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Vermisste Hände (fm:Verführung, 6796 Wörter)

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Veröffentlicht: Jun 06 2026 Gesehen / Gelesen: 183 / 137 [75%] Bewertung Geschichte: 10.00 (2 Stimmen)
Zwischen zwei Freunden geschieht etwas, was nie hätte passieren sollen. Maria sucht in Roman jemanden, den sie schon seit langer Zeit vermisst und Roman geht darauf ein. Ist die Versuchung zu groß? Dies ist der erste von drei Teilen.

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© Roman Tiker Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

Klicken Sie hier für die ersten 75 Zeilen der Geschichte

Überraschung war Maria nicht da.

Ihr ginge es nicht gut, „Frauengeschichten", erklärte Frank, ihr Mann, und untermalte dies mit einer lächerlichen Geste, bei der man Gänsefüßchen andeutet. ‚Was ein Idiot', dachte ich nur.

Ich schrieb ihr eine Nachricht, nicht wie alle anderen in die Gruppe ihre Genesungswünsche sandten. Ich schrieb ihr persönlich. ‚Wenn du jemanden zum Reden brauchst, sag mir einfach Bescheid', schrieb ich ihr. ‚Was hatte ich mir nur dabei gedacht?'

Am nächsten Morgen sah ich ihre Antwort. Sie wollte eine große Runde mit dem Hund gehen und freue sich, wenn ich Zeit hätte. Hatte ich nicht, denn ich musste arbeiten.

‚Homeoffice', schrieb ich ihr.

‚Schade', antwortete sie prompt.

‚Was war das zwischen uns?' Maria suchte offensichtlich meine Nähe oder würde sich darüber freuen, wenn ich mit ihr ginge.

Meine Frau Karin war auf der Arbeit, würde erst am Nachmittag nach Hause kommen. Was sprach also dagegen, mich in der Mittagspause darum zu kümmern, dass es einer Freundin vielleicht besser ginge. Ich schrieb ihr, dass ich um 12 Mittag machen würde und Zeit hätte. Ich hatte gerade erst auf Senden gedrückt, als ein erfreuter Smiley erschien und anschließend der Weg, den Maria gehen würde.

‚Sie brauchte freundschaftliche Hilfe und hatte mich ausgesucht.'

Am Baum mit der Bank würde sie vorbeikommen.

Um zehn nach zwölf stand ich erwartungsvoll vor der Bank und sah sie von weitem auf mich zukommen.

„Hallo", begrüßte ich Maria. In ihren Augen lag Dankbarkeit.

„Hallo", ihre Stimne klang zittrig.

„Geht es dir besser?", fragte ich und erkannte, dass es ihr nicht gutging.

„Lass uns gehen", war ihre knappe Antwort.

Stumm schlichen wir nebeneinander her. Auf Höhe der alten Lagerhalle hielt ich es nicht mehr aus.

„Was ist los?", fragte ich.

Maria starrte vor sich auf den Boden. Ich legte meine Hand an ihre Schulter, wollte, dass sie stehen blieb, und erkannte die Träne in ihrem Auge. Nicht in der Lage, etwas zu sagen, sah sie mich an. Ich konnte nicht anders, als sie in den Arm zu nehmen. Schlaff ließ Maria sich von mir umarmen und es brach aus ihr heraus. Tränen benetzten mein T-Shirt. Ich legte meine Arme um sie und drückte sie fest an mich.

‚Warum ich?', fragte ich mich ein weiteres Mal.

Maria legte, mit der Leine in der Hand, ihre Arme um meine Taille und ließ sich von mir trösten. Ich strich ihr liebevoll über die Haare, die sie, seitdem sie grau geworden waren, kurz geschnitten hatte. ‚Stand ihr irgendwie besser', dachte ich und schimpfte im nächsten Moment mit mir selbst. Da lag eine Freundin, der es schlecht ging, in meinem Arm und ich dachte daran, wie gut sie aussah.

Ich bemerkte, wie sie ihren Griff löste und sich von mir abwandte. Selbst Lassie spürte, dass Frauchen traurig war und jaulte sie an. Mit einer beschwichtigenden Handbewegung strich Maria ihm über den Kopf und beruhigte das schwanzwedelnde Fellknäuel. Hilflos ließ sie mich zurück. Unentschlossen stand ich da und fragend. Maria hatte mir den Rücken zugewandt, strich mit der Hand Lassies Fell und starrte ziellos über die Landschaft.

„Möchtest du mir erzählen, was dich bedrückt?", versuchte ich zu ergründen, warum wir hier waren, warum sie so verbittert über die Felder blickte und warum sie gerade mich ausgesucht hatte.

Maria blieb stumm, vermutlich konnte sie nicht reden, weil ihre Stimme versagte. Ich gab ihr einen Moment, trat hinter sie und legte meine Hand auf ihre Schulter. Sie nahm sie und legte sie um ihre Taille, hielt sie fest an ihrem Bauch und schmiegte sich bei mir an. Mir wurde unwohl bei dem Gedanken, dass ich hier mit der Frau meines guten Freundes stand und sie festhielt, als seien wir verliebt. Ich war ganz sicher nicht verliebt und Maria sicher auch nicht, und doch hielt ich sie, weil es das war, was sie wohl im Moment am meisten brauchte. Meine zweite Hand legte ich auf ihren Arm, freundschaftlich, doch ich hätte ahnen müssen, dass sie auch diese nahm.

„Es ist so ungerecht, Roman", begann sie mit brüchiger Stimme. „Man lebt so lange zusammen, meistert alles, bezwingt alles, was sich einem in den Weg stellt, zieht zwei Kinder groß und dann kommt man dahinter, dass das alles eine große Lüge ist. Zuerst denkt man, es sei normal, dass da nicht mehr so viel Nähe ist. Ist doch auch normal, oder?"

An der Stelle blieb ich stumm, dachte darüber nach, was sie mir damit sagen wollte. Hatte Frank eine andere oder wollte er sich trennen? Warum sollte er das tun? Maria war eine gutherzige Frau, nicht immer einfach zu nehmen, aber wer von uns war schon einfach? Eine Affäre konnte ich mir bei ihm nicht vorstellen, denn Frank war gar nicht der Typ, der Frauen hinterherjagte. Außerdem hätte er mir sicher davon erzählt und mich um Rat gefragt, wenn da eine andere wäre. „Oder ist es bei dir und Karin immer noch so wie früher?"

Was meinte sie? Ich kam mir auf einmal völlig falsch vor. Wir standen am Rand der Felder, sie hatte ihren Rücken an mich gelehnt und meine Hände lagen auf ihrem Bauch. Vorsichtig versuchte ich sie wegzunehmen, doch Maria hielt sie fest, drückte sie noch fester an sich, als ich zurückziehen wollte.

„Sag mal, Roman, wie ist es bei euch?"

„Also..." Mein Stottern verriet mich. Natürlich war es nicht mehr wie früher. Die ein oder andere Berührung wurde schon ausgetauscht, aber ansonsten beschränkte sich alles auf den Urlaub. Dann ergriff ich meistens die Initiative. Mit Hormonen hatte ich mir das bisher erklärt, schließlich war Karin schon lange in der sogenannten Menopause. Nicht, dass die Pause solange dauerte, bis überhaupt nichts mehr da war.

Maria war doch fast genauso alt wie Karin, also müsste sie doch auch an dem Hormonwechsel leiden. Was sollte bei ihr anders sein?

Sie zog meine Hände noch fester an sich, fuhr mit ihren Fingern zwischen meine und verschränkte sie ineinander. Dann lehnte sie ihren Kopf an meine Schulter. „Was ist los? Von welcher Lüge sprichst du?"

Marias Wange legte sich an meine und ich fühlte, wie wieder eine Träne ihr Auge verließ und sich langsam zwischen uns herunterkämpfte.

‚Was machten wir hier?'

Ich drehte sie mit einem festen Griff um, wollte sie ansehen, wollte wissen, was los war, und sah in ihr verweintes Gesicht. Unsere Augen berührten sich, wie damals vor einer Woche. Ihre zeugten von Traurigkeit und von einer Sehnsucht nach Verständnis. Ein Verständnis, das sie bei mir zu finden glaubten.

„Ich habe Kondome gefunden und diese Tabletten."

Sie griff in ihre Hosentasche und zeigte mir einen Blister mit untrüglichen Pillen. Es fehlten drei.

„Bei mir hat er sie nicht genommen."

„Ganz sicher?" Was eine blöde Frage. Sie zeigte auf das Haltbarkeisdatum, hielt ihren Daumen vorwurfsvoll auf den Rand des Kunststoffs.

Ich verstand nicht, sah genauer hin und erkannte ein zweites Datum, offensichtlich das der Herstellung. Jetzt glaubte ich zu verstehen, sah ihr tief in ihre Augen, die mir zu verstehen geben wollten, dass alle Männer miese Schweine seien. Ich konnte nicht anders als sie in die Arme zu schließen und sie fest an mich zu drücken. Schniefend lehnte sie ihr Gesicht an mein T-Shirt.

„Das tut mir leid", nuschelte ich in ihr Haar, mehr zu mir als zu ihr.

Selbst Lassie sah mir mitleidig zu, wie ich sein Frauchen tröstend umarmte.

‚Hatte Frank tatsächlich eine Affäre?'

Nach Minuten hatte sie sich gefangen, löste sich von mir und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Jetzt weißt du es."

Maria zog an Lassies Halsband und ging. Wieder ließ sie mich zurück und diesmal fühlte ich mich schuldig, weil ich ein Mann war, weil ich Franks bester Freund war, und weil ich nichts von alldem geahnt hatte. Ich holte sie ein und wieder trotteten wir schweigend nebeneinander her.

Sie sah mich an und ein leises „Danke" kroch über ihre Lippen.

„Wofür?"

„Weil du mich festgehalten hast. Es hat gutgetan."

„Hey, wir sind Freunde, da tut man sowas", versuchte ich zu beschwichtigen.

„Das meine ich nicht. Du hast mich gehalten, wie ein Mann eine Frau hält." Sie war stehengeblieben und sah mich an. Ernst aber dankbar sah sie mir in die Augen. ‚Was sollte das heißen? Hatte ich nicht einfach ihre Umarmung erwidert?'

„In deinen Armen fühlte ich mich begehrenswert. Danke dafür." Ihr Gesicht kam näher und sie küsste meine Wange. „Entschuldige, aber das musste jetzt sein", flüsterte sie, vermutlich, weil ich sie entgeistert ansah.

„Wollen wir? Ich denke, du musst wieder an die Arbeit."

Ohne auf meine Reaktion zu warten bog sie in den nächsten Weg ein, um zurückzugehen.

„Maria, eines musst du mir aber bitte noch erklären. Warum ich? Warum nicht Karin oder eine der anderen Freundinnen. Warum ausgerechnet ich, Franks Freund?" „Das kann ich nicht genau sagen. Ich glaubte, du hättest am meisten Verständnis." Ungläubig sah ich sie an. ‚Hätten Frauen sich nicht besser in ihre Situation hineinversetzen können? War Ihresgleichen an der Stelle nicht die bessere Zuhörerin?'

„Roman, weißt du noch, du hast mir mal von der Geschichte des älteren Mannes erzählt, der so gerne tanzte und dessen Frau an Krebs gestorben ist? Ab da hat er nur noch vom Tanzen geträumt, bis diese junge Frau aufgetaucht ist und ihm diesen Traum erfüllt hat."

An die Geschichte erinnerte ich mich sehr gut, wenn sie auch etwas anders ablief, als das, was ich irgendwann mal erzählt hatte. Zwischen den beiden gab es mehr als nur Tanzen, aber von einer sexuellen Beziehung eines älteren Mannes mit einer Frau Mitte zwanzig konnte ich nicht reden, ohne Gefahr zu laufen, für alle, inklusive meiner Frau Karin, preiszugeben, dass ich selber gerne solche Geschichten las.

„Weißt du, diese Geschichte beschäftigte mich schon sehr lange, weil sie so schön war. Immer wenn ich in den letzten Wochen wachgelegen habe, habe ich mich daran erinnert und konnte für den Moment den ganzen Mist hinter mich lassen. Du hast sie so eindrucksvoll erzählt, dass man fast glaubte, du hättest sie selber erlebt. Ich habe mir gedacht, wer sich so eine Geschichte ausdenkt, der... naja... der hat sicher Verständnis."

„Ich habe mir die nicht ausgedacht, ich habe irgendwo davon gelesen."

„Egal. - Lag ich da so falsch?"

Jetzt war ich sprachlos. Damals hatte ich mir nichts dabei gedacht, hatte einfach erzählt, weil ich dachte, dass diese Geschichte in die Situation passte. Und dann hatte sie bei Maria Derartiges ausgelöst.

Ein flaues Lächeln kam über ihr Gesicht.

Beim Baum mit der Bank trennten dich unsere Wege wieder. Stumm standen wir uns gegenüber und ich verspürte den Drang, Maria nochmal in den Arm zu nehmen. Es sollte keine tröstende Geste sein, sondern eine des Dankes, des Dankes dafür, dass sie sich mir anvertraut hatte. Ich würde ihr Vertrauen nicht missbrauchen, sollte die Umarmung sagen, doch sie legte sich an mich als wäre da mehr als das. Vielmehr.

„Wenn du nochmal reden möchtest..."

„Ich komme morgen wieder hier vorbei. Wenn du Zeit findest... und wenn nicht, vielleicht übermorgen." Maria lächelte und ihr Lächeln drückte Hoffnung aus. Dann ging sie, sagte etwas zu ihrem Lassie, was ich nicht mehr verstehen konnte, aber er schaute sie an und wedelte mit dem Schwanz.

Der Nachmittag war gelaufen. Keinen vernünftigen Satz bekam ich mehr zusammen. Ein paar Telefonate und die Kleinigkeiten, die ich für morgen vorbereiten konnte, dann meldete ich mich auf der Arbeit ab.

***

Am nächsten Tag stand ich pünktlich um fünf nach zwölf vor der Bank. Ich war absichtlich etwas früher da, weil ich vorbereitet sein wollte. Gedanklich wollte ich nicht unachtsam in etwas hineinlaufen, was ich nachher bereuen würde. Alle wichtigen Termine hatte ich heute Morgen schon erledigt, am Nachmittag lag nur noch belangloses Zeug an, was man ohne viel Nachdenken erledigen konnte. In der Nacht hatte ich noch lange wach gelegen und hatte nachgedacht. ‚Würde ich meiner Frau untreu sein, wenn ich mit Maria spazieren ging? Würde ich Katrin etwas wegnehmen, wenn ich Maria in den Arm nahm? Sicher würde ich Katrin nichts wegnehmen, schließlich war meine Umarmungszeit nicht begrenzt', log ich mir selber etwas vor.

‚Wenn das Bedürfnis bei meiner Frau bestehen würde, könnte ich es erfüllen.' Wie kann man sich nur so einen Mist zusammendenken, muss ich mir im Nachhinein vorwerfen. Ich wollte es und es war mir ein tiefes Bedürfnis, meiner Freundin Maria zu helfen, wo niemand anderes helfen konnte. Sie hatte mich ausgewählt, aus allen identifiziert als den, der sie vor einem tiefen Loch bewahren konnte, und ich fühlte mich geschmeichelt. Mehr noch, ich war beseelt von der Idee. Mein Gott, der Schweiß sammelte sich auf meiner Brust.

Jetzt sah ich sie von weitem kommen, ihren Schritt um einiges sicherer als gestern. Es nieselte, doch das machte nichts. An der alten Lagerhalle hielten wir, weil der Regen zugenommen hatte.

„Was reizt Männer eigentlich an Frauen?"

„Das ist unterschiedlich", wich ich aus.

„Ich meine, was wäre dir wichtig? Was würde dich ansprechen?"

„Du meinst jetzt in meinem Alter?"

„Genau, ist es die Jugend, die Unverbrauchtheit, der Reiz, einer jungen Frau an Erfahrung überlegen zu sein und ihr etwas beibringen zu wollen? Oder vielleicht auch, dass junge Dinger deine, entschuldige bitte den Ausdruck, Unzulänglichkeiten nicht erkennen?"

„Wie kommst du darauf, dass sie jung ist?"

„Sagen wir mal, ich weiß es."

„Also mich reizt an jungen Frauen nicht so viel. Erfahrene wären mir persönlich lieber. Sag mal, was rede ich da? Ich habe eine Frau."

„Entschuldige, Roman, ich will doch nur wissen, was mir fehlt."

„Hör zu, dir fehlt gar nichts. Du bist attraktiv, hast Ausstrahlung, kannst was erzählen... "

„Du findest mich attraktiv?"

„Ja, natürlich."

Erst im Nachhall wurde mir klar, was ich gesagt hatte. Und ihr Erstaunen über mein Urteil machte die Sache nicht besser, hatte ich ihr doch insgeheim zu verstehen gegeben, dass sie mir gefiel.

Die Worte musste sie scheinbar erstmal sacken lassen. ‚Wo war Lassie, wenn man ihn brauchte?' Er stöberte auf dem Boden rum, als würde ihn die ganze Sache nichts angehen.

„Würdest du mich nochmal in den Arm nehmen so wie gestern?"

Völlig unschuldig himmelte Maria mich an und ich wusste genau, dass sie das nicht war. Nicht jetzt und nicht hier. ‚Wie ein Mann eine Frau in den Arm nimmt', hatte sie mir gestern gesagt.

Ich tat ihr den Gefallen, wollte ihr helfen, über ihre Enttäuschung hinwegzukommen. Und ich wollte mir selber helfen.

Die Umarmung war nicht freundschaftlich. Sie schmiegte sich an mich, hielt ihre Hände auf meinem Rücken und sie bewegte sie. Ich spürte ihre warmen flehenden Hände auf mir und ihren warmen Körper an meinen.

Dann passierte etwas, was nie hätte passieren dürfen. Maria hob ihren Kopf und sie küsste mich. Und ich küsste sie. Erst vorsichtig berührten sich unsere Lippen, dann deutlicher und schließlich fühlten sich unsere Zungen. Sie waren sich nicht unsympathisch, genau wie wir uns nicht unsympathisch waren.

Instinktiv zog ich Maria zur Rückseite der Lagerhalle, wo uns niemand so schnell sehen würde. Durch den dünnen Stoff ihrer Regenjacke und dem, was sie noch darunter trug, spürte ich ihren zitternden Körper, drückte ihn fest an meinen und sie fügte sich, fand sich sehnsüchtig ein in die Umarmung, die längst schon keine bloße Umarmung mehr war. Hände streichelten über Stoff und gaben dem anderen zu verstehen, wie sehr man das vermisst hatte.

Als ich ihre Hände unter meinem T-Shirt auf meiner Haut spürte, musste ich die Reißleine ziehen. Schweren Herzens löste ich mich.

„Wir dürfen das nicht."

Nickend stimmte sie zu und ließ mich los.

„Danke, das habe ich gebraucht", flüsterte sie mir zu und es tat weh, sie so zu sehen.

„Ich vielleicht auch", hauchte ich, doch sie konnte es nicht mehr hören, weil sie schon gegangen war.

Ich ließ sie gehen, sah ihr nach und ließ sie einfach gehen.

***

Am darauffolgenden Tag wartete ich an dem Baum, doch sie kam nicht. Ich schrieb ihr, doch sie antwortete nicht. Dass ich auf sie gewartet hatte an dem Baum, schien Maria nicht zu interessieren. Dafür blieb mein Herz kurz stehen, als ich nach Hause kam. Sie saß auf der Bank vor unserem Haus und Karin fuhr gerade den Wagen in die Garage.„Du bist schon da?"

Ich begrüßte meine Frau demonstrativ mit einem Kuss.

„Ich habe eine Runde gedreht, musste mal raus", log ich. Maria würdigte ich keines Blickes. Alles wäre zu viel gewesen.

„Ich mache auch früh Schluss", erklärte ich und stapfte in mein Büro.

Aus dem Wohnzimmer konnte ich hören, dass die beiden Frauen hereingekommen waren und sich unterhielten. Wenn ich mich dazu gesetzt hätte, wäre ich sicher aufgeflogen, dafür kannte ich meine Frau zu gut. Doch von oben konnte ich nicht verstehen, worüber sie redeten.

„Roman, du wolltest Schluss machen, dachte ich."

„Was wollte ich?"

Karin war hochgekommen, stand in der Tür zu meinem Büro und trommelte mit dem Fingern auf dem Türrahmen.

„Feierabend machen, den Rechner runterfahren, dich abmelden?"

„Achja, sicher, mach ich gleich."

„Kannst du noch etwas einkaufen? Ich habe mich mit Maria verabredet. Ihr geht es nicht gut und da habe ich vorgeschlagen, dass wir mal einen Kaffee trinken gehen. Bei der Gelegenheit können wir uns auch um das Geschenk für Martha kümmern."

„Hä, was ist mit Martha?" Martha war unsere Nachbarin, wohnte gegenüber und gehörte auch zu unserem Freundeskreis, obwohl ich sie nicht sonderlich leiden konnte. Ich hielt sie für geistig etwas zu kurz gekommen, was mir allerdings immer Schelte von Karin einbrachte, wenn ich das sagte. Zumindest konnte ich mich mit ihr nicht unterhalten, weil sie mich nie zu Wort kommen ließ und sich alles immer nur um ihre Themen drehte: Ihre armen Kinder, die niemand verstand, ihre eigene Leidensgeschichte, bei der ihr keiner helfen konnte, und so weiter. Es ging immer nur um sie und die böse Gesellschaft, die sie benachteiligte. Sie hatte Glück, dass der Vater ihrer Kinder schon immer dazugehört hatte, ansonsten hätten wir sie gar nicht beachtet.

„Martha rundet doch und hat am Donnerstag zum Gartenfest eingeladen. Vergessen?"

„Am Donnerstag?"

„Och Mann, Roman. Morgen ist Donnerstag und das ist ein Feiertag. Schreib es dir bitte auf, wenn du es dir nicht merken kannst. Fährst du noch?"

„Ich fahre gleich." Karin verließ erst ihren Posten, als ich den Rechner endlich ausmachte.

Wenn Morgen Feiertag war und Karin auch noch erwartete, dass ich am Freitag einen Brückentag einlegte, hätte ich maximal das halbe Pensum meiner Arbeit für die Woche erledigt. Dass so viel liegen blieb, konnte ich wirklich niemandem erklären. Auch, wenn ich anmerken würde, ich hätte mich um Wichtigeres gekümmert, nämlich eine gute Freundin aus einer depressiven Phase zu retten, würde mir das niemand abnehmen. Und eigentlich hatte ich das auch gar nicht.

Karin hatte gesagt, dass sie mit Maria unterwegs sein würde. Das gab mir noch ein wenig Zeit, mich auf die Arbeit zu konzentrieren, und wäre wahrscheinlich auch besser, weil ich Abstand gewinnen und in Ruhe über das würde nachdenken können, was zwischen Maria und mir passiert war. Das würde uns allen guttun.

Bis Karin am Abend zurückkam war ich soweit, dass es mir gar nicht mehr so schlimm vorkam und ein wenig eingekauft hatte ich auch noch. Für Freitag hatte ich mir die Option freigehalten freizunehmen und würde ab heute in ein schönes langes Wochenende starten. Auch musste ich nicht mehr die ganze Zeit an Maria denken. ‚Es war ein Ausrutscher, unbedacht und im Zweifel auch verzeihbar', hatte ich die Sache abgehakt.

Der Gedanke, dass meine Frau und Maria darüber gesprochen haben könnten, dass ich sie bei ihrer Hunderunde begleitet hatte, kam mir kurz in den Sinn und machte mich ein wenig nervös. Als sie jedoch am Abend zurückkamen, machte Karin nicht den Eindruck, als hätte sie etwas bahnbrechend Neues erfahren. Zumindest sprach sie nicht über ihr ‚Gespräch unter Frauen', sondern zeigte mir nur das besondere Geschenk für unsere Nachbarin. Eine große Zimmerpflanze in einem bunten Topf, an dem allerlei kleine Geschenke hingen, vermutlich für jedes Pärchen unserer Clique eines. Wie einfallslos mir das vorkam.

„Gefällt es dir?"

„Nette Idee", log ich und erntete dafür einen bösen Blick meiner Frau.

„Geht es Maria schon besser? Ich meine mit den Frauengeschichten", wollte ich von ihr wissen.

„Ihr geht es nicht gut, aber du weißt ja, wie verschlossen sie sich immer gibt. Ich glaube, es ist was Ernstes. Wir müssen sie auf jeden Fall im Auge behalten."

„Glaubst du, es kriselt bei ihr und Frank?"

„Ich glaube, so schlimm ist es nicht. Mit den Kindern scheint auch alles in Ordnung zu sein. Vielleicht hat sie auch nur eine schwere Zeit", winkte sie ab.

„Du meinst die Hormone?"

„Du immer mit deinen Hormonen. Frauen in unserem Alter haben es halt manchmal schwer. Dass ihr das nicht verstehen wollt..."

‚Ja, genau, unterstelle mir nur fehlendes Verständnis.' Ich wusste, was sie quälte und ihr erzählte sie davon nichts. War ich wohl doch die bessere Freundin und als nächstes würde ich mir Frank zur Brust nehmen. Vielleicht sogar schon morgen bei dem großen Gartenfest, auf das ich mich so gar nicht freute.

***

Der Wetterbericht ließ zumindest hoffen, dass es nicht regnen würde. Karin war nach dem Frühstück schon rübergegangen, um beim Aufbau und den Vorbereitungen zu helfen. Eine solche Verpflichtung empfand ich nicht und vertrieb mir die freie Zeit zu Hause. Endlich mal alleine sein und sich selbst beschäftigen können. Keine Anweisungen, keine Bitten ‚Tu bitte dies und das noch.'

Gegen Mittag ging ich rüber in der Hoffnung auf einen geselligen Nachmittag unter Freunden. Mit und mit trafen alle ein, alle außer Maria. Der Gedanke, dass sie unter einem Vorwand zu Hause bleiben wollte, schmerzte mich, obwohl ich nicht verstand, warum. Martha freute sich über das tolle Geschenk, zumindest tat sie so, und an sich war es mir auch egal, was sie davon hielt. Dafür revanchierte sie sich mit allerlei Leckereien, die sie mühevoll vorbereitet hatte. Kalte Platten, selbstgebackene Teigröllchen mit Fisch und eine äußerst reichhaltige Salatplatte hatte sie in der Küche aufgebaut.

Ich wollte gerade zuschlagen, als das Gartentor aufging und Maria die Bühne betrat. In einem traumhaften Kleid, anthrazit mit hellroten Punkten. Die Schultern frei, passend zum Wetter, an der Taille enger zulaufend, bevor es sich bis zu den Knien in Falten legte. Ganz unten fielen mir ihre feingliedrigen niedlichen Füße auf und der sorgsam aufgetragene rote Nagellack, der die schwarzen Sandalen aussehen ließen wie die Krallen eines Adlers. Sie sah atemberaubend aus.

Wollte sie Frank damit etwas sagen? So etwas wie ‚Sieh her, was du verpasst!'

Dann war es ihr gelungen. Ich fand ihren Auftritt bezaubernd und sie schien sich ihrer Erscheinung sicher zu sein, denn sie lächelte. Keine Spur von Traurigkeit oder von verletzter Seele. Martha ertappte mich dabei, dass ich mir gedankenlos Häppchen direkt vom Buffet in den Mund schob. Im letzten Moment fand ich die Fassung wieder und platzierte alles auf meinem Teller. Dennoch erntete ich einen strengen Blick meiner Nachbarin.

Zu meinem Glück war Maria umringt von den Frauen unserer Gruppe und es kam nicht zu einer näheren Begegnung mit mir, bei der sie mir wieder so nahe kommen könnte wie beim letzten Treffen. Ich hätte mich beherrschen müssen, sie nicht gleich in den Arm zu nehmen, so gut sah sie aus. Zu meiner Verwunderung nahm Frank sie entweder nicht wahr oder er ignorierte sie, denn er sah noch nicht mal auf, als sie hereinkam.

Beim Essen musste ich immer wieder zu ihr sehen und mir fiel wieder ein, dass sie von einer jungen Frau gesprochen hatte, die sie als Franks Affäre vermutete. Für meine Begriffe brauchten Frauen wie Maria den Vergleich auf keinen Fall zu scheuen. Natürlich waren da aus ihrer Sicht vielleicht die Stellen an den Oberarmen, die bei jeder Bewegung wackelten, oder die kleinen Erhebungen über der Hüfte, die ich auch von mir kannte.

Aber sind das nicht diese winzigen Makel, die davon erzählen, dass wir gelebt haben? Die Narbe auf meiner Wange, die davon zeugte, dass ich Glück hatte, als ich als Zehnjähriger kurz vor dem Stacheldrahtzaun mit meinem Fahrrad stürzte. „Das hätte auch ins Auge gehen können", scherzten wir damals. Bei meiner Mutter holte ich mir ein Pflaster und mahnende Worte ab und war für den Rest des Tages der Held.

Oder mein Bauchansatz, der vom Genuss berichtet, von dem Glas Wein zu viel, und von den schlechten Genen, wie man so schön sagt. Zum Glück gleiche ich ihn mit einem leichten Hohlkreuz wieder aus.

Maria hatte kleine Falten an der Oberlippe und um die Augen, als Beweis, dass sie in jungen Jahren viel gelacht hatte. Die Oberschenkel und das breite Becken, das sicherlich von den Kindern stammte, von der Geburt und dem Kummer, den sie ihr nachher gemacht hatten, machten sie irgendwie sexy und sagten „Seht her, ich habe etwas geschaffen."

Mein Gott, wir waren alle über 50 und mussten uns nicht dafür entschuldigen, dass wir einiges erlebt hatten.

Wäre es nicht langweilig, wenn das Leben völlig spurlos an einem vorbeigegangen wäre? Wenn es nicht etwas bei uns hinterlassen hätte, in unserer Seele und an unserem Körper? Diese Spuren machen uns doch erst zu dem, was wir sind, machen uns interessant für andere. Bei Maria entdeckte ich immer mehr unerklärte Dinge, Fleckchen auf der Schulter, die ich noch nicht kannte, Male an den Beinen, die bei mir Fragen aufwarfen, und Fältchen am Hals, die mir bisher nie aufgefallen waren, und ich ertappte mich dabei, dass sie mich interessierte. Nicht als Freundin, die sie schon viele Jahre war, sondern als Frau.

Den ganzen Nachmittag über konnte ich meine Augen nicht von ihr lassen. Immer wieder wanderte mein Blick zu der Frauenrunde, die sich prächtig zu unterhalten schien, und es machte mich fast neidisch, dass Maria nicht einmal zu mir herübersah. Im Grunde musste ich doch verstehen, dass es gut so war. Katrin saß direkt neben ihr und auch sie sah gut aus, war interessant mit ihrer herzlichen Art. Wenn sie mir gegenüber manchmal einen etwas anderen Ton anschlug, hieß das nicht, dass sie im Grunde ihres Herzens nicht eine liebenswerte Frau war. Ich liebte es, wenn sie strahlte, wenn sich diese Grübchen bildeten in ihrem Gesicht und wenn sie beim Lachen immer husten musste, weil sie sich verschluckte.

Ich stand gerade vor dem Gartenhaus in unserem eigenen Garten, weil Martha mich gebeten hatte, unseren großen Sonnenschirm zusätzlich aufzubauen, als ich Schritte hörte.

„Brauchst du Hilfe?"

Maria stand einen Schritt hinter mir in ihrem aufregenden schwarzen Kleid mir den hellroten Punkten und den Adlerkrallen und fragte mich ganz unschuldig, ob ich Hilfe bräuchte. Sehen konnte ich sie nicht und doch spürte ich ihre Anwesenheit. Ich sollte mich nicht umdrehen, konnte ihr nicht in die Augen sehen, ohne wieder die Lust in mir zu wecken, sie in den Arm zu nehmen. Und doch tat ich es, drehte mich zu ihr und sie sah noch atemberaubender aus als vorher. Ich musste mich schützen, damit ich nichts Unüberlegtes tat.

„Warum tust du das?", fragte ich.

„Was meinst du?"

„Willst du dir etwas beweisen?"

„Ich weiß nicht, was du meinst." Ihr Lächeln schien auf einmal gequält.

„Sieh dich an, du möchtest Frank also zeigen, was er verpasst?"

„Nein, was meinst du?"

„Das Kleid, dein Auftritt. Alles an dir sagt ‚Seht her, so sieht eine betrogene Ehefrau aus."

„Roman, warum bist du so gemein zu mir? Du tust mir unrecht. Das Kleid..." Sie sah an sich herab. „Was ist mit dem Kleid? Das habe ich schon lange. Ich habe es schon oft getragen." Es sah so aus, als würde sie gleich wieder anfangen zu weinen.

„Komm her", sagte ich und trat auf sie zu, breitete meine Arme einladend aus, doch sie wich zurück, drehte sich und ging.

„Ich wollte dir nur tragen helfen", rief sie mir mit zittriger Stimme zu.

„Halt, warte!" Ich lief ihr hinterher, holte sie vor der Straße noch ein und legte meine Hand auf ihre Schulter.

Maria drehte sich, sie hatte gehofft, dass ich ihr folgen würde, doch ihre Augen waren feucht. Sanft legte ich einen Arm um sie und führte sie zurück in den Garten. Wenn uns hier jemand gesehen hätte, wäre man sicher sofort auf falsche Gedanken gekommen. Waren die Gedanken überhaupt falsch?

„Entschuldige bitte. War nicht so gemeint. Man, ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist."

Stumm nahmen wir den Sonnenschirm vom Regal und legten ihn zu unseren Füßen ab. Als ich mich aufrichtete, sah ich in ihre feuchten Augen, nahm ein Taschentuch und trocknete ihre Tränen. Maria ließ es zu. Ich bin mir sicher, dass wir uns der Intimität dieser Geste erst bewusst wurden, als ich das Taschentusch bereits an ihre Wange gelegt hatte. Mir stockte der Atem und Maria vermutlich auch, denn sie sah mir in die Augen und schien mir direkt bis ins Gewissen zu sehen. Sie verstand als Erste, was gerade passierte, erfasste mein Gesicht und küsste mich. Voller Leidenschaft drückte sie ihre Lippen auf meinen Mund und hielt mich fest.

Meine Hände konnten gar nicht anders, als sie zu fühlen, umschlangen sie und fanden ihren Platz auf ihrem Rücken, strichen darüber von ganz unten bis ganz oben. Ich fühlte ihren Po, rund und sinnlich, ihre Taille, schmal und zierlich, ihre Schulterblätter, ihren Nacken bis hoch zu ihren Haaren. Sie hielt immer noch meinen Kopf, ihre Zunge drängte mit meiner um die Wette, und sie genoss meine Hände auf sich. Ihre Sehnsucht nach Berührung war unermesslich und sie verzieh mir, wenn ich sie etwas zu grob anfasste, weil sie ahnte, dass auch mir die Übung fehlte.

Als sie glaubte, ich hätte alles an ihrer Rückseite entdeckt, drehte sie sich in meinem Griff und führte meine Hände dorthin, wo ich ihren Bauch und ihre kleinen Brüste spüren sollte. Die spitzen Kronen, die sich zwischen die Finger drängten und die kleinen Röllchen oberhalb ihres Beckens. Sie führte meine Hände über ihren Körper und rieb sich an mir, ihre Schulter an meiner Brust und ihren Po an meinem Schritt und ich zog mich nicht zurück. Maria durfte spüren, was sie bei mir auslöste und es gefiel ihr. Ihre Sehnsucht war auch meine und wir bedienten uns an der süßen Frucht der Lust, um diese Sehnsucht für uns beide zu vertreiben.

Ich küsste ihren Hals, bediente ihr Ohrläppchen mit meiner Zungenspitze ließ sie erschaudern. Sie hielt meine Hände fest auf sich, auf ihrem Bauch und ich fühlte den Bund ihrer Unterhose. Sie schwitzte und ich tat es auch. Wir waren atemlos von einander ergriffen und hielten uns fest.

„Wie ich das vermisst habe", hauchte sie. „Halte mich nur noch ein bisschen."

„Du bist eine sehr leidenschaftliche begehrenswerte Frau", flüsterte ich ihr ins Ohr.

Langsam nahm sie meine Hände von sich, drehte sich wieder zu mir und küsste mich ein letztes Mal.

„Wir müssen zurückgehen", sagte sie.

***

„Roman, ich muss dir was erzählen."

Ich saß am Schreibtisch. Karin war zur Arbeit gefahren. Am Brückentag. Ich hatte auf der Gartenparty zu viel getrunken, also war sie gegangen. Morgens lag ein Zettel auf dem Küchentisch.

BIN ZUR ARBEIT, MIT DIR IST HEUTE EH NICHTS LOS

Einerseits positiv, weil ich etwas aufarbeiten konnte, andererseits hing der Haussegen ganz schön schief. Gedankenlos war ich rangegangen, als das Telefon klingelte und Marias Stimme klang sehr vertraut.

„Ich habe geträumt."

Ich ahnte Schlimmes.

„Ich erzähle es dir, okay? Es hat mir dir zu tun, darum finde ich das nur fair."

Sie kicherte.

„Wir standen wie gestern im Gartenhaus. Du hast meinen Bauch gestreichelt und es war toll. Dann hast du ganz langsam den Stoff meines Kleides mit den Fingern hochgerafft und ich spürte deine Fingerspitzen auf meinem Bein. Weißt du, du warst nicht aufdringlich, ein wenig vielleicht, aber es war so aufregend."

„Maria, tu das nicht."

„Ich kann es jetzt gerade ganz genau fühlen, wie du mit deinen Fingern über meine Haut gefahren bist und bekomme sofort wieder eine Gänsehaut. Du standest hinter mir und hast mich festgehalten und meine nackte Haut berührt. Roman, das war so gut. - Roman bist du noch da?"

„Ja, Maria, ich bin noch da. Du darfst mir das nicht erzählen, Maria, wir..."

„Ich weiß, was du sagen willst, und doch habe ich so einen Traum. Er ging noch weiter. Ich sag dir einfach, was du gemacht hast und du entscheidest selber, ob du zuhören möchtest."

Ich wusste genau, wohin das führte, und ich wusste auch, dass es falsch war. Und doch war das, was zwischen Maria und mir passierte, so aufregend und es tat so gut. Erst durch sie war ich mir wirklich bewusst, was ich bereits lange Zeit vermisst hatte. Mir selber log ich etwas vor. ‚Ich könnte jederzeit aussteigen', versuchte ich mir vorzugaukeln, obwohl jeder klar denkende Mensch an der Stelle hätte wissen müssen, dass es nicht so war.

„Roman, du hast den Stoff meines Kleides mit den Fingerspitzen hochgeschoben, bis in meine Leiste. Ich wollte mich wehren, konnte es aber nicht, weil ich wie gelähmt dastand."

„Du wolltest dich wehren? Also wolltest du das gar nicht? Ist es das, was du mir sagen möchtest?"

„Nein, Roman, es fühlte sich so verboten an und doch so prickelnd. Ich bin eine anständige Frau und da muss ich mich doch wehren, wenn ein Mann mir an die Wäsche will. Aber du warst so zärtlich, vielleicht sogar eine Spur zu zaghaft. In deinen Armen bin ich ganz unruhig geworden, als du den Bund meiner Unterhose unter dem Kleid berührt hast. Deine Finger sind darüber gefahren, als wollten sie prüfen, wie wertvoll der Stoff ist, doch ich merkte sofort, dass du mehr wolltest und ich wollte es in dem Moment auch. Ganz sanft sind deine Finger über den Stoff geglitten wie Anfänger beim Skifahren und es hat mich rasend gemacht. In langen Schleifen sind sie von einer zur anderen Seite gefahren und ich merkte, wie mein Herz vor Aufregung begann, schneller zu schlagen."

Ich hatte vorsichtig meine Hose geöffnet, weil ich innerlich so gespannt war. Jetzt versuchte ich, sie über den Bürostuhl möglichst lautlos herunter zu schieben.

„Als deine Skifahrer im Tal angekommen waren, haben sie die Piste verlassen. Verstehst du, was ich meine?"

„Du meinst, ich habe nicht mehr deine Unterhose berührt, sondern auch..."

„Du wolltest gerade, doch dann bin ich aufgewacht."

‚Oh nein!' Gerade hatte ich begonnen, den härter werdenden Freund in meiner Unterhose zu kneten.

„Das tut mir leid, Maria."

„Das braucht dir nicht leid zu tun, du konntest nichts dafür. Es war ja schließlich mein Traum. Aber, Roman, es war so schön, wie du mich berührt hast. In Wirklichkeit waren es nicht deine Finger, sondern meine, die mich berührt haben. Verstehst du? Ich habe von deiner Berührung geträumt und mich dabei selber berührt."

Ich hörte, wie sie schon wieder übertrieben kicherte. „Ja, das verstehe ich."

„Ich bin ganz leise aufgestanden und bin ins Kinderzimmer von Jana gegangen. Das mache ich schon mal, wenn Frank zu laut schnarcht. Diesmal ging es aber nicht ums Schnarchen. Ich weiß aber nicht, ob ich dir erzäblen darf, worum es in Wirklichkeit ging. Soll ich?"

„Du lässt doch eh nicht locker, also erzähle es mir." Ich konnte mich nicht zurückhalten und hielt ein hartes Stück Fleisch in meiner Hand.

„Ich habe mich auf den Rücken gelegt und die Augen geschlossen, habe mir vorgesgellt, du stündest hinter mir und hieltest mich. Eine deiner Hände lag auf meinem Bauch und eine berührte meine Unterhose. Es war so gut, deine Hand auf mir zu fühlen und deine Finger, die spielten mit mir, haben in meiner Leiste an dem Stoff gezupft, haben durch den Stoff sogar meine Vulva berührt und den feuchten Stoff gestreichelt. So was habe ich lange nicht mehr erlebt. "

Es wurde still in der Leitung. Maria hatte aufgehört zu erzählen, und doch konnte ich mir ganz genau vorstellen, was sie gemacht hatte. Augenblicke, Sekunden schwiegen wir, bis ich ihren Atem hörte, der heftiger wurde. Dann hörte ich wieder ihre Stimme.

„Du weißt was ich gemacht habe, oder? Und es waren nicht meine sondern deine Hände, die mich berührt haben. - Sag mal, was raschelt denn da? Streichelst du dich gerade selber da, wo ich vermute?"Ich konnte nichts sagen. Nur ein Röcheln bekam ich raus.

„Das geht nicht, du berührst doch mich."

Ich fühlte mich ertappt.

„Maria, was machen wir gerade?"

„Ich weiß es nicht, aber es ist einfach großartig. Genau in diesem Moment fühle ich wieder, wie deine Hände mich berühren. Spürst du es auch? Spürst du, wie du gerade den Bund meines Höschens in meiner Leiste anhebst und darunterfährst, wie du meine Lippen berührst und überrascht bist, wie feucht sie sind? Roman, bitte sag mir, was du weiter mit mir machst. Schiebst du deine Hand jetzt von oben in meine Hose und berührst mich dort, wo ich es erwarte? Soll ich sie herunterschieben? Ich ziehe sie aus, warte."

Es dauerte einen Moment, bis sie weitersprach.

„Sie spannt jetzt um meine Knöchel und ich habe die Beine angezogen, damit du mehr Platz hast."

Marias Atem ging schwer und die Worte kamen keuchend durch das Telefon.

„Oh Roman, du machst das so gut. Wie du mit der einen Hand meine Brüste streichelst und mit der anderen mich weiter unten berührst. Du treibst mich echt in den Wahnsinn."

Ich musste das Telefon kurz an mein T-Shirt drücken, um mein Keuchen zu unterdrücken, weil mein Unterleib zuckte und ich all meine Leidenschaft auf meinem Bauch verteilte.

Maria wimmerte: „Genau so habe ich mir das vorgestellt." Danach hörte ich nur noch, wie ihr Atem schneller wurde. Dann legte sie auf.



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