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Wenn Entfernungen keine Rolle mehr spielen (fm:Sonstige, 25392 Wörter)

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Veröffentlicht: May 03 2026 Gesehen / Gelesen: 417 / 201 [48%] Bewertung Geschichte: 10.00 (1 Stimme)
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© Grisu Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

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zu hunderten antraf. Und es war viel zu nah. Keine Lichter, keine Positionslampen, kein Triebwerk – es trieb hier einfach so durch die Sprungzone. Das an sich war schon lebensgefährlich, da hier Schiffe jederzeit unerwartet aus dem Hyperraum auftauchen konnten.

Erschwerend kamen die vielen kleinen und großen Brocken hinzu, die hier herumtrieben und keiner genauen Bahn folgten. Ein Paradies für den Erzabbau, aber auch ein perfekter Ort, um sich vor anderen zu verstecken. Deswegen galt hier äußerste Vorsicht.

Man sollte schon wissen, was man hier tat – oder besser sein ließ. Wie diesen Funkspruch, der gerade vom Shuttle kam. Kein Notrufsignal, das überall sofort eine offizielle Rettungsaktion auslösen würde; nein, nur offener Funk: „Mayday, Mayday! Wir treiben hier ohne Antrieb, unser Reaktor ist ausgefallen. Haben nur noch für ein paar Stunden Energie!“

Das war so ziemlich das Dümmste, was man hier draußen machen konnte, da es meist zwielichtige Gesellen anlockte, die ein schnelles Geschäft witterten. Entweder durch die Ersatzteile, die man bergen konnte, oder durch Lösegelder. Ich musste schnell handeln. Ich trieb genau auf das Shuttle zu. Bremsen ging nicht, damit würde ich sie rösten. Also blieb nur: Querstellen, allen Schub auf die Triebwerke und hoffen, dass es reichte. Den Schweiß, der sich in meinem Arbeitsoverall sammelte, nahm ich nicht wahr. Ich hörte nur das Ächzen des Frachters und Vascos Stimme, die mir die Entfernungen durchgab.

Es würde knapp werden, das war mir klar. Wie knapp, hätte ich sehen können, wenn ich auf den Monitor geblickt hätte, der den Sektor zeigte. Doch plötzlich gingen die Triebwerke aus. Vasco hatte sie deaktiviert, weil der Impuls ausreichte. Kurz durchatmen. Aber wir hatten es noch nicht hinter uns. „Vasco, Fernaufklärung! Nicht, dass der Spruch unerwarteten Besuch anlockt. Ich bringe uns dicht ran, dann können wir das Shuttle erst einmal aus der Sprungzone raus drücken. Stell eine Com-Verbindung her. Diese Funksprüche müssen aufhören!“

Ich bugsierte den Frachter zentimeterweise hinter das Shuttle. Vasco war bereits nach draußen geklettert; ich konnte das metallische Scharren seiner Magnetfüße auf der Außenhülle hören. Er machte sich an den massiven Frontklammern zu schaffen und gab mir über das interne Netz präzise Einweisungen. Ein grünes Lämpchen auf meiner Konsole flackerte auf: Das physische Datenkabel war eingeklinkt. Die interne Com-Verbindung stand.

Ich schaltete das Mikrofon frei und schickte meine Stimme direkt in das Cockpit der Havaristen, ohne dass die halbe Galaxie mithören konnte. „Hier ist der Raumfrachter DeLorean. Hören Sie mir gut zu. Ich werde Sie jetzt erst einmal aus der Sprungzone drücken, bevor uns hier noch jemand im Heck landet. Danach sehen wir uns Ihren Reaktor an und schauen, ob wir die Kiste wieder flott kriegen.“ Ich machte eine kurze Pause. Mein Ton war ruhig, ließ aber keinen Raum für Diskussionen. „Und noch etwas: Stellen Sie ab sofort sämtliche Funksprüche über die offenen Kanäle ein. Wir kommunizieren nur noch über diese Leitung. Verstanden?“

Nach einer Sekunde des Rauschens knackte die Leitung. „Verstanden, DeLorean“, antwortete eine Frauenstimme. Sie klang erschöpft, „Hier spricht Selene Ward. Ich bin... wir sind Ihnen überaus dankbar. Wir haben Studenten an Bord, die Situation wurde langsam... brekär.“ „Sparen Sie sich den Dank für später“, unterbrach ich sie, während ich die Schubhebel feinfühlig nach vorne schob. Ich spürte den ersten sanften Stoß, als die Klammern des Frachters den Rahmen des Shuttles griffen. „Vasco, wie sieht’s draußen aus?“ „Verbindung stabil, Taro“, kam die Antwort von Vasco. „Ich beginne mit der Überbrückung der Notstromversorgung für deren Lebenserhaltung. Der Wartungszugang zum Reaktor ist für mich ein Leichtes. Ich analysiere die Situation von hier aus.“ „Hören Sie das, Selene?“, sagte ich ins Mikro. „Wir bewegen uns jetzt. Da der Schub nur minimal ist, wird es nicht ruckeln. Mein Techniker kümmert sich um Ihren Reaktor. Sorgen Sie einfach dafür, dass Ihre Leute auf ihren Sitzen bleiben.“

Ich konzentrierte mich auf die großen Brocken, die hier herumtrieben. Nicht, dass die auch noch zum Problem wurden. Es würde nicht lange dauern, bis wir aus der Sprungzone raus waren, aber genug Zeit für Vasco, den Fehler zu finden. Doch nach ein paar Minuten der Stille knackte Vasco wieder in meinem Ohr. Seine synthetische Stimme hatte einen leicht gereizten Unterton. „Taro, ich finde nichts. Absolut nichts. Die Konsolen sind kalt, die externen Wartungsprotokolle reagieren nicht. Mehr noch, ich werde aktiv abgewiesen.“ Ich runzelte die Stirn. „Abgewiesen? Von einem toten Reaktor?“ „Es ist, als wäre der Reaktor von innen verriegelt. Nicht durch eine Fehlfunktion, sondern durch eine absichtliche Manipulation. Eine Art Rootzugriff blockiert meine Analyse. Das ist Sabotage, Taro.“

Das war’s mit der Routine. Aus einer einfachen Rettung wurde ein Problem, das nach Ärger schmeckte. Und Ärger zog im Alpha-Centauri-System immer zwielichtige Gestalten an. „Verstanden“, sagte ich knapp. „Keine Reparatur. Wir ändern den Plan. Evakuierung.“

Ich schaltete wieder auf die interne Com-Verbindung zu Selene Ward. „Selene Ward, Planänderung. Wir kriegen Ihren Reaktor von hier aus nicht flott. Wir müssen Sie und Ihre Studenten übersiedeln. Wir nehmen das Shuttle huckepack bis zur Raffinerie auf dem Mond. Vasco bereitet den Notausstieg für die Passage vor. Machen Sie Ihre Leute bereit.“

Wieder eine kurze Pause, dann die Stimme der Professorin, jetzt deutlich angespannter. „Übersiedeln? Ist das sicher? Wir haben hier keine Anzüge.“ „Wir sind hier nicht auf der Erde, Professorin“, antwortete ich trocken. „Der Frachter hat eine Verbindung zum Notausstieg Ihres Shuttles. Eine Röhre, atmosphärisch gesichert. Sie laufen einfach rüber. Sicherer, als hier drin auf den Sauerstoff zu warten, während uns jemand anderes findet.“

Ich sah auf den Monitor. Es gab ein schwaches Wärme-Signal in der Ferne, das langsam näherkam. Wer ist das? „Wir haben keine Zeit für eine Diskussion, Selene. Wir haben Besuch, Ihr Funkspruch hat wohl Gäste angelockt. Sobald die Luke offen ist, kommen Sie alle schnell rüber und verschließen die Luke wieder!“ Ich schaltete Vasco auf Priorität: „Vasco, versuche das Shuttle notdürftig zu sichern und schnell in deine Nische, falls wir Gas geben müssen. Ich lasse lieber das Shuttle hier als alle anderen.“

Vasco gab das Signal: „Verbindung steht. Druckausgleich abgeschlossen.“

Ich entriegelte die innere Luke meines Frachters. Als die Dichtungen nachgaben, strömte mir dieser fremde, feine Parfümduft entgegen – ein krasser Kontrast zu meinem nach Schmierfett riechenden Overall. Ich schob mich durch die Röhre und stand im Cockpit des Shuttles.

Die Studenten hockten verängstigt in den Sitzen, aber mein Blick ging sofort zum Pilotensessel. Selene Ward saß dort, die Hände noch immer an den Kontrollen, die längst keinen Strom mehr hatten. Sie trug das Headset der Kommandantin. Sie versuchte wohl immer noch den Reaktor zu starten.

„Status?“, fragte ich kurz angebunden.

Sie sah mich an, ihre Augen müde, aber wach. „Reaktor verriegelt, Lebenserhaltung auf Reserve. Ich bin die verantwortliche Pilotin. Und Sie sind...?“

„Taro. Ich bin hier, um Sie hier rauszuholen. Also, Professorin, machen Sie Ihre Leute bereit. Jeder nimmt nur eine Tasche. Wir müssen weg, bevor der Jäger da draußen Mut schöpft. Ihre Aufgabe ist jetzt Vollzähligkeit“

Selene stand auf. Sie war fast so groß wie ich, und trotz der Katastrophe wirkte sie autoritär. „Ich weiß, wie man eine Evakuierung leitet, Captain Taro. Aber wir haben Forschungsergebnisse im Heck. Botanische Proben aus dem Gürtel. Die können wir nicht einfach hier lassen.“

Ich trat einen Schritt näher. Mein schmutziger Ärmel streifte fast ihre saubere Jacke. „Hören Sie, ich bezweifle nicht Ihre Fluglizenz, aber das hier ist kein Uni-Ausflug mehr. Das ist eine Rettungsaktion, die jederzeit eskalieren kann, da wir nicht mehr alleine sind, DANK ihres Funkspruches. Mein Frachter ist kein Lagerhaus. Die Priorität liegt auf den Menschen. Die Kisten bleiben erst mal hier.“

Ihre Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich. Sie war es gewohnt, dass man ihre Prioritäten respektierte. „Diese Daten sind die Arbeit von zwei Jahren...“

„Und mein Schiff ist die Garantie, dass Sie noch weitere zwei Jahre forschen können“, unterbrach ich sie trocken. „Ihr Job ist es jetzt auf Vollzähligkeit zu achten. Jetzt. und später brauch ich die vollständige Passagierliste“ Ich drückte auf einen Knopf am Kopfhörer "Vasco, das Shuttle noch notdürftig arretieren, das wir die Hauptklammern auch noch nachher ausfahren können"

Wieder Drüben im Frachter warf ich ein blick auf die Gruppe die sich im Wohnbereich zwängte, der sonst nur für 2 ausgelegt ist.

„Hinsetzen, anschnallen und Ruhe!“, sagte ich nur kurz nach hinten in den Wohnbereich der eigentlich nur für 2 ausgelegt ist. Mein Blick klebte an den Sensoren. „Nichts anfassen, keine Fragen. Ich muss mich konzentrieren!“

Ich hörte, wie das Schnattern der Studenten abrupt verstummte. Selenes Stimme war kurz zu vernehmen, wie sie ihre Gruppe zur Ordnung rief, doch ich blendete es aus. Mein Fokus lag auf dem leblosen Punkt auf dem Fernsensor, der immer noch keine Kennung preisgab. Er kam näher, schlich sich durch den Schatten eines massiven Asteroiden heran. Ein Jäger, kein Zweifel.

„Vasco!“, rief ich über den internen Kanal. „Wo bleibst du? Wir müssen hier weg, bevor der Besuch uns an die Gurgel springt!“ Jede Sekunde, die er noch draußen an der Außenhülle verbrachte, fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Ein ungeschützter Roboter bei einem plötzlichen Beschleunigungsmanöver wäre wie ein Projektil im All verloren. Ich brauchte ihn in seiner Nische, angeschlossen an die Systeme des DeLorean, damit wir einsatzbereit waren.

Ich legte die Hand auf den Vorwahlhebel für die Triebwerke. Der Schweiß auf meiner Stirn war jetzt kalt. Ich wartete nur noch auf das erlösende mechanische Klicken der Verriegelung. „Komm schon, Vasco... gib mir ein Zeichen.“ „Vasco, melde Vollzug!“, rief ich. Das vertraute Brummen der Schildgeneratoren ließ den Boden unter meinen Füßen vibrieren.

„Bin in der Nische, Taro. Verriegelung abgeschlossen“, kam die Antwort. „Aber Vorsicht: Die Hauptklammern sind noch eingefahren. Das Shuttle hängt nur an den Notklemmen und der Notschleuse. Wenn du jetzt den Hauptschub zündest, reißt es uns die eigene Außenhülle auf.“ „Verstanden. Wir müssen also den unbeweglichen Fels spielen.“ Hinter mir, herrschte Chaos. Zehn Studenten quetschten sich auf die schmale Liegefläche und die ausgeklappten Notsitze. Ich spürte ihre Körperwärme, hörte das hektische Atmen und das unterdrückte Schluchzen einer jungen Frau. Selene versuchte, sie mit leisen Worten zu beruhigen, aber der Platz reichte kaum zum Atmen.

„Versucht wenigstens Leise zu sein!“, bellte ich über die Schulter, ohne den Blick vom Monitor zu nehmen. „Wer aufsteht, fliegt beim ersten Manöver quer durch die Kabine. Schilde auf 100 Prozent! Vasco, nimm die Energie von der Heizung und den Kochplatten – wir brauchen jedes Kilowatt in den Puffern.“ Im Wohnbereich erlosch das warme Deckenlicht und wich dem fahlen, bläulichen Schimmer der Notbeleuchtung. Es wurde augenblicklich kühler. Ich sah den Jäger auf dem Schirm. Er schlich heran, ein Raubtier im Schatten der Asteroiden.

„An das Schiff auf Abfangkurs“, sprach ich in den offenen Funk, meine Stimme so hart wie das Metall des DeLorean. „Sie nähern sich einer aktiven Bergungszone. Ändern Sie Ihren Kurs, oder ich betrachte das als Angriff.“ Ich wartete. Im Nacken spürte ich Selenes Blick. Sie war nur einen Meter von mir entfernt, ihre Präsenz im engen Raum war fast greifbar. „Taro“, flüsterte Vasco über das Intercom. „Er aktiviert die Waffen. Aber seine Signatur flackert. Das Schiff ist in einem miserablen Zustand.“ „Dann lassen wir ihn mal ein bisschen schwitzen“, murmelte ich.

Hinter mir war es so still, dass ich das Ticken einer Armbanduhr hätte hören können, wenn die Studenten nicht vor Angst den Atem anhalten würden. Ich spürte Selenes Präsenz direkt in meinem Rücken; sie hatte sich wohl am Holm meines Sitzes festgehalten. Ihr Atem war flach, aber kontrolliert.

„Taro“, flüsterte Vasco. „Er schwenkt auf einen Abfangvektor ein. Er will uns nicht rammen. Er sucht eine Schwachstelle in der Schildgeometrie. Wahrscheinlich dort, wo das Shuttle die Überlagerung stört.“ „Soll er suchen“, murmelte ich. Meine Hand lag ruhig auf dem Auslöser für die Täuschkörper, falls er doch Raketen aufschaltet. „Vasco, wie weit sind die Klammern? Ich brauche diese Verbindung bombenfest, falls ich den Nachbrenner zünden muss.“ „Noch vierzig Sekunden, Taro. Die Mechanik klemmt leicht, vermutlich durch die Verformung am Shuttle-Rahmen.“

Der Jäger schob sich nun schräg über uns. Ich konnte das matte Grau seines Rumpfes und die provisorisch geflickten Stellen an seinen Triebwerken sehen. Das war kein Profi. Das war ein Verzweifelter. Und Verzweifelte waren unberechenbar. Plötzlich flackerte mein Funk erneut auf. Diesmal keine offizielle Durchsage, sondern eine raue, aggressive Stimme. „Hör zu, Frachter-Pilot. Ich weiß, wen du da drin hast. Gib mir ein Mädchen, du weist wenn ich meine, die Merrow-Tochter und verschwinde mit dem Rest deiner wertlosen Fracht, dann lass ich dich leben. Wenn nicht, brenne ich dir ein Loch in deine Schilde, das groß genug für dein ganzes Schiff ist.“ Hinter mir gab es eine kleine Bewegung. Ich hörte, wie sich ein paar der Studenten zu der jungen Frau in der Ecke umdrehten – der Tochter des Politikers Merrow, die hier inkognito dabei war. Das Geheimnis war raus, zumindest hier drin. Ich blickte nicht zurück. Ich starrte nur auf den Jäger. „Vasco“, sagte ich leise. „Sag mir, dass die Klammern sitzen. Jetzt.“

„Ich schlage was anderes vor“, klang Vascos Stimme. „Seine Energiesignatur flackerte heftig, als er Waffen und Sensoren gleichzeitig aktivierte. Sein Reaktor ist am Ende, Taro. Er kann nicht gleichzeitig schießen und seine Schilde halten.“ Ich starrte auf die Pegelausschläge. Vasco hatte recht. Das Schiff da draußen war eine fliegende Ruine.

„Was wäre, wenn wir ihm nur die EM-Waffe zeigen?“, fuhr Vasco fort. „Nur ein einziger Treffer und er treibt manövrierunfähig im All. Er weiß, dass er gegen einen Impuls keine Chance hat.“ „Hm, das wäre eine Möglichkeit“, murmelte ich. Ein Plan formte sich in meinem Kopf. „Warte, ich hab eine Idee. Behalt ihn im Auge.“

Ich aktivierte den offenen Funk und legte mir meine beste „ahnungsloser Miner“-Stimme zurecht. „Hören Sie, ich weiß nicht, wen Sie meinen. Sie müssen sich täuschen. Ich bin ein einfacher Miner vom nahegelegenen Mond. Meine Leute sind bereits auf dem Weg hierher, um mir bei der Bergung zu helfen. Verschwinden Sie einfach.“

Während ich sprach, ließ ich die Schutzhülle der EM-Phalanx herunterfahren. Ich wartete mit der Aktivierung der Zielerfassung genau so lange, bis ich sah, dass sein Mikrofon für eine Antwort offen war. Ich wollte hören, wie sein Schiff darauf reagierte.

„Du weißt genau, wen ich meine!“, schrie er zurück, seine Stimme jetzt am Rande der Hysterie. „Es geht um die Tochter von diesem Merrow! Gib sie raus und verschwin...“ In diesem Moment jagte ich die Energie in die EM-Spulen. Das charakteristische Summen der sich aufladenden Waffe übertrug sich direkt in den Funk. Ich konnte förmlich hören, wie in seinem Cockpit die Warnsignale losgingen. Piep-Piep-Piep. „Scheiße! Wa... was ist das? Eine EM-Waffe?“, stammelte er. Die Panik in seiner Stimme war unbezahlbar. „Verdammt, das war nicht abgemacht! Wieso hat ein verdammter Frachter so eine Waffe? Das wird mir zu heiß – ich verschwinde!“

Auf meinem Monitor sah ich, wie sich sein Energieprofil schlagartig änderte. Er schaltete alles ab – Waffen, Schilde, Sensoren –, um jedes verfügbare Kilowatt in seine Triebwerke zu jagen. Mit einem blau weißen Aufleuchten der Nachbrenner riss er seinen Jäger herum und schoss in die Dunkelheit des Asteroidenfeldes davon. Ich atmete tief durch und ließ die EM-Spulen langsam wieder herunterfahren. „Vasco“, sagte ich leise. „Die Klammern. Sag mir bitte, dass sie jetzt eingerastet sind.“

„Bestätigt, Taro“, kam Vascos kühle Antwort über die Cockpit-Lautsprecher. „Das Shuttle ist jetzt sicher fixiert. Aber wir können nur landen; das Shuttle blockiert ein direktes Anschließen an die Raffinerie.“

„Ich weiß“, antwortete ich knapp. „Ich will erst mal klären, was mit dem Shuttle passieren soll. Wenn es nicht weitergeht, schmeißen wir das Ding einfach auf die Mondoberfläche und ich bringe die Mädels mit dem Jäger nach Hause.“ Mir wurde gerade bewusst, das alles hinter mir zu hören war. Dort war es nicht still, aber die Panik war verschwunden. Stattdessen hörte ich gedämpftes, erleichtertes Schluchzen und das leise, tröstende Gemurmel der Studenten. Sie hockten alle eng beieinander; niemand zeigte mit dem Finger auf die Tochter des Politikers. Sie hielten zusammen. Selenes Stimme, jetzt wieder fest und bestimmt, war zu hören: „... Wir sind in Sicherheit, alles wird gut.“ Ich drehte mich im Sitz zur Seite, um einen Blick nach hinten zu werfen. Selene, die eigentlich auf einem Notsitz hätte hocken sollen, kniete bei der jungen Frau. Sie sah zu mir auf, ihre Augen waren wach und voller Fragen, aber auch tief dankbar. „Okay, Professorin“, sagte ich, und meine Stimme war in der engen Kabine laut und direkt. „Der Ärger ist erst mal weg. Jetzt zum Plan: Wir bringen Sie und Ihre Gruppe erst mal zur Gilden-Raffinerie auf dem Mond. Das ist der sicherste Ort im Sektor. Dort gibt es Versorgung, und ihr seid in Sicherheit.“

Ich aktivierte den Autopiloten zum Landepad der Raffinerie. „Sobald wir gelandet sind, könnt ihr über das PlanetNet Verbindung zu New Atlantis aufnehmen und eure Leute informieren.“ „Und das Shuttle?“, fragte Selene, ihre Stimme klang professionell besorgt. „Die Rettung der Passagiere wird selbstverständlich von der Gilde übernommen“, erklärte ich schulterzuckend. „Was mit dem Shuttle passiert, regelt die Verleihfirma. Ob es geborgen wird oder als Altmetall auf der Oberfläche bleibt, entscheidet die Versicherung. Das ist nicht mehr unser Problem.“ Ich schaltete die Systeme für den Sinkflug scharf. „Vasco, mach die Triebwerke bereit. Wir fliegen nach Hause.“

„Pad 4 ist frei, Taro. Aber du weißt, dass du dort keine Erze ziehen kannst. Die automatischen Rüssel kommen an deine Flanken nicht ran, solange das Shuttle da oben drauf klebt“, krächzte Saschas Stimme über den Funk.

„Ich weiß, Sascha. Wir kommen nur zu Besuch. Fahr den mobilen Tunnel aus. Ich habe Gäste, die keine Raumanzüge tragen“, antwortete ich, während ich die DeLorean mit sanften Stößen der Manövriertriebwerke über die Markierungen steuerte.

Normalerweise war das Andocken Routine: Man dockte bündig an die Verladetürme an, die Sortiermaschinen der Raffinerie ratterten los und füllten die Laderäume je nach Erzklasse. Aber heute war nichts normal. Das Shuttle auf meinem Rücken wirkte wie ein Fremdkörper, eine Last, die den Schwerpunkt des Frachters unangenehm nach oben verschoben hatte.

Mit einem metallischen Klacken rasteten die Landestützen ein. Draußen, im lautlosen Vakuum des Mondes, schob sich der Teleskoparm der Station wie ein langer, gepanzerter Rüssel auf die Backbordseite meines Schiffes zu.

„Siegel steht. Atmosphäre in der Schleuse bei hundert Prozent“, meldete Vasco. „Die Professorin und ihre Gruppe sind bereit zum Aussteigen. Sie wirken... mitgenommen.“

Ich stand auf und streckte den Rücken durch. „Komm schon, Vasco. Helfen wir ihnen raus.“

Als ich die Luke öffnete, zischte der Druckausgleich. Im Verbindungstunnel wartete bereits Sascha. Er trug seinen alten, fleckigen Arbeitsanzug und hielt ein Klemmbrett unter dem Arm, als würde er eine Ladung Seltener Erden erwarten und keine Gruppe verängstigter Akademiker.

Hinter mir drängten sich die Studenten aus der Enge des Frachters. Selene kam als Letzte. Sie blieb kurz an der Schwelle stehen und atmete tief die recycelte, leicht nach Schmierfett riechende Luft der Station ein.

Sascha musterte die Gruppe mit einem Blick, der in Sekundenbruchteilen den Wert und die Gefahr abschätzte. Als sein Blick auf Selene und die junge Frau an ihrer Seite fiel, verengten sich seine Augen. Er sah mich an und ich sah das winzige Kopfnicken. Er hatte verstanden. Das hier war kein gewöhnlicher Rettungsflug.

„Willkommen auf der Gilden-Raffinerie“, sagte Sascha, und seine tiefe Stimme beruhigte die nervösen Studenten sofort. „Marta wartet in der Kantine mit heißem Tee und Decken auf euch. Taro, du kommst danach in mein Büro. Wir müssen über dein ‚Zusatzgewicht‘ reden.“

Sascha führt die Gruppe durch die sterilen Gänge der Station, bis sie die schwere Schiebetür zur Kantine erreichen. Dahinter ändert sich die Atmosphäre schlagartig: Statt blauem LED-Licht gibt es warmes, gelbliches Licht und den Geruch von frisch gebackenem Brot und Eintopf.

Marta steht hinter dem Tresen. Sie trägt eine Schürze über ihrem funktionalen Stations-Overall. Als sie die Studenten sieht – bleich, zittrig und völlig deplatziert in ihren sauberen Uni-Klamotten –, fackelt sie nicht lange.

„Sascha, steh nicht im Weg rum“, herrscht sie den massiven Kerl gutmütig an. „Die Kinder sehen aus, als hätten sie gerade ein schwarzes Loch von innen gesehen.“

Sie kommt hinter dem Tresen vor und steuert direkt auf Selene und die junge Merrow-Tochter zu. Ohne zu fragen, legt sie der jungen Frau eine schwere, warme Wolldecke um die Schultern.

„Setzt euch. Ich hab den großen Kessel Suppe auf dem Herd. Und Taro...“, sie blickt zu dir rüber und schüttelt den Kopf. „...dass du mir ja keinen Kratzer in mein Geschirr machst, wenn du hier deine halben Raumschiffe im Hangar parkst.“

Nachdem Marta die Studenten mit der mütterlichen Bestimmtheit einer Stations-Veteranin in die Kantine verfrachtet hatte, kehrte in der Beobachtungslounge der Gilde eine ungewohnte Stille ein. Ich ließ mich auf eine der durchgesessenen Kunstledercouchs fallen. Vasco hatte sich in den Standby-Modus versetzt, blieb aber über mein Tab in Reichweite.

Ich aktivierte das PlanetNet. Es dauerte einen Moment, bis die Verbindung über die Relaisstationen nach New Atlantis stabil stand.

Zuerst die Versicherung: Ein Standard-KI-Agent bestätigte nach kurzem Datenabgleich der Sensorenlogbücher die Übernahme der Bergungskosten. Routine.

Dann die Verleihfirma des Shuttles. Hier wurde es interessant. Statt der üblichen Sachbearbeiter-Maske schaltete sich ein Mann namens Henderson zu, ein Vizepräsident der Logistikabteilung. Sein Gesicht war glattbügelig, aber seine Augen verrieten Nervosität. „Captain Taro“, sagte er, während er diskret die Verschlüsselung der Leitung prüfte. „Wir schätzen Ihre... schnelle Reaktion. Die Firma ist bereit, die Bergungsprämie zu verdoppeln. Vorausgesetzt, Sie behandeln den Vorfall mit der nötigen Diskretion. Keine Presse, wenn sie verstehen was ich meine?“ dabei setzte er eine prüfende Mine auf, die aber misslang, vermutlich war er in solchen Dingen nicht gerade erfahren. Das hab ich schon deutlich professioneller gesehen, bei anderen Aufträgen. Aber ich spielte weiter den ahnungslosen Frachterpiloten. Über meine Erkenntnisse bezüglich des Reaktorausfalls erfuhr keiner was, das kannte nur Vasco und Ich.

Ich zog eine Augenbraue hoch. Verdoppelung? Das war kein Schweigegeld, das war eine Schadensbegrenzung für etwas, das viel tiefer ging als ein technischer Defekt. „Ich bin ein diskreter Mann, Henderson. Solange meine Fracht sicher ist.“

Zuletzt der Hafenmeister von New Atlantis: „Taro, Sie kommen mit schweren Triebwerken rein? Wegen der Lärmschutzauflagen und der thermischen Belastung der Landefelder gebe ich Ihnen ein Fenster von 09:00 bis 15:00 Uhr morgen. Vorher ist alles dicht.“

Ich schaltete das Tab aus. Wir saßen also fest. Mindestens für die nächsten zwölf Stunden.

„Sie sehen aus, als hätten Sie gerade die gesamte Bürokratie des Systems besiegt“, eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken.

Ich trat neben sie. „Nur die übliche Bürokratie. Versicherungen, Hafenmeister, Verleihfirmen. Das übliche Gezerre, wer für den Sprit bezahlt.“

Selene stand am großen Panoramafenster der Lounge. Sie hatte die Decke, die Marta ihr gegeben hatte, um die Schultern gelegt. Ihr Blick war starr nach draußen gerichtet, dorthin, wo mein Frachter auf dem Pad stand, das LeihShuttle immer noch wie ein Fremdkörper auf seinem Rücken festgekrallt.

Sie deutete nach draußen auf die DeLorean. „Ist es immer so? Dass man nach einer Beinahe-Katastrophe erst einmal Formulare ausfüllen muss, bevor man wieder sicher nach Hause darf?“

„Willkommen in der Realität der zivilisierten Raumfahrt“, sagte ich und lehnte mich gegen den kühlen Metallrahmen des Fensters. „In New Atlantis gibt es keine Helden, nur Logistikprotokolle. Wir haben ein Landefenster für morgen früh. Bis dahin sind wir Gäste der Gilde.“

Selene sah mich lange von der Seite an. Der schroffe Ton aus dem Shuttle war verflogen, und ich bemerkte, wie ihr analytischer Blick nun mich musterte – nicht mehr als Störfaktor, sondern mit einer wachsenden Neugier. „Sie haben das Shuttle da oben draufgesetzt, als wäre es eine Tasche, die man sich über die Schulter wirft. Woher kann ein Frachterpilot so etwas?“

„Miner-Schule“, antwortete ich kurz und blickte auf meine Hände. „Dort lernt man, dass man nicht gegen die Physik arbeitet, sondern mit ihr. Wir haben früher Stationsmodule huckepack transportiert, die deutlich unhandlicher waren als Ihr Shuttle.“

Sie deutete auf die DeLorean. „Es sieht... gewaltig aus. Wie das Shuttle da oben drauf sitzt. Ich habe mich im Cockpit gefragt, ob die Struktur das aushält. Ich bin zwar Pilotin, aber so ein Manöver lernt man nicht in der Ausbildung.“

Ich schaute ebenfalls hinaus. „Es ist eine Frage der Lastenverteilung. In meiner Zeit als Miner haben wir so Raumstationsmodule transportiert, die das Vierfache Ihres Shuttles wiegen. Man muss nur wissen, wo die Belastungspunkte der Hülle liegen. Die DeLorean hat einen verstärkten Rückenrahmen. Sie merkt das Shuttle kaum.“

Selene drehte den Kopf zu mir. Der Duft ihres Parfüms war hier, in der gefilterten Luft der Station, noch feiner. „Sie reden über Schiffe wie über... lebendige Wesen. Und Sie wussten genau, was Sie tun. Entschuldigen Sie meinen Tonfall vorhin. Es ist schwer, die Kontrolle abzugeben, wenn man für neun Menschen verantwortlich ist.“

„Schon vergessen, Professorin“, antwortete ich und lehnte mich gegen den Rahmen des Fensters. „In Ihrer Welt sind Daten und Proben das Wichtigste. In meiner Welt zählt nur, was am Ende des Tages noch atmet. Wir haben beide unseren Job gemacht.“

Zum ersten Mal sah ich ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen. Es war kein großes Strahlen, eher ein Zeichen von Erleichterung. „Nennen Sie mich Selene. Wenn wir schon die Nacht auf einer Erzraffinerie verbringen, können wir auf die Titel verzichten.“

Ich deutete mit dem Kinn nach links, weg von der DeLorean, auf eine Reihe massiver, modularer Stahlboxen, die ordentlich aufgereiht neben den Verladestutzen standen.

„Normalerweise parke ich den Frachter direkt dort drüben“, erklärte ich. „Die Container sind bereits vorsortiert. Wenn der Marktpreis für Nickel oder Platin stimmt, laden wir sie innerhalb von zwei Stunden voll und verschwinden. Aber mit Ihrem Shuttle huckepack... nun, wir würden die gesamte Ladeautomatik blockieren.“

Selene nickte langsam. „Es ist eine Welt aus Logistik und Timing. Alles scheint hier ineinanderzugreifen.“

„Muss es auch. Hier draußen verzeiht die Physik keine Fehler“, antwortete ich. Ich suchte am Horizont nach dem markanten Kraterrand, hinter dem das schwache Blinken eines Positionslichts zu sehen war. „Sehen Sie das Licht dort hinten? Das ist meine Mine. Sie ist klein, fast vollständig automatisiert. Ein paar Drohnen, ein Basis-Extraktor. Nichts im Vergleich zu Saschas Anlage, die weiter rechts steht, aber sie wirft genug ab, damit ich mir meine Freiheit leisten kann.“

„Deswegen sind Sie so schnell bei uns gewesen“, schlussfolgerte sie.

Ich schüttelte den Kopf. „Nicht ganz. Ich war eigentlich auf dem Rückweg vom Entladen und wäre nach dem Sprung hierher fast in Sie reingerauscht.“

Selene trat einen Schritt näher an das Fenster, ihre Spiegelung im Glas lag fast über meiner. „Eine eigene Mine und ein eigener Frachter. Sie sind sehr unabhängig, Taro.“

„Der Frachter gehört der Gilde“, korrigierte ich sie schmunzelnd. „Den könnte ich mir nie leisten. Aber ich konnte mir einen Jäger erarbeiten, der mich unabhängig macht. Unabhängigkeit ist das einzige Gut, für das es sich hier draußen zu arbeiten lohnt.“

Sie schwieg einen Moment und beobachtete, wie ein kleiner Wartungsroboter lautlos über das Landepad kroch. „Es ist seltsam“, sagte sie leise. „In der Stadt wirkt alles so sicher und geordnet. Aber hier oben, wenn man sieht, wie hart man um jedes Gramm Erz und jeden Atemzug Sauerstoff kämpfen muss... es verändert die Perspektive.“

„Das tut es immer“, erwiderte ich. „Morgen, wenn wir in New Atlantis landen, wird Ihnen die Luft dort viel zu süß und das Licht viel zu hell vorkommen. Genießen Sie die Ruhe hier, solange sie hält.“

„Hör auf, die Frau mit deinen Erzgeschichten zu langweilen, Taro. Sie hat heute genug Metall gesehen“, Martas Stimme hallte durch die Lounge, noch bevor sie um die Ecke bog. Sie balancierte zwei dampfende Tassen auf einem Tablett. „Du bist ein miserabler Gastgeber. Die Leute brauchen Wärme, keinen Vortrag über Ladeautomaten.“

Sie stellte die Tassen auf den niedrigen Tisch vor der Couch und warf mir einen vielsagenden Blick zu. „Vasco kümmert sich um die Kinder. Sie haben sich auf den Liegen im Schlafsack zusammengerollt. Dein Blechhaufen versucht gerade, ihnen etwas vorzulesen – ich glaube, es war Moby Dick.“

Ich musste unwillkürlich grinsen. Wenn sie wüsste, dass dieser „Blechhaufen“ nur von außen so aussah und im Inneren mehr Rechenkapazität besaß als die gesamte Verwaltung der Raffinerie. Aber Vasco wusste genau, was er tat. Er wählte die beruhigende Frequenz seiner Stimme, um das Trauma des Tages wegzuschieben.

Marta klopfte mir im Vorbeigehen kurz auf die Schulter und verschwand wieder in Richtung Kantine. „Trinkt den Tee. Er ist aus echten Kräutern, kein Synthetik-Dreck.“

Wir setzten uns auf die durchgesessene Couch. Der Tee war heiß und schmeckte nach Minze und Honig. Ich spürte, wie auch bei mir die Anspannung der letzten Stunden nachließ. Neben mir atmete Selene tief ein. Die Wärme der Tasse und der Tee schienen ihre Wirkung nicht zu verfehlen.

„Ein Vorleser-Roboter...“, murmelte sie erschöpft. „Ich glaube, meine Studenten werden morgen denken, sie hätten das alles nur geträumt.“

Ich nahm mein Tab zur Hand und öffnete mit einem kurzen Wischen den Status-Feed von Vasco. Auf dem kleinen Bildschirm sah ich die Wärmebilder aus dem Ruheraum: Neun gleichmäßige Signaturen, die ruhig atmeten. Vasco saß in der Mitte, die Lichter seines Sensorsystems auf ein Minimum gedimmt. Alles war sicher.

Selene sagte nichts mehr. Ihr Kopf wurde schwerer, bis er schließlich ganz sacht auf meine Schulter sank. Sie war einfach weg genickt, besiegt von der Erschöpfung des Tages. Der feine Duft ihres Parfüms war immer noch da, jetzt vermischt mit dem Aroma des Kräutertees.

Ich rührte mich nicht. Ich hielt das Tab in der Hand, beobachtete die Sensoren meines Schiffes und die Vital-werte der Gruppe, während draußen der Mond unter der fahlen Sonne lag. Für den Moment gab es keinen Jäger, keine Sabotage und keine Merrow-Tochter. Nur die Stille der Station und das gleichmäßige Atmen der Frau an meiner Seite.

Ich hielt das Tab in der Hand, die eine Hand an der warmen Tasse, während Selenes Kopf schwerer an meiner Schulter wurde. Ihr Atem ging jetzt ruhig und gleichmäßig.

Mit einer minimalen Fingerbewegung öffnete ich einen verschlüsselten Kanal zu Vascos internem Kern. Auf dem Bildschirm erschien keine Textnachricht, sondern ein schlichtes, blaues Icon, das pulsierte – Vascos Zeichen, dass er im Multitasking-Modus war.

„Vasco, Status der externen Sensorenlogs vom Vorfall im Orbit“, tippte ich lautlos.

Die Antwort kam sofort, während ich im Hintergrund leise seine Stimme aus dem Ruheraum hörte, wie er mit stoischer Ruhe das nächste Kapitel von Moby Dick einschlug: „Logs gesichert, Taro. Der Angreifer flog einen modifizierten Abfangjäger der Aegis-Klasse. Keine Kennung, zivile Transponder-ID gefälscht. Ich habe jedoch die spezifische Hitze-Signatur seiner Triebwerke und das Frequenzmuster seiner Bordkanonen isoliert.“

„Gut“, tippte ich. „Verschlüsseln und in den isolierten Speicher verschieben. Keine Kopie im Stations-Mainframe hinterlassen. Die Verleihfirma und die Justiz bekommen nur das, was für den Standardbericht nötig ist. Die Sabotage-Daten des Reaktors bleiben unter Verschluss, bis ich sage, dass wir sie nutzen.“

„Verstanden. Die Daten sind mit einem 256-Bit-Quantenschlüssel gesichert. Der Pilot war gut informiert, Taro. Zu gut für einen gewöhnlichen Piraten. aber den Reaktor stören konnte er nicht, das muss ein anderer gewesen sein.“

Ich starrte auf das Fenster. Ein Profi also oder die rechte Hand von Jemanden. Jemand, der keine Spuren hinterließ. Und wer auch immer in diesem Jäger saß, er hatte einen Plan verfolgt.

„Ich lese übrigens gerade das Kapitel über den weißen Wal“, fügte Vasco hinzu. „Die Herzfrequenzen der Studenten haben sich um durchschnittlich 12 Prozent gesenkt. Es scheint ihnen zu gefallen.“

Ich musste fast laut auflachen, unterdrückte es aber, um Selene nicht zu wecken. Mein „Blechhaufen“ war eben doch mehr als nur ein Lastenhelfer. Er war mein Archiv, mein Gedächtnis und mein sicherster Tresor.

Ich schaltete das Tab dunkel. Wir hatten noch keinen Namen, kein Gesicht zum Angreifer. Aber wir hatten seinen „Fingerabdruck“ in den Daten.

Ich lehnte meinen Kopf vorsichtig gegen das Polster der Couch. Morgen würde New Atlantis uns mit Fragen, Protokollen und verdeckten Drohungen empfangen. Aber heute Nacht, hier auf der staubigen Raffinerie, hatten wir alles unter Kontrolle.

Ein schrilles Piepen meines Tabs riss mich aus dem Halbschlaf. Ich blinzelte. Selene rührte sich an meiner Schulter, murmelte etwas Unverständliches und richtete sich langsam auf. Ihr Haar war zerzaust, und in ihren Augen lag noch die Benommenheit des tiefen Erschöpfungsschlafs.

„Guten Morgen“, krächzte ich. Meine Stimme war so trocken wie der Mondstaub draußen.

In der Lounge herrschte bereits gedämpfte Betriebsamkeit. Marta war schon wieder auf den Beinen und verteilte dampfende Becher. Als ich den ersten Schluck nahm, verzog ich unwillkürlich das Gesicht. Der Kaffee war schwarz, heiß und schmeckte nach verbranntem Getreide und Öl. Ein typisches Minen-Derivat – billig, funktional und weit entfernt von echtem Kaffeebohnen-Aroma. Ein Geschmack, den ich seit Jahren kannte, der Selene aber fast die Tränen in die Augen trieb.

„Ist das... Treibstoff?“, fragte sie leise, während sie vorsichtig an ihrem Becher nippte.

„Fast“, erwiderte ich. „Es hält dich wach, mehr verspricht Marta nicht.“

Wir sammelten die Studenten ein. Sie wirkten gefasster als gestern, auch wenn die Nacht auf den harten Pritschen Spuren hinterlassen hatte. Vasco führte sie bereits in Richtung der DeLorean.

Kurz vor der Luftschleuse hielt Selene inne. Sie blickte zurück zum Shuttle, das immer noch wie ein gestrandeter Wal auf dem Rücken meines Frachters hockte. „Taro... meine Kisten. Die Proben. Ich weiß, Sie sagten gestern, wir hätten keine Zeit, aber...“

Ich sah sie an und bemerkte die echte Sorge in ihrem Blick. „Hören Sie, Selene. Wir müssen das Zeitfenster des Hafenmeisters treffen. Aber ich verspreche Ihnen: Sobald wir sicher auf dem Landefeld in New Atlantis stehen, helfe ich Ihnen persönlich beim Ausladen. Wir lassen nichts zurück, was Ihnen wichtig ist.“

Ein kurzes Aufatmen. „Danke. Das bedeutet mir viel.“

Der Abflug verlief ohne Zwischenfälle. Die Triebwerke der DeLorean dröhnten tief, als wir uns vom Mond abstießen. Der Sprung war eine saubere Sache – kein Ruckeln, keine Verfolger.

Als wir aus dem Hyperraum austraten, änderte sich das Panorama schlagartig. Vor uns lag New Atlantis. Der Kontrast zum vernebelten Industrierand des Systems, wo wir gestern entladen hatten, war brutal. Der Planet strahlte in einem tiefen Blau und satten Grün, die Ozeane glitzerten im Licht der Zentralsonne.

Die Metropole selbst war ein Geflecht aus weißen Türmen und schwebenden Gärten, die bis in die obere Atmosphäre zu reichen schienen. Hier gab es keinen Staub, kein rostiges Metall und keinen künstlichen Kaffee. Alles wirkte wie aus einem Guss, poliert und unnatürlich perfekt.

„New Atlantis Control, hier Frachter DeLorean der Gilde mit Shuttle-Bergung im Schlepp. Erbitte Anflugvektor“, funkte ich.

„Verstanden, DeLorean“, kam die Antwort prompt. „Sie landen auf Pad 2, direkt vor der Werft. Halten Sie den Vektor. Wir erwarten Sie schon. Ein Empfangskomitee der Universität und der Hafensicherheit ist bereits informiert. So einen großen Frachter mit dieser Fracht landet hier auch nicht alle Tage.“

Der Lotse machte eine kurze Pause, dann fügte er mit professioneller Gelassenheit hinzu: „Wir bitten darum, Ihre Triebwerke nicht voll aufzudrehen. Sie bekommen thermischen Schub von unten, damit es in den Wohnsektoren nicht so laut wird. Achten Sie also penibel auf Ihre Sinkrate, Captain.“

Ich zog eine Augenbraue hoch. Damit hätte ich rechnen müssen. Ein moderner Raumhafen wie dieser bot andere Möglichkeiten als nur die rohe Kraft der eigenen Triebwerke. Während größere Schiffe normalerweise im Orbit blieben, nutzte man hier bodengestützte Repulsoren oder Thermik-Strahler, um schwere Pötte sanft auf den Boden zu drücken. Ein teurer Service, den man sich in der Stadt der Reichen eben leistete.

Ich warf einen Blick auf Selene. Sie sah nach Hause, ihre Augen suchten bereits die vertrauten Umrisse der Akademiebezirke. Doch ich sah die Arbeit, die uns bevorstand. Die Bürokratie und die Leute, die hinter dem Anschlag steckten, warteten dort unten in ihren sauberen, klimatisierten Büros auf uns. Hier wurde nicht mit Bordkanonen gekämpft, sondern mit Verträgen, Lügen und Schweigegeld.

„Vasco, Sinkrate überwachen“, wies ich meinen Begleiter an. „Wir wollen den feinen Herrschaften ja nicht den Rasen versengen.“

„Sinkrate stabil bei 4,2 Meter pro Sekunde, Taro. Die externen Schubfelder greifen bereits unter unseren Kiel. Es ist... eine sehr effiziente Art zu landen. Wenn auch etwas würdelos für ein Schiff dieser Größe.“

Ich schmunzelte grimmig. „Würde zahlt keine Rechnungen, Vasco. Bring uns runter.“

Die DeLorean setzte mit einer Sanftheit auf Pad 2 auf, die fast schon beleidigend für einen Frachter ihrer Klasse war. Die bodengestützten Schubfelder hatten uns die Arbeit abgenommen. Als das dumpfe Grollen der Triebwerke verstummte, blieb nur das leise Surren der herunterfahrenden Systeme.

Vasco hatte das Absenken der Landebeine und das Ausfahren der Rampe bereits eingeleitet. Mir blieb nur noch, das Schott zu öffnen. Das helle Licht von Alpha Centauri flutete in den Wohnbereich und vertrieb die künstliche Dämmerung der letzten Stunden.

Am Fuße der Rampe wartete bereits der Hafenmeister, ein Mann, dessen Gesicht so wettergegerbt war wie die Hüllen der Schiffe, die er einwies. Er deutete mit dem Daumen über die Schulter auf die massiven Verladekräne der Werft.

„Die großen Landeroboter sind gerade frei, Taro. Sollen wir das Shuttle schon runter nehmen?“, rief er gegen das Pfeifen der auskühlenden Aggregate an.

„Nur, wenn Sie mir garantieren können, dass es danach weiter gesperrt bleibt“, gab ich zurück, während ich die Rampe hinunter trat. „Geld gegen Ware, Sie kennen das Spiel. Erst wenn das Geld eingegangen ist, gebe ich es offiziell frei.“

Der Hafenmeister grinste schief und machte sich eine Notiz auf seinem Tab. „Alles klar, so machen wir es. Aber erst das Personal raus. Wenn die Großen mit den Magnetkrallen anrücken, darf keiner mehr in der Nähe sein.“

Ich nickte und gab der Gruppe das Zeichen zum Aussteigen. Die Studenten bewegten sich wie in Trance Richtung Sicherheitskontrolle, während oben auf den Besucherplattformen bereits die Unruhe der Angehörigen und Offiziellen zu spüren war.

In der Schleuse zur Sicherheitskontrolle staute es sich kurz. Wir wurden alle durchgecheckt – Standardprozedur für Ankünfte aus dem Außensektor. Einer der leitenden Sicherheitsbeamten, ein bulliger Typ mit dem Abzeichen der Hafengarde, kam grinsend auf mich zu.

„Na, Taro? Wieder einen dicken Fang gemacht?“, fragte er laut und klopfte mir mit einer Vertrautheit auf die Schulter, die man nicht gegenüber einem gewöhnlichen Frachterpilot an den Tag legte.

Ich spürte sofort Selenes Blick in meinem Rücken. Sie stand nur einen Schritt hinter mir, die Hände fest um den Riemen ihrer Tasche geschlossen. Ihre Augen verengten sich kurz – sie war stutzig geworden. Dieser Kommentar passte nicht zum Bild des einsamen Miners, der zufällig zur Rettung geeilt war.

„Nur ein Abschleppdienst, Meyer. Reine Routine“, wiegelte ich ab, aber der Beamte lachte nur und zwinkerte mir zu, bevor er uns durchwinkte.

Draußen vor der schweren Panzertür der Hafenkontrolle war die Welt zweigeteilt. Nur die engsten Angehörigen durften direkt auf das Vorfeld. Ich erkannte sofort das Politiker-Ehepaar Merrow – sie standen steif und mit versteinerter Miene da, während ihre Tochter aus der Gruppe der Studenten auf sie zulief. Alle anderen Offiziellen, Presseleute und Neugierigen wurden hinter den Absperrungen der VIP-Lounge gehalten. Sie mussten warten, bis die Gruppe offiziell entlassen wurde.

Ich sah zu Selene. Der Moment der Ruhe auf dem Mond war vorbei. Hier, unter dem strahlenden Licht der Metropole, fingen die Komplikationen gerade erst an.

Während die Studenten von Sanitätern und aufgeregten Eltern in Empfang genommen wurden, machte ich auf dem Absatz kehrt. Dr. Aris, der Uni-Vertreter, wollte mir gerade folgen, doch ich stoppte ihn mit einem Blick.

„Die Professorin und ich haben noch etwas zu erledigen“, sagte ich knapp. „Vasco, fahr die Hebebühne an das Shuttle-Heck.“

Wir gingen zurück zur DeLorean. Die Luft auf dem Pad vibrierte noch immer von der Hitze der bodengestützten Repulsoren. Selene wirkte sichtlich erleichtert, dem Trubel der offiziellen Begrüßung für einen Moment entkommen zu sein.

„Sie müssen das nicht tun, Taro“, sagte sie, während wir die Rampe hochstiegen. „Sie haben uns schon das Leben gerettet. Den Rest könnte auch ein Ladeteam übernehmen.“

„Ein Ladeteam würde diese Kisten wie Standardfracht behandeln“, antwortete ich und aktivierte die manuelle Entriegelung der Shuttle-Luken. „Und wir beide wissen, dass darin mehr steckt als nur Steine und Blätter. Außerdem habe ich es versprochen.“

Ich wuchtete die erste der massiven Metallkisten auf die Hebebühne. Selene packte mit an. Sie war keine zierliche Akademikerin, die sich die Hände nicht schmutzig machen wollte – sie wusste, wie man zupackt. In diesem Moment, zwischen dem Ölgeruch des Frachters und dem sterilen Licht des Hafens, wirkten wir wie ein eingespieltes Team.

„Vorsicht mit der hier“, mahnte sie bei der dritten Kiste. „Das sind die Bodenproben vom Rand des Systems. Wenn die Erschütterungssensoren auslösen, sind die Daten für das Semesterprojekt im Eimer.“

„Keine Sorge. Vasco hält die Plattform so ruhig, als würde sie schweben“, erwiderte ich.

Während wir arbeiteten, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, wie der Sicherheitsbeamte Meyer und Dr. Aris am Rand des Pads standen und tuschelten. Sie schauten immer wieder zu uns rüber. Aris wirkte nervös, Meyer eher amüsiert.

„Sie beobachten uns“, flüsterte Selene, während sie ein Etikett auf einer der Kisten glattstrich.

„Sollen sie nur“, brummte ich. „Die wundern sich, warum ein Gilden-Pilot sich für ein paar Forschungskisten den Rücken krumm macht. Die verstehen nicht, dass Professionalität bedeutet, einen Auftrag bis zum Ende durchzuziehen. Und Ihr Ende ist erst erreicht, wenn diese Proben in Ihrem Labor stehen.“

Als die letzte Kiste auf dem Transporter des Hafens stand, hielt Selene inne. Sie wischte sich eine Strähne aus der Stirn und sah mich an. Der Kontrast war perfekt: Sie, gezeichnet von der Erschöpfung und dem Staub des Einsatzes, aber mit einer neuen Festigkeit in den Augen.

„Danke, Taro. Wirklich“, sagte sie leise.

„Gern geschehen, Selene. Jetzt gehen Sie zu Ihren Leuten. Ich muss noch ein paar unangenehme Gespräche mit dem Hafenmeister führen, damit Henderson von der Verleihfirma nicht denkt, er käme mit seinem billigen Schweigegeld-Angebot durch.“

Sie lächelte kurz – ein echtes, müdes Lächeln. „Passen Sie auf sich auf. Wir sehen uns beim offiziellen Debriefing?“

„Verlassen Sie sich drauf“, sagte ich. Ich sah ihr nach, wie sie den Kistentransport Richtung Institut begleitete.

Dann drehte ich mich um. Meyer kam auf mich zu, das Grinsen immer noch im Gesicht. „So, Taro. Jetzt, wo die Dame weg ist... willst du mir mal erzählen, was du da wirklich aus dem Orbit gefischt hast? Das war kein normale Reaktor-Glitch, oder?“

Ich holte tief Luft. Das Spiel in New Atlantis hatte offiziell begonnen.

„Deine Nase trügt dich nicht, Meyer“, sagte ich leise, während wir nebeneinander Richtung Hauptgebäude gingen. „Da ist mehr drin, als es bisher aussieht. Aber im Moment habe ich nichts als Vermutungen ohne Belege. Lass mich erst mal weiter recherchieren. Wenn ich handfeste Fakten habe, sag ich dir Bescheid. Ich weiß ja selbst noch nicht mal, wie weit das Ganze reicht.“

Meyer nickte verstehend. Er kannte den Dienstweg und er wusste, dass meine Informationen meistens eine Abkürzung bedeuteten, die ihm später Ärger ersparte. „Alles klar, Taro. Ich halte die offiziellen Berichte erst mal flach. Aber lass mich nicht zu lange hängen.“

Wir betraten das Sicherheitsgebäude. Hier drinnen war die Atmosphäre eine andere. Der Lärm des Hafens war hinter den dicken Panzerschotten verstummt. Während die Presse und die Neugierigen draußen auf dem Vorplatz bleiben mussten, wurden die engsten Angehörigen in die privaten Empfangszimmer geführt.

Ich nutzte den Moment, als die Gruppe der Studenten zur abschließenden medizinischen Sichtung geführt wurde. Das Politiker-Ehepaar Merrow stand etwas abseits in einer Nische, geschützt vor den Blicken der anderen Eltern. Sie wirkten wie eine unnahbare Einheit aus dunklen Stoffen und kontrollierter Mimik.

Ich trat auf sie zu. Der Sicherheitsdienst wollte mich aufhalten, doch ein kurzer Blick vom Merrow-Senior genügte, damit sie zur Seite traten.

„Captain Taro“, sagte er mit einer Stimme, die es gewohnt war, Räume zu füllen. „Man sagte uns, Sie wären derjenige, dem wir das Leben unserer Tochter verdanken.“

„Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, antwortete ich neutral. Ich suchte keinen Platz in ihren Memoiren. Ich trat einen Schritt näher, sodass unsere Stimmen unter dem Surren der Klimaanlage begraben wurden. „Wir sollten über die Daten sprechen. Ich habe Sensorlogs, die über einen technischen Defekt hinausgehen. Mein Schiff hat Dinge aufgezeichnet, die in den offiziellen Berichten der Universität vermutlich... verloren gehen könnten.“

Das Ehepaar tauschte einen schnellen, wortlosen Blick. Sie verstanden sofort. In ihrer Welt waren Informationen die härteste Währung.

„Unser Familienanwalt wird die Daten persönlich bei Ihnen abholen“, sagte die Frau leise, aber bestimmt. „Er ist diskret und loyal. Wir werden dafür sorgen, dass diese Daten an die richtige Stelle gelangen, ohne dass die Öffentlichkeit – oder unsere politischen Gegner – Wind davon bekommen, bevor wir bereit sind.“

„Noch zwei Dinge“, fügte ich hinzu, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ein Vizechef der Verleihfirma bat mich bereits um Diskretion wegen des Ausfalls und bot mir ein doppeltes Honorar an. Und: Der Jägerpilot wusste von Ort und Zeit der Expedition – und von der Anwesenheit Ihrer Tochter. Alles Weitere können Sie den Logs entnehmen.“

Merrow trat einen Schritt auf mich zu, als wollte er mir die Hand schütteln. Doch statt eines Händedrucks spürte ich, wie er mir einen kleinen, schweren Gegenstand zuschob. Ein Kreditstick, kühl und metallisch, mit dem eingravierten Familienwappen der Merrows. Ein „Dankeschön“, das weit über die übliche Bergungsprämie hinausging.

„Wir bleiben in Kontakt, dessen können Sie gewiss sein“, sagte er mit einer Ernsthaftigkeit, die keine Widerrede duldete.

Ich ließ den Stick mit einer fließenden Bewegung in meinem Ärmel verschwinden und verstaute ihn in der Innentasche meines Overalls, ohne den Blick von ihm abzuwenden. Es war eine Bewegung, die so beiläufig und professionell war, dass kein Umstehender sie bemerkt hätte.

Doch ich sah das kurze Aufblitzen in den Augen der Ehefrau. Sie hatte es gesehen. In diesem Moment erkannte sie, dass sie es nicht mit einem einfachen Frachtpiloten zu tun hatte, sondern mit jemandem, der die Regeln ihres Spiels kannte – und sie beherrschte.

„Wir bleiben in Kontakt, Captain“, wiederholte sie mit einem kaum merklichen Kopfnicken.

Ich nickte nur kurz zurück. Ich hatte mein Ziel erreicht. Die Daten waren bei den Merrows besser aufgehoben als bei der korrupten Hafenbürokratie, und mein Konto würde für eine sehr lange Zeit keine Sorgen mehr machen.

Ich trat aus dem klimatisierten Trakt des Sicherheitsgebäudes zurück in die zentrale Ankunftshalle. Die Studenten standen dort in einer lockeren Gruppe, immer noch ein wenig blass, aber sichtlich erleichtert, festen Boden unter den Füßen zu haben. Selene stand bei ihnen und hörte zu, wie sie aufgeregt durcheinanderredeten.

Als sie mich kommen sahen, wurde es kurz ruhig. Ich wollte eigentlich nur ein kurzes Nicken zur Verabschiedung dalassen und dann verschwinden. Doch eine der Studentinnen – diejenige, die auf dem Mond am meisten mit der Kälte gekämpft hatte – trat vor und grinste mich an.

„Hört mal“, sagte sie in die Runde und ihre Augen blitzten unternehmungslustig. „Wie wäre es, wenn wir uns erkenntlich zeigen und Captain Ahab hier zu Luigi einladen?“ Sie wandte sich direkt an mich. „Also, heute Abend bei Luigi. Was sagen Sie, Captain? Sie sehen aus, als könnten Sie eine Pasta vertragen, die nicht aus einer Tube kommt.“

„Captain Ahab?“, wiederholte ich schmunzelnd. „Ich hoffe, das bedeutet nicht, dass ich am Ende von einem Wal gejagt werde.“

Selene sah mich abwartend an, ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Ich wusste, dass ich eigentlich zurück zu meinem Schiff und unter die Dusche sollte, aber der Gedanke an echtes Essen und eine Runde, in der nicht gelogen wurde, war zu verlockend.

„Abgemacht“, sagte ich. „Heute Abend bei Luigi. Aber wehe, der Wein schmeckt nach Raketentreibstoff.“

Ein kurzes Jubeln ging durch die Gruppe. „Keine Sorge, Captain“, rief einer der Jungs. „Luigi ist der einzige Ort in New Atlantis, an dem die Tomaten noch echte Sonne gesehen haben. Und er hat noch einiges mehr zu bieten“, fügte er mit einem vielsagenden Blick hinzu, der verriet, dass es dort vermutlich auch Getränke gab, die in keinem offiziellen Ernährungsplan der Universität vorkamen.

„Abgemacht“, sagte ich. „Heute Abend bei Luigi.“

Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zurück zu Pad 2. Der Weg über das Rollfeld war lang, und die Mittagssonne von Alpha Centauri brannte gnadenlos auf den Beton, während die Luft über dem Pad vor Hitze flimmerte.

Als ich die Rampe der DeLorean hochging, kam mir Vasco bereits entgegen. Sein optischer Sensor leuchtete im ruhigen Standby-Blau.

„Taro, das Shuttle ist fertig entladen und gesichert. Niemand bekommt Zutritt“, berichtete er mit seiner gewohnt emotionslosen Präzision. „Der Hafenmeister will wissen, wie lange wir bleiben, wegen des Zeitfensters für schwere Triebwerke beim Abflug.“

Ich warf meinen verschwitzten schmutzigen Overall in die Reinigungsluke und spürte, wie die kühle, gefilterte Luft des Schiffes mich empfing. „Informiere den Hafenmeister, dass wir eine komplette Wartung der Triebwerksgondeln und eine Neukalibrierung der Schilde ordern. Wir bleiben noch einen Tag länger.“

Ich hielt kurz inne und sah zu Vasco auf. „Und noch etwas: Ein Familienanwalt der Merrows wird sich melden, um die Sensorlogs persönlich abzuholen. Gib ihm den Zugang, sobald er sich identifiziert hat. Alles muss absolut diskret ablaufen.“

„Wartung ist angefordert. Und der Datentransfer wird isoliert vorbereitet“, antwortete Vasco. „Darf ich dennoch fragen, warum wir die große Wartung jetzt durchführen? Die Systeme liegen noch weit innerhalb der Toleranzwerte.“

Ich trat ans Cockpitfenster und sah auf die glitzernde Skyline von New Atlantis, die sich wie ein Versprechen aus Glas und Stahl vor mir ausdehnte. „Weil wir hier noch nicht fertig sind, Vasco. Und weil ich heute Abend bei einem gewissen Luigi bin. Wir brauchen eine gute Ausrede, warum wir noch am Dock hängen, falls jemand unbequeme Fragen stellt.“

„Verstanden, Taro. Ich werde Luigi in meine Datenbank aufnehmen. Ich nehme an, es handelt sich um ein Etablissement für organische Nahrungsaufnahme.“

„Genau das, Vasco“, sagte ich und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Genau das.“

Ich war gerade dabei, mir einen frischen Arbeits-Overall hochzuziehen, als ein metallisches Klopfen an der offenen Schleuse ertönte. Ich drehte mich um, den Reißverschluss erst halb geschlossen.

Selene stand im Türrahmen. Sie trug immer noch ihre Expeditionskleidung, die vom Staub des Mondes gezeichnet war, und ihre Haare waren nach dem Stress der Landung nur flüchtig zusammengebunden. Sie sah mich mit einem prüfenden Blick an.

„Oh, ich wollte nicht stören“, sagte sie, aber sie blieb stehen. „Aber ich wollte fragen, was jetzt deine Pläne sind. Ich könnte mir vorstellen, dass du nicht den blassesten Schimmer hast, was und wo ‚Luigi‘ ist?“

Ich hielt inne und musste unwillkürlich grinsen. „Erwischt. Ich wollte eigentlich im Touristenbereich des Hafens schauen, ob ich mir ein paar Zivilsachen kaufen kann. Mein Kleiderschrank hier besteht aus Overalls in drei verschiedenen Grautönen.“

Selene schüttelte den Kopf und trat einen Schritt in das Schiff. Ihr Blick blieb an der schmalen, harten Schlafkoje hängen, die in die Wand eingelassen war. „Vergiss den Hafen-Distrikt. Da zahlst du das Dreifache für Touristen-Müll aus Synthetik. Ich kenne bessere Geschäfte im Campusdistrikt, wo ich wohne. Das ist ohnehin mein Weg.“

Sie machte eine Pause und sah dann von der Koje wieder zu mir. „Ich habe die Liege hier im Frachter gesehen, Taro. Bequem zu schlafen geht da sicher nicht. Und nach dem Tag heute...“ Sie wirkte fast ein wenig verlegen, aber ihre Stimme blieb bestimmt. „Ich biete mich als Fremdenführer an. Betrachte es als meine Art, danke zu sagen. Wir fahren zu meiner Wohnung. Mein Bad hat fließendes Wasser, das nicht nach Recycling-Filter schmeckt. Ich muss mich selbst erst mal wieder wie ein Mensch fühlen. Du kannst dich dort in Ruhe fertig machen, wir besorgen dir was Vernünftiges zum Anziehen und gehen danach zu Luigi.“

Sie deutete auf die Koje. „Ich habe ein Gästebett, das den Namen verdient. Ich glaube kaum, dass du hier auf dieser Metallplatte eine erholsame Nacht hättest.“

Ich sah zu Vasco, der im Hintergrund reglos verharrte, und dann zurück zu Selene. Die Einladung war ehrlich und pragmatisch – genau wie sie.

„Ein Bad, das nicht nach Filter riecht?“, wiederholte ich. „Das ist das beste Angebot, das ich seit dem Verlassen des Sol-Systems bekommen habe. Ich schließe nur kurz die Systeme ab.“

Vasco gab ein kurzes, mechanisches Klicken von sich. „Ich werde die Triebwerkswartung hier vor Ort überwachen, Taro. Und ich werde dein Com-Link im Auge behalten, falls der Anwalt der Merrows eintrifft, während du die... Vorzüge einer stationären Schlafeinrichtung genießt.“

„Tu das, Vasco“, brummte ich, griff nach einer Tasche für meine Habseligkeiten und folgte Selene die Rampe hinunter.

Wir ließen den Lärm des Hafens hinter uns und stiegen in die Magnetschwebebahn. Während die Bahn fast lautlos beschleunigte, klebten wir beide am Fenster. Der Anblick von New Atlantis war berauschend, wenn man gerade erst aus dem grauen Ödland der Monde kam.

Unter uns zogen die hängenden Gärten vorbei, Parks, in denen echte Bäume wuchsen und künstliche Bachläufe glitzerten. Es war eine Welt, die so weit weg von der DeLorean war, wie man es sich nur vorstellen konnte. Selene lehnte den Kopf gegen die Scheibe und schloss für einen Moment die Augen.

„Gleich sind wir da“, murmelte sie. „Nur noch zwei Stationen.“

Der Campusdistrikt war eine eigene Welt. Überall sah man junge Menschen, die auf den weitläufigen Wiesen saßen, auf Bänken diskutierten oder an Springbrunnen vorbeieilten. Es war ein Ort der Ausbildung für die Elite der umliegenden Systeme, sauber, friedlich und voller Energie.

Bevor wir zu ihrer Wohnung gingen, steuerte Selene ein Geschäft an, das sich hauptsächlich an Studenten orientierte. Dank ihrer Hilfe fand ich zwischen den modischen Schnitten tatsächlich etwas Passendes: eine leichte Hose und ein Hemd, die deutlich besser zu den milden Temperaturen von New Atlantis passten als meine schweren Overalls.

Während ich in der Kabine stand, raschelte plötzlich der Vorhang. Selene reichte mir überraschenderweise einen ganzen Stapel durch den Spalt.

„Hier, such dir was aus“, sagte sie mit einem unterdrückten Lachen in der Stimme. „Ich wusste nicht, ob du eher der Typ für klassische Boxershorts oder diese engen Sport-Teile bist. Alles ist besser als das, was du da drunter trägst.“

Ich starrte auf die Auswahl an verschiedenen Schnitten und Farben. Hatte sie etwa gesehen, dass ich unter meinem Overall noch die Funktionsunterkleidung trug? Die schweren Teile mit den integrierten Schläuchen, Sensoren und Kühlkanälen waren für lange Einsätze im Raumanzug überlebenswichtig, aber unter ziviler Kleidung waren sie klobig, heiß und völlig deplatziert. Sie hatte mich buchstäblich durchschaut.

„Die Sport-Teile sind wahrscheinlich sicherer, falls ich mal rennen muss“, murmelte ich eher zu mir selbst, während ich mir ein Paar herausfischte.

„Ich hab dich gehört, Taro!“, rief sie von draußen amüsiert. „Nimm einfach, was nicht kneift.“

Nach dem Einkauf führte sie mich zu einem modernen Apartmentkomplex, der direkt an einen kleinen Park grenzte. Im Erdgeschoss befand sich eine einladende Cafeteria, aus der der Duft von frisch geröstetem – echtem – Kaffee drang. „Hier ist es. Zwölfter Stock.“

Als Selene die Tür zu ihrer Wohnung öffnete, schlug mir der Geruch von Parfüm, getrockneten Kräutern und sauberem Holz entgegen. Doch was mich am meisten überraschte, war der Ausblick. Die bodennahen Fenster gaben den Blick frei über die gesamte Stadt bis hin zum glitzernden Ozean am Horizont. Nach den engen Sichtluken der DeLorean wirkte dieser Raum fast grenzenlos. Man fühlte sich nicht wie in einer Kiste, sondern wie auf dem Dach der Welt.

„Die Dusche ist dort hinten links“, sagte sie und warf ihren Schlüssel in eine kleine Schale im Flur. „Es gibt genug Handtücher. Geh du zuerst, ich muss ohnehin erst mal meine Nachrichten am Terminal checken. Und Taro?“

Ich blieb im Flur stehen und sah sie an.

„Keine Sorge wegen der Zeit. Luigi macht erst in zwei Stunden auf. Wir haben alle Zeit der Welt, um wieder wie Menschen auszusehen.“

Ich nickte, griff nach meiner neuen Kleidung – inklusive der Auswahl an Wäsche – und verschwand im Bad. Als das erste heiße Wasser über meine Schultern lief – echtes, frisches Wasser, kein aufbereitetes Kondensat – spürte ich, wie die Anspannung der letzten Tage langsam von mir abfiel. Seit langem fühlte sich die Haut unter dem Wasserstrahl nicht nach einer Komponente eines Lebenserhaltungssystems an, sondern einfach nur nach mir.

Ich trat aus der Dusche und schlüpfte in die neuen Sachen. Die Sport-Unterwäsche saß perfekt – keine Schläuche, kein Druck, nur weicher Stoff. Das Hemd fühlte sich ungewohnt leicht auf meinen Schultern an.

Als ich den Flur betrat, war die Wohnung in das goldene Licht der untergehenden Zentralsonne getaucht. Selene saß an ihrem Terminal, das bläuliche Licht des Bildschirms spiegelte sich in ihrer Brille. Sie hatte die Beine hochgezogen und starrte konzentriert auf die Datenzeilen.

„Dein Bad hat mich ruiniert“, sagte ich leise, während ich mir die Ärmel des Hemdes hochkrempelte. „Ich werde es schwer haben, jemals wieder mit gutem Gewissen in die Borddusche der DeLorean zu steigen. Man vergisst da draußen schnell, wie sich echtes Wasser anfühlt.“

Sie drehte sich langsam zu mir um. Ihr Blick wanderte an mir hoch, blieb einen Moment an meinen Schultern hängen und kehrte dann zu meinem Gesicht zurück. Ein schmales, wissendes Lächeln erschien auf ihren Lippen. Die klinische Distanz der Professorin war endgültig verschwunden.

„Es steht dir gut, Taro. Du siehst... weniger nach einer Gefahr für die öffentliche Ordnung aus“, erwiderte sie, während sie das Terminal mit einer schnellen Geste sperrte. „Man vergisst oft, dass unter den ganzen Schichten aus Kevlar und Schläuchen auch noch ein Mensch steckt.“

Sie stand auf und trat auf mich zu. In der Enge des Flurs war ihr Duft jetzt deutlicher, eine Mischung aus Jasmin und dem Papier ihrer Bücher.

„Ich springe jetzt selbst kurz unter die Dusche. Schenk dir einen Drink ein, die Bar steht dort beim Fenster. Und Taro...“, sie hielt kurz inne und sah mir direkt in die Augen, „... rühr die Forschungsnotizen nicht an. Die sind streng geheim.“

Sie zwinkerte mir zu, während sie an mir vorbeiging, wobei ihre Schulter ganz leicht meine berührte. Ein flüchtiger Moment, der die Luft im Raum merklich auflud.

Nach einem Drink war mir gerade nicht. Ich brauchte keinen Whiskey, um meine Sinne zu betäuben; die waren durch die saubere Luft und das fehlende Dröhnen der Reaktoren ohnehin schon im Ausnahmezustand.

Ich ging stattdessen in die Küche. Sie war funktional, aber gemütlich, mit einer Arbeitsplatte aus echtem Stein. In der Kühlung fand ich eine Flasche mit einem Extrakt aus exotischen Früchten – kein künstliches Aroma, sondern etwas, das nach echter Ernte schmeckte.

Auch von hier aus war der Ausblick phänomenal. Ein kleiner Balkon schloss sich an die Küche an, gerade groß genug für eine bequeme Liege. Ich trat hinaus. Die Luft hier oben im zwölften Stock war noch reiner, ein sanfter Wind trug den Duft der fernen Parks herauf. Ich lehnte mich gegen das Geländer und sah zu, wie die Lichter von New Atlantis unter mir zum Leben erwachten. Es war friedlich, fast schon surreal, wenn man bedachte, dass ich vor wenigen Stunden noch in einem Wrack auf einem toten Mond gestanden hatte.

Nach einer Weile hörte ich, wie das Wasser im Bad verstummte. Wenig später trat Selene in die Küche. Sie hatte sich umgezogen – ein schlichtes, aber elegantes Kleid, das ihre Züge weicher erscheinen ließ als die steife Expeditionskluft. Ihr Haar war noch leicht feucht.

„Bereit?“, fragte sie und lächelte. „Wir haben noch etwas Zeit, bevor wir bei Luigi sein müssen. Ich möchte dir noch etwas zeigen. Es gibt einen Park hier im Viertel, den du sehen musst, wenn du schon mal hier bist.“

Wir verließen das Apartment und schlenderten durch die ruhigen Gassen des Campusdistrikts. Selene führte mich zu einer Anlage, die tiefer lag als die umliegenden Gebäude. Als wir eintraten, veränderte sich die Atmosphäre sofort. Ein feiner, kühler Wassernebel lag in der Luft, der das Licht der Straßenlaternen in sanften Regenbogenfarben brach.

In regelmäßigen Abständen wechselten die Farben von einem warmen Gold zu einem tiefen, beruhigenden Blau. Aus versteckten Lautsprechern – oder vielleicht war es auch die Akustik der Architektur selbst – drangen sphärische Klänge, die sich perfekt mit dem Rauschen kleiner Wasserfälle mischten.

„Das ist der Resonanz-Garten“, flüsterte sie. „Die Studenten kommen her, um den Stress der Prüfungen zu vergessen. Und ich komme her, wenn mir die Welt da draußen zu laut wird.“

Wir blieben einen Moment schweigend stehen. Der Nebel auf der Haut und die sanften Klänge ließen die letzten Reste der Anspannung in meinen Schultern verschwinden. Es war kein Ort für einen Spacer, aber in diesem Moment fühlte es sich genau richtig an.

„Komm“, sagte sie schließlich leise und legte ihre Hand kurz auf meinen Arm. „Luigi wartet. Und ich wette, du hast Hunger für zwei.“

Luigi’s war keine gewöhnliche Pizzeria, wie der Name es vermuten ließ. Es war ein hybrider Ort, typisch für die Architektur der Zukunft. Der vordere Bereich war durch ein unsichtbares, aber hocheffizientes Schallfeld isoliert. Hier herrschte die gemütliche Atmosphäre eines Cafés und Restaurants, in dem man sich bei exzellentem Essen unterhalten konnte.

Wir trafen die Studenten an einem langen Holztisch. Die Stimmung war gelöst, das Trauma des Absturzes schien für den Moment hinter einer Wand aus Gelächter und dampfender Pasta verschwunden zu sein. Ich genoss das Essen – echte Zutaten, perfekt gewürzt –, hielt mich aber konsequent an Wasser und Saft. Ich spürte, wie die Müdigkeit der letzten Tage langsam in meine Glieder kroch. Die Anstrengungen der Rettung, der Schlafmangel und das Adrenalin forderten nun ihren Tribut. Meine Reflexe wurden schwerer, mein Körper verlangte nach Ruhe.

„Du siehst aus, als würdest du gleich im Sitzen einschlafen, Ahab“, neckte mich die Studentin von vorhin.

„Ich bin nur im Energiesparmodus“, entgegnete ich mit einem müden Lächeln.

Nach dem Essen stand Selene auf. „Komm mit nach hinten. Nur für einen Moment. Das wird dich wachrütteln.“

Sie führte mich durch eine schwere Doppeltür in den hinteren Saal. Sofort schlug uns eine Welle aus hämmernden Beats und vibrierenden Bässen entgegen. Die Musik war so laut, dass man sein eigenes Wort nicht verstanden hätte. Doch bevor wir die Tanzfläche betraten, hielt Selene inne.

Sie nahm zwei kleine, transparente Knöpfe aus einer Dose am Eingang. Mit einer sicheren Bewegung trat sie nah an mich heran und klebte mir einen davon direkt hinter das linke Ohr. Dann tat sie dasselbe bei sich selbst. Sie war so dicht vor mir das ich ihr direkt in die Augen schauen musste. Sie bemerkte mein Blick schlug die Augen kurz nieder und lächelte, machte aber nach einer kurzem zögern doch ein schritt zurück

„Kannst du mich hören?“, erklang ihre Stimme plötzlich glasklar in meinem Kopf, als stünde sie direkt neben meiner Seele.

Der Effekt war verblüffend. Der Lärm der Musik war immer noch als körperliches Beben in meiner Brust zu spüren, aber Selenes Stimme war absolut isoliert, ein direkter Draht zwischen uns.

„Glasklar“, antwortete ich gedanklich, oder zumindest flüsterte ich es kaum hörbar, und wusste, dass sie mich verstand.

„Das ist ein Nahbereichs-Audio-Link“, erklärte sie mir im Kopf, während wir uns langsam in die Menge schoben. „Die Musik bleibt draußen, aber wir bleiben verbunden. Man kann hier tanzen, ohne die Fähigkeit zu verlieren, dem anderen Geheimnisse zu verraten.“

Wir bewegten uns im Takt der sphärischen Klänge, die hier im Saal viel aggressiver und treibender waren als im Park. In der Dunkelheit, nur von blitzenden Neonröhren unterbrochen, fühlte es sich an, als wären wir die einzigen zwei Menschen in diesem Raum, die wirklich miteinander sprachen.

Wir traten auf die Tanzfläche. Natürlich konnte ich tanzen, aber was die anderen hier zeigten, hatte ich so noch nie gesehen. Es gab keine festen Schritte, kein Schema. Jeder bewegte sich so, wie er es fühlte, völlig losgelöst von Konventionen. Selbst Selene hatte nun die Augen geschlossen. Sie wiegte sich im Rhythmus der Musik, ihre Bewegungen waren fließend, fast hypnotisch.

Es faszinierte mich so sehr, dass ich für einen Moment alles andere vergaß und sie einfach nur ansah. „Einfach wunderschön“, schoss es mir durch den Kopf.

Im nächsten Moment zuckte ich zusammen. Hatte ich das nur gedacht oder tatsächlich ausgesprochen? Der Audio-Link machte keinen Unterschied zwischen einem Flüstern und einem festen Gedanken, wenn das Mikrofon aktiv war.

Selene öffnete die Augen. Sie sah mich an, kam wieder dichter an mich heran – noch dichter als vorhin, so nah, dass ich die Wärme ihres Körpers spüren konnte. Sie schaute mir tief in die Augen, ein Blick, der bis in den hintersten Winkel meiner Seele zu reichen schien.

„Danke“, flüsterte sie durch den Link, während ihre Lippen nur Zentimeter von meinem Hals entfernt waren.

Dann lachte sie laut auf, ein befreites, ehrliches Lachen, und zog mich mit neuer Energie tiefer auf die Tanzfläche. Wir tanzten, bis der Schweiß uns auf der Stirn stand und die Welt nur noch aus Lichtblitzen und Selenes Stimme bestand.

„Du siehst müde aus, Taro“, flüsterte sie mir schließlich direkt in den Gehörgang, während ihr Körper im Rhythmus der Musik ganz nah an meinem blieb. „Ich spüre es. Lass uns noch einen Moment diesen Rausch genießen, und dann bringe ich dich zurück. Du hast dir dieses Bett verdient.“

Ich sah in ihre Augen, die im künstlichen Licht violett schimmerten. Die Müdigkeit war da, schwer und fordernd, aber die Verbindung zu ihr durch diesen kleinen Knopf hinter dem Ohr war gerade das Aufregendste, was ich seit Jahren erlebt hatte. Inmitten von Hunderten von Menschen waren wir allein in unserem eigenen, privaten Kanal.

„Du müsstest mal in den Spiegel schauen“, flüsterte ich durch den Audio-Link zurück, während wir uns im Rhythmus wiegten. „Deine Augen sagen, glaube ich, gerade das Gleiche.“

Sie kam wieder dicht ran, so nah, dass uns erneut nur Zentimeter trennten. „Soso, ist das so?“, raunte sie, und ich konnte das Amüsieren in ihrer Stimme spüren. „Sagen meine Augen das Gleiche?“

Wieder lachte sie ihr helles Lachen, doch diesmal zog sie mich endgültig in Richtung Ausgang. Wir verabschiedeten uns kurz von den Studenten, die lautstark protestierten, aber Selene blieb unnachgiebig. Wir schlenderten zurück, am Lichtgarten vorbei, der nun in einem tiefen, schlummernden Violett leuchtete, bis wir schließlich wieder im Apartment standen. Die Stille der Wohnung legte sich wie eine schwere Decke über uns.

„So“, sagte ich und unterdrückte ein Gähnen. „Wo ist jetzt das versprochene Gästebett? Oder dachtest du dabei an die Couch?“

Ich sah mir das Sofa im Wohnzimmer genauer an. Es war ein schickes Designerstück, keine Frage, aber bei näherer Betrachtung war es definitiv zu klein für mich. Meine Beine hätten ab den Knien in der Luft gehangen.

In Selenes Kopf fing es sichtlich an zu rattern. Sie schien bei ihrer Einladung im Hafen wohl etwas zu motiviert gewesen zu sein und hatte die rein physikalischen Maße eines Gilden-Piloten unterschätzt.

„Wenn du versprichst, anständig zu bleiben ...“, fing sie langsam an und vermied es kurz, mir direkt in die Augen zu schauen, „... kannst du auch im großen Bett schlafen.“

„Anständig?“, wiederholte ich belustigt. Die Müdigkeit drückte mittlerweile so schwer auf meine Lider, dass alles andere in weite Ferne rückte. „Noch zehn Minuten und ich schlafe hier im Stehen ein. Da komme ich garantiert nicht auf andere Gedanken, Selene.“

„Gut. Dann schnell durchs Bad mit dir, nicht dass ich dich noch ins Bett tragen muss“, konterte sie schlagfertig.

Ich brauchte nicht lange. Ein paar Minuten später schlüpfte ich unter die kühle Bettdecke auf der einen Seite des großen Bettes. Es war kein Vergleich zu der Metallpritsche auf der DeLorean. Kaum dass mein Kopf das Kissen berührte, war ich weg.

Selene brauchte etwas länger im Bad. Als sie schließlich leise das Schlafzimmer betrat, lag ich längst tief schlafend in Morpheus’ Armen. Ich trug nur noch die neuen, eng anliegenden Retroshorts, die sie mir vorhin im Laden gereicht hatte.

Sie blieb einen Moment am Fußende des Bettes stehen und betrachtete den schlafenden Taro. Ohne die schwere Kluft, ohne den harten Blick des Captains, wirkte er fast friedlich, auch wenn sein muskulöser Körper von den harten Jahren im All erzählte.

Sie löschte das Licht bis auf einen schmalen Schein vom Flur. In ihrer Welt aus Nadelstreifen und akademischen Titeln war es schon lange her, dass ein Mann in ihrem Bett gelegen hatte. Mit einem leisen Seufzer schlüpfte sie auf die andere Seite unter die Decke, bedacht darauf, mich nicht zu wecken, und sah noch eine Weile an die Decke, bevor auch sie der Schlaf einholte.

Das helle, unerbittliche Licht von Alpha Centauri kitzelte mich im Gesicht und lockte mich Zentimeter für Zentimeter aus einem traumlose Tiefschlaf.

Ich war noch nicht richtig wach, aber mein Körper registrierte die Veränderung sofort. Es war ein Gefühl von Verlust – das plötzliche Fehlen einer vertrauten Schwere auf meiner Schulter. Einen flüchtigen Moment lang glaubte ich noch, den sanften Druck einer Hand auf meinem Bauch zu spüren, eine Spur von Wärme, die sich gerade erst gelöst hatte.

Es war dieser seltsame Zwischenraum zwischen Schlaf und Erwachen, in dem die Realität noch verschwommen ist und die Sinne Dinge wahrnehmen, die der Verstand beim ersten blinzeln meistens wieder vergisst. War sie an mich gelehnt gewesen? Hatte ich sie im Schlaf festgehalten?

Ich schlug die Augen auf und starrte einen Moment an die weiße Decke des Schlafzimmers. Die Luft roch nach Selene – nach diesem Jasmin, den ich gestern Abend im Flur bemerkt hatte. Ich drehte den Kopf zur Seite. Der Platz neben mir war leer, aber das Laken war noch warm, sehr warm. Die Decke war achtlos zurückgeschlagen.

Die Schlafzimmertür war nur angelehnt. Durch den Spalt drangen leise, rhythmische Geräusche aus der Küche: das Klappern von Porzellan, das Zischen einer Kaffeemaschine und das gedämpfte Summen eines Terminals.

Ich blieb noch einen Moment liegen und genoss die ungewohnte Ruhe. Kein Vibrieren der Schiffsreaktoren, kein metallisches Ächzen der Hülle. Nur der Morgen in New Atlantis. Ich wusste, dass der Tag kompliziert werden würde – der Anwalt, die Sabotage, die Verleihfirma –, aber hier, in dieser Wärme, fühlte es sich für einen winzigen Augenblick so an, als gäbe es nur diesen Raum.

Ich schwang die Beine aus dem Bett. Mein Körper fühlte sich zwar ausgeruht an, aber mein Verstand war noch weit davon entfernt, auf allen Ebenen zu funktionieren. Ich brauchte nach dem Aufwachen immer meine Zeit, bis ich einen klaren Gedanken fassen konnte. Also folgte ich, mehr im Autopilot als bei Bewusstsein, einfach dem verlockenden Duft von frisch gebrühtem Kaffee.

In der Küche blieb ich wie angewurzelt stehen. Der Autopilot schaltete sich mit einer Warnmeldung ab.

Da stand Selene. Sie lehnte an der Küchenzeile, bekleidet nur mit einem knappen Höschen und einem bauchfreien, dünnen Top, das mehr von ihrer Silhouette verriet, als es verbarg. Mit beiden Händen hielt sie eine dampfende Tasse vor ihr Gesicht, als würde sie versuchen, die Wärme darin festzuhalten.

Einen Moment lang herrschte absolute Stille. Wir starrten uns einfach nur an, beide gleichermaßen überrascht von der fast nackten Realität des anderen. Ich in meinen neuen Retroshorts, sie in ihrer privaten Morgenkluft – weit weg von der kontrollierten Frau, die gestern das Shuttle geflogen hatte.

Die Unsicherheit im Raum war fast greifbar. Um sie irgendwie zu überspielen, hob ich die Hand und deutete auf die leise zischende Kaffeemaschine.

„Kann ich auch einen haben?“, krächzte ich mit belegter Morgenstimme.

Ohne eine Antwort abzuwarten, trat ich einen Schritt näher an die Maschine. Ich brauchte diese Beschäftigung für meine Hände, um nicht ständig darüber nachdenken zu müssen, wo ich gerade hinsah. Selene brauchte deutlich länger als ich, um ihre Stimme wiederzufinden. Sie wirkte für einen Moment völlig aus dem Konzept gebracht, dann fing sie sich.

Wortlos streckte sie den Arm aus, tippte auf den Knopf, der die Maschine aktivierte, und schob mit einer fast schon mechanischen Bewegung eine frische Tasse unter den Auslauf. Ihr Blick blieb dabei kurz an meinem Oberkörper hängen, bevor sie ihn schnell wieder auf ihren eigenen Kaffee lenkte.

„Schwarz?“, brachte sie schließlich heraus, während das dunkle Gold in die Tasse rann.

„Wie die Leere zwischen den Systemen“, antwortete ich und spürte, wie das Koffein schon beim bloßen Einatmen des Dampfes anfing, meine Synapsen zu feuern.

Sie unterdrückte ein leises Lachen, und die schlimmste Anspannung löste sich. Wir standen dort, Schulter an Schulter in ihrer Küche, zwei Schiffbrüchige des gestrigen Tages, die versuchten, sich in der Normalität des Morgens zurechtzufinden.

Ich nahm die Tasse entgegen, die Hitze des Porzellans brannte angenehm in meinen Handflächen. In meinem Kopf suchte ich nach den richtigen Worten. Sollte ich das Versprechen von gestern Abend ansprechen? Sie hatte gesagt, ich solle anständig bleiben – aber wer hatte hier wen im Schlaf gesucht? An dem Versprechen war in der Nacht definitiv gekratzt worden, auch wenn nichts „Unanständiges“ passiert war.

Ich hätte den Kavalier spielen und einfach schweigen können. Aber das war nicht meine Art. Wenn ich eines im All gelernt hatte, dann, dass unausgesprochene Dinge wie ein Leck in der Hülle wirken: Sie entziehen dir langsam den Sauerstoff, bis die Stimmung kippt. Ich wollte keine Mauern zwischen uns, nicht nach gestern.

Ich nahm einen Schluck vom heißen, starken Kaffee und sah sie über den Rand der Tasse hinweg direkt an.

„Mach dir keine Gedanken, Selene“, sagte ich ruhig. Meine Stimme klang jetzt fester, der Autopilot war endgültig abgeschaltet. „Jeder braucht dann und wann ein bisschen menschliche Nähe. Besonders nach so einem Tag wie gestern.“

Ich sah, wie sie kurz die Luft anhielt. Ihre Finger umklammerten die Tasse ein wenig fester, und für einen Moment meinte ich, einen Anflug von Röte auf ihren Wangen zu sehen. Aber dann entspannte sie sich. Die Defensive in ihrer Haltung bröckelte.

„War ich... sehr aufdringlich?“, fragte sie leise, fast schon zögerlich, während sie ihren Blick auf den Kaffee fixierte.

„Wir waren beide auf derselben Seite der Decke“, antwortete ich mit einem leichten Lächeln, um die letzte Anspannung aus dem Raum zu nehmen. „Und ehrlich gesagt? Es war der beste Schlaf, den ich seit Monaten hatte. Kein Grund, jetzt daraus ein diplomatisches Problem zu machen.“

Sie hob den Kopf und begegnete meinem Blick. Diesmal war kein Zögern mehr in ihren Augen, sondern eine ehrliche Erleichterung. Sie lächelte – ein echtes, warmes Morgenlächeln.

„Danke, Taro“, sagte sie und atmete tief durch. „Du hast recht. Es ist New Atlantis. Hier wird alles immer so kompliziert analysiert. Manchmal vergisst man dabei, dass man einfach nur... da sein will.“

Sie machte eine kurze Pause und nippte an ihrem Kaffee, bevor ihr Blick zum Terminal auf dem Küchentresen wanderte, das gerade leise anfing zu blinken.

„Aber die Ruhe ist wohl offiziell vorbei“, fügte sie mit einem Seufzer hinzu und deutete auf das Display. „Vasco hat eine Nachricht geschickt. "ein Anwalt scheint auch schon wach zu sein.“

Der Moment der Intimität war nicht vorbei, aber er wurde jetzt von der Realität eingerahmt.

Ich ignorierte das blinkende Terminal. Punkt. Der Kaffee war heiß, die Luft war frisch, und für den Moment bestimmte ich über meine Zeit, nicht irgendein Algorithmus oder ein ungeduldiger Anwalt. Ich wollte diesen Augenblick mit Selene nicht opfern, nur um mich sofort wieder in den Alltagsstress stürzen zu lassen.

Mit der Tasse in der Hand trat ich hinaus auf den Balkon. Die Morgenluft von New Atlantis war kühl und klar. In der Ferne konnte man den Raumhafen sehen, wo bereits reger Betrieb herrschte. Die kleinen Shuttles und privaten Jumper huschten wie Insekten über den Horizont, während die großen Pötte – die Schiffe meiner Größenordnung – noch reglos an ihren Docks hingen und auf ihre festen Zeitfenster warteten.

„Wenn wir noch frühstücken möchten, sollten wir langsam runter in die Cafeteria gehen“, sagte Selene hinter mir.

Ich hörte ihre Schritte auf den Fliesen. Sie folgte meinem Blick zum Raumhafen, zögerte kurz und trat dann ganz dicht an mich heran. Es war eine natürliche Nähe, die sich nach der Nacht im selben Bett fast schon vertraut anfühlte. Sie hob den Arm und deutete in eine andere Richtung, weg vom Industriegebiet des Hafens.

„Siehst du dort hinten die große Glaskuppel mit dem grünen Gebäude davor? Das ist das Terrarium. Mein eigentlicher Arbeitsplatz.“

Ich stutzte und sah sie von der Seite an. „Das Terrarium? Ich dachte, du wärst mit einer Geologie-Gruppe unterwegs gewesen. Ich hatte dich eher zwischen Gesteinsproben und Seismographen verortet.“

Selene lächelte und strich sich eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie hatte die Fragezeichen in meinem Blick wohl bemerkt. „Eigentlich bin ich Biologin. Unser derzeitiges Semesterprojekt umfasst beide Bereiche – die Wechselwirkung zwischen mineralischen Vorkommen und mikrobiologischem Leben in extremen Umgebungen. Deswegen die Mischung der Fachrichtungen auf dieser Expedition.“

Sie sah wieder hinaus zu der Kuppel, und für einen Moment wirkte sie wehmütig. „Die Steine auf dem Mond waren nur die Bühne. Das Leben, das wir dort zu finden hofften, war die eigentliche Geschichte.“

Ich nickte langsam. Es ergab Sinn. Ihr Blick für Details, ihre Sorge um die Studenten – das war die Sichtweise einer Biologin, die das Ganze im Auge behielt, nicht nur die tote Materie.

„Dann hast du gestern also nicht nur Steine in deiner Kiste gehabt, sondern auch noch lebende Materie“, sagte ich leise und nippte an meinem Kaffee.

„Wenn es nur Steine gewesen wären ... die hätte man ersetzen können, Taro“, korrigierte sie mich sanft. Sie sah mich an, und das Licht der Morgensonne fing sich in ihren Augen, was ihr Gesicht für einen Moment fast weich zeichnete. „Komm jetzt. Wenn wir nicht bald losgehen, ist der beste Kaffee in der Cafeteria weg und wir müssen uns mit dem Zeug aus dem Automaten begnügen.“

Ich grinste. Automatenkaffee war das Letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte; davon hatte ich auf der DeLorean mehr als genug.

Wir gingen zurück nach drinnen, um uns vollends fertig zu machen. Ein paar Minuten später standen wir abmarschbereit im Flur. Selene hatte sich in einen Businessanzug geschmissen und die Haare streng nach hinten gebunden, der perfekt in den akademischen Distrikt passte, wie man sich so eine Professorin vorstellen würde. Ich fühlte mich in meinen neuen Sachen immer noch ein wenig wie ein Fremdkörper in dieser sauberen Welt, aber zumindest sah ich nicht mehr aus, als käme ich gerade von einer Schrottbergung.

Wir nahmen den Lift nach unten. Als sich die Türen im Erdgeschoss öffneten, schlug uns das geschäftige Treiben der Cafeteria entgegen. Es roch nach frisch gebackenen Brötchen, gebratenem Speck und – Gott sei Dank – sehr gutem Kaffee.

Die Cafeteria war hell, mit hohen Decken und vielen Pflanzen. Überall saßen Studenten und Dozenten über ihren Tablets und besprachen den Tag. Es war das komplette Gegenteil zur einsamen Stille des Weltraums.

„Such uns einen Platz am Fenster“, sagte Selene und steuerte zielsicher auf die Theke zu. „Ich hol uns was zu beißen. Und wag es nicht, jetzt heimlich dein Terminal zu checken. Das Frühstück gehört uns.“

Ich hob abwehrend die Hände und schenkte ihr ein schiefes Grinsen. „Da schätzt du mich falsch ein, ich mach immer nur eine Sache gleichzeitig.“

Sie lachte kurz auf, ein Geräusch, das so gar nicht zu ihrem strengen Anzug passen wollte, und verschwand in der Schlange vor der Essensausgabe. Ich suchte mir einen freien Tisch am Fenster, von dem aus man die grünen Wiesen und die jungen Leute beobachten konnte, die mit ihren Datenpads unter dem Arm zu den ersten Vorlesungen eilten.

Ich hielt mein Wort. Mein Com-Link blieb in der Tasche, auch wenn ich spürte, wie er vibrierte – vermutlich Vasco mit einem Statusbericht oder der Anwalt, der einen Termin bestätigen wollte. Aber das konnte warten. Hier, in diesem Moment, war ich einfach nur ein Mann, der auf sein Frühstück und eine beeindruckende Frau wartete.

Selene kam nach ein paar Minuten zurück, zwei Tabletts sicher balancierend. Sie stellte sie ab und setzte sich. Für einen Moment sah sie mich über den Rand ihrer Kaffeetasse hinweg an, und trotz der strengen Frisur und des förmlichen Anzugs sah ich in ihren Augen immer noch das Leuchten vom Balkon.

„Alles ruhig an der Nachrichtenfront?“, fragte sie prüfend, während sie mir einen Teller mit frischem Gebäck hinschob.

„Kein Pieps gehört“, log ich glatt, während ich mir das erste Brötchen schnappte. „Ich konzentriere mich voll und ganz auf das Zielobjekt vor mir“ Ich sah Selene dabei fest an „ich mein natürlich dieses Frühstück.“

Sie schmunzelte und wir fingen an zu essen. ich staunte was sie so in sich rein schaufeln konnte am frühen morgen, das kam bei mir immer erst später, wenn die erste Arbeit getan war.

Wir frühstückten in aller Ruhe zu Ende. In dieser geschäftigen Cafeteria, umgeben vom Gemurmel der Studenten, hatten wir uns eine kleine Insel geschaffen.

Als wir fertig waren, rückte Selene ihren Stuhl ein Stück näher zu mir. Sie lehnte sich über den Tisch, bis ich wieder diesen leichten Duft von Jasmin wahrnahm. Sie sah mir tief in die Augen, und für einen Moment war die Professorin im Businessanzug ganz weit weg.

„Versprich mir eins, Taro“, sagte sie leise, und ihr Blick war vollkommen ernst. „Melde dich bei mir, sobald du wieder auf dieser Kugel landest. Ich will nicht, dass du einfach in der Leere verschwindest, ohne dass ich weiß, das es dir Gut geht.“

Ich sah sie an und spürte, wie viel mir dieses Versprechen bedeutete. „Ich melde mich. Verlass dich drauf.“

Sie lächelte, drückte kurz meine Hand, die auf dem Tisch lag, und stand dann auf. Sie zögerte einen winzigen Moment, beugte sich dann vor und gab mir einen Kuss. „Gut. Dann bis später, Captain Ahab“, sagte sie wieder lachend, wobei sie den Spitznamen mit einer Wärme aussprach, die jede Distanz überbrückte.

Ich blieb sitzen und schaute ihr nach. Es war faszinierend zu beobachten: Eben noch die ernsthafte Dozentin, verließ sie die Cafeteria jetzt fast beschwingt, mit einer Leichtigkeit im Schritt, die mich an ein junges Mädchen erinnerte, das gerade ein Geheimnis erfahren hatte. Das strenge Kostüm konnte diese neugewonnene Energie kaum bändigen.

Ich beobachtete sie durch die große Fensterfront. Draußen auf dem Vorplatz sah ihr Gang eher wie ein Hüpfen als wie ein Gehen aus, so als hätte sie die Schwerkraft von New Atlantis für einen Moment besiegt. Ich musste unwillkürlich lächeln.

Ich leerte den letzten Rest meines Kaffees, der mittlerweile kalt geworden war, und holte mein Terminal aus der Tasche. Der Moment des Friedens war vorbei. Das Display leuchtete auf und zeigte mir drei verpasste Anrufe und eine Flut von verschlüsselten Datenpaketen von Vasco.

Ich atmete einmal tief durch, ließ das Gefühl des Morgens noch eine Sekunde nachwirken und wischte dann über den Bildschirm. Die Jagd hatte offiziell wieder begonnen. Ich tippte nur kurz: „Bin auf dem Weg, alles Weitere mündlich“, und machte mich auf den Weg zum Raumhafen.

Vor dem Hangar der DeLorean warteten sie bereits. Vasco stand wie eine unerschütterliche Säule aus Metall neben einem sehr edel gekleideten Mann, der in der öligen Hangar-Luft wie ein Fremdkörper wirkte. Wahrscheinlich der Anwalt der Familie Merrow.

Er trat auf mich zu, ein kühles, professionelles Lächeln auf den Lippen. Doch bevor er eine seiner einstudierten Phrasen ablassen konnte, kam ich ihm zuvor. Ich ließ mir seine Visitenkarte geben – Elias Thorne, Senior Partner – und nannte ihm im Gegenzug mein Pseudonym „Timothy Truckle“ und Justiz-Kennnummer.

Ich sah, wie er für einen Sekundenbruchteil die Augenbrauen hob. Er war ein Profi; er wusste sofort, was diese Nummer bedeutete. Über mich würde er in den öffentlichen Datenbanken nichts finden – keine Vorstrafen, keine Steuererklärung, gar nichts. Alles unter Verschluss. Es verriet ihm nur eines: Mein eigentlicher Job lag im Bereich diskreter, staatlich legitimierter Ermittlungen. Ein Detektiv für die Fälle, die das Gesetz zwar berühren, aber im Verborgenen gelöst werden müssen.

„Verstehe“, murmelte Thorne und steckte die virtuelle Kennung weg. Sein Blick wurde eine Spur respektvoller. „Ein Mann für diskrete Aktionen. Das erklärt, warum Sie so effizient auf dem Mond agiert haben.“

„Ich bleibe immer im Bereich des Legalen“, entgegnete ich trocken. „Aber ich mag es nicht, wenn man mir oder meinen Klienten in die Quere kommt.“

Ich gab ihm sämtliche Aufzeichnungen der DeLorean und die detaillierten Logs der Rettungskapsel frei. Vasco hatte sie bereits so aufbereitet, dass die Sabotage-Spuren unübersehbar waren.

„Das wird für die Verleihfirma und deren Versicherung ein sehr unangenehmer Nachmittag“, sagte Thorne, während er die Daten auf seinem Pad überflog. „Ich werde dafür sorgen, dass Professorin Ward aus der Schusslinie bleibt. Und Captain...“ Er hielt inne. „Ich halte mein Wort. Ich werde Sie über jeden Fortschritt auf dem Laufenden halten. Solche Daten sind Gold wert, aber die Informationen, die ich im Gegenzug für Sie besorgen werde, sind unbezahlbar.“

Er gab mir einen knappen Nick und machte sich auf den Weg zu seinem Gleiter. Ich blieb mit Vasco zurück, der mich aus seinen optischen Sensoren fast schon prüfend ansah.

Der Flug zum Mond verlief ereignislos, was nach den letzten Tagen fast schon ein Luxus war. Ich koppelte den Frachter routiniert an die Raffinerie an. Das metallische Dröhnen der Andockklammern und das Zischen der Druckausgleichventile waren Musik in meinen Ohren – das Geräusch ehrlicher Arbeit.

Ich verbrachte die nächsten zwei Tage damit, nach meiner Mine zu sehen und die Wartungsprotokolle zu prüfen. Den Großteil der Zeit verbrachte ich jedoch bei Sascha. Er saß wie gewohnt in seiner kleinen, mit Elektronikschrott vollgestopften Werkstatt. Sascha war mehr als nur ein Kollege; er war eine Art Mentor für mich, ein Mann, der mehr über die dunklen Ecken des Sektors vergessen hatte, als die meisten Piloten je lernen würden.

„Du siehst verändert aus, Taro“, brummte er, während er an einem defekten Plasmabrenner herum lötete. „Dein Blick ist nicht mehr so rastlos. Hast du in New Atlantis gefunden, wonach du gar nicht gesucht hast?“

Ich grinste nur und erzählte ihm vage von der Bergung, ohne die Details über Selene preiszugeben. Er wusste trotzdem Bescheid – Sascha sah einem immer direkt in die Karten.

Am zweiten Abend vibrierte mein Terminal. Eine verschlüsselte Nachricht von Thorne.

„Captain Taro, wir haben eine Identität. Die Daten aus den Sensorlogs der DeLorean stimmen mit den Signaturen eines nicht mehr offiziell registrierten Schiffes überein – ein ziemlicher Rosteimer, letzter Besitzer ein gewisser Brett Turner. Er ist ein freiberuflicher Pilot mit einem Sündenregister so lang wie ein Versorgungsschacht.“

Thorne kam schnell zum Punkt. Die offiziellen Ermittlungen der Behörden traten auf der Stelle, weil Brett untergetaucht war. letzter vermuteter Aufenthaltsort Sol-system.

„Wir brauchen ihn lebend, Captain. Diskret. Wenn Sie ihn festnehmen und nach New Atlantis bringen können, ist ein provisorisches Kopfgeld bereits autorisiert. Betrachten Sie es als Teil der Ermittlung. Wir bieten ihm Zuckerbrot statt Peitsche: Kooperation gegen Straferlass und die Chance auf einen Neuanfang. Anwälte wissen, dass ein Mann, der eine Zukunft sieht, schneller singt als einer, der nur den Galgen vor Augen hat. Sind Sie interessiert?“

Ich kannte diesen Namen nicht. Das kann nur Ein kleiner Fisch sein, der sich als Handlanger für die Großen verdingte. Er sollte also nur die Drecksarbeit machen.

„Probleme?“, fragte Sascha, ohne aufzublicken.

„Ein Auftrag“, antwortete ich und stand auf. „Jemand muss eingesammelt werden, bevor er merkt, dass er auf der falschen Seite der Galaxis steht.“

Der Flug zum Sol-System war lang genug, um über Thornes Angebot nachzudenken. Ich nutzte meinen Jäger – kleiner, schneller und unauffälliger als die DeLorean, die ja der Minengilde gehörte. Während der Autopilot die Transferbahnen berechnete, checkte ich Brett Turners Akte. Ein Pilot, dem das Glück ausgegangen war, bevor er überhaupt wusste, wie man es buchstabiert.

Ich wusste: Wenn man ein nicht registriertes Schiff besaß, konnte man im Sol-System eigentlich nur den Mars aufsuchen – ein Sammelbecken für allerlei verlorene Seelen. Der Mars empfing mich so, wie er jeden empfing: mit einer Wand aus rotem Staub und der Kälte eines Grabes.

„Landung in Sektor 4 eingeleitet“, meldete Vasco. „Die Luftfeuchtigkeit beträgt null Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier jemanden finden, der uns nicht anlügt, liegt statistisch gesehen im selben Bereich.“

Ich ließ den Jäger im Hangar der Untergrundstation zurück. Die Station war ein Labyrinth aus rostigen Tunneln, die tief in den Fels getrieben worden waren. Es roch nach recyceltem Sauerstoff, altem Schweiß und dem beißenden Geruch von Schmiermittel. Auf den Pads sah ich einige blockierte Schiffe – ein Zeichen, dass die Besitzer ihre Rechnungen nicht mehr begleichen konnten. Es war meistens der Anfang vom endgültigen Abstieg.

Ich fand den Hafenmeister in einem verglasten Verschlag über den Docks.

„Brett Turner?“, der Mann spuckte ein Stück Kautabak in einen Becher. „Der Typ mit dem Seelenverkäufer auf Pier 9? Seine Rechnungen sind so offen wie ein Scheunentor. Wenn du wegen der Schulden hier bist: Stell dich hinten an.“

„Ich bin nicht wegen des Geldes hier“, sagte ich und ließ meine Dienstmarke kurz aufblitzen. „Wo ist er?“

„In der 'Dust-Bowl'. Eine Spelunke drei Ebenen tiefer. Wenn er nicht gerade versucht, sein Schiff zu reparieren, versucht er, sein Gedächtnis zu ertränken.“

„Du kannst sein Schiff zu Geld machen“, erwiderte ich trocken. „Ich werde ihn mitnehmen.“

„Das sind mal gute Nachrichten“, brummte er. „Mal sehen, was an dem Schrotthaufen noch wertvoll ist.“

Die Bar war genau das, was man auf dem Mars erwartete: Dunkel, laut und voller Gestalten, die sich die Freiheit anders vorgestellt hatten. Vasco blieb im Hintergrund; eine massive Drohung aus Stahl, die dafür sorgte, dass mir niemand in den Rücken fiel.

Ich sah Brett am Tresen. Er starrte in ein leeres Glas, das so trüb war wie seine Zukunft. Sein Schiff war Schrott, sein Auftraggeber war weg, und er war am Ende der Fahnenstange angekommen.

Ich setzte mich neben ihn und legte die Marke auf das schmierige Holz.

„Brett Turner. Wir müssen reden. Und glaub mir, du willst, dass ich derjenige bin, der heute mit dir spricht.“

Ich gab dem Wirt ein kurzes Zeichen. Er verstand sofort und stellte zwei Gläser mit ordentlichem Whiskey vor uns auf den Tresen – kein Vergleich zu dem trüben Zeug, das Brett vorhin noch angestarrt hatte.

Ich schob eines der Gläser zu ihm rüber und legte meine Dienstmarke daneben. Das Metall glänzte stumpf im schummrigen Licht der Bar.

Brett sah kurz auf, seine Augen waren gerötet. Er blickte erst auf die Marke, dann auf das Glas. „Heißt das ‚tot oder lebendig‘?“, fragte er mit einer Stimme, die so brüchig war wie sein Schiff auf Pier 9.

„Nein“, antwortete ich ruhig. „Du hast die Wahl zwischen einem echten Neuanfang oder der dunklen Seite. Und von der Gefahr, dass dein Auftraggeber dich als lästigen Mitwisser entsorgt, rede ich da noch nicht mal.“

Er wurde blass. Sein Blick zuckte nervös nach links und rechts, doch als er über die Schulter sah, blickte er direkt gegen das kalte Chassis von Vasco. Der Roboter stand da wie eine Mauer aus Stahl. Keine Flucht möglich.

Brett starrte eine lange Sekunde in seinen Whiskey, dann leerte er das Glas in einem Zug. „Okay“, presste er hervor. „Ich bin dabei. Schlimmer als hier kann es kaum werden.“

„Gute Entscheidung“, sagte ich, stand auf und gab Vasco ein Zeichen.

Wir brachten ihn ohne Aufsehen durch die Tunnel zurück zum Hangar. Erst als wir an Bord des Jägers waren und die Einstiegsluke zischte, schien er sich etwas zu fangen. Er wollte gerade anfangen zu reden, wollte mir erklären, wer ihn angeheuert hatte, doch ich hob die Hand.

„Spar es dir, Brett. Einzelheiten darüber, wie dein Neuanfang aussieht und was du dafür tun musst, besprichst du mit dem Anwalt in New Atlantis. Nicht mit mir. Aber ich bestehe drauf das du während des Fluges in der Zelle bleibst."

Ich setzte mich in den Pilotensessel und aktivierte die Vorwärmsequenz der Triebwerke. „Ich bin nur für den Transport zuständig. Und ich sammle keine Infos, die ich nicht unbedingt zum Überleben brauche.“

Bevor ich die Triebwerke auf volle Leistung brachte, tippte ich zwei kurze Nachrichten in das Terminal.

Die erste ging an Thorne: „Rostigen Eimer gefunden. Bringe die Fracht nach Hause.“

Die zweite Nachricht war für Selene. Ich hatte es ihr versprochen, und ich hielt meine Versprechen, besonders wenn sie Menschen betrafen, die mir nicht egal waren. „Bin wieder auf dem Weg zu dieser Kugel. Landung in New Atlantis in etwa sechs Stunden. Alles ruhig verlaufen. T.“

Ich lehnte mich zurück und sah zu, wie der Mars unter uns kleiner wurde. Brett Turner saß zusammengesunken in der Zelle und starrte aus dem Fenster. Er sagte nichts, und das war mir nur recht.

Der Rückflug verlief ohne Zwischenfälle. Die Sprünge waren Routine, ein kurzes Flimmern der Realität, gefolgt von der vertrauten Schwärze des Alls. Während des Transfers im Atlantis-System bereitete Vasco die Landeprotokolle vor.

„Taro, wir haben Landeerlaubnis auf Pad 12“, meldete der Roboter. „Thorne hat bestätigt."

Die Atmosphäre von Atlantis empfing uns mit ihrem typischen, sanften Blau. Wir durchstießen die Wolkendecke über New Atlantis, und die Lichter der Metropole breiteten sich vor uns aus. Es war ein krasser Kontrast zum staubigen Rot des Mars.

Ich setzte den Jäger butterweich auf das Pad. Die Triebwerke starben mit einem leisen Jaulen ab. Draußen warteten bereits zwei Sicherheitsbeamte.

Ich stand auf und klopfte Brett auf die Schulter. „Das ist deine Chance, Turner. Versau sie nicht.“

Wir machten uns auf den Weg zur Hafensicherheit, den obligatorischen Durchgang für jeden Ankömmling. Der Weg war diesmal lang, aber schon von Weitem konnte ich Selene auf der Besucherplattform sehen. Aber sie blickte nur nach Oben, was sie wohl suchte?“

Dem diensthabenden Beamten schob ich die Visitenkarte des Anwalts hin. „Thorne wird sich um alles kümmern, was mit Brett Turner weiter passiert.“

Der Beamte sah von der Karte auf und musterte Brett, dann mich. „Ist das eine Festnahme oder ein freiwilliges Stellen?“, fragte er trocken.

Jeder im Raum wusste, was diese Frage bedeutete: Eine Festnahme hieß höheres Strafmaß für Brett und ein Kopfgeld für mich. Ein freiwilliges Stellen bedeutete Milderung für ihn – aber ich würde leer ausgehen.

Ich blickte Brett vielsagend an. Er schluckte, die Unsicherheit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er wusste, dass er mir ausgeliefert war.

„Er kam freiwillig mit“, sagte ich, ohne zu zögern.

Der Beamte hob eine Augenbraue, tippte die Information aber in sein Terminal. Brett sah mich entgeistert an, als könne er nicht glauben, dass ich gerade auf mein Geld verzichtet hatte, um ihm eine Brücke zu bauen.

„Gehen Sie weiter“, wies der Beamte ihn an.

Ich sah zu, wie sie ihn wegführten. Dann drehte ich mich um und ging auf die Besucherplattform zu, wo Selene wartete.

Ich verließ die Hafensicherheit und ging auf die Besucherplattform zu. Selene stand am Geländer und suchte den Horizont wohl nach der massigen Silhouette eines Gilden-Frachters ab. „suchen sie was bestimmtes, junge Frau“ Ich hatte mich leise genähert und sprach sie von hinten an. Völlig überrascht zuckte sie zusammen, drehte sich um und fiel mir um den Hals. Ich spürte ihre Lippen an meinem Hals. „Was wo …. wieso erschrickst du mich so“ Trat aber glich zwei Schritte zurück um mich zu mustern.

Ich trug nicht mehr die abgewetzte Einsatzkleidung vom Mars. Bevor ich den Jäger verlassen hatte, hatte ich den Marsstaub in der Dekontaminationsschleuse zurückgelassen und mich umgezogen. Ich war sauber, rasiert und trug die Dienstmarke deutlich sichtbar am Revers meiner Jacke.

„Taro?“, fragte sie und trat einen Schritt auf mich zu. Ihr Blick wanderte von meinem Gesicht zur Marke und dann wieder zurück. „Ich habe nach der DeLorean Ausschau gehalten, aber die Ankunftsprotokolle der Gilde waren leer. Und... die Marke?“

Sie wirkte einen Moment lang, als müsste sie das Bild, das sie von mir im Kopf hatte, komplett neu zusammensetzen. Den Jäger konnte sie von hier aus nicht sehen; er stand diskret im abgesperrten Sektor für Privatmaschinen.

„Die DeLorean steht noch auf dem Mond“, erklärte ich ruhig. „Ich war mit meinem eigenen Schiff unterwegs. Einem Jäger.“

Sie blinzelte, sichtlich beeindruckt von dem Kontrast. „Ein Jäger? Ich dachte, du wärst Miner und Frachterpilot.“

„Eins nach dem anderen, Selene“, unterbrach ich sie sanft. Ich sah, wie ihr analytischer Verstand bereits begann, Fragen zu formulieren. „Ich brauche jetzt erst einmal einen verdammt starken Kaffee. Gibt es hier irgendwo eine Ecke, in der man echte Bohnen bekommt?“

Wir fanden ein ruhiges Café zwei Ebenen tiefer. Während der Dampf des schwarzen Kaffees zwischen uns aufstieg, spürte ich, wie die Anspannung der Mars-Mission endgültig abfiel. Ich setzte die Tasse ab und sah sie direkt an.

„Du hast mir deine Welt gezeigt, Selene – die Uni, die Labore, das Leben hier in der Stadt. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich dir meine Welt zeige. Mein richtiges Zuhause.“

Sie hielt inne, die Tasse auf halbem Weg zum Mund. Das sanfte Licht des Cafés spiegelte sich in ihren Augen, die jetzt weicher wurden.

„Was hältst du davon, wenn wir das Wochenende bei mir in der Küstensiedlung verbringen?“, fuhr ich fort. „Es ist ein schlichter Ort. Nur das Meer, der Wind und die Gewächshäuser meiner Eltern. Kein Lärm, keine Akten und keine Justiz-Angelegenheiten.“

Ich wollte, dass sie sieht, wer ich wirklich bin, wenn ich keine Aufträge erfülle oder havarierte Shuttles abschleppe. Ich wollte wissen, ob das, was ich zwischen uns spürte, auch abseits von Krisen und Weltraum-Notfällen Bestand hatte.

Selene lächelte, und dieses Mal war es ein Lächeln, das keine weiteren Fragen brauchte. „Das Wochenende in der Küstensiedlung... nur das Meer.“ Sie nickte bestimmt. „Ja, Taro. Das würde ich sehr gerne sehen.“

Wir ließen die Hektik des Terminals hinter uns und betraten das abgesperrte Pad 12. Als Selene den Jäger zum ersten Mal sah, blieb sie abrupt stehen. Das Schiff war ein echtes Schmuckstück: schlank, in klarem Weiß und aggressivem Rot gehalten. Es sah nicht aus wie ein Werkzeug, sondern wie eine Raubkatze – bedrohlich, schnell und gefährlich.

„Das ist deiner?“, fragte sie leise und ließ ihren Blick über die bündig versenkten Geschützpforten und die scharf angewinkelten Flügel gleiten.

„Mein Arbeitsgerät“, antwortete ich schlicht. „Sie ist etwas eigenwilliger als ein Frachter, aber sie bringt mich überall hin, wo andere nicht einmal hinschauen wollen.“

Vasco wartete bereits an der Rampe und verstaute Selenes Sachen, während wir das Cockpit bestiegen. Der Innenraum war funktional, aber der Pilotensitz und die Armaturen wirkten einladend und deutlich gepflegter als auf der DeLorean. auch der Wohnbereich war wesentlich größer und Komfortabler. Wo man es gerne auch für mehrere Tage aushalten konnte, mit einem Bett, einer Küche und vernünftigen Sitzen und Platz genug für eine kleine Gruppe.

Der Direktflug zur Siedlung hätte kaum eine Stunde gedauert, aber ich hatte es nicht eilig. Ich wollte ihr zeigen, warum meine Eltern sich ausgerechnet an diesem abgelegenen Küstenstreifen niedergelassen hatten. Statt die Standard-Vektoren in großer Höhe zu nutzen, steuerte ich den Jäger manuell in niedriger Höhe über die Gebirgsketten und tiefgrünen Täler.

Wir glitten über dichte Wälder, in denen sich der Nebel noch in den Baumkronen verfing, und folgten dem Lauf silberner Flüsse. Selene klebte förmlich an der großen Panoramascheibe. Der Jäger schnitt dabei fast lautlos durch die Luft, nur ein tiefes, kraftvolles Summen der Triebwerke begleitete uns.

Als wir uns der Küste näherten, veränderte sich die Landschaft. Das satte Grün der Wälder wich den zerklüfteten Felsen und dem endlosen Blau des Ozeans.

„Dort vorne“, sagte ich und neigte den Jäger leicht zur Seite, um ihr die Sicht zu erleichtern.

Inmitten der Bäume, direkt an einer Klippe über dem Meer, glitzerten vier große, runde Glaskuppeln in der Abendsonne. Sie wirkten wie riesige Perlen, die zwischen den Felsen und dem Wald verstreut lagen. Selene beugte sich weit vor, ihre Augen leuchteten auf. Als Botanikerin erkannte sie sofort, was sie vor sich hatte.

„Das sind Gewächshäuser!“, rief sie aus, und ihre wissenschaftliche Neugier war sogleich geweckt. „Taro, die Lichtbrechung in den Scheiben... das sind Spezialfilter. Was züchtest du da drin?“

„Das Lebenswerk meiner Eltern“, sagte ich und leitete den Sinkflug auf die kleine, in den Fels gehauene Plattform ein. „Sie haben ihr Leben damit verbracht, Pflanzen zu züchten, die eigentlich gar nicht auf dieser Welt existieren sollten. Willkommen in meinem Zuhause, Selene.“

Das Zischen der Druckschleuse war kaum verhallt, als die Rampe des Jägers sich langsam senkte. Noch bevor der Metallboden den Sand berührte, drang sie herein: die Luft der Küste. Es war eine wuchtige Mischung aus schwerem Salz, dem würzigen Geruch von sonnen getrockneten Algen und einer unglaublichen, fast schon stechenden Frische.

Selene schloss unbewusst die Augen und atmete tief ein. Es war das exakte Gegenteil zur aufbereiteten, leicht abgestandenen Luft in den Betonschluchten und klimatisierten Campus-Distrikten von New Atlantis. Dort roch die Welt nach Ozon und Reinigungsmitteln; hier roch sie nach Leben. „Willkommen zu Hause“, sagte Taro leise, während er seine Tasche über die Schulter warf. Er führte sie zur zentralen Wohnkuppel. Sobald sie eintraten, blieb Selene jedoch nicht an der großen Glasfront stehen, um den Ausblick zu bewundern, wie er es erwartet hatte. Ihr Blick blieb an dem massiven Regal hängen, das wie ein Bollwerk mitten im Raum stand und die gemütliche Sitzgruppe von einem kleinen Pool trennte.

Es war nicht nur ein Möbelstück. Es war eine Wand aus Papier und Geschichte. Das Regal war bis zum Bersten vollgestopft mit echten Büchern – keine Displays, keine Holo-Reader, sondern physische Objekte mit abgegriffenen Rücken und handschriftlichen Notizen auf den Buchrücken. Als Akademikerin wirkte dieses Regal auf sie wie ein Magnet. Sie trat einen Schritt näher, vergaß die Meeresluft und die Gewächshäuser draußen, während ihre Finger fast ehrfürchtig über einen Einband strichen, der die jahrzehntelangen Protokolle seiner Eltern barg.

Taro beobachtete sie mit einem schmalen Lächeln. Er wusste, dass die Botanik bis morgen warten musste. Heute Abend gehörte sie der Vergangenheit, die in diesen Regalen lagerte, und später dem Spektral-flimmern auf den Wellen. Taro lehnte mit verschränkten Armen am Kühlschrank und beobachtete sie schweigend. Er hatte ohnehin vor, sich Zeit zu lassen. Es gab keine Eile, keine nächste Schicht, die ihn rief. Er wollte sehen, wie sie sich in seiner Welt bewegte, ob ihre Rhythmen hier, fernab von Hörsälen und Laboren, ineinandergriffen.

Selene hatte die Umgebung fast völlig vergessen. Sie stand vor dem massiven Regal, das den Wohnbereich vom Pool trennte. Für Taro war es ein funktionaler Raumtrenner, für sie schien es ein Altar zu sein. Er betrachtete ihre Silhouette im weichen Licht der Kuppel. Sie wirkte hier, zwischen den schweren Buchrücken und dem leisen Plätschern des Wassers, weicher als in der Stadt.

Er sah zu, wie sie gedankenverloren ein schmales, abgegriffenes Buch mit ledernem Rücken aus dem Regal zog. Ihre Bewegungen waren vorsichtig, fast andächtig. Sie schlug es auf, las ein paar Zeilen – ihre Lippen bewegten sich lautlos dabei – und ein leises Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Dann schloss sie es wieder, strich noch einmal über den Einband und stellte es mit einer Sorgfalt zurück, als handele es sich um einen antiken Schatz. Gleich darauf wanderte ihre Hand zum nächsten Band. Ihre Augen glänzten dabei, weit und wach, wie bei einem Kind, das zum ersten Mal vor dem Schaufenster eines Süßwarenladens steht und gar nicht weiß, wo es zuerst hingreifen soll. Diese akademische Strenge, die sie an der Uni umgab, war völlig abgefallen. Übrig geblieben war eine pure, fast schon unschuldige Neugier.

Taro spürte eine angenehme Ruhe in sich aufsteigen. Es war dieser seltene Moment, in dem man erkennt, dass man auf der gleichen Ebene funktioniert, ohne ein Wort sagen zu müssen. Er genoss die Stille und das Wissen, dass die Gewächshäuser und die botanischen Entdeckungen noch bis morgen warten konnten. Heute genügte es ihm, sie dabei zu beobachten, wie sie in der Geschichte seiner Eltern versank und dabei ganz allmählich ein Teil seiner Gegenwart wurde.

Taro kam mit zwei Gläsern und einer bereits entkorkten Flasche zurück, deren Etikett von einem kleinen, unabhängigen Weingut auf der Südhalbkugel stammte. Das leise Klirren des Kristalls ließ Selene kurz aufsehen. Ihre Augen noch immer groß und hell von der intellektuellen Beute, die sie hier gefunden hatte. „Taro, das hier … das sind keine Kopien. Das sind Originale. Die Skizzen sind mit der Hand gezeichnet.“ „Ich weiß“, sagte er ruhig, reichte ihr das Glas und beobachtete, wie sie den Wein prüfend gegen das restliche Tageslicht hielt und lehnte sich mit seinem eigenen Glas gegen die Wand. „Meine Eltern hielten nichts von rein digitalen Backups für ihre Herzensprojekte. Sie wollten etwas haben, das auch ohne Energieversorgung existiert.“ „Ein 42er Jahrgang vom Süd-Kontinent?“, fragte sie und zog eine Braue hoch. Sie nahm einen kleinen Schluck, schloss die Augen und ließ den Wein wirken. Dann sah sie ihn mit einem spielerischen Funkeln an, das er so an ihr noch nicht kannte. „Sag mal, Taro ... willst du mich etwa betrunken machen?“

„Ich denke, du bist klug genug, um zu merken, wenn ich das versuchen würde“, entgegnete er trocken. „Aber falls es hilft, die Distanz zur Stadt ein wenig schneller zu vergessen ... hätte ich wohl nichts dagegen.“

Ein kurzes Schweigen entstand, das aber keineswegs unangenehm war. Es war eher so, als ob die Luft in der Kuppel plötzlich eine höhere Spannung geladen hätte. Selene hielt seinem Blick stand, das Glas noch an den Lippen. Sie wirkte nicht so, als ob sie gegen diesen Plan Einspruch erheben würde, Im Gegenteil.

Taro nahm sie bei der Hand und führt sie nach draußen. Streifte ihr langsam die Schuhe aus und zog sie auf den Strand, dessen weicher Sand scheinbar die Füße massierten, bis die kleinen wellen auch ihre Füße erreichten. Selene stand da, die Gläser hatten sie auf einem Tisch der Veranda zurückgelassen. Das Wasser von Atlantis war kühl, aber nicht kalt, und die sanfte Brandung spülte den feinen Sand zwischen ihre Zehen. Sie lachte leise auf, ein ehrliches, unbeschwertes Geräusch, das Taro in der Stadt nie von ihr gehört hatte. „Deine Eltern haben hier ein Paradies erschaffen“, sagte sie, während ihr Blick über den Horizont schweifte, wo der Himmel bereits die ersten violetten Töne annahm.

Taro stand direkt hinter ihr. Er spürte die leichte Brise und sah, wie das erste Spektralflimmern auf den Wellen begann, ihre Füße in wechselndes Licht zu tauchen. „Sie haben den Grundstein gelegt“, erwiderte er ruhig. Er legte seine Hände vorsichtig auf ihre Schultern. „Aber ein Paradies ist es erst, wenn man jemanden hat, mit dem man es teilen kann, ohne alles erklären zu müssen.“ Selene lehnte sich ein Stück zurück, gegen seine Brust, und sah zu, wie das Wasser unter dem Licht der untergehenden Sonne zu brennen schien. Sie genoss seine Nähe und hielt seine Arme fest die sie umschlangen. Ja das hatte sie vermisst, seit seiner Übernachtung menschliche Nähe, Nähe zu ihm, zu keinem Anderen.

Über den Wellen begann es nun. Zuerst war es nur ein leichtes Zittern im Licht, fast wie eine optische Täuschung. Doch dann breitete sich das Spektralflimmern aus. Das Wasser schien nicht mehr nur Licht zu reflektieren, sondern es zu brechen und in unmöglichen Farben neu zu erschaffen. Ein pulsierendes Leuchten aus Smaragd, tiefem Violett und flüssigem Gold tanzte auf den Wellenkämmen. „Es wird Zeit“, sagte Taro leise an ihrem Ohr. „Komm mit.“ Er führte sie zurück ins Innere der Wohnkuppel, direkt zu der großen, ebenerdigen Liegefläche vor der Glaswand. Er holte noch kurz den Wein und ein paar Snacks, die er vorbereitet hatte, aber als er zurückkam, sah er, dass sie das Essen gar nicht beachtete.

Selene lag bereits dort und sah zum Ozean hinaus, doch ihr Blick suchte sofort ihn. Mit einer zaghaften, aber eindeutigen Geste lud sie ihn ein, sich direkt neben sie zu legen. Sie wollte in diesem Moment keine Distanz, keine Tischmanieren und keine tiefen Gespräche über Botanik. Sie wollte ihn spüren. Das ist ein entscheidender Unterschied. Die bewusste Entscheidung für die Nähe macht die Dynamik zwischen den beiden viel reifer und zeigt, dass Selene genau weiß, was sie will. Es nimmt dem Ganzen das Zufällige und gibt der Beziehung eine solide Basis.

Das Spektralflimmern auf dem Wasser begann bereits zu verblassen, während sie dort lagen. „Ich habe davon schon mal gehört, konnte es aber nie sehen“, sagte Selene leise. „Das Flimmern soll von den Mikroorganismen im Meer kommen und nur bei einem bestimmten Lichteinfall zu sehen sein.“ Taro nickte langsam. „Ich weiß. Ich kenne es seit meiner Kindheit. Meine Mutter hat es mir mal ausführlich erklärt, aber das ist schon sehr lange her.“

Das ganze Schauspiel dauerte nur eine knappe halbe Stunde, eine Zeit, in der sie einfach nur die Nähe genossen und zusahen, wie die Farben auf dem Ozean langsam dem tiefen Schwarz der Nacht wichen. „Weißt du was?“, sagte Selene schließlich und löste sich ein Stück von ihm. „Wir können auch hier bleiben. Ich möchte das Meer hören und die Sterne sehen, hier ist es bequem genug. Und ich möchte aus den Straßenklamotten raus – das hier ist wie Urlaub.“

Taro akzeptierte ihren Wunsch sofort. „Okay, wie du möchtest. Im Bad findest du alles, was du brauchst. Ich gehe nach dir.“ Während Selene im Bad verschwand, bereitete Taro die Liegefläche vor. Er holte Decken und Kissen und schuf ein Lager, das mehr nach einem gemeinsamen Rückzugsort als nach einem provisorischen Bett aussah. Als Selene wiederkam, trug sie einen dünnen Kimono, der ihre Beine frei ließ und die akademische Distanz der Stadt endgültig vergessen machte. „Wird es hier sehr kalt in der Nacht?“, fragte sie, während sie unter die Decke schlüpfte. „Nein, auch das Wetter verspricht mild zu bleiben“, erwiderte Taro. Sie sah ihn mit einem vielsagenden Lächeln an. „Wenn doch, musst du mich eben wärmen.“

Später, als die Stille der Küste sie vollends eingehüllt hatte, stützte sich Selene auf seiner Brust ab und sah ihn direkt an. Die entspannte Atmosphäre hatte ihr den Mut gegeben, eine Frage zu stellen, die sie schon länger beschäftigte. „Eins musst du mir noch verraten: Was ist das für eine Dienstmarke? Ist es gefährlich? Hast du häufig mit bösen Buben zu tun?“

Taro sah an ihr vorbei in die Dunkelheit der Kuppel. Er wusste, dass er hier ehrlich sein musste, wenn sie auf einer Ebene funktionieren wollten. „Irgendwann wirst du es ja sowieso erfahren müssen. Es bedeutet eigentlich nur, dass ich Aufträge der diskreteren Art für andere erledige. Es liegt mir irgendwie, Ermittlungen anzustellen, Personen zu finden oder andere Aufträge auszuführen. Nichts Gefährliches – dafür ist die Justiz da.“ Er hielt ihren Blick fest. „Reicht dir das?“

Selene schien die Antwort abzuwägen, doch die Ruhe, die er ausstrahlte, beruhigte sie. Sie legte den Kopf wieder auf seine Brust, lauschte seinem Herzschlag und dem fernen Rauschen der Wellen. Es war eine bewusste Entscheidung, hier gemeinsam einzuschlafen, getragen von einer Nähe, die kein Missgeschick war, sondern genau das, wonach sie beide gesucht hatten.

Das erste Licht der Sonne von Atlantis drang sanft durch die Kuppel und vertrieb die Schatten der Nacht. Selene wurde langsam wach. Sie spürte die Wärme von Taros Körper neben sich und die angenehme Schwere der Decken. Als sie sich leicht bewegte, bemerkte sie, dass sich der Gürtel ihres Kimonos im Schlaf gelöst hatte. Der Stoff war weit auf geglitten und gab den Blick auf ihre Brust frei.

Sie hielt für einen Moment inne, die Augen nur einen Spalt breit geöffnet. Sie spürte, dass Taro bereits wach war. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Stoff diskret wieder zusammenzuziehen, aber sie tat es nicht. Es war ein lautloser Test. Sie wollte sehen, wie er reagierte – ob er diesen Moment der Verletzlichkeit ausnutzte oder ob er ihr den Respekt entgegenbrachte, den sie sich erhoffte.

Taro sah sie an, sein Blick war ruhig und klar, ohne die gierige Hektik, die sie von anderen Männern kannte. Er schaute ihr in die Augen, nicht nach unten auf die freiliegende Brust. „morgen , gut geschlafen?“ Er blickte wieder nach oben und drückte sie leicht an sich. Nur behutsame Nähe, Das Vertrauen war damit besiegelt. Ohne Worte war eine weitere Barriere gefallen.

Wenig später deckten sie gemeinsam den Frühstückstisch auf der Terrasse. Der Blick auf den Ozean war atemberaubend, das Wasser glänzte ruhig in der Morgensonne und der Geruch von Salz und frischer Erde war allgegenwärtig. Für Selene fühlte sich alles immer mehr wie ein Paradies an, weit weg von der klinischen Kälte New Atlantis’.

Taro machte keine Anstalten, den üblichen Automatenkaffee zu holen. Er holte eine manuelle Mühle hervor und begann, dunkle Bohnen zu mahlen. Das rhythmische Knirschen und der schwere, ölige Duft, der sofort aufstieg, füllten die Luft. Er brühte den Kaffee von Hand auf, eine fast schon meditative Zeremonie. Er stellte ihr eine Tasse hin. Selene hatte sich bereits wieder eines der Bücher aus dem Regal gefischt – ein schmales Werk über die Flora der frühen Siedlerzeit – und trank beiläufig einen Schluck, während sie las.

Sie stutzte. Sie hielt inne, die Tasse noch am Mund, und zog die Luft tief durch die Nase ein. Sie kostete erneut, diesmal ganz bewusst. Ihre Augen weiteten sich, und sie legte das Buch langsam auf den Tisch. „Taro?“, fragte sie und sah ihn fassungslos an. „Das hier … das ist unmöglich. Das ist echter Kaffee von der Erde. Arabica, reinrassig.“ Sie wusste als Botanikerin nur zu gut, dass diese Sorte in den neuen Welten nicht überlebte. Die Atmosphäre, der Druck, die Zusammensetzung des Bodens – der Kaffee der Erde war eine Legende, ein Luxusgut, das man eigentlich nur noch aus alten Berichten kannte. „Wie ist das möglich?“, flüsterte sie und starrte auf die dunkle Flüssigkeit. „Er dürfte hier gar nicht wachsen.“

Taro lehnte sich zurück und genoss ihren Gesichtsausdruck. „Das ist das Geheimnis von Kuppel Drei“, sagte er ruhig. „Meine Eltern haben fast zwanzig Jahre daran gearbeitet, die Bodenbakterien so zu modifizieren, dass sie die Atmosphäre der Erde simulieren. Es ist wahrscheinlich die einzige funktionierende Plantage außerhalb des Sol-Systems.“ Jetzt gab es kein Halten mehr. Die Neugier der Wissenschaftlerin war endgültig erwacht. Das Paradies hatte nicht nur Strand und Bücher zu bieten, sondern ein botanisches Wunder.

Selene zwang sich dazu, den Kaffee Schluck für Schluck zu genießen. Es war eine Sünde, dieses Aroma einfach hinunterzustürzen, doch Taro sah, wie ihre Finger den Becher fast schon nervös umklammerten. Sie saß auf der Kante ihres Stuhls, ihr Blick wanderte immer wieder zu den gläsernen Verbindungsgängen, die von der Wohnkuppel wegführten. „Ich merke schon, der Kaffee wirkt“, sagte Taro trocken und stellte seine leere Tasse ab. „Komm. Bevor du mir noch vom Stuhl fällst vor lauter Neugier.“

Er führte sie zuerst durch die Gänge zu den Kuppeln 1 und 2. Hier war die Luft warm und feucht, es roch nach fruchtbarer Erde und gesundem Wachstum. „Das hier ist für den Alltag“, erklärte er, während sie an üppigen Tomatensträuchern, Salatvarianten und Getreide vorbeigingen. „Selbstversorgung. Nichts Spektakuläres, aber es hält uns unabhängig von den Lieferungen aus der Stadt.“

Selene nickte beiläufig, ihre Augen scannten die Pflanzen, aber sie blieb nicht stehen. Sie wusste, dass das Beste noch kam. Dann erreichten sie Kuppel 3.

Kuppel 3 war kein bloßes Gewächshaus; es war eine Provokation gegen die Gesetze der Astronomie. Als Taro die schwere Innenschleuse verriegelte und Selene tiefer in den Raum führte, veränderte sich alles: Das Licht war hier goldener, gefiltert durch Spezialglas, das die aggressive Strahlung von Atlantis in das sanfte Spektrum eines Erdennachmittags verwandelte. Selene blieb wie angewurzelt stehen. Der Geruch war überwältigend – er war schwer, feucht und duftete nach tiefem, dunklem Humus, nach Moder und blühendem Leben zugleich. Es war der Geruch einer Welt, die sie nur aus sterilen Holo-Dokus kannte. „Das ist ein komplettes Makrobiotop“, flüsterte sie, während sie langsam an den massiven Glasscheiben entlangging, die die verschiedenen Sektoren schützten.

Im Zentrum dominierten die Kaffeesträucher. Sie waren nicht hoch, aber kräftig, mit glänzenden, dunkelgrünen Blättern und den charakteristischen roten Kirschen, die in den Blattachseln leuchteten. Doch es war das, was darunter geschah, was Selene den Atem raubte. Am Boden wucherten Süßkartoffeln, deren herzförmige Blätter einen dichten Teppich bildeten. Dazwischen schossen Farne empor, die in den feuchten Nischen der Felsen Wurzeln geschlagen hatten. „Schau dir das an“, sagte sie und deutete auf eine Gruppe kleinerer Pflanzen mit breiten, fächerartigen Blättern. „Das ist Manihot esculenta – Maniok. Und dort drüben... sind das echte Bromelien?“

Sie trat so nah an das Glas, dass ihr Atem einen kleinen Nebelfleck auf der Scheibe hinterließ. In den Astgabeln der größeren Gewächse saßen Aufsitzerpflanzen, die ihre Luftwurzeln in die künstlich gesättigte Atmosphäre streckten. Es war ein dichtes, ineinander verschlungenes Chaos, das im krassen Gegensatz zu den klinisch getrennten Hydrokulturen der Universität stand. „Deine Eltern haben nicht nur die Pflanzen hier hergebracht“, erkannte sie mit zitternder Stimme. „Sie haben den Boden mitgebracht. Die Mykorrhiza – die Pilzgeflechte im Untergrund. Das ist das Geheimnis, oder? Ohne diese Symbiose würden die Kaffeepflanzen hier innerhalb von Tagen eingehen.“

Taro nickte und beobachtete, wie sie fast schon ekstatisch die Details aufnahm. Er genoss es, wie sie die wissenschaftlichen Zusammenhänge laut aussprach, als müsste sie sich selbst beweisen, dass das, was sie hier sah, real war. „Sie haben die Bodenbakterien über Generationen hinweg isoliert und hier in Kuppel 3 angesiedelt“, erklärte er ruhig. „Es ist ein geschlossener Kreislauf. Sogar die Insekten zur Bestäubung sind eine eigene, modifizierte Zucht.“ Selene strich mit den Fingerspitzen über das Glas, genau dort, wo auf der anderen Seite eine dicke Kaffeekirsche fast die Scheibe berührte. In diesem Moment war sie nicht mehr die kühle Professorin aus der Betonwüste. Sie war eine Entdeckerin, die vor dem heiligen Gral der Botanik stand. Das weiche Licht der Kuppel spiegelte sich in ihren glänzenden Augen wider, und für einen Augenblick schien selbst der Wein vom Vorabend vergessen – dieser Anblick war ein weit stärkerer Rausch.

„Taro“, sagte sie, ohne den Blick vom Grün abzuwenden. „Das ist kein Garten. Das ist ein biologisches Archiv der Menschheit. Wenn die Leute in New Atlantis wüssten, was du hier versteckst...“ Sie drehte sich zu ihm um, und ihr Gesichtsausdruck war eine Mischung aus tiefer Ehrfurcht und einer fast kindlichen Begeisterung. Das „Paradies“, von dem sie gestern am Strand gesprochen hatte, hatte nun eine wissenschaftliche Seele bekommen. Selene drückte ihr Gesicht fast gegen das Glas von Kuppel 3, ihre Augen brannten vor Verlangen. „Wann darf ich da rein?“, fragte sie mit belegter Stimme. „Ich möchte diese Luft spüren, Taro. Ich will sie riechen, ich will sie schmecken. Geht das?“

Taro sah sie einen Moment lang prüfend an. Er spürte ihren Puls fast durch die Luft. „Ja, das geht“, antwortete er ruhig. „Aber es gibt Regeln. Du musst vorher durch die Dekontaminationsdusche. Wir dürfen keine Bakterien von draußen oder aus der Wohnkuppel dort hineinschleppen. Das System ist hochempfindlich.“ Er legte ihr eine Hand auf die Schulter, um sie sanft zu bremsen. „Geduld. Du wirst es tun können. Aber nicht alles an einem Tag. Wir haben noch eine Station vor uns, die weit weniger friedlich ist als dieses Erden-Biotop.“

Er führte sie weiter zum schweren Portal von Kuppel 4. Hier war die Atmosphäre gelblich-trüb, und ein unnatürliches, bläuliches Flackern drang durch die verstärkten Sichtfenster. „Hier drin herrschen Bedingungen wie auf den äußeren Grenzwelten“, erklärte Taro ernst. „Die Atmosphäre ist aggressiv. Sie reagiert mit Textilien und menschlichem Schweiß. Normale Kleidung würde sich innerhalb von Minuten zersetzen. Wenn wir da rein wollen, müssen wir uns umziehen. Ein einfacher Papieroverall – mehr als ein Sichtschutz ist das nicht. Er bietet keinen echten Schutz gegen die Gase, er hält nur so lange, bis man wieder draußen ist.“ Taro sah zum Monitor der Schleuse. „Normalerweise gehe ich ohne Kleidung da rein. Die Haut regeneriert sich im Pool schneller als jede Faser, die man dort drin tragen könnte. Aber das möchte ich dir eigentlich noch nicht zumuten.“

Selene sah durch das trübe Glas auf Pflanzen, die sie in keinem ihrer Lehrbücher je gesehen hatte. Es waren Gewächse mit fleischigen, pulsierenden Stämmen und Blättern, die wie geschmolzenes Metall glänzten. Die wissenschaftliche Neugier in ihr kannte jetzt keine Grenzen mehr. Die Vorstellung, sich vor ihm auszuziehen oder nur in einem hauchdünnen Papierfetzen eine feindliche Umgebung zu betreten, schreckte sie nicht mehr ab. Das Vertrauen, das in der Nacht gewachsen war, war zu einem festen Fundament geworden. „Taro“, sagte sie fest und wandte den Blick nicht von den fremdartigen Wunderwerken ab. „Ich bin keine Studentin mehr, die Angst vor einem unkonventionellen Labor hat. Wenn das der Preis ist, um diese Spezies zu sehen... dann zahle ich ihn. Jetzt sofort.“

Taro erkannte das vertraute Funkeln in ihren Augen. Es war nicht mehr nur die Akademikerin – es war die Pionierin, die bereit war, alles hinter sich zu lassen, um Neuland zu betreten. Taro reichte ihr den gefalteten Papieroverall, ohne den Blick von der Schleuse zu wenden. Selene hielt das dünne, fast durchscheinende Material in den Händen und blickte ihn fragend an. Sie hatte sich doch klar ausgedrückt; sie war bereit, jede Hülle fallen zu lassen, um diese Pflanzen zu sehen. „Ist das für mein Wohlergehen?“, fragte sie mit einem Unterton, der irgendwo zwischen Belustigung und Herausforderung schwankte. Ihr Blick blieb fest auf ihm liegen, fordernd, fast provozierend. Taro hielt inne. Er schaute sie nicht direkt an, aber ein schmales Lächeln umspielte seine Mundwinkel. „Es könnte zu unbewussten Reaktionen meinerseits kommen“, entgegnete er trocken, während er einen zweiten Overall vom Stapel nahm. „Und wir sind hier wegen der Botanik, nicht um meinen Blutdruck zu testen.“

Jetzt hellten sich ihre Züge auf. Ein kurzes, kehliges Lachen entwich ihr, als sie verstand. Es war kein Verbot aus Prüderie, sondern ein Eingeständnis seiner eigenen Reaktion auf sie. Dieses kleine Stück Papier war der einzige Schutzwall, den er zwischen seine professionelle Beherrschung und sein Verlangen schob. Sie begann, sich aus ihren Kleidern zu schälen, während Taro sich bereits diskret umgedreht hatte, um selbst in den Overall zu steigen. Das Rascheln des Papiers war das einzige Geräusch in der sterilen Schleusenkammer. Selene schlüpfte in das hauchdünne Gewebe, das sich auf der Haut fast wie nichts anfühlte – spröde, trocken und bereit, bei der kleinsten falschen Bewegung zu reißen. „Fertig“, sagte sie leise.

Als er sich wieder umdrehte, war die Atmosphäre in der Schleuse verändert. Der weiße, fast transparente Stoff betonte ihre Silhouette mehr, als er sie verbarg. Taro nickte kurz, atmete tief durch und legte die Hand auf den Scanner der Innentür. „Denk daran“, mahnte er, während das Zischen der Druckentlastung begann. „Der Schweiß wird das Papier angreifen. Wir haben nicht viel Zeit, bevor die Atmosphäre der Kuppel sich den Rest holt. Bleib nah bei mir.“ Die schwere Stahltür glitt zur Seite und gab den Weg frei in eine Welt, die in ein unnatürliches, violettes Glimmen getaucht war. Ein scharfer, metallischer Geruch schlug ihnen entgegen, und Selene spürte sofort das Prickeln der aggressiven Gase auf ihrer ungeschützten Haut. Die Pflanzen in Kuppel 4 warteten – fremdartig, schön und gefährlich.

Das Kribbeln in Kuppel 4 war nicht wie das sanfte Prickeln einer Brise; es fühlte sich an wie tausend winzige, elektrische Nadelstiche, die über Selenes Haut tanzten. Die Atmosphäre war dick, fast ölig, und in das violette Licht getaucht, wirkten die Bewegungen der Pflanzen träge und beinahe absichtsvoll. Taro reichte ihr ein spezielles Schneidewerkzeug. „Nimm die blauen Kapseln dort drüben. Aber sei vorsichtig – die Schale ist hart wie Keramik.“ Selene war völlig in ihrer Welt. Sie trat an die fremdartigen Gewächse heran, deren Blätter metallisch gegeneinander schlugen, wenn sie sich bewegte. Jedes Mal, wenn sie eine der Früchte vorsichtig vom Stamm trennte, stieß die Pflanze ein leises, zischendes Gas aus, das das Papier ihres Overalls anfraß. Sie merkte es nicht einmal. Die wissenschaftliche Ekstase hatte sie taub für das leise Knistern des zerfallenden Stoffes gemacht. Während sie die Proben andächtig in einen versiegelten Behälter legte, löste sich das Papier an ihren Schultern und am Rücken bereits in feine Flocken auf. „Es reicht für heute“, sagte Taro schließlich mit belegter Stimme. Er sah, wie der Overall an ihren Beinen und über ihrem Gesäß bereits große Lücken aufwies, wo der Schweiß das Material rückstandslos zersetzt hatte. „Wir müssen raus. Jetzt.“

Als sie die Schleuse passierten und wieder im sterilen Korridor standen, war von dem „Sichtschutz“ kaum noch etwas übrig. Große Fetzen hingen von ihren Hüften, ihr Rücken und ihre Beine waren fast völlig frei. Das Kribbeln auf der Haut war nun zu einem brennenden Reiz geworden. „Sofort in den Pool“, ordnete Taro an und führte sie zurück in die Wohnkuppel zum tiefergelegten Becken. „Die Mineralien neutralisieren die Säurepartikel sofort.“ Er trat einen Schritt zurück und überließ ihr den Vortritt. „Geh zuerst rein. Ganz.“

Selene zögerte nicht. Die akademische Zurückhaltung war irgendwo zwischen den metallischen Blättern in Kuppel 4 geblieben. Sie schälte sich aus den kläglichen Resten des Papiers und glitt nackt in das warme, milchige Wasser des Pools. Es fühlte sich an wie eine Erlösung. Die Flüssigkeit war so stark gesättigt, dass sie fast mühelos an der Oberfläche trieb, ähnlich wie im Toten Meer auf der Erde. Taro blieb am Beckenrand stehen. Er streifte seinen eigenen zerfetzten Overall ab, während er den Blick ganz bewusst starr nach oben zur Kuppeldecke richtete. Es war kein Wegsehen aus Scham, sondern die Fortsetzung seines Respekts vom Morgen – er ließ ihr den Raum. Dann hörte sie das sanfte Eintauchen, als er hinterherkam. Selene schloss die Augen nicht. Sie sah ihn an, während er sich im Wasser neben sie gleiten ließ. Es gab kein Verstecken mehr. Das warme Mineralwasser trug sie beide, sie lagen nebeneinander, die Körper nur Zentimeter voneinander entfernt, während die Haut die regenerativen Stoffe aufsaugte. „Zwanzig Minuten“, murmelte Taro, den Kopf im Nacken, während er ebenfalls an der Oberfläche trieb. „Länger macht die Haut nicht mit, dann wird sie zu weich.“ Sie schwiegen. Das leise Plätschern des Wassers und das ferne Rauschen des echten Meeres draußen waren die einzige Kulisse. In diesen zwanzig Minuten war die Welt von New Atlantis Lichtjahre entfernt. Es gab nur noch diesen Pool, die fremden Früchte im Behälter am Rand und die Gewissheit, dass sie hier an diesem Wochenende eine Grenze überschritten hatten, die man nicht mehr rückgängig machen konnte.

Taro stieg als Erster aus dem Becken. Das Wasser perlte von seiner Haut ab, während er nach einem der großen, schweren Handtücher griff. Er breitete es aus, hielt es ihr entgegen wie einen Schutzwall und richtete seinen Blick dabei wieder demonstrativ nach oben zur Kuppeldecke, als gäbe es dort oben plötzlich architektonische Wunder zu entdecken.

Selene stieg langsam die Stufen hoch. Das mineralische Wasser machte ihre Haut seidig und glänzend. Sie blieb direkt vor ihm stehen, das Handtuch ignorierend, das er wie ein Schild zwischen sie hielt. „Taro, sieh mich an“, sagte sie leise, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete. Er zögerte eine Sekunde, dann senkte er langsam den Blick. „Lass den Quatsch“, fuhr sie fort, ein leichtes, fast herausforderndes Lächeln auf den Lippen. „Wir sind längst weiter, als dass man das noch gutheißen könnte, bevor es albern wird.“

Sie drückte sein Handtuchangebot mit einer Hand weg, sodass es zu Boden glitt. Es gab jetzt nichts mehr, das zwischen ihnen stand – kein Papieroverall, kein Stoff, keine gespielte professionelle Distanz. Sie trat den letzten entscheidenden Schritt dicht an ihn heran, legte ihre Hände in seinen Nacken und küsste ihn. Es war kein vorsichtiges Probieren mehr, sondern ein Kuss, der all die aufgestaute Spannung der Flucht vom Mars und der Entdeckungen in den Kuppeln entlud. Als sie sich nach einem langen Moment löste, blieb sie ganz nah an seinem Gesicht, ihr Atem warm auf seiner Haut. „So schnell verschwinde ich eh nicht mehr, als dass du Angst haben müsstest, einen Fehler zu machen“, flüsterte sie.

Taro sah sie an, und zum ersten Mal an diesem Wochenende war die stoische Maske des Ermittlers komplett verschwunden. Er legte seine Arme um sie, zog sie fest an sich und spürte die Wärme ihrer Haut, die noch immer leicht nach den fremden Mineralien und dem Salz der Küste roch. Die „Dienstmarke“ und die Geheimnisse seiner Arbeit spielten in diesem Moment keine Rolle mehr. Sie waren keine Geschäftspartner mehr, die ein Hydromodul planten. Sie waren zwei Menschen, die in der Abgeschiedenheit dieser Siedlung ihr eigenes Zentrum gefunden hatten. Ohne Sich abzutrocknen, zog Selene den Kimono wieder an. Und wollte Richtung Terrasse.

Taro dessen Selbstbeherrschung nur noch aus einem seidenen Faden bestand, versuchte sie festzuhalten, erwischte aber nur mit einer Hand den Gürtel. Selene drehte sich um, sah ihn an, etwas blitzte in ihren Augen auf. Sie ging langsam rückwärts, bemerkte das es dazu führen würde das der knoten aufging, wenn sie weiter ging. Sie biss sich auf die Lippen und zog langsam zurück. Taro traute sich nicht sich zu bewegen, er beobachtete nur.

Das Geräusch des sich langsam lösenden Knotens war in der Stille der Kuppel lauter als das Meer draußen. Selene wich Zentimeter um Zentimeter zurück, den Blick unnachgiebig auf Taro gerichtet. Sie sah, wie sich seine Kiefermuskulatur anspannte, wie er den Gürtel hielt – fest genug, um den Widerstand zu spüren, aber nicht so fest, dass er sie gewaltsam stoppte. Es war ein lautloses Duell der Willenskraft.

Obwohl der Knoten nun endgültig aufgegangen war, passierte nicht das, was man erwarten würde. Der feine Stoff des Kimonos war durch die Nässe ihres Körpers schwer geworden und klebte wie eine zweite Haut an ihren Kurven. Er gab nur einen schmalen, dunklen Spalt frei, der mehr erahnen ließ, als er preisgab. Selene biss sich auf die Lippe, ein Zeichen, dass sie das Spiel genauso genoss wie er. Sie stoppte ihre Rückwärtsbewegung, als der Stoff an ihren Schultern zu rutschen begann, gehalten nur noch von der Feuchtigkeit auf ihrer Haut. „Du zitterst ja, Taro“, flüsterte sie, obwohl er eigentlich wie versteinert dastand. „Ist der seidene Faden doch dünner als du dachtest?“

Taro ließ den Gürtel langsam los. Das Ende des Stoffes glitt aus seiner Hand und fiel lautlos auf den Boden. Er machte den Schritt auf sie zu, den sie mit ihrer Provokation heraufbeschworen hatte. In seinen Augen war nichts mehr von der kühlen Distanz des Ermittlers zu sehen. „Der Faden ist gerade gerissen“, erwiderte er heiser. Er legte seine Hände auf ihre nassen Schultern, dort, wo der Kimono bereits den Halt verloren hatte. Die Mischung aus der Kühle des Stoffes und der brennenden Hitze ihrer Haut war der endgültige Auslöser. Es gab kein Zurück mehr zur Botanik, nicht in dieser Stunde.

Er hob sie hoch, für sie der Startschuss ihn zu küssen, nicht kurz, nicht einfach ,sondern fordernd, lustvoll. Taro sollte endlich die ultimative Nähe mit ihr haben. Er Trug sie zur Liegefläche vor der Glaskuppel, wo sie schon die gemeinsame Nacht verbrachten, wo sie schon das Vertrauen herstellten, wo sie schon den Anfang der Zweisamkeit gelegt hatten. Sie sah ihn an, hielt sein Gesicht als er in sie glitt.

Durchgeschwitzt und außer Atem kamen sie wieder zu sich, Selene sah glücklich aus. „soweit weit wollte ich eigentlich gar nicht gehen, nicht so schnell, nicht dieses Wochenende, was passiert da bloß, ,mit uns?“ flüsterte Selene

Taro lag neben ihr, das rhythmische Rauschen der Brandung draußen schien sich allmählich wieder mit ihrem eigenen Herzschlag zu synchronisieren. Die Luft in der Kuppel fühlte sich jetzt schwerer an, gesättigt von der Intensität der letzten Stunden. Er stützte sich auf einen Ellbogen und sah sie an; ihre Haare klebten noch leicht an der Schläfe, und dieses wissenschaftlich-strenge Gesicht war einer weichen, fast ungläubigen Zufriedenheit gewichen. „Vielleicht“, sagte Taro leise und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn, strich sanft weiter den Rücken entlang bis zum Po. „passiert genau das, was passiert, wenn man zwei Elemente zusammenbringt, die eigentlich schon immer zusammengehört haben, aber in New Atlantis nie den richtigen Druckkessel gefunden haben.“

Ein schütteln ging durch Selene. Sie lachte leise, ein erschöpftes, aber glückliches Geräusch. „Du und deine Metaphern. Sogar im Bett bleibst du der Techniker.“ Sie drehte sich zu ihm, legte den Kopf auf seine Brust und zeichnete mit dem Finger die Konturen seiner Brustmuskeln nach. „Ich habe mein ganzes Leben in Archiven und Laboren verbracht“, flüsterte sie. „Ich dachte, ich wüsste, wie man Dinge berechnet. Aber das hier... das stand in keinem Protokoll. Wir sind hier in dieser Siedlung wie in einer anderen Dimension. Ich habe fast Angst vor dem Moment, in dem wir wieder in den Jäger steigen müssen.“

Taro umschlang sie fester. Er wusste, was sie meinte. New Atlantis war laut, korrupt und gefährlich Aber hier, an diesem gottverlassenen Küstenstreifen, hatten sie eine Basis geschaffen, die stärker war als jedes politische Intrigenspiel. „Wir nehmen das hier mit“, sagte er bestimmt. „Die Stadt bekommt die Professorin und den Ermittler zurück. Aber was hier passiert ist... das bleibt unser Anker. Wir sind kein Zufallsprodukt mehr, Selene. Wir sind jetzt eine Einheit.“

Sie saßen wenig später auf der Terrasse, in einfache, bequeme Leinenklamotten gehüllt, die blauen Kapseln aus Kuppel 4 in einer sterilen Schale zwischen sich auf dem Tisch. Der Wein von gestern Abend war vergessen, jetzt stand wieder der starke, erdige Kaffee vor ihnen. Selene drehte eine der Kapseln vorsichtig mit einem Skalpell hin und her. „Taro, wenn wir diese adaptiven Zellstrukturen aus Kuppel 4 in das Hydromodul integrieren… dann bauen wir nicht nur eine Bewässerungsanlage. Wir bauen eine künstliche Lunge für ganze Planeten.“

Taro beobachtete sie dabei, wie sie arbeitete. Die Art, wie sie die wissenschaftliche Präzision mit der neuen Lockerheit verband, gefiel ihm. „Du denkst schon wieder drei Schritte weiter“, sagte er und nahm einen Schluck. „Aber genau deshalb bist du hier. New Atlantis hat die Ressourcen, aber hier ist der Ort, an dem die Ideen tatsächlich überleben.“ "Eigentlich hat diese Frucht noch ein Nebeneffekt" Sie sah von der Probe auf, direkt in seine Augen. „Ich bin nicht nur wegen der Ideen hier, Taro. Das weißt du.“

Taro hielt die gläserne Schale mit den eingelegten Früchten in der Hand. Die blauen Kapseln schimmerten in der Flüssigkeit fast silbrig. „Meine Mutter nannte sie 'Nachtlichter'“, erklärte er, während er eine Kapsel vorsichtig bewegte. „In dieser speziellen Zucker-Alkohol-Lösung setzen sie Enzyme frei, die beim Menschen... nun ja, die Sinne erheblich schärfen. Ein ziemlich potentes Aphrodisiakum.“

Selene beobachtete das Schimmern für eine Sekunde, dann entwich ihr dieses kurze, trockene Lachen. „Na, gut, dass wir das jetzt schon hinter uns haben“, sagte sie und stellte ihre Kaffeetasse mit einem eindeutigen Klackern ab. Bevor er antworten konnte, stand sie auf, trat um den Tisch herum und setzte sich mit einer selbstverständlichen Eleganz direkt auf seinen Schoß. Sie schlang die Arme um seinen Nacken, sah ihm tief in die Augen und ein spitzbübisches, fast schon gefährliches Funkeln trat in ihren Blick. „Und was ist“, flüsterte sie, während sie ihr Gesicht ganz nah an seines brachte, „wenn ich das gar nicht brauche? Wenn mir die Realität hier draußen völlig ausreicht?“

Taro spürte die Wärme ihres Körpers und den direkten, ungefilterten Blick der Frau, die gerade erst bewiesen hatte, dass sie bereit war, für die Wahrheit – und für ihn – jede Hülle fallen zu lassen. Die Früchte auf dem Tisch waren plötzlich nur noch botanische Dekoration. „Dann“, erwiderte Taro und legte seine Hände fest auf ihre Hüften, „sollten wir die Wissenschaft für heute wohl offiziell für beendet erklären.“ Er zog sie an sich, voller verlangen versanken beide in Leidenschaft, obwohl der Stuhl dafür nicht wirklich geeignet war.

Der Sonntag neigte sich dem Ende zu. Die Taschen waren gepackt, und die versiegelten Behälter mit den Proben aus Kuppel 4 standen bereit. Der Jäger wartete draußen auf der Plattform, ein schwarzer Schatten vor dem glühenden Abendhimmel von Atlantis. Selene stand noch einmal auf der Terrasse und sah hinaus auf das Meer. Das Spektralflimmern würde erst in ein paar Stunden wieder beginnen, aber sie trug das Bild bereits fest in sich. „Bereit?“, fragte Taro, der hinter sie getreten war. Er trug wieder seine dunkle Einsatzjacke, die Dienstmarke sicher verstaut, aber sein Blick war weicher als noch vor zwei Tagen. „Eigentlich nicht“, gab sie offen zu und drehte sich zu ihm um. „Ich habe das Gefühl, ich lasse die echte Welt hier zurück. Aber...“ Sie klopfte leicht auf den Behälter mit den blauen Kapseln. „Das hier wird mich immer an das Paradies erinnern“ Taro nickte. „In der Uni wird man Fragen stellen.“

Sie stiegen in den Jäger. Das vertraute Summen der Triebwerke beim Vorheizen fühlte sich diesmal anders an – nicht wie eine Flucht, sondern wie der Start in eine neue Offensive. Als die Maschine abhob und die Kuppelsiedlung unter ihnen immer kleiner wurde, setzte Selene sich auf seine Schoss und ihre Hand auf seine, die fest am Steuerknüppel lag. „Taro?“, sagte sie, während sie beobachtete, wie die Lichter der fernen Megacity am Horizont auftauchten. „Hm?“ „Wenn wir landen... das zwischen uns. Ist das auch offiziell? Oder musst du weiter Anonymität halten“ Taro schmunzelte und beschleunigte den Jäger, bis sie in den Sitz gedrückt wurden. „Keine Sorge, Professorin. Wer damit ein Problem hat, wird bestimmt nicht mein Klient“

Der Jäger glitt ruhig durch die Nacht von Atlantis. Das Cockpit war nur vom Glimmen der Instrumente beleuchtet. Selene lehnte sich an Taro und beobachtete die vorbeiziehenden Wolkenfetzen. Die Ruhe der Siedlung wirkte noch nach, aber ihr Verstand ratterte bereits. „Eine Stunde Flugzeit“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm. „Mit einem Miet-Hoverjeep dauert es über Land vielleicht 2 oder 3h, aber mit einem Cityhopser wäre ich in vierzig Minuten wieder in der Siedlung.“ Sie sah ihn von der Seite an. „Ich könnte mir eine Fluglizenz für die privaten Korridore besorgen. Dann müsste ich nicht darauf warten, dass du mich abholst.“ Taro schmunzelte, während er den Kurs korrigierte. „Du planst also schon die nächste Invasion?“

„Ich plane den Zugang zu meinen Forschungsdaten, Taro. Kuppel 3 bleibt unter Verschluss, das ist klar. Aber ich muss wissen, dass ich jederzeit dorthin zurück kann. Nicht nur wegen der Pflanzen.“ Sie legte den Kopf schräg. „Wie sieht deine Woche aus? Kann ich dich am Dienstagabend in der Stadt sehen?“ Bevor er antworten konnte, flackerte das verschlüsselte Terminal in der Mittelkonsole auf. Zwei Nachrichten leuchteten auf.

Die erste war kurz und trocken, vom Anwalt: „Bezüglich B. Turner: Die Akte ist versiegelt. Keine weiteren Schritte seinerseits zu erwarten. Er hat die Stadt heute Morgen mit dem ersten Shuttle Richtung Außenposten verlassen. Die Sache ist erledigt.“ Die zweite Nachricht hatte ein offizielles Siegel, das Selene sofort erkannte. Es war das persönliche Wappen von Frau Merrow. „Herr Taro, ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie am Montagvormittag in meinem Büro erscheinen könnten. Es gibt Angelegenheiten von struktureller Bedeutung, die wir besprechen sollten. Mit freundlichen Grüßen, Merrow.“

Selene zog die Augenbrauen hoch. „Sie bittet dich? Das habe ich bei ihr noch nie erlebt. Normalerweise lässt sie Leute einfach abholen oder zustellen.“ Taro starrte auf das Display. Er kannte diese Art von Höflichkeit. Sie war gefährlicher als eine offene Drohung. „Wenn die Merrow bittet, dann brennt irgendwo eine Sicherung durch, von der wir noch nichts wissen“, sagte er düster. „Und was heißt das für uns?“, fragte Selene, die den plötzlichen Umschwung der Atmosphäre spürte. „Das heißt, dass meine Pläne für die Woche gerade hinfällig geworden sind“, erwiderte er, während die Lichter der Landeplattform von New Atlantis unter ihnen auftauchten. „Ich werde wahrscheinlich die nächsten Tage im Inneren Zirkel der Firma verbringen müssen. Was auch immer sie will, es wird groß sein.“

Taro merkte sofort, dass die Hierarchie hier flacher war, als er vermutet hatte. Frau Merrows Büro war zwar elegant, aber man spürte den Atem des Vorstands im Nacken. Sie war eine der Mächtigen in New Atlantis, aber eben nicht die Einzige. „Herr Taro“, begann sie und reichte ihm tatsächlich selbst ein Glas Wasser, was die ungewohnte Höflichkeit ihrer Nachricht unterstrich. „Ich werde direkt sein. Der Vorstand blockiert mir seit Monaten ein eigenes Shuttle für meine Dienstreisen zu den Außenposten. Sie nennen es 'Kosteneffizienz', ich nenne es Kontrolle.“ „Ich muss gestehen, Sie haben mich überrascht. Mein Anwalt hat versucht, Hintergrundinformationen zu Ihrer Akte bei der Justizbehörde einzuholen. Das Ergebnis war... eine leere Seite mit einem Sicherheitsstempel, den nicht einmal meine Kontakte im Senat knacken konnten. Ihr Ruf in gewissen Kreisen – unter Ihrem Pseudonym – eilt Ihnen voraus. Diskret, effektiv und vor allem: loyal.“ Sie machte eine Pause und trat ans Fenster, den Blick auf die startenden Schiffe gerichtet. „Ich habe bemerkt, dass Sie keine Befragung zu Herrn Turner durchgeführt haben. Sie haben ihn einfach... entfernt. Effizient. Ohne Papierkrieg. Genau das gefällt mir. Deshalb möchte ich Ihnen ein Angebot machen, das über die bloße Ermittlung hinausgeht.“

Sie drehte sich zu ihm um. „Ich werde in nächster Zeit häufiger in die anderen Welten reisen müssen. Vertragsgespräche, die keinen offiziellen Sicherheitsapparat vertragen, der schon drei Meilen gegen den Wind nach Konzernmiliz riecht. Ich brauche einen freiberuflichen Piloten mit einem Schiff, das mehr kann, als nur von A nach B zu fliegen. Mein Anwalt hat mir von Ihrem Jäger berichtet – ein beeindruckendes Stück Technik.“

Sie trat einen Schritt näher und senkte die Stimme. „Ich engagiere Sie als meinen persönlichen Piloten und Sicherheitsberater für diese Reisen. Und was das betrifft...“ Sie deutete vage auf seine Jacke. „Tragen Sie Waffen? Ich bevorzuge jemanden, der im Zweifelsfall überzeugende Meinungsverstärker dabei hat. Nicht für eine Schießerei, sondern um klarzustellen, dass die Verhandlungen auf Augenhöhe stattfinden.“

Taro blieb ruhig. Er wusste, dass das hier ein goldener Käfig sein konnte, aber es war auch die perfekte Tarnung, um in der Nähe der Machtzentren zu bleiben und Selene zu schützen. „Ich besitze die nötigen Lizenzen für defensive und offensive Eventualitäten“, antwortete er knapp. „Und mein Schiff ist... wehrhaft genug, um die meisten Gespräche kurz zu halten, wenn sie unangenehm werden. Was die Bewaffnung angeht: Ich trage, was die Situation erfordert.“

Frau Merrow nickte zufrieden. „Gut. Dann sind wir uns einig. Sie stehen ab sofort auf meiner Gehaltsliste. Rechnen Sie damit, dass wir diese Woche noch aufbrechen.“ „Ist das eine Festanstellung oder als Freier Mitarbeiter?“ „Festanstellung wäre zu offensichtlich, freier Mitarbeiter, klingt besser und das kann ich auch dem Vorstand verkaufen“ „ sie bekommen monatlich Geld und dafür stehen sie, wenn es schnell gehen muss auch mal Nachts für mich zur Verfügung, hat ihr Schiff ein zweiten Wohnbereich, wo ich auch mal in ruhe arbeiten oder ruhen könnte?“ „nur wenn ich die Zelle und ein Frachtraum rausschmeiße, aber der Wohnbereich ist groß genug für 4 Personen“ „oh ihr Schiff hat ne Zelle, interessant, aber die werden wir wohl nicht brauchen.

Frau Merrow nickte, als wäre die Sache damit erledigt. „Gut. Keine großen Dramen, Herr Taro. Ich brauche lediglich Zuverlässigkeit. Es geht um Routineflüge zu den Außenposten, ein paar Unterschriften, Präsenz zeigen. Mein Protokollchef wird Ihnen die Flugpläne zukommen lassen. Rechnen Sie mit ein paar Einsätzen diese Woche.“

Taro verließ das Büro mit einem Digital-Vertrag, der ihn offiziell als „Spezialberater für Logistik“ führen sollte. Und zum ersten Mal hatte er das Gefühl, das nicht alleine zu entscheiden, er wollte Selenes Meinung dazu wissen bevor er einwilligte. Dass dieser Berater eine Zelle an Bord hatte und „Meinungsverstärker“ unter der Jacke trug, war das kleine Geheimnis zwischen ihm und Frau Merrow. Draußen im Korridor lehnte er sich kurz gegen die kühle Glaswand. Er musste grinsen. Die Vorstellung, die eiserne Lady von New Atlantis in seinem Jäger zu befördern, während im Frachtraum vielleicht noch die Spuren seines letzten „Kunden“ zu finden waren, hatte einen gewissen schwarzen Humor.

Er fuhr direkt zum Institut. Selene kam gerade aus dem Hochsicherheits-Labor, die Augen müde, aber hellwach vor Begeisterung. „es war ein Jobangebot“, sagte er ohne Umschweife. „Freiberufler auf Abruf. Sie wollte wissen, ob ich ein zweiten Wohnbereich an Bord habe, um darin zu arbeiten.“ Selene lachte und drückte ihm einen Becher Kaffee in die Hand. „Und was hast du gesagt?“ „Ich hab mir Bedenkzeit erbeten und dass ich nur eine Zelle habe und dass ich sie rauswerfe, wenn sie es bequem haben will. Ich glaube, sie mag meinen Sinn für Inneneinrichtung nicht besonders.“ „Taro?“ „Hm?“ „Wenn sie nachts anruft und du losfliegen musst... lass die Zelle drin. Man weiß nie, ob man auf diesen 'Routineflügen' nicht doch mal jemanden trifft, der eine kleine Auszeit vom Vorstand braucht.“ "ein Anflug von Eifersucht?" sagte Taro mit einem spöttischen Tonfall sie sah Taro kurz an "Nein, ich vertrau dir, aber ich weiß welche Ausstrahlung du mit Dienstmarke hast. Das könnte ein CEO, die es gewohnt ist kein Nein zu bekommen, auf gewisse Gedanken kommen."

Nach dem Gespräch am Institut war die Luft zwischen ihnen aufgeladen, aber auf eine ruhige, vertraute Weise. Selene strich sich eine lose Strähne aus der Stirn und sah Taro fest an. „Flieg vor“, sagte sie leise, aber bestimmt. „Du brauchst den Kopf frei, um über dieses Angebot von Merrow nachzudenken, ohne dass ich dir ständig über die Schulter sehe oder das Institut im Hintergrund summt.“

Taro nickte nur kurz. Er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie recht hatte. Sein Prinzip „ein Auftrag zur Zeit“ galt auch für Entscheidungen dieser Tragweite. Er brauchte die Weite der Küste, um das Gewicht dieses „Spezialberater“-Vertrags einzuordnen.

„Ich nehme ein City-Hopser“, fügte sie hinzu und lächelte bei dem Gedanken an den kurzen Flug mit dem zivilen Shuttle. „Vasco kann schon mal das System in der Siedlung hochfahren.“.

Als Taro wenig später die Triebwerke seines Jägers über dem privaten Landeplatz drosselte, fühlte sich die tropische Hitze von Atlantis wie eine Erlösung an. Er ließ die Systeme auf Standby laufen, während Vasco bereits mit schweren, metallischen Schritten die Rampe hinunter stapfte, um die Außenaggregate der Wohnkuppeln zu prüfen.

Taro ging direkt zur großen Glasfront der Wohnkuppel und starrte auf das Meer hinaus. Das Licht der Doppelsterne begann bereits, die Farbe zu wechseln – das typische Indigo der nahenden Nacht deutete sich am Horizont an. Er war allein mit seinen Gedanken an Merrows Angebot und dem Wissen, dass er bald nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich war.

Gegen Abend zerriss das helle Surren eines City-Hopsers die Stille der Küste. Das kleine Shuttle setzte sanft auf dem Grasstreifen hinter den Gewächshäusern auf. Als Selene die Luke öffnete und mit ihrer Tasche über der Schulter auf die Kuppeln zuging, hielt sie kurz inne. Sie atmete die salzige, warme Luft tief ein. Der Geruch nach feuchter Erde und Meer war wie eine sofortige Entwarnung für ihr Nervensystem. Sie ging direkt auf die Wohnkuppel zu, in der das warme Licht bereits durch die Glasfront schimmerte

Sie sah nicht aus wie eine Professorin, die gerade von der Arbeit kam. Ihr Blick wanderte über die vertrauten Rundungen der Glasbauten und die dunklen Umrisse der Palmen. Für sie fühlte es sich nicht mehr wie ein Besuch an. Es fühlte sich wie nach Hause kommen an.

Taro stand an der Küchenzeile, als sie die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ. Er wollte gerade etwas sagen, vielleicht über den Vertrag oder das Abendessen, aber sie gab ihm keine Chance. Die Beiläufigkeit des Alltags an der Uni war draußen geblieben. Sie fiel förmlich über ihn her, als hätte dieser eine Tag Trennung nach den Ereignissen im All eine Ewigkeit gedauert. Es war dieses ungestüme Aufholen von Nähe, das nur zwei Menschen kennen, die gerade erst begriffen haben, wie schnell alles vorbei sein kann.

In dieser Nacht und den folgenden Tagen schrumpfte ihre Welt auf die Maße der Wohnkuppel zusammen. Sie waren wie frisch Verliebte, die kaum den Weg aus dem Bett fanden, während draußen das Spektralflimmern der Doppelsterne den Rhythmus vorgab.

Es war kein plötzlicher Umschwung, eher ein schleichendes Einnehmen von Raum. Während Taro draußen die Filter der Wasseraufbereitung prüfte, verbrachte Selene immer mehr Zeit in der Forschungskuppel. Sie wirbelte keinen Staub auf, sie schien ihn Schicht für Schicht wegzuanalysieren.

Taro beobachtete sie manchmal durch die Verbindungsschleuse. Es hatte etwas Beruhigendes, wie sie mit ihren schmalen Fingern über die klobigen, fast schon antiken Bioanalyse-Geräte strich, bis diese mit einem widerwilligen, hohen Summen und dem Flackern alter Displays antworteten. Wenn sie dann die Daten mit ihrem modernen PlanetNet-Zugang synchronisierte, wirkte es, als würde sie zwei Zeitalter miteinander kurzschließen.

Sie hatte sich zwischen den stapelweise gelagerten Logbüchern seiner Eltern eine Nische freigeräumt. Ihr „Homeoffice“ bestand aus einer Mischung aus neuester Uni-Technik und den handgeschriebenen Notizen einer Generation von Botanikern, die Atlantis noch mit ganz anderen Augen gesehen hatten.

„Das hier ist kein Labor, Taro“, sagte sie eines Nachmittags, ohne den Blick von einem der alten Mikroskope zu wenden. „Das ist ein Archiv für die Zukunft. Deine Eltern haben Dinge dokumentiert, für die wir heute ganze Expeditionen ausrüsten müssten.“.

Mit jedem Terminal, das sie hochfuhr, und jeder seltenen Pflanze, die sie in ihr neues System einspeiste, verlor die Siedlung ihren Status als bloßer Rückzugsort. Sie wurde zu ihrem gemeinsamen Stützpunkt, an dem die Grenze zwischen Arbeit und Leben im feuchten Küstenwind verschwamm.

Die Abende auf der großen Liegefläche vor der Glaswand wurden zum Schauplatz für ihre Pläne. Während das Spektralflimmern des Meeres den Raum in rhythmisches Licht tauchte, besprachen sie die Idee, Selenes Forschungs- und Lerngruppe hierher zu verlegen.

„Die Ruhe hier am Äquator ist ideal für die Studis“, sagte Selene, während sie den Kopf auf seine Schulter legte. „Kein Campus-Lärm, keine Ablenkung durch das Stadtleben von New Atlantis. Nur die Pflanzen und das Labor deiner Eltern.“

Taro dachte an die zusätzliche Logistik, aber er sah auch den Vorteil. Da Lyra, die Tochter der Merrows, inkognito Teil der Gruppe war, bot die Abgeschiedenheit der Siedlung ihr den Schutz, den sie in der Stadt kaum noch hatte. Es war ein logischer Schritt, auch wenn es bedeutete, dass seine private Festung bald zu einem akademischen Außenposten werden würde.

Es dauerte nicht lange, bis die Nachricht über Lyra den Weg zu ihren Eltern fand. Dr. Elira Kestrel-Merrow war eine Frau, die Informationen wie Währung behandelte. Sie erfuhr von der geplanten Verlagerung der Lerngruppe und sah darin mehr als nur ein Studienprojekt.

Taro erhielt eine knappe, aber unmissverständliche Nachricht über seine abgeschottete Verbindung. Die CEO fragte an, ob sie am Wochenende persönlich in der Siedlung vorbeikommen könne. Sie wollte den Ort mit eigenen Augen sehen – und sie wollte eine Antwort auf das Jobangebot, das sie ihm in der Kestrel-Zentrale unterbreitet hatte.

„Sie will nicht telekommunizieren“, stellte Taro trocken fest und legte das Terminal beiseite. „Sie will hier aufschlagen, um mir beim 'Ja'-Sagen in die Augen zu schauen.“

Das Wochenende brachte eine drückende, tropische Schwüle mit sich, die nur gelegentlich von einer Meeresbrise unterbrochen wurde. Taro und Selene standen gemeinsam am Rand des Landeplatzes, als das ferne Grollen von Hochleistungstriebwerken die Stille zerriss.

Ein eleganter Firmenjet, dessen weiße Hülle im harten Licht der Doppelsterne fast blendete, senkte sich im vertikalen Landeanflug herab. Der Wind der Triebwerke peitschte durch die Palmen und wirbelte den hellen Küstensand auf, während die Maschine punktgenau aufsetzte.

Das Zischen der Druckschleuse verstarb, als die schwere Rampe des Jets langsam auf den Beton des Landepads herabsank. Dr. Elira Kestrel-Merrow trat ins Freie, perfekt gekleidet, jedes Haar an seinem Platz – die Verkörperung von New Atlantis.

Doch nach den ersten Schritten endete der feste Boden. Als sie die Grenze zum weichen, warmen Küstensand erreichte, hielt sie inne. Taro beobachtete, wie sie einen Moment schwankte, dann kurz entschlossen ihre Pumps abstreifte und sie achtlos auf der Rampe stehen ließ.

Sie lief ein paar Meter weiter, die nackten Füße tief im feinen Sand versinkend. Mitten in der Bewegung blieb sie fasziniert stehen. Ihr Blick wanderte über die Zehen, die im Sand spielten – ein Gefühl, das in den klimatisierten Vorstandsetagen und auf den polierten Marmorböden der Hauptstadt nicht existierte. Erst jetzt sah sie sich wirklich um. Sie sah nicht mehr nur die Logistik oder die strategische Lage; sie sah das eigentliche Paradies, einen Ort der Erholung, an dem Geschäfte keinen Platz hatten.

Ohne Taro oder Selene eines Blickes zu würdigen, lief sie weiter über den Strand, bis die erste sanfte Welle ihre Füße umspülte. Das kühle Wasser von Atlantis schien den letzten Rest der geschäftlichen Kälte fortzuwaschen.

Dann drehte sie sich um. Die strenge Mauer war gefallen. Sie lachte – ein echtes, befreites Lachen, das so gar nicht zu der Frau passte, die vor wenigen Tagen noch über Millionenbudgets entschieden hatte.

„Jetzt verstehe ich, warum dieser Ort geheim bleiben muss“, sagte sie leise, während sie den Blick über die Küstensiedlung schweifen ließ.

Taro sah zu Selene und wusste: Das Jobangebot war in diesem Moment zweitrangig geworden. Etwas Neues hatte begonnen.



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