Feuriges Griechenland "Kapitel - BETA - Ausbildung" (fm:Sonstige, 16556 Wörter) [19/19] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Mr_Empire | ||
| Veröffentlicht: Mar 30 2026 | Gesehen / Gelesen: 363 / 278 [77%] | Bewertung Teil: 9.63 (8 Stimmen) |
| Episode ACHT - Abendessen zu Viert | ||

Ersties, authentischer amateur Sex
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Die Vorfreude auf den Abend wächst spürbar. Arm in Arm verlassen sie das Bad, bereit für alles, was kommen mag.
Elena zupft immer wieder an ihrem Ärmel und steht kurz auf, nur um sich gleich wieder zu setzen, während Kassandra nervös mit dem Handy spielt, es dreht, entsperrt, sperrt, wieder auf das Display schaut. Heute Abend wollen die Männer die Frauen ausführen – natürlich in ein anderes Restaurant, nicht ins Hotel. Die Stimmung ist locker, und beide machen Scherze darüber, was für Gründe die Männer wohl haben könnten, um zu spät zu kommen.
Die warmen Farben des Bungalows tauchen den Raum in ein sanftes Licht; draußen prasselt leiser Regen auf das Dach und mischt sich mit dem leisen Summen des Kühlschranks. Elena sitzt am runden Holztisch, ihr Blick schweift immer wieder zur Tür, als erwarte sie, dass Sven und Markus jeden Moment hereinstolpern. Ihre flackernden Bewegungen verraten einen inneren Sturm – Elena, die sonst für ihre impulsive Art bekannt ist, hat heute einen Hauch von Nervosität an sich. Ihre Fingernägel sind sorgfältig lackiert, doch sie trommelt ungeduldig auf dem Tisch, als müsste sie sich von aufsteigender Unruhe ablenken. „Also wenn die Zwei keinen guten Grund haben, müssen wir sie bestrafen“, sagt sie mit einem schiefen Grinsen, das ihre Unsicherheit geschickt kaschiert. Sie wirft Kassandra einen prüfenden Blick zu, als wolle sie herausfinden, ob diese vielleicht mehr weiß als sie selbst.
Kassandra, die neben Elena sitzt, bewegt ihr Handy in kleinen Kreisen über die Tischplatte – eine alte Gewohnheit, wenn sie sich Gedanken macht. Sie hat eine sanfte, beinahe melancholische Ausstrahlung, die oft von ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihrem Humor überstrahlt wird. Ihr blondes Haar ist locker zu einem Zopf gebunden, einzelne Strähnen fallen über ihre Stirn. Sie beobachtet Elena mit einem verständnisvollen Lächeln, das die Nähe zwischen ihnen spiegelt. „Lass uns erstmal abwarten. Außerdem sind sie ja noch gar nicht wirklich spät dran“, erwidert sie und versucht, ihre eigene Unsicherheit hinter sachlichen Worten zu verstecken
Elena lehnt sich demonstrativ zurück, ihr Blick wird ironisch, als sie laut lacht: „Trotzdem – sollte mir der Grund nicht passen, gibt’s eine Woche Sexentzug!“ Ihr Zwinkern ist ein Versuch, die Stimmung aufzulockern.
Kassandra prustet los, ihr Lachen hallt durch den Raum und lässt die Schatten an den Wänden tanzen. „Eine Woche? Damit bestrafen wir uns doch selber, oder?“ Sie schüttelt den Kopf, Tränen glitzern in ihren Augen – nicht nur vor Lachen, sondern auch aus einem unterschwelligen Gefühl der Erleichterung, das die Anspannung für einen Moment vertreibt.
Elena legt nachdenklich einen Finger ans Kinn, spielt die Überlegende. „Hm, da hast du vielleicht recht.“ Ihr gemeinsames Lachen füllt den Raum, doch dahinter lauert eine leise Spannung. Kassandra wirft immer öfter einen nervösen Blick auf ihr Handy, das auf dem Tisch liegt wie ein stilles Versprechen oder eine Bedrohung. Keine neue Nachricht erscheint; Elenas Fuß wippt unruhig auf dem Boden, und sie schaut zur Tür, als könnte sie die Männer mit ihrer Sehnsucht herbeizaubern. Der Duft nach nassem Holz und frischem Kaffee mischt sich mit der Erwartung, die zwischen den Frauen wächst. Langsam sollten Sven und Markus zurückkommen, wenn sie sich noch umziehen wollen – doch in diesem Moment scheint jeder Tick der Uhr schwerer zu werden, und niemand weiß, was die nächsten Minuten bringen werden.
„Jetzt erwarte ich langsam einen richtig dicken Klunker für den Finger als Entschuldigung“, sagt Elena so bestimmt, dass Kassandra sie erstaunt anschaut. Für einen Moment schweigen beide, Elena blickt gedankenverloren aus dem Fenster, als würde sie sich ausmalen, wie der Ring aussehen könnte. Die Stimmung ist ausgelassen, doch ein leises Unbehagen mischt sich in den Moment.
Kassandra blinzelt überrascht. „Du willst wirklich einen Verlobungsring von meinem Bruder?“ Ihre Stimme ist skeptisch, die Augen groß. Sie spürt, wie ihr Herz schneller schlägt.
Elena schüttelt den Kopf und lächelt leicht. „Nein, nicht sofort. Aber in zwei, vielleicht drei Jahren wäre es schön, einen Ring zu bekommen.“ Sie schaut Kassandra offen an. „Ich weiß nicht, wie ihr darüber denkt. Ihr seid erst ein paar Monate zusammen. Bei Sven und mir ist das anders. Wir kennen uns schon sehr lange. Unsere Beziehung war immer offen, aber jetzt sind wir ein festes Paar.“ Elena hält den Blick ihrer Freundin fest. „Ich hoffe, ich muss Sven nicht wieder unter Druck setzen.“ In ihrem Inneren spürt sie eine Mischung aus Sehnsucht und Sorge: Was, wenn Sven ihren Wunsch nicht teilt? Was, wenn all die vertrauten Routinen plötzlich zerbrechen?
Kassandra lächelt sanft. „Du liebst ihn wirklich. Das ist schön.“ Sie greift nach Elenas Hand, ihre Stimme ruhig und warm. „Mach dir keine Sorgen um Sven. So glücklich wie jetzt habe ich ihn nie erlebt. Markus macht mich glücklich, Sven dich. Und er liebt dich, Elena – genauso wie Markus mich.“
Die beiden drücken sich fest die Hände. Elena zwinkert verschwörerisch. „Dann sollen die Männer mal kommen und uns zeigen, dass sie uns lieben – und dass sie unsere Liebe verdienen!“ Ihr Lächeln wirkt für einen Moment etwas gezwungen, und sie spürt, wie eine feine Unruhe die erwartungsvolle Freude durchzieht.
Sie lachen laut los. Plötzlich vibriert Kassandras Handy auf dem Tisch, und beide zucken leicht zusammen – die ausgelassene Stimmung wird durch einen Moment der Irritation unterbrochen. Kassandra greift hastig danach, ihr Lachen verstummt. Ihr Blick wird ernst, als sie den Bildschirm sieht. „Es ist Sven, nicht Markus.“ Ihre Stimme ist flach, ein Schatten huscht über ihr Gesicht. Kassandra spürt, wie ihr Herz in ihrer Brust hämmert. Was ist los? Warum meldet sich Sven und nicht Markus?
Elena beugt sich vor, ihre Stirn in Sorgenfalten. „Wieso Sven?“ Die Unruhe, die eben noch mit Leichtigkeit überspielt wurde, schlägt jetzt in echte Besorgnis um.
Kassandra nimmt den Anruf entgegen. „Ja, Sven?“ Ihre Stimme zittert leicht. Sie presst das Handy ans Ohr.
Aus dem Lautsprecher dröhnt Svens Stimme, brüchig und leise. „Kass… es tut mir leid.“ Er klingt angespannt, fast panisch. Kassandra spürt, wie ihr die Kehle trocken wird. Ihre Gedanken überschlagen sich – Was passiert gerade? Wovor hat Sven solche Angst?
Kassandra sitzt kerzengerade. „Was ist passiert, Sven? Wo ist Markus? Warum ruft er mich nicht an?“ Ihre Stimme überschlägt sich, voller Angst. In ihrem Kopf beginnt das Chaos: Bilder von Markus, Szenen aus der Vergangenheit, die plötzliche Vorstellung von Verlust. Sie merkt, wie Panik in ihr aufsteigt: Bitte nicht – bitte lass Markus okay sein!
Sven stammelt, seine Worte brechen ab. „Ihr müsst sofort kommen.“ Für einen Moment bleibt alles stehen. Kassandras Gedanken ringen um Klarheit, doch alles ist nur ein Nebel aus Angst und Sorge.
Kassandra schreit fast ins Telefon. „Wohin, Sven? Wo seid ihr?“ Ihre Hände zittern, Elena fasst sie am Arm. Innerlich spürt Kassandra, wie die Unsicherheit sie fast überwältigt – sie will nur noch wissen, was mit Markus ist.
Svens Stimme ist nur noch ein Flüstern. „Markus… Krankenhaus.“ Mehr sagt er nicht. Elena und Kassandra springen auf, das Lachen ist verschwunden. Ihre Gesichter sind blass, die Augen weit geöffnet. Ohne zu zögern, rennen sie zur Tür, ihre Angst treibt sie an. In Kassandras Kopf wirbeln die Gedanken: Was ist passiert? Ist Markus in Gefahr? Die Welt draußen scheint für einen Moment stillzustehen, während sie hoffen, dass das Unbekannte sie nicht völlig aus der Bahn wirft.
Vormittags im Hotelrestaurant.
„Markus, hast du eigentlich schon alles für heute Abend vorbereitet?“, fragt Sven und wackelt aufgeregt mit den Augenbrauen, während er mit einem Luftstift eine imaginäre Checkliste in die Wolken malt. Die Sonne blinzelt durch das grüne Blätterdach, ein frischer Wind trägt den Duft von gemähtem Gras und Grillwürze heran. „Nicht, dass wir unsere Damen beim Ausgehen blamieren! Ich will schließlich einen guten Eindruck machen.“ Dabei schaut ihn Sven fest an.
„Ehrlich gesagt nein. Ich habe vor, Kass heute Abend noch mit einer Kette zu überraschen“, antwortet Markus leise und kratzt sich am Hinterkopf.
Sven klopft sich mit übertriebener Theatralik an die Stirn und verzieht das Gesicht, als hätte er gerade die größte Heldentat geplant. „Na dann, ab in die Stadt! Ein bisschen Zeit bleibt noch – und Schmuck-Shopping klingt nach einer heroischen Mission. Vielleicht schaffe ich es diesmal, die Geschenkverpackung nicht im Taxi liegen zu lassen… oder zumindest nur den Kassenzettel!“
Markus steht auf, den Finger nachdenklich an die Lippe gelegt. „Sven, hast du Elena wegen heute Abend Bescheid gesagt? Nicht, dass sie wieder spontan etwas plant.“ Ein leises Lachen mischt sich in mit den Geräuschen des Restaurants.
Sven hebt die Hände, als wollte er das Universum um Entschuldigung bitten. „Mist, bei der ganzen Planung und Vorfreude hab ich das glatt vergessen! Typisch ich – Weltmeister im Prokrastinieren.“
Markus grinst schief und tippt sich ans Kinn. „Na komm, dann sagen wir den beiden noch schnell Bescheid. Nicht, dass sie heute Abend einen Mädels Abend mit Schokoladenfondue und Liebesfilmen planen!“ Die beiden machen sich auf den Weg. Verlassen das Restaurant und Grand Korfu. Ihre Schuhe knirschen auf dem Kiesweg, während irgendwo ein Hund bellt und ein Duft nach frischem Kuchen aus der Küche weht. Markus zwinkert: „Elena schläft ja eh öfter bei dir als zuhause – ihr seid praktisch schon zusammengezogen.“ Sven lacht laut auf.
Sie betreten zusammen den Bungalow, wo die Luft nach Vanille und Shampoo riecht – eine Mischung, die Sven immer mit Elena verbindet. Die Stimmung ist gemütlich; Licht fällt durch die halb geöffneten Vorhänge, malt helle Streifen auf den Boden. Aus Richtung Schlafzimmer schallen Stimmen, ein leises Kichern und das Rascheln von Kleidung. Sven winkt Markus zu sich und legt den Finger auf die Lippen: „Psst, jetzt kommt unser Überraschungsauftritt!“ Wie auf Kommando stolpert Sven über die herumliegende Yogamatte – seine persönliche Stolperfalle –, und Markus muss sich das Lachen so sehr verkneifen, dass er fast die Wand streift. „Vielleicht sollten wir als Geschenk eine neue Matte kaufen – mit Stolper-Warnung,“ flüstert er augenzwinkernd.
Elena wühlt in ihrem Schrank, eine Hand voller bunter Tücher, und lacht: „Ich glaub, ich sollte meine Schrankhälfte mal ausmisten! Dabei sind meine Sachen noch gar nicht so lange hier – oder vielleicht hab ich einfach zu viele Lieblingskleider.“ Kassandra muss deswegen kichern. „Lieber zu viel als zu wenig – und unsere Herren hätten sicher nichts dagegen, wenn wir nur im Adamskostüm herumlaufen.“ Beide lachen, während Markus und Sven sich leise ans Zimmer anschleichen.
Kassandra lacht herzlich und meint: „Da bin ich ganz deiner Meinung. Markus würde das sicher auch gut finden.“ Ihre Augen treffen sich, und in Kassandras Blick liegt ein warmes, vertrautes Leuchten – ihr Herz schlägt ein wenig schneller, als sie an Markus denkt.
Elena schmunzelt, doch ein Hauch Unsicherheit liegt in ihrem Blick. Dabei wendet sie sich ganz zu Kassandra. „Es wäre doch seltsam, wenn unsere Männer schon kein Interesse mehr an uns hätten – egal ob wir angezogen oder nackt sind. Das würde einiges über unsere Wirkung als Frauen und unsere Beziehung aussagen. Und ich gebe zu, ich sehe Sven auch gerne öfters ohne alles.“ Dabei lacht sie leise, legt ihre Hand sanft auf Kassandras Arm und zwinkert ihr vertraut zu, wodurch die Nähe zwischen ihnen noch intensiver spürbar wird.
Kassandra nickt und grinst verlegen: „Ja, das geht mir genauso. Manchmal male ich mir aus, wenn ich Markus, aus welchem Grund auch immer, nackt sehe, was passieren würde, wenn wir einfach mehr Zeit hätten. Dann spielt meine Fantasie verrückt – und Markus hat es abends dadurch nicht immer ganz leicht mit mir.“ Während sie das sagt, spürt sie ein Kribbeln im Bauch und hofft insgeheim, dass Markus ihre Sehnsucht bemerkt. Im Flur lächelt Markus bei diesen Worten innerlich. Er fühlt sich Kassandra auf eine ganz besondere Weise verbunden.
Elena schaut neugierig zu Kassandra: „Was meinst du, sollen wir die beiden mal testen?“ Ihre Augen leuchten dabei vor Neugier und ein bisschen Schalk.
Kassandra runzelt die Stirn und sieht Elena fragend an: „Warum sollte ich Markus testen? Ich vertraue ihm – er würde mir nie fremdgehen.“ Ihr Ton ist ernst, und in ihren Augen liegt absolute Gewissheit. Sie spürt, wie wichtig ihr dieses Vertrauen geworden ist.
Die Jungs hören gespannt mit, auch wenn sie versuchen, ihre Neugier zu verbergen. Jeder von ihnen spürt, dass jetzt gerade etwas Besonderes zwischen den Frauen geschieht.
Elena verdreht die Augen und lacht leise: „So habe ich das gar nicht gemeint. Ich bin mir sicher, dass Sven mir genauso treu ist wie ich ihm. Ich dachte eher daran, ob sie uns nur wegen unseres Aussehens anschauen – oder ob es vielleicht an den Klamotten, der Verpackung liegt.“ Beim Sprechen verspürt sie eine prickelnde Erwartung, wie Sven wohl reagieren würde.
Kassandra lacht: „Du hast echt verrückte Ideen, Elena. Aber irgendwie gefällt mir diese. Dann müssten wir aber dafür sorgen, dass sie uns zuerst von hinten sehen. Quasi nur die Verpackung.“ Ein schelmischer Blitz huscht über ihr Gesicht und sie spürt ein aufgeregtes Kribbeln – der Gedanke gefällt ihr immer mehr.
In diesem Moment gibt Sven Markus ein Zeichen. Leise und mit etwas Herzklopfen betreten sie den Raum, während Elena und Kassandra mit dem Rücken zur Tür stehen. Die beiden Männer schleichen sich vorsichtig an und legen sanft ihre Hände auf die Hüften der Frauen. Überrascht drehen sich Elena und Kassandra um – für einen Moment bleibt ihnen die Luft weg, bevor ein Lächeln über ihre Gesichter huscht.
Sven grinst zu Markus: „Na, was sagst du? Unsere Frauen planen wohl eine private Modenschau für uns.“ Elena dreht sich in seinen Armen um, ihr Blick ist neugierig, aber auch leicht herausfordernd.
„Wie? Habt ihr uns etwa belauscht?“ fragt Elena, die eine Augenbraue hochzieht, während sie gespannt auf Svens Antwort wartet. Ihr Herz klopft ein wenig schneller, weil sie die Situation amüsiert und aufregend findet.
Sven kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, sein Blick ist liebevoll und verschmitzt: „Wer, wir? Das würden wir doch nie machen, Schatz.“
Elena schaut ihn skeptisch an. „Und das sollen wir euch glauben?“ Sie schiebt ihren Kopf näher zu Sven und küsst ihn sanft. Dabei fühlt sie sich ihm besonders nah. Kassandra und Markus beobachten die beiden ruhig; Kassandra schmiegt sich vertrauensvoll in Markus’ Arme und genießt den Moment der Nähe.
Nachdem Elena Sven einen liebevollen Kuss gegeben hat, löst sie sich von ihm, schaut ihn direkt an und fragt: „Aber was macht ihr eigentlich hier? Wolltet ihr nicht in die Stadt?“ In ihren Worten schwingt aufrichtige Neugier mit.
Markus antwortet mit einem kleinen Lächeln: „Ja, wir wollten uns gerade auf den Weg machen.“ Auch er spürt die besondere Stimmung, die in der Luft liegt – und freut sich auf den Abend mit Kassandra.
Sven grinst, das Licht des späten Vormittags fällt durch das Fenster und wirft warme Muster auf den Boden. „Wir haben euch einfach jetzt schon vermisst und wollten euch noch schnell daran erinnern, euch heute Abend ein wenig hübsch zu machen und schick anzuziehen.“ Er zwinkert Elena zu. „Ihr braucht zwar nicht viel dafür tun – ihr seid sowieso schon die schönsten Frauen der Welt, und wir wollen euch heute ausführen.“ Während Sven spricht, schwingt sein Tonfall zwischen Ernst und verspielter Leichtigkeit.
Als seine Worte verklungen sind, treffen sich Svens und Elenas Blicke. Für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Elena spürt ein warmes Ziehen in ihrer Brust, ihr Mundwinkel zuckt unwillkürlich und sie muss lächeln. Sie erinnert sich an den ersten Abend mit Sven, als er sie genauso angesehen hat – voller Zuneigung und mit dieser typischen, leicht spöttischen Note. Kassandra lacht leise und wirft Markus einen liebevollen Blick zu. Auch zwischen ihnen liegt ein stilles Einverständnis in der Luft – ein feines Band aus Nähe und Vertrautheit, das die beiden Paare verbindet. Im Hintergrund läuft leise Musik, die die entspannte Atmosphäre unterstreicht.
Elena schüttelt lachend den Kopf, ein freches Funkeln in ihren Augen. Sie stupst Kassandra leicht mit dem Ellenbogen an. „Charmeur! Hast du das gehört, Kass? Unsere Männer wollen uns heute Abend tatsächlich in den Gästebereich des Restaurants ausführen.“ Ihr Ton ist spielerisch, aber auch voller Zuneigung.
Sven reagiert theatralisch: Er verdreht übertrieben die Augen, zieht die Schultern hoch und wirft seine Arme in die Höhe. Schmunzelnd dreht er sich leicht von Elena weg. „Na gut, wie ihr meint“, sagt er und wirft Markus einen vielsagenden Blick zu. „Markus, ich glaube, wir müssen uns wohl doch in der Stadt nach zwei heißen Fegern umschauen, die wir heute Abend ausführen und danach eventuell vernaschen können.“ Er zwinkert Elena zu, sein Grinsen ist ansteckend.
Blitzschnell greift Elena nach seiner Hand, ein neckisches Lächeln auf den Lippen. „Das könnte auch so passen. Entweder ihr führt uns aus oder niemanden“, lacht sie und hält seinen Blick fest. Kassandra lacht ebenfalls herzlich auf und wirft Markus einen verschwörerischen Blick zu – sie kennt Svens Humor nur zu gut und schätzt diese ausgelassene Stimmung.
Sofort erwidert Sven ihr Lächeln, sein Daumen streicht sanft über ihren Handrücken. „Gut, dann bis heute Abend. Wir sind so zwischen halb acht und acht hier, um euch abzuholen.“ Er gibt Elena einen kurzen, liebevollen Kuss. Markus verabschiedet sich ebenfalls mit einer kleinen Verbeugung und einem Schmunzeln von Kassandra. Die beiden Männer machen sich auf den Weg zur Tür, während im Raum eine leise Vorfreude zurückbleibt.
Im Türrahmen bleibt Sven jedoch noch einmal stehen, schiebt die Hände in die Hosentaschen und dreht sich mit einem verschmitzten Grinsen zu Elena und Kassandra um. „Was übrigens die Modenschau betrifft – solange sie damit endet, dass ihr uns euer Adamskostüm präsentiert, haben wir nichts dagegen.“ Er hebt dazu spaßeshalber die Augenbrauen, was Kassandra sofort zum Lachen bringt.
Kassandra lacht und schüttelt den Kopf, ein schelmisches Glitzern in ihren Augen. „Das könnte dir so passen, dass du deine große Schwester nackt siehst, was?“ Sie stupst Sven mit dem Ellenbogen leicht in die Seite und grinst – ihre lockere Art bringt die anderen zum Schmunzeln. Während sie spricht, spürt sie einen kurzen Anflug von Unsicherheit, doch das vertraute Miteinander lässt sie sich wohlfühlen. Schließlich waren sie sich schon im Saunabereich nackt begegnet – und Kassandra denkt daran, wie unkompliziert das damals war. Trotzdem wundert sie sich innerlich, warum sie bisher nie gemeinsam als Vierergruppe in der Sauna waren. Vielleicht liegt es daran, dass solche Momente eine besondere Nähe schaffen – und Kassandra genießt genau diese Vertrautheit jetzt, während sie ihren Bruder betrachtet und merkt, wie sehr sie sich auf den gemeinsamen Abend freut.
Sven lacht leise, hebt wie zur Bestätigung die Hände und wirft Elena ein schelmisches Augenzwinkern zu. „Natürlich, Schwesterherz. Ich habe ja eben schon gesagt, dass ihr die beiden schönsten Frauen der Welt seid – warum sollte ich also etwas dagegen haben, euch im Adamskostüm zu sehen? Na dann, bis heute Abend, ihr beiden!“ Damit verschwindet er mit einem letzten Lächeln aus ihrem Blick und eilt zu Markus, der schon an der Haustür wartet. Die beiden Männer verlassen das Haus, während draußen die Stadt langsam in das goldene Licht des frühen Abends getaucht wird.
Markus und Sven schlendern durch die Straßen, genießen die ersten warmen Frühlingsstrahlen. Die Kälte weicht langsam, und Markus spürt, wie seine Stimmung mit dem Wetter heller wird. Seine Gedanken schweifen kurz zu den blühenden Bäumen, bevor er sich wieder auf das Jetzt konzentriert.
Plötzlich bleibt Sven stehen und betrachtet nachdenklich das Schaufenster eines Autohauses. „Sag mal, Markus, du hast doch einen Führerschein. Wann willst du dir eigentlich ein eigenes Auto zulegen?“ Er sieht ihn abwartend an, als wolle er einen verborgenen Traum erkennen.
Markus zuckt die Schultern, etwas verlegen. „Wäre schon cool, aber in meiner Ausbildung – besonders jetzt im ersten Lehrjahr – bleibt am Monatsende kaum etwas übrig. Da fühlt sich so ein Auto einfach zu weit weg an.“ Seine Worte klingen lockerer, als er sich fühlt. Der Druck, auf eigenen Beinen zu stehen, sitzt ihm dennoch im Nacken.
Sven grinst schief. „Warum redest du nicht mal mit Kass drüber?“ Er läuft weiter und strahlt dabei eine unerschütterliche Zuversicht aus, die Markus für einen Moment ansteckt.
Markus schüttelt den Kopf. „Nee, Kass weiß, dass ich mit ihr zusammen bin, weil ich sie liebe, nicht weil ich mir von der Beziehung Vorteile erhoffe. Das ist mir echt wichtig.“ Er spricht leise – er will auf keinen Fall, dass irgendwer daran zweifelt.
Sven nickt. „Nach fast einem halben Jahr weiß sie das bestimmt. Aber du musst nicht immer alles allein stemmen. Ihr seid ein Team.“ Markus schweigt und lässt Svens Worte nachklingen, während eine sanfte Frühlingsbrise sie umgibt.
Markus blickt auf den Boden, seine Stimme wird weicher. „Ich will ihr einfach zeigen, dass ich selbst was auf die Beine stellen kann. Für uns. Oder wenigstens für meine Familie.“ Stolz und Unsicherheit vermischen sich in ihm.
„Markus, Kass liebt dich – mit oder ohne Geld.“ Sven lächelt aufmunternd. Markus muss grinsen, auch wenn ihm das Thema schwerfällt.
Markus bleibt stehen. „Natürlich weiß ich das. Ich will ja auch nicht, dass das immer so bleibt. Gerade jetzt bin ich einfach froh, dass ich das Geld fürs Essen und für die Kette zusammenbekommen habe.“ Seine Worte verraten, wie viel ihm das bedeutet.
Sven sieht Markus an und erkennt, wie schwer es ihm fällt, sich das einzugestehen. Sein Respekt für Markus wächst. Gemeinsam biegen sie um eine Ecke, schweigen eine Weile. Die Stimmung ist ruhig, beinahe melancholisch. Dann bleibt Markus abrupt stehen und blickt in einen Hinterhof.
Auch Sven hält inne, schaut erst in den Hof und dann zu Markus, dessen Augen plötzlich zu leuchten beginnen. Markus fixiert einen alten BMW – seine Gedanken überschlagen sich. Für einen Moment vergisst er alles um sich herum. Markus spürt eine Mischung aus Sehnsucht und Hoffnung; der Wagen symbolisiert für ihn Freiheit und Selbstständigkeit. Ohne zu zögern geht er auf das Auto zu, legt eine Hand sanft auf das Dach und streicht beinahe ehrfürchtig darüber.
Sven tritt zu Markus und betrachtet das Auto. „Komm schon, Markus. So alt und billig muss dein erster Wagen nun aber wirklich nicht sein“, meint er und blinzelt gegen die Sonne, die direkt in sein Gesicht scheint. Markus denkt kurz: Vielleicht hat Sven recht, aber für ihn ist dieser BMW mehr als nur ein Auto – er ist ein Traum.
„Was soll das, Sven? Schau dir diese Schönheit an! Die Kurven, die Formen – sie hat noch echten Charme und Seele. Bevor der Windkanal alles genormt hat, waren Autos richtige Persönlichkeiten.“ Markus spricht euphorisch, beinahe verliebt in das Fahrzeug. Innerlich fragt er sich, wie er jemals das Geld für dieses Auto aufbringen kann.
Sven erinnert sich an den Film „Christine“, diesen Plymouth Fury aus den 50er oder 60er Jahren – auch dort hatte das Auto den Protagonisten in seinen Bann gezogen, wie es jetzt dieser BMW mit Markus tut. Für einen Moment fragt Sven sich, ob Markus genauso von seinem Traumwagen fasziniert ist, wie einst der Held des Films – mit allen Konsequenzen.
Markus Hand gleitet sanft über den matten und stumpfen Lack, der an einigen Stellen bereits abblättert. Doch ihn stört das nicht – für Markus zählt nur die Idee, diesen Wagen eines Tages zu besitzen. Die Realität holt ihn jedoch ein, als er das Verkaufsschild sieht: 1.000 Euro – eine Summe, die für ihn derzeit unerreichbar ist. Enttäuschung breitet sich in ihm aus.
„Lass uns weitergehen. Selbst wenn ich das Geld fürs Essen und die Kette nicht ausgeben müsste, könnte ich mir diesen Wagen nicht leisten.“ Schweren Herzens wendet sich Markus ab, versucht die Enttäuschung zu verdrängen und sich auf den Rest des Tages zu konzentrieren.
Sven folgt ihm wortlos. Er weiß nicht, was er in diesem Moment sagen soll – zu groß scheint Markus’ Enttäuschung. Bis zum Juwelier, bei dem Markus die Kette für Kass zurücklegen lassen hatte, schweigen die beiden – jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Sven fragt sich, wie er Markus am besten unterstützen könnte, ohne dessen Stolz zu verletzen.
Im Geschäft werden sie sofort freundlich begrüßt. Markus nennt den Grund ihres Besuchs, und die Verkäuferin verschwindet lächelnd ins Hinterzimmer. Kurz darauf kehrt sie mit einer kleinen Schmuckschatulle zurück, öffnet diese und stellt sie vor Markus auf den Tresen.
Er sieht die Kette an und weiß, dass Kass sich genau darüber freuen wird. Ein kleiner Lichtblick nach dem Frust mit dem BMW. „Ja, genau die ist es. Packen Sie sie bitte wieder ein, ich nehme sie gleich mit.“ Markus lächelt der Verkäuferin zu, die ihm freundlich zunickt und die Kette einpackt. Schon bald stehen sie gemeinsam an der Kasse.
Sven staunt, als er den Preis sieht – fast 200 Euro. Er hatte zwar vermutet, dass Markus kein billiges Geschenk für Kassandra kaufen würde, doch dieser Betrag überrascht ihn. Gleichzeitig spürt Sven einen gewissen Stolz auf seinen Freund.
„Vielen Dank. Kommen Sie gerne wieder,“ verabschiedet die Verkäuferin Markus und Sven, bevor sie das Geschäft verlassen.
Kaum sind sie draußen, kommentiert Sven: „Wow, Bro. Bei dem Preis für die Kette muss ich fast schon nachziehen, sonst bekomme ich von Elena heute Abend was zu hören.“ Dabei blinzelt er Markus zu, versucht die angespannte Stimmung etwas aufzulockern.
„Quatsch, Sven. Elena liebt dich – ob mit Geschenk oder ohne.“ Markus lächelt, und für einen Moment scheinen die Sorgen des Tages vergessen.
„Ich weiß, Markus. Es wäre ja auch keine...“ Sven beißt sich auf die Zunge, hofft, dass Markus den Satz nicht zu Ende denkt. Doch diese Hoffnung zerplatzt sofort wie eine Seifenblase im Wind.
„Du willst Elena einen Antrag machen?“ fragt Markus sofort und schaut Sven neugierig an. Für einen Moment herrscht gespannte Stille – Sven spürt, wie sein Herz schneller schlägt.
„Ja und nein“, windet sich Sven. Er weiß selbst nicht genau, wo er steht – die Unsicherheit ist deutlich spürbar.
„Wie, ja und nein? Also quasi Jein? Sag jetzt nicht, du hörst den Refrain von Fettes Brot in deinem Kopf: 'Soll ich’s wirklich machen oder nicht?' Aber mal ehrlich, denkst du tatsächlich schon daran? Ihr seid ebenfalls erst ein knappes halbes Jahr zusammen.“ Markus fixiert Sven, beobachtet ihn genau. Sven spürt, wie die Zweifel und Hoffnungen in ihm aufsteigen.
Sven hält Markus’ Blick. „Ich will ja, aber irgendwie habe ich auch Angst davor. Davor, dass wir vielleicht noch zu jung dafür sind. Und trotzdem denke ich manchmal, dass Elena darauf wartet. Verdammt, ich weiß gerade nicht, was ich tun soll.“ Seine Gedanken überschlagen sich – die Zukunft erscheint ihm gleichzeitig verheißungsvoll und ungewiss.
Markus lächelt und haut Sven leicht auf die Schulter. „Wow, du machst dir echt Gedanken. Weißt du, was das bedeutet? Dass du langsam erwachsen wirst.“ Beide lachen – die Unsicherheit bleibt, aber das Gefühl, gemeinsam stark zu sein, gibt ihnen Halt.
„Ha, ha“, gibt Sven gespielt erbost zurück. „Markus, Elena und ich sind schon viel länger ein Paar – auch wenn es nie offiziell war. Wir hatten unsere Abenteuer, unsere Beziehungen, aber eigentlich waren wir immer füreinander da. Bei uns gelten andere Regeln als bei dir und Kass.“ Während Sven spricht, denkt er zurück an die vielen gemeinsamen Momente, die beide geprägt haben.
„Ach ja, eure indirekte On-Off-Beziehung“, grinst Markus und lässt seinen Blick über die Verlobungsringe im Schaufenster schweifen. Für einen Moment fragt er sich, ob Sven wirklich den nächsten Schritt wagen will.
„Wir waren nie offiziell zusammen. Von Zeit zu Zeit, manchmal an Wochenenden, haben wir uns gefunden und unseren Spaß gehabt. Elena hat schon viel früher gemerkt, dass sie sich in mich verliebt hatte. Bevor sie mir letztes Jahr die Wahl stellte: entweder ganz und richtig oder gar nichts mehr.“ Sven beschreibt die Besonderheit ihrer Beziehung, während er ebenfalls zu den Verlobungsringen blickt. Innerlich spürt er: Vielleicht ist jetzt die Zeit, einen Schritt weiterzugehen.
Markus schaut Sven an und grinst frech. „Zum Glück hat sie dir die Wahl gelassen. Sie hätte auch einfach sagen können, Sven will nur hier und da Sex mit mir, aber das reicht mir nicht mehr – also bricht sie den Kontakt ab. Ohne dir zu sagen, warum.“ Während er das sagt, beobachtet er seinen Freund genau.
Erschrocken schaut Sven seinen Freund an. „Das will ich mir gar nicht vorstellen, sie zu verlieren – und dann nicht einmal zu wissen weshalb oder wie ich sie zurückgewinnen könnte.“ Sven schüttelt den Kopf, seine Stimme wird leiser. „Nein, für diese Frau würde ich alles tun.“
„Ich weiß, was du meinst. Ich wüsste auch nicht, was ich tun würde, wenn Kass mich verlassen sollte. Sie ist mein Licht – erhellt und wärmt mein Leben.“ Markus spricht leise. Die Freunde schauen sich an und genießen den Windzug, der durch die Straße streicht. Für einen Moment fühlen sie sich verstanden – in ihren Sorgen und Hoffnungen.
„Man, wann und wie haben die beiden es geschafft, dass wir zu solchen Pantoffelhelden geworden sind?“ lacht Sven und steckt Markus an, sodass dieser ebenfalls lacht. Beide wissen: Die Liebe zu ihren Frauen macht sie stärker, nicht schwächer.
„Kann ich dir auch nicht sagen. Aber wenn Pantoffelheld, dann nur bei diesen Frauen“, erwidert Markus und zwinkert Sven zu. Beide lachen herzhaft und drücken sich. Passanten schauen, doch das stört sie nicht – das gemeinsame Lachen tut einfach gut. Für einen Moment sind alle Sorgen und Unsicherheiten vergessen, und die Freundschaft der beiden festigt sich noch mehr.
Kurz nach 16 Uhr
Svens Bungalow
Elena und Kassandra lehnen sich entspannt auf das Sofa. Der Fernseher läuft leise im Hintergrund, während die beiden in lockerer Haltung miteinander reden. Elena steckt ihre Füße unter eine kuschelige Decke und Kassandra balanciert ihr Glas Cola auf dem Oberschenkel. Die Stimmung ist gelöst; beide freuen sich auf den bevorstehenden Abend und genießen das vertraute Ritual, vor dem Essen noch einen Moment gemeinsam zu entspannen.
Elena schmunzelt und sagt: „Die Jungs schaffen es wirklich immer wieder, mich zu überraschen.“ Sie wirft einen erwartungsvollen Blick zu Kassandra, ihre Augen funkeln dabei.
Kassandra lacht leise: „Das stimmt, Elena. Genau deshalb liebe ich die beiden so – Sven wie einen Bruder, Markus als meinen Schatz. Mit dem Abendessen heute hätte ich überhaupt nicht gerechnet.“ Sie schüttelt leicht den Kopf, während Elena sie grinsend beobachtet. Das Lächeln, das sich zwischen ihnen entwickelt, ist voller Vertrautheit.
Kassandra stellt ihr Glas auf den Tisch ab und fragt neugierig: „Was bringt dich denn jetzt so zum Schmunzeln?“
Elena winkt ab, lacht leise und sagt: „Ach, nichts Schlimmes. Ich muss nur an Svens Verabschiedung denken – das geht mir einfach nicht aus dem Kopf.“ Ein Hauch Unsicherheit schwingt in ihrer Stimme mit. Elena spürte ein leichtes Ziehen in der Magengegend, als sie an Svens Abschied dachte. Sie fragte sich, ob sie zu offen gewesen war.
Kassandra hakt nach, ihre Augen aufmerksam: „Was genau meinst du? Ich war zwar dabei, aber erklär’s mir trotzdem.“
Elena überlegt kurz, bevor sie antwortet: „Das mit der Modenschau und dass sie am Ende im Adamskostüm enden soll ...“
Kassandra unterbricht lächelnd: „Den Test können wir übrigens eh streichen – sie wissen ja davon.“
Elena nickt: „Stimmt. Deshalb war Sven wohl so versessen auf die Modenschau. Aber irgendwie geht das zu weit.“ Sie greift zu ihrem Glas und nimmt einen großen Schluck, ihre Vorfreude vermischt sich mit einem Rest Zweifel. Während sie trinkt, denkt sie darüber nach, ob sie den Abend zu sehr auf die Probe stellt.
Kassandra grinst frech: „Warum denn? Hast du etwa ein Problem damit, Sven am Ende dein Adamskostüm zu präsentieren?“ Sie merkt, wie Elena rot wird, und muss schmunzeln.
Elena verneint mit einem Lächeln: „Nein, ganz bestimmt nicht. Ich dachte eher an dich. Du hast ja eben gesagt, dass ihr Geschwister seid.“ Während draußen das Murmeln von Gästen zu hören ist, schaut Elena Kassandra fest an. In ihrem Inneren fragt sie sich, wie locker Kassandra wirklich mit dieser Situation umgehen kann.
Kassandra bleibt gelassen: „Das war mehr als Scherz gemeint. Wir sind schließlich erwachsen und wissen, wo wir unsere Grenzen ziehen.“ Sie nimmt einen Schluck Cola, ihre Haltung bleibt ruhig und sie lächelt Elena zu.
Elena fragt verblüfft: „Du hättest also kein Problem damit, wenn Sven dich nackt sehen würde?“ Sie nimmt ebenfalls einen Schluck und spürt, wie ihre Unsicherheit wächst. Sie schaut Kassandra fragend an.
Kassandra schüttelt den Kopf und muss schmunzeln, als sie Elenas überraschten Gesichtsausdruck bemerkt. „Nein, hätte ich nicht. Wie gesagt, wir sind alle erwachsen. Sven und Markus haben, genau wie wir sie, nicht nur uns nackt gesehen. Außerdem wäre es nicht das erste Mal, dass Sven mich nackt sieht – nur diesmal länger und bewusster.“
„Du erstaunst mich immer wieder“, sagt Elena mit einem Lachen. „Wie meinst du das, dass Sven dich nicht zum ersten Mal nackt sehen würde? Hat er dich bespannt?“ Sie sieht, wie Kassandra kurz nachdenklich wird, bevor sie antwortet.
„Ja, das hat er. Oder besser gesagt, er hat es versucht“, beginnt Kassandra leise. Ihre Stimme wird ernst und sie blickt kurz auf ihre Hände. Elena lauscht gespannt, ihre Neugier vermischt sich mit einer leichten Unsicherheit.
„Das hätte ich von meinem Freund nicht erwartet – oder dass er zumindest so etwas versucht hat“, murmelt Elena und wirft Kassandra einen fragenden Blick zu.
Kassandra überlegt, dann sagt sie nachdenklich: „Rückblickend kann ich es sogar verstehen.“ Sie sieht, wie Elena die Augen aufreißt und muss über deren überraschten Gesichtsausdruck schmunzeln.
„Sag mir jetzt nicht, dass es dir gefallen hat oder dass du ihn vielleicht sogar ermutigt hast, indem du mal die Tür offen gelassen hast?“ fragt Elena, ihre Stimme schwankt zwischen Neugier und Zweifel. Gleichzeitig spürt sie, dass sie sich ihrer eigenen Unsicherheit stellen muss.
Kassandra schüttelt energisch den Kopf: „Natürlich habe ich versucht, es ihm nicht zu ermöglichen. Ob es mir immer gelungen ist?“ Sie blickt von Elena zum Fernseher und denkt an ihre Jugend zurück. „Damals war ich selbst noch in der Pubertät und wusste nicht so recht, wie ich mit den Blicken der Jungs oder ihren Sprüchen umgehen sollte. Heute kann ich Sven verzeihen, weil ich weiß, dass das alles Teil des Erwachsenwerdens war.“
Elena hört aufmerksam zu, fast gebannt von den Worten ihrer Freundin. Für einen Moment schweigen beide, jeder hängt seinen Gedanken nach.
Kassandra erzählt weiter: „Sven war zwölf, als meine Eltern ihn adoptierten. Für ihn war alles neu – plötzlich waren da Mädchen, die sich veränderten und sein Interesse weckten. Im Heim gab es nur Erzieherinnen.“ Sie nimmt einen letzten Schluck Cola und stellt das Glas zurück.
Kassandra denkt laut: „Ich weiß nicht, ob Sven zur Heim Zeit irgendwo gespannt hat. Aber plötzlich lebte er mit mir und meinen Eltern zusammen, ich war damals fünfzehn und nicht hässlich. Meine weiblichen Attribute waren schon recht ausgeprägt.“ Sie streicht sich, mit einem Augenzwinkern, über die Brüste und hebt sie kurz an. „Nicht jede Klassenkameradin konnte das damals vorzeigen. Deshalb bin ich ihm heute nicht böse, dass er es versucht hat. Ob ich das wirklich immer verhindern konnte, weiß ich nicht. Spätestens hier im Grand hat es geklappt. Wir sind uns ab und zu im Saunabereich nackt begegnet – das ließ sich nicht vermeiden. Das erste Mal war, glaube ich, kurz nachdem du Sven kennengelernt hattest.“ Kassandra lacht herzlich und sagt: „Dadurch hatte ich nun keine Ängste mehr, das Sven versuchen würde mich zu bespannen. Ich habe ja gesehen, dass es eine andere gab, die dafür nun herhalten musste.“
Elena lacht ebenfalls, spielt nervös mit einer Haarsträhne und wirft Kassandra einen verschwörerischen Blick zu: „Also ich musste nicht herhalten. Ich habe das gern und aus freien Stücken getan. Das kannst du mir glauben. Deshalb habe ich Sven letztes Jahr gesagt: Entweder ganz oder gar nicht mehr. Immer wenn ich für ein paar Tage Svens volle Aufmerksamkeit hatte, hat er mich wie eine Prinzessin behandelt, und ich wollte eine Vollzeit-Prinzessin sein. Wenn Sven nicht der Mann sein wollte, der mir dieses Gefühl gibt, hätte ich mir einen anderen gesucht.“
Elena spürte ein Kribbeln im Bauch, als sie daran dachte, wie Sven sie ansah. Sie musste sich eingestehen, wie sehr sie diese Momente genoss.
Kassandra unterbricht und lehnt sich leicht vor, ihre Augen neugierig: „Du hast also nicht an eine gemeinsame Zukunft geglaubt?“
Elena nickt langsam, beißt sich kurz auf die Lippe, als wolle sie ihre Worte abwägen: „Natürlich habe ich daran gedacht – aber wirklich geglaubt habe ich nicht daran. Jetzt weißt du, warum ich so glücklich bin, dass Sven die Vorstellung, nicht mein Prinz sein zu können, genauso schlimm empfand wie ich.“
Kassandra lacht leise, klopft Elena freundschaftlich aufs Knie und schaut sie direkt an: „Das glaube ich dir aufs Wort. Du bist nicht nur hergehalten, sondern es genossen hast, wenn Sven dich mal wieder auserwählt hatte.“ Die beiden halten den Blickkontakt und das Verständnis zwischen ihnen ist förmlich greifbar.
Elena fragt mit einem spitzbübischen Lächeln, während sie ihre Hände im Schoß verschränkt: „Okay, was meinst du – sollten wir den beiden heute Abend eine kleine Modenschau bieten?“
Kassandra grinst verschmitzt, kneift ein Auge zu und stupst Elena an: „Wow, jetzt hast du es aber eilig, was?“
Elena lächelt breit, ihre Wangen leicht gerötet vor Vorfreude: „Natürlich – zum einen als Dank für die Einladung, zum anderen werden die beiden später sicher nicht an sich halten können und uns eine heiße Nacht bescheren.“
Kassandra stößt Elena leicht ans Bein und schaut sie herausfordernd an: „Der Gedanke gefällt mir. Wie genau hast du dir das vorgestellt? Oder hast du gerade erst angefangen darüber nachzudenken?“
Elena erklärt und tippt sich dabei spielerisch an die Lippen: „Ich dachte, wir machen fünf oder sechs Durchgänge – jedes Mal zeigen wir etwas mehr Haut, bis wir am Ende im Adamskostüm auftreten.“ Sie blickt in zwei strahlende Augen und spürt, wie ihre eigene Vorfreude wächst.
„Oh, das klingt wirklich spannend! Hast du schon eine Idee, was du anziehen möchtest oder was zumindest in die engere Auswahl kommt?“ erkundigt sich Kassandra neugierig und lehnt sich wieder näher zu Elena, während sie ihre Hände interessiert ineinander verschränkt.
Elena muss bei diesem Gedanken noch breiter grinsen. Ihr Herz schlägt etwas schneller, während sie sagt: „Ich habe schon etwas im Kopf, aber noch nicht alles. Den Rest musst du dir selbst aussuchen.“ Sie zwinkert Kassandra zu, ihre Augen funkeln vor Vorfreude und ein leises Lachen entfährt ihr.
Kassandra schaut sie überrascht an, legt den Kopf schief und lächelt: „Wie, ich soll das aussuchen?“
„Na klar! Wir können die beiden zwar nicht direkt klamottenmäßig testen, aber ihnen während der Show einen besonderen Anblick gönnen. Also suchst du noch etwas aus meinem Schrank aus und ich später aus deinem und heute Abend trägt jede von uns die Klamotten der anderen. Oder hast du keine Lust?“ Elena stupst Kassandra spielerisch an und sieht ihr dabei tief in die Augen, als wolle sie jede Unsicherheit vertreiben.
Auch Kassandra grinst breit, ihre Augen leuchten und sie nickt. „Und ob ich Lust habe! Dann los, auch wenn wir noch etwas Zeit haben, sollten wir nicht trödeln.“ Lachend stehen die beiden auf, werfen sich einen verschwörerischen Blick zu, bevor sie Hand in Hand ins Schlafzimmer gehen. Elena öffnet mit einem leisen Seufzen ihre Schrankhälfte und zieht gleich das Kleid heraus, das sie sich vorgestellt hat und in dem sie sich selbst gerne vor der Kamera sehen würde. Kassandra beginnt mit funkelnden Augen, die restlichen Outfits auszuwählen, während sie zwischendurch immer wieder schmunzelt, Elena neckisch kommentiert und sich fragt, wie der Abend wohl verlaufen wird.
20:03 Uhr JETZT
Im Krankenhaus
Völlig außer Atem stürmen Elena und Kassandra über den Parkplatz zum Eingang des Krankenhauses. Kaum betreten sie das Gebäude, schlägt ihnen die sterile Atmosphäre entgegen. Sie erkundigen sich hastig, wo Markus zu finden ist und erfahren, dass er gerade in einer Not-OP operiert wird. Kassandra wird blass vor Schreck, ihre Hände beginnen zu zittern, während sie sich von Elena stützen lässt.
„Komm, lass uns Sven suchen“, sagt Elena schnell und wirft Kassandra einen aufmunternden Blick zu, während sie ihre Hand sanft nimmt und hofft, dass er ihnen mehr erzählen und Kassandra vielleicht ein wenig beruhigen kann. Elena schaut dabei kurz über die Schulter, als hätte sie Angst, Markus könnte im nächsten Moment auf dem Flur erscheinen.
„Bitte, lass ihn nichts Schlimmeres geschehen sein. Ich flehe dich an, lieber Gott, nimm ihn mir nicht schon wieder weg“, denkt Kassandra verzweifelt, während sie gemeinsam mit Elena aufbricht. Kassandra greift dabei unbewusst an ihr Armband und hält es fest, als würde sie darin Trost suchen.
Mit schnellen, nervösen Schritten eilen sie durch die Krankenhausflure auf der Suche nach Sven. Der Duft von Desinfektionsmittel hängt schwer in der Luft. Elena hält Kassandra fest am Arm, während diese immer wieder ihre Hände ringt. Endlich biegen sie um eine Ecke und entdecken Sven im kleinen Wartebereich, zusammengesunken auf einem Stuhl. Sven starrt wie verloren auf den Boden, seine Schultern sind eingefallen, und zwischen den Fingern spielt er nervös mit einem zerknautschten Taschentuch.
„Sven!“ ruft Kassandra mit brüchiger Stimme. Sie läuft direkt zu ihm. Sven steht sofort auf, wischt sich hastig die Augen und kommt ihnen entgegen. Kassandra ringt ihre Hände und sagt mit zitternder Stimme: „Sven, bitte – sag mir, was los ist! Und Markus... wo ist er?“ Ihre Stimme bricht und sie schaut Sven flehend an, während Elena ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter legt.
„Es tut mir leid, Kass ...“ beginnt Sven, wobei er den Blick senkt und nervös mit dem Fuß über den Boden schabt. Doch Kassandra unterbricht ihn sofort und schaut ihn mit großen, angstvollen Augen an.
„Was denn, Sven? Bitte, sag uns, was los ist!“, drängt sie verzweifelt, ihre Stimme überschlägt sich. Ihre Hände zittern, während sie Sven fest in die Augen sieht, als wolle sie ihn zwingen, endlich zu sprechen.
„Es ging alles so schnell ...“, versucht Sven vorsichtig zu erklären, seine Stimme ist brüchig und er blickt kurz zur Tür des Operationssaals, als hätte er Angst, dass gleich jemand herauskommt und schlechte Nachrichten bringt. Seine Hände greifen unruhig nach dem Stuhllehne, während er die beiden auf das vorbereitet, was er gleich berichten muss.
„Sven, bitte!“ sagt Kassandra nun etwas sanfter, ihre Stimme nur noch ein Flüstern. Sie merkt, dass sie ihren Bruder erst einmal beruhigen muss, denn er scheint noch aufgewühlter zu sein als sie selbst. Kassandra presst dabei ihre Hände gegen die Brust, während Elena weiterhin ihre Schulter hält.
„Er ... er wird gerade operiert“, antwortet Sven, Tränen schimmern in seinen Augen, während er Kassandra ansieht. Für einen Moment wirkt es, als wolle er sich abwenden, doch er bleibt stehen und wischt sich die feuchten Wangen mit dem Handrücken.
Kassandra blickt von Sven zu Elena und wieder zurück. Ihre Finger krallen sich in das Stoffband ihrer Jacke. „Warum operieren sie Markus?“ Ihre Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, und die Panik steigt in ihr auf, als würde sie die Kehle zuschnüren. Dennoch zwingt sie sich, ruhig zu bleiben. „Ganz ruhig jetzt, Sven. Bitte erzähl uns, was passiert ist.“ Elena drückt sanft Kassandra ihre Schulter.
Elena und Kassandra sehen, wie Sven tief Luft holt, seine Hände auf den Oberschenkeln abstützt und stoßweise wieder ausatmet, bevor er endlich zu sprechen beginnt. Seine Augen wandern immer wieder zur Türe des Operationssaals, als würde er auf das Unvermeidbare warten.
19 Uhr, in der Stadt.
Auf dem Weg zurück zum Auto.
Auch bei Sven und Markus herrscht eine ausgelassene Stimmung. Mit lockeren Schritten laufen die beiden durch die Stadt, noch ein paar Querstraßen von Svens geparktem Wagen entfernt. Das Gespräch plätschert entspannt dahin, bis Markus plötzlich mitten auf dem Gehweg stehen bleibt. Seine Augen werden schmal, sein Körper spannt sich an, als würde er eine Gefahr wittern. Es ist, als hätte sich die fröhliche Atmosphäre schlagartig verändert. Sven bemerkt die Veränderung sofort, seine Stimme ist besorgt: „Was ist los?“ Er wäre am liebsten schnell zum Wagen zurückgegangen, denn dunkle Wolken ziehen auf und der erste Wind lässt die Hoffnung auf einen trockenen Heimweg schwinden.
Markus legt einen Finger auf die Lippen, seine ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf ein kaum hörbares Geräusch, das von einer Seitenstraße zu kommen scheint. „Pscht, hörst du das nicht?“ fragt er angespannt, in der Hoffnung, Sven würde es ebenfalls wahrnehmen. Für einen Moment verharren beide, doch Sven schüttelt den Kopf: „Ich höre nichts. Komm, lass uns weitergehen. Unsere Ladys warten bestimmt schon auf uns.“ Er macht einen Schritt, will Markus zum Weitergehen bewegen, doch dieser reißt die Augen auf, ruft plötzlich „Da hinten!“ und stürmt los, seiner Intuition folgend. Markus war schon immer schneller als Sven, und nun, überrascht durch den plötzlichen Sprint, versucht Sven hinterherzukommen. Er sieht, wie Markus durch einen Bauzaun schlüpft und in eine halb verfallene Halle läuft, deren düsteres Inneres von den letzten Sonnenstrahlen kaum noch erleuchtet wird.
Markus rennt den immer deutlicher werdenden Hilferufen entgegen, sein Herz schlägt wild, die Angst und Wut mischen sich in seinem Inneren. In seinem Kopf hämmert ein einziger Gedanke: Kassandra. Wie ein instinktiver Reflex treibt ihn die Sorge um sie voran. Während er noch nicht sehen kann, was sich dort abspielt, malt sich sein Verstand die schlimmsten Szenarien aus – und das Bedürfnis, zu helfen, wird übermächtig.
Am Eingang der Halle bleibt Markus kurz stehen, seine Augen scannen die dunkle Ecke. Auf einigen alten Folien am Boden liegt eine junge Frau. Sie ringt verzweifelt mit zwei Männern: Einer versucht, ihr die Kleidung zu entreißen, der andere hält ihre Arme fest. Wut und Entsetzen lodern in Markus' Blick auf, während sich die Szene vor ihm entfaltet – die Realität ist noch schlimmer als das Bild, das sein Kopf ihm gemalt hat.
„Hey, ihr Arschlöcher!“ brüllt Markus, seine Stimme durchdringt die Halle wie ein Donnerschlag. Ohne Angst rennt er auf die Gruppe zu, jeder Schritt getrieben von dem Wunsch, das Mädchen zu retten – und vielleicht auch, jemanden wie Kassandra zu beschützen.
Sofort wirbeln die beiden Männer herum und blicken Markus direkt an. „Kümmer dich um den!“, zischt der größere von ihnen, dessen Hose bereits bis zu den Knien heruntergerutscht ist. Sein Komplize stürzt auf Markus zu und es kommt unmittelbar zu einer heftigen Rangelei. Markus kann sich gegen den Angreifer zunächst behaupten, doch plötzlich greift auch der andere wieder ein, nachdem er sich vom Boden aufgerappelt hat.
Markus wird von diesem zu sich herumgerissen und im nächsten Moment spürt er einen kalten und zugleich heißen Schmerz in der Magengrube. Tief, lang und hart bohrt sich der kalte Stahl des Messers, den ihm der zweite Kerl mit voller Wucht in den Körper gerammt hat.
Sven erreicht in den Moment ebenfalls die Halle und muss mitansehen, wie das Messer aus Markus gezogen und ein weiteres Mal zugesprochen wird. Entsetzt und wie gelähmt starrt Sven auf das Geschehen, unfähig einzugreifen.
„Markus!“ schreit Sven laut. Da die beiden Männer nun bemerken, dass Markus nicht alleine ist, lassen sie von ihm ab und rennen nach hinten aus der Halle. So gerne Sven auch die beiden stellen würde, eilt er sofort zu seinem Freund. Es kommt Sven vor, als würde Markus wie in einem Film in Zeitlupe zu Boden sinken und auf dem kalten Betonboden liegen bleiben. Schnell bildet sich eine Blutlache auf dem Stein.
„Markus, ich bin da“, sagt Sven mit bebender Stimme, als er endlich bei seinem Freund ankommt. Ohne zu zögern kniet er sich neben Markus und stützt ihn vorsichtig, spürt dabei sein eigenes Herz wild gegen die Brust schlagen. Für einen Moment ringt Sven mit der Entscheidung, den Notruf zu wählen, doch die Angst, dass die Rettung zu lange brauchen könnte, lässt ihn handeln: Er entscheidet, Markus sofort zum Auto zu bringen, um keine wertvolle Zeit zu verlieren. Entschlossen packt Sven seinen Freund, fest entschlossen, ihn zu retten.
Sein Blick fällt auf das verstörte Mädchen, das immer noch zitternd am Boden sitzt. Sven wendet sich ihr zu und fragt besorgt: „Geht es dir gut?“ Die junge Frau bringt kaum ein Wort heraus, sie nickt nur hastig, Tränen laufen ihr übers Gesicht. Sven spricht leise, aber bestimmt: „Du solltest jetzt schnell von hier verschwinden – bevor die Kerle vielleicht zurückkommen. Wenn sie sehen, dass wir weg sind, lassen sie dich hoffentlich in Ruhe.“ Er sieht noch einmal nach Markus, dessen Gesicht schmerzverzerrt ist, und spürt, wie die Angst ihn fast überwältigt – die Angst, seinen Freund zu verlieren, die Angst, Kassandra könnte Markus nie wiedersehen. Mit zitternden Händen hilft Sven Markus auf, stützt ihn, so gut er kann, und gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu Svens Auto.
Am Wagen angekommen, gelingt es Sven mit letzter Kraft, Markus auf den Beifahrersitz zu hieven – alleine könnte Markus es nicht mehr schaffen. Ohne an Verkehrsregeln zu denken, startet Sven den Motor und rast los. Jede rote Ampel, jedes Geschwindigkeitslimit ist ihm in diesem Moment egal. In seinem Kopf kreisen nur noch die Gedanken an Markus‘ Überleben und daran, wie sehr Kassandra ihn braucht. Erst, als sie endlich das Krankenhaus erreichen, lässt Sven einen Hauch von Erleichterung zu – jetzt liegt das Schicksal seines Freundes nicht mehr allein in seinen Händen.
20:40 Uhr JETZT
In Krankenhaus
Sven lässt die Worte in die kühle Wartehalle fallen, in der das grelle Neonlicht jeden Schatten vertreibt. An der Wand blinkt das grüne Licht einer Notausgangsanzeige, irgendwo piept ein Monitor monoton. „Ich konnte ihm nicht helfen. Es tut mir so leid“, sagt Sven, seine Stimme rau vor Schuld. Seine Augen suchen Kassandra, Hoffnung mischt sich mit Angst.
Kassandra greift sofort nach Svens Hand, ihre Finger zittern. „Du kannst nichts dafür“, sagt sie knapp, fast flüsternd, und klammert sich an ihn, als könnte sie ihm ihre Kraft schenken. Ihr Blick wandert zur Tür des OPs, hinter der Markus liegt. Bilder drängen sich ihr auf: Markus' Lachen beim letzten gemeinsamen Abend, das Gefühl seiner Hand in ihrer. Die Erinnerungen brennen. „Wie lange ist er schon im OP?“ Ihre Stimme bricht, Unsicherheit und Angst schwingen mit.
Sven schüttelt den Kopf, die Augen gerötet. „Ich weiß es nicht. Vielleicht fünfzehn, vielleicht zwanzig Minuten. Ich habe auf nichts geachtet, als wir ankamen.“ Die Erschöpfung liegt schwer auf seinen Schultern, und das sterile Krankenhaus riecht nach Desinfektionsmittel und Angst.
Elena tritt näher, ihre Stimme weich, aber bestimmt. „Wir können nur warten. Oder wir fragen eine Schwester, sobald jemand vorbeikommt.“ Sie wirft einen Blick auf das Handy. „Jemand muss euren Eltern Bescheid geben. Sie müssen wissen, was los ist.“
Sven nickt, die Entschlossenheit kehrt kurz zurück. „Ich mache das. Bleib hier, Kass. Dann erfährst du sofort, wenn es etwas Neues gibt.“ Er drückt ihre Hand fester und der Moment zwischen ihnen ist voller unausgesprochener Nähe.
„Danke.“ Kassandra haucht das Wort, ihr Atem stockt. Sie umarmen sich kurz. Für einen Moment fühlt sie sich getragen, dann sieht sie ihm nach, wie er auf den Gang hinausgeht. Das Krankenhaus wirkt bedrückend – jeder Schritt hallt wider, das Echo von Fremden, das Klappern von Schuhen, der Geruch nach Kaffee und Desinfektion. Elena bleibt an ihrer Seite, schweigend, ihre Präsenz ein stiller Anker.
„Ich habe Angst, Elena. Bitte sag mir, dass alles gut wird.“ Kassandra sieht ihre Freundin flehend an. Elenas Hand liegt fest auf ihrer, ihre Worte sanft: „Es wird alles gut, Kass. Wir schaffen das.“ Doch sie spürt selbst die Unsicherheit, die zwischen ihnen hängt – wie ein Nebel im Neonlicht.
Tränen glitzern in Kassandras Augen, während sie Elena anschaut. Innerlich fleht sie um ein Zeichen, einen Hoffnungsschimmer, doch alles bleibt ungewiss. Die Erinnerungen an Markus – an sein sanftes Lächeln, die gemeinsamen Stunden – lassen sie nicht los.
Draußen vor dem Krankenhaus steht Sven, das Handy am Ohr, der Wind trägt den Duft von feuchtem Asphalt herein. „Tuut... tuut... tuut... Hallo mein Schatz“, hört er Sofia sie lachend begrüßen „Sag nicht, du brauchst Geld, weil ihr eure Freundinnen ausführt?“ Sie lacht, auch wenn sie weiß, dass die beiden das wohl nur machen würden, wenn sie das nötige Kleingeld hätten.
„Mama, ich wünschte, mein Anruf wäre so einfach.“ Sven stockt, das Gewicht der Situation drückt ihn nieder. Sofias Stimmung kippt, die Angst ist greifbar – Sven hört das Zittern in ihrer Stimme, ihr Lachen verstummt schlagartig.
„Markus wird gerade operiert.“ Svens Worte sind knapp, direkt. „Was ist passiert?“ Sofias Stimme bricht. Sven spürt ihre Angst, das Herzklopfen am anderen Ende, während er draußen das Piepen eines Krankenwagens hört und die Kälte der Nacht auf seiner Haut.
„Auf dem Heimweg hörte Markus plötzlich leise Hilferufe. Ohne zu zögern, stürmte er in die Richtung, aus der die verzweifelten Stimmen kamen. Zwei Kerle wollten ein Mädchen Vergewaltigen. Wir konnten es vermutlich im letzten Moment verhindern“, flüstert Sven, dessen Stimme vom Schock und der Ohnmacht bebt. „Aber Markus…“ Er ringt nach Worten, seine Gedanken wirbeln chaotisch durcheinander, Schuld und Angst im Wechsel. Die Erinnerung an das Blut, an Markus’ schmerzverzerrtes Gesicht, lässt ihn nicht los. „Markus wurde schwer verletzt. Einer hat ihn mit einem Messer angegriffen.“ Mit diesen Worten scheint die Luft im Raum zu erstarren – die Angst ist greifbar, das Entsetzen fast körperlich spürbar.
Sofias Gedanken überschlagen sich, als sie hört, dass Markus, der Vater ihres noch ungeborenen Kindes, schwer verletzt wurde. Schlagartig fühlt sie eine Mischung aus Panik und Entschlossenheit – ihre Hände umklammern das Handy, ihr Herz rast. Ihre Stimme bebt, als sie hastig sagt: „Bleibt einfach da, wir kommen sofort!“ Die Worte überschlagen sich fast, und ehe Sven reagieren kann, legt sie schon auf. Mit trockenem Mund und zitternden Fingern wendet sie sich an Sirius, berichtet ihm hektisch, was geschehen ist. Ohne ein weiteres Wort werfen sie sich Jacken über, der Geruch von kalter Nachtluft und Krankenhausflur hängt schon in Sofias Nase, als sie eilig aus der Wohnung stürmen.
„Mein Gott... warum dauert das so lange? Das... das kann doch nur bedeuten...“, stammelt Kassandra mit brüchiger Stimme. Tränen laufen ihr heiß über die Wangen. Sie steht auf – ihre Beine wackeln, die Hände zittern, während sie rastlos im Wartezimmer auf und ab läuft. Das grelle Licht flackert auf den sterilen Fliesen, von irgendwo tönt das monotone Piepen medizinischer Geräte, der leichte Geruch von Desinfektionsmittel hängt in der Luft und vermischt sich mit dem Aroma von abgestandenem Kaffee.
„Kass, ich weiß, es ist schwer... Aber ich bin sicher, Markus wird es schaffen, er ist ein Kämpfer.“, murmelt Elena, während sie aufsteht und zu ihrer Freundin geht. Ihre Bewegungen sind langsam und vorsichtig, als wolle sie Kassandra nicht erschrecken. Sanft legt sie eine Hand auf Kassandras Arm, ihre Augen suchen die der Freundin, suchen nach Halt. Für einen Moment zögert sie, räuspert sich, dann versucht sie mit leisem, brüchigem Ton Zuversicht zu schenken: „Du bist nicht allein, okay?“
Noch bevor Kassandra antworten kann, erscheinen Sofia und Sirius, leicht außer Atem, ihre Jacken noch halb offen. Kassandra stolpert förmlich in die Arme ihrer Mutter – das Zittern ihrer Tochter überträgt sich sofort auf Sofia, die fast hilflos ihre Wange an Kassandras Kopf legt. In der Ferne fährt ein Rollwagen vorbei, das metallische Klappern begleitet die beiden, während die grelle Krankenhausbeleuchtung ihre Schatten lang und verzerrt auf das Linoleum wirft. Die Angst und Ungewissheit, die zwischen ihnen steht, ist mit Händen zu greifen.
Sofia streicht Kassandra zärtlich über den Rücken, ihr Atem ist leise und schwer. „Ganz ruhig, mein Kind“, sagt sie mit sanfter Stimme, doch ihre Worte treffen Kassandra wie ein Schlag. Der Ausdruck, den sie seit ihrer Pubertät nur in ernsten Momenten von ihrer Mutter hört, fühlt sich wie eine Vorahnung an – und lässt ihr Herz schneller schlagen. Ein Zittern läuft durch ihre Hände, während sie die Nähe zu Sofia sucht.
„Mama, bitte... ich habe so schon genug Angst“, haucht Kassandra, die sich noch fester an ihre Mutter klammert. Ihre Stimme ist kaum hörbar; ein einzelner Tränenkristall fällt auf Sofias Jacke.
Sofia kämpft mit ihrer eigenen Unsicherheit, versucht tapfer, ihre Angst hinter einem Lächeln zu verstecken. In ihrem Blick liegt Sorge und ein Funken Entschlossenheit – sie will Kassandra Kraft geben, obwohl die Angst um Markus sie selbst fast erdrückt.
„Komm, lass uns dort hinsetzen und warten“, sagt Sofia und deutet auf die Stühle. Ihre Worte klingen ruhig, doch ein nervöses Zucken huscht über ihre Lippen. Sie greift sanft Kassandras Hand, als würde die Geste ihre Tochter vor dem Zerbrechen bewahren.
Kassandra blickt ihre Mutter an, das Zittern in ihren Fingern unübersehbar. „Ich halte das Warten nicht aus, Mama. Es macht mich wahnsinnig.“ Ihre Stimme bricht, ihre Worte tropfen schwer. Doch Sofia duldet keinen Widerspruch; mit einem festen Griff führt sie ihre Tochter zu den Stühlen. Gemeinsam mit Sven, Elena und Sirius nehmen sie Platz. Jeder versinkt in Gedanken, und die Zeit dehnt sich. Immer wieder wischt Kassandra mit nervösem Daumen über die Sitzkante, Sven trommelt unbewusst mit seinen Fingern auf den Oberschenkel, Elena spielt mit einer Haarsträhne – kleine Gesten, die die Anspannung greifbar machen.
Sven erinnert sich... Sein Blick wandert ins Leere und in Gedanken reist er zurück zu dem Moment, als er Markus im Heim zum ersten Mal begegnete. Damals, als sie beide noch Kinder waren, entwickelte sich langsam, fast unmerklich, eine tiefe Freundschaft. Er denkt an die endlosen Nächte, in denen sie heimlich unter der Bettdecke flüsterten, Pläne schmiedeten und zusammen lachten, als gäbe es kein Morgen. Die Adoption durch Sofia und Sirius veränderte vieles, brachte Abstand zwischen die Freunde – und doch war es gerade dieser Familie zu verdanken, dass sie sich jetzt wieder näherkommen konnten. Nun sitzt er hier, erfüllt von Schuldgefühlen, weil er Markus in diesem entscheidenden Moment nicht beistehen konnte.
Elena denkt an... Sie hat weniger Erinnerungen als die anderen, aber dafür sind sie umso kostbarer. Sie sieht vor ihrem inneren Auge die gemeinsamen Abende, an denen sie zu viert zusammensaßen, lachten, Karten spielten oder an Weihnachten am langen Esstisch von Sofia und Sirius saßen. Der Gedanke, dass vielleicht keine weiteren Erinnerungen mehr hinzukommen könnten, schmerzt sie tief.
Kassandra versinkt in ihren eigenen Erinnerungen... Sie denkt an die erste Begegnung mit Markus, als er sich so sehr um sie bemühte und sie ihn aus Stolz und Unsicherheit immer wieder auf Abstand hielt. Doch statt auf ihr Herz zu hören, erschwerte sie ihm das Leben, bis er fast zurück nach Deutschland wollte. Tränen schießen ihr in die Augen – Tränen der Wut auf sich selbst, weil sie so lange gezögert hat und aus falschem Stolz so vieles ungesagt blieb. Wie viele weitere Erinnerungen können sie noch aus dieser Zeit haben, falls das Schicksal es schlecht meint?
Besonders bei Sofia kommen die Erinnerungen schrittweise und klarer hervor: Ihr Blick schweift zurück zu jenem eigenartigen Spieleabend, der – so glaubt sie zunächst – der Beginn ihrer Affäre mit Markus sein könnte. Aber war das wirklich der Anfang? Diese Frage stellt sich Sofia immer wieder. Vielleicht war es eher das Gespräch, das sie zufällig am Tag zuvor, zwischen Sven und Markus mitanhörte, in dem Markus sie als „M.I.L.F.“ bezeichnete, und dass sie ins Grübeln brachte. Sofia spürt ein nervöses Kribbeln, als sie daran zurückdenkt. Die eigentliche Affäre begann erst nach dieser gemeinsamen Nacht in Suite 17. Doch es war nie ein spontaner Entschluss: Sie hatte nicht einfach Markus gesehen und direkt entschieden, ihn ins Bett zu bekommen und vielleicht sogar zu behalten. Viel mehr war es ein langsamer, sich über zwei Wochen entwickelnder Prozess, geprägt von Unsicherheit, inneren Konflikten und einer wachsenden Anziehung. Während sie sich an diese Zeit erinnert, wird Sofia bewusst, wie widersprüchlich ihre Gefühle damals waren und wie sehr sie zwischen Vernunft und Verlangen schwankte. Die Gedanken lassen sie nicht los – und inmitten der aktuellen Angst um Markus fühlt sie die alte Unruhe wieder in sich aufsteigen.
Jede Sekunde dehnt sich endlos. Das monotone Piepen eines Monitors durchbricht die Stille, irgendwo schlurft eine Krankenschwester vorbei. Kassandra zählt unbewusst die Falten im Vorhang, Sven presst die Zunge gegen den Gaumen, Elena spielt mit ihren Fingern. Die Zeit steht still – und die Ungewissheit lastet schwer auf allen.
Die Minuten schleichen dahin, fünf quälend lange Stunden. Endlich betritt ein Arzt den Wartebereich, eine Krankenschwester folgt. Ihre Schritte hallen auf dem Linoleum, die Gruppe springt förmlich auf – Hoffnung und Angst kämpfen um Platz.
Der Arzt scannt die Runde, seine Stimme ist ruhig: „Wer ist der direkte Angehörige?“
„Ich bin seine Freundin. Lebende Verwandte hat er keine mehr – zumindest nicht hier in Griechenland“, antwortet Kassandra ruhig, obwohl ihre Stimme zittert. „Wie geht es meinem Freund?“
Der Arzt blickt die Gruppe ernst an, hält kurz inne. „Er hat schwere innere Verletzungen erlitten. Deshalb hat die Operation auch so lange gedauert. Wir mussten sehr behutsam vorgehen.“ Seine Worte lassen die Hoffnung bei allen spürbar schwinden.
„Das zeigt sich in der Nacht. Wenn er die nächsten Stunden schafft, stehen die Chancen gut.“ Kassandra spürt, wie die Kraft aus ihrem Körper weicht. Sie lehnt sich an Sofia und schließt für einen Moment die Augen.
„Kann ich zu ihm?“, fragt Kassandra leise, fast flehend, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
„Ja, aber besser nur zu zweit. Der Patient braucht Ruhe“, antwortet der Arzt und schenkt Kassandra einen aufmunternden Blick. Die Krankenschwester wartet bereits.
Kassandra schaut fragend zu Sofia. „Mama?“ Ihre Stimme ist voller Unsicherheit, doch Hoffnung schimmert darin.
„Ich bin bei dir“, sagt Sofia leise und drückt Kassandras Hand. Sie versucht, ihrer Tochter Kraft zu geben, auch wenn ihre eigene Angst nicht nachlässt.
Mutter und Tochter folgen der Krankenschwester. Beim Betreten des Zimmers stockt ihnen der Atem – überall Maschinen, das leise Surren, Markus' blasser Körper. Kassandra presst Sofias Hand, ihre Finger zittern. Sie treten ans Bett, schweigen, doch in ihren Blicken liegt Sorge, Liebe, Hoffnung.
„Lass uns nach Hause fahren und versuchen ein wenig zu schlafen“, sagt Sofia, ihre Stimme sanft und müde. „Hier können wir nur abwarten.“
„Fahr ruhig, Mama. Ich bleibe hier“, meint Kassandra. „Zu Hause könnte ich sowieso nicht schlafen.“ Die beiden umarmen sich fest, und Sofia bleibt einen Moment länger stehen, bevor sie zur Tür geht.
„Wenn was ist, melde dich. Egal, wie spät es ist“, sagt Sofia, ihre Stimme zittert ein wenig.
„Versprochen, Mama“, antwortet Kassandra leise. Sie zieht den Stuhl ans Bett und setzt sich. Als Sofia fort ist, bleibt Kassandra allein – mit ihren Gedanken, ihrer Angst, ihrer Liebe.
Kassandra legt leise ihre Hand auf Markus’ Handrücken, spürt die Wärme – und doch fühlt sich alles fremd an. Ihr Daumen fährt langsam über seine Haut, als könnte sie ihn so zurückholen zu sich. Ihr Herz hämmert wild, eine Mischung aus Angst und Hoffnung. Vielleicht merkt er ja, dass ich da bin. Vielleicht gibt ihm das Kraft… Die Stille im Zimmer bricht nur das leise Piepen der Monitore. Kassandra lehnt sich zurück, versucht, wach zu bleiben. Doch Müdigkeit legt sich schwer auf ihre Schultern, ihre Lider werden schwer. Ich darf nicht einschlafen. Nicht jetzt… Doch das stetige Surren der Geräte wiegt sie schließlich in einen unruhigen Schlaf. Ihr letzter Gedanke, bevor sie wegdriftet: Ich bin bei dir, Markus. Bitte gib nicht auf.
Ein schrilles Piepen reißt Kassandra aus dem Schlaf. Sie schreckt hoch, das Herz rast. Es ist kurz vor vier. Schwestern und ein Arzt hasten ins Zimmer, alles wirkt plötzlich schnell und bedrohlich. Reflexartig weicht sie zurück, drückt sich an die Wand. Nicht schon wieder… Die Schwestern arbeiten routiniert, der Arzt ist konzentriert, spricht knapp: „Wir müssen ihn nochmal in den OP bringen.“ Der Boden scheint Kassandra unter den Füßen zu schwinden, und noch ehe sie reagieren kann, ist Markus fort. Halt durch, Markus. Bitte...
Kassandra bleibt wie erstarrt an der Wand stehen. Ihre Hände sind eiskalt, ihr Kopf leer, und doch weiß sie, sie sollte jetzt ihre Mutter anrufen. Aber Sofia ist schwanger. Im siebten Monat. Das war nie vernünftig, dachte ich schon immer – und jetzt ist es noch gefährlicher. Ich sollte ihr das ersparen. Noch ein paar Stunden… Mit zitternden Beinen taumelt sie zurück zum Stuhl. Wieder beginnt das Warten. Minuten dehnen sich, die Zeit verliert sich in endlosen Gedanken.
Als Markus endlich zurückkehrt, springt Kassandra auf. Ihr Blick sucht den Arzt, sie ringt um Fassung. „Wie geht es ihm?“, fragt sie, ihre Stimme zittert.
„Er hatte eine innere Blutung, die wir stoppen konnten“, erklärt der Arzt ruhig, und für einen Moment sackt die Anspannung aus Kassandras Schultern. Doch die Sorge bleibt.
Wieder rückt Kassandra den Stuhl ganz nah ans Bett. Ihre Finger umschließen Markus' Hand und sie spürt die Wärme, aber auch, wie kalt ihre eigenen Hände sind – als würde die Kälte von draußen durch die Wände dringen. Der scharfe Geruch von Desinfektionsmittel kriecht durch ihre Nase, vermischt sich mit dem unauffälligen, metallischen Aroma steriler Krankenhausgeräte. Das leise, regelmäßige Piepen der Monitore scheint sich mit ihrem eigenen Herzschlag zu vermengen, während das gedämpfte Licht die Konturen verschwimmen lässt und alles unwirklich erscheinen lässt. Für einen Moment nimmt sie die Trostlosigkeit des Raumes körperlich wahr, spürt, wie ihr eine Gänsehaut über den Rücken läuft. Diesmal bleibe ich wach. Ich lasse ihn nicht allein. Doch trotz ihres festen Vorsatzes wiegt das beständige Summen, das monotone Piepen und die sterile Luft schwer auf ihren Lidern. Ihr Kopf sinkt schließlich auf die Decke, und ein dumpfer Schmerz macht sich im Nacken breit. Plötzlich spürt sie einen sanften Druck an ihrem Kopf – vielleicht ein Streicheln, vielleicht nur ihr Wunsch, dass Markus sie berührt. Sie schreckt hoch, blinzelt, braucht einen Moment, um sich zu orientieren. Für einen Moment weiß sie nicht, wo sie ist, dann erinnert sie sich schlagartig. Der stechende Geruch, die Geräusche – alles ist wieder da. Markus! Sie hebt den Blick. Jetzt begegnet ihr ein schwaches, erschöpftes Lächeln, doch für Kassandra ist es das Schönste, das er ihr je geschenkt hat. Sie spürt, wie ihre Angst nachlässt und ein leiser Funken Hoffnung in ihr aufglimmt.
„Wie geht es dir?“ Markus fragt mit leiser, krächzender Stimme. Sein Blick ist wach, aber erschöpft, dunkle Schatten liegen unter seinen Augen. Kassandra sieht ihn an, und ein scharfer Schmerz zieht durch ihre Brust, als hätte jemand einen eisigen Pfeil hineingeschossen. Ihre Hände zittern unmerklich, und sie muss sich am Stuhl festhalten, um nicht die Fassung zu verlieren.
Mit leicht gebrochener Stimme und einem unsicheren Lächeln erwidert sie: „Wie es mir geht? Schatz, ich wurde nicht niedergestochen und musste nicht zweimal operiert werden. Wie geht es dir?“ Ihre Stimme klingt besorgt, fast ein wenig vorwurfsvoll, als würde sie ihm vorhalten, dass er sich mehr um sie sorgt als um sich selbst. Warum fragt er ausgerechnet mich nach meinem Befinden? Sollte ich nicht ihn trösten?
Markus blickt Kassandra mit einer tiefen, fast zerbrechlichen Liebe an. „Mir geht es gut, mein Licht“, flüstert er, seine Stimme rau vom Schmerz und der Anstrengung. Das monotone Piepen der Geräte bildet den Hintergrund, während das fahle Licht Schatten auf sein blasses Gesicht wirft. Kassandra beugt sich vorsichtig über ihn, ihre Hände zittern leicht, und sie streicht ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. Eine Erinnerung blitz in ihr auf: Die Sommerabende am Fluss, sein Lachen, das Echo von Glück in ihren Herzen. „Das Erste, was ich nach dem Aufwachen gesehen habe, warst du“, sagt Markus und seine Finger suchen ihre. „Du bist das Licht meines Lebens. Die Liebe meines Lebens.“ Er drückt ihre Hand.
„Ich liebe dich auch, Schatz“, haucht Kassandra, ihre Stimme von Tränen belegt. Ihr Daumen fährt sanft über Markus’ Handrücken, ihr Blick bleibt an seinen Augen hängen. „Ich bin fast vor Angst und Sorge gestorben diese Nacht.“ Sie drückt seine Hand fester, als wolle sie ihn vor allem Übel schützen. Der stechende Geruch von Desinfektionsmittel mischt sich mit der kühlen Sterilität des Raums, doch all das tritt in den Hintergrund. Für einen Moment gibt es nur sie beide, ihre gemeinsamen Erinnerungen, die Hoffnung, die wie ein Funke zwischen ihnen aufflackert.
Mühsam und unter sichtbaren Schmerzen richtet sich Markus langsam etwas auf. Kassandra ist sofort bei ihm, legt ihm fürsorglich die Hand auf die Schulter. „Hey, mein Held, du bleibst schön liegen!“, sagt sie, ihre Stimme liebevoll und leicht neckend. Markus grinst schwach, sein Lächeln huscht wie ein Sonnenstrahl durch die graue Krankenhauswelt. „Was gibt's denn da zu grinsen, du Sturkopf?“, fragt sie mit einem Augenzwinkern. In ihrem Inneren breitet sich eine warme Mischung aus Sorge und Erleichterung aus; für einen Moment wirkt alles fast normal.
„Ich will gar nicht aufstehen … ich will nur dich, mein Licht“, flüstert Markus leise. Seine Worte treffen sie mitten ins Herz. Überrascht blinzelt Kassandra – wie schafft er es nur, selbst jetzt noch so viel Liebe zu zeigen? Ihr Herz setzt einen Schlag aus, ein Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen.
„Schatz, echt jetzt? Du glaubst also, Nähe ist gesünder als Aufstehen? Du bist unmöglich“, erwidert Kassandra lachend, tippt ihm sanft an die Nase. Einen Augenblick wundert sie sich, wie er nach so einer Nacht überhaupt noch Humor hat – und merkt, wie sehr sie genau das gerade braucht. Ihre Hand bleibt auf seiner, und sie denkt an das allererste Mal, als sie sich berührten – ein stilles Band, das nie abreißt.
„Du, mein Licht – was du nur immer von mir denkst ... Ich will einfach nur deine Nähe spüren. Nichts weiter“, murmelt Markus, seine Stimme schwach, aber rau vor Sehnsucht. Kassandra beugt sich unwillkürlich näher, streicht zärtlich mit dem Daumen über seinen Handrücken und gibt ihm einen sanften Kuss auf die Stirn – ihre kleine Geste, die beiden Sicherheit schenkt.
Ein zärtliches Lächeln breitet sich auf Kassandras Gesicht aus. „Mein Schatz, das ist ein wunderschöner Gedanke. Aber wir warten noch ein bisschen, ja? Versprochen, bald – aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Sie flechtet ihre Finger fester in seine, ein stummes Versprechen.
Markus' Gesicht verfinstert sich plötzlich. Kassandra ist sofort alarmiert, ihr Herz schlägt wild. Sie beugt sich besorgt vor: „Schatz, hast du Schmerzen? Oder ist was anderes?“ Ihre Gedanken rasen. Nur ein Blick zu viel, eine Veränderung – und die Angst ist wieder da.
„Was ist mit der Frau?“, fragt Markus, seine Stimme zittert. Kassandra spürt, wie tonnenschwere Steine von ihrer Brust fallen – dadurch kann sie nun wieder atmen. Sie war fast zerdrückt unter der Sorge um ihn.
„So wie Sven gestern erzählt hat, hast du sie wohl gerettet. Aber sag mal, darauf muss man erst mal kommen, sich gleich zwei Typen entgegenzustellen!“, sagt Kassandra und sieht ihn Vorwurfsvoll an. Sie denkt an das tiefe Gefühl von Sicherheit, das Markus ihr immer gibt.
„Hätte ich sie im Stich gelassen, könnte ich dir nicht mehr in die Augen sehen, mein Licht.“ Markus stockt kurz. „Eigentlich habe ich teilweise deine Stimme gehört … Es war egal, wem ich helfe. Hauptsache helfen.“ Die Erschöpfung steht ihm ins Gesicht geschrieben, aber seine Entschlossenheit leuchtet darin auf.
„Gott, Markus, ich liebe dich. Du bist so gutherzig – und genau dafür liebe ich dich jeden Tag mehr.“ Sanft drückt sie seine Hand und denkt an all die kleinen Momente, in denen Markus sie mit seinem Mitgefühl berührte. „Schatz, kommst du kurz ohne mich klar? Ich ruf nur daheim an und sag, dass du wieder wach bist.“ Ihr Blick ist weich, ihr Versprechen unausgesprochen: Ich komme immer zurück.
„Klar. Aber nur ungern – du fehlst mir jetzt schon. Dabei muss ich dich später auch noch teilen.“ Markus grinst leicht und zwinkert, so wie nur er es kann. Kassandra lacht, dankbar für diesen Moment Leichtigkeit zwischen all der Sorge.
„Ich beeile mich, damit wir noch ein bisschen Zeit ganz für uns haben, bevor hier der große Andrang losgeht!“, sagt Kassandra augenzwinkernd, streicht ihm ein letztes Mal über die Wange und steht auf. Sie verlässt das Zimmer – und zum ersten Mal seit seinem Erwachen ist Markus allein.
Markus driftet in seine Erinnerungen ab.
Er sieht sich selbst zur Halle rennen, der Hilferuf der Frau klingt in seinen Ohren lauter als in Wirklichkeit. Das Tor, die Männer, die sie festhalten – sein Licht in Gefahr. Angst, Adrenalin, rasender Puls. Er zwingt sich, die Augen zu öffnen, will nicht tiefer hineinfallen. Die Erinnerung jagt ihm das Herz bis zum Hals, der Monitor beginnt zu piepen. Sekunden später erscheint eine Schwester, fragt rasch nach seinem Wohlbefinden und schaltet den Alarm aus. Markus nickt dankbar, doch der Schatten des Erlebten bleibt.
Kurz darauf kehrt Kassandra zurück. Sie sieht die Schwester aus Markus’ Zimmer kommen – ihr Herz setzt einen Schlag aus. Markus? Mit rasendem Puls läuft sie hinein und sieht ihn im Bett. Sichtlich erleichtert setzt sie sich, bemüht um Fassung. Mit jedem Blick auf dich schwindet meine Angst – doch sie bleibt, solange du leidest.
„Alle sind erleichtert, dass es dir besser geht und lassen dich grüßen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie einzeln kommen, damit du dich erholen kannst.“ Kassandra legt ihre Hand beruhigend auf Markus’. Er drückt ihre Finger, ihre Blicke sagen mehr als Worte: Solange ich dich spüre, ist alles gut.
Eine halbe Stunde später klopft es. Auf Kassandras leisen Ruf hin öffnet sich die Tür – Sofia tritt ein.
„Guten Morgen, Markus“, begrüßt Sofia ihn und wendet sich dann an Kassandra. „Wie geht es unserem Helden?“ Kassandra schmunzelt, sieht erst Markus an, dann ihre Mutter. „Eigentlich solltest du Markus fragen. Aber ich sage mal: Den Umständen entsprechend – und er ist tapfer genug, nicht einfach aufzustehen.“ Ein Gedanke blitzt ihr durch den Kopf: Wie froh ich bin, dass das Schlimmste vorbei ist.
Sofia nickt. „Aufstehen wäre wirklich noch zu früh. Aber schön zu hören, dass es auch noch hätte schlimmer sein können.“ Sie nimmt seine Hand, stellt sich ans Bett. „Kannst du uns versprechen, uns nicht nochmal so zu erschrecken?“
Markus hebt die Hand, wie zum Schwur. „Ich verspreche, dass ich nicht freiwillig in solche Situationen geraten will.“ Seine Stimme klingt noch schwach, und Sofia wird erneut bewusst, wie knapp alles war.
„Wenigstens das“, sagt Sofia und lächelt. „Es beruhigt mich, dass du kein Superheld spielen willst. Aber ein klares Nein wäre uns trotzdem lieber.“ Ihr Blick bleibt ernst, ein stummer Gedanke darin: Wir brauchen dich hier, lebendig.
„Jetzt, wo Mama endlich da ist, kann ich ganz kurz zur Toilette verschwinden“, sagt Kassandra mit einem schelmischen Grinsen, streicht Markus liebevoll über die Hand und steht auf. Bevor sie das Zimmer verlässt, blickt sie noch einmal zurück und hebt leicht die Augenbrauen: „Ich bin gleich wieder da, mein Held.“ Dann schließt sie die Tür hinter sich, ihr Schritt wirkt zugleich eilig und erleichtert – endlich kann sie einen Moment durchatmen.
Sobald Kassandra die Tür hinter sich geschlossen hat, nutzen Sofia und Markus den Moment für sich. Sofia beugt sich zu Markus hinunter, ihre Augen leuchten warm und voller Sehnsucht. Einen Moment später treffen sich ihre Lippen in einem zärtlichen, suchenden Kuss. Beide öffnen sich füreinander – ein Tanz, den sie nur zu gut kennen und in dem sie sich für einige Sekunden verlieren. Als Sofia den Kuss beendet, bleibt ein bittersüßer Nachklang zurück. „Mehr wäre zu gefährlich, Liebster“, flüstert sie und streicht ihm sanft über die Wange, als sie Markus’ enttäuschten Blick bemerkt. Manchmal reicht schon ein kurzer Moment, um alles andere zu vergessen, denkt Sofia.
„Ich weiß“, haucht Markus mit schwacher, fast zerbrechlicher Stimme, begleitet vom gleichmäßigen Piepen der Monitore. „Aber ich vermisse dich wirklich, Sofia… Unsere letzte gemeinsame Zeit ist schon so lange her, dass ich manchmal Angst habe, dich zu vernachlässigen.“ Während er spricht, ringt er mit der Mischung aus Sehnsucht und Schuld, die ihn innerlich zerreißt.
„Mach dir keine Sorgen, Liebster. Ich weiß, dass Kass Vorrang hat – so haben wir es besprochen. Und ich habe das akzeptiert, genauso wie du es damals bei Sirius akzeptiert hast.“ Mit einem sanften Lächeln legt Sofia Markus’ Hand auf ihren schwangeren Bauch, als plötzlich ein heftiges Strampeln sie überrascht. „Spürst du das? Das ist das Wunder des Lebens, das du in mir erschaffen hast.“ Ihre Stimme klingt stolz, aber auch ein wenig ängstlich. Ob Markus ahnt, wie sehr mir seine Nähe fehlt in dieser Zeit? Wie sehr mir mehr gemeinsame Zeit helfen würde!
Markus spürt das ungeborene Leben unter Sofias Haut und ein Gefühl von Ehrfurcht und Verantwortung durchströmt ihn. Sein Blick wandert von ihrem Bauch zu ihrem Gesicht, und er flüstert: „Ich kann es immer noch kaum fassen, dass du mich zum Vater machst.“ Seine Worte klingen diesmal mehr aus Angst, dass ihr Geheimnis entlarvt werden könnte leiser, als aus Rücksicht auf seine Stimmbänder. Es darf niemals herauskommen. Ich würde Kass verlieren. Nein alles nur das nicht!
Wenige Augenblicke später öffnet sich die Tür. Kassandra betritt den Raum und sieht, wie Markus’ Hand auf Sofias Bauch liegt. „Hm, Mama, mach dich nicht an meinen Freund ran!“ scherzt sie frech, wobei ihr ein leichtes Lächeln über die Lippen huscht. Sie stellt sich neben Sofia und schmunzelt liebevoll – manchmal muss man auch über die eigenen Sorgen lachen, denkt sie. Wie auf ein stummes Signal hin zieht Markus seine Hand zurück und legt stattdessen Kassandra ihre Hand auf Sofias Bauch. Auch Kassandra spürt die kräftigen Tritte des ungeborenen Kindes durch die Kleidung ihrer Mutter. „So sehr ich eigentlich gegen diese Schwangerschaft war, Mama – das hier jetzt zu fühlen, ist ein wunderschönes Gefühl“, sagt Kassandra leise. Sofias Hand legt sich sofort auf die ihrer Tochter und ihr Lächeln ist voller Wärme.
„Hab keine Angst, mein Kind. Ja, die Schwangerschaft ist risikoreicher als damals bei dir. Aber die Medizin hat große Fortschritte gemacht, und ich bin überzeugt, dass alles gutgehen wird. Und zur Sicherheit werde ich sowieso per Kaiserschnitt entbinden.“ Sie drückt Kassandras Hand und sieht ihr tief in die Augen. Ich muss ihr Zuversicht schenken, auch wenn mich selbst manchmal Angst bekomme, denkt Sofia.
Kassandra schluckt, ringt einen Moment mit den Worten. „Ich hoffe es, Mama. Ich liebe euch beide so sehr, dass ich mir nicht vorstellen kann, einen von euch zu verlieren.“ Während sie spricht, zieht sich ihre Brust vor lauter Sorge zusammen. Bitte, lass alles gut gehen – ich brauche euch, denkt sie still.
Zwei Stunden später tauscht dann Sofia die Besuchszeit mit Sven. Während Sofia, Kassandra und auch Markus den Raum füllen, ist deutlich zu spüren, wie Sven aufatmet, als er sieht, dass Markus zwar noch angeschlagen, aber immerhin wach und ansprechbar ist. Im Raum liegt der dezente Duft von Desinfektionsmittel, das Licht fällt weich durch das Fenster und taucht die Szene in ein warmes Glühen. Von draußen dringt das leise Klappern eines Rollwagens durch die Tür und verleiht der Umgebung einen ruhigen, beinahe geborgenen Charakter. Sofia wirft Markus einen letzten, warmen Blick zu, bevor sie sich zum Abschied zu ihm hinunterbeugt. Markus spürt, wie seine Nervosität wächst, während Sofia sich zu ihm hinunterbeugt – sein Herz schlägt schneller, die Unsicherheit liegt wie ein dichter Nebel über allem. Kassandra beobachtet die Situation mit großen Augen, noch beeinflusst von ihrem Scherz zuvor. Markus denkt stumm, beinahe panisch: Sie will mir doch wohl jetzt keinen Abschiedskuss geben? Dann wird alles auffliegen. Sofia treibt ihr Spiel bis zum Äußersten, doch im letzten Moment, bevor sich ihre Lippen berühren würden, dreht sie ihr Gesicht und platziert einen sanften Kuss auf Markus’ Wange. Markus spürt die Wärme ihrer Berührung, gleichzeitig ein Prickeln aus Erleichterung und Sehnsucht. Seine Anspannung löst sich ein wenig. Für einen flüchtigen Moment spürt Sofia, wie ihr Herz schneller schlägt – hatte sie Markus vielleicht doch zu sehr provoziert? Und auch Kassandra fragt sich, ob ihr Scherz vorhin zu weit gegangen war. Doch die vertraute Geborgenheit zwischen ihnen nimmt die Schärfe aus der Situation.
„Kass, du solltest dich mal im Spiegel sehen!“ lacht Sofia, nachdem sie sich wieder aufgerichtet hat. Ihr Blick ist verschmitzt und voller Energie, und ein Hauch von Vanille aus dem Flur vermischt sich mit dem klinischen Aroma des Zimmers. „Verzeih, aber nachdem du mir eben fast unterstellt hast, dass ich dir den Freund ausspannen will, konnte ich einfach nicht widerstehen.“ Immer noch lachend geht sie zu ihrer Tochter, die sich inzwischen gefasst hat. Die beiden nehmen sich kurz in den Arm – Kassandras Lachen klingt erleichtert und liebevoll. Für einen Moment fühlt sie sich wieder wie ein Kind, das von der Wärme der Mutter geborgen wird. Sofia sieht Markus nochmal an, ihre Augen funkeln: „Mach’s gut, Markus. Werd schnell wieder fit – wir brauchen dich, nicht nur als Auszubildenden!“ Ihr Ton ist voller Zuversicht und etwas heimlicher Sorge. Mit einem letzten, aufmunternden Lächeln verlässt sie den Raum und macht sich, erleichtert um eine Sorge, auf den Weg zum Grand. Während sie geht, denkt sie leise: Hoffentlich habe ich ihnen beiden ein wenig Mut schenken können. Und draußen mischt sich das entfernte Lachen anderer Besucher mit den Geräuschen des Krankenhausalltags – wie ein leises Versprechen, dass auch nach schweren Stunden wieder Normalität einkehren kann.
Sven setzt sich auf den Stuhl, den Sofia gerade verlassen hat. Das leise Knarren des Holzes hallt durch den ansonsten ruhigen Raum, in dem die Sonne einen warmen Streifen aufs Linoleum malt. Sven sieht Markus leicht vorwurfsvoll an, wobei in seinem Blick ein Anflug von Sorge liegt – er kann nicht anders, als auch ein bisschen Beschützer zu sein. „Da habe ich dich extra aus D nach hier geholt. Damit ich wieder ein Auge auf dich werfen und dich, wenn es nötig ist, etwas bremsen kann, und dann machst du sowas.“ Während Sven spricht, weicht sein Blick keinen Moment von Markus’ Gesicht. Innerlich erinnert er sich an die vielen Situationen, in denen er schon damals für Markus Verantwortung übernommen hat – diese Rolle ist ihm vertraut, und doch fühlt sie sich heute schwerer an.
Markus fühlt sich ertappt, doch er lässt sich nichts anmerken – stattdessen begegnet er Svens Blick mit einem schiefen Lächeln. „Und ich hatte gedacht, dass du mich hergeholt hast, damit ich deine Schwester kennen und lieben lernen würde“, scherzt Markus. Ein leichtes Prickeln von Unsicherheit mischt sich in seinen Ton, doch er hält den Blickkontakt. Für einen Moment spürt er die besondere Verbindung zu Sven, die trotz aller Umstände nie ganz verloren gegangen ist.
Sven lehnt sich etwas zurück und blickt durch das Fenster, wo ein Sonnenstrahl das Zimmer erhellt. Er wird ruhiger, seine Stimme klingt nachdenklicher, als er zu Markus spricht. „Ich habe mir die Situation mittlerweile tausend Mal im Kopf vorgespielt. Ich kann immer noch nicht glauben, dass du diesen Hilferuf gehört hast.“ Ein kurzer Anflug von Dankbarkeit und Stolz blitzt in seinem Blick auf. „Aber das ist wieder einmal so typisch für dich. War damals in D, im Heim, ja öfters fast genauso.“ Seine Worte tragen einen Hauch von Nostalgie, und man merkt, wie tief die gemeinsame Vergangenheit die beiden verbindet. Sven hatte immer ein wachsames Auge auf Markus, schon damals – heute ist das nicht anders.
Der Raum bleibt still, nur das piepen der Monitore ist zu hören. Kassandra, die neben dem Fenster steht und einen Moment von einem Sonnenstrahl erfasst wird, schaut Sven neugierig an. Sie hat immer gespürt, dass Markus’ Vergangenheit ein Teil von ihm ist, den er selten preisgibt, und sie respektiert diese Zurückhaltung. Doch heute überwältigt sie ihre Neugier. „Was war genauso? Bitte Sven, erzähl es.“ Ihr Blick wandert von Markus zu Sven und wieder zurück, als ob sie Markus noch zusätzlich um Erlaubnis bitten wollte, dass Sven es erzählen darf. Markus sieht Sven an, zuckt mit den Schultern – eine stumme Zustimmung, die die enge Verbindung der beiden Männer unterstreicht. Für Kassandra wird in diesem Moment klar, wie sehr die Geschichte der beiden von früheren Erfahrungen geprägt ist.
Sven legt einen Finger an sein Kinn und überlegt, welche Geschichte er erzählen soll. Nach den letzten vierundzwanzig angstvollen Stunden möchte er seine Schwester nicht erneut verunsichern – selbst wenn die Erinnerung schon Jahre zurückliegt. Sein Blick schweift zu Kassandra, die ihn neugierig beobachtet, und für einen Moment ringt er mit sich, was er preisgeben will. Schließlich atmet er tief durch und beginnt zu erzählen. Währenddessen streicht Markus unbewusst mit dem Daumen über Kassandras Hand, als wolle er sie beruhigen – oder sich selbst. Markus spürt, wie sich die Nervosität in seinem Magen regt, während er gespannt auf Svens Worte wartet.
„Ich glaube, wir waren damals zehn oder elf Jahre alt, als das passiert ist. Es erinnert mich fast an gestern – nur war es ein ganz anderer Frühlingstag. Wir zwei waren in der Stadt unterwegs, die Sonne schien, es war warm und alles wirkte leicht und unbeschwert.“ Sven hält kurz inne, sein Blick wandert zu Markus, der konzentriert zuhört. Für einen Moment spürt Sven ein Ziehen in der Brust, als die Erinnerung an die Unbeschwertheit von damals auflebt. „Irgendwann kamen wir an einen Bolzplatz vorbei. Kannst du dich noch daran erinnern?“
Markus nickt leicht, ein sanftes Lächeln auf den Lippen. „Ja, das weiß ich noch. Aber erzähl ruhig weiter. Meine Stimme ist schmerzt noch.“ Während er spricht, drückt er Kassandras Hand fester, als wolle er ihr und sich selbst Mut zusprechen. In seinem Kopf blitzen Bilder von damals auf – die Aufregung, der Lärm, das dumpfe Gefühl der Angst, das ihn doch nie davon abgehalten hat, einzugreifen.
Sven lächelt. „Also, wie gesagt: Wir kamen an den Bolzplatz, und dort waren drei etwa zwölfjährige Jungs. Sie hatten ein gleichaltriges Mädchen zwischen sich und schubsten es hin und her. Hier gab es den einzigen Unterschied zu gestern: Sie wollten das Mädchen nicht vergewaltigen, sondern nur drangsalieren.“ Während Sven das erzählt, schweift sein Blick zum Fenster, wo die Sonne langsam untergeht und ein goldener Lichtstreifen über den Boden wandert. Im Raum liegt eine fast andächtige Stille, nur das leise Piepen eines Monitors sind zu hören. Kassandra wartet gespannt, dass er fortfährt. Markus war also schon immer ein Held, denkt sie bewundernd und spürt, wie ihr Herz einen kleinen Sprung macht. Der Stolz mischt sich mit Sorge – wie oft muss er sich wohl beweisen? Währenddessen bemerkt Markus Kassandras Blick auf sich, und ein Anflug von Unsicherheit huscht über sein Gesicht.
„Ansonsten war es fast wie gestern“, fährt Sven fort. „Markus hat nicht lange überlegt, ist ohne Rücksicht auf die Folgen losgestürmt und schon waren wir mitten in einer handfesten Prügelei. Am Ende waren wir alle übersät mit blauen Flecken, Schürfwunden und Prellungen – keiner kam ungeschoren davon.“ Sven senkt die Stimme, seine Worte tragen einen Hauch von Nostalgie. „Das hat uns Ärger eingebracht, weil natürlich niemand unsere Version geglaubt hat. Aber jetzt weißt du ein wenig mehr über unsere gemeinsame Zeit damals.“ Er schaut Kassandra direkt an, in seinen Augen liegt eine Mischung aus Stolz und Ernst. Markus lehnt sich derweil zurück, sein Blick gleitet über die vertrauten Gesichter. Vielleicht ist es manchmal wichtiger, das Richtige zu tun, als verstanden zu werden, denkt er.
Kassandra lächelt, ihre Stimme klingt warm und voller Dankbarkeit. „Danke, Sven. Auch wenn es nur ein kleiner Ausschnitt ist, bedeutet es mir viel. Vielleicht erzählt mir Markus ab jetzt ja öfter etwas aus seiner Vergangenheit.“ Sie schaut von Sven zu Markus und drückt sanft dessen Hand, ihre Augen glänzen vor Rührung. Markus erwidert den Blick mit einem leisen Nicken – in seinem Inneren breitet sich ein Gefühl von Zugehörigkeit aus, das ihn für einen Moment alle Sorgen vergessen lässt.
Die nächsten Tage verlaufen ähnlich, geprägt von Sorge und kleinen Lichtblicken. Immer wieder kommt jemand Markus besuchen – die Polizei nimmt seine Aussage auf, denn das Krankenhaus hat seine Verletzungen pflichtgemäß gemeldet. Das Gespräch mit den Beamten ist sachlich, aber Markus spürt dabei, wie die Ereignisse der letzten Tage noch immer an ihm nagen. Manchmal fragt er sich, ob die Routine ihn irgendwann wieder zur Ruhe kommen lässt, oder ob die Eindrücke noch lange nachwirken werden.
An vielen Tagen klopft es an seiner Tür. Markus ist oft allein und freut sich über jeden Besuch, denn die Langeweile drückt schwer, vor allem zu den frühen Uhrzeiten, wenn im Fernsehen nichts Vernünftiges läuft. Die Einsamkeit lässt ihn oft grübeln – über das, was war und das, was noch kommen mag. Er merkt, wie die Gedanken an die vergangenen Tage ihn immer wieder einholen und sich mit der Hoffnung auf Besserung mischen.
„Herein“, ruft Markus, als es erneut klopft. Seine Stimme klingt fast wieder normal, die Strapazen sind fast vergessen. Zu seinem Erstaunen betritt diesmal niemand Bekanntes den Raum. Stattdessen stehen ein Mann, eine Frau und ein junges Mädchen vor seinem Bett. Die Familie wirkt nervös, aber gleichzeitig zutiefst dankbar. Kurz fragt sich Markus, wer sie sind und ob sie mit dem Vorfall zu tun haben könnten.
Der Mann spricht zuerst, seine Stimme freundlich und ehrfürchtig: „Guten Tag, dürfen wir Sie kurz stören?“ Sein Blick ist erwartungsvoll und voller Dankbarkeit.
Markus versucht die Situation zu entspannen, ein leichtes Grinsen auf den Lippen. „Na, jetzt sind Sie ja schon drin – also bitte, setzen Sie sich.“ Er spürt eine leichte Unsicherheit in sich, doch die Herzlichkeit der Familie nimmt ihm die Scheu.
„Mein Name ist Costas Kyriakou, das ist meine Frau Aretha und das unsere Tochter Daphne. Wir wollten uns einfach bedanken – dafür, was Sie für Daphne getan haben.“ Der Mann spricht leise, doch seine Worte berühren Markus tief. Erst jetzt wird ihm klar, wer vor ihm steht: Er hatte das Mädchen vor Schlimmem bewahrt, ohne zu wissen, wie viel er damit verändert hat. Markus fühlt sich einen Moment lang überwältigt – ihm wird bewusst, wie viel sein Handeln bewirkt hat.
Markus richtet sich auf, streckt die Hand aus und sagt herzlich: „Hallo, freut mich wirklich, dass ich helfen konnte.“ Er spürt, wie sein Herz schneller schlägt – die Dankbarkeit der Familie ist überwältigend.
Die Mutter ergreift Markus’ Hand, ihre Stimme zittert vor Rührung. „Wir können Ihnen gar nicht genug danken und hoffen, dass Sie schnell wieder gesund werden.“ Sie drückt seine Hand, ein Zeichen tiefster Anerkennung und Mitgefühl. Markus spürt, wie ihm die Nähe dieser fremden Menschen Kraft gibt.
Markus winkt bescheiden ab. „Wirklich, das ist nicht nötig – Hauptsache, Daphne ist nichts zugestoßen.“ Seine Worte sind ehrlich, aber die Bedeutung des Moments ist ihm bewusst.
Die Mutter lächelt dankbar, Tränen stehen ihr in den Augen. „Sie sind zu bescheiden. Nicht auszudenken, welche Folgen das für Daphne gehabt hätte, wenn sie neben der Suche nach einem Ausbildungsplatz auch noch diese traumatische Erfahrung mit sich herumtragen müsste. Das hätte ihr Leben nur noch schwerer gemacht. Daher nochmals vielen Dank.“ Wieder drückt sie Markus die Hand, ihre Geste sagt mehr als Worte.
Markus wendet sich Daphne zu. „Du suchst noch eine Ausbildungsstelle?“ fragt er vorsichtig, bemüht, das Gespräch auf eine positive Zukunft zu lenken.
Daphne nickt, ihre Stimme leise und niedergeschlagen: „Ja, aber bisher habe ich nur Absagen bekommen.“ Ihre Unsicherheit ist spürbar, doch Markus versteht, dass sie Mut braucht. Markus erinnert sich an seine eigenen Zweifel in schwierigen Momenten und fühlt mit ihr.
Markus überlegt kurz. „Hast du es schon mal im Grand Kofur versucht?“ fragt er, seine Stimme ruhig und ermutigend.
Daphne schaut ihn überrascht an. „Du meinst dieses vornehme Hotel? Nein, wozu auch – wenn selbst normale Restaurants immer nur mit Absagen reagieren.“ Markus hört deutlich, wie sehr sie jede Absage schmerzt. In diesem Moment fühlt er ihren Frust und ihre Enttäuschung. Markus fragt sich, wie er ihr Hoffnung geben kann – er weiß, wie wichtig eine neue Perspektive gerade jetzt wäre.
„Bist du immer so schnell entmutigt? Ein Versuch kostet dich doch nur das Porto. Vielleicht wirst du ja angenehm überrascht“, meint Markus ruhig, sieht sie fest an und versucht ihr Zuversicht zu schenken. Er hofft, dass seine Worte sie wirklich erreichen und in ihr etwas bewegen.
„Du meinst, ich sollte mich dort bewerben? Aber die haben doch eine gehobene Küche. So etwas habe ich noch nie gekocht und außerdem bin ich mir nicht sicher, ob ich das kann.“ Markus merkt, dass sie nach Ausreden sucht, um sich nicht im Grand zu bewerben. Er erkennt in ihren Worten die Angst vor dem Unbekannten, die er selbst gut kennt.
Markus lächelt verständnisvoll. „Ich will dich zu nichts drängen. Aber wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich es einfach probieren. Keine Angst vor Gerichten, die du noch nicht kennst – dafür ist doch die Ausbildungszeit da. Gerade in dieser Zeit lernst du so viel Neues.“ Er spricht sanft und einfühlsam, seine Worte wirken wie ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Daphne überlegt einen Moment, dann sieht sie Markus fest an. „Okay. Und wenn es nur als Zeichen meines Dankes ist – ich werde eine Bewerbung ins Grand Kofur schicken. Darf ich dich kurz drücken?“ Markus ist überrascht von ihrer Offenheit und fragt sich, ob sein Zuspruch wirklich so viel bewirkt hat.
Markus lächelt, ein Hauch von Humor liegt in seinem Ton. „Drücken ist vielleicht noch keine so gute Idee – aber ein Kuss auf die Wange geht.“ Er macht eine kleine Pause, zwinkert ihr zu und schenkt ihr ein warmes Lächeln.
Sofort zaubert das ein erleichtertes Lächeln auf ihr Gesicht. Sanft beugt sie sich zu ihm hinunter, drückt ihre Lippen auf seine Wange und verabschiedet sich. Die drei verlassen das Zimmer und Markus bleibt allein zurück, spürt aber die Nachwirkung dieses besonderen Moments – Dankbarkeit, Hoffnung und den Glauben daran, dass eine kleine Geste viel verändern kann. Er lehnt sich zurück und reflektiert, wie sehr ihn der Besuch der Familie berührt hat. Die Begegnung gibt ihm das Gefühl, etwas Gutes bewirkt zu haben – ein Gedanke, der ihn lange begleiten wird.
Einige Zeit später schaut Sofia bei Markus vorbei. Kassandra ist heute mit ihren eigenen Aufgaben beschäftigt – die vielen Besuche bei Markus haben einiges an Arbeit liegen lassen. Die Begrüßung zwischen Markus und Sofia ist liebevoll und vertraut, ein kurzer, leidenschaftlicher Kuss – heimlich, denn das Risiko entdeckt zu werden ist groß. Immerhin wissen die Schwestern, dass Markus mit Kassandra zusammen ist und Sofia nur die Mutter.
„Würdest du mir einen Gefallen tun, Schatz?“ fragt Markus leise nach der Begrüßung. In seinem Blick liegt Hoffnung und ein Hauch Unsicherheit, denn er weiß, dass die Nähe zu Sofia stets mit einem Risiko verbunden ist. Ihre Augen treffen sich, und für einen Moment ist da nur das Gefühl tiefer Verbundenheit – getragen von Vertrauen und dem Wunsch, nach gemeinsamer und intimer Zeit. Markus fragt sich, ob dieses geheime Glück von Dauer sein kann und wie er die Balance zu Kassandra wahren soll.
Warmes, goldenes Licht fällt durch die halb geöffneten Vorhänge, taucht das Zimmer in einen behaglichen Schimmer und tanzt auf den Bettlaken. Von draußen dringt leises Stimmengewirr herein, das mit dem fernen Klirren von Geschirr verschmilzt – eine alltägliche Geräuschkulisse, die wie ein Hintergrundteppich die Szene trägt. Ein feiner Hauch Kaffeeduft liegt in der Luft und vermischt sich mit dem sterilen Geruch von Krankenhaus, was zusammen eine sonderbare Vertrautheit erzeugt.
Sofia blickt kurz zur Tür und lauscht, ob Schritte zu hören sind. Erst als sie sicher ist, dass niemand hereinkommt, wendet sie sich wieder Markus zu. Ein sanftes Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie ihn Liebster nennt – einen Moment lang scheint ihre Stimme wärmer zu sein. „Aber sicher, Liebster. Was soll ich tun? Dein Kissen ausschütteln? Dir etwas zu trinken holen? Sag es, und ich erledige es.“ Während sie Markus fest anschaut, schimmert Vorfreude in ihren Augen, und sie wirkt bereit, ihm jeden Wunsch zu erfüllen.
Markus zögert einen Moment, seine Finger spielen nervös mit dem Bettlaken. Er spürt ein leichtes Kribbeln vor Unsicherheit, doch der Gedanke an Daphnes traurigen Blick lässt ihn nicht los. „Würdest du, wenn eine Bewerbung für eine Ausbildung als Köchin von Daphne Kyriakou bei dir eintrifft, diese zu einem Bewerbungsgespräch einladen?“ fragt er schließlich, seine Stimme etwas leiser als sonst. Die Frage überrascht Sofia, und ein kurzes Aufblitzen in ihren Augen zeigt, wie unerwartet ihr dies kommt.
„Äh, wie kommst du denn jetzt zu diesem Wunsch?“ erkundigt sie sich, während sie Markus aufmerksam mustert. Für einen Moment legt sich ein vertrauter Schalk auf ihre Lippen – der Tonfall zwischen ihnen ist locker, fast spielerisch. Markus erkennt, wie sehr er der Situation vertraut, und erzählt ihr sofort von Daphnes Besuch mit ihrer Familie.
Während Markus berichtet, schweifen seine Gedanken kurz ab: Er erinnert sich an Daphnes unsicheren Blick und spürt den dringenden Wunsch, ihr wieder Hoffnung zu schenken. „Bitte, lade sie einfach nur zu einem Bewerbungsgespräch ein. Ich wünsche mir, dass sie allein dadurch ein wenig Selbstvertrauen und Hoffnung zurückgewinnt. Außerdem geht Arijus ja in fünf Jahren in Rente – wäre es da nicht sinnvoll, seinen Nachfolger selbst auszubilden, statt später nach einem Koch zu suchen und sich nach dessen Gehaltsvorstellungen richten zu müssen?“ Markus beendet seine Erzählung mit einem leisen Seufzer, fast so, als hoffe er, dass Sofia ihn versteht.
Sofia hört aufmerksam zu und kann Markus’ Beweggründe spüren. Ein wenig Stolz mischt sich in ihr Herz – dass er ihr vertraut, berührt sie. „Das mit dem Selbstausbilden ist ein wirklich gutes Argument, Liebster.“ Sie lächelt bei diesem Wort und streicht ihm sacht über die Hand. „Gut, wenn sich Daphne wirklich bei uns bewirbt, lade ich sie zu einem Gespräch ein. Aber das ist noch keine Zusage, das musst du verstehen.“ Ihre Stimme ist ruhig, aber in ihren Augen liegt ein verspielter Glanz.
Markus nickt dankbar und erwidert Sofias Blick mit einem vertrauten Lächeln, das nur ihr gilt. „Das erwarte ich auch gar nicht. Ich möchte nur, dass du ihr Selbstvertrauen stärkst und sie dir anschaust. Vielleicht ist sie genau die Richtige. Was aus dem Gespräch wird, liegt dann ohnehin an ihr… Trotzdem danke schon mal.“ In Gedanken spürt Markus die Wärme dieses Momentes, auch wenn er das „mein Schatz“ verschluckt, aus Angst, jemand könnte sie belauschen. Ein kurzes, gemeinsames Lachen unterstreicht ihre Nähe.
„Gut, dann wäre das ja geklärt.“ Sofia lehnt sich ein wenig näher zu ihm, ihre Augen glänzen verschmitzt. „Brauchst du noch irgendetwas? Etwas, das Kassandra, Sven oder ich dir mitbringen sollen, bis du endlich entlassen wirst und wieder bei uns bist?“ Ihre Frage ist voller Fürsorge, und in dem Augenblick fühlt sich Markus geborgen.
Sofort hebt Markus grinsend eine Augenbraue, ein vertrauter Insider zwischen ihnen. „Nur ganz viel Liebe und…“ Den Rest des Satzes lässt er offen und schmunzelt, wissend, dass Sofia seine Anspielung ohne Worte versteht. Ihre gemeinsame Geschichte steckt in solchen kleinen Momenten.
Sofia verdreht lachend die Augen, ein vertrautes Spiel zwischen ihnen. „Alles zu seiner Zeit…“ Ihr Blick huscht noch einmal zur Tür, dieses Mal mit einem liebevollen Zwinkern. „Liebster.“ Dann beugt sie sich zu Markus und verabschiedet sich mit einem leidenschaftlichen, kurzen Kuss, der all ihre Zuneigung ausdrückt. In diesem Moment liegt zwischen ihnen eine stille Vertrautheit, die beide für einen Augenblick vergessen lässt, wie riskant ihr Glück ist.
Ende der 8. Episode, des zweiten Kapitels.
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