch an die vielen Menschen, denen du als Ärztin helfen kannst", sage ich.
Das Leuchten in ihren Augen kehrt zurück. Voller Hoffnung blickt sie zu ihrer Mutter.
"Du müsstest in den USA leben", gibt sie zu bedenken. "Oft kannst du nicht nach Hause kommen."
"Oft wird es nicht sein, das stimmt. Aber da meine Familie ganz in der Nähe von hier wohnt, könnte man es verbinden", werfe ich ein.
"Deine Familie wohnt nicht ganz in der Nähe, sondern in der Ukraine", lacht Sam.
"Das ist nicht gerade um die Ecke", stellt auch Roni fest.
"Als Beraterin für Ukraine, Tschetschenien und Georgien, muss ich doch auch diese Gebiete besuchen", beharre ich.
"Du hast Russland vergessen", lacht Sam. "Aber natürlich musst du diese Gebiete immer wieder besuchen."
"Da kann ich dann aber auch jemand mitnehmen, der sich auskennt."
"Du solltest dich auskennen, als Beraterin", grinst er.
"Du weißt, was ich meine, jemand der von hier ist,"
"Du kannst dir Beraterinnen suchen."
"Könnte Roni meine Beraterin sein?"
"Kennt sie sich aus?"
"Sie ist von hier."
"Dann kennt sie sich aus", lacht er.
"Du neckst mich."
"Was sonst?", lacht er immer lauter.
"Bekommst du nicht Heimweh?", wirft ihre Mutter erneut ein.
Mir ist klar, sie lässt ihr großes Mädchen nur ungerne gehen. Deshalb stehe ich auf und gebe ihr zu verstehen, mir zu folgen. Sie macht dies auch und wir gehen hinaus in den Garten. Sam, der verstanden hat, was ich vorhabe, beschäftigt die Mädchen.
"Ich verstehe, dass sie Roni beschützen wollen. Aber sie ist nun groß genug und sie hat einen Traum. Ich möchte, dass sie ihren Traum leben kann, weil das wichtig ist. Sie sehen doch auch, wie begeistert sie ist, wenn sie davon spricht, Ärztin zu werden."
"Aber es ist so weit weg."
"Ich werde auf ihre Tochter auspassen, versprochen!"
"Aber sie ist doch noch ein Mädchen, mein Mädchen."
"Sie ist eine junge Frau, die ihren Weg gehen wird, da bin ich mir sicher."
"Wenn ich zustimme, dann kann sie wirklich das Studium in den USA absolvieren?"
"Dann kann sie das."
"Und der US-Präsident, muss der nicht noch entscheiden."
"Der sagt sicher ja", lache ich.
"Sind sie sich da sicher?"
"Ja, da bin ich mir sicher. William hat mich um einen Gefallen gebeten, dann kann er mir doch diesen nicht ausschlagen."
"Na dann", meint sie. "Danke!"
"Ich mache das doch gerne. Roni ist eine wunderbare junge Frau und hat es verdient, dass sie ihren Traum leben kann."
Wir gehen zurück in den Speisesaal. Roni sitzt angespannt auf ihrem Stuhl und blickt uns erwartungsvoll entgegen, als wir den Raum betreten. Ich kann den flehenden Blick deutlich erkennen. Ihre Mutter macht es spannend. Sie sagt längere Zeit kein Wort und schaut ihre Tochter aus nichtssagenden Augen an.
"Wenn der US-Präsident zustimmt, kann ich dann noch Nein sagen?", meint sie schließlich.
Roni versteht nicht sofort. Sie blickt ihre Mutter mit gerunzelter Stirn an, dann geht ihr Bick zu mir. Ich hebe ihr den nach oben gerichteten Daumen hin. Dann erst checkt sie.
"Mama, du bist die Größte. Danke, danke, danke!"
Sie springt auf und läuft auf ihre Mutter zu. Sie fällt ihr um den Hals und drückt ihr einen dicken Kuss auf die Wange.
"Du musst Anastasia danken. Sie macht das alles erst möglich."
"Die ist sowieso meine Heldin", meint sie lachend.
Dabei kommt sie auf mich zu und fällt auch mir um den Hals. Ich bin beinahe überfordert. Ich bin es nicht gewohnt, dass man mir so überschwänglich dankt.
"Wie geht es weiter?", frage ich Sam.
"Wir müssten heute, spätestens morgen abreisen. Ich muss zurück in die USA."
"Sagt William?"
"Es gibt ein Problem mit Kuba."
"Kann ich meine Eltern besuchen, während du zurückfliegst?"
"Du willst sie sehen, nach allem, was passiert ist. Ich verstehe, dass du dich versichern willst, dass es ihnen gut geht. Wir fliegen heute Abend nach Warschau. Von dort aus fährst du mit dem Zug nach Kiew. Ich fliege nach Washington und nehme Roni mit."
"Kann ich bei Anastasia bleiben?"
"Wenn es nicht zu gefährlich ist?"
"Wenn Anastasia bei mir ist, kann mir nichts passieren", grinst sie.
"Das ist auch wieder wahr", lacht nun auch Sam.
"Du willst wirklich mit?", will nochmals ihre Mutter wissen. Es ist wohl ein letzter Versuch, um endgültige Sicherheit zu bekommen.
"Ja, Mama, das ist meine Chance."
"Du kennst die Sprache nicht gut genug."
"Ich kann mit dem Außenminister sprechen", grinst Roni. "Außerdem kann ich bis zum Beginn des Studienjahres noch einiges lernen."
Ich sehe ihr die Entschlossenheit an. Vermutlich geht es ihrer Mutter nicht anders. Ihr Blick wird weicher und sie nimmt ihre Tochter in den Arm und drückt sie fest an sich. Ich glaube, ihr geht es nur darum, dass Roni wirklich überzeugt davon ist.
"Komm, wir müssen deine Sachen packen", sagt sie.
"Packt ein paar Sachen für den Abstecher nach Kiew. Alles andere nimmt Sam mit in die USA", rate ich den beiden.
"Das mache ich!", jubelt sie.
Nun ist das Mädchen nicht mehr zu halten. Roni drängt ihre Mutter und ihre Schwester zum Aufbruch. Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen, die Mutter in meine Arme zu ziehen.
"Wir bleiben im Kontakt und ich verspreche, gut auf Roni aufzupassen. Sie können stolz auf sie sein. Sie wird ihren Weg machen, da bin ich sicher."
"Ich bin auch stolz auf sie. Trotzdem mache ich mir Sorgen."
"Eine Mutter wird sich wohl immer Sorgen machen."
Ich verabschiede mich auch von Xatia und verspreche ihr, dass ich auch sie bei der nächsten Gelegenheit mit in die USA nehme, damit sie ihre Schwester besuchen kann.
Ich stehe mit Sam am Eingang der Botschaft und wir winken den drei Frauen hinterher. Laut Absprache kommt Roni gegen 17 Uhr wieder und wir machen uns dann auf den Weg nach Warschau. Bis dahin müsste auch der Regierungsflieger in Tiflis gelandet sein.
Erst jetzt habe ich die nötige Zeit, um im Internet zu schauen, was sich in unserer Abwesenheit alles ereignet hat. Dazu nehme ich ein Tablet der Botschaft und setze mich auf die Couch im Aufenthaltsbereich. Sam ist mit Telefonaten beschäftigt.
Schon bei der ersten Seite fällt mir die Schlagzeile auf, dass Kakarov verschwunden sei. Der Tschetschenenführer sei, wie vom Erdboden verschluckt. Ich klicke mich durch weitere Seiten und immer wieder taucht diese Nachricht auf. Alle versteigen sich in den wildesten Spekulationen, was passiert sein könnte. Die meisten gehen von einem Attentat aus, dem er zum Opfer gefallen sein könnte.
"Kakarov ist verschwunden", sagt Sam, der gerade zu mir kommt.
"Das wissen wir doch", grinse ich. "Die Nachrichtenportale sind voll von Spekulationen."
"Ist dort auch die Rede von einem Attentat oder einem Unglück?"
Auch er lächelt verschwörerisch. Es ist klar, dass keiner von uns jemals verraten wird, was geschehen ist und auch die drei Frauen haben wir gebeten, nichts vom Erlebten zu erzählen. Wir sind mit dem Hubschrauber geflohen und nichts weiter.
"Genaues weiß man nicht", meint er verschwörerisch.
"Genaues wird man wohl nie erfahren", grinse ich.
"Es gibt vermutlich keine Zeugen."
"Wer wird daran wohl schuld sein?", grinse ich.
Kapitel 24
Pünktlich um 17 Uhr bringt der Vater Roni in die Botschaft. Er bedankt sich noch einmal bei mir, dass ich seiner Tochter diese Möglichkeit eröffne. Auch ihm versichere ich, dass ich auf das Mädchen achtgeben werde.
Wenig später fährt auch schon die Wagenkolonne vor. Als ich Roni am Arm nehme und auf die Autos zugehe, schaut sie mich aus großen Augen an.
"Wir reisen immer so. Das ist Vorschrift", sage ich. Dabei zucke ich entschuldigend mit den Schultern.
Sie folgt mir, ohne noch etwas zu sagen in den Wagen. Während unserer Fahrt unter Polizeieskorte zum Flugplatz klebt sie regelrecht am Fenster und schaut nach draußen.
"Dass ich einmal in so einem Wagen sitzen werde, das hätte ich nie gedacht", gesteht sie.
Die Augen werden allerdings noch größer, als wir auf das Flugfeld fahren und in der Nähe des Flugzeuges der Air Force stehen bleiben. Voller Ehrfurcht in den Augen geht sie mit mir die Gangway hinauf und blickt sich staunend im Inneren des Fliegers um. Sie sagt kein Wort und setzt sich artig in einen der Sessel.
Sie beobachtet die ganze Zeit, was ich mache, und bleibt auch stets in meiner Nähe. Sie bewundert mich, das ist ihr anzusehen. Ich weiß nur nicht warum. Ich kann darüber aber auch nicht lange nachdenken, weil der Pilot auf mich zukommt.
"Anastasia, schön dich zu sehen."
"Hallo Christopher, musst immer nur du arbeiten? Gibt es bei der Air Force keine anderen Piloten mehr?", scherze ich.
"Ich melde mich für die Flüge, bei denen du dabei bist, weil ich dann wenig zu tun habe", lacht er und umarmt mich. "Willst du fliegen?"
"Wir müssen in Warschau zwischenlanden und ich steige aus. Sonst würde ich gerne fliegen."
"Dann werde diesmal wohl doch ich arbeiten müssen", grinst er.
"Keine Sorge, beim nächsten Mal übernehme ich wieder das Cockpit."
"Da freue ich mich schon darauf. Mach´s gut."
"Du auch."
Damit verabschiedet sich Christopher und geht zurück ins Cockpit. Roni jedoch starrt auf die Tür, durch die er verschwunden ist.
"Hat dich gerade der Pilot gefragt, ob du diesen Vogel fliegen willst?", bricht sie schließlich ihr Schweigen.
"Das hat er."
"Kannst du das?"
"Ich habe es schon gemacht. Fliegen war Teil meiner Ausbildung."
"Ich stelle mir das cool vor, so ein Flugzeug zu fliegen."
"Es ist cool, aber auch das, was dein Vater macht, finde ich faszinierend. Ich mag Hubschrauber."
"Er hat mir erzählt, dass er mit dir geflogen ist."
"Er war dabei relativ entspannt."
"Dann muss er dir sehr vertraut haben. Er ist sonst immer sehr kritisch."
Wir werden unterbrochen, weil das Flugzeug bereits wieder aufsetzt. Wir sind in Warschau. Ich verabschiede mich mit einem innigen Kuss von Sam. Wir hatten schon länger keine Zeit mehr für Zweisamkeit. An Sex war in den letzten Tagen schon gar nicht zu denken.
Beim Verlassen des Flugzeuges winke ich noch in Richtung Cockpit und gehe dann zusammen mit Roni die Gangway hinunter, wo bereits eine Wagenkolonne auf uns wartet. Als mein Blick auf Ekaterina und John fällt, die neben einem der Fahrzeuge warten, laufe ich los und umarmen die beiden.
"Du kennst aber auch jeden", grinst Roni neben mir, die mich eingeholt hat.
"Wer ist dieses vorlaute Mädchen", will Ekaterina lachend wissen.
"Darf ich vorstellen", sage ich. Dabei löse ich mich von John. "Das ist Roni. Wir haben uns in Tiflis getroffen und ich werde sie mit nach Washington nehmen, wo sie studieren wird."
"Und was macht sie dann hier in Warschau?"
"Sie kommt mit zu meiner Familie."
"Warum das?"
"Sie will bei mir bleiben, ganz einfach."
"Du kannst doch nicht ein halbes Kind mitnehmen in ein Kriegsgebiet", wirft Ekaterina ein.
"Ein halbes Kind?", schnaubt Roni. "Ich bin 19 Jahre alt."
"Ein halbes Kind, sage ich doch", kontert meine Freundin.
"Ruhe jetzt. Ich kann Roni verstehen, dass sie nicht allein in die USA will, wo sie keinen Menschen kennt. Mir ist klar, dass es gefährlich werden könnte, aber wir passen auf sie auf", bremse ich den Streit. "Roni, du musst aber unsere Anweisungen beflogen und vorsichtig sein."
"Das verspreche ich!", antwortet sie kleinlaut.
"Es kann wirklich gefährlich werden", legt Ekaterina noch nach.
"Wie sieht es bei meinen Eltern aus? Sind die beiden Tschetschenen abgezogen?", frage ich.
"Das weiß ich nicht. John und ich haben einen Moment der Unachtsamkeit ausgenützt, als sie euch weggebracht haben. Wir wollten euch hinterher, aber wir hatten keinen Wagen und der Vorsprung war zu groß."
"Dann weißt du nicht, wie die Lage zuhause ist?"
"Wir haben es nicht riskiert nochmal zurückzugehen. Die Tschetschenen hatten versprochen deine Familie freizulassen, darauf haben wir uns verlassen. Außerdem hätten wir ohne Waffen sowieso nicht viel ausrichten können.
"Wir sind dann zurück nach Kiew, wo wir erfahren haben, dass ihr in Tiflis seid und auf dem Weg nach Warschau. Ursprünglich wollten John und ich uns bewaffnen und mit ukrainischen Sicherheitsleuten zum Hof zurückkehren. Nachdem wir von eurer Freilassung gehört haben, sind wir zu euch gefahren."
"Dann habt ihr ganz schön lange bis Kiew gebracht."
"Es war nicht einfach. Ohne Fahrzeug kommt man nur langsam weiter und muss zudem vorsichtig sein. Eine kleine Strecke konnten wir auf dem Anhänger eines Treckers mitfahren."
"Gut, dann will ich umso schneller zum Hof meiner Eltern. Ich will wissen, wie es ihnen geht."
Da ich mich bei diesen Worten schon umdrehe, um in den Wagen zu steigen, machen es die anderen mir nach. Wir werden zum Bahnhof gebracht und können schon eine halbe Stunde später mit dem Zug in Richtung Kiew losfahren.
Die Reise verläuft ruhig. Roni ist neugierig und löchert uns mit Fragen.
"Danke, dass du meine Mutter überzeugt hast", sagt Roni in einem ruhigen Moment.
"Sie musste sich erst mit dem Gedanken anfreunden, dass du von ihr weggehst."
"Ich bin 19 Jahre alt."
"Aber du bist ihr kleines Mädchen."
"Ich bin doch kein kleines Mädchen mehr. Das nervt, wenn sie mich ständig, wie ein Kind behandelt."
"Sie ist deine Mutter!"
"Ja und?"
"Du wirst immer ihr kleines Mädchen bleiben, egal, wie alt du sein wirst. Sie hat dich zur Welt gebracht und da warst du ganz klein."
"Ich bin aber inzwischen gewachsen. Das muss doch auffallen."
"Das tut es. Aber ins Hirn einer Mutter brennt sich diese Bild des kleinen, schutzbedürftigen Wesens ein und kann durch nichts mehr ersetzt werden. Meine Mutter ist da genau gleich."
"Sie will dich beschützen? Ausgerechnet dich?"
"Ja, das will sie. So unverständlich dies ist, sie ist und bleibt meine Mutter, Und genau dafür liebe ich sie, für diese bedingungslose Liebe und die Sorgen, die sie sich um mich macht."
Mit dem Reden vergeht die Zeit viel schneller und wir sind überrascht, als wir für uns unerwartet früh in Kiew ankommen. Da Sam uns schon angekündigt haben muss, werden wir von ukrainischen Sicherheitsleuten erwartet.
Mit zwei Ukrainern und zwei Autos machen wir uns vom Bahnhof aus direkt auf den Weg zum Hof meiner Eltern. Aus einer inneren Unruhe heraus, weise ich unseren Fahrer an, nicht die normale Zufahrt zu nehmen. Ich zeige ihm stattdessen den Weg zu einem nahegelegenen Wäldchen, von dem aus wir den Hof beobachten, selbst aber nicht so leicht entdeckt werden können.
"Habt ihr ein Fernglas im Wagen?", erkundige ich mich.
"Ja, hier."
Einer der Ukrainer reicht mir ein Fernglas, das auch Nachtsichtfunktion hat. Damit suche ich das Gebiet ab. Ich will schon Entwarnung geben, da fällt mir in der Einfahrt etwas ins Auge, das da nicht hingehört. Zum größten Teil von der Scheune verdeckt, erkenne ich dort einen Wagen, der nicht hingehört. Genau genommen sehe ich nur einen kleinen schwarze Fleck, der sich allerdings als recke hintere Ecke eines Wagens entpuppt.
Da ich weiß, dass mein Vater seinen Wagen nie dort abstellen würde und er zudem einen langen silberfarbenen Mercedes C-Klasse besitzt, gehört der Wagen sicher nicht hierher. Es muss also jemand zu Besuch sein oder meine Familie wird immer noch festgehalten.
"Wir schleichen uns an. Da stimmt etwas nicht", informiere ich die anderen. "Wir warten auf die Dämmerung."
Da es bereits später Nachmittag und die Sonne bereits vor dem Untergehen ist, entscheide ich mich, zu warten. Diese kurze Zeit wird es auch nicht mehr ausmachen. Der Überraschungseffekt hingegen kann für uns von großem Nutzen sein.
Leicht fällt es mir nicht, nur herumzusitzen und zuzuwarten. Die Ungewissheit, was im Haus meiner Eltern vor sich geht, ist nervenaufreibend. Aber in mir siegt die Vernunft.
Erst als die Dämmerung voll einsetzt, machen wir uns auf den Weg. Ich lasse Roni zusammen mit einem der ukrainischen Sicherheitsleute im Wäldchen zurück und schleiche mich mit den anderen an. Wir müssen dabei ein offenes Feld überqueren. Ich hoffe innständig, dass uns dabei keiner entdeckt, weil es zur Seite hin ist, die man von der Wohnung aus nicht einsehen kann. Nur, wenn jemand im Hof Wache hält, könnte er uns bemerken. Das gibt mir Zuversicht.
Ich bin erleichtert, als wir die Wand der Scheune erreichen und sich immer noch nichts rührt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir nicht entdeckt worden sind. Dennoch bin ich aufs Äußerste angespannt. Immerhin geht es um meine Familie.
"Folgt mir!", sage ich leise zu meinen Begleitern.
Ich kenne einen Schleichweg, der durch die Scheune ins Dachgeschoss des Hauses führt. So können wir uns unbemerkt Zugang zum Wohnbereich verschaffen. Ekaterina, John und der ukrainische Sicherheitsmann folgen mir bis unters Dach der Scheune, von wo aus eine Tür in den Dachboden des Wohntraktes führt. Diese Verbindung wurde geschaffen, damit man im Winter auch bei viel Schnee in die Scheune gelangen kann.
Vorsichtig steigen wir durch die Luke hinab, die vom Dachboden in den ersten Stock führt. Von dort aus schleichen wir weiter, die Treppe hinunter.
"Ich kann Kakarov nicht erreichen und auch Said ist, wie vom Erdboden verschluckt. Da muss etwas passiert sein", höre ich eine Stimme.
"Was soll denn passiert sein. Die sind mit der Schlampe beschäftigt und lassen sich nicht stören", antwortet ein zweiter Mann.
"Beide?"
"Lass ihnen den Spaß", lacht der zweite Tschetschene. "Sie hätten uns schon Bescheid geben sollen, ob wir verschwinden können und, was wir mit den Leuten da machen sollen."
"Ich schlage vor, wir vergnügen uns mit der Tochter und machen uns anschließend auf den Weg."
Ich höre meine Schwester aufschreien und will schon loslaufen. Zum Glück hält mich Ekaterina an der Schulter zurück.
"Lass mich, du Schwein!", wehrt sich meine Schwester Tatjana.
"Die Kleine hat Mut. Wie alt bist du, mein Täubchen?"
"Ich bin nicht dein Täubchen."
"Na, na, sei mal nicht so kratzbürstig. Ich werde dir schon noch Manieren beibringen", lacht der Mann. "Ich mag kleine Wildkatzen. Sie zu zähmen macht richtig Spaß."
Ich schleiche unterdessen weiter. Ich nehme das Messer zur Hand, während Ekaterina und John ihre Schusswaffen ziehen. Ich überlege hastig, wie wir vorgehen sollen. Plötzlich steht Roni hinter mir.
"Was machst du hier?", flüstere ich ihr erbost zu. "Du solltest warten."
"Ich will sehen, was passiert", protestiert sie genauso leise.
"Warte hier und sei mucksmäuschenstill!", weise ich sie an. "Das hier ist gefährlich."
Sie nickt nur noch mit dem Kopf. Ihren Augen sehe ich an, dass sie eingeschüchtert ist. Vermutlich ist mein Blick entsprechend. Ich bin aber auch echt sauer. Wie kann man so unvorsichtig sein. Vor allem den Sicherheitsmann werde ich mir vorknöpfen, wenn alles vorbei ist. Er sollte doch nur auf das Mädchen aufpassen.
Im Moment habe ich allerdings Besseres zu tun. Ich gebe John und Ekaterina zu verstehen, dass sie hier warten sollen, während ich durch die Küche schleiche und von der anderen Seite komme, um die Männer abzulenken. Sie nickten zum Zeichen, dass sie verstanden haben, nachdem ich mit den Fingern meinen Plan erklärt habe.
"Du rührst dich nicht vom Fleck!", raune ich Roni noch einmal streng zu. Dann wende ich mich an die ukrainischen Sicherheitsleute. "Ihr passt auf sie auf!"
Damit mache ich mich auf den Weg. Ganz leise schleiche ich hinten herum durch die Küche und komme auf der anderen Seite im Wohnzimmer wieder heraus. Zum Glück kann man von der Küche aus von beiden Seiten ins Wohnzimmer gehen.
Dank dieser Möglichkeit können wir die Tschetschenen in die Zange nehmen. Hinter der Tür warte ich, hole tief Luft und öffne sie vorsichtig, zunächst nur einen Spalt.
Das Bild, das sich mir bietet, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Die beiden Tschetschenen, die zurückgeblieben sind, stehen mitten im Raum, jeweils eine Pistole im Anschlag. Einer von ihnen hält meine Schwester an den Haaren fest und mustert lüstern ihren Körper.
"Du bist fast so hübsch, wie deine Schwester", grinst der Mann.
Meine Eltern und mein Bruder sitzen gefesselt auf der Couch. Mit großer Sorge verfolgen sie, was mit dem Mädchen passiert. Sie können sich ausmalen, was diese Männer mit ihnen vorhaben.
Ich blicke kurz zur anderen Seite des Raumes, wo meine Freunde sein müssten, und kann den Haarschopf von Ekaterina ausmachen. Sie kann mich auch sehen. Die Tschetschenen allerdings stehen so, dass sie meine Freundin nicht entdecken können.
Vorsichtig lasse ich das Messer im Ärmel meiner Bluse verschwinden und trete entschlossen in den Raum. Sofort sind alle Augen auf mich gerichtet.
"Das mit der Schönheit ist wohl eher Ansichtssache", grinse ich.
"Anastasia, du hier?", ruft meine Mutter. "Du lebst? Gott sei Dank!"
"Wo kommst du denn her? Das kann unmöglich sein!", meint einer der Tschetschenen.
"Nimm die Hände hoch, sonst erschieße ich deine Schwester. Wäre schade um das hübsche Mädchen", sagt der andere.
Er zieht Tatjana an den Haaren näher zu sich und will die Waffe auf die richten. Ich jedoch hole das Messer hervor und werfe es. Das ist eine einzige fließende Bewegung.
Der Mann hat keine Zeit, zu reagieren. Da er seine Waffe erst herumreißen müsste, kann er weder auf mich noch auf Tatjana schießen. Genau aus diesem Grund habe ich sofort gehandelt, bevor er Zeit hat, seine Nachlässigkeit auszubügeln. Man sollte eben immer konzentriert und auf alles vorbereitet sein.
Der Mann blickt erstarrt der Klinge entgegen, die auf ihn zugeflogen kommt und sich schließlich in sein rechtes Auge bohrt. Das Messer fliegt dabei haarscharf am Kopf meiner Schwester vorbei.
Der Mann wird nach hinten gerissen, lässt meine Schwester los und rudert verzweifelt mit den Armen in der Luft, wobei sich ein Schuss löst, der zum Glück in die Decke geht. Dann fällt er leblos zu Boden. Das Messer hat sich in sein Hirn gebohrt und seinem Leben ein jähes Ende gesetzt.
Der zweite Mann, der die Waffe immer noch eher locker auf den Boden gerichtet hat, will nun diese hochziehen und auf mich richten, kommt aber nicht mehr dazu. Ekaterina ist schon hinter dem Mauervorsprung hervorgekommen und schießt. Ein heftiger Ruck geht durch den Körper des Mannes, bevor er mit einem röchelnden Laut ebenfalls zu Boden sinkt und leblos liegen bleibt.
Einen Augenblick herrscht gespannte Ruhe. Dann kommt Tatjana auf mich zugestürmt und wirft sich mir um den Hals. Ihr Gesicht hat sie in meiner Halsbeuge vergraben und ich spüre, wie es dort feucht wird. Die Anspannung scheint sich zu lösen und die Tränen sind eine Reaktion auf das Geschehen.
Ekaterina geht äußerst professionell zu den beiden Körpern und prüft, ob sie noch leben. Sie fährt sich mit dem Daumen der rechten Hand über die Kehle und zeigt mir damit, dass beide tot sind. Dann nimmt sie die Waffen an sich und erhebt sich wieder.
John hingegen befreit meine Eltern und meinen Bruder von den Fesseln. Diese sind immer noch geschockt. Ich lege meinen Arm um meine Schwester und gehe mit ihr auf meine Familie zu.
Zu meiner Überraschung kommt mir Roni zu Hilfe und nimmt Tatjana liebevoll in den Arm. Sie hilft mir damit sehr, weil ich auf diese Weise meine Eltern und meinen Bruder in den Arm nehmen kann.
"Anastasia!", heult meine Mutter und fällt mir um den Hals. "Ich habe schon das Schlimmste befürchtet."
"Wo kommst du denn her?", meint mein Vater.
Seiner Stimme ist die Erleichterung deutlich anzuhören. Er ist sonst immer gefasst und sachlich. Aber heute erkenne ich auch bei ihm, dass er sich Sorgen gemacht hat.
"Ich hatte ein wenig zu tun", grinse ich.
"Ich hatte schon Angst, dass du tot sein könntest", meint Mutter mit weinerlicher Stimme.
"Wir haben ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht."
"Ach ja, wo ist Sam, wie geht es ihm?"
"Es geht ihm gut. Keine Sorge! Er ist bereits auf dem Weg in die USA. Er hat ein Problem mit Kuba."
"Der Mann hat es aber auch nicht leicht", meint meine Mutter mitleidig.
"Er hat ja mich", grinse ich.
"Du machst auch nur Probleme. Ihr wurdet nicht seinetwegen entführt", lacht mein Bruder.
"Du könntest damit richtig liegen", lache nun auch ich.
"Sollen wir die Leichen wegbringen?", erkundigt sich einer der ukrainischen Sicherheitsleute.
"Ja, bitte. Das wäre freundlich", antworte ich.
Die beiden Ukrainer packen die erste Leiche und tragen sie zum Wagen der Männer. Meine Familie beobachtet die Szene voller Abscheu, aber auch mit Erleichterung.
"Lasst uns in die Küche gehen. Gibt es etwas zu essen?", frage ich. "Ich habe einen Bärenhunger."
"Ich kann etwas kochen", bietet sich meine Mutter an.
Ohne lange zu warten, macht sie sich auf den Weg und alle folgen ihr. Als ich mich nach Tatjana umschaue, bemerke ich, dass sie mit Roni auf der Couch sitzt und sich die beiden Mädchen angeregt unterhalten.
"Habt ihr Hunger?", frage ich.
"Rufst du uns, wenn das Essen fertig ist?", bittet Roni.
"Mache ich!"
Damit lasse ich die beiden allein. Sie verstehen sich offenbar blendend. Meine Schwester fasst sonst nicht so leicht Vertrauen zu Menschen, die sie nicht kennt. In diesem Fall könnte eine Rolle spielen, dass sie beide etwa gleich alt sind.
In der Küche muss ich erzählen, was passiert ist. Zum Glück sind die beiden Ukrainer noch damit beschäftigt, die Leichen wegzuräumen. Ich möchte nicht, dass zu viele Leute wissen, dass ich Kakarov abgeschossen habe.
Im Gegenzug erzählt mir meine Mutter, dass die beiden Aufpasser die ganze Zeit geblieben sind. Ihr Problem war, dass sie schon bald den Kontakt zu ihren Hintermännern verloren haben und nicht wussten, was sie tun sollten. Sie hätten sich aber bis zu unserem Eintreffen korrekt verhalten.
Nach dem Abendessen, das allen trotz der Aufregung schmeckt und das auch echt köstlich ist, suchen wir für alle einen Schlafplatz. Zum Glück ist der Hof groß und bietet für alle Platz.
Als endlich Ruhe einkehrt und ich in meinem alten Kinderzimmer liege, spüre ich erst richtig, wie sehr Sam mir fehlt. Ich vermisse ihn unglaublich. Ich schicke ihm noch schnell eine Nachricht, da der Versuch, ihn anzurufen fehlgeschlagen ist. Ich nehme an, er ist immer noch an Bord des Flugzeugs.
Während ich noch wach im Bett liege und gedankenversunken an die Decke starre, wird die Tür zu meinem Zimmer vorsichtig geöffnet. Ich bin schlagartig hellwach und konzentriere mich darauf, wer es sein könnte.
Da die Person lauter ist, als ein geübter Angreifer sein sollte, gehe ich davon aus, dass keine Gefahr droht. Ein Feind würde niemals so viel Krach machen. Trotzdem bin ich neugierig, wer es sein könnte, und warte erstmal ab.
Plötzlich nehme ich wahr, wie die Bettdecke hochgehoben wird. Allerdings zu beiden Seiten. Überrascht davon kriege ich mit, wie sich von beiden Seiten eine Person zu mir kuschelt.
"Bist du wach?", flüstert Tatjana.
Ich habe sie schon an den Bewegungen erkannt. Ich kenne meine kleine Schwester, seit sie ein Baby ist. Da lernt man notgedrungen die Eigenheiten kennen. Ihre Stimme bestätigt nur noch meinen Verdacht. Aber wer ist die Person auf der anderen Seite? Es muss ebenfalls ein Mädchen sein, denn der Körper ist weich und schmächtig. Damit kann es eigentlich nur Roni sein, aber was macht die in meinem Bett?
"Natürlich bin ich wach, wenn jemand zu mir ins Bett kriecht", antworte ich lächelnd.
"Natürlich ist sie wach, wenn jemand sich ihr nähert. Sie ist eine Geheimagentin", lacht Roni.
"Wir wollten mit dir reden", meint hingegen meine Schwester. Sie kommt immer gerne schnell zur Sache.
"Wir?"
"Ich bin auch da", flüstert Roni.
"Worüber wollt ihr reden?"
"Tatjana möchte auch mitkommen in die USA. Meinst du das geht?", fasst sich Roni als erste ein Herz. Sie scheint etwas mutiger zu sein als meine Schwester.
"Und was will sie da?"
"Sie möchte auch studieren."
"Was denn?"
Ich muss schon beinahe lachen. Offenbar haben sich die beiden echt gefunden. Ich gehe davon aus, dass Roni meiner Schwester erzählt hat, warum sie mit mir mitgekommen ist, und hat Tatjana auf eine Idee gebracht.
"Medizin!", antwortet diesmal meine Schwester.
"Ihr möchtet zusammen studieren?"
"Ja, dann wäre ich nicht so allein", antwortet diesmal Roni.
"Meine Schwester soll dir also Gesellschaft leisten", grinse ich.
"Nein, nein, so ist das nicht. Roni hat mich auf die Idee gebracht und ich möchte wirklich studieren, wenn das möglich ist", versichert Tatjana.
"Dir ist klar, dass ich das nicht allein entscheiden kann?"
"Natürlich musst du mit Mama und Papa reden. Aber, wenn du auf mich aufpasst, dann haben sie sicher nichts dagegen. Sie sind mächtig stolz auf dich."
"Obwohl ich für das ganze Chaos gesorgt habe?"
"Durch das Chaos, wie du es nennst, haben sie erst so richtig mitbekommen, wie gefährlich dein Leben ist."
"Aber ich bringe auch euch in Gefahr."
"Ich habe mich noch nie so sicher gefühlt, wie bei dir", versichert Roni.
"Gut, ich rede morgen mit Mama und Papa", stimme ich zu. "Und jetzt ab ins Bett!"
"Wir sind doch schon im Bett", schnurrt Roni.
"Ihr wollt hier schlafen?"
"Wenn wir dürfen", meint Tatjana schüchtern.
"Von mir aus", lache ich.
"Siehst du, deine Schwester ist schwer in Ordnung", flüstert Roni über mich hinweg.
Beide lächeln zufrieden und kuscheln sich tiefer ins Bett. Sie liegen dicht an mich gedrängt, die eine links, die andere rechts. Wenig später nehme ich ruhige Atemzüge zu beiden Seiten wahr. Sie sind eingeschlafen.
Ich dagegen liege noch etwas wach. Was habe ich mir da nur aufgehalst? Ich könnte ein halbwegs ruhiges Leben mit Sam in Washington führen. Soweit dies bei unseren Berufen möglich ist. Aber damit bin ich offensichtlich nicht zufrieden. Ich muss mir auch noch zwei Teenager aufladen.
Doch, wenn ich sie so friedlich neben mir schlafen sehe, bin ich tief gerührt. Das Vertrauen, das sie mir entgegenbringen muss wirklich groß sein.
Am nächsten Tag gehe ich vor den beiden zum Frühstück. Ich weiß, dass meine Mutter um diese Zeit immer schon wach und aktiv ist. Ich schleiche mich aus dem Bett und dem Zimmer. Die beiden bekommen nichts davon mit. In der Küche treffe ich, wie erwartet, auf meine Mutter. Sie scheint wieder die alte zu sein.
"Das waren echt aufregende Tage", gesteht sie mir. "Ich bin froh, dass es euch gelungen ist, denen zu entwischen."
"Den Männern ist es schlechter ergangen", antworte ich trocken. Bei meiner Erzählung habe ich ausgelassen, dass das gesamte Lager zerstört wurde. Ich habe nur den Hubschrauberabschuss erwähnt.
"Wie meinst du das?"
"Sie sind tot."
"Wer hat sie ...?"
"Ich!"
"Du? Allein?"
"Ja, so gut wie allein. Außerdem haben wir drei Mädchen befreit."
"Aber das waren doch vier Männer."
"Das waren etwa 60 Typen."
"Du hast 60 Männer getötet? Du allein?"
"Ich hatte Hilfsmittel."
"Eine Waffe?"
"Eine Rakete und einen voll bewaffneten Hubschrauber."
"Mit dem ganzen Zeug kannst du umgehen?"
"Wie du siehst. Sonst hätte es nicht funktioniert", lache ich.
Meine Mutter scheint schwer beeindruckt zu sein. Dass ich 60 Männer getötet habe, interessiert sie weniger. Es waren Feinde und deren Freunde haben ihre Familie bedroht. Damit ist für sie der Fall klar. Mehr beeindruckt sie, was ihre Tochter alles kann.
"Mutter, ich muss mit dir noch über etwas anderes sprechen."
"Was ist denn, mein Schatz?"
Sie schaut mich dabei offen, aber auch voller Erwartung an. Für sie bin ich inzwischen nicht mehr ihr Kind, ich bin eine Erwachsene und auf Augenhöhe. Das kann ich ihr deutlich ansehen.
"Tatjana möchte mit mir in die USA und Ärztin werden", sage ich frei heraus.
"Das wäre ein sehr wichtiger Beruf", antwortet meine Mutter nachdenklich.
"Das ist es."
"Traust du ihr das zu?"
"Ja, das traue ich ihr zu."
"So ganz allein in einer fremden Stadt."
"Sie wäre nicht ganz allein. Ich wäre ja auch noch da."
"Hast du immer Zeit für sie?"
"Ich nehme mir die Zeit, die es braucht. Außerdem ist da auch noch Roni, das Mädchen, das ich aus Georgien mitgebracht habe. Sie kommt auch mit mir, um in Washington die Uni zu besuchen."
"Dann wäre sie tatsächlich nicht allein, das wäre gut."
"Das denke ich auch."
"Aber schaffst du das? Es sind gleich zwei Teenager. Das wird nicht immer einfach."
"Ich hoffe, dass die beiden vernünftig sind. Sie sind keine verwöhnten Gören und wissen, was es heißt, ums Überleben zu kämpfen."
"Wir sind ganz sicher vernünftig und werden dir gehorchen", höre ich die Stimme von Tatjana von der Tür her.
"Wie lange lauscht ihr schon?", frage ich gespielt tadelnd.
"Schon eine ganze Weile", gesteht Roni.
"Haltet ihr das für erwachsen?"
Ich kann ein Grinsen nicht zurückhalten und damit verpufft meine Absicht, ihnen, ins Gewissen zu reden. Nun aber lacht meine Mutter.
"Du schaffst es ja nicht einmal, sie auszuschimpfen."
"Weil ich mich nicht anders verhalten hätte und du sicher auch nicht."
"Da könntest du tatsächlich recht haben. Ich kann die beiden verstehen."
"Darf ich dann mit?", will Tatjana auffallend zaghaft wissen.
"Wenn Anastasia sich das zutraut. Meinen Segen habt ihr."
"Danke Mama", jubiliert meine Schwester.
Sie läuft auf meine Mutter zu und fällt ihr um den Hals. Roni hingegen lächelt glücklich, kommt an meine Seite und schmiegt den Kopf liebevoll gegen meine Schulter.
"Du bist echt die Beste."
Kapitel 25
Wir sitzen im Zug und sind kurz vor Warschau. Roni und Tatjana haben die ganze Zeit über getuschelt, geschnattert und getratscht. Ekaterina, John und ich haben noch einige Informationen ausgetauscht und uns dann zurückgelehnt.
Während Tatjana ihre Sachen zusammengepackt hat, musste ich meinen Vater beruhigen, weil nun auch seine zweite Tochter das Haus verlässt. Mein Bruder hat getan, als wäre er glücklich darüber, dass er nun auch die zweite nervige Schwester los ist. Insgeheim habe ich ihm aber angemerkt, dass auch er traurig ist.
Ich habe noch von zuhause aus mit Sam telefoniert, der mir versichert hat, dass der Flieger schon wieder auf dem Weg nach Warschau ist. Auch er vermisst mich und ich hätte ihn am liebsten durch das Telefon hindurch geküsst. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich einen Mann derart vermissen kann.
Er trägt mir noch einmal auf, meine Eltern herzlich zu grüßen und wir schreiben uns auch den ganzen Tag über immer wieder Nachrichten. Er ist allerdings mit seinem Problem befasst und natürlich sprechen wir nicht offen darüber, worum es sich handelt. Dazu sind wir beide zu sehr darauf getrimmt worden, verschwiegen zu sein und nicht am Telefon heikle Informationen auszutauschen.
Endlich erreichen wir den Bahnhof von Warschau. Polnische Sicherheitsleute erwarten uns bereits und bringen uns mit zwei Fahrzeugen zum Flughafen. Meine Schwester staunt, als wir in die gepanzerten Autos steigen. Dass wir einen Fahrer haben, ist genauso aufregend.
Als wir aber auf das Flughafengelände fahren, anstatt zum Terminal, bringt sie noch viel mehr zum Staunen. Roni und Tatjana tauschen vielsagende Blicke aus. Auch, wenn Roni das alles schon einmal gesehen hat, ist es immer noch ungewohnt für sie. Als die beiden dann auch noch das Flugzeug entdecken, auf das wir zufahren, werden die Augen noch ein Stückchen größer.
"Wir fliegen mit dieser Maschine?", will Tatjana wissen. Dieses Mal scheint Sam die große Maschine geschickt zu haben. Vermutlich musste die andere gewartet werden.
"Ja, wir fliegen mit dieser Maschine."
Als wir aus dem Wagen steigen und zur Gangway kommen, erkenne ich Christopher, der oben am Einstieg wartet. Er lächelt mir bereits entgegen.
"Hallo Christopher, wie geht's? Bist du ausgeschlafen?", frage ich lachend.
"Wenn du mir ein wenig Arbeit abnehmen könntest, wäre ich dir dankbar."
"Das kann ich mir denken."
"Ich habe zwar ein wenig geschlafen, bevor wir wieder losgeflogen sind. Aber wir sind erst vor etwa einer Stunde gelandet."
"Und nun soll es schon wieder zurück gehen."
"Du verstehst mich. Hast du geschlafen?"
"Ich? Wie ein Murmeltier", lache ich.
Roni und Tatjana sind neben mir stehen geblieben. Sie haben unser Gespräch aufmerksam verfolgt.
"Das ist aber nicht der Pilot?", will Tatjana wissen.
"Doch, das ist der Pilot", antworte ich.
"Und du sollst ihm die Arbeit abnehmen? Wie stellt er sich das vor?"
"Dass ich fliege."
"Du?"
"Warum nicht ich?"
"Deine Schwester hat schon viel größere und schnellere Flugzeuge geflogen", mischt sich John ein. "Bei der Air Force würden sie sie liebend gern als Kampfpilotin verpflichten."
"Anastasia?"
"Warum nicht?"
"Das hätte ich ihr nicht zugetraut", gesteht sie schüchtern.
"Ihr steigt also mit Ekaterina und John im Passagierbereich ein und ich gehe zum Cockpit."
"Können wir nicht auch ins Cockpit?", bettelt Roni.
Ich schaue Christoper an, der schaut schulterzuckend zurück. Ich verstehe, was er meint.
"Es entspricht nicht den Vorschriften. Aber, wenn sich Anastasia das zutraut, dann will ich nichts einwenden."
"Bitteeeee!", flehen Roni und Tatjana, wie aus einem Mund.
"Na gut. Eine setzt sich auf den Platz des Copiloten und eine auf den Klappsessel."
"Aber wir tauschen ab", wirft Roni sofort ein.
"Ihr tauscht ab und wenn es euch zu langweilig wird, geht ihr zurück in den Passagierraum. Dort ist es bequemer", biete ich an.
"Das machen wir. Ehrenwort!", versichert Tatjana.
"Versprochen!", stimmt ihr Roni zu.
Wir gehen alle ins Cockpit. Christopher bleibt im Aufenthaltsbereich für die Flugbegleiter, Tatjana lässt Roni den Vortritt, die sich vorsichtig auf den Platz des Copiloten setzt. Ich ermahne sie, die Finger von den Instrumenten zu lassen.
Ich mache die Vorflugkontrollen, kommuniziere mit dem Tower, starte die Triebwerke und bekomme die Startfreigebe. Die Mädchen beobachten mich ehrfurchtsvoll, sagen aber kein Wort.
Staunend verfolgen sie, wie sich die Maschine in Bewegung setzt und wir zur Startbahn rollen.
"Roni, ist es für dich der erste Flug?", frage ich.
"Ich bin schon einmal mit dem Hubschrauber mitgeflogen. Mein Vater hat das möglich gemacht."
"Aber mit einem Flugzeug ist es dein erster Flug?", will Tatjana wissen.
"Ich bin mit Anastasia von Tiflis nach Warschau geflogen. Das hat aber nicht lange gedauert und wir saßen hinten. Da habe ich nicht viel gesehen."
"Dann ist es für uns beide das erste Mal in einem so großen Flieger und dann auch noch im Cockpit. Das ist der Wahnsinn."
"Unsere gemeinsame Reise in eine neue Zukunft", meint Roni gerührt.
"Ich bin froh, dass wir das zusammen erleben dürfen", pflichtet ihr meine Schwester bei.
Wir erreichen die Startbahn, ich bringe den Flieger in Position, bekomme die Startfreigabe und gebe vollen Schub. Wir rollen an, beschleunigen gewaltig und rasen bereits wenig später über den Asphalt. Noch im ersten Drittel der Startbahn ziehe ich das Steuer nach oben und wir heben ab.
Wir gewinnen rasch an Höhe und erreichen schließlich die Reisehöhe. Ich stelle auf Autopiloten und drehe mich zu den Mädchen um.
"Hat es euch gefallen?"
"Und wie!", sagen beide.
Ich versuche ihnen von oben aus zu erklären, was unter uns auf der Erde gerade vorbeizieht. Einige wenige Bauwerke kann man sogar erkennen. Aber schon die Tatsache, dass ich ihnen sagen kann, welche Stadt gerade unter uns liegt, beeindruckt die beiden mächtig. Dabei lese ich es auch nur vom Autopiloten ab.
Als nur noch Wasser unter uns ist, wechseln Tatjana und Roni den Platz. Langsam wird es langweilig, da kommt John zu mir.
"Wir fahren nach der Landung direkt ins Weiße Haus. Der Präsident will mit dir sprechen", informiert er mich.
"Hat er gesagt, worum es geht?"
"Nein, er tut sehr geheimnisvoll."
"Sag ihm, ich werde kommen. Ich bring nur schnell die Mädchen in die Wohnung."
John scheint damit zufrieden zu sein, und geht wieder zurück in den hinteren Bereich. Ich weiß, dass es in den Regierungsmaschinen abhörsichere Verbindungen gibt.
"Ihr habt jetzt nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten gesprochen?", erkundigt sich Roni neugierig.
"Doch, er will mich sehen."
"Bist du so wichtig?", will meine Schwester staunend wissen.
"Er will etwas mit mir besprechen. Deshalb bin ich doch nicht wichtig."
"Naja, wenn er dich sprechen will", meint Roni.
Bevor ich widersprechen kann, steckt John erneut den Kopf durch die Tür. Ich frage mich, was er jetzt schon wieder will.
"Du sollst die Mädchen mitnehmen."
"Wozu?"
"Er möchte sie kennenlernen."
"Wenn er sich das zutraut", grinse ich.
Auch John grinst und zieht sich ein zweites Mal zurück. Ich schaue ihm nachdenklich hinterher, weil ich nicht ganz verstehe, was so wichtig sein kann, dass ich nicht einmal die Zeit habe, die Mädchen nach Hause zu bringen.
"Wir kommen mit? Zum US-Präsidenten?"
"Ja, das ist auch nur ein Mensch."
"Wenn das meine Mitschülerinnen wüssten", meint Roni und wird dabei ein wenig rot.
Ich konzentrier mich wieder mehr auf den Flug. Ich schaue, wo wir sind, und berechne die Zeit bis zur Landung. Eigentlich machen das die Instrumente und auch sonst kann man sich auf den Autopiloten verlassen. Ich bin aber noch etwas altmodisch und außerdem macht es Spaß zu fliegen.
"Wir sind in einer halben Stunde da", informiere ich die Mädchen.
Sie haben in der Zwischenzeit geplaudert und sind nun wieder voll auf das Geschehen konzentriert. Vor allem Tatjana, die nun vorne sitzt, starrt angespannt aus dem Fenster.
Wir verlieren zunehmend an Höhe, der Boden kommt immer näher und schon bald kann ich die Lichter der Landebahn vor uns ausmachen. Ich nähere mich dem Asphalt, setze geschmeidig auf und bremse die Maschine ab. Als wir nur noch langsam rollen, bekomme ich vom Tower den Platz angegeben, an dem ich den Vogel parken kann.
"Wir sind da!", sage ich salopp.
"Das war genial!", staunt Roni.
"Ich möchte auch den Flugschein machen", legt Tatjana nach.
"Wir informieren uns, ob das machbar ist", antworte ich.
"Die Air Force kann immer gute Pilotinnen brauchen", meint Christopher. Er kommt genau in dem Moment ins Cockpit. "Wenn ihr so fliegen könnt, wie Anastasia, dann liegt euch die Welt zu Füßen."
"Ich will aber nur zum Spaß fliegen. Von Beruf will ich Ärztin werden", stellt Roni sofort klar.
"Beeilung, meine Damen. Der Präsident wartet schon", treibt uns nun John an.
"Auf uns?", will Roni wissen.
"Ja, auf euch", lacht der Sicherheitsmann.
Wir verlassen das Flugzeug über die Gangway, die inzwischen herangefahren wurde und ich gehe schon ganz automatisch auf die drei Geländewagen zu, die in der Nähe stehen.
"Weiß Sam, dass ich mitkomme?", will Tatjana schüchtern wissen.
"Ich habe es ihm gesagt."
"Und? Was hat er dazu gesagt?"
"Oh - mein - Gott", sage ich und pruste laut los.
"Das hat er nicht gesagt", meint sie leicht beleidigt.
"Nein, natürlich nicht. Er hat gemeint, er freut sich."
Wir steigen in die Autos und schon prescht die Kolonne los. Da wir nun mehr Leute sind, sitze ich mit den Mädchen in einem Auto, Ekaterina hat auf dem Beifahrersitz Platz genommen und John musste in den Wagen hinter uns einsteigen.
Mit Polizeieskorte fahren wir direkt zum Weißen Haus. Am Nebeneingang steigen aus. Ich gehe davon aus, dass der Besuch kein Aufsehen erregen soll.
"Kommt", sage ich zu den Mädchen.
Sie folgen mir nur zaghaft, steigen aber brav hinter mir aus und als ich auf den Eingang zugehe, kommen sie hinterher. Die beiden Sicherheitsleute grüßen mich freundlich und wir werden anstandslos durchgelassen.
"Kontrolliert da keiner?", will Roni wissen. "Das ist doch nachlässig."
"Deine Schwester darf hier ein- und ausgehen, wie sie will", antwortet Ekaterina.
"Und wir?"
"Ihr seid in ihrer Begleitung", grinst meine Freundin.
"Und du und John?"
"Wir sind eure Sicherheitsleute."
"Wir haben Sicherheitsleute?", staunt Tatjana.
"Eigentlich nur deine Schwester. Sollte allerdings auch für euch eine Gefahr bestehen, könnte sich das schnell ändern."
Die beiden Mädchen sind tief beeindruckt und bekommen so gar nicht richtig mit, dass wir auf eine Tür zugehen. Ich klopfe an und als ich das "Herein" höre, öffne ich sie.
Tatjana und Roni, die nicht wissen, wo wir sind, kommen schnatternd hinter mir her. Erst als sie schon drei Schritte in den Rum hinein gemacht haben, bleiben sie erstarrt stehen.
"Das ist doch das ...", sagt Roni.
"Das Oval Office", grinst William. "Ja, das ist mein Büro."
"Dann bist du ... äh ... sie ... äh, wie sagt man?"
"Ich bin der Präsident und ihr könnt ruhig Du zu mir sagen. Dann fühle ich mich nicht so alt."
"Aber sie ... du bist ... äh ... der mächtigste Mann der Welt."
"Und ein Freund von Anastasia. Ihre Freunde sind hoffentlich auch meine Freunde."
"Ich bin ihre Schwester", wirft Tatjana verlegen ein.
"Naja, deine Schwester werde ich dann wohl nicht", grinst William.
"Das wird schwierig", kichert Roni.
"Setzt euch bitte."
Er kommt um den Schreibtisch herum und nimmt mich in den Arm. Es ist eine ausgesprochen freundschaftliche Geste.
"Wie geht es dir. Sam hat mir erzählt, was passiert ist."
"Alles gut. Wir sind unversehrt."
"Du bist aber echt eine Geheimwaffe. Du befreist den Außenminister aus dem geheimen Lager der tschetschenischen Kämpfer, du schießt einen Hubschrauber ab und du befreist deine Familie. Das alles nur in wenigen Tagen."
"Du hättest sie sehen sollen. Sie hat ein riesengroßes Messer nach einem der Männer geworfen, das haarscharf an Tatjanas Kopf vorbeigeflogen ist und perfekt im Auge des Mannes stecken geblieben ist. Der hatte keine Chance", schwärmt Roni.
"Wenn Ekaterina nicht den zweiten erledigt hätte, wäre die Sache womöglich schief gegangen", bremse ich die Begeisterung.
"Aber Ekaterina hat das perfekt hingekriegt, weil du sie an die richtige Stelle geschickt hast."
"Der Präsident hat uns aber sicher nicht hergerufen, um über unsere Abenteuer zu sprechen", versuche ich das Thema zu wechseln.
"Das stimmt, aber es interessiert mich natürlich, was Anastasia alles geleistet hat."
"Sie ist großartig. Sie lässt uns bei sich wohnen, damit wir hier studieren können", schwärmt Tatjana.
"Die zwei Plätze an der Georgtown University sind schon vorgemerkt. Jetzt könnt ihr keinen Rückzieher mehr machen", meint William schmunzelnd.
"Wie schon vorgemerkt?", will Roni wissen.
"Als Sam mir erzählt hat, dass ihr Medizin studieren wollt, habe ich zwei Plätze reservieren lassen. Ihr könnt, wenn ihr wollt, auch im Studentenheim wohnen."
"Sie bleiben vorerst bei mir", wehre ich ab. "Sie sind fremd in der Stadt. Eventuell später."
"Wir sind lieber bei Anastasia", meint auch Roni kleinlaut.
"Gut, dann wohnt ihr vorerst bei Anastasia."
Die beiden strahlen mich an und auch ich schaue William dankbar an. Er hat seine Beziehungen spielen lassen. Ich wette ein Studentenvisum liegt auch schon bereit.
"Anastasia, hättest du einen Moment?", wendet sich William nun an mich.
"Ja, was hast du auf dem Herzen?"
"Gehen wir in den Garten?"
Er geht zur Tür, die in den Garten führt und ich folge ihm. Kaum sind wir draußen, nimmt er mich um die Taille. Wir schlendern ein Stück, ohne dass einer von uns etwas sagt.
"Hast du mit Sam gesprochen?", will er plötzlich wissen.
"Ich habe mit ihm gesprochen."
"Und, was sagt er?"
"Wir hatten keine Zeit, die Sache zu Ende zu diskutieren. Es war nicht der ideale Zeitpunkt."
Ich denke belustigt daran zurück, dass wir an den Stangen festgemacht waren. Ich nackt und Sam mit offenem Hosenstall und den Schwanz tief im Rachen einer jungen Frau.
"Darf ich dich bitten, heute noch mit ihm zu sprechen?"
"Ich hoffe, ich bekomme von ihm eine Antwort."
"Morgen wäre der ideale Zeitpunkt, um seine Kandidatur öffentlich zu machen."
"Jetzt schon?"
"Es drängt die Zeit."
"Gut, ich werde mit ihm reden."
"Ich weiß, du wirst ihn davon überzeugen."
"Ich werde ihn nicht beeinflussen."
"Ich zähle trotzdem auf dich."
Kapitel 26
Endlich liege ich mit Sam im Bett. Wir haben zu Abend gegessen und die Mädchen haben sich in ihr Zimmer zurückgezogen. Wir hatten ihnen angeboten, dass jede ihr eigenes Zimmer bekommt. Sie aber wollten zusammenbleiben.
Sie rumoren immer noch herum. Ich gehe davon aus, dass sie noch dabei sind, ihre Sachen auszupacken und einzuräumen. Dabei brauchen sie mich aber nicht.
"Du Sam, kannst du dich noch an unser Gespräch erinnern?"
"An welches?", grinst er schelmisch. Er weiß genau, was ich meine.
"Ob du dich um die Präsidentschaft bewerben möchtest."
"Was sagst du dazu?", meint er unsicher.
"Ich traue es dir zu."
"Sicher."
"Ganz sicher."
"Den Antrag darf ich dir aber machen, wenn ich es für richtig halte."
"Versprochen! Ich halte mich zurück und mache dir keinen Heiratsantrag", lache ich.
"Und du stehst immer hinter mir!"
"Manchmal auch neben dir oder ich stelle mich sogar vor dich, wenn es sein muss. Aber ich werde dich nie allein lassen und immer zu dir stehen", versichere ich.
Sam lächelt glücklich, zieht mich an sich und legt seine Lippen bestimmend auf meine. Er saugt so fest, dass es schon fast wehtut. Aber ich lasse mich bereitwillig auf den Kuss ein, öffne meinen Mund und gewähre ihm Zutritt.
Er küsst mich lange, wälzt sich über mich und liebkost meinen Körper. Auch meine Hände legen sich auf seinen Rücken, streifen hinunter zum Po und liebkosen ihn. Es fühlt sich einfach so herrlich an, seine Haut zu spüren und zu wissen, dass er mir ganz nah ist.
Als er mit einem Finger prüfend über meine Spalte fährt, entkommt mir ein wohliges Stöhnen. Es dauert nicht mehr lange und er wird von meinem Körper Besitz ergreifen, er wird in mich eindringen und es wird sich herrlich anfühlen.
Es sind nun einige Tage, eindeutig zu viele, die ich ohne Sex auskommen musste. Früher war ich nie so darauf fixiert, mit meinem Freund zu schlafen. Aber bei Sam ist definitiv alles anders. Ich kann es kaum noch erwarten, dass ich seine Eichel an meinen Schamlippen spüre, wahrnehme, wie sie sich in mich schiebt und sein herrlicher Schwanz meinen Lustkanal immer weiter ausfüllt und dehnt.
ENDE
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