Elkes riskantes Rollenspiel – Ehe in Flammen (Teil 2) (fm:Ehebruch, 25604 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Vienna-Love | ||
| Veröffentlicht: Jun 07 2026 | Gesehen / Gelesen: 505 / 395 [78%] | Bewertung Teil: 9.63 (8 Stimmen) |
| Das lange Warten hat ein Ende! Endlich die heiß ersehnte Fortsetzung des Überraschungserfolgs, der dem ersten Akt in nichts nachsteht. Elke hat Lunte gerochen und erhöht den Einsatz drastisch auf ein neues, ungeahnt gefährliches Niveau. | ||

Ersties, authentischer amateur Sex
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Ich drehte mich zur Seite, um mit einer fast schon reflexartigen Bewegung nach der Schachtel auf dem Nachtkästchen zu greifen. Suchend tastete meine Hand über dessen glatte Oberfläche, doch meine Finger griffen ins Leere. Ich richtete mich auf und starrte auf den Platz, wo gestern noch die Utensilien meines neuen Lasters gelegen hatten. Mein Obstschalen-Aschenbecher, die nicht bloß angebrochene, sondern fast fertig konsumierte Packung Marlboro Red und das Feuerzeug – alles war verschwunden. Ein kurzer Sturm der Panik stieg in mir auf, bis mir dämmerte, was passiert sein könnte: Thomas. Er hatte sie wohl heute Morgen, bevor er zur Arbeit fuhr, mit nach unten genommen.
Vielleicht war es ein letzter Rest seines alten Ordnungssinns gewesen oder – was mir weitaus wahrscheinlicher vorkam – er wollte die Spuren unserer nächtlichen Ausschweifung aus dem Schlafzimmer verbannen, um sie für mich im Erdgeschoß für den heutigen Tag griffbereit zu halten.
Ohne länger zu zögern, schwang ich die Beine aus dem Bett. Mein Körper fühlte sich schwer an, gesättigt von der Lust der Nacht, doch mein Bedürfnis nach dem ersten Zug des Tages, der Durst nach meinem neuen Lebenselixier sozusagen, trieb mich an. Nur in mein kurzes Nachthemd gehüllt, meine Haut schweißgebadet, die Haare noch zerzaust, mit „Sand“ in den Augen und einem fürchterlichen „Frosch“ im Hals, schlich ich die Treppe hinunter. Ich brauchte dieses Feuer, diesen bläulichen Dunst, um den Tag als die scharfe, begehrenswerte Frau zu beginnen, die ich gestern Abend geworden war.
Tatsächlich fand ich meine Raucherausrüstung an der erhofften Stelle. Der Aschenbecher war fein gesäubert und entleert. Wie aufmerksam von meinem Liebling! Ich ignorierte die Kaffeemaschine und steuerte direkt auf den Tisch zu. Meine Finger zitterten leicht, als ich die Schachtel öffnete. Das vertraute Knistern der Folie war Musik in meinen Ohren. Ich fischte eine Zigarette heraus, führte sie an meine spröde Lippen und spürte das angenehm glatte Filterpapier. Das Klicken des Feuerzeugs hallte in der stillen Küche wider und dann kam er endlich – der erste, tiefe Lungenzug des Tages.
Ich schloss die Augen, während der heiße Dampf meine Lunge füllte und den zähen Schleim in meinem Rachen mit behaglicher Wärme vertrieb. Ein wohliger Schauer lief mir über den Rücken; der leichte Schwindel, der mich kurz erfasste, war wie eine zärtliche Erinnerung an die triumphalen Ausschweifungen des abgelaufenen Abends. Das unbeschreibliche Glücksgefühl ließ jedoch nach, sobald ich realisierte, dass nur noch wenige Zigaretten übrig waren. Ich brauchte dringend Nachschub. Unbedingt! Die Angst, keine Zigaretten zu haben, und die Tatsache, dass die Tabakläden aufgrund des nahenden Wochenendes nicht mehr lange offen hätten, versetzte mich in helle Aufregung. Das war neu und beängstigend. Mein erster Weg nach draußen würde mich daher sofort zur Trafik führen und ich würde diesmal gleich nach einer ganzen Stange verlangen, um mir dank eines ausreichenden Vorrats eine derartige Stresssituation für eine Weile zu ersparen.
Als die Glut der ersten Zigarette bereits gefährlich nah am Filter fraß, fühlte ich mich stabil genug, um Michaela zu sprechen. Sie würde meinen Anruf sehnsüchtig erwarten, hatte sie gestern versprochen, unmittelbar bevor sie mich am Straßenstrich abgesetzt hatte, und war nun völlig zu Recht äußerst neugierig auf meinen Bericht, nach allem, was sie in den letzten Tagen für mich getan hatte. Ich drückte die Kippe aus und steckte mir sogleich die nächste an, ehe ich mein Telefon zur Hand nahm und ihre Nummer wählte.
„Elke! Endlich! Ich habe die ganze Zeit an dich gedacht und bin schon gespannt, zu erfahren, wie es gestern bei deinem – sagen wir mal so – ganz besonderen Date mit Thomas gelaufen ist“, kam meine kleine Schwester, fröhlich und gut gelaunt wie immer, gleich zur Sache. „Entschuldige bitte, Schwesterlein, dass ich mich erst jetzt melde“, begann ich mit heiserer, belegter Stimme, „ich habe länger geschlafen, so total erschöpft und unendlich müde, wie ich war.“ „Vollstes Verständnis“, entgegnete sie ruhig, „man hört es bis hierher.“
„Danke schön“, krächzte ich noch, bevor mich eine kurze, aber umso heftigere Hustenattacke überrollte. Meine Kehle war trocken und mein rauer Schlund kratzte derart, als wäre er mit Schmirgelpapier bearbeitet. Ich musste das Gespräch für einen Augenblick unterbrechen, griff nach einem Glas Wasser, um den Anfall zu ertränken und mich wieder zu sammeln. Michaela wartete geduldig am anderen Ende der Leitung, ein wissendes Schmunzeln war in der Stille spürbar, bis ich wieder zur Ruhe gekommen war und halbwegs normal atmete. „Das muss ja eine verdammt heiße Nacht gewesen sein“, brachte sie es schließlich halb scherzend auf den Punkt, wobei sie ihre klar erkennbare Wissbegier kaum mehr verbergen konnte.
„Ich möchte dich nicht länger auf die Folter spannen, Michaela“, fuhr ich jetzt fort und nahm einen tiefen, hörbaren Zug. „Es war ... jenseits von allem, was ich mir ausgemalt hatte. Thomas ist voll darauf eingestiegen. Er hat mich nicht nur als Nina akzeptiert, er hat mich regelrecht verschlungen.“
Ich hörte Michaela leise auflachen: „Ich hab’s gewusst! Ich wusste es und hab’s dir auch vorhergesagt, dass er bei diesem Anblick regelrecht die Beherrschung verliert.“ „Ja“, bestätigte ich nicht ohne Genugtuung, „ich habe ihn in all den gemeinsamen Jahren im Bett nie so stürmisch, unbeherrscht, ja entfesselt erlebt. Es war ... Michaela, es war so aufregend. Alles. Der prickelnde Flirt am Strich, der befriedigende Akt des Bezahlt-Werdens, wie ich ihn auf der Fahrt zum Parkplatz mit dem Anzünden einer Zigarette in seinem klinisch sauberen Auto förmlich provoziert habe und dann der sensationelle Sex auf der Motorhaube unseres Wagens. Thomas war total ... überwältigt. Er hat gesagt, es hätte alle seine Fantasien übertroffen. Wir haben Neues probiert. Er hat mich sogar geleckt und beim eigentlichen Verkehr extrem hart und rücksichtslos rangenommen, sodass mir beinahe angst und bange wurde. Und das Paradoxe und für mich zutiefst Erschreckende daran war: Obwohl er mich nicht wie seine Ehefrau, sondern einfach wie ein Stück Fleisch behandelt hat, hat es uns beiden enormen Spaß bereitet, auch mir. Als er schließlich in mir gekommen ist, und das ist er wirklich in voller Wucht ... du verstehst schon, hatte ich selbst einen rekordverdächtigen Mega-Orgasmus, wie ich ihn bisher nicht kannte, ja nie für möglich gehalten habe. Dein Vorschlag mit dem Straßenstrich war schlicht und ergreifend ein Geniestreich und deine tatkräftige Hilfe bei der minutiösen Umsetzung unseres gemeinsamen Planes unbezahlbar. Ich weiß wirklich nicht, wie ich dir für alles, was du für mich getan hast, jemals genug danken kann!“
„Dass du mich vertrauensvoll eingebunden hast, mich nun an allem teilhaben lässt und ich meiner großen, konservativ geprägten Schwester dabei helfen konnte, sich aus ihrer eigenen – entschuldige bitte den Ausdruck – ‚Verklemmtheit‘ zu lösen, um ihre Ehe wieder ins rechte Lot zu bringen, ist mir ausreichend Lohn“, erwiderte sie keck. „Das hast du in der Tat, Michaela“, gab ich dankbar anerkennend zu. „Es hat alles ausgezeichnet funktioniert. Thomas war auf der Rückfahrt nach Hause von meiner innovativen Überraschung sichtlich angetan, hat unentwegt von meinen in der Rolle absolut authentisch zur Schau gestellten Reizen geschwärmt und war von dem unvergesslichen Erlebnis, das ich ihm als Nina bereitet habe, total übermannt. Er war insgesamt sehr wohlwollend und äußerst verständnisvoll, selbst als ich ihm eröffnete, gerne Raucherin zu bleiben.“
Ihr Atem stockte. Obwohl ich meine Schwester nicht sah, konnte ich den Schock auf der anderen Seite der Telefonverbindung plastisch wahrnehmen. „Ja, du hast richtig gehört, Michaela. Ich gehöre nun ganz offiziell zur Gruppe jener Frauen, die diesem Laster frönen, und es fühlt sich verdammt gut an“, bekannte ich selbstbewusst und setzte gleich noch eines drauf: „Ich habe mir übrigens auch schon eine angezündet, als wir unsere Unterhaltung vorhin begonnen haben, mein Glimmstängel ist aber inzwischen verglüht.“ „Ich hab es mir instinktiv fast gedacht, so wie du vorhin geklungen hast, wollte es aber nicht wahrhaben.“ Die anfängliche Euphorie in Michaelas Stimme war längst einer kühlen Strenge gewichen. „Mensch, Elke, spinnst du? Du eine echte Raucherin, ganz ohne Rollenspiel?“ „Ja, und ich muss dann gleich los, ausreichend Nachschub besorgen, da meine Marlboro-Vorräte von gestern praktisch aufgebraucht sind“, weihte ich sie mit einer coolen Selbstverständlichkeit in meine weiteren Pläne für den Tag ein. Da packte sie die Moralkeule aus: „Hast du etwa vergessen, was mit unserer Halbschwester Linda in Graz passiert ist? Die hat vor einigen Jahren auch aus heiterem Himmel von einem Tag auf den anderen mit dem Rauchen angefangen und ist inzwischen schon ernsthaft krank. Sie hängt permanent am Sauerstoffgerät, hat COPD und ständige Arterienverstopfungen, vielleicht verliert sie am Schluss gar ein Bein.“ Ich winkte ab, obwohl ihr meine demonstrative Geste verborgen blieb. „Ach, Michaela, hör doch auf! Das mit Linda ist doch eine ganz andere Geschichte. Wir haben seit Jahren kaum ein Wort mit ihr gewechselt und wer weiß, was bei ihr sonst noch so alles mit im Spiel ist. Das lässt sich doch nicht vergleichen und hat mit mir nichts zu tun“, reagierte ich zunehmend genervt. Ihr Weckruf prallte an mir ab. Und auch ihr vermeintlich letzter Trumpf: „Und was hält eigentlich Thomas davon? Er ist doch sonst immer so ein Gesundheitsapostel.“ „Thomas ist da tolerant. Er hat gesagt, wenn ich jetzt Raucherin sein will, wird er sich damit abfinden! Er hat mir gestern überdies gestanden, dass er sich insgeheim schon immer eine Raucherin zur Frau gewünscht hat, es aber nicht zu denken, geschweige denn es offen auszusprechen gewagt hat. Es hätte ihn ungeheuer erregt, mich rauchen zu sehen. Er hat mir dann sogar gestattet, vor dem Einschlafen im Ehebett zu rauchen, hat sich dabei an mich gekuschelt, war ungemein zärtlich und hat mich sanft gestreichelt. Ich weiß, dass er immer zu mir halten wird, in Gesundheit und Krankheit, wie es im Eheversprechen heißt.“
Ich hörte Michaelas Seufzen: „Elke, ich mache mir einfach ernsthaft Sorgen um dich.“ „Das brauchst du nicht, Michaela“, konterte ich und versuchte zugleich, mein Schwesterherz wieder zu beruhigen: „Das mit dem Rauchen ist eine Sache, die allein Thomas und mich etwas angeht. Wir haben das zwischen uns geklärt. Und glaub mir: Das ist für uns beide völlig okay so und wir sind miteinander außerordentlich glücklich damit, wie sich die Dinge entwickelt haben. Ich weiß, dass du das als alleinstehende Frau schwer nachvollziehen kannst, wenn ich so aus dem Nähkästchen meiner langjährigen Beziehungserfahrung erzähle, aber wir akzeptieren einander und lieben uns so, wie wir sind.“
„Ich verstehe, was du meinst, Elke. Du hast recht, dass ich in Ehefragen eigentlich nicht kompetent mitreden kann“, war meine Schwester ebenfalls bemüht, die Wogen zwischen uns zu glätten. „Mir ist nur aufgefallen: Du klingst heute ... anders. So habe ich dich früher nicht reden gehört.“ „Ich bin anders, Schwesterchen, nicht mehr das graue Mäuschen von früher. Ich habe mein Frausein neu entdeckt“, reichte ich ihr meine Sicht der Dinge nach und merkte, dass sich die Chemie zwischen uns wieder merklich verbesserte und Michaelas sonniges Wesen nach den Gewitterwolken langsam zurückkehrte. Ich spürte, wie ich mich innerlich aufrichtete, eine neue Haltung in meinem Körper: „Und ich habe mich letzte Nacht so extrem weiblich gefühlt, Michaela. So mächtig. So begehrt. Und dann dieses erhabene Gefühl, bezahlt zu werden ... das war ein so besonderes Erlebnis. Eine Erfahrung von Unabhängigkeit, die ich als Hausfrau so noch nie gekannt habe. Es war, als hätte ich das Spiel kontrolliert, nicht Thomas. Und nachdem ich mit ihm am Strich fertig war, ist dann noch so ein Typ aufgetaucht, eigentlich ganz gutaussehend, wohlhabend, jung, eben ein schicker Freier, der ernsthaft Interesse an mir gezeigt hat. Er wollte mich unbedingt haben und wäre bereit gewesen, es sich einiges kosten zu lassen, wenn ich mit ihm schlafe. Ich habe Thomas eine Weile zappeln lassen, dann aber abgelehnt, obwohl es mich ehrlich zugegeben doch ein wenig gereizt hätte. Du siehst, man hat mir die Nina voll abgekauft.“
Michaela grinste, als wäre es ein Scherz gewesen, und bemerkte nicht ohne Stolz: „Siehst du, ungläubiger Thomas, ich lag mit meiner Prophezeiung richtig, dass du in der Männerwelt einschlagen wirst wie ein Komet auf der Erde.“ Wir mussten beide herzhaft lachen, wobei ich durch die strapazierten Bronchien etwas rauer und tiefer klang als sonst, was Michaela jedoch gar nicht mehr kommentierte.
Unsere alte, vertraute Geschwisterbeziehung schien vorerst wiederhergestellt zu sein und ich fühlte mich jetzt so entspannt, gelöst, ja fast berauscht, dass ich mir mit ungezwungener Leichtigkeit eine weitere der wenigen noch vorhandenen Zigaretten anzündete. Unbedacht ließ ich eine ungleich schwerwiegendere Enthüllung folgen, die mein Innerstes betraf, einen verborgenen Gedanken, der ununterbrochen unterbewusst in meinem Kopf herumspukte, seit Thomas mich auf dem Parkplatz mit seinem warmen Sperma vollgetankt hatte. Es war eine Idee, die mich gleichermaßen erschreckte wie begeisterte. Ich senkte meine Stimme zu einem Flüstern, obwohl niemand mithören konnte: „Michaela ... da wäre noch was, das ich dir anvertrauen möchte. Etwas, das mich sehr beschäftigt. Und bitte versprich mir, nicht gleich erneut auszuflippen.“ Ich merkte, dass sie hellhörig wurde, und pausierte kurz. „Ich ... ich verspüre irgendwie eine unbändige Lust, nein, ein heftiges Verlangen, wieder als Prostituierte anschaffen zu gehen.“ Ich hielt inne und ließ die Worte wirken. „Aber diesmal ... diesmal nicht mit Thomas. Sondern mit einem echten, wildfremden Freier.“
Bei meinem Gegenüber herrschte sekundenlang ein vakuumartiges Schweigen, in dem ich nur das leise Knistern meiner brennenden Zigarette vernahm. Dann hörte ich Michaela nach Luft schnaufen, bevor sie mit einer für sie völlig untypischen, beinahe beängstigenden Sachlichkeit antwortete: „Das ist echt krass, Elke. Ist dir überhaupt bewusst, was du dir da wünscht? Das ist kein sexuelles Abenteuer mehr, das dazu dient, die Beziehung zu deinem Mann um eine neue Facette zu bereichern, ein Vorhaben, bei dem ich dich liebend gern tatkräftig unterstützt habe, sondern das wäre – lass es mich ganz offen und emotionslos beim Namen nennen – ein Bruch eurer Ehe, deren Ideale du eben noch beschworen hast. Davon kann ich dir als deine Schwester nur dringend abraten, denn wenn du Thomas betrügst und fremdgehst, lässt sich das nicht mehr kitten, sobald er davon erfährt. So viel verstehe ich auch als Unverheiratete von der Ehe. Bitte erklär mir: Was versprichst du dir von einem völlig gefühllosen, rein lustgetriebenen Fremden, was Thomas dir nicht geben kann?“
„Das ist es ja gerade!“, entgegnete ich; meine Euphorie mischte sich mit einer fiebrigen Entschlossenheit. „Das war gestern nur ein Vorgeschmack auf das, was noch alles möglich ist, Michaela. Und ich will mehr. Das Nonplusultra. Das hat nichts mit Thomas zu tun und ist auch nicht seine Schuld, für die er etwas kann. Im Gegenteil: Er ist letzte Nacht in dem Nutten-Setting komplett aus sich herausgegangen, hat alles gegeben und eine Männlichkeit und Potenz an den Tag gelegt, die ich bei ihm so nicht kannte, blieb in der Ausschöpfung seines vollen Potenzials jedoch gefangen, weil ich es war, die er fickte, seine eigene Frau. Ich möchte dieses Gefühl wieder spüren, diesmal aber richtig und ohne beengende Schranken einer selbst auferlegten Hemmschwelle, dieses Gefühl der Kontrolle, der Macht über einen Mann, der mir viel, sehr viel Geld dafür gibt, dass ich seine schmutzigen Fantasien erfülle, der sich einfach das nimmt, was er unbedingt haben will, ohne Rücksicht auf die möglichen, drohenden Konsequenzen für seine Beziehung, seinen Ruf, seine Gesundheit, seine Existenz. Dieses dem bezahlten Geschlechtsverkehr am Strich inhärente Risiko um meinetwillen einzugehen, das ist der wahre Kick, der die Prostituierte adelt. Die tiefste Befriedigung, zu wissen, absolut begehrt zu sein. Und damit verbunden ultimative sexuelle Erfüllung.“
„Elke! Hast du den Verstand verloren?! Das ist ... das ist purer Wahnsinn! Ein wildfremder Mann? Du weißt doch gar nicht, wer das ist! Ein Psycho vielleicht. Und du hast keine Ahnung, wen der vor dir im Bett hatte oder was der mit sich herumschleppt. Du bist bestimmt nicht die Erste und bei Weitem nicht die Einzige. Das ist zu gefährlich!“ Michaelas Ton war scharf geworden, erfüllt von Sorge und Unglauben. „Das ist kein Rollenspiel mehr, Elke. Das ist die brutale Realität. Da draußen lauern Gefahren, die du dir nicht vorstellen kannst!“
„Keine Sorge, ich weiß. Ich mache das für mich. Auch du hast ja deine Männergeschichten laufen und mir erzählt, dass du das manchmal einfach brauchst als Frau“, erinnerte ich sie süffisant, während ich meinen Zigarettenstummel ausdrückte. „Das stimmt“, griff sie den Ball auf, ihr Gemüt nun wieder kontrollierter. „Ich bin als Ungebundene natürlich kein asexuelles Wesen und gönne mir meine Affären und hatte auch schon den einen oder anderen spontanen One-Night-Stand, wobei ich manchmal auch unvorsichtig war. Das, was dir vorschwebt, ist jedoch ein Spiel mit dem Feuer, das dich in einen Abgrund stürzen wird, aus dem du vielleicht nicht mehr herausfindest. Und wenn du das wirklich in Erwägung ziehst, dann darfst du das nicht heimlich durchziehen, sondern musst es zuerst mit Thomas klären. Das ist etwas, das ihr als Ehepaar besprechen müsst! Er muss davon wissen!“, betonte sie mit Nachdruck.
„Das werde ich, mein Schwesterherz“, murmelte ich ein wenig unverständlich und beendete das Telefonat dann schnell mit einer knappen Verabschiedung. Doch Michaelas Worte, obwohl sie mich kurz irritiert hatten, konnten den wachsenden Samen in meinem Kopf nicht auslöschen. Im Gegenteil: Nach dem Anruf wurden meine Gedanken von dieser Idee immer besessener. Der Reiz des Unbekannten, des Verbotenen, der absoluten Freiheit, die der sinnliche Akt des Bezahlt-Werdens für mich bedeutete, und einer maximalen orgasmischen Befriedigung meines Verlangens als kumulative Krönung all dessen verzehrte mich förmlich. Die Angst wich einer ekstatischen Neugier.
Am Abend würde ich mit Thomas darüber reden. Ich musste. Es war zu wichtig, um es einfach zu vergessen. Er würde mich verstehen, wo er doch sein ganzes Erwachsenenleben in seinen erotischen Träumen so sehr auf Prostituierte fixiert war. Das zumindest hoffte ich.
Kapitel 12: Eine neue Grenze
Am Abend kam Thomas von der Arbeit nach Hause, seine Schritte waren leichter als sonst, ein Lächeln lag auf seinen Lippen. Er hatte an diesem Samstag ausnahmsweise Wochenenddienst gehabt, da eine größere Betriebsprüfung bevorstand und es im Führungsteam noch einiges vorab zu klären gab. Er war – in solchen Situationen eher untypisch für ihn – trotz der gewiss stressgeladenen Extraschicht sichtlich gut gelaunt, eine Nachwirkung der vergangenen Nacht, die auch ihn noch immer zu beflügeln schien. Als seine langjährige Ehefrau merkte ich an vielen kleinen Details, dass es ihn diesmal aufrichtig freute, heimzukommen und mich wiederzusehen. Der Geruch von kaltem Rauch, der sich im Haus festgesetzt hatte, war unverkennbar und kitzelte seine Nase, kaum hatte er die Haustür geöffnet. Aus unserem makellosen Zuhause war über Nacht ein Raucherhaushalt geworden und er strahlte paradoxerweise über diesen neuen Zustand – eine wunderbare Bestätigung für mich, dass seine Akzeptanz meines Lasters ehrlich gemeint und seine Erregung darüber nicht nur ein kurzes Strohfeuer war.
Ich hatte im Vorfeld bereits das Abendessen zubereitet und mich für meinen Schatz herausgeputzt. Ich trug einen schwarzen Lederrock, den er an mir früher so sehr liebte, den ich jahrelang nicht mehr angehabt hatte, der mir nun aber wieder passte, nachdem ich zuletzt ein paar Kilo abgenommen hatte. Ich wollte für ihn so liebenswert wie nur irgend möglich erscheinen, sodass er mir meinen delikaten Wunsch, den ich heute zur Sprache zu bringen beabsichtigte, einfach nicht abschlagen konnte. Er fand mich mit einer Zigarette in der Hand vor. Mein Blick huschte zu ihm und ein Lächeln, das noch von Ninas Frechheit zeugte, spielte um meine Lippen.
„Na, meine neue Raucherin“, begrüßte mich Thomas schmunzelnd. Seine Augen wanderten zur brennenden Zigarette zwischen meinen Fingern. „Wie viele waren es denn heute schon?“ Sein Ton war sanft, fast amüsiert, eine Mischung aus Neugier und der anhaltenden Faszination für mein neues Ich. Er schien über meinen erhöhten Zigarettenkonsum hinwegzusehen, da ihn die gesamte Situation um meine Verwandlung offenbar mehr reizte als beunruhigte.
„Mehr als ich zugeben möchte“, antwortete ich herausfordernd, nahm einen tiefen Zug und blies den Rauch langsam aus, direkt in seine Richtung. Er zog die Schultern hoch, ein leichtes Grinsen auf den Lippen. Es war klar, dass dieser neue Geruch, dieses neue Verhalten ihn nicht nur anzog, sondern regelrecht triggerte, selbst wenn es seinen bisherigen Vorstellungen von Ordnung und Reinheit widersprach.
Thomas legte seine Aktentasche ab, sein Blick musterte mich. „Im Ernst, Elke. Wie viele Zigaretten hast du heute schon geraucht?“ Seine charmante Nachfrage hatte erkennbar allein den Zweck, eine konkrete Zahl zu hören, die sein fetischartiges Kopfkino weiter fütterte.
Ich zögerte kurz, dann zuckte ich die Achseln: „Mein erster Weg hat mich heute gleich direkt zur Trafik geführt und ich habe mich mit einem Hamstervorrat eingedeckt, um meine Sucht zu stillen. Die erste Packung, die ich neu gekauft habe, ist schon weg und mit der zweiten werde ich auch nicht mehr lange auskommen.“ Ich beobachtete, wie er leicht zusammenzuckte, aber er sagte nichts weiter. Stattdessen atmete er tief ein, als wollte er meinen Rauch in sich aufnehmen.
„Bist du hungrig? Ich habe nämlich für uns gekocht“, fragte ich. „Wir haben uns im Büro heute Mittag Pizza liefern lassen, ich könnte jetzt aber ganz gut wieder was vertragen. Vor allem freue ich mich jedoch auf dich als Nachtisch“, flirtete er mit mir kokett wie ein frisch verliebter Liebhaber. Er ging auf mich zu, küsste meinen Rauchermund mit einer unglaublichen Leidenschaftlichkeit, suchte mit seiner Zunge gierig nach dem Tabakgeschmack darin und strich dabei mit seiner Hand fest über meinen lederbedeckten Po, sodass ich im Gesicht merklich errötete.
Wir setzten uns an die festlich gedeckte Tafel. Thomas wirkte entspannt, innerlich höchst zufrieden, während er den ersten Bissen nahm. Er ahnte nicht, dass der Lederrock und mein betont aufreizender Habitus nicht das erhoffte Vorspiel für eine wilde Nacht zu zweit waren, sondern eine Nebelgranate und die Rüstung für das, was ich ihm jetzt bald offenbaren musste. Ich überlegte für eine kurze Weile sogar, von meinem Vorhaben vorerst abzulassen, entschied mich dann aber doch bewusst dagegen. Es gab kein Zurück mehr! Mein erklärtes Ziel war ja kein weiteres Techtelmechtel von der Stange, sondern die sexuelle Grenzerfahrung, die mir nur ein unbeteiligter Dritter bieten konnte, besann ich mich auf meine ursprüngliche Absicht.
Wir aßen zu Abend, redeten über Gott und die Welt, über alltägliche Dinge, erzählten dem jeweils anderen von unserem Tag, doch unter der Oberfläche brodelte in mir die unausgesprochene Spannung, das Wissen um die beziehungs-, ja womöglich lebensverändernde Information, die ich ihm gleich eröffnen würde. Ich spürte, wie meine Nervosität minütlich wuchs, aber auch meine unerschütterliche Entschlossenheit. Ich hätte eigentlich allzu gerne wieder zu meinen Zigaretten gegriffen, die mir das Gefühl von Stärke gaben, das ich brauchte, riss mich aber nolens volens zusammen. Während eines romantischen Dinners wird vor dem Kaffee nicht geraucht, hatte ich verinnerlicht.
„Tee oder Kaffee, Liebling?“, stellte ich schließlich die obligatorische Schlussfrage. „Mir ist an einem Abend wie diesem eher nach Cognac zumute“, antwortete er euphorisch. „Wir müssten noch einen in unserer Hausbar haben“, bemerkte ich sachlich und stand zum Abservieren auf. Mit einem silbernen Tablett in der Hand kehrte ich zurück; darauf befanden sich das Wunschgetränk meines Mannes im passenden Tulpengläschen, ein Espresso für mich, dazu meine offene Marlboro-Schachtel, das Feuerzeug und ein echter, stilvoller Aschenbecher, den ich inzwischen besorgt hatte. Thomas’ Augen funkelten, als er das bemerkte.
„Auf meine wundervolle Frau“, erhob er seinen Drink und sprach einen Toast auf mich aus, während ich aufgeregt mit dem Feuerzeug hantierte, das zunächst nicht so recht funktionieren wollte, den ersten Zug kaum noch erwarten könnend. Als meine Tschik endlich entzündet war, inhalierte ich tief, starrte ihn durch den bläulichen Dunst fest an und spürte, wie mein Herzschlag sich beschleunigte.
Ich lehnte mich zurück. „Thomas“, begann ich, meine Stimme ernster als zuvor, „ich muss mit dir über etwas sehr Wichtiges sprechen. Die letzte Nacht ... das war unglaublich. Es hat mich so sehr beeindruckt, dass ich ...“ Ich zögerte kurz, suchte verzweifelt nach den richtigen Worten, obwohl der Entschluss in mir längst feststand. Ohne lange um den heißen Brei herumzureden, kam ich unmittelbar und – wie ich hoffte – unmissverständlich gleich zur Sache: „Ich würde liebend gerne noch einmal anschaffen gehen.“
Es war, als hätte ich ihn mit meinem Wunsch eiskalt erwischt, jedenfalls verschluckte er sich beinahe. Stille legte sich über den Tisch und mein Mann erschien mir zunehmend verwirrt und völlig überfordert. Das euphorische Funkeln in seinen Augen erlosch nicht etwa, es wandelte sich in ein ungläubiges Starren. Er schien intuitiv zu erfassen, worauf ich hinauswollte. Ich merkte, wie sein Kehlkopf arbeitete, als er versuchte, die Worte zu verarbeiten, die so gar nicht zu der festlichen Tafel und dem teuren Cognac passen wollten. Der Begriff „anschaffen“, den ich soeben ausgesprochen hatte, hing wie eine schmutzige Wolke zwischen uns. Thomas setzte sein Glas langsam ab; seine Finger umklammerten es dabei so fest, dass ich fürchtete, es könnte zerbrechen. „Noch einmal ... anschaffen gehen?“, wiederholte er, als müsste er die Silben erst auf ihre Echtheit prüfen. Seine Stimme war leise, fast ungläubig.
„Ja“, bekräftigte ich und gewann sukzessive an Selbstsicherheit. „Aber diesmal ... richtig. Ich meine ... nicht mit dir, sondern einem echten Freier. Einem Unbekannten von der Straße, der mich engagiert, weil ich ihm so gefalle, dass er mich unbedingt haben möchte; der sich in seinem sexuellen Verlangen förmlich nach mir verzehrt und mich für meine Dienstleistung in jeder Hinsicht reich entschädigt. Thomas, ich weiß, das mag für einen Außenstehenden verrückt klingen, aber du wirst mich verstehen, da dich die Prostitutionsthematik doch selbst schon so lange beschäftigt und die Vorstellung, einmal ein Teil dessen zu sein, magisch anzieht. Ich habe gestern selbst erlebt, wozu du imstande warst, als ich dir die Gelegenheit bot, deine unterdrückten Fantasien einmal auszuleben.“
Trotz der explosiven Heftigkeit meiner Ansage bewahrte Thomas glücklicherweise einen kühlen Kopf und blieb emotional ruhig. Er hatte seit jeher die angenehme Angewohnheit, immer in seinen phlegmatischen Charaktermodus zu schalten, wenn es wirklich brenzlig wurde, sodass uns größere Ehekonflikte bisher erspart geblieben waren. Gleichwohl bildete sich eine tiefe Falte auf seiner Stirn. Er rieb sich nachdenklich das Kinn. „Elke ... meine Internetlektüre auf diversen Erotikseiten hat mir zwar ein gewisses Verständnis für deine Faszination gegeben. Ich weiß, dass es da draußen viele Frauen gibt, die das tun und gerade diese Grenzen ausloten, die du eben beschrieben hast. Hure zu sein ist für sie nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.“ Er blickte mich ernst an. „Aber du musst verstehen: Fantasie ist das eine, Umsetzen in der Realität das andere. Das war gestern Abend ein Spiel, ein Rollenspiel, in dem du sicher warst, da wir uns beide kannten. Ein fremder Mann auf der Straße ... das ist nicht deine Welt. Mit dieser unbekannten Variable wird es hochriskant und extrem gefährlich.“ Thomas atmete tief durch. „Auch ich habe meine Begierden mit Prostituierten genau aus diesem Grund nie verwirklicht. Ich bin dir immer treu gewesen und hätte mich auch nicht in Gefahr gebracht, selbst als ich noch unverheiratet war.“
„Ich weiß“, stimmte ich ihm zu, doch mein Tonfall verriet keine Angst, sondern eine seltsame, fast ungeduldige Neugier. „Aber ich muss es erleben. Ich möchte wissen, wie sich das anfühlt.“
Thomas seufzte. Er schien zu erkennen, dass Widerstand zwecklos war, zumindest in diesem Moment. Er wollte meine Motivation verstehen. „Erzähl mir, Elke: Was erhoffst du dir von so einem Erlebnis? Was versprichst du dir davon, dich von einem Fremden auf der Straße gegen Bezahlung abschleppen zu lassen?“
Ich lehnte mich vor, mein Blick fest auf seinen gerichtet, und hielt den eingeatmeten Rauch meiner Zigarette diesmal länger in meiner Lunge, ehe ich ihn langsam ausstieß. „Ich erhoffe mir ... Sex ohne große Gefühle, nennen wir es Liebe – die pure Leidenschaft also, die in ihrer Intensität alles jemals Erlebte übertrifft. Wir beide hatten ja nur einander und doch habe ich gestern in dem Rollenspiel etwas gewittert, das weit darüber hinausgeht und das ich kennenlernen und keinesfalls missen möchte. Stell dir vor, ein Mann, der mich noch nie zuvor gesehen hat, mich als Person nicht kennt, ein Fremder, der sich von meinem Äußeren, von meiner Aura als Nina, völlig in seinen Bann ziehen lässt. Er wird nicht wissen, dass ich die biedere Elke bin, deine Ehefrau. Er wird nur Nina sehen. Die Frau, die ihm seine tiefsten Wünsche erfüllt. Und deren runder Körper im Latex ihr größtes Kapital darstellt. Ich werde mich so wahnsinnig begehrt fühlen.“ Meine Stimme wurde leiser, fast ein Flüstern. „Und dann ... dann ist da dieses Geld, das er bezahlt, um mich maximal eine Stunde besitzen zu können. Das war gestern so berauschend, Thomas. Als Hausfrau habe ich selten die Gelegenheit, wirklich etwas Eigenes zu verdienen. Diese Scheine in meiner Hand ... das war ein Gefühl von Macht und Unabhängigkeit, das ich noch nie zuvor gespürt habe. Es ist der ultimative Beweis, dass ich etwas zu bieten habe, das Männer bereit sind, zu bezahlen.“
Ich sah, wie Thomas’ Augen sich weiteten; eine Mischung aus Unbehagen und einer neuen Art von dunkler Faszination spiegelte sich darin wider. Ich fuhr fort, meine Stimme immer fester: „Und das Risiko, Thomas. Dieses Adrenalin. Das gehört auch untrennbar dazu und maximiert den Reiz und die Befriedigung. Die Ungewissheit, wer da anhalten wird, was er wollen wird. Und auch er weiß im Grunde genommen nicht, auf welche Frau er sich hier einlässt und ob es für ihn gut ausgehen wird. Darin liegt ein Prickeln, ein Knistern in der Luft, aber das Verlangen ist stärker als jede Vernunft. Man sagt nicht umsonst: Den Mutigen gehört die Welt. Und: Wer wagt, gewinnt. Das ist ... das wahre, das aufregende Leben, ein Abenteuer ohne Sicherheitsgurt, nicht die geordnete Routine, in der wir uns sonst bewegen. Ich will diese Extreme spüren. Ich will mich nicht länger nur in deinen Fantasien verlieren. Ich will meine eigenen haben. Und leben.“
Kapitel 13: Die dunkle Verhandlung
Thomas lauschte meinen Ausführungen, seine Augen folgten jeder meiner Regungen, während ich ungewohnt offen und angeregt über mein Seelenleben, mein weibliches Lustempfinden und die neuen Möglichkeiten philosophierte, in wachsender Erregung vom Sex, von der Macht und dem Risiko sprach, das mich so anzog. Als ich geendet hatte, nickte er langsam, ein komplexer Ausdruck auf seinem Gesicht.
„Ich verstehe dich nur zu gut, Elke“, resümierte er leise, fast nachdenklich. „Ich verstehe deine neu entdeckte Weiblichkeit, deine Lust am Unbekannten, den Reiz der Gefahr, das Gefühl der Kontrolle. Und auch den Aspekt der Bezahlung ... das ist ein mächtiges Symbol, das Objekt der Begierde zu sein.“ Er kratzte sich erneut am Kinn, sein Blick wanderte über meinen rauchenden Mund, der ihn offenbar betörte. „Aber ich will nicht, dass du dich in Gefahr begibst. Und die besteht in der Tat, Elke. Das ist eine Tatsache, keine Einbildung oder Erfindung meinerseits, um dich von etwas abzuhalten. Da draußen gibt es Männer ... gestörte Figuren ... du möchtest nicht wissen, wozu die alles imstande sind ...“
Er zögerte, rang offensichtlich mit sich. Plötzlich legte er die Karte des Angstmachens, die er gerade auszuspielen begann, unerwartet zur Seite und konfrontierte mich mit seiner überraschend unverblümten Wissbegier: „Welche Art von Service würdest du deinen Kunden denn anbieten, Elke? Als Nina, meine ich.“
Da brauchte ich nicht lange zu überlegen: „Alles, Thomas. Alles, was sie wollen und wofür sie zu zahlen bereit sind. So wie bei dir gestern Abend, nur dass es eben fremde Männer sind.“ Ich wiederholte in typischer Nina-Attitüde mein Standardsprüchlein, das ich inzwischen auswendig konnte wie ein gängiges Gedicht, das vom simplen Blowjob bis zum kompletten Tabulos-Service ohne Kondom reichte, je nachdem, wie weit die sexuelle Fantasie und die finanzielle Potenz meines Freiers reichen würden.
Thomas’ Augen wurden während meiner Privatvorstellung immer größer. Gegen Ende legte sich eine tiefe, fast schmerzliche Sorge in Gestalt starker Blässe über sein Gesicht: „Alles? ... Elke, denk nach, was das bedeuten kann! Schwangerschaft! Geschlechtskrankheiten! Das ist ... das ist absolut unverantwortlich!“
Ich zuckte die Achseln, als wäre es das Normalste auf der Welt: „Ach, Thomas, nur keine Panik. Ich nehme ohnehin die Pille, du weißt das. Und was Krankheiten betrifft ... brauchen wir uns nicht übertrieben zu fürchten. Ich habe im Zuge meiner Vorbereitungen auf gestern Abend nämlich im Internet gestöbert und glaubhafte Berichte gelesen, dass es weitgehend safe ist. Sonst würden es wohl kaum so viele ohne Schutz machen.“ Meine Stimme war so unbekümmert, dass selbst ich mich für einen Sekundenbruchteil wunderte. Doch der Gedanke an das Verbotene schien jede rationale Angst zu überdecken.
„Sicher ist im Leben nichts und auf dem Straßenstrich schon gar nicht“, erhob mein Juristengatte kurz Einspruch, die Schwere seiner Botschaft mit einer heiteren Bise entschärfend, und wurde vorübergehend ernster: „Nicht umsonst sind die auf die Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen spezialisierten Ambulanzen gut besucht und die Syphilis, die bei uns bereits als ausgestorben galt, breitet sich in den europäischen Ländern wieder aus, hört man.“ Um das gezeichnete Horrorszenario gleich wieder abzumildern: „Es ist natürlich zutreffend, dass es sich um kein russisches Roulette handelt, mit einer Nutte ohne Schutz zu vögeln, wie manche fälschlich behaupten, eher um ein kalkuliertes Risiko. Es bleibt statistisch gesehen niedrig; aber wenn es einen dann doch trifft, ist es gewiss sehr unangenehm.“
Thomas starrte mich an, ein langsames, fast unmerkliches Glühen breitete sich in seinen Augen aus. Der Gedanke, dass ich, seine Elke, mit einem anderen Mann, der die Gesetze des Strichs und meine Regeln akzeptieren musste, diese Risiken eingehen würde, war für ihn nicht bloß erschreckend, sondern paradoxerweise zugleich unglaublich erregend. Er holte tief Luft, schien zu überlegen.
„Gut“, kündigte er schließlich sein Einlenken an und klang nun fester, kontrollierter. „Meine Erfahrung lehrt mich, dass du dich von etwas, das du dir einmal in den Kopf gesetzt hast, kaum abbringen lässt. Wenn du es unbedingt tun musst ... dann muss ich mich also wohl oder übel damit abfinden, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen.“ „Und die wären?“, erkundigte ich mich erleichtert. „Es darf nur ein einmaliges Erlebnis sein, Elke, kein Dauerzustand. Das bedeutet: Nur an einem Abend und nur ein Kunde. Danach ist definitiv Schluss. Du darfst nur einen Freier bedienen.“
Ich konnte ein spontanes, herausforderndes Gelächter nicht unterdrücken. „Einen? Ach komm, Thomas. Sei nicht so kleinlich. Wenn schon, denn schon! Drei. Drei Kunden. Biiittteee!!!“ Ich sah ihn flehend an, wohl wissend, dass ich ihn in der Hand hatte.
Er schüttelte den Kopf, ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, auch wenn die Sorge noch immer vorhanden war und in seinen Worten deutlich mitschwang: „Drei ist eindeutig zu viel. Aber ... okay. Wenn du schon so darauf bestehst: Zwei. Maximal zwei.“
Ich winkte ab und beharrte konsequent auf meiner Forderung: „Nein, Thomas. Drei. Oder gar keiner. Drei sind ein repräsentativer Schnitt, damit ich eine umfassende Erfahrung machen kann. Das ist mein Angebot.“ Ein kleiner Machtkampf entbrannte zwischen uns, dessen Ausgang ich bereits kannte.
Er seufzte, gab sich geschlagen und nach: „Okay, drei. Aber nur unter weiteren Bedingungen.“ Er richtete sich auf, als würde er versuchen, die Kontrolle zurückzugewinnen. „Im Falle eines tabulosen Service, wie du es nennst, musst du noch mehr Geld verlangen, als es gestern der Fall war. Um eine zusätzliche Barriere zu schaffen. Es soll kein einfaches Vergnügen, sondern – im Gegenteil – ein exquisites Privileg sein, dich ohne Gummi spüren zu dürfen. Sagen wir ... 400 Euro. Pro Kunde, natürlich. So trennen wir die Spreu vom Weizen.“
Ich grinste. Das war ein guter, fairer Preis. Eine angemessene Wertschätzung meiner Person und Arbeit. „Einverstanden.“
„Und“, fuhr er mit kühlem Unterton fort, „du musst mich einbinden. Mir alles erzählen. Jedes Detail. Wer dich anspricht, was passiert ist, wie es sich angefühlt hat. Alles. Keine Geheimnisse.“ Er brauchte die Kontrolle über die Erzählung, wenn er schon die Kontrolle über die Tat abgab. „Und außerdem solltest du mindestens eine Nacht darüber schlafen, bevor du etwas Konkretes unternimmst. Denn, glaub mir, das ist bei Gott kein leichtfertiger Schritt.“
Thomas lehnte sich zurück, nippte wieder an seinem Cognac, den er zwischenzeitig zur Gänze vergessen hatte, und sah mich an. Ein Blick, der so viele Emotionen barg – Faszination, Sorge und eine dunkle, aufkeimende Lust. Er wusste genau, dass es aussichtslos war, Elke von einem Vorhaben wie diesem abzuhalten, das ihrem tiefen Herzen entsprang. So gut kannte er mich nach 12 Ehejahren. Irgendwie erregte ihn die Vorstellung, mich, seine Frau, in dieser Rolle als den Männertraum zu sehen, während er alles kontrollierte und erfuhr. Er lächelte schief, ein gefährliches Glühen in seinen Augen.
Ich war rundum zufrieden und feierte heimlich bereits, den Segen meines Mannes zu für mich im Großen und Ganzen akzeptablen Voraussetzungen erkämpft zu haben. Doch dann feuerte er wie aus dem Nichts eine finale Kondition nach, die ich so nicht erwartet und auf die ich daher nicht vorbereitet war, obwohl sie es gehörig in sich hatte, so er sie überhaupt ernst meinte und es, wie ich vermutete, nicht ohnedies eine leere Drohung war: „Und Elke, ich behalte mir vor, wenn du das umsetzt, selbst eine echte Prostituierte aufzusuchen.“ Er hielt meinen Blick fest. „Du solltest darüber nachdenken. Darüber, was das für uns bedeuten könnte. Und damit du das in Ruhe tun kannst, werde ich heute im Gästezimmer übernachten.“
Kapitel 14: Der Morgen danach
Der Sonntagmorgen brach an und es war noch recht früh, sprichwörtlich beim Krähen des – in der Stadt nicht vorhandenen – ersten Hahnes, als ich erwachte. Wieder, bereits das zweite Mal in Folge, war ich allein, als mich der neue Tag mit dem ersten Sonnenstrahl begrüßte, doch diesmal waren das Kissen und die Decke der anderen Bettseite völlig ungebraucht, denn Thomas hatte – wie angekündigt – ein paar Wände weiter im Gästezimmer geschlafen. Der vergangene Abend hatte nicht ganz so triumphal geendet wie erhofft; dennoch war ich als große Siegerin hervorgegangen, da ich die Aufrichtigkeit und den Mumm besessen hatte, mit Thomas über meine Bedürfnisse zu sprechen, und er sie letzten Endes akzeptiert hatte. Dass er Bedingungen gestellt und mich zum Nachdenken allein gelassen hatte, war seine Art, auszutesten, ob es mir mit dem, was ich wünschte, wirklich ernst war, und ich konnte mich recht gut damit arrangieren. Dass er mir vorübergehend seine Präsenz und damit Nähe entzogen hatte, hatte auch etwas Positives, denn er ermöglichte mir hierdurch, mich noch authentischer in Ninas Lebenswirklichkeit zu versetzen, die zu Hause ebenfalls ohne Partner, aber mit tiefer innerer Befriedigung zu Bett ging, der es am Ende eines Tages nie an prickelndem Sex, ausgezeichneter Bezahlung und damit verbundenem Luxus fehlte und die sich schon auf den nächsten freute. Von den meines Erachtens nicht notwendig gewesenen Grabenkämpfen am Esstisch erschöpft, war ich dann auch recht bald eingenickt.
Als Thomas eine ganze Weile nach mir aufstand, erfüllte das Aroma von frischem Kaffee und knusprigen Brötchen bereits das Haus. Er fand mich in der Küche, den Frühstückstisch liebevoll gedeckt wie eh und je, eine dampfende Tasse auf seinem Platz. Eine Zigarette glühte zwischen meinen Fingern, ihr Rauch ringelte sich träge zur Decke empor. Ich hatte mich bereits angezogen, nicht in meiner aufreizenden Garderobe mit dem Lederrock, sondern ganz leger in bequemen Jeans und einem lockeren Pullover, der schon leicht nach Tabak stank, doch der Ausdruck auf meinem Gesicht war von derselben Entschlossenheit gezeichnet wie am Abend zuvor.
„Guten Morgen, Schatz“, grüßte ich, meine Stimme klang müde, aber klar. „Ich habe uns Frühstück gemacht“, lud ich ihn herzlich zu Tisch. Ich hatte entschieden, mich wie gewohnt zu verhalten, ganz so, als wäre nichts vorgefallen. „Neuer Tag, neues Glück“, heißt ein treffendes Sprichwort, und diesen vergrämt zu beginnen, schien weder vernünftig noch erfolgversprechend.
Thomas setzte sich, sein Blick wanderte von der Zigarette in meiner Hand zum schicken Aschenbecher daneben, der bereits einige Stummel enthielt. Er nahm sich eine Semmel aus dem Brotkörbchen und schlürfte an der Kaffeetasse. „Guten Morgen, Elke. Du bist ja schon länger wach, oder?“
Ich nickte. „Kaum geschlafen, ehrlich gesagt. Die Gedanken kreisen. Aber ... die Entscheidung ist gefallen.“ Ich nahm einen tiefen Zug von der Zigarette. „Ich will und werde es machen, Thomas. Ich will es wirklich tun.“
Thomas legte seine Kaffeetasse ab, sein Blick bohrte sich in meinen. Die anfängliche Gelassenheit wich einer konzentrierten Ernsthaftigkeit. „Und was ist mit meinen Bedingungen, Elke? Bist du damit einverstanden?“
Ich nickte wieder. „Ja. Die 400 Euro pro Service, das mit dem Erzählen ... das ist alles klar. Und maximal drei Kunden. Die Nacht drüber schlafen ... du siehst, das habe ich getan. Und mein Entschluss steht fest.“
Er lehnte sich zurück, musterte mich nachdenklich, während ich mir sogleich die nächste Zigarette gönnte. „In Ordnung.“ Eine kurze Pause entstand. Ohrenbetäubende Stille, nur die Flamme meines Lasters flackerte. Dann folgte die Frage aller Fragen, die in der Luft gelegen hatte, seit er sie gestern Abend ausgesprochen hatte. Seine Stimme war tief, aber ruhig; „Und ... wie würde es dir gehen, Elke, wenn ich im Gegenzug eine echte Nutte aufsuche?“
Mein Herz setzte einen Moment aus. Ich hatte es erwartet, aber es dennoch verdrängt. Die Vorstellung von Thomas mit einer anderen Frau, einer professionellen Prostituierten noch dazu, jagte einen kalten Schauder über meinen Rücken. Das war die andere Seite der Medaille, die logische Konsequenz meines eigenen Wunsches. Ein kurzer Stich der Eifersucht durchfuhr mich, doch er war seltsamerweise gedämpft von einer neuen, kühnen Neugier und der mir selbst winkenden Belohnung.
Ich nahm einen weiteren Zug von meinem Glimmstängel, der beißende Rauch füllte meine Lungen, verschaffte mir, obgleich er gerade arg kratzte, einen Moment Zeit, meine Gedanken zu ordnen. „Ich ... ich weiß es nicht, Thomas“, gab ich ehrlich zu und offenbarte einen Hauch meiner eigenen Verletzlichkeit. „Ich habe darüber nachgedacht. Ein Teil von mir ... ja, ein Teil von mir wäre eifersüchtig. Das gebe ich zu. Aber ein anderer Teil ...“ Ich suchte nach den Worten und fand sie kaum: „... ein anderer Teil von mir wäre vielleicht auch neugierig. Ich würde wissen wollen, wie das für dich ist, wie es sich anfühlt. Ob es das gleiche Gefühl von ... Tabubruch ist wie bei uns. Oder ob es doch etwas ganz anderes ist, wenn es nicht deine eigene Frau ist, die du fürs Ficken bezahlst.“
Ich beobachtete Thomas, wie er meine Worte verarbeitete. Es war eine heikle Balance, die wir hier spielten, obwohl uns beiden die Fähigkeiten fehlten, auf diesem Terrain wahrhaft souverän zu agieren. Er schien jedenfalls fasziniert von meiner Offenheit und meiner Bereitschaft, auch diese dunkle Seite unserer Vereinbarung zu erkunden. Der schmutzige Tabakgeschmack in meinem Mund war jetzt nicht mehr nur eine neue Gewohnheit, sondern auch ein zäher Begleiter, den ich nicht mehr loswurde, ein Symbol für die Grenzen, die wir beide auszureizen bereit waren.
Thomas beugte sich vor, seine Augen fixierten meine. Seine Stimme senkte sich, fast ein Flüstern: „Würdest du es auch zulassen, Elke, dass ich mit einer Nutte meiner Wahl ganz ohne schützendes Gummi poppe, wenn es mich reizt? Und vielleicht alles in unserer gemeinsamen Ehe aufs Spiel setze?“
Der verdammte Juckreiz in meinem Hals war jetzt so unerträglich geworden, dass ich kräftig aushusten musste.
Ich verstand. Es ging nicht nur um die Handlung an sich, sondern um die ultimative Provokation, die größte vorstellbare Grenzüberschreitung. Es ging um Vertrauen, um die Konsequenzen, die nun klar erkennbar wurden und die wir beide im Worst Case zu tragen hätten. Es ging um mich und um ihn. Es war ein Projekt, das uns als Paar betraf. Wir würden beide eine unsichtbare, gefährliche Grenze überschreiten. Doch mein Wunsch, dieser neue Drang in mir, war stärker als jede Furcht. Ich war dazu bereit.
Ich nickte langsam. Sobald sich mein Husten gelöst, ich Luft geholt und meine Stimme wiedererlangt hatte, erklärte ich, ohne zu zögern: „Ja, Thomas. Wenn es das ist, was du brauchst, um das zu verstehen, was ich fühle. Dann ja.“
Eine leise Erleichterung huschte über sein Gesicht, vermischt mit einem dunklen Glühen seiner Augen. Er schien meinen Entschluss jetzt nicht nur aus Raison hinzunehmen, sondern auch im Herzen zu akzeptieren. „Wann soll es geschehen, Elke?“
Ich nahm einen letzten, tiefen Zug und drückte die Kippe im Aschenbecher aus. „Heute Abend, Thomas.“ Meine Sehnsucht duldete keinen weiteren Aufschub.
Er nickte. „Okay. Ich bringe dich mit dem Wagen auf den Strich. Und ich hole dich auch wieder ab.“
Ein Gefühl der Befreiung durchfuhr mich. Ich stand auf, trat um den Tisch und beugte mich zu ihm hinunter. Meine Lippen trafen seine in einem langen, feuchten Kuss, der mehr war als nur der Abschied in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Er war eine Besiegelung unserer diabolischen Abmachung.
Kapitel 15: Die zweite Nacht als Nina
Der restliche Sonntag verging in einer merkwürdigen Mischung aus sich aufbauender Anspannung und überraschender Ruhe. Ich spürte das Kribbeln unter meiner Haut, das Wissen um das, was am Abend geschehen würde und ich ehrlich zugegeben kaum noch erwarten konnte, doch jede Zigarette, die ich rauchte, legte einen dünnen Schleier der Entspannung über meine Nerven. Der süßlich-herbe Geschmack des Tabaks war zu einem Anker geworden, einem vertrauten Helfer in dieser neuen, aufregenden Phase meines Lebens. Daneben versuchte ich, etwas zu relaxen und mich abzulenken, indem ich einen Kuchen backte sowie diverse Frauenzeitschriften und Hochglanzmagazine durchblätterte, die zu lesen ich in der vergangenen Woche keine Muße gefunden hatte. Thomas wiederum widmete sich seinen Hobbys und verhielt sich oberflächlich betrachtet wie immer, doch in seinen Blicken lag ein neues, aufmerksames Leuchten, eine unterschwellige Erregung, die mir nicht entging. Die Erkenntnis, mit einer – ich weiß nicht mehr genau, wo ich diesen Begriff aufgegabelt habe, doch er beschrieb exakt unsere aktuelle Situation – Hotwife verheiratet zu sein, dürfte ihm gefallen.
Als sich der Tag dem Abend zuneigte, begann ich meine erneute Verwandlung. Das Latexkleid samt zugehöriger Unterwäsche schmiegte sich an meinen Körper wie eine zweite Haut, die Strümpfe und Stiefel gaben mir Halt und eine neue Höhe. Die Goldkette legte sich schwer um meinen Hals, ein Kontrast, der die dekadente Rolle, die ich spielte, unterstrich. Von einem neuerlichen Bad hatte ich diesmal aus strategischen Gründen abgesehen und abermals von einer gründlichen Mundhygiene Abstand genommen, damit der Schmutz der Straße für jedermann wahrnehmbar an mir haftete. Ich lackierte meine Nägel nach, schminkte mich bewusst etwas markiger als am Freitag; meine Lippen leuchteten in einem kräftigen Pink, die Augen waren stark betont. Zuletzt besprühte ich mich wieder mit dem verruchten Jovan-Musk-Parfüm, sodass ich in ein schwüles, fast schon betäubendes Wölkchen seines dominanten, aufdringlichen Duftes gehüllt war. Als ich schließlich in den Spiegel blickte und das Resultat betrachtete, begegnete ich meinem um so vieles heißeren Alter Ego Nina, der perfekten Luxushure, wieder und bekam eine Gänsehaut, sobald ich voll realisierte, wie sehr dieses weibliche Geschöpf die lustgetriebene Männerwelt wohl aufgeilen musste.
Nachdem ich meine bereits vom vorigen Einsatz mit allen notwendigen Utensilien gefüllte schwarze Lackhandtasche mit zwei ungeöffneten Marlboro-Päckchen bestückt und um die rechte Schulter gehängt hatte, stolzierte ich auf der Wendeltreppe wie ein aus dem siebten Himmel auf die Erde herabkommender Liebesengel ins Foyer im Erdgeschoß, wo Thomas mich in ungeduldiger Vorfreude erwartete. Seine Augen weiteten sich extrem, als er mich schaute, und ein ausladendes, gieriges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Unglaublich, Elke“, keuchte er, schwer Luft holend, seine Stimme belegt, als liefe ihm das Wasser im Munde zusammen. „Du siehst ... umwerfend ... nein, was rede ich da für blödes Zeug, atemberaubend aus. Mir fehlen schlicht die Worte! Du wirst heute die ... gefragteste Edelnutte auf dem ganzen Strich sein. Ich beneide jetzt schon die drei Männer, die heute Abend das Vergnügen mit dir haben werden. Sie sind unfassbare Glückpilze.“ Als ich auf ihn zukam und er meine olfaktorische Signatur mit der aphrodisierenden Moschusnote vernahm, ergänzte er ehrfürchtig: „Du riechst ... phänomenal.“ Ich verkürzte die Distanz auf ein Minimum, hauchte ihm in seine Nase und konfrontierte ihn so mit meinem fauligen Raucheratem, einer regelrechten Nikotinfahne. „Und so ... real“, stammelte er, während sein Herz wie wild pochte. Seine Komplimente waren für mich Balsam. Ich fühlte mich nicht nur geschmeichelt, sondern auch bestätigt. In meinem Vorhaben. Und in meiner Wirkung auf mein zahlendes Klientel. Thomas’ Bewunderung war wie die letzte Legitimation für mein kühnes Unterfangen, welche ich noch gebraucht hatte und die mir absolute Sicherheit und Wohlbefinden gab, um mein Lampenfieber endgültig hinter mir zu lassen.
Gemeinsam stiegen wir in seinen schwarzen Mercedes. Die Fahrt verlief schweigsam und rascher als am Freitag. Dass ich währenddessen rauchte, verstand sich von selbst und war nicht mehr der Rede wert. Es herrschte weniger Verkehr, war auch schon etwas später; die Gasse am Stadtrand wirkte in der einbrechenden Dunkelheit noch anonymer. Thomas hielt den Wagen an der bekannten Nische, meinem Standplatz. Er drehte sich zu mir um; sein Blick war ernst, doch seine Hand, die meinen Arm berührte, war sanft. „Sei vorsichtig, Elke“, mahnte er leise. „Ich weiß, es ist dein Wunsch, und ich respektiere das. Aber wenn du dich dabei unwohl fühlst, wenn du einen Mann nicht magst oder ein schlechtes Gefühl bei der Sache hast – weise ihn ab. Du hast das Recht dazu. Ruf mich an. Ich werde in ein paar Straßen Entfernung warten. Ich bin gleich zur Stelle, wenn du abgeholt werden willst. Oder im Notfall, falls du meine Hilfe brauchst.“
Ich blickte ihn mit unschuldigen Augen an, eine Welle der Zärtlichkeit durchflutete mich. Trotz aller Risikobereitschaft und der unkonventionellen Vereinbarung zeigte sich hier Thomas’ Fürsorge, seine unverbrüchliche Liebe. „Danke, Thomas“, flüsterte ich, meine Stimme war weicher als die Ninas. „Das ist ... das ist wirklich lieb von dir. Es beruhigt mich sehr, zu wissen, dass du in der Nähe bist.“ Ich zog eine neue Zigarette aus meiner Packung und zündete sie an, nahm einen tiefen Zug.
Der Qualm flutete meine Lunge. Verabschiedet mit einem letzten, aufmunternden Nicken meines Mannes verließ ich die Karosse. Thomas fuhr langsam davon und verschwand in der Finsternis. Ich stand nun wieder allein da, die glimmende Marlboro Red zwischen meinen Fingern; der Rauch stieg träge in die frische Nachtluft. Das zugeführte Nikotin wirkte wie ein Weckruf, nun hellwach auf der Hut zu sein. Die Spannung, die ich gespürt hatte, verdichtete sich schlagartig zu purer Nervosität. Es war anders als am Freitag, als ich wusste, dass mein Thomas der einzige „Kunde“ sein würde. Diesmal war es die echte, die unvorhersehbare, die gewagte Realität, der ich mich stellte.
Mein Blick wanderte über den Strich und checkte die Umgebung. Andere Frauen standen bereits dort, neue Gesichter, die ich noch nicht gesehen hatte, teils noch auf ihr großes Glück wartend, manche bereits in geschäftige Verhandlungen mit ihren Interessenten vertieft. Gedämpfte Stimmen, einzelne schwer verständliche Wortfetzen und mitunter schrilles Gelächter drangen herüber, immer wieder unterbrochen vom fernen Summen herannahender Motoren. Unweit von mir hörte ich ein Pärchen in spe angeregt auf Russisch flirten und spitzte die Ohren, da ich die Sprache ein wenig verstand. Er, ein bulliger junger Mann mit Bart und Glatze im offenen Cabrio, sie eine zierliche, jedoch kurvig gebaute Brünette in knappen, rot schimmernden Hotpants, einem fast transparenten, dunklen Oberteil, mit unbedeckten Brüsten darunter, hauchdünnen, knielangen Nylonstrümpfen und hohen Pumps aus glänzendem Material, waren vom Akzent her offensichtlich beide Ukrainer, die es seit Ausbruch des Krieges in ihrer Heimat bei uns in der Stadt zuhauf gab. „U tebja bes preservativa moschna?“, erkundigte er sich höflich. „Koneschna!“, lächelte sie. Mir war auf Anhieb klar, dass sie gerade ungeschützten Verkehr paktierten. Soweit reichten meine Sprachkenntnisse aus einem vor Jahren absolvierten Volkshochschulkurs. Er wedelte mit ein paar grünen Scheinen, sie stieg zufrieden wirkend in sein schnittiges Gefährt ein und sie brausten zusammen ab und davon.
Ich zuckte kurz zusammen. So rasch und unkompliziert lief hier also der reale Deal. Ich überlegte kurz, ob auch ich an ihrer Stelle bei diesem Angebot, ohne zu zögern, mitgefahren wäre. Vermutlich schon. Der Mann hatte Stil, Courage und das nötige Kleingeld. Mir wurde bei diesem Gedanken heiß. War das nicht genau das Abenteuer, das ich suchte? Was ich eben beobachtet hatte, wirkte auf mich beinahe wie ein Appetizer. Jeder vorbeifahrende Wagen, der langsamer wurde, ließ mein Herz schneller schlagen. Die Mischung aus Hoffnung und Furcht in mir war überwältigend. Es war nicht die Angst vor der Gefahr, die mich zittern ließ, sondern die Sorge vor der Enttäuschung. Würde bald jemand bei mir halten? Und wenn ja, wer? Und was würde geschehen?
Kapitel 16: Der erste Kunde
Mit jeder weiteren Minute angespannten Wartens stieg die gefühlte Außentemperatur dieser Tropennacht im Mai. Meine kochende Stimmung näherte sich dem Siedepunkt und in mir brodelte es bereits gehörig. Die zweite Zigarette in Kette glühte zwischen meinen Fingern, als ein klappriger Kleinwagen die Gasse entlangschlich und genau vor mir zum Stehen kam. Das Seitenfenster surrte langsam herunter und ich spürte, wie ein Wechselbad der Gefühle mich durchfuhr, das stärker war, als jede Zigarette es hätte beruhigen können. Das äußere Erscheinungsbild des in die Jahre gekommenen Fahrzeugs verhieß nicht gerade jene exklusive Art Freier, die ich mir eigentlich erträumt hatte. Andererseits war das jetzt erst das erste von drei Dates und konnte immerhin einen soliden Anfang darstellen, redete ich mir die Lage schön. Ich schritt also betont elegant auf den Wagen zu, die Absätze meiner Stiefel klickten auf dem harten Asphalt.
Der Fahrer am Steuer war nicht das, was man attraktiv nennen würde, nicht der Mann, den ich im realen Leben als ungebundene Frau von mir aus angesprochen hätte, geschweige denn mit dem zu schlafen ich erpicht gewesen wäre. Sein Alter war schwer zu schätzen, wahrscheinlich Anfang 40; er hatte längere, strähnige Haare, trug unauffällige braune Kleidung, eine runde Brille, die seine kleinen Augen vergrößerte, und einen ungepflegten Bart mit ersten grau melierten Stellen, der sein Gesicht verdeckte. Doch sein Blick, als er mich musterte, war voller fast kindlicher Faszination.
„Hallo“, begann er schüchtern. „Mein Name ist Gerhard. Und du bist?“
„Nina“, erwiderte ich, meine Stimme war tief und selbstbewusst, ganz die Nina, die ich sein wollte. „Was führt dich zu mir, Gerhard?“
Er schluckte schwer. „Dein Anblick, Nina. Atemberaubend. Ich musste einfach anhalten ... denn mein kleiner Freund und ich möchten dich unbedingt haben.“ Er versuchte auf seine Art auszudrücken, wie erregend er mich fand. Ich beugte mich daher instinktiv durchs Fenster zu ihm in den Innenraum. Ein aggressiver Geruch von kaltem Schweiß und etwas Modrigem schlug mir entgegen – scharfer Mundgeruch, den ich trotz aller Professionalität unmöglich ignorieren konnte. Der Gestank wirkte wie eine kalte Dusche, die mich aus meinen romantischen Fantasien sofort auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Ein Schauder lief mir über den Rücken, aber ich bewahrte die Fassung.
„Nun, Gerhard“, setzte ich kühl fort, sog an meiner Kippe und blies den grauen Marlboro-Qualm gespielt theatralisch ins Wageninnere, um die Abluftglocke dort durch meine wesentlich angenehmere Rauchwolke etwas zu neutralisieren. Das Aufblitzen seiner Augen verriet mir, dass er diese Geste als bewusstes Manöver meinerseits auffasste, ihn für die kommende Verhandlung ein Stück weiter zu erotisieren. „Ich biete, was das Herz begehrt. Für 80 Euro blase ich dir einen, so wie du es magst. Für 150 gibt es den Standardservice, mit Gummi, versteht sich. Und wenn du den besonderen Nervenkitzel suchst, den echten Kick, dann haben wir noch die Extras. Oral ohne Gummi kostet 50 extra. Und für 400 Euro gibt’s den kompletten Tabulos-Service – da ist dann wirklich alles drin: Küssen, Abspritzen in die Pussy, meinen Mund oder ins Gesicht, wohin du auch willst ... so wie es dir gefällt – alles möglich, kein Schutz.“
Gerhard runzelte die Stirn. „Puh, Nina, du bist aber teuer. Ich hätte gern mehr, kann mir aber nur einen Blowjob leisten, aber den will ich ohne Gummi und mit Abspritzen im Mund.“ Er sah mich erwartungsvoll an: „Schluckst du auch?“
Ich schmunzelte keck. „Qualität hat ihren Preis, mein Lieber. Das Schlucken ... das gibt’s nur beim kompletten Tabulos-Service für 400 Euro.“
Gerhard seufzte, zögerte, als hätte es ihm die Sprache verschlagen. Seine Augen hafteten auf meinen Lippen. „Nein, das ist mir eindeutig zu viel. Der Blowjob ohne Gummi und im Mund, dafür reicht mein Budget. Das macht dann 130 Euro, richtig?“
Ich nickte. „Korrekt. 130 Euro.“ „Okay, steig ein, Nina. Der Platz an meiner Seite ist für dich frei.“, willigte Gerhard ein. Ich ließ den ausbrennenden Stummel in meiner Hand achtlos zu Boden fallen, öffnete die Seitentür, zwängte mich in die mickrige Kabine hinein und nahm an dem für meine Statur eindeutig unterdimensionierten Beifahrersitz Platz. Er kramte ein Bündel zerknitterter Banknoten aus seiner Hosentasche, zählte den Betrag, auf den wir uns verständigt hatten, ab und steckte einen übrig gebliebenen Zehner wieder ein.
Dann überreichte er mir die Scheine, ich zählte sie sorgfältig nach und ließ den Stapel in meiner glänzenden Handtasche verschwinden. Mein erster richtiger Hurenlohn. Selbst verdientes Geld, das nicht von Thomas stammte. Ein kleiner Sieg. Ich hatte mich beim Feilschen nicht zu einem Mitleidsrabatt erweichen lassen und zwar nicht den höchsten, aber auch nicht den niedrigsten Preis erzielt. Gleichwohl empfand ich den erlangten Aufschlag für Naturfranzösisch nicht als glamourös, eher als Pyrrhussieg, angesichts der katastrophalen hygienischen Verhältnisse meines Kunden, die sich auch in seinem Wagen widerspiegelten. Er war eng, wirkte unaufgeräumt und roch muffig. Ein Gefühl von Beklemmung überkam mich, als wir losfuhren, doch ich unterdrückte es.
„Ganz in der Nähe gibt es einen Parkplatz, da können wir ...“, begann ich ihn zu dirigieren. „Ich weiß“, unterbrach er mich. „Ich fahre schon dorthin.“ „Du kennst dich aus, Gerhard. Kommst wohl öfter her?“, versuchte ich ein kurzes Gespräch zu initiieren, um die Atmosphäre etwas aufzulockern und die Fahrtzeit mit ein wenig Small Talk zu überbrücken.
„Nicht regelmäßig, nur gelegentlich, wenn für mich als Single-Mann der sexuelle Druck zu stark wird und ich einmal kräftig Dampf ablassen muss“, gab er unumwunden zu und gewährte mir einen sehr persönlichen Einblick in sein Seelenleben: „Das ist heute nach einer 24-Stunden-Wochenendschicht im Krankenhaus, von der ich gerade komme, wieder mal der Fall. Mein sexuelles Verlangen war nicht mehr auszuhalten, als ich die jungen osteuropäischen Schwestern auf der Station mit ihren prallen Busen und fetten Ärschen unter den weißen Kitteln lustvoll beobachtete und sie in einer Dienstpause liebend gern an Ort und Stelle hart durchgefickt hätte. Aber die sind nur auf die Ärzte aus, die sie am liebsten sofort heiraten würden. Und legen es notfalls darauf an, sich bei einer schnellen Nummer in der Abstellkammer auf der Pritsche von diesen schwängern zu lassen, damit diese der Eheschließung dann nicht mehr auskommen können. Aber ich bin nur ein kleiner Krankenpfleger und für sie somit nicht von Interesse.“
Ich hörte zu, wie er sich seinen Frust von der Seele sprach, und erinnerte mich, irgendwo gelesen zu haben, dass Prostituierte nicht nur Sexarbeiterinnen, sondern auch Therapeutinnen seien. „Aber du, Nina, bist viel hübscher und begehrenswerter als alle diese Weibsbilder in der Klinik“, machte er mir ein ehrlich gemeintes Kompliment, das aus dem Munde dieses Mannes zu vernehmen ich gerne verzichtet hätte, denn seine Halitosis war allgegenwärtig, und strich mir mit seiner Hand sanft, fast verliebt über den Oberschenkel. Ich schob den Gedanken an den Ekel beiseite und konzentrierte mich auf die Rolle. Ich würde es tun. Ich würde ihm das geben, wofür er bezahlt hatte. Nicht mehr und nicht weniger. Die Grenze war überschritten und das Spiel hatte begonnen.
Kaum waren wir am Parkplatz angekommen und hatte er den Motor abgestellt, schritt ich zur Aktion und setzte erneut die Maske der lächelnden Verführerin auf, denn das erschien der erfolgversprechendste Weg zu sein, um den Job effizient durchzuziehen und rasch ans Ziel zu gelangen. „Bist du bereit, Gerhard?“, fragte ich mit einem Unterton, der ihm beide Augen verdrehte. Er nickte hastig und knipste die Innenbeleuchtung an. Wir schoben unsere Sitze bis zur Rückbank nach hinten, sodass wir etwas mehr Platz hatten, unser Geschäft zu verrichten. Ich öffnete seine Stoffhose und zog auch seine Shorts gerade so weit runter wie notwendig. Sein Gewand war stark verschwitzt, seine Intimbehaarung wild verwachsen, sein Glied komplett erigiert. Ich beugte mich unter akrobatischem Einsatz so über ihn, dass sein Penis in meinen Mund glitt. Der ihm anhaftende Laugengeschmack war widerwärtig und ich musste dagegen ankämpfen, mich gleich zu übergeben. Irgendwie gelang es mir, die empfundene tiefe Abscheu herunterzuwürgen und auf Überlebensmodus zu schalten. Er schnaufte laut. Meine Lippen und meine Zunge taten ihr Möglichstes, ihn schnurstracks zur Ejakulation zu bringen, während meine großen Augen mit einem hypnotischen Blick zu ihm nach oben gerichtet das ihrige taten, um dies weiter zu beschleunigen. Tatsächlich baute sich in ihm rasch ein Orgasmus auf und er ergoss sich in mir. Ich schenkte ihm ein leichtes Lächeln, das er für Zärtlichkeit hielt, das in Wahrheit aber allein der puren Erleichterung entsprang, es endlich hinter mich gebracht zu haben. Ich drehte mich zur Beifahrertür, klappte sie einen Spalt weit auf und spuckte den klebrigen Auswurf auf den Schotter. Danach wandte ich mich wieder meinem Freier zu und strich ihm mit meinen Fingern über die Wange: „Braver Junge.“ Ich konnte förmlich fühlen, wie er Sterne sah und Posaunen hörte.
Während er sich seine Hose richtete, machte ich mich meinerseits wieder ein wenig zurecht, indem ich mit einem Taschentuch meinen Mund säuberte, etwas neuen Lippenstift auftrug und meinen Körper mit dem Jovan-Musk-Fläschchen nachparfümierte. Gerhard brachte mich auf meinen Wunsch direkt in die Einzingergasse zurück, wobei wir auf der Rückfahrt nur noch ein paar Belanglosigkeiten wechselten. Er bedankte sich für das, was er „gerade wirklich dringendst gebraucht hatte“, schwärmte von meinem süßen Duft und bemerkte nebenbei, ihm seien an meinen Fingerkuppen die gelben Verfärbungen nicht entgangen, als ich ihm am Ende kurz übers Gesicht gestreichelt hatte. Er kenne das von seinen Angehimmelten im Spital und wisse daher, dass ich starke Raucherin sei. Ich gestand ihm, dass er absolut richtiglag und ich mich schon auf meine erste Zigarette an der frischen Luft freute. Er setzte mich an der Stelle ab, wo er mich aufgegabelt hatte. Ich war wieder allein, aber nicht mehr dieselbe.
Kapitel 17: Achmet – Ein Geschäft mit dem Risiko
Ich holte mühsam Luft. Ich hatte eben unter schwierigsten Voraussetzungen meine Feuertaufe am Strich bestanden, aber auch meine Unschuld verloren. Mir war übel, die neu entzündete Zigarette zwischen meinen verfärbten Fingern schien ihren Rauch ins Nichts zu verlieren. Das Erlebnis mit Gerhard haftete an mir, nicht als der erwartete Adrenalinkick, die erhoffte ultimative Befriedigung meiner sexuellen Begierden oder schlicht das Gefühl der Macht, sondern als ein kalter, widerlicher Nachgeschmack an meinem Gaumen, den ich nur allzu gerne mit etwas Mundwasser weggespült hätte, das ich jedoch einzupacken vergessen hatte, sodass ich mich bemühte, ihn behelfsmäßig mit viel Nikotin zu übertönen. Ich musste laut furzen. Es war nicht erhaben, nicht aufregend, einfach nur abstoßend. Die Enge des Wagens, der Mundgeruch, die Hast – all das hatte nichts mit einem Hochglanzporno zu tun. Die 130 Euro in meiner Tasche waren immerhin eine kleine, wenn auch als viel zu niedrig empfundene Entschädigung für das erlittene Ungemach. Die innere Gewissheit, dass es nach diesem Fiasko nur noch aufwärtsgehen konnte, ließ mich entschlossen weitermachen. Drei Kunden hatte ich mir mit Thomas ausbedungen. Erst einer war abgehakt. Zwei weitere warteten noch auf mich. Die Chance auf das große Los – sie lebte!
Ich atmete tief durch, straffte meine Schultern, entspannte, blies den Rauch langsam aus und versuchte, so gut es ging, die Episode mit Gerhard aus meinem Gedächtnis zu verdrängen. Meine Augen scannten die Straße, als ein dunkler BMW mit geringer Geschwindigkeit heranrollte, ganz so, als würde er die Rotlichtmeile auf der Suche nach der passenden weiblichen Begleitung auskundschaften. Die Lichter der Straßenlaternen spiegelten sich im sauber polierten Lack und meine Hoffnung auf einen finanziell potenteren Kunden und damit verbunden auch eine umso prickelndere Begegnung keimte plötzlich wieder auf, sollte ich seine Auserwählte werden. Und tatsächlich hielt das Luxusgefährt direkt vor meiner Nase und die Fensterscheibe auf der Beifahrerseite senkte sich sanft. Ein unmissverständliches Zeichen, an mir interessiert zu sein, und eine explizite Einladung, den Flirt zu eröffnen und die Verhandlung zu beginnen. Mein Herz pochte aufgeregt. Ich hatte die erste Runde in diesem Schönheitswettbewerb für mich entschieden, obgleich ich meine unmittelbaren Konkurrentinnen aufgrund meines Tunnelblicks gar nicht wahrgenommen hatte.
Hurtig entledigte ich mich meiner Zigarette, richtete mir mit einem Handgriff reflexartig mein Haar, ließ das ausgestoßene Giftwölkchen hinter mir und begab mich mit federndem Schritt zum geöffneten Fenster. Ein verlockendes Lächeln spielte auf meinen pinken Lippen, als ich mich hinunterbeugte. Ich fühlte, wie die Motivation zurückkehrte, die Rolle der verführerischen Nina wieder vollständig zu übernehmen, und war gespannt, wer im Fahrzeug auf mich wartete. „Hallo, mein Lieber! Ich bin Nina. Du bist bei mir goldrichtig, wenn du was ganz Spezielles suchst. Ich erfülle dir deine geheimsten Wünsche“, machte ich ihm bereits mit dieser lasziven Begrüßung Lust, an meiner Angel anzubeißen, und wagte vorsichtig einen ersten Blick nach innen.
Drinnen saß ein großer, schlanker Mann um die 30. Und bei Gott nicht irgendeiner! Er wirkte – ohne dass ich übertreibe – wie ein mediterraner Dressman aus einem dieser hochwertigen Modemagazine. Sein südländisches Aussehen war markant: tiefschwarzes Haar, in einer vollen, sorgfältig gestylten Tolle nach hinten gekämmt, die selbst in dieser finsteren Beleuchtung Vitalität ausstrahlte. Seine Haut war fein gebräunt, ein leichter Bartschatten umspielte sein Kinn und verlieh ihm eine rohe, maskuline Attraktivität.
Er trug eine fesche, offene schwarze Biker-Lederjacke über einem makellosen weißen T-Shirt, dazu Denim-Markenjeans mit einem breiten Gürtel aus braunem Leder. Seine Hände waren gepflegt, aber kräftig; die eine ruhte lässig auf dem Lenkrad, die andere hielt eine glühende Zigarette, die er gerade am Autoaschenbecher abstreifte. Kleine Rauchschwaden kringelten sich in der wohltemperierten, angenehm kühlen Luft, tanzten in schwereloser Leichtigkeit um seinen Kopf und vermischten sich mit dem Duft eines teuren Herrenparfüms. Seine Augen, dunkel und intensiv, musterten mich offen.
Mein Atem stockte. Wow! Dieser Typ war jenseits all dessen, von dem ich in meinen kühnsten Fantasien je geträumt hatte. Einfach zu perfekt, um wahr zu sein! Eigentlich hätte ich ihn für den Sex bezahlen müssen, nicht er mich. Und doch war ich nun in dieser fantastischen Position. Dieser Freier durfte mir nicht durch die Lappen gehen oder sich wie Gerhard mit einem simplen Oralverkehr zufriedengeben. Das schrie in meinem Herzen förmlich nach dem vollen Programm und verlangte definitiv den Verzicht auf die Verwendung jeglichen Kondoms, sodass ich seine pure Männlichkeit ungefiltert spüren konnte. Dass mich dieses Vergnügen ganz nebenbei um 400 Euro reicher machen würde, spielte in diesem Augenblick nur noch eine untergeordnete Rolle. „Bitte lass ihn den kompletten Tabulos-Service wählen und mich, Nina, durch diese Begegnung zur Edelnutte adeln“, betete ich im Stillen.
„Achmet“, stellte er sich vor; seine Stimme, tief und sanft, holte mich aus der Trance. „Sehr angenehm, deine Bekanntschaft zu machen“, strahlte ich.
„Du bist Österreicherin, Nina, nicht wahr?“
„Ja, eine waschechte sogar“, bestätigte ich selbstbewusst, nicht ohne Stolz.
Ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. „Toll! Endlich mal keine Ausländerin. Hier auf der Straße stehen sonst so viele Mädchen aus dem Osten, Frauen, die kaum ein Wort Deutsch verstehen oder nur gebrochen Englisch sprechen. Bei dir ist das anders. Man kann sich mit dir wunderbar unterhalten.“ Ich fühlte mich geschmeichelt und antwortete mit einem Augenzwinkern. „Ich bin zwar, wie unschwer zu erkennen ist, türkischer Abstammung, aber hier geboren und ebenfalls ein echter Österreicher“, setzte er fort. „Wir werden uns ausgezeichnet verstehen“, flirtete ich zurück.
„Davon bin ich überzeugt, Nina.“ Er lachte leise, ein dunkler, vibrierender Ton. „Dein Selbstbewusstsein gefällt mir. Ist extrem sexy. Ebenso wie dein Latexkleid. Du bist mir schon aus der Ferne aufgefallen und ich wusste, dass du was ganz Besonderes bist.“ Ich erwiderte das Kompliment mit einem süßen Grinsen. „Zeig mir deine Titten!“, schoss er plötzlich hervor. Im Nu war der Reißverschluss meiner Rüstung geöffnet und meine XL-Brüste quollen hervor. Ich sah, wie sein Adlerblick immer intensiver wurde und er sein Verlangen kaum noch beherrschen konnte. „Darf ich sie berühren?“, fragte er höflich, aber fordernd. Ich öffnete die Beifahrertür und beugte mich zu ihm hinein. Er nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette, drückte sie im Aschenbecher aus und tastete über meinen gut gefüllten Latex-BH. „Das kannst du alles haben“, gab ich ihm ein flüsterndes Versprechen, „ich werde dich heute Abend rundum glücklich machen.“
„Dessen bin ich gewiss.“, stöhnte er leicht. „Da wäre nur eine kleine Sache, ein winziges Detail, das ich vorab klären möchte“, hakte er nach. „Und das wäre?“, erkundigte ich mich neugierig. „Kein Plastik, keine Spielchen – ich will die echte Frau spüren. Du verstehst, was ich meine?“
Mich traf es wie der Blitz aus heiterem Himmel. Das war kein Zufall mehr, sondern Vorsehung. Ein Zeichen, einfach Bestimmung! Wir waren uns beide auf Anhieb sympathisch, ja voneinander fasziniert und erregt, beide starke Raucher ganz nebenbei, unterhielten uns prächtig und jetzt wollte er mich von sich aus ohne Barriere nehmen, noch bevor ich dafür die Werbetrommel gerührt hatte. Alles, was ich mir insgeheim gewünscht und heimlich ersehnt hatte, kam nun genau so, wie es von Anfang an für mich vorherbestimmt war.
Ich lehnte mich noch ein Stück zu ihm hinein, sodass er mein schwülstiges Parfüm und vielleicht auch den Hauch von Tabak in meinem Atem wahrnehmen konnte, ließ meine Finger über das kühle Leder seines Sitzes gleiten und sah ihm tief in seine dunklen Augen: „Ich verstehe absolut, was du suchst, Achmet. Das volle Programm. Haut auf Haut. Keine Tabus. Und das ist alles kein Problem, wenn der Preis stimmt.“
„Was muss ich investieren?“, wechselte er vom leidenschaftlichen Lover zum coolen Geschäftsmann.
„Für den Genießer-Gentleman biete ich meinen Premium-Service. Der kostet 400 Euro und inkludiert sämtliche Extras, alles, was dein Männerherz begehrt. Ich werde dir, wenn du dich dafür entscheidest, ein Erlebnis bieten, das du so schnell nicht vergessen wirst.“
Achmet lauschte aufmerksam und seine Augen weiteten sich mit jedem meiner Worte.
„Das klingt wirklich interessant – und sehr vielversprechend. Ist wirklich alles ohne Gummi?“, fragte er nach, als ich fertig war. „Ich möchte nämlich keinesfalls, dass dieses verlockende Erlebnis, das du eben beschrieben hast, dieser Nervenkitzel, durch einen ... noch so hauchdünnen Fremdkörper beeinträchtigt und in seiner lusterfüllenden Wirkung gemindert wird.“
„Absolut“, bestätigte ich in einem fast konspirativen Flüstern, das nur für sein Ohr bestimmt war. „Das ist der Sinn der Sache. Kein Schutz, volles Vergnügen, absoluter Genuss. Alles ohne – das A und O für den anspruchsvollen Gentleman. Purer Nervenkitzel“, hatte ich aus dem Wortschatz, den ich im Internet aufgegriffen hatte, spontan einen neuen Slogan zusammengereimt, der ihn nicht kaltließ.
Er nickte. „Okay, wir haben einen Deal. Steig ein, Nina.“ Ich setzte mich in den BMW. Sein Innenraum war geräumig, gepflegt, sauber, die Sitzgarnitur weich, mit edlem Leder überzogen, die Luft jedoch naturgemäß etwas verraucht. Achmet zückte seine dicke Brieftasche und reichte mir, ohne zu zögern, vier 100-Euro-Scheine, die ich sogleich einsteckte. Ein deutlich besseres Gefühl als die 130 Euro vorhin. Ich schloss die Tür und eine angenehme Stille legte sich über uns.
„Zum Parkplatz, wie gehabt?“, fragte ich, doch Achmet schüttelte den Kopf. „Nein, ich hab da was Besseres vor.“ Er griff mit einer eleganten Bewegung in seine Brusttasche, holte seine Zigaretten hervor und zündete sich eine davon an. Es war meine Marke – eine weitere Gemeinsamkeit, die uns wie ein unsichtbares Band vereinte. Er fuhr los, bog aber nicht in Richtung des bekannten Parkplatzes ab. Ich reklamierte mein Recht mitzurauchen und gab offen zu: „Ich bin leidenschaftliche Raucherin wie du. Wir stehen beide auf dieselbe Sorte, wissen, was gut ist.“ „Ich rauche, seit ich 15 bin. Das gehört bei uns in Anatolien einfach dazu“, gab er von sich preis.
Er hielt mir seine Packung hin, während er mit der anderen Hand den BMW souverän durch die Nacht navigierte. Als ich mir eine herauszog und er mir Feuer gab, erhellte die Flamme für einen kurzen Moment sein Gesicht. Der erste tiefe Lungenzug war nach der Anspannung wie eine Erlösung und zugleich meine persönliche Belohnung, dass ich alles richtig gemacht hatte und daher an seiner Seite in seinem flotten Schlitten unterwegs war. Wir saßen dort auf feinstem Leder, eingehüllt in den vertrauten blauen Dunst unserer gemeinsamen Passion, während die Lichter der Stadt an uns vorbeizogen wie eine verschwommene Kulisse.
„Wohin fahren wir eigentlich?“, wollte ich wissen. „Ich bin Jungunternehmer“, begann er unvermittelt zu erzählen, seine Stimme war offen und ungeniert. „Ich hab nicht weit von hier mein eigenes, auf Türkeireisen spezialisiertes Reisebüro. Da gibt’s Räumlichkeiten, die um diese Uhrzeit leer stehen. Die passen perfekt für uns.“ Er grinste und zuckte die Achseln. „Zu Hause hab ich eine türkische Frau und fünf kleine Kinder. Da läuft sexuell schon lange gar nichts mehr, auch weil ich keinen weiteren Nachwuchs mehr in die Welt setzen möchte. Aber ich ficke für mein Leben gern, prinzipiell nur ohne Gummi. Deswegen bin ich auch bereit, dafür ordentlich zu zahlen. Das ist viel diskreter als eine Affäre. Bei einer Prostituierten kann ich anders als bei einer Geliebten sicher sein, dass das nie rauskommt. Ich weiß auch, wo ich die passenden Nutten finde, die das für mich machen. Es ist allgemein bekannt, dass es am Floridsdorfer Straßenstrich eine ganze Menge gibt, die es einem gegen Aufpreis ohne Schutz besorgen. Daher komme ich immer wieder gerne hierher. Außerdem besuche ich die einschlägigen Etablissements, das La Chica in der Linzer Straße, die Relax Lounge, das La Passion und wie sie alle heißen, du weißt schon. Dazu einige Independent Escorts, wenn ich beruflich in der Türkei zu tun habe. In der Regel gehe ich einmal wöchentlich aus, ohne dass meine Frau etwas davon weiß. Und das soll auch in Zukunft weiter so bleiben.“
Ich hörte zu, fasziniert und zugleich schockiert über den heimlichen Ehebruch, aus dem er keinen Hehl machte, und zutiefst beunruhigt über die Häufigkeit seiner sexuellen Kontakte, mit der er prahlte. Seine Offenheit, sein Charme, seine südländische Aura, sein perfektes Äußeres, seine durch intensiven Tabakgeruch und teures Parfüm verkörperte ungezähmte Männlichkeit – all das übte eine enorme Anziehungskraft auf mich aus. Doch seine Praxis, seine totale Freiheit ohne Schutz so ungezügelt auszuleben, bereitete mir ernsthafte Sorgen. Ob er sich um seine Gesundheit kümmerte, regelmäßig testete, wagte ich nicht zu fragen. Das gehörte sich in meiner Position nicht und die Antwort konnte ich mir denken. Es war ein Risiko, das ich jetzt bewusst einging, aber auch wollte.
Trotz meiner Bedenken sah ich in Achmet das Versprechen eines unerreichbaren Liebhabers, auf den ich ein Leben lang gewartet hatte und der mich auf eine ganz neue Weise reizte. Er war das exakte Gegenteil von Gerhard und spielte selbst in einer anderen Liga als Thomas, mein Mann. Er war jung, ungemein attraktiv, selbstbewusst, direkt und bereit, für das zu zahlen, was er wollte. Das war genau die Art von Macht, die Nina suchte.
Nach wenigen Minuten hielt Achmet vor einem unscheinbaren Gebäude mit einem Leuchtreklameschild, das ein stilisiertes Flugzeug zeigte: seinem Reisebüro. Wir verließen seinen Wagen, er schloss auf und wir betraten einen großen, modernen Repräsentationsraum, in dem nur einige Ledersofas samt filigranem Couchtischchen in der Mitte und ein massiver Schreibtisch im hinteren Bereich standen. Die Jalousien waren zugezogen, die Lichter gedimmt und die Stille des leeren Büros verbreitete eine fast schon intime Atmosphäre. Mein Gastgeber deutete auf die Sofas. „Hier haben wir mehr Platz und es ist weit bequemer als im Auto, nicht wahr? Such dir aus, wo du dich am wohlsten fühlst.“ Er lächelte breit, seine Augen glühten im Halbdunkel.
Kapitel 18: Die ultimative Grenzüberschreitung
Der gediegen eingerichtete Raum, der gedämpfte Schein der Lichter sowie Achmets physische Anziehung und sein galantes Auftreten ließen meine berechtigten Bedenken vorerst zur Seite rücken. Hier, in diesem ungewöhnlichen, aber doch diskreten Ambiente, erlebte ich eine neue Art von Erregung, die es in diesem Augenblick erst einmal zu genießen galt, ohne lange nachzudenken. Achmet trat auf mich zu, seine dunklen Augen leuchteten. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, legte er seine Hände an meine Hüften und zog mich fest an sich. Unsere Lippen trafen sich in einem tiefen, leidenschaftlichen Kuss, wie ich ihn zuvor nie erlebt hatte.
Ich spürte sofort den strengen Geschmack von Tabak auf seinen Lippen, viel eindringlicher, als ich es von mir selbst kannte. Es war das erste Mal, dass ich einen Raucher – und einen starken gleich dazu – küsste, und merkwürdigerweise war das damit verbundene sensorische Erlebnis nur ein wenig gewöhnungsbedürftig, nicht abstoßend, so wie viele Frauen, auch Freundinnen von mir, davon angeekelt in Erzählungen berichteten (Sätze wie „So verliebt kannst du in den Kerl gar nicht sein, dass du auf diese Art von Zärtlichkeit nicht besser getrost verzichtest.“ hallten in meiner Erinnerung), sondern trug zum Reiz des Fremden bei, den mein neuer Lover verkörperte. Alles an ihm war Teil des Pakets, Teil des Tabus, das ich zu erkunden bereit war. Und sein Mund, diese unwirtliche Höhle mit einer kratzigen Zunge rau wie Schmirgelpapier und einem heißem Atem, der dem Konsum einer ungefilterten Zigarette glich, war erst der Anfang. Der Kuss war feucht und von seiner Seite extrem fordernd; ich erwiderte ihn mit einer Intensität, die mich selbst überraschte. Die Goldkette um meinen Hals kühlte meine Haut, während ich innerlich brannte, als Achmets Hände meine Kurven ohne noble Zurückhaltung gierig begrapschten, seine Finger sich tief in meinem Fleisch vergruben.
Auf einmal löste er sich unvermittelt von mir, seine Augen glänzten, sein Mund war klitschnass und mit den Resten meines Lippenstiftes versehen. Er zog ein weißes Stofftaschentuch mit seinem Monogramm aus der Hosentasche und wischte sich ab. „Möchtest du einen Raki, Nina?“, switchte er wieder ganz zum Gentleman und deutete auf eine kleine Bar in der Ecke des Raumes, die mir bislang entgangen war. „Wir haben ja eine Stunde Zeit. Lass uns das Programm durchsprechen.“
Ich nickte. Ein Raki schien in diesem Moment genau das Richtige zu sein, um meine Nerven nach der fulminanten Ouvertüre wieder zu beruhigen und die Atmosphäre weiter zu verdichten. Achmet goss uns zwei Gläser ein, fügte einen Schuss Wasser hinzu, bis die klare Flüssigkeit sich milchig eintrübte, und reichte mir eines. Der Anisgeruch stieg mir in die Nase. Wir setzten uns auf die Couch; mein latexumhüllter Po rieb sich quietschend auf dem Leder. Mein Gastgeber fasste in die Innentasche seiner Bikerjacke, holte seine Raucherausrüstung hervor und bot mir erneut eine Zigarette an, die ich mit einem Lächeln dankend annahm. Am Tischchen zu unserer Seite standen unbenutzte Aschenbecher parat. Wir stießen mit dem Raki in der einen und unserer glimmenden Marlboro in der anderen Hand an und genossen beide den Augenblick der entspannten Zweisamkeit.
„Also, Nina“, fuhr Achmet fort, „ich zahle dir die 400 Euro für den tabulosen Service gerne. Aber ich muss dir gleich sagen, ich hätte es gerne etwas ... griechisch, zwischen oral und vaginal.“
Ich verstand sofort, was er meinte. Analverkehr! Ein kalter Schauder lief mir über den Rücken und das eben genommene scharfe Schlückchen blieb mir bildlich im Halse stecken. Das hatte ich noch nie gemacht, nicht einmal mit Thomas. Ich wusste aus Gesprächen und Recherchen, dass es schmerzhaft sein konnte, besonders beim ersten Mal. Und im Zuge meiner Auseinandersetzung mit dem Rotlichtmilieu hatte ich ebenfalls erfahren, dass etliche, selbst hoch bezahlte Sexarbeiterinnen diese riskante Praktik aus den bekannten Gründen einfach nicht in ihrem Repertoire führten. Meine sorgfältig aufgebaute Fassade bekam Risse. Ich zögerte, ein Moment des Unglaubens, des inneren Widerstands, spiegelte sich in meinen Augen.
Achmet, scharfsinnig und erfahren, spürte meine Unsicherheit sofort. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, ein Lächeln, das sowohl Verständnis als auch unerbittliche Entschlossenheit ausdrückte. Ohne sich auf eine Diskussion einzulassen, zückte er seine Brieftasche und zog einen weiteren 100-Euro-Schein hervor, den er mir auf den Tisch legte. „So, Nina. Jetzt ist alles klar, oder? Auf Anal verzichte ich nie. Und das natürlich auch ohne Kondom. Bei deinem fetten Traumarsch, auf den ich schon die ganze Zeit gaffe, wäre das ein unverzeihliches Sakrileg. Ich hatte mal eine Mollige in Istanbul, die ähnlich gut gebaut war wie du. Ich werde das nie vergessen. Phänomenal, dieses Erlebnis.“
Der Anblick des zusätzlichen Geldes, der unmissverständlich fordernde Ton, mit dem er seinem Wunsch Nachdruck verlieh, und die klare Ansage, dass dies eine nicht verhandelbare Bedingung war, rissen mich aus meinem Zögern. 500 Euro. Für die knapp 60 Minuten, die ich mit ihm zusammen verbrachte. Das war eine ungeahnte Summe. Sie verstärkte das Gefühl von Macht, das ich mir von meinem Einsatz erhofft hatte. Die Angst vor dem Schmerz und die Bedenken bezüglich der Hygiene verblassten für einen Moment im Angesicht dieser neuen, extremen Herausforderung. Waren es nicht gerade meine Offenheit gegenüber dem Neuem und der Mut, in sexueller Hinsicht festgefahrene Routinen zu verlassen, die mich in den vergangenen Tagen unvergleichlich reich belohnt hatten? Warum also nicht auch diesen nächsten, den finalen Schritt wagen und weiter wachsen? Wann, wenn nicht jetzt, wo mein Engagement als Nina auf eine einzige, die heutige Nacht beschränkt war und sich eine solche Gelegenheit wohl kaum jemals mehr bieten würde?
Ich nahm einen ausgiebigen Schluck Raki, spürte die Wärme, die sich vom Rachen über die Speiseröhre bis in meinen Magen ausbreitete. „Einverstanden, Achmet“, erklärte ich; meine Stimme klang fester, als ich mich tatsächlich fühlte.
Achmet lächelte zufrieden. Er machte seine Zigarette im Aschenbecher aus und zog mich behutsam an sich, wobei mir gerade noch genügend Zeit blieb, meinerseits Spirituose und Kippe abzulegen. Kaum waren meine Hände frei, pressten sich unsere Körper mit neuer Wucht aneinander. Er ging nach kurzem, aber heftigem Knutschen dazu über, mich langsam meines Latexgewandes zu entkleiden. Das glatte Material glitt von meiner Haut; das leise Zischen, mit dem er mich wie ein Weihnachtspäckchen enthüllte, war das einzige Geräusch im leeren Büro, während seine Augen meine Formen verschlangen. Er streifte zuletzt auch meine kühl glänzende Unterwäsche ab, die sich wie eine zweite, ebenso geschmeidige Haut an meine Rundungen schmiegte, sodass ich nun bis auf Stiefel und Strümpfe nackt vor ihm stand.
Sodann kniete er vor mir nieder und begann, mich oral zu verwöhnen – betont sanft, ganz so, als wolle er mich als geübter Verehrer für mein Ja zum harten Analverkehr nicht nur materiell beschenken, sondern sich auch mit dieser fast andächtigen Hingebung revanchieren. Seine Zunge wanderte über meinen Bauch, meine Schenkel und schließlich über meine Schamlippen, bis sie meine Klitoris erreichte und diese nach allen Regeln der Kunst gekonnt bespielte. Ich stöhnte kraftvoll und spürte, wie die nervöse Erwartung einer pulsierenden, unaufhaltsamen Lust wich.
Nachdem er mich ergiebig geleckt und seinen Part erfüllt hatte, war ich an der Reihe, ihm einen derart meisterhaft zu blasen, dass ihm Hören und Sehen verging. Rasch hatten wir ihn in einer konzertierten Aktion von den Fesseln seiner Kleidung befreit. Nun ging ich im Gegenzug vor ihm in die Knie und nahm seinen Penis in meinen Mund, meine Lippen umklammerten ihn und ich legte voll los. Das eigentümliche Aroma des männlichen Geschlechtsorgans war mir inzwischen vertraut und irritierte mich jetzt nicht mehr sonderlich, zumal Achmets bestes Stück sauber und damit weniger unappetitlich als jenes bei meinem letzten Auftrag wirkte. Ich hatte in puncto französisches Liebesspiel bei Thomas und Gerhard bereits die technische Routine entwickelt, die ich nun zur Perfektion führte. Tatsächlich gelang es mir mit flinker Zunge, den Schwanz meines Freiers binnen kurzer Zeit so zu stimulieren, dass er zu ungeahnter Größe anschwoll und beachtliche Härte erlangte. Er ächzte laut auf, ein abgründiges, gutturales Geräusch, das an den Wänden wie ein Echo in den Bergen widerhallte und deutlich machte, wie befriedigend für ihn diese Behandlung war.
Der tiefe Bassklang in seiner Kehle ebbte allmählich ab, doch die Spannung im Raum blieb zum Zerreißen geladen. Achmet verharrte noch einen winzigen Augenblick in dieser Position, die Finger fest in mein Haar gebohrt, als müsse er sich erst wieder sammeln, bevor er den nächsten Schritt tat. Dann lockerte er seinen Griff. Mit einer langsamen, fast schon herrischen Bewegung legte er seine Hände an meine Wangen und drückte meinen Kopf sachte, aber bestimmt ein Stück zurück, um sich von mir zu lösen, während ich noch immer vor ihm knieend verharrte und von seiner vollen Körpergröße beeindruckt zu ihm aufblickte. Der Glanz meines Lippenstiftes haftete an seinem Glied wie eine Reviermarkierung. Sein Atem ging stoßweise, als er dies bemerkte, und in seinen finsteren Pupillen spiegelte sich eine raue, ungeschminkte Gier wider, die keinen Raum mehr für höfliche Floskeln ließ.
Stattdessen forderte er mich mit einem Fingerwink befehlsartig auf, mich unverzüglich zu erheben, packte zu und drehte mich Richtung Couch. Ich kapierte, was nun anstand, fügte mich hörig der stummen Anweisung und beugte mich über das Ledersofa; meine Nerven lagen blank, meine Hände krallten sich in das weiche Material, meine Gesäßmuskeln spannten sich unwillkürlich an. Ich wusste nicht, was schlimmer wäre: der kommende Stich oder die Angst davor. Achmet strich über meinen Rücken, dann über meinen Hintern. Ich hörte das nasse Klatschen, als er in seine Hände spuckte, den Speichel auf seinen Fingern verteilte, und spürte kurz darauf, wie er meinen Anus mit geübten Griffen vorbereitete.
In meinem Kopf blitzte die Erinnerung an die kleine Tube Gleitgel auf, die ich im Zuge meiner Vorbereitung angeschafft hatte, welche die gesamte Prozedur für mich nun etwas erträglicher gestalten würde. Doch ich war noch ein paar Sekunden wie gelähmt, unfähig, den Fluss zu unterbrechen und Achmets rücksichtslosen Rhythmus zu stören, ehe ich artikulierte: „In meiner Handtasche befindet sich Gleitmittel.“ „Du bist auch so bereit“, entgegnete er kalt. „Das ist für uns beide viel angenehmer mit, glaub mir“, beharrte ich und setzte mich durch. Er hatte es rasch gefunden und aufgetragen. Ich hatte durch meine Intervention nicht nur ein wenig Zeit zum Verschnaufen gewonnen, sondern auch etwas meiner professionellen Ruhe zurückerlangt und war nun mental für den nächsten Akt, eine Premiere, bereit.
Ich streckte ihm meinen ausladenden Arsch, der es ihm regelrecht angetan hatte, entgegen, eine explizite Einladung, endlich anzubeißen, wohl wissend, dass das seine unbändige Gier weiter befeuerte. Und in der Tat hielt er seinen sexuellen Heißhunger nicht mehr länger zurück. Ein scharfer, stechender Schmerz durchzuckte mich, als er langsam, aber bestimmt von hinten in mich eindrang. Ich keuchte auf, meine Pein als lustvolles Stöhnen verkaufend, krallte mich noch fester in die Sofalehne.
„Entspann dich, Nina“, flüsterte Achmet in mein Ohr, seine Stimme war für seine exaltierte Stimmung überraschend sanft, aber fordernd. Ich begann, mich nach und nach an die neue Situation zu gewöhnen, ja ihr gar etwas Angenehmes abzugewinnen. Und plötzlich überkam es mich wie aus dem Nichts und gegen meinen Willen entlud sich der enorme Druck in meinem Inneren in einem lauten, unkontrollierten Furz nie dagewesenen Ausmaßes. Gleich darauf holte uns die hässliche Realität brutal ein, füllte brühwarm den Raum und erstickte innerhalb eines Sekundenbruchteils jeden Funkten sinnlicher Romantik im Keim. Wir fanden uns in einer gewaltigen Stinkbombe, die ich gerade detonieren ließ, wieder und am liebsten wäre ich aus Scham in Grund und Boden versunken. Doch paradoxerweise schien ihn mein zutiefst peinlicher Fauxpas, diese ungesteuerte, jedoch zugleich unverzeihliche Körperreaktion, nicht zu stören, sondern im Gegenteil nur noch weiter zu erregen und sexuell anzustacheln. „Du bist echt heiß, Nina“, fauchte er, „so authentisch, so unverstellt natürlich. Das hat man höchst selten.“ Er erhöhte wie eine Schlagbohrmaschine seine Frequenz und stieß immer härter und tiefer vor. Mein Schmerz, obwohl nach wie vor stark präsent, verwandelte sich empfindungsgemäß allmählich in einen intensiven Druck, dann in eine merkwürdige, prickelnde Erregung.
Seltsamerweise war ich also trotz der enormen Schmerzen und meiner Sorgen, Verletzungen davonzutragen, total high wie nie. Der Tabubruch, die Scham, die Überwindung – all das vermischte sich zu einem wilden Gefühl von dunkler Lust. Ich spürte Achmets feste Umklammerung meiner Hüften, seinen steifen Penis in mir, wie er sich unerbittlich seinen Weg durch die neue Passage bahnte. Die Bewegungen wurden rhythmischer, und während ich die Augen zusammenpresste, verlor ich mich vollkommen in dem berauschenden Gefühl, das Objekt seines unstillbaren Begehrens zu sein. Es war anders, ja, aber auch auf eine aufwühlende Weise betörend. Die physische Belastung war da, keine Frage, aber kein Hindernis mehr; sie war der Beweis, dass ich meine alten Grenzen hinter mir gelassen hatte und in ein neues, unentdecktes Land vordrang.
Schließlich zog mein Sexpartner sich mit einem tiefen Seufzer aus mir zurück. Ich spürte die Leere, aber auch eine gewisse Erleichterung, dass dieser Abschnitt nun vorüber war. Die Luft war nach wie vor schwer. Ich legte mich in Rückenlage aufs Sofa; dessen glattes, unbenutztes Leder bot eine willkommene Abkühlung, zumal ich bereits stark und für jedermann wahrnehmbar schwitzte, also „ganz nach Frau roch“, wie wohlwollende Zeitgenossen das beschönigend umschreiben. Achmet legte sich rastlos atmend auf mich. Ohne seinen gebrauchten Zauberstab zu säubern, drang er direkt in meine Vagina ein. Ich fühlte mich trotz der anbehaltenen Beinbekleidung komplett nackt und ausgeliefert; meine Stiefel fixierten sein Becken. Der Übergang war heftig, weit mehr als ein reiner Positionswechsel, der Kontrast zwischen den beiden Empfindungen beinahe schockierend. Achmet stieß seinen Prügel kraftvoll in mich hinein, seine Hüften pressten sich gegen meine, sein Tempo steigerte sich sukzessive. Ich bohrte meine Finger in seine Schultern, mein Kopf bog sich weit in den Nacken. Das war jetzt jenes ersehnte Finale, das auch ich in vollen Zügen genießen konnte und wollte. Er nahm mich extrem hart ran, bewies selbst für einen Mann seiner Erfahrung enorme Standfestigkeit und eine Ausdauer, wie sie mir von zu Hause fremd war, und fickte mich fast wund, die Vollendung längstmöglich hinauszögernd und den Moment bis zum Äußersten auskostend. Die Lust, die mich durchfuhr, war überwältigend, und als er nach einer gefühlten Ewigkeit mit einem letzten, ohrenbetäubenden Schrei in meiner Möse abspritzte, traf mich selbst ein Orgasmus von ungekannter Wucht. Es war, als würden alle Dämme brechen, eine Explosion, die mich bis ins Mark erschütterte, bombastischer als jedes Feuerwerk zum amerikanischen Unabhängigkeitsfeiertag, mindestens eine Zehnerpotenz stärker, als Thomas es je zünden konnte. In diesem Moment überflutete mich die perverse Vorstellung, dass dieser Mann, der sich hemmungslos alles nahm, was er wollte, der bereits fünf Kinder gezeugt und unzählige Dirnen ohne Schutz und irgendeine Rücksicht auf Konsequenzen befriedigt hatte, nun auch mich mit seiner rohen, archaischen Männlichkeit erfüllte und sein brachiales Siegel in mir hinterließ. Die Hitze seines Samens, den er in rekordverdächtiger Menge in mich pumpte, war nicht nur ein eindringliches Zeichen totaler Besitznahme, sondern der manifeste Beweis des eingegangenen Risikos sowie meiner befreiten Lust an der Gefahr.
Völlig erschöpft, aber zugleich ganz und gar befriedigt, blieben wir eine Weile aufeinander liegen. Ich fühlte das stakkatoartige Hämmern unserer Herzen, die anrüchige Feuchtigkeit in mir, die schwere Last und unverzeihliche Schuld des beiderseits begangenen Ehebruchs, die daran haftete, den schmutzigen Geruch von Sex und des Rauches unserer längst verglühten Zigaretten, der mich umgab. Ich hatte es getan. Ich hatte eine ultimative Grenze überschritten.
Kapitel 19: Stolz, Schock und die Realität des Risikos
Achmet stieß ein zufriedenes Schnauben aus; sein Glied erschlaffte, während er auf mir ruhte, und glitt langsam aus meiner Scheide heraus. Ich spürte noch seine Wärme, die Nässe, die sich weit im Inneren meiner Lustkammer ausbreitete, gepaart mit einer unbeschreiblichen Glückseligkeit und der zutiefst empfundenen Gewissheit, gerade den befriedigendsten Sex meines Lebens vollzogen zu haben. Doch meine Gedanken waren schon wieder ganz bei der Rolle, die ich nun so perfekt spielte. Kaum hatte mein zahlender Liebhaber sich aufgerichtet, spreizte ich mit geschickten Fingern und einem aufgesetzten Grinsen im Gesicht meine Schamlippen und präsentierte ihm das Sperma, das in meinem Schoß glänzte. „Eine hübsche Erinnerung an unseren gemeinsamen Moment, mein Lieber“, flüsterte ich, meine Stimme war heiser, aber voller verruchter Nina-Attitüde. Achmet lächelte, seine Augen ruhten auf der sichtbaren Trophäe seiner Heldentat. Ich setzte in meiner Vorstellung noch eins drauf, strich mit den beiden mittleren Fingern meiner rechten Hand über den schlüpfrigen Film auf meiner Scheide und führte sie genüsslich in meinen Mund, als wäre darauf kostbarer Honig, den ich damit aus einem Glas entnommen hätte, um ihn zu verkosten. Mir entging nicht, wie sehr ihn das anmachte.
Dennoch blieb er Herr der Lage, griff bestimmt nach seinen auf dem Tischchen liegenden Marlboros, um mir eine anzubieten: „Wir haben uns das beide verdient.“ Wir kuschelten uns nackt aneinander, während wir beide entspannt unsere „Zigarette danach“ genossen, als wären wir in den Flitterwochen. Dass seine Haut – ebenso wie meine – nach der sexuellen Höchstleistung erhitzt war und vor objektiv übel riechendem Schweiß nur so triefte, störte mich in diesem Augenblick erlebter Wonne verständlicherweise nicht. Gemeinsam nach dem Akt zu rauchen, war ein wundervoller, fast romantischer Ausklang und mir wurde erstmals voll bewusst, dass dieses krönende Ritual zum ganzheitlichen Erlebnis ebenso dazugehörte wie das Vorspiel und der eigentliche Verkehr. Es verband uns ein letztes Mal auf eine Weise, die ich bei Thomas, meinem nicht rauchenden Ehemann, immer schmerzlich vermisst hatte und auch in Zukunft wieder werde entbehren müssen.
Als ich fertig war und durch den Nikotin-Boost wieder klar denken konnte, wurde ich darauf aufmerksam, dass Achmets Glied noch von den Spuren unserer leidenschaftlichen Vereinigung gezeichnet war und auch das schwarze Leder an der Stelle, wo er saß, schlierige Flecken aufwies. Ich wechselte sofort in den Modus der Sexdienstleisterin zurück und widmete mich gekonnt der abschließenden Reinigung seines wieder zur Ursprungsgröße geschrumpften „kleinen Freundes“. Selbst das Herunterschlucken der letzten daran haftenden Relikte gestaltete sich in meiner emotionalen Verfassung diesmal mühelos und leicht. Ich fragte ihn nach einem nassen Tuch, um auch die klebrigen Rückstände auf der Couch zu beseitigen. „Lass das, Nina“, bemerkte er merklich amüsiert. „Um Punkt sechs in der Früh tanzt hier ein Putztrupp an, der alles aufräumt. Die externe Firma, die das seit Jahren macht, weiß, dass es am Wochenende hier manchmal wild hergeht, richtet alles anstandslos wieder her und stellt keine Fragen.“ Ich war beruhigt, aber auch ein klein wenig betroffen, mit welcher geschäftsmäßigen Berechnung hier alles erfolgte und dass Achmets eiskalte Kalkulation kein Detail dem Zufall überließ.
Langsam gingen wir dazu über, uns anzukleiden. Das Latex schlüpfte über meinen Körper; das vertraute Geräusch der sich an mir reibenden schwarzen Kunststoffhaut begleitete die Rückkehr zur äußeren Fassade meiner Figur. Noch etwas Schminke und ein Schuss Parfüm, schon war mein Nina-Kostüm erneut komplett. Auch Achmet zog sich wieder an. Als wir beide fertig hergerichtet waren, zog er noch eine 50-Euro-Note aus seiner Brieftasche und reichte sie mir. „Das ist dein Trinkgeld, Nina“, bedankte er sich, ein verschmitztes Lächeln auf dem Gesicht. „Du warst viel besser als die osteuropäischen Huren, die ich normalerweise habe. Und es hat auch dir Spaß bereitet – ich habe einen Blick dafür. Wir konnten uns ohne Sprachbarriere miteinander blendend unterhalten. Und der Verkehr mit dir war einfach ein Traum. Wirklich ein wahres Wunder, was du vollbracht hast.“
Ich nahm den Schein entgegen und streifte ihn mit dem 100-Euro-Bonus von vorhin, der sich noch auf dem Tisch befand, in meine Tasche ein. Ein Gefühl des Stolzes durchflutete mich. 550 Euro. In weniger als einer Stunde hatte ich diese Summe verdient – eine astronomisch anmutende Menge Geld für eine Hausfrau wie mich. Der Ekel bei Gerhard, der Schmerz des Analverkehrs bei Achmet – all das verblasste für einen Moment im Glanz dieser Anerkennung und des Geldes. Es ließ mich aber auch wieder in der Realität ankommen, dass es eben doch keine Liebesbeziehung war, sondern eine rein professionelle Transaktion. Ich hatte ein großes Risiko auf mich genommen, ja, aber die Belohnung war immens, nicht nur finanziell. Das Lob meines türkischen Profifreiers war eine süße Bestätigung meiner neu entdeckten Fähigkeit, Männer zu beherrschen, und mein lusterfüllter Orgasmus als Zugabe zum Ganzen eine Klasse für sich.
Auf der Rückfahrt zu meinem Stützpunkt am Strich saßen wir in Achmets klimatisiertem, blitzsauberem BMW zunächst schweigend nebeneinander. Ich zündete mir, kaum waren wir Richtung Einzingergasse abgefahren, eine meiner eigenen Zigaretten an, um wieder etwas von dem Stress runterzukommen, der sich in mir aufs Neue rasch aufbaute. Mein Puls raste, nicht mehr aufgrund der postkoitalen Nachwirkungen des sinnlichen Rausches, sondern schlicht und ergreifend, weil sich in meinem Kopf zunehmend ein schlechtes Gewissen breitmachte.
Zunächst tat mir Achmets türkische Ehefrau wirklich leid. Während Thomas und ich uns in gegenseitigem Einvernehmen begrenzten Freiraum in fleischlichen Angelegenheiten zugestanden hatten, war sie die echte Betrogene, die vom Doppelleben ihres Mannes nichts ahnte. Zu alldem gesellten sich wachsende Sorgen in gesundheitlicher Hinsicht, die ich nicht länger unterdrücken konnte. Was den Besuch bei Prostituierten betraf, war ungeschützter Verkehr mit ständig wechselnden Partnerinnen in diesem Bereich absolut okay, das bewusste Unterlassen zumindest sporadischer Kontrollen bezüglich potenzieller Infektionen jedoch ein No-Go, hatte ich gelesen. Das war die ethisch gebotene Risikobegrenzung, die meinen Freier offensichtlich so nicht juckte. Meine Nerven lagen blank und die Frage brannte mir auf der Zunge. Ich musste sie stellen, auch wenn das meine Rolle als leichtes Mädchen vielleicht sprengte. „Ist das nicht ein enormes Risiko für dich und deine Familie, Achmet, was du da Woche für Woche treibst?“, wagte ich mich leise vor, so dezent wie möglich. Ich spielte auf seine unzähligen leichtsinnigen Abenteuer an, seine unverantwortliche Praxis in der käuflichen Liebe, auf jedwede Sicherheit zu verzichten, die nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Frau und seine Kinder gefährden konnte.
Achmet lachte nur, ein lautes, schelmisches Grölen. Er blickte kurz zu mir herüber, ein Hauch von Amüsement über einen mutmaßlichen Scherz in seinen Augen. „Du brauchst mir nichts über Risiken erzählen, Nina. Wir wissen beide ganz genau, was wir tun, und es macht uns unheimlich viel Spaß.“ Sein Ton war abschätzig, fast ein bisschen spöttisch.
Ich war schockiert, bekam die Panik. Seine Reaktion traf mich härter als gedacht. Die Maske des gepflegten Gentlemans von Welt war endgültig gefallen. Ich hatte gehofft, vielleicht einen Funken Einsicht zu finden, doch er schien sich seiner Lebensweise absolut sicher, ja, fast stolz darauf zu sein und nichts zu fürchten. Das war die kalte, harte Realität des Milieus, das war die andere Seite des Tabus, die Thomas und ich in unserer Naivität bis dato intellektuell noch nicht vollständig durchdrungen hatten.
Schließlich hielt Achmet an meiner Nische und setzte mich am Ausgangspunkt unserer Reise wieder aus. „Es war wirklich toll mit dir, Nina. Du hast einen fabelhaften Job geleistet. Und wer weiß: Womöglich führt uns das Leben eines Tages wieder zusammen.“ Er zwinkerte mir noch einmal hochzufrieden zu, bevor er losfuhr.
Ich stand abermals da, die Zigarette als Krücke zwischen meinen Fingern, die Glut wie ein einsames Licht in der Dunkelheit. Meine Gemütslage war anders als zuvor, aber im Grunde genommen wieder bedrückt. Der Rauch, der meine Lungen füllte, bot keinen echten Trost. Das Erlebnis mit Achmet war letztendlich wie ein weiterer Schlag ins Gesicht gewesen, eine schmerzhafte Offenbarung der hier herrschenden Brutalität, auf unmenschliche Weise benutzt zu werden, die jedoch dieses Mal wenigstens teuer honoriert worden war. In mir hallte auch noch das unvergessliche Echo jenes Orgasmus nach, der mich in lichte Höhen katapultiert hatte. Eine Lust, die ich nie zuvor kannte, war im Herzen dieses Tabubruchs geboren worden. Ich dachte an die 550 Euro in meiner Tasche, eine Bürde, die gleichzeitig zufriedenstellend und erschreckend war. Der Tabubruch war aufregend gewesen, ja, aber auch ungemein roh und insgesamt ernüchternd. Achmets mangelnde Empathie gegenüber seiner Frau und seine Gleichgültigkeit gegenüber den Risiken hatten mich an einem wunden Punkt getroffen und mir bewusst gemacht, welchen Preis die Freiheit hatte, die ich suchte.
Ein Kunde noch. Nur noch einer, dann war es geschafft, meine Psyche hoffentlich wieder im Lot und meine Stimmung nicht mehr länger im Tief. Ich zwang mich, meinen Blick wieder auf die Straße zu richten. Die Gasse war immer noch belebt, Schatten bewegten sich im flackernden Licht der Laternen. Jedes näher kommende Auto, das abbremste, ließ meinen Magen zusammenkrampfen. Ich musste jetzt professionell bleiben, die Nina sein, für die ich bezahlt wurde; nur dann konnte ich auch zu meinem eigenen Wohl reüssieren. Die aufregende Suche nach dem Nervenkitzel hatte sich in eine pflichtbewusste Eroberung der Extreme verwandelt, die ich erfüllen musste, gleichzeitig verführt und abgestoßen von dem, was ich in mir entdeckt hatte. Die letzte Grenze lag noch vor mir.
Kapitel 20: Der Vorhang hebt sich für den letzten Akt
Mein Herz klopfte wie wild gegen meine Rippen. Eine seltsame Mischung aus einem mulmigen Gefühl im Magen und einer großen, beinahe fiebrigen Erwartungshaltung drehte sich in meinem Kopf. Tausende Gedanken wirbelten durcheinander. Das war es jetzt also: Mein dritter und letzter Kunde stand ante portas. So hatte ich es mit Thomas vereinbart und ich würde mich daran halten. Nach diesem Mal war Schluss. Endgültig. Keine Zugabe. Nichts. Ich hoffte auf ein Ende in Wohlgefallen. Ein fulminantes Finale meines Experiments sozusagen, etwas Großes, Erhabenes, das ein positives Resümee erlaubte und mich mit allen erlittenen Enttäuschungen versöhnte.
Und just erblickte ich ihn – meinen ersehnten Erlöser. Ein schicker weißer Tesla fuhr langsam die Straße entlang, tastete sich behutsam an meinen Standplatz heran und – ja! – er bremste direkt bei mir. Meine Augen starrten gebannt auf die sich senkende Fensterscheibe. Würde sich ein schönes Schlusserlebnis, ein filmreifes Happy Ending, anbahnen, etwas, das diesen ganzen Wahnsinn ein kleines bisschen rechtfertigte? Oder würde es eine weitere, noch schlimmere Negativerfahrung werden, die mich noch tiefer sinken ließ und für immer desillusioniert und endgültig gebrochen von diesem Ort vertrieb? Marke und Zustand des Fahrzeugs verhießen jedenfalls etwas Gutes!
Als die getönte Scheibe ganz unten war, atmete ich innerlich erleichtert auf. Vor mir saß ein fein herausgeputzter, junger Mann, schätzungsweise Anfang 20. Blondes, gut gekämmtes Haar, eine schwarze Hose, dazu ein dunkler, edel gestrickter Pullover mit Rundhalsausschnitt, unter dem der Kragen eines hellblauen Hemdes akkurat hervorlugte. Er sah so anders aus als die Männer, die hier sonst vorbeifuhren. Ein Student mit beinahe aristokratischem Flair, der am Unicampus gefragte Bachelor par excellence, hätte ich ihn prägnant beschrieben. Er hatte eine zarte, fast porzellanartige Haut, bei der sich ein weiches Rosa auf den Wangen abzeichnete – war es die hereinbrechende Kälte dieser Nacht oder seine pure Nervosität? Keine protzige Lederjacke, kein schweres Parfüm. Er verströmte stattdessen eine Aura von Sauberkeit, Seife und dezenter Zurückhaltung. Er wirkte wie jemand, der sich ins falsche Viertel verirrt hatte, und doch lag in seinem festen Blick eine stille Entschlossenheit. In diesem Moment fühlte ich mich in meinem Latex-Outfit, mit der qualmenden Zigarette in der Hand und dem penetranten Gestank von Tabak, der an mir – Kleidung, Haut und Haar sowie Atem – haftete, wie ein gefallener Engel vor einem Heiligen.
„Nina“, stellte ich mich vor, meine Stimme – obwohl verraucht – betont weich und verführend, wie ich es gelernt hatte.
„Ulrich“, erwiderte er; seine Stimme klang noch etwas zögerlich, fast schüchtern. Er musterte mich mit großen, neugierigen Augen. Ein leichtes Lächeln spielte um seine Lippen. Ich merkte intuitiv, dass er mein Äußeres bewunderte, und fühlte mich sicher und bestätigt.
Ich schlüpfte ganz in meine Rolle, beugte mich leicht vor, sodass mein Dekolleté bedeutend tiefer wirkte und noch mehr vom üppigen Volumen meiner Brüste preisgab. „Was kann ich für diesen jungen, feschen Mann tun?“, fragte ich mit einem lasziven Lächeln, das jetzt schon ganz natürlich wirkte. Mein Blick glitt über seine Augen zu seinen vollen Lippen.
Ulrich errötete, klammerte beide Hände ans Lenkrad, konnte seine Aufgeregtheit kaum verbergen. „Also ... ich bin 21 Jahre alt“, begann er etwas holprig, „BWL-Student an der WU, sechstes Semester. Und – äh – so etwas habe ich noch nie getan. Obwohl ich es schon länger wollte, geraume Zeit vorhatte. Aber ich hab mich bisher einfach nicht getraut. Du verstehst? ... Heute habe ich mein Herz gepackt, der Leidensdruck, das Verlangen, war einfach zu groß, es noch länger aufzuschieben. Ich habe mich endlich getraut ... und hier bin ich.“ Seine Augen huschten über meine Kurven, meine lackierten Nägel, meine kräftig geschminkten Lippen, mein langes, volles, offen getragenes Haar, das gerade in einem lauen Lüftchen wehte. „Ich war im Schritttempo unterwegs, habe die hübschen Frauen am Straßenrand gecheckt. Und dann habe ich dich gesehen und gewusst: Die soll es werden! Egal, was sie verlangt, aber du ... du bist es wert, Nina.“
Ich spürte eine wohltuende Brise der Anerkennung. Er war offen, fast naiv in seiner Ehrlichkeit, aber seine Worte waren Balsam für mein Ego. „Oh, wirklich?“, hauchte ich sanft. „Dann muss ich deinen Mut loben, Ulrich. Du hast einen großen Schritt gewagt und das Richtige getan. Ich werde dir diese Zeit gerne versüßen. Ich weiß, dass für Neulinge wie dich das erste Mal mit einer wie mir etwas ganz Besonderes ist, vor allem wenn man diesen Moment so lange herbeigesehnt hat. Ich verspreche, dir ein unvergessliches Erlebnis zu bereiten, auf das du noch nach Jahren mit Genugtuung, mit Stolz zurückblicken wirst.“ Ich ließ meine Finger über die Oberkante der heruntergezogenen Fensterscheibe gleiten, ganz leicht, beinahe unmerklich, und nahm reflexartig, ohne darüber nachzudenken, einen Zug von meiner Zigarette und ließ den Rauch durch meine Nase entweichen – ein Detail, das ihn magisch fesselte.
Er nickte eifrig, regelrecht hypnotisiert. „Und ... was kostet der Spaß bei dir, Nina? Was ... was machst du alles?“ Seine Stimme wurde tiefer, während ihr Rhythmus eine Spur ins Hektische abglitt. Seine Worte, nach denen er suchte, klangen ungeordnet, fast ein wenig wirr, doch mir war klar, was er meinte, was er von mir wissen wollte.
Ich trug mein Angebot vor, wie ich es inzwischen in- und auswendig konnte, stellte diesmal aber vorsichtshalber explizit klar, dass Analverkehr keine Option sei. Jede Geste, jeder Blick saß. Als ich den kompletten Tabulos-Service um 400 Euro ansprach, sah ich mit an, wie er weiter errötete und sich Schweißperlen auf seiner Stirn bildeten. Ich konnte förmlich hören, dass es ihm den Atem verschlug, während ihm das Wasser im Munde zusammenlief. Er musterte mich von Kopf bis Fuß, jedenfalls, soweit dies durch das geöffnete Wagenfenster möglich war; sein bohrender Blick blieb einen Moment auf meiner ausbrennenden Zigarette hängen.
„Ich hab im Internet recherchiert“, erklärte er leise, fast ehrfürchtig. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass es hier an diesem Strich mehr als jede Zweite ohne Gummi anbietet; darauf habe ich heimlich gehofft. Etliche Männer kommen gerade aus diesem Grund hierher. Ich wollte schon immer so etwas ... Verrücktes machen. Aber ... nur mit einer Frau wie dir.“ Seine Stimme wurde fester. „Du bist ganz anders als die Studentinnen an der Uni und die jungen Frauen in meiner Verwandtschaft. So ... feminin, mollig, kurvig, extrem aufreizend gekleidet und rauchend. Meine Mutter würde niemals eine Raucherin als Freundin an meiner Seite akzeptieren, geschweige denn sie für ein erstes Kennenlernen beim Kaffeekränzchen ins Haus lassen.“ Er schluckte, während ich ihm zuhörend mechanisch zur nächsten Kippe wechselte. „Ich will mit dir jedenfalls ohne Kondom schlafen. Und in dir abspritzen. Ich bin so froh, dass ich eine derart geile Tabulos-Hure gefunden habe, die mich in die hohe Kunst der Liebe einführt, nämlich dich, Nina. Das habe ich mir immer gewünscht.“
In meinem Unterbewusstsein schwelte schon die ganze Zeit verborgen ein massiver moralischer Konflikt, der nun mit voller Wucht offen hervorbrach. Plötzlich drängte sich eine Ahnung, die ich seit der Begegnung mit Achmet mühsam unterdrückt hatte, mit beängstigender Klarheit ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit: Es war nicht nur so, wie ich mir einzureden versucht hatte, dass mein türkischer Verehrer mit seiner exzessiven Sexsucht und nicht existenten Gesundheitsvorsorge allein sich selbst und seine Frau massiv gefährdete. Die Kehrseite der Medaille war viel bitterer: Auch ich war davon betroffen. Es war kein bloß theoretisches Risiko mehr, keine rein abstrakte Zahl wie in einer Versicherungspolizze, sondern die reale, beklemmende Wahrscheinlichkeit, dass er tatsächlich infiziert gewesen war – und ich mich bei ihm angesteckt hatte. Und nun war ich im Begriff, diesen jungen, enthusiastischen Mann wissentlich in Gefahr zu bringen. Der Gedanke war wie ein Stich in die Magengrube. Andererseits suchte er doch bewusst das Risiko. Oder war es ihm überhaupt bewusst, wie real und nah diese Gefahr wirklich war? Sollte ich es besser wissen oder hatte es mich schlichtweg nicht weiter zu kümmern?
Ich beschloss, ihn sicherheitshalber etwas abzutesten. „Junge, du weißt, dass das, was ich hier tue, nicht ganz ungefährlich ist, für uns beide?“, fragte ich ihn, nachdem ich zur Entspannung tief inhaliert und ausgeatmet hatte. Mein Tonfall war jetzt weniger verspielt, vielmehr von eindringlichem Ernst erfüllt. Ich starrte ihn prüfend an.
Ulrich nickte hastig, ohne lange zu überlegen. „Ja, ich weiß Bescheid, worauf du anspielst, Nina. Hatte in der Schule Sexualunterricht.“ Er lächelte leicht, fast ein wenig belustigt. „Aber ich kenne auch die statistischen Fakten. Im Internet habe ich in diversen Freierforen gelesen, dass das Risiko zwar vorhanden, aber minimal ist. Das scheint mir nach den Gesetzen der Mathematik absolut plausibel. Jede normale Diskobekanntschaft ist gefährlicher, weil sich da niemand große Gedanken macht, wenn er sie abschleppt. Und die Girls in meinem Umfeld würden mich auch nie blank ranlassen. Faseln immer was von Intimhygiene und angeblichen Keimen, die sich verbreiten können. Der Verkehr selbst läuft dann vollkommen steril ab, ohne dass irgendein Lustgefühl aufkommt oder sich beglückende Befriedigung einstellt. Aber ich will das unbedingt einmal erleben – mit dir, Nina.“ Seine Augen bohrten sich in meine. „Koste es, was es wolle, mein Darling.“
Ich zögerte. Der moralische Stich saß tief. Aber seine Worte, dass ich „ganz anders“ sei als der Rest und er es, „koste es, was es wolle“, erleben wollte, mich dabei nebenbei gar „Darling“ genannt hatte, beeindruckten mich. Ich musste es zu Ende bringen, um mein Gewissen entweder durch schonungslose Ehrlichkeit zu beruhigen – oder es durch die Tat endgültig zu belasten. Daher setzte ich darauf verbissen nochmals nach: „Dir ist schon bewusst, dass ich regelmäßig blank vögle, wie du das nennst? Dass du nicht exklusiv der Einzige bist? Dass ich – im Gegenteil – täglich mehrere Kerle so abfertige?“ Ich schaute ihm direkt in die Augen. „Gerade eben habe ich es mit einem Türken ungeschützt getrieben.“
Ulrichs Augen blitzten auf, als wäre diese Information für ihn ein weiterer Brandbeschleuniger, der seine bereits aufgebaute Gier zusätzlich befeuerte. Seine Antwort kam sofort, voller unverhohlener Faszination: „Das klingt echt geil. Bist du noch nass, Nina?“
Ich verstand, dass weiteres Nachbohren keinen Sinn machte. Ich hatte meine Schuldigkeit getan. Dieser junge Mann war nicht zu belehren. Es war fast so wie mit den berühmt-berüchtigten Warnhinweisen auf der Zigarettenschachtel, die niemanden vom Rauchen abhielten, der das wollte, wie ich selbst nur allzu gut wusste. Meine Warnungen prallten an seinem Idealismus und seinem Tatendrang ab. Und die Perspektive, als 35-Jährige nochmals einen derart jungen Lover zu haben, der mich sexuell so sehr verehrte, dass er alle Risiken in Kauf nahm, um mit mir ungeschützt zu schlafen, wirkte verlockend und stark. Zumal er – anders als Achmet – aufgrund seines bürgerlich-akademischen Hintergrundes augenscheinlich tatsächlich auch über echte Manieren verfügte und genau zu wissen schien, wie weit er gehen durfte und wo meine Grenzen lagen. Thomas hätte diesen sympathischen jungen Menschen geliebt. Zur Abwechslung schluckte nun ich. „Ja, ich bin noch feucht“, gestand ich; Ninas Selbstbewusstsein kehrte mit einer Welle der Entschlossenheit zurück. Ich lächelte ihn herausfordernd an: „Aber dein Vergnügen kostet 400 Euro.“
Ohne mit der Wimper zu zucken, holte er die Scheine aus seiner Börse; sie waren ungefaltet, glatt, offensichtlich frisch vom Bankomaten behoben. „Ich bin aus gutem Haus, Nina, habe genug Taschengeld. Steig ein, aber mach bitte vorher die Zigarette aus. Das Auto gehört meinen Eltern. Und die sind beide militante Nichtraucher.“
Ich signalisierte mit einem angedeuteten Nicken meine Zustimmung, nahm einen letzten ausgiebigen Lungenzug von meiner Marlboro, schnippte den Zigarettenstummel auf die Straße, bevor ich die Beifahrertür öffnete und mich zu Ulrich in den Tesla gesellte. Der Wagen war praktisch fabrikneu, die Sitze mit weißem Leder überzogen. Ein süßlicher Duft von Sauberkeit umfing mich. Ulrichs Blick lag forschend auf mir, als ich mich anschnallte, und ohne sich auch nur zu bemühen, es irgendwie zu verbergen, beschnupperte er mich voller Neugier. „Ich habe mich immer gefragt, wie eine Schönheit wie du wohl riecht“, erklärte er sich und strahlte: „Echt stark. Ich mag das.“ Ich quittierte sein Kompliment, das mich ein wenig peinlich berührte, mit einem knappen Lächeln. „Ich kann dich unmöglich zu meiner Familie nach Hause mitnehmen, wo ich wohne“, wechselte er ins Praktisch-Logistische, seine Stimme vor Aufregung fast heiser.
Ich deutete in die Dunkelheit, in die Richtung des Parkplatzes, auf dem ich es vor einigen Tagen mit Thomas auf der Motorhaube vorexerziert hatte. „Nicht weit von hier befindet sich ein etwas abgelegener Parkplatz, wo wir unser Geschäft verrichten können.“
Ulrich schüttelte den Kopf, ein heiterer, fast charmanter Ausdruck spielte um seine Lippen. „Ich möchte, dass unsere Begegnung etwas ganz Besonderes wird. Das hier ... das ist mein erstes Mal auf diese Art und ich will es in bester Erinnerung behalten.“ Er sah mich an, seine Augen voll der Erwartung. „Ich habe heute Nachmittag vorsorglich über mein Handy ein günstiges Zimmer in einem Stundenhotel gebucht, das zirka 10 Fahrminuten entfernt ist. Einfach, aber funktional. Ein geschützter Rahmen quasi, wo wir beide ganz für uns sind. Ich möchte mit dir nämlich eine echte Girlfriend Experience. Ich hoffe, das ist okay für dich, Nina.“
Ich nickte zufrieden. „Das ist sehr aufmerksam von dir, Ulrich. Einverstanden.“ Ein leiser Seufzer der Erleichterung entwich mir innerlich. Das war nicht nur okay, das war perfekt. Es war ein passender Abschluss für diese Reise, weg vom schmutzigen und chaotischen Strich, hin zu einem Raum, der – wenn auch nur für eine knappe Stunde – eine gewisse Intimität und Kontrolle versprach. Es war ein kleines Stück Würde, das Ulrich mir, Nina, für diesen letzten Akt in meinem Drama anbot.
Ich blickte ihn an, ein leichtes, selbstbewusstes Lächeln auf den Lippen, das mich meine professionelle Distanz für einige Sekunden vergessen ließ. „Ich werde für dich die Freundin sein, die du in deiner Welt so schmerzhaft vermisst. Ich verspreche dir ein ganz besonders lustvolles Erlebnis, das du lange nicht vergessen wirst.“
Irgendwie schien ich zu ahnen, dass die unausweichliche Nachwirkung unserer sexuellen Vereinigung eine ganz andere sein würde, als Ulrich sie sich jetzt in seiner unschuldigen Euphorie vorstellte.
Kapitel 21: Die beharrliche Verdrängung der unausweichlichen Konsequenz
Die Fahrt mit Ulrich im nigelnagelneuen Tesla verlief in einem merkwürdigen, für mich schwer zu ertragenden Zwiespalt aus aufkeimender Anspannung und beinahe gespenstischer Normalität. Während er über sein BWL-Studium und seine beruflichen Pläne für die Zukunft schwadronierte, wuchs in mir die leise, aber unerbittliche Sorge. Die mich immer noch stimulierende Erinnerung an das ultraheiße Date mit Achmet, sein unverantwortliches Sexleben und die Gewissheit, dass ich dieses Risiko nun in meinem Schoß trug und an einen jungen, unwissenden Mann weitergeben könnte, legten sich wie ein kalter Schleier über meinen anfänglichen Enthusiasmus. Ich spürte, wie meine Magengegend sich zusammenzog, doch äußerlich bewahrte ich die kühle, selbstbewusste Fassade der Nina. Dass ich aus Rücksicht auf meinen Chauffeur beziehungsweise seine Eltern, denen der schöne Wagen eigentlich gehörte, nicht rauchen durfte, machte es auch nicht gerade leichter und führte mir meine Abhängigkeit erneut drastisch vor Augen. Meine Beine begannen nervös zu zittern.
„Das ist heute wirklich mein Glückstag, Nina, dass ich dich vorhin getroffen und mitgenommen habe“, wurde Ulrich plötzlich wieder persönlich, seine Stimme erfüllt von aufrichtiger Freude. Ich presste die Knie zusammen, damit der Entzug und meine unkontrollierten Körperreaktionen darauf nicht die Oberhand gewannen oder ihn gar irritierten – das konnte ich in dieser Lage keinesfalls brauchen. Er selbst wirkte etwas aufgedreht, fast ein wenig hysterisch; seine Finger trommelten kurz auf dem Lenkrad.
Ich lächelte ihn beruhigend an, versuchte, seine – und meine – Anspannung zu lösen, während mein Inneres brodelte. „Sei nicht nervös, entspann dich“, flüsterte ich mit sanfter Stimme, die Nina wieder vollkommen verkörpernd. „Ich werde dir eine unvergessliche Erfahrung schenken. Genieße es einfach.“ Ich legte meine Hand kurz auf seine, die immer noch am Lenkrad zappelte. Meine Finger waren kühl, fast klamm, doch er schien die Geste der Zuwendung zu verstehen.
Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Darf ich dich berühren, Nina?“, fragte er leise, seine Augen baten schüchtern um Erlaubnis.
Ich nickte einladend. Ulrich steuerte das Fahrzeug fortan allein mit dem linken Arm, während seine rechte Hand zunächst zögernd meinen Oberschenkel streichelte und sodann sanft über das glänzende Latexkleid fuhr. Ich fühlte, wie sich die Oberfläche unter seinen Fingern erwärmte, als wäre es elektrischer Strom, der ihn während der Berührung durchlief. Seine Hand wanderte höher, glitt schließlich unter meinen Rock. Seine Finger trafen auf das ebenfalls erfrischend glatte Material meines Latexhöschens.
„Du trägst ja auch Latexwäsche darunter. Das ist unglaublich, verdammt cool!“, schwärmte er voller staunender Begeisterung, seine Worte waren eine einzige Lobeshymne auf mich und unter seiner Hose bildete sich zugleich unübersehbar eine fette Beule. Ich merkte, wie er sich förmlich nach mir verzehrte. „Das macht mich ganz heiß, wenn ich an deine sündig-feuchte Lustgrotte denke, die sich darunter verbirgt, in die ich heute eindringen darf. Ich bin so froh, sie, ihre wunderbare Wärme, ihre betörende Nässe, in Kürze ungefiltert spüren zu können.“
Ich registrierte, wie mein Körper auf seine Erregung reagierte, empfand die eigene Lust, die sich unbeirrt ihren Weg bahnte, selbst inmitten meiner Bedenken. Wenige Minuten später bog Ulrich dem Navi folgend in eine kleine Seitenstraße ein und hielt vor einem tristen, dreistöckigen Gebäude. Das Leuchtschild über dem Eingang war schlicht, aber eindeutig: „City Guesthouse – Zimmer stundenweise“.
Wir stiegen aus. Gerade als wir uns dem Eingang der Herberge – der Ausdruck „Absteige“ wäre, wie sich bald herausstellte, eindeutig zutreffender gewesen – näherten, öffnete sich die elektrische Tür und ein anderes Paar schlenderte heraus. Das hochgewachsene Luder jenseits der 40 mit einem ausgelaugten, in die Jahre gekommenen Gesicht, schulterlangem, tiefschwarzem Haar mit geradem Pony, vermutlich Zigeunerherkunft, trug einen schwarzen Ledermini samt breitem Gürtel mit Nietenverzierung, ein einfaches, dunkles Tanktop, das ausgewaschen wirkte und bereits merklich miefte, weinrote Lackstiefel in Kniehöhe; ihre Arme und Beine waren ebenso wie ihr Ausschnitt stark tätowiert. Sie lachte laut auf, während der Mann an ihrer Seite, eine proletenhafte Erscheinung in ausgefranstem Anzug und offenem Hemd, breit gebaut mit Bierbauch und rundem, hochrotem Kopf, vor unser aller Augen seine Hand ungeniert in ihren Schritt schob und sie fest an sich zog. Ihr Gelächter mutierte zu einem heiseren Kichern, als er ihr einen schmatzenden Kuss auf die spröden Lippen ihres Mundes drückte. Die beiden schienen noch völlig im Bann ihrer gemeinsamen Zeit im Hotel zu verweilen, animalisch und roh in ihrer Lust.
„Schatz, dass du mir gegen Aufpreis angeboten hast, den Gummi wegzulassen, war eine super Idee!“, raunte der Mann tief befriedigt, seine Stimme noch belegt, und rieb genüsslich seine Hand an ihrem Oberschenkel, bevor er sie losließ. „Darauf fahren alle meine Gäste ab, Schnucki. Glaub mir, es hat noch keiner abgelehnt“, krächzte die Frau rau mit ausländischem Akzent.
Ulrichs Blick klebte auf der vulgären Szene, die es ihm sichtlich angetan zu haben schien, sodass er sich sogar kurz nach der Schlampe umdrehte, als sie schon vorübergezogen war. Was die Männerwelt massenhaft an diesem dreckigen Typ Frau reizte, blieb mir ein ungelöstes Rätsel, das ich wohl nie begreifen würde. Da wir Arm in Arm unterwegs waren, entging mir nicht, dass sich sein Penis weiter versteifte, seine Augen sich weiteten und ein Zucken über sein Gesicht lief. Ein dumpfes Geräusch entwich ihm, ein Mix aus ungläubigem Staunen und glühender Erregung. „Wow“, murmelte er, seine Stimme kaum hörbar. Seine Augen funkelten vor reger Begeisterung, als er sich wieder mir zuwandte, als hätte der Anblick seine eigene Vorfreude ins Unermessliche gesteigert.
Für mich war das verstörend. Dieser flüchtige Blick hinter die Kulissen, diese ungeschminkte, öffentliche Zurschaustellung des gerade Erlebten, war eine schmerzhafte Erinnerung daran, was ich hier für Geld und meinen persönlichen Kick tat. Ich wollte nicht eines Tages so enden wie diese Hure eben. Es war nicht die aufregende Inszenierung mit Thomas, nicht die Kontrolle, die ich suchte, sondern die banale, fast ordinäre Realität des Strichs, die sich hier vor meinen Augen abspielte. Sie raubte der sorgfältig aufgebauten Illusion der High-End-Prostitution jegliche Romantik.
Das Ambiente, das wir betraten, war nüchtern, fast schon bieder. Nichts von der verruchten Eleganz, die ich in meiner Fantasie von einem Stundenhotel eigentlich erwartet hatte. Innen roch es nach altem Teppich und einem aggressiven Putzmittel. An der kleinen Rezeption saß ein älterer Herr, seine Augen ruhten nur kurz auf uns, ein wissendes, fast schon müdes Blinzeln.
„Guten Abend“, grüßte Ulrich mit fester Stimme, die seine Scham geschickt überspielte. „Ich habe ein Zimmer reserviert, auf den Namen Schuster. Und das ist meine ... Begleitung“, deutete er mit überschwänglichem Stolz auf mich. Dass er mich nach kurzem Zögern als „Begleitung“ vorgestellt hatte, fand ich passend und ehrlich. Keiner hätte mir in meiner Aufmachung die „Freundin“ abgenommen.
Der Portier nickte nur, überflog eine ausgedruckte Liste und schob dann einen Schlüssel und ein unscheinbares Formular über den Schalter. „Sie haben schon mit Kreditkarte bezahlt, Herr Schuster. Ich bräuchte nur noch eine Unterschrift. Ihr Zimmer ist im Erdgeschoß, gleich links im Gang da drüben. Viel Spaß dann dem frisch verliebten Pärchen!“, nuschelte er, seine Mundwinkel zuckten verdächtig.
Ich lächelte gezwungen, spürte, wie eine leise Welle der Ernüchterung mich erfasste. Seine abschließende Bemerkung war kein freundlicher Wunsch, sondern eine zynische Bestätigung dessen, was hier ablief. Wir nahmen den Schlüssel und gingen einen engen Korridor entlang zu Zimmer Nummer 7.
Als Ulrich die Tür aufschloss, trat ich ein und ließ meinen Blick musternd durch den Raum gleiten. Er war kleiner und einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte, schmucklos in seiner öden Tristesse. Ein schmales Doppelbett mit klinisch weißer Bettwäsche stand mittig, dazu ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen und ein altertümlicher Fernseher auf einer abgenützten Kommode. Die Wände waren in einem blassen Cremeton gestrichen, das Licht war grell und ungemütlich. Kein heimeliges Plätzchen also. Es gab keinerlei persönliche Details, keine Bilder, keine Dekoration. Nur das Nötigste. In einer Ecke befand sich eine schmale Tür, hinter der sich ein winziges Bad samt WC verbarg – eine Nasszelle, die eher abstoßend als einladend wirkte, mit schmutzigen Fugen und dem Geruch nach billigem Desinfektionsmittel. Der Raum versprühte nicht den Duft von Parfüm oder Sex, sondern roch bloß nach einer Mischung aus Chlor und abgestandener Luft. Das Zimmer war ein Ort, der für den schnellen, funktionalen Zweck geschaffen war, ohne jeglichen Hauch von sinnlicher Erotik. Für Ulrich war es vielleicht ein Ort der heimlichen Erfüllung seiner Wünsche, aber für mich, Nina, war es die kalte, ungeschönte Stätte des Geschäfts, das ich gerade betrieb.
Kapitel 22: Die Reifeprüfung
Auf dem Tischchen neben dem Bett bemerkte ich einen verrosteten Metallaschenbecher. Ein Blick darauf ließ mich erschrocken feststellen, dass ich schon fast 20 Minuten nicht mehr geraucht hatte, und zugleich erleichtert aufatmen, dass das lange Warten nun ein Ende gefunden hatte. Der zuerst bloß leichte Entzug, mit dem ich bereits auf der Fahrt im Auto zu kämpfen hatte, machte sich nun vollends bemerkbar, ein nervöses Ziehen in den Fingern, zunehmende Gereiztheit, ein unangenehmes Schwitzen meiner Haut. „Ich brauch jetzt eine“, sagte ich lapidar zu Ulrich, meine Stimme klang rauchiger, als ich beabsichtigt hatte. „Ich denke, du hast nichts dagegen.“
Ich kramte in meiner Handtasche hektisch nach Feuerzeug und Marlboro-Päckchen. Meine Hände flatterten bereits panikartig, als ich die Zigarette mehrmals anzuzünden versuchte, ehe sie brannte und ich den ersten befreienden Zug inhalierte. Ulrich schien es zu gefallen, ja regelrecht aufzugeilen, die im Grunde genommen hässlich-triviale Situation zu beobachten, wie ich als süchtige Kettenraucherin nach einer langen Durstphase mein elementares Bedürfnis stillte. Plötzlich, ich hatte nicht einmal die halbe Länge konsumiert, überkam es ihn. Er fiel über mich her, umarmte mich in reinster Sturm-und-Drang-Manier und küsste mich wild und leidenschaftlich. Seine Lippen pressten sich auf meine, seine Zunge drang fordernd in meinen Mund, während ich meinen Glimmstängel mit den Fingern fest umklammernd in der Hand behielt, um zwischendurch, in den kurzen Pausen, in denen wir gemeinsam Luft holten, immer wieder daran zu nippen. Er wollte förmlich meinen Speichel aufsaugen und meinen verrußten Atem schmecken, als gäbe es kein Morgen. Ich spürte, wie fest sein Glied unter der Hose schon war, es drängte sich hart gegen meinen Unterleib.
„Keine Zeit verlieren“, keuchte ich, durch das feurige Vorspiel selbst so richtig in Rage gekommen, den blauen Dunst ausstoßend, und schob ihn sanft von mir. „Fangen wir richtig an!“
Er nickte eifrig, nach Sauerstoff schnaufend, seine Augen glänzten vor ungeduldiger Gier, während ich die letzten Reste meiner Kippe ausdrückte. Ich befreite ihn geschickt von seiner Kleidung, die in der Hitze des Gefechtes etwas Asche von mir abbekommen hatte. Zuerst der Pullover, dann das Hemd. Meine Finger glitten über den Knopf und Gürtel seiner Hose, öffneten sie sowie den Reißverschluss darunter und der feine Stoff fiel mit dem metallischen Klirren der Gürtelschnalle zu Boden. Schließlich zog ich ihm die eng anliegenden Boxershorts, die ob der Manifestation seiner Erregung beinahe zu zerreißen drohten, herunter. Ulrichs Penis ragte kerzengerade, gigantisch angewachsen und steinhart hervor, ein starrer, machtvoller Beweis seiner Begierde.
„So ein wunderschöner Riesenständer“, flüsterte ich, meine Stimme war nun feinster Nina-Gesang, verlockend und verheißungsvoll in seiner Performance. Ich sank vor meinem Schüler in Liebessachen, der seine Beinbekleidung von seinen Füßen abgestreifte, auf die Knie, nahm seinen Prügel zärtlich in den Mund, spürte seine Wärme, seine pulsierende Härte. Ich verwöhnte ihn, wie ich es gelernt hatte, mit Zunge und Lippen, saugte ihn tief ein, liebkoste ihn mit jeder Faser meines Seins. Ulrich stöhnte, seine Hände vergruben sich in meinen Haaren, zogen leicht daran. Er war sexuell derart erregt, dass er schon nach kurzem Einsatz meiner Blasenkunst vorzeitig zum Samenerguss kam und unversehens in meinem Mund abspritzte. Sein heißes Sperma strömte in meine Kehle, warm und nach Bittermandeln schmeckend.
Ich löste mich von ihm, blickte ihn mit Rehaugen verführerisch an, ein leichter Schimmer auf meinen Lippen. „Soll ich schlucken?“, fragte ich leise, meine Augen hafteten auf seinen.
Er nickte nur, seine Augen waren vor Lust halb geschlossen, sein Atem ging in knappen Stößen. Ich schluckte, schmeckte das salzige, warme Sekret in meinem Hals. Ich beruhigte ihn mit einem Lächeln, als er sich leicht beschämt abwandte. Es war ihm offensichtlich ausgesprochen peinlich, dass er schon bei der oralen Einstimmung gekommen war und sich eingestehen musste, aufgrund seiner jugendlichen Unerfahrenheit das Spiel der herausgezögerten Libidomaximierung nicht zufriedenstellend zu beherrschen. Vielleicht war ihm auch bekannt, dass die Ejakulation in der Branche unter normalen Umständen häufig das Ende der sexuellen Dienstleistung einläutete, und fürchtete, ich würde wie diese herzlosen Billighuren „Game over“ rufen. „Sei nicht nervös, Junge“, flüsterte ich stattdessen und brach mit dieser Konvention, die so gar nicht zur versprochenen Freundinnenerfahrung passte. Ich strich ihm zärtlich über die Wange. „Du bist noch jung, bald bist du wieder bereit. Und ich bin heiß auf mehr.“
Ulrichs Hände griffen gierig nach meinem Latexkleid. Er zog es mir mit zitternden Fingern über den Kopf, als wäre es eine zweite Haut, die ihn daran hinderte, mich ganz zu besitzen. Er spielte mit der Latexwäsche, zog mir den BH und dann den Slip herunter. Schließlich entkleidete er mich auch von den Stiefeln und Strümpfen. Ich stand komplett nackt vor ihm, meine Haut prickelte von der elektrisierten Atmosphäre und seinem Verlangen. Mein Jungspund schien sich rasch regeneriert zu haben.
„Du bist so ... wunderschön, Nina“, stotterte er respektvoll, seine Augen wanderten lüstern über jede meiner Kurven und blieben schließlich total entflammt an meinem Schambereich hängen, wo bereits erste Haaransätze sprießten, da meine letzte Rasur zwei Tage zurücklag. „So perfekt ... darf ich dich lecken? Ich will dich für vorhin entschädigen.“
Ich spürte, wie mein Körper seine Worte der Bewunderung wie ein Glückstonikum aufnahm, mein sich steigerndes weibliches Lustverlangen nicht mehr aufzuhalten war, mich buchstäblich gefangen nahm. Doch gleichzeitig mehrte sich im Hintergrund meine Sorge wegen Ulrichs Rendezvous mit der potenziell lebensverändernden Gefahr rasant. Die Bilder von Achmet, die unscharfen, jedoch noch sehr präsenten Erinnerungen an den fotomodellreifen Kunden davor, vermischten sich mit der aktuellen Hitze der ungezügelten Begierde. Es war, als würde eine eiskalte Hand mein Herz umklammern, während mein Körper nach mehr verlangte, ja unüberhörbar danach lechzte. Jeder Kuss, jede Berührung, jeder Atemzug war nun durch diesen düsteren Schleier der Angst gefärbt. Ich wusste, ich durfte ihn nicht anstecken. Die Konsequenzen wären für ihn, für mich, für Thomas katastrophal. Aber er wollte es so. Alles ohne Kondom – kein Schutz, volles Vergnügen, absoluter Genuss. Er hatte es gewollt, gerade deswegen – und sollte bekommen, wofür er bereit war, so viel zu opfern: einen beträchtlichen Teil seines knappen Studentenbudgets und – ohne es zu ahnen – vielleicht noch weit mehr. Es war ein unheimlich hoher Preis, den er zahlte.
Ulrich sank vor mir nieder, seine Zunge fuhr genüsslich über meine Schamlippen, saugte sich an meinem Kitzler fest, nahm meinen Saft auf. Seine Bewegungen waren amateurhaft, improvisiert, aber voller Inbrunst. Dass meine Vagina nicht mehr frisch und sauber, sondern heute bereits benutzt war, schien ihn in seinem Fetisch nicht abzustoßen, sondern zu beflügeln. „Mmh, du schmeckst so gut“, hauchte er gegen meine weiche Haut, seine Stimme war kaum mehr als ein Summen, gedämpft von meiner Feuchtigkeit. „So süß, so geil, so lecker.“ Die Lust überrollte mich, ich verlor mich in den Empfindungen, während der kühle Mantel der Angst immerfort nur einen Hauch entfernt blieb. Ich bekam völlig unerwartet einen Orgasmus, stöhnte laut auf, krümmte mich leicht. „Ja!“, stieß ich einen Schrei aus. „Ja, Ulrich! Gib’s mir!“
Ulrichs Glied war nun wieder ganz steif, hart und bereit. Er wollte mich reiten. Er legte sich aufs Bett und ich setzte mich auf ihn, fühlte, wie sein Penis sanft und doch bestimmt in meine klitschnasse Scheide glitt. Die erste Reibung, das Gefühl, ihn tief in mir zu spüren, ließ mich spontan aufkeuchen. Ich begann, mich im Rhythmus auf und ab zu bewegen, ein langsamer Tanz, ja ein gemächlicher Walzer der Lust, der mit jedem neuen Takt an Tempo gewann. Während des Ritts stöhnte er euphorisch, seine Stimme hallte im kleinen Zimmer wider. „Ah, Nina! Es ist so lustvoll! So erregend! Endlich in deiner besamten Muschi zu sein ... es ist ein Traum!“
Meine Sorge wuchs mit jedem Stoß, mit jeder seiner überschwänglichen Bemerkungen. Ich sah sein vor enthemmtem Verlangen verzerrtes Gesicht, seine unschuldigen, weit geöffneten Augen und ein Messerstich durchfuhr meine Seele. Ich war in diesem Moment nicht nur Nina, die verruchte Hure, die die geheimsten Fantasien ihrer Klienten erfüllte und anspruchsvolle Männer glücklich machte. Ich war Elke, die Frau, die wusste, dass sie womöglich gerade das Leben dieses sympathischen, jungen Draufgängers für immer zerstörte. Doch ich durfte es mir nicht anmerken lassen. Ich spielte seine Euphorie mit, stieß mein Becken gegen ihn, bewegte mich wie besessen synchron im Rhythmus seiner Lust, die Furcht wie einen eisernen Ring um mein Herz gelegt. „Ja, Liebling, reit mich!“, rief ich voller Ekstase. „Nimm mich ganz! Ich will dich tief in mir spüren!“
Schließlich wechselten wir die Position. Er lag nun auf mir, drang wieder in mich ein, seine Hüften stießen energisch gegen meine. Er würde bald kommen, deutete er an. Ich befeuerte ihn nun zusätzlich mit derber Sprache, dem vulgärsten Vokabular, das mir auf Anhieb einfiel, wollte ihn zur Klimax hochpeitschen, ihn regelrecht in einen drogenartigen Wonnerausch versetzen. „Dein Schwanz ist härter als der des Türken!“, flüsterte ich ihm ins Ohr und schien in diesem Augenblick sogar selbst zu glauben, was ich von mir gab; meine Stimme war rau und heiß. „Er ist so geil! Ich will dich ganz! Dass du deinen Samen komplett in mir entlädst!“ Ich war kurz vor einem weiteren Orgasmus. Ulrich stieß einen dröhnenden Schrei aus, ein animalisches Donnern der absoluten Hingabe, und drückte ab. Sein Sperma füllte mich, warm und reichlich.
Wie gehabt, zeigte ich ihm die milchige Flüssigkeit, die aus mir quoll, hielt meine gespreizten Schenkel hoch, damit er es sehen konnte. „Junge, du hast die Reifeprüfung bestanden“, ächzte ich mit letzter Kraft, meine Stimme war heiser, belegt von der körperlichen Verausgabung und der Mischung aller nur erdenklichen Emotionen.
Ulrich schnappte nach Luft, seine Augen glänzten vor Befriedigung. „Oh, Nina“, flehte er, „bitte, bitte ... lutsch meinen kleinen Freund mit deinem Mund rein und schluck die Reste.“
Ich nickte, wusste, dass dies Teil des Deals war, Teil seiner Erwartung. Ich tat, wie er es verlangte. Er jubelte vor Begeisterung, ein lauter, triumphierender Siegeschrei, der durch das kleine Zimmer fuhr. „Ulrich, du warst heute ein richtiger Mann und obendrein so mutig“, schmeichelte ich ihm, mein Blick fest auf seinen gewandt, wohl wissend, in welche existenzielle Gefahr sich mein Partner gerade begeben hatte.
Kapitel 23: Der Zusammenbruch
Kaum hatte ich gegenüber meinem jugendlichen Liebhaber diese anerkennenden Worte ausgesprochen, überkam mich eine eruptive Welle von Übelkeit. Ein widerwärtiger Geschmack schoss mir in den Mund und mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Ohne Vorwarnung. Ich taumelte angeschlagen aus dem Bett, stolperte benommen in Richtung der kleinen Badzimmertür und riss sie auf. Gerade noch schaffte ich es zur Toilette, bevor mein Mageninhalt schwallartig aus mir herausbrach und ich mich über der Kloschüssel übergab. Es war ein bitteres, krampfartiges Erbrechen, das nicht enden wollte, und mit jedem Auswurf schienen sich all der Ekel, die Angst und die Schuld der letzten Stunden aus mir herauszuwürgen.
Hinter mir vernahm ich Ulrichs verblüffte Stimme: „Nina? Was ist los? Geht es dir gut?“ Er war durch den Vorfall sichtlich überfordert und verharrte unschlüssig wartend in der Tür; eine Mischung aus Verwirrung und Besorgnis stand ihm im Gesicht, als ich kurz zu ihm zurückblickte. Er sah so jung und hilflos aus in diesem Moment, meilenweit entfernt von der brutalen Wirklichkeit meiner Gefühle.
Noch benebelt wankte ich zum Waschbecken, spülte mir den Mund aus, wischte ihn ab und benetzte mein Gesicht, um wieder zu mir zu kommen. Dann drehte ich mich um, versuchte neuerlich, meine Maske der unnahbaren Traumfrau aufzusetzen, so schnell es möglich war. Mein Antlitz musste blass, nein kreidebleich erscheinen, meine Lippen zitterten noch leicht. Ich zwang mir ein schwaches Lächeln auf. „Ach, Liebling“, räusperte ich mich, meine Stimme war beschlagen, aber ich gab mir alle Mühe, sie zu festigen. „Das im Bett vorhin ist ... das ist einfach zu viel des Guten gewesen. Du warst so verdammt heiß, so unendlich leidenschaftlich ... mein Körper war einfach überwältigt.“ Ich trat näher, legte meine Hand auf seine Brust. „Manchmal passiert das, wenn die Lust so groß ist, dass die Hormone verrücktspielen, der Körper nicht mehr weiß, wohin mit all den Emotionen. Und die Zigarette vorhin auf nüchternen Magen ... ich rauche extrem viel, wie du weißt, bisweilen mehr als mir guttut, und das fordert ab und an seinen Tribut.“ Ich zuckte mit den Achseln, spielte es herunter.
Ulrichs Miene hellte sich sofort auf und seine Sorgenfalten verschwanden. Ein Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus und der Rest seines anfänglichen Unbehagens schmolz dahin. „Wirklich?“, fragte er, seine Augen strahlten vor Stolz. „So gut war ich? Dass du dich übergeben musstest?“ Er schien es als ultimatives Kompliment zu verstehen, als Beweis seiner Männlichkeit und meines tiefen Genusses. Er zog mich an sich, küsste meinen Scheitel. „Das ist ja unglaublich, Nina. Ich wusste, dass ich dir eine unvergessliche Erfahrung schenken würde. Aber das ...“ Er schüttelte ungläubig den Kopf, frohlockte vor Glück. „Gut zu wissen. Ich hab’s wirklich drauf. Meine Mädels bisher waren wohl zu doof, zu erkennen, was sie wirklich an mir haben.“
Mir wurde speiübel, aber ich überwand mich zu einem gekünstelten Lächeln, das nicht einmal mich mehr überzeugte. Seine Reaktion war genau das, was ich gebraucht hatte, um die Situation vor der endgültigen Entgleisung zu retten. Er verstand es auf seine Weise und ich konnte meine Rolle weiterspielen, ohne mich über die wahren Gründe zu erklären.
Die Übelkeit hatte langsam nachgelassen, aber mein Magen verkrampfte sich immer noch. Ich brauchte einen Moment für mich, um die Fassade, die tiefe Risse bekommen hatte, nicht brechen zu lassen. „Ich muss kurz auf die Toilette, Ulrich“, kündigte ich an, meine Stimme war nach wie vor rau belegt vom Erbrechen. Ich wollte einfach nur kurz allein sein, um etwas Luft zu holen und die Kontrolle über die Panik zurückzugewinnen.
Doch Ulrichs Augen leuchteten diabolisch auf, ein schelmischer Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Oh, Nina! Darf ich zuschauen?“, bat er neugierig, voller unverhohlener Erregung, die er nicht hinter dem Berg hielt. „Das würde mich total anturnen! Das ist doch bei dir auch ein erlaubtes Tabu, oder?“ Er bedrängte mich, seine Hände wollten mich umfassen, seine Augen blickten erwartungsvoll.
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Das war es also. Die nächste Grenze, die Nina überschreiten sollte. Ich riss mich mit letzter Kraft zusammen, ruhig zu bleiben und mein Lächeln nicht erstarren zu lassen. „Liebling“, sagte ich, meine Stimme tiefer, verheißungsvoller, obwohl ich innerlich schrie. „Ich muss auf die große Seite. Und selbst für Nina gibt es Momente, die man lieber für sich behält. Das ist kein Akt für mein Publikum, Schatz.“
Die unappetitlichen Gase, die meinem Verdauungstrakt entwichen, waren erfahrungsgemäß besonders intensiv, wenn ich auf die große Seite musste. Ich wollte uns beiden diese Peinlichkeit ersparen. Ich strich ihm mit zwei Fingern zärtlich über seine Backen, schob ihn leicht von mir weg, aber mit einem vielsagenden Blick, der andeuten sollte, dass er sich auf andere, noch aufregendere Dinge freuen konnte.
Doch Ulrich ließ nicht locker. Sein Grinsen wurde breiter, fordernder. „Ach, komm schon, Nina! Sei doch nicht so spießig! Du bist doch eine Tabulos-Hure, oder nicht? Ich hab gehört, bei euch gibt es keine Grenzen. Alles ist Verhandlungssache. Und ich hab noch 100 Euro übrig. Nur fürs Zuschauen. Ich will unbedingt sehen, wie du dir den Scheiß aus deinem Arsch drückst, Nina. Und mitbekommen, wie aufregend du dabei riechst. Das wäre der absolute Hammer. Einfach dabei zu sein. Das ist mein größter Fetisch. Das habe ich mir immer gewünscht, aber nicht auszusprechen getraut.“ Er ging zu seinen Sachen, zückte tatsächlich einen weiteren Hunderter aus seiner Börse und wedelte damit vor meiner Nase. Seine Augen funkelten in einer Mischung aus kindlichem Eifer und einer geradezu perversen Hartnäckigkeit.
Mein Atem stockte. 100 Euro. Nur für das. Ein eiskalter Schauder lief mir über den Rücken. Die Scham und der Ekel, die ich gerade noch zu unterdrücken versucht hatte, kehrten mit doppelter Wucht zurück. Es war nicht nur die Erniedrigung, die mich lähmte, sondern die erschreckende Erkenntnis, wie weit ich für dieses Geld bereits gegangen war und wie wenig ich jetzt noch Nein sagen konnte, ohne die Illusion von „Nina“ endgültig zu zerstören. Er hatte die ultimative Grenze gefunden und er wusste es. Ich sah ihn an, wie er dastand, nackt, sein Glied noch immer erigiert, in seiner infantilen Unreife so verletzlich und doch so grausam fordernd.
Mit einer raffgierigen Bewegung, die mich selbst überraschte, griff ich reflexartig nach dem 100-Euro-Schein, der in seiner Hand schwebte. Meine Finger schlossen sich darum, zerknüllten ihn leicht, während ich meine Faust ballte. Er war die Bestätigung. Der Preis für diesen letzten Rest meiner persönlichen Würde.
Ein Seufzer, so leise, dass er fast im Lärm meines eigenen Blutdrucks unterging, entwich mir. „Na gut, Liebling“, gab ich mich korrumpiert geschlagen, meine Stimme klang seltsam hohl, selbst für mich. Ich legte das Geld zum restlichen in dieser Nacht verdienten Schandlohn in meine stylische Damentasche, wandte mich dann wieder Richtung Toilette, huschte hinein, all das, ohne ihn anzusehen. Ich hörte, wie er direkt davor Stellung bezog, in aufgeladener Vorfreude schwer atmete. Jeder Laut, jedes Geräusch, jeder Mief, was auch immer ich verursachte, würde nun von ihm aufmerksam registriert werden, Teil dieses abnormen Spektakels sein. Die Toilettentür hatte ich einen schmalen Spalt offen gelassen, gerade so viel, dass er meine Silhouette sehen konnte, als ich mich aufs Klo setzte. Die Würde eines komplett geschlossenen Raumes blieb mir verwehrt, eine offene Bühne für meine Demütigung bot ich aber auch nicht.
Der stechende Geruch des Putzmittels, der den Raum bis dahin dominiert hatte, vermischte sich nun mit dem aggressiven Gestank meiner Exkremente. Das hässliche Geräusch, mit dem der Druck aus mir entwich, als ich meine Dämpfe fahren ließ, ähnelte einem lauten Knall. In der engen Zelle roch es fortan noch viel schlimmer, als ich befürchtet hatte. Ich drückte. Es war nicht das körperliche Bedürfnis, das mich zur persönlichen Überwindung zwang, sondern die schiere Notwendigkeit, meinem spendablen Freier diesen letzten, grotesken Wunsch zu erfüllen. Bei jedem Schub, der aus mir drang, spürte ich förmlich seine Beobachtung, seine imaginäre Anwesenheit, die mich bis ins Mark frösteln ließ. Ich hörte sein leises Stöhnen, die unmissverständliche akustische Signatur seiner unendlichen Erregung – und mir war zum Kotzen. Das war der absolute Tiefpunkt. Das war nicht mehr Nina. Das war Elke, die ihre Seele verkaufte, Stück für Stück, und dabei in einen Abgrund starrte, aus dem es kein Entkommen zu geben schien.
Ich betätigte die WC-Spülung mehrfach, wusch mich gründlich, verwendete dankbar die vorhandene Seife, bis ich mich einigermaßen gereinigt fühlte. Jeder einzelne Handgriff war mechanisch, ohne Gefühl. Als ich die Badezimmertür wieder öffnete und in den Hauptraum trat, lag Ulrich nackt auf dem Bett; sein vergnügter Blick glühte vor Begeisterung. Und sein Penis, abermals hart und steif, hatte sich auf ihm aufgetürmt, ein unerwarteter, an sich widerlicher Beleg seiner sprichwörtlichen „Steherqualitäten“. Ich konnte mich, als ich ihn da so fröhlich-lässig warten sah, trotz allem meiner widersprüchlichen, beinahe absurden Faszination für diesen feschen Studenten nicht erwehren – mein Freier war ohne Frage, ungeachtet seiner bizarren Neigungen, körperlich eine extrem spannende Partie.
Mein Blick streifte sein erigiertes Glied, um darauf einen Herzschlag länger zu verweilen, als ich es mir gegenüber selbst zugeben wollte. Mein Gesicht, das wusste ich, war eine brüchige Maske, doch in mir herrschte eine gefährliche Ambivalenz aus äußerlicher Anziehung und innerlicher Abscheu. Ich zwang mir das professionellste, sinnlichste Lächeln auf, das ich in diesem Augenblick noch aufbringen konnte. „Sieh mal an, mein großer Junge“, gurrte ich nicht ohne unterschwelligen Zynismus, meine Stimme war überraschend fest, beinahe spielerisch, als wäre nichts gewesen. „Du bist ja schon wieder bereit für Nina. Ich wusste, ich würde dich verrückt machen.“
Ich ging direkt auf ihn zu, meine Bewegungen waren geschmeidig, gekonnt, als würde ich keine Sekunde zweifeln. Ich wollte mit ihm die Vorzüge des Aktes nochmals genießen. Ich legte mich daher zu ihm ins Bett, meine Hände umspielten seinen Kolben, strichen ihn sanft. „Dieser Blick durchs Schlüsselloch, was? Scheint dich wirklich angemacht zu haben.“ Ich lachte leise, ein tiefes, verheißungsvolles Lachen, das die Leere in mir perfekt überdeckte. „Kein Wunder. Nina ist eben für alles gut.“ Ich machte wieder das Cowgirl, wie es in der einschlägigen Fachsprache so heißt, und positionierte mich auf ihm, bereit, die Schlussrunde meines Husarenritts zu bestreiten.
Mir war bewusst, dass dies mein letzter Sex für längere Zeit sein könnte. Thomas würde mich schon zum Eigenschutz nicht mehr anrühren, bis mit Gewissheit geklärt war, ob ich mir bei meiner Tour de Force einen blinden Passagier mit an Bord geholt hatte, und ein solches unliebsames Souvenir therapiert war. Sollte es sich im Worst Case als unheilbar herausstellen, war’s das dann endgültig und ich würde nie wieder unbekümmert sexuell verkehren können.
Die zweite Runde war kürzer, doch nicht weniger intensiv für Ulrich. Er sahnte meine Pussy erneut ein, seine Schreie dröhnten durch das kahle Zimmer. Und in diesem Moment des Höhepunktes, während sich sein Körper an meinen presste und die Wucht seines Orgasmus in mir nachhallte, durchzuckte mich überraschend ein letzter, heller Blitz der Lust. Es war nicht der ekstatische, ultimativ überwältigende Orgasmus wie mit Achmet noch die befreiende Befriedigung mit Ulrich zuvor, aber ein schneller, fast verzweifelter Kontrakt meiner eigenen Muskeln, der eine Welle heißer Entspannung durch mich sandte. Ein letzter, kleiner Funke der Sinnlichkeit, der sich gegen all die Widrigkeiten stemmte, ein winziger Triumph meines Körpers inmitten des ganzen Chaos. Als ich mich erschöpft zurückfallen ließ, die Spuren von Ulrichs Sperma von meinen Schenkeln wischte und er mir ein anerkennendes Augenzwinkern zuwarf, schob sich bei mir ein einziger Gedanke in den Vordergrund: Eine Zigarette musste her, und zwar sofort! Ich konnte es nicht länger ertragen, brauchte jetzt unbedingt die dringend benötigte Nikotinauffrischung.
„Ich halt’s nicht mehr länger aus, muss jetzt rauchen“, gab ich Bescheid und erhob mich. Wir stiegen aus dem Bett und Ulrich begann, seine Sachen zusammenzusuchen und sich anzuziehen. Er brabbelte währenddessen unentwegt; seine Worte waren ein einziger Strom der Bewunderung. „Nina, das war ... das war der geilste Tag meines Lebens! Ich kann es gar nicht glauben. Endlich Sex, der diese Bezeichnung verdient! Was bei mir bisher im privaten Bereich gelaufen ist, kannst du getrost vergessen. Ich habe zwar keinen Vergleich mit anderen Prostituierten, aber das war eine galaktische Erfahrung aus einer anderen Welt. Du warst so ... so grenzenlos. So unglaublich! Du bist der Wahnsinn! Der absolute Wahnsinn!“
Seine Schmeicheleien, so naiv und selbstbezogen sie auch waren, trafen einen kleinen, verborgenen Teil in mir. Sie waren eine Bestätigung dessen, was ich gesucht hatte: die Anerkennung als sexuell unwiderstehliche Frau, eine „Sex Bomb“, wenn man so will. Ein seltsamer Hauch von Milde schlich sich in mein zerrüttetes Inneres. Wenn ich schon so tief gesunken war, wenn ich schon so viel geopfert hatte, dann sollte es wenigstens etwas wert sein. Ich wurde gut bezahlt, er hatte seine schmutzigen Träume erfüllt bekommen und meine Show war so glaubhaft gewesen, dass er keinen Schimmer von meinem inneren Kampf hatte. Das war eine Art von Erfolg, so leer, so vergänglich er auch war.
Ich zündete meine Zigarette an; sie tat gut, der Rauch beruhigte meine strapazierten Nerven. Dann begann ich, mich unter Ulrichs beobachtendem Blick anzuziehen. Jedes Teil meines Latex-Outfits – das Kleid, der BH, der Slip, die Strümpfe, die Stiefel – alles wurde wieder zu meiner Rüstung, die ich Schicht für Schicht anlegte. Er saß bereits angekleidet auf dem Bettrand und sah mir dabei zu, seine Augen immer noch voller Bewunderung. „Du siehst einfach unfassbar gut aus in dem Zeug“, posaunte er. „Ich könnte dich den ganzen Tag nur ansehen – und ficken.“
Als ich fertig war, trat ich vor ihn. Ein letzter Akt der Intimität. Ich beugte mich zu ihm hinunter, berührte sein Gesicht mit meinen teerigen Fingern und küsste ihn. Es war ein langer, leidenschaftlicher Kuss, den ich aus dem tiefsten Punkt meiner Seele hervorholte, der bestätigen sollte, wie gut es mir gefallen hatte mit ihm, wie sehr ich ihn begehrt hatte. Eine letzte Lüge, perfekt inszeniert. Ich spürte seinen Speichel, seinen sauberen Nichtraucheratem und nahm die Erinnerung an seinen reinen Geschmack auf meiner Zunge mit – im krassen Gegensatz zu dem herben Aroma, das ich ihm einflößte. Als ich mich löste, atmete Ulrich schwer, seine Augen waren glasig vor Glück und Befriedigung.
Kapitel 24: Das unrühmliche Ende des Abenteuers
Die Rückfahrt mit Ulrich zum Strich war für mich ein bedrückendes Kontrastprogramm zur Leichtigkeit und zum hoffnungsvollen Zauber unseres Aufbruchs von ebenda, ein ernüchternder Ausklang ohne Glanz und Glamour. Der futuristische Tesla schwebte wie ein UFO lautlos durch die nächtlichen Straßen Wiens, doch mein Körper rebellierte, als befände ich mich auf einem Schiff in Seenot. Meine Haut triefte vor abgestandenem Schweiß, ich litt unter ständigen Blähungen und roch nach Scheiße. In meinem Kopf tobte ein unbarmherziger Sturm. Ich zündete mir eine Zigarette nach der anderen an; der Rauch war mein einziger Anker in diesem Mahlstrom der Gedanken. Jeder Zug betäubte meinen Schmerz, linderte mein Leid nur für einen flüchtigen Moment, bevor die Bilder und Gefühle der letzten Stunden mit vielfacher Heftigkeit zurückkehrten.
Am präsentesten war die kalte, nagende Angst, mich bei Achmet infiziert zu haben. Die Vorstellung, eine Krankheit in mein sorgfältig geordnetes Eheleben mit Thomas einzuschleppen, war unerträglich. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. „Wie soll ich ihm das beibringen?“, überlegte ich verzweifelt. „Wie soll ich ihm erzählen, was ich wirklich getan habe, welche Tabus ich alle gebrochen habe, dass es mir zeitweise sogar großen Spaß gemacht hat und welche potenziellen Konsequenzen das jetzt für uns beide hat?“ Die Beklemmung schnürte mir die Kehle zu.
Dann war da die Sorge um Ulrich, diesen naiven, lustgetriebenen Jungen, der mich in erster Linie für sein persönliches Vergnügen benutzt hatte, auch wenn ich dabei unerwartet meine eigene Lust fand. Ich fürchtete, ihn angesteckt zu haben, und die Gewissensbisse fraßen mich auf. Seine hartnäckige Ignoranz, die von mangelnder Reife zeugte, machte es nur noch schlimmer.
Ulrich selbst schien sich derweil in seiner eigenen, glückseligen Blase zu sonnen. Er schwärmte nach wie vor pausenlos vom Sex mit Nina, überhäufte mich mit den heißesten Komplimenten. „Nina, das war der absolute Wahnsinn! Du warst unglaublich! Du warst absolut jenseits von allem, was ich mir je erträumt habe!“, sprudelte es aus ihm heraus. Seine Augen leuchteten noch immer vor ungetrübter Euphorie. „Niemand, wirklich niemand, kein weiblicher Pornostar, kein Nutteninserat aus dem Internet, hat mich je so in den Bann gezogen. Du bist eine Naturgewalt! Ein totales Erdbeben meiner Sinne! Du warst jeden Cent wert und noch mehr. Nina, ich werde die Nacht mit dir nie vergessen!“ Er schien jede Minute unserer sexuellen Begegnung noch einmal zu durchleben, völlig unberührt von der stillen Panik neben sich, nichts ahnend von dem, was womöglich auch auf ihn zukam.
Und das Rauchen im Auto? Das, was auf der Hinfahrt noch undenkbar gewesen war, weil es die Fassade des braven Studiosus und das makellose Bild seiner Eltern von ihrem Filius zerstören könnte, war ihm in seiner totalen Verzückung nun völlig egal. Ich rauchte Zigarette um Zigarette und Ulrich schien es nicht einmal zu bemerken, geschweige denn sich daran zu stoßen oder auch nur die Nase zu rümpfen.
Erst nach einer Weile, als mein langes Schweigen immer lauter wurde und der Rauch in der Kabine dichter, sodass ich mich veranlasst sah, das Fenster einen Spalt weit zu öffnen, merkte Ulrich, dass etwas nicht stimmte. „Nina? Alles okay? Du bist so still geworden“, fragte er, ein Anflug von Unsicherheit schwang in seiner Stimme mit.
Ich inhalierte tief, ließ den Rauch fest an meiner Lunge kratzen und blies ihn in Zeitlupe aus. „Ulrich“, begann ich, meine Stimme war rau und ernst, ganz anders, als die verführerische Nina sprach. „Du bist noch jung. Das hier ... das ist eine Welt, die ihre eigenen Regeln hat. Und ihre Konsequenzen.“ Ich drehte meinen Kopf und sah ihn eindringlich an. „Wirst du jetzt öfter solche Erfahrungen suchen?“
Ulrich zuckte die Achseln, ein verträumtes Lächeln auf den Lippen. „Vielleicht. Wahrscheinlich. Gewiss. Das war einfach zu geil, um es bei dem einen Mal zu belassen.“
„Dann musst du aber auch an deine Verantwortung denken, Ulrich“, mahnte ich leise, aber mit Nachdruck. Meine Stimme war jetzt die von Elke, die vergeblich versuchte, diesen jungen Mann vor den Gefahren zu warnen, die ich selbst gerade am eigenen Leib erfahren hatte. „Bevor du dich mit einer neuen Partnerin einlässt, solltest du dich testen lassen. Auf Geschlechtskrankheiten. Das ist das Mindeste, was du tun kannst. Wir Prostituierte müssen uns auch regelmäßig testen lassen, weißt du? Und dieses Warten auf das Ergebnis ... das ist nicht leicht. Es ist ein Albtraum, zerreißt einem jedes Mal die Nerven. Das Leben hat Konsequenzen, die nicht immer offensichtlich sind. Denk darüber nach, was du tust und mit wem.“
Ulrich nickte zerstreut, mehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. „Mach ich, Nina. Keine Sorge. Ich habe da schon ein sehr exklusives Escortgirl im Auge, von dem habe ich gelesen, dass es allen Männern den Verstand raubt, weil bei ihm Bareback vorausgesetzter Standard ist. Es verlangt 1.000 Euro in der Stunde, ein nicht herunterhandelbarer Pauschalpreis, selbst wenn jemand bloß safe verwöhnt werden will. Dafür muss ich jetzt noch eine Weile sparen.“
Ich resignierte. Was zu sagen war, war gesagt. Und traf auf einen Boden, wo es nicht fruchtete.
Wenige Minuten später hielt das Elektroauto am bekannten, immer noch von unzähligen käuflichen Damen gesäumten Straßenrand, genau dort, wo mein Abenteuer vor wenigen Stunden so vielversprechend begonnen hatte. Ich verließ den Wagen, das Latexkleid knisterte leise im Wind, als wollte es sich von mir lösen. Ohne ein weiteres Wort oder einen Blick zurück zu Ulrich, der noch immer mit einem seligen Grinsen hinter dem Lenkrad saß und alsbald abfuhr, griff ich sofort nach meinem Handy. Meine Finger zitterten, als ich Thomas’ Nummer wählte.
„Thomas“, presste ich hervor, meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, gezeichnet von meiner vollkommenen Erschöpfung und dem Grauen dieser Nacht. „Ich bin fertig. Bitte komm schnell und hol mich ab, ich kann nicht mehr!“ Der letzte Satz zerbrach fast in meiner Kehle. Die Worte waren ein Ausdruck meiner vollständigen Kapitulation, ein Hilfeschrei, der das Ende von Ninas Existenz besiegelte. Ich fühlte mich trotz meiner imposanten Statur wie ein kleines Häuflein Elend.
FORTSETZUNG FOLGT!
PS: Wieder sind wir an einem markanten Punkt angelangt, an dem es der Interpretation und Fantasie überlassen bleibt, wie es mit Elke und Thomas weitergeht. Ich überlege ernstlich, dies in einem Schlussteil zu Papier zu bringen, der erneut meinen Ansprüchen und euren Erwartungen an ein solches Finale entspricht – eine hohe Hürde nach dieser Steilvorlage, die Kreativität und Zeit brauchen wird.
Ich freue mich auf eure – hoffentlich positiven – Rückmeldungen, am liebsten natürlich die Bestnote, Kommentare und auch Ideen. Vergesst auch nicht meine anderen Geschichten. Mein heimlicher Favorit ist und bleibt „Amina und der Jurist – Ungewöhnliches Matching einer Partnersuche“, nach meinem Dafürhalten die perfekte Erotikstory mit einer sehr persönlichen Note, in der extrem viel Herzblut steckt, die jedoch von manchen bewertungsmäßig sehr kühl aufgenommen wurde und zu der ich leider noch keinerlei spezifizierte Stellungnahme bekommen habe, die ich mir eigentlich erwartet und gewünscht hätte.
Bleiben wir im Austausch und Danke für jedes anerkennende Feedback!
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