Das Geheimnis des Höschens (fm:Humor/Parodie, 11591 Wörter) | ||
| Autor: Roman Tiker | ||
| Veröffentlicht: May 25 2026 | Gesehen / Gelesen: 266 / 206 [77%] | Bewertung Geschichte: 9.71 (7 Stimmen) |
| Das Geheimnis des Höschens - oder - Eine nicht immer ganz ernst gemeinte Geschichte von einem Pinguin, der eines Tages aufhörte zu zittern. | ||
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Eine nicht immer ganz ernst gemeinte Geschichte von einem Pinguin, der eines Tages aufhörte zu zittern.
Die ersten Vorboten des Frühlings leuchten zum Fenster herein, hinter dem ich sitze und in Max Frischs Homo Faber blättere. Ein Buch, das unsere Deutschlehrerin uns ans Herz gelegt hat, weil sie eine schriftliche Diskussion über das Werk von uns erwartet. Die Geschichte des todkranken Ingenieurs, der, ohne es zu wissen, eine sexuelle Beziehung zu seiner ihm bislang unbekannten Tochter eingegangen ist, und sozusagen auf dem Sterbebett alles noch ins Gute umkehren möchte, beschäftigt mich.
Ich hebe meinen Blick und starre in den hellen Schein der Sonne, die ihre ersten warmen Strahlen zur Erde schickt, genieße das Licht, das nach der dunklen Jahreszeit neues Leben bedeutet.
Von meinem Fenster aus kann ich sehen, dass Nadja, unsere Nachbarin, Wäsche auf die Leine gehängt hat und zwischen den weißen Hemdchen erkenne ich den blauen Büstenhalter, unser geheimes Zeichen, das mir sagen soll, dass sie auf mich wartet, denn der blaue Büstenhalter bedeutet, dass sie heute an der Reihe ist.
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Alles begann im letzten Herbst, ein paar Wochen nachdem ich volljährig geworden war. Nadja hatte mir ein verspätetes Geburtstagsgeschenk machen wollen und mir ein Päckchen überreicht. Als ich es in meinem Zimmer öffnete, konnte ich meinen Augen nicht trauen, denn es enthielt einen kleinen Pinguin, der, wenn man einen Schalter betätigte, Summgeräusche von sich gab und auf der Tischplatte begann zu tanzen. Erst da fiel mir die komisch gestaltete Nase auf, die ringförmig modelliert, etwas vertieft eine Membran enthielt, die kleine Stromstöße abzusondern schien. Mehrfach drückte und schob ich am Schalter herum, weil ich einen Funktionsfehler vermutete, und bei jeder Stellung gab das kleine knuffige Tier ein anderes Geräusch ab und zitterte an verschiedenen Stellen.
Lange beobachtete ich das schwarzweiße Etwas mit dem orangenen Schnabel, wie es auf meinem Schreibtisch vor sich her tanzte und fragte mich, was Nadja mir damit sagen wollte. Ich nahm den Begleitzettel in die Hand und war noch perplexer als zuvor, als ich las, dass es sich um ein Spielzeug für erwachsene Frauen handelte. Nun war ich zwar erwachsen, aber mitnichten eine Frau, was sollte ich also mit einem solchen Ding?
Nadja war alles andere als eine offene Frau, zumindest bis dahin. Sie lebte seit einigen Jahren in dem Haus neben uns, war dort mit ihrem Mann eingezogen, anscheinend, weil sie ein Nest für ihre Familie gesucht hatten. Da die Verbindung kinderlos geblieben war, hatte ihr Mann sich Anfang des Jahres von ihr getrennt und sie alleine zurückgelassen. Wer seine Frau liebt, sollte man doch meinen, lässt sich nicht so leicht davon abbringen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Ihr Mann war da offensichtlich anderer Meinung. Dabei war Nadja wirklich nett. Nun gut, ich kannte sie bis zu diesem Zeitpunkt nur als Nachbarin und da war sie freundlich, hilfsbereit und immer zu Scherzen aufgelegt und... sie sah verdammt gut aus.
Wie alt sie genau war, wusste ich gar nicht, ich schätzte sie zwischen Ende dreißig und Anfang vierzig, wobei das mit dem Schätzen bei mir immer so eine Sache ist. Was ihr Aussehen betrifft, konnte sie auf jeden Fall mit allen Lehrerinnen unseres Gymnasiums mithalten, die zur Zielgruppe der Oberstufe gehören, und das sollte was heißen, stand doch unsere Direktorin auf junge Frauen und war bei jedem Personalauswahlgespräch persönlich anwesend. Glücklicherweise hatte die Schulchefin den gleichen Geschmack wie ihre Schüler.
Jedenfalls hatte sich das mit dem Pinguin schnell geklärt. Mit hochrotem Kopf klopfte Nadja an der Terrassentüre und nahm mich zur Seite, um mir ein weiteres Päckchen in gleicher Form und Größe zu überreichen. Sie hoffte natürlich, dass ich mein Geschenk noch nicht geöffnet hatte und ich ließ sie zunächst auch in dem Glauben, als ich es ihr zurückgab, wollte ich die Situation doch nicht peinlicher machen, als sie eh schon war. Sie musste es dennoch bemerkt haben, denn noch während ich das von ihr geschenkte Geduldsspiel auspackte, klopfte es erneut und sie bat mich um ein Gespräch. Nicht hier und nicht jetzt, wo meine Eltern, die dabei waren, den Garten auf Vordermann zu bringen, jeden Moment
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