Das Wunder der sterne , Teil 11 (fm:Sonstige, 20501 Wörter) [11/11] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: RalfB | ||
| Veröffentlicht: Jun 18 2026 | Gesehen / Gelesen: 0 / 0 [0%] | Bewertung Teil: 0.00 (0 Stimmen) |
| Wie versprochen, aber auf dieser Seite mein vorerst letzter Beitrag. Euch viel Spaß beim Lesen | ||
Ersties, authentischer amateur Sex
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„Mögen alle Götter dieser Welten mit uns sein, wenn diese Truppe mal erwachsen werden sollte. Wir werden leiden. Wir werden so sehr leiden!“
Genau jetzt dachte Andreas schon wieder an diese beschissenen Orden und seine Befehle. Er wollte diese Dinger nicht und brauchte sie auch nicht. Die gingen ihm nur auf die Nerven.
Man musste sie ordentlich anheften und schön sauber halten. Musste die Uniform in die Reinigung, hattest du die Dinger dann wieder alle zu entfernen und immer wieder neu dran zu pinnen. Nichts, was Herr Admiral Andreas Müller lustig fand. Mit den Dingern konntest du rein gar nichts machen, außer nerven lassen und jetzt noch dieser Flug, um sich dann mit noch so einem Teil herum zu ärgern. Angeblich war es auch noch der schwerste und größte von allen. Der goldene Stern der Galaxy, aus reinem Gold. Was für ein Mist. Dafür musste er vielleicht sogar seine Uniform verstärken lassen. Aber sicher nicht… Außer Andreas fanden aber alle genau seine Reaktion schon wieder ziemlich lustig.
Viel wichtiger als so dumme Termine waren für ihn so Kleinigkeiten, wie der immer noch nicht entschiedene Name des neuen Regierungssitzes. Keppler Station? Das konnte doch nur ein Witz sein. Und doch fanden die Vertreter der verschiedenen Welten keinen Konsens für einen gescheiten Namen. Demokratie und gleiche Rechte hatten auch Nachteile. Andreas hatte sogar mal gewitzelt, dass der Schuppen schon längst einen Namen hätte, wenn er alleine der König der Welten wäre. Regierungsangelegenheiten nervten.
Natürlich fand Andreas darum auch immer wieder neue Gründe, den ein oder anderen Halt einzulegen, oder eben total wichtige Umwege zu machen.
Irgendwann, um diese Zeit hatte Admiral Peter Hardwell wieder eine seiner weniger erfreulichen Verpflichtungen zu erledigen. Dieser ließ den Typen da oben einfach herumziehen und machen, war sich sicher, dass er erst in Monaten zu dieser Veranstaltung kommen müsste, denn früher wäre dieser Typ ja sowieso nicht angekommen. So nutzte er die Zeit und schob eine andere wichtige Sache dazwischen.
Zum besseren Verständnis stellen wir uns jetzt aber an dieser Stelle erst mal einen neuen Charakter vor. Einen Charakter, der nicht weniger speziell, als eben dieser unseres Andreas Müller war.
Die Beiden hatten sich bisher noch nicht kennen gelernt und hatten sich noch nie gesehen. Wenn Andreas aber der Typ war, der Kriege mit seiner einzigartigen Art beendete, dann war Marvin Block so ziemlich das Gegenteil davon. Stell dir einen richtigen nervigen amerikanischen Heldenfilm vor. Einen total unrealistischen Superhelden, mit einem unglaublich unrealistischen Sonnyboy Lächeln und so einem tierischen Drang, mit seinem Heldentum zu nerven. So einen Typen, der so lässig alles rockt. Du weißt was ich meine, oder? Denk mal an:
„Ich bin RAMBO… John J. Rambo… und ich mache euch alle platt…!““
Genauso stellt man sich hier und jetzt erst mal Major Marvin Block vor. Als Sohn eines Colonels des US Marine Corps entstammte er einer Militärfamilie mit ewig langer Tradition. Ausnahmslos jeder männliche Nachkomme dieser Dynastie leistete seinen Beitrag in irgendeinem Teil der US-Streitkräfte. Natürlich galt das somit auch für Marvin.
Das Leben begann, für diesen Burschen, schon direkt nach der Lauffähigkeit mit Lernen von Tradition, Ehre, Respekt und Kampftraining. Er besuchte die Marine Hochschule in Quantico, Virginia und hatte damit die besten Voraussetzungen, eine eindrucksvolle Kariere bei den US-Militärs zu beschreiten. Dazu passte gut, dass er kurz nach Abschluss der Akademie bei den Navy Seals Aufgenommen wurde. Hier war er einer der Besten und ein echtes Tier. Alles gut… Oder eben auch nicht, denn was nicht passte war, dass er zwar kämpfen konnte, wie kaum ein anderer, aber auch gegen seine Vorgesetzten kämpfte, wenn er das für nötig empfand.
In Afghanistan war er in einem Einsatz aktiv und führte dort ein Seals Team an. Hier stöberten sie eine Gruppe von Müttern, mit ihren sehr unterschiedlich großen Kindern auf. Diese entdeckten sie in Mitten eines brutalen Feuergefechts in einem Keller versteckt. Marvin kommandierte eine seiner Seals zum Schutz dieser Gruppe ab. Eine richtige und wilde Kampfmaus, mit extrem großem Beschützerinstinkt. Damit schwächte er seinen eigenen Einsatz, riskierte den Erfolg, passte sich aber der geänderten Situation an. Eigentlich eine gewollte Stärke der Seals.
Das Team schloss die Mission erfolgreich ab und barg die Gruppe einheimischer Zivilisten unter Feuer bei fast unglaublichen Bedingungen. Auch hier leisteten sie sich wieder kritisierte Handlungen. Zwei Seals, die beide leicht verletzt waren, übernahmen die Abwehr der Angreifer. Der Rest nahm sich jeder eines der kleinsten Kinder auf die Arme, schützten sie so mit ihren Rücken, die ja in schusssicheren Westen steckten und rannten. Vor ihnen trieben sie die anderen Zivilisten her, die somit Seals als Deckung hinter sich hatten.
Sie schafften es, konnten alle lebend in einem Sanitätslager sicher abgeben und waren extrem zufrieden. Nur bekam Marvin dafür einen unglaublichen Anschiss von seinem kommandierenden Offizier. Dieser tobte und verpasste der gesamten Seals Truppe einen riesigen Einlauf, für diesen Leichtsinn und das unnötige Risiko.
Die Seals nahmen es mit Hass und Zorn, unter schwer verdrängter Wut. Der miese Spruch, des Kommandeurs:
„Diese primitiven Einheimischen sind nicht unser Problem. Die sollen sehen, wie sie klarkommen!“
War auch nur einer von vielen dummen Sprüchen und so war die Reaktion des Majors wohl auch nur zu verständlich. Der kommandierende Offizier nahm Marvins Rechte in wohl geführter Aufwärtskurve mit dessen Unterkiefer und landete daraufhin im Krankenflügel der Basis. Marvin landete vor einem Militärgericht (Kriegsgericht), wo er sein Urteil und neue Befehle (Strafversetzung) zu den Army Rangern erhalten hatte. Um die Sache zu entspannen und die Streithähne zu trennen, wurde Marvin in die Armee versetzt und sollte hier etwas mehr Disziplin lernen…
Man beachte den Witz in dieser Aussage:
„Mehr Disziplin, als bei den Navy Seals?“ … Aha…
Am Rande bemerkt sei die Tatsache festgehalten, dass Marvin, sowie dessen Team und nicht sein Kommandeur einen weiteren Orden für diese Einsätze bekommen hatte.
Marvin jedenfalls machte nun die Ausbildung bei den Rangern noch einmal und natürlich schaffte er auch diese. Die Anforderungen der beiden Spezialeinheiten sind nun mal auch heute noch sehr vergleichbar. Für ihn, als inzwischen erfolgreichen und angesehenen Navy Seal war es die erwartete Hölle, jedoch konnte auch diese Ausbildung ihn nicht brechen. Im Gegenteil. Er überzeugte und gewann noch viel mehr Selbstbewusstsein, wenn es auch genau daran sicher nie gefehlt hatte.
Mit nun beiden Spezialeinheiten in der Personalakte und deren Ausbildung wurde er dann für die Delta Forces angeworben, wo er weiter ausgebildet und trainiert wurde, um nun nur noch geheim, verborgen und höchst brisant im Einsatz zu sein. Hier war er nun nicht weniger kratzbürstig, nur waren seine Vorgesetzten und Kollegen jetzt eben genau von seinem Schlag. Mit seinem Team war er zu dieser Zeit nicht nur auf der Erde im Einsatz, sondern auch in diversen Einsätzen in den unendlichen Weiten des Weltalls.
Er war beispielsweise mit einem Team beteiligt, als Verräter unter den Valdari verhaftet und eingesammelt wurden. Das Weltall und seine Welten waren ihm also schon recht gut bekannt.
Als also dieser absolut „bescheidene und unbedeutende“ Soldat vor Admiral Peter Hardwells Schreibtisch strammstand, sah dieser Admiral einen langen Augenblick nur zu diesem Major auf und runzelte gedankenverloren seine Stirn. So sagte dieser dann:
„Major, ich überlege gerade, ob ich wenigstens ein einziges Mal, in meinem Leben, einen Soldaten vor mir hatte, der so viel Lametta auf der Brust hatte, wie Sie! Rühren und entspannen sie sich. Das hier dauert länger!“
Major Marvin Block war in seiner Ausgehuniform erschienen, die auf beiden Seiten seiner Brust sicher bald eine Zusatztafel beantragen musste. Er machte Eindruck. Orden, Bänder ohne Ende. Die Akte, vor dem Admiral machte das Ausmaß der Persönlichkeit vor ihm nur noch deutlicher. Admiral Hardwell hatte sie mehrfach lesen müssen und schüttelte auch jetzt noch ungläubig mit seinem Kopf.
Navy Seal, Army Ranger, Delta Force, Special Forces, mit Orden, Auszeichnungen und Belobigungen, die bequem für das Guines Buch der Rekorde reichen mussten.
Aber hier und heute war es das ja auch.
Genau der Grund, warum der Admiral genau diesen Burschen angefordert hatte. Er hatte gezielt nach dem aller besten und höchst dekorierten Krieger suchen lassen. Das Beste, was die US-Streitkräfte zu bieten hatten. Wenn auch ein besonderer Hinweis in dieser Akte eingeheftet war, der nichts anderes sagte, als:
„Achtung, ausgesprochen schwer zu führen!“
Marvin war bis zu diesem Zeitpunkt genau so schlau wie wir alle gerade und so war er entsprechend gespannt, wem er denn nun schon wieder ans Bein gepinkelt hatte, oder wer nun schon wieder etwas gegen ihn hatte. Als der Admiral dann begann zu erklären, war aber zumindest diese Sorge erst mal beseitigt:
„Major, ich habe sie persönlich ausgesucht und angefordert, weil wir ein echtes Problem haben und sie dafür wohl die beste Lösung sein könnten. Kommen sie, wir besprechen das bei einem Kaffee in Ruhe!“
So gingen die Beiden gemeinsam in einen Besprechungsraum, wo bereits eine junge Offizierin des Nachrichtendienstes wartete und eine Flut von Informationen vorbereitet hatte.
In nun lockerer Runde wurde so aufgeklärt:
„Wir haben uns in der Galaxie schon gut etabliert und eingebunden. Innerhalb der Koalition haben wir unseren Platz gefunden und sind sicher auch inzwischen eine gewisse Macht. Nur sind und bleiben wir, im speziesweiten Vergleich, eine junge und kleine Größe. Nichts Besonderes, nichts Aufregendes und einfach eine weichhäutige Truppe, ohne Schuppen, Stärken oder Krallen.
Gerade die älteren und mächtigen Völker da draußen haben somit echte Probleme damit, uns zu akzeptieren. Adelshäuser, Dynastien und all solche Gruppen machen uns das tägliche Leben unglaublich schwer. Nun, warum erzähle ich ihnen das?
Auf Nexus Prime haben wir jetzt schon einige Zeit unsere gemeinsamen Akademien und Bildungseinrichtungen etabliert und selbst auch schon einige junge Leute dort unterbringen können. Hier geht es aus unserer Sicht nicht nur um die Bildung, sondern auch gerade um die Verständigung. Unsere Jugend soll lernen, mit all den andere Spezies zusammen zu arbeiten und sich zu verstehen. Wir versuchen hier die Interspezies Gesellschaft der nächsten Generation aufzubauen.
Aktuell haben wir zwölf menschliche Studenten dort oben. Darunter auch meine Nichte. Diese jungen Leute sind Hoffnungsträger, die wir sehr aufwändig ausgesucht haben. Sie sind durch unglaublich viele Tests und Ausleseverfahren gegangen und wirklich vielversprechend. Nur ist praktisch schon jeder Student mehrfach in ärztlicher Behandlung gewesen, weil sie von anderen buchstäblich verprügelt wurden. Das ist dann auch der Grund, warum es nicht die geplanten hunderte Studenten geworden sind.
Sie haben alle grundlegende Selbstverteidigung trainiert und schlagen sich wirklich auch gut, nur hat eben alles seine Grenzen. Viviane, meine Nichte, hat keine fünfzig Kilogramm und ist nur knapp einen Meter Sechzig groß. Sie ist süß, zart und sanftmütig. Schlau wie ein Lexikon, aber eben nicht für das Kämpfen gemacht. Sie liegt gerade auf der Krankenstation und man kann genau seit fünf Tagen sagen, dass sie überleben wird.
Führer, Militärs und Diplomaten wissen wer wir sind. Die Völker darunter halten uns für Maden und damit kommen Sie nun ins Spiel. Die menschliche Führung hat alle weiteren Engagements dort oben gestoppt. Wir werden auf keinen Fall weitere Studenten dort hochschicken, wenn diese ihr Leben riskieren müssen.
Wir möchten Sie nach Nexus Prime schicken und dort als weiteren Studenten einschleusen. Sie sehen noch jung genug aus, um das zu verkaufen. Sie sollen dort nicht nur unsere Studenten beschützen, sondern diese fördern und aufbauen. Ich möchte keinen Krieg auslösen, aber meine Nichte und all die anderen dort oben haben inzwischen richtig Angst und wollen zurück zur Erde.
Mein Bruder wird mich in unserem Garten aufstellen und verprügeln, wenn ich das versaue und seine Tochter nicht beschütze. Verstehen sie?
Verstehen sie die Auswirkungen aus dieser Situation darüber hinaus? Das beendet nicht nur unsere Hoffnungen, sondern zerstört auch unser Ansehen. Persönlich kann ich aber auch sagen, dass ich es nicht ertragen will, dass unsere Hoffnungen in den OP geprügelt werden.
Was denken sie dazu? Können sie diesen Auftrag übernehmen?“
Es war eine verdammt lange Sitzung. Viele Fragen und Probleme waren zu klären und zu berücksichtigen. Marvin war weiß Gott kein dummer Mensch. Ganz im Gegenteil. Nur waren seine Akte und die mehrfachen disziplinaren Verstöße genau der Grund, warum er die Hoffnung der Erde tragen musste. Er hatte seinen Ehrenkodex im Kopf und die Fähigkeiten, diesen nachdrücklich durchzusetzen.
Marvins Frage:
„Wie soll ich das mit meiner Kariere und meiner Zukunft in Einklang bringen? Wie geht es danach für mich weiter?“
„Sie bekommen entsprechend ihrer persönlichen Ergebnisse anschließend mehrere Angebote von mir. Alle weiteren Wege werden Ihnen dann offen zur Verfügung stehen. Persönlich denke ich aber, dass Sie danach nicht mehr in ein direktes Gefecht ziehen werden, da so sehr viel mehr in ihnen schlummert!“
Als so Marvin dann abschließend fragte:
„Was ist, wenn ich jemanden in den Krankenflügel befördere, oder darüber hinaus? Bekomme ich dann wieder ein Disziplinarverfahren an die Backe?“
Da musste der Admiral doch endlich mal lachen und antwortete:
„Major. Ich verlasse mich auf sie, dass sie wissen, was sie tun und nur dann entsprechend reagieren, wenn es überhaupt nicht anders geht. Sollten sie aber den Schläger finden, der meiner Nichte genau das angetan hat und diesem etwas Anstand beibringen, werde ich mich auf jeden Fall erkenntlich zeigen!“
Während diese Besprechung nun recht locker und entspannt abgeschlossen wurde, war es viele Lichtjahre entfernt auf einer Krankenstation der Universität von Nexus Prime weit weniger entspannt. Dort lagen aktuell drei Menschen in ihren Betten und alle Drei hatten sichtliche und umfangreiche Verletzungen. Genau betrachtet hatten aber alle zwölf Studenten inzwischen aufgegeben und wollten zurück nach Hause.
Viviane Hardwell war die kleinste und jüngste Studentin, die es trotzdem mit Abstand am schlimmsten erwischt hatte. Mit ihren gerade mal sechzehn Jahren war sie als absolutes Wunderkund auf diese Uni gekommen. Sie hatte es total mit den modernen Wissenschaften, die den Menschen ja noch immer sehr fremd waren. Sie liebte alleine Worte, wie Quantenphysik, bzw. Quantenmechanik. Sie hatte eine Arbeit über Teleportation verfasst und hier bereits einige eindrucksvolle Experimente durchgeführt. Nein, sie war keine Kämpferin. Sie war eine Denkerin, wenn auch eine wirklich süße Denkerin.
Auch die anderen Studenten der Erde waren aus dem gleichen Holz geschnitzt. Die Erde wollte nicht mit Krieg und Zerstörung glänzen. Man gab sich alle Mühe, nicht nur als kriegerische Spezies gesehen zu werden, zumal die teilweise grobe Vergangenheit der Menschheit ja auch nicht mehr den aktuellen Stand widerspiegelte. Weite Teile der Menschheit waren eben keine Wikinger, sondern ganz normale Pazifisten. Möglicherweise war aber genau das der Fehler, der zu dieser aktuellen Katastrophe geführt hatte, denn dort oben, an dieser Uni, gab es somit eben keinen, der auch die andere Seite der Menschheit hätte zeigen können.
Das sollte sich ja nun ändern und ja… Das änderte sich nun auch sehr deutlich.
Major Marvin Block kam mittels seines, eigens für ihn, abgestellten Transports an einem Mittwochmorgen auf der Nexus Station an. Viele Diskussionen später hatte man sich entschieden, den Aliens eine direkte Ansage zu machen. Alleine aber ein Schiff, von der Erde zu schicken. Einen Zerstörer, der nur für ihn den Transport übernahm war schon auffallend anders. Dann betrat der Major in Zivil, unrasiert, mit wuscheligen ungepflegten Haaren und ohne Uniform den Empfang, wo Registrierung und Check-in zu erledigen waren. Hier sah das Personal ihn misstrauisch an und ein Mitarbeiter fragte verwundert:
„Sie sind ein Militär von der Erde? Sind sie hier nicht eventuell falsch?“
Eine Frage, die er mit Blick auf den wieder abdrehenden Zerstörer stellte und sichtlich Probleme hatte, Schiff und Kerl in Einklang zu bringen. Der Major verzog seine Miene zu einem übertriebenen Grinsen und fragte:
„He Alter, seh ich echt so aus?“
und sah den Sachbearbeiter nur belustigt an. Er reichte seine Unterlagen und wartete geduldig, bis der Heini von selbst darauf kam. Dieser sah an Marvin hoch und runter. Der stand dort in Bermudas, Sneakers und verwaschenem T-Shirt.
Dieser vieräugige und dürre Presswurstvertreter wich schließlich diesem beunruhigenden Blick des Menschen aus und vertiefte sich nun in seinen Datenterminal und den ihm gereichten Unterlagen. Mehr zu sich selbst, als zu jemand anderem sagte dieser dann:
„Aha, okay, ehemaliger Jungoffizier von den menschlichen Streitkräften zur Weiterbildung in Strategie, Flottenmanagement und galaktische Diplomatie? Wären sie nicht in militärischen Fortbildungen besser aufgehoben? Wieso ist ihre ganze Akte schwarz und mit diesem Zertifiziert Symbol markiert? Haben sie was verbrochen?“
„So könnte man es nennen. Ich darf nicht drüber reden. Sorry!“
Mit dieser Frage und der kurzen Antwort sah die Alian Presswurst wieder zum Menschen auf. Dieser reagierte immer noch nicht zielführender und machte die Stimmung nur noch ungemütlicher. Der Sachbearbeiter räusperte sich und bat einen Moment um Geduld und Entschuldigung, um Anweisungen von einem Vorgesetzten einzuholen.
Bereits das Ankommen war somit schon komisch und erst zwei Stunden später wurde Marvin dann endlich zu seinem Zimmer gebracht. Ein sichtlich unfreundlicher und genervter Sicherheitsmann raunzte Marvin noch an, dass er keinen Ärger machen solle und verschwand dann ohne weitere Worte, womit er den Menschen ohne Hinweis, Rat, Anweisung, oder Information alleine zurückließ.
Auf seinem Zimmer erlebte Marvin dann die nächste anfangs unangenehme Überraschung. Es war ein Zimmer, dass er sich mit einem Mitbewohner teilen musste. Nur dass dieser Mitbewohner eine sehr kleine und verängstigte weibliche Kreatur war, die ihn mit pipsiger Stimme sehr leise ansprach:
„Bei allen Sternen, du bist ein Mensch? Bitte tu mir nichts. Ich kann nichts dafür!“
Sichtlich geschockt und entgeistert sah Marvin die kleine Teddybären Maus an und erwiderte:
„Was? Wieso? Ist das ein Fehler? Du bist doch weiblich, oder nicht? Bin ich auf dem falschen Zimmer gelandet?“
Diese riesigen schwarzen Augen, die den größten Teil dieses sicher süßen Gesichts einnahmen starrten den Menschen an und mit brüchiger Stimme antwortete die Kleine:
„Ich bin Pinin und nein. Ich glaube, dass das hier Absicht war. Bitte tu mir nicht weh. Ich kann Morgen versuchen, ein anderes Zimmer zu bekommen. Die Verwaltung hier macht das immer wieder gerne, um den unwürdigen Spezies ihren Platz zu zeigen. Wirst du mir weh tun?“
Marvin drehte sich nun sichtlich nachdenklich hinter der Türe, um diese zu schließen und richtete sich anschließend zu seinem eigenen Bett, um zu antworten:
„Ich bin Marvin und nein. Ich werde dir ganz sicher nichts tun.“
Aufstöhnend ließ er sich auf sein Bett fallen, seine Tasche zu seinen Füßen und so sah er erst mal unmotiviert im Raum umher. Auf seinem Nachtschränkchen stand eine Schale, mit einer fast schon unglaublich strahlenden Blume darin. Er sah durch eine grüne Oase zu seiner Mitbewohnerin hinüber. Diese tat es ihm nun gleich und so musterten die Beiden sich erst mal schweigend, bis Marvin sagte:
„Pinin, das ist der Hammer, wie du deine Seite des Raums verwandelt hast. Das ist wie ein botanischer Garten von unserer Erde. Es riecht unglaublich gut und sieht einfach nur faszinierend aus. Sind das Pflanzen von deiner Heimat? Ist diese wunderschöne Blume hier von dir, für mich?“
Sichtlich erfreut antwortete Pinin strahlend:
„Wirklich? Es stört dich nicht? Das sind Pflanzen, die ich hier im Labor wieder belebt habe. Nachdem die Crel unsere Welt erobert hatten, waren unsere Pflanzen vernichtet. Ihr Menschen habt uns geholfen, unsere Welt wieder aufzubauen und wir bemühen uns, unsere Welt wieder so zu gestalten, wie sie früher einmal war. Ich habe Samen und Überreste mit hierhergebracht und baue neue Kulturen auf. Meine Leute schicken mir immer regelmäßig neue Materialien und ich rekonstruiere und erwecke sie wieder zum Leben. Mein Studienfach ist Biologie, Mikrobiologie und Botanik!
Ich wusste, dass ich heute eine neue Mitbewohnerin bekommen würde und wollte ihr eine Freude machen. Das ist eine Blume des Lebens. Eine Wasserblume, die ihr ganzes Leben lang blüht und leicht lumineszierend leuchtet. Sie bringt angeblich Glück und Liebe. Tut mir sehr leid. Für einen Mann ist sie sicher nicht so passend. Ich hatte es gut gemeint und konnte es ja nicht wissen!“
„Das ist mal mit Sicherheit das faszinierendste Geschenk, dass ich bisher bekommen habe. Vielen herzlichen Dank Pinin. Sie ist einfach wunderschön! Bei uns wäre das Einzige, was dem wenigstens ein bisschen ähneln könnte eine Seerose, die aber auch schon wunderschön ist. Diese hier ist dagegen eine Königin!“
Diese kleine Kors Studentin strahlte den Menschen nun weit mehr begeistert an und ihre riesigen Augen strahlten mit einem Glanz, der Marvins Herz richtig springen ließ. Er hatte schon von dieser Spezies gehört, aber natürlich noch nie persönlich gesehen. Kors sind kleine Teddys von maximal einem Meter Höhe, mit dichtem Fell, riesigen Augen und knuddeligen Händen, aus deren Fingern sie Krallen ausfahren können. Eigentlich konnte man sie am ehesten mit Koalabären der Erde vergleichen. Jedenfalls hatten sie auch genauso runde große Ohren. Es sind sanftmütige Wesen und somit war es logisch, dass Pinin anfangs Angst hatte. Das Eis war aber schon gebrochen, als Marvin sagte:
„Pinin, du und dein Garten hier, ihr stört nicht, sondern seid mir herzlich willkommen. Ich liebe es. Du kannst gerne auch meine Seite mit einwachsen lassen. Wenn ich als Mann dich nicht störe, würde ich mich freuen, wenn wir Zimmergenossen bleiben würden! Du und das, was du hier gemacht hast ist eine unglaubliche Überraschung und Abwechslung zu dem grauen Alltag da draußen. So haben wir wenigstens hier, in unserem Zimmer unsere ganz eigene kleine Arche. Ich liebe es!“
Eine Aussage, die die ach so schönen Pläne und Bosheiten gewisser Verwalter schon vom Start weg versaute. Im Gegenteil. Diese beiden doch so verschiedenen Wesen, auf diesem Zimmer dort, hatten sich gesucht und gefunden, um sich direkt ineinander zu verlieben.
Pinin versaute dann auch die weiteren Gemeinheiten, denn sie blühte auf. Sie war so glücklich, einen Freund gefunden zu haben und übernahm nun dessen Führung. Anfangs sorgten sie für erhebliche Verwunderung in ihrem Umfeld, denn Pinin nahm ganz selbstverständlich die Hand des Menschen um diesen stürmisch und ausgelassen zuzutexten. Sie erklärte ihm alles, zeigte was wo war und erklärte ihm die Abläufe.
Schon in der Mensa, am ersten Abend machte sich diese neue Freundschaft direkt bezahlt. Pinin stand mit ihrem Tablett brav in der Reihe an und nahm ein Essen entgegen. Nur dass es eben ein Fleischgericht war und Kors eben Vegetarier sind. Marvin verfolgte die Schikane und übernahm die Klärung dieser Angelegenheit, indem er den Mitarbeiter einlud, sich mit ihm körperlich auszusprechen. Als Wesen der Kristallinen war dieser möglicherweise noch wehrhaft, aber schlussendlich eben doch nur ein Feigling.
So fanden die Beiden schließlich ihr Plätzchen, wo sie zusammen zu Abend aßen. Marvin verzog sein Gesicht und sah angeekelt sein Essen an, was Pinin zum befreiten Lachen brachte, diese aber erklärte:
„Daran musst du dich gewöhnen. Du kannst dich an den Essensautomaten mit synthetischem Futter versorgen. Da gibst du deine Spezies an und bekommst eine kleine Auswahl von Geschmacksrichtungen angeboten, die dann aber nur sehr entfernt nach dem schmecken, was es jeweils sein soll. Das was wir hier essen ist aus der Küche wenigstens frisch entstanden. Auch nicht wirklich besser und immer für möglichst viele Spezies verträglich, aber naja… Siehst und schmeckst du ja jetzt selbst!“
Genervt und ernüchtert sah Marvin zu seiner Lehrerin hinüber und antwortete:
„Sag mir wenigstens, dass die hier einen vernünftigen Kaffee kennen!“
„Kaffee? Was ist das?“
Das Aufheulen des Menschen brachte Pinin gleich schon wieder zum Lachen. Dieser Austausch und die hier gezeigte Harmonie brachte schon erste Aufmerksamkeiten im Umfeld, nur dass man hier noch nicht wusste, dass Marvin alle Reaktionen, Wesen und Wege, sowie Ausgänge voll im Blick hatte. Marvin wusste schon, auf wen er sich vorbereiten musste, bevor diese ihre Bosheiten planen konnten.
Nach dem Essen führte Pinin den Neuen dann zum Krankenflügel, wo dieser Viviane und die Anderen besuchen wollte. Dieser Weg barg dann schon die ersten Komplikationen, die den Ernst der wirklichen Lage äußerst deutlich machte.
Diesmal waren es vier Crel Krieger, die sich ihnen in den Weg stellten und direkt zu Pöbeln begannen. Der größte von ihnen spottete, lachte und fuhr die beiden aggressiv an:
„Schau Schau, was haben wir denn da? Ein Menschlein und sein Teddybärchen. Wie niedlich. Wo wollt ihr denn hin, ihr traurigen Gestalten?“
Während Pinin logischerweise verängstigt zurück wich, trat Marvin vor und streckte dem Crel freundlich lächelnd seine Hand entgegen, während er antwortete:
„Hallo! Ich bin Marvin. Ich bin heute neu hier angekommen. Ihr seid doch Crel, oder? Ihr seid für mich total aufregend. Freut mich euch kennen zu lernen. Wer seid ihr denn?“
Die Crel sahen verwirrt auf die ausgestreckte Hand und diese merkwürdige Reaktion, als ein zweites Krokodilwesen schnaubend seine Hand erhob, um Marvin verächtlich weg zu stoßen. Dieser griff sich diese Hand, nutzte den Schwung und ließ diesen Burschen recht grob in die nächste Wand krachen. Direkt nach dessen Einschlag wand Marvin wieder die Bewegung und führte den völlig entsetzten Kämpfer wieder auf dessen Beine. Hier schüttelte Marvin die Hand noch einmal lächelnd und strahlte den Angreifer an, als er sagte:
„Freut mich dich kennen zu lernen. Ich bin Marvin und wer bist du?“
Es waren Bewegungen und Handlungen, die auch in Zeitlupe nicht leichter zu verstehen gewesen wären. Es waren Bewegungen und Handlungen, die offensichtlich von ganz alleine, einfach so passiert waren. Entsprechend entsetzt und fassungslos wurde Marvin natürlich gerade auch angestarrt. Pinin sah dabei genauso entsetzt aus, wie die Crel Truppe, nur konnte sie sich ein Zucken in ihren Lippen nicht verkneifen. Bei den Crel zuckte sichtlich etwas ganz was anderes und so machten diese sich erst mal schnellstens aus dem Staub. Marvin sah ihnen verwundert nach und sagte dazu:
„Unhöfliches Volk habt ihr hier. Die hätten sich doch wenigstens mal vorstellen können!“
Ist es ein Wunder, dass Pinin ihren neuen Freund nun fassungslos musterte und in dessen Gesicht nach Spuren und Verständigung suchte? Er war ihr ja noch neu und unbekannt, nur war jetzt eben die Frage: War er nun ein Segen für sie und würde ihr das bisher angespannte Leben erleichtern, oder würde er sich doch als Tyrann herausstellen und ihr zusätzliche Schwierigkeiten bringen? Sein Verhalten, direkt nach diesem Vorfall aber entspannte sie schon wieder deutlich, als er nun seinerseits einfach ihre Hand nahm und nun seinen Weg fortsetzte, als wenn nichts gewesen wäre.
Marvin war für Pinin neu und ungewohnt. Sie hatte bisher ein Leben voller Angst und Vorsicht gelebt, da andere Spezies sie eben meistens als kleine Witzfigur sahen und sie so sehr gerne schikanierten. Marvin nahm sie zumindest als potentiellen Gegner auch nicht viel ernster, aber registrierte durchaus, dass sie ihn schon verdammt tief in seinem Herzen treffen konnte. Gott was hatte er einen Spaß an ihr. Gott, was hatte er sie vom Fleck weg gerne…
Aktuell blieb der weitere Weg nun aber ereignislos, wenn auch unzählige Wesen, der verschiedensten Gattungen, die beiden neugierig mit Blicken verfolgten. Ein recht großer und stämmiger Mensch Hand in Hand mit einer lächerlichen Teddy Figur? Das war schon ein ziemlich verstörendes Bild. Alle beobachteten, wie der kleine Teddy plapperte, wie ein Wasserfall und immer wieder zu dem Menschen hochsah und zusammen mit diesem lachte. So etwas gab es hier normalerweise nicht. Die Zwei aber ließen sich davon nicht weiter stören. Ganz im Gegenteil. Sie machten eine kurze Pause an einem kleinen Biotop, wo Pinin ihrem neuen Freund die tollen Pflanzen zeigte und begeistert Besonderheiten erklärte. Der Mensch kniete sich sogar interessiert mit auf den dreckigen Boden und verfolgte ebenfalls mit Händen grabend, wie Pinin ihm eine Knolle zeigte, die sie gemeinsam anschließend wieder verdeckten. Verstehe einer erst mal ein solch merkwürdiges Bild.
Marvin war fassungslos und schwer verwirrt. Niemals hatte er erwartet, dass ihn, als alten Kämpfer, ein so unscheinbares Wesen derart um den Finger hatte wickeln können. Er fühlte, wie sein Herz einen Sprung machte, wie seit Jahren schon nicht mehr und er genoss es. Er genoss es in vollen Zügen.
Als sie dann schließlich auf der Krankenstation angekommen waren, war es dann aber auch erst mal wieder Schluss mit lustig. Pinin hielt sich nun zwar im Hintergrund, blieb aber die ganze Zeit in Marvins Nähe und so betraten sie nun das erste Krankenzimmer und das war ein echter Schock. Inzwischen waren es wieder vier Menschen, die ärztlich betreut werden mussten, wovon einer sogar im angrenzenden Krankenhaus auf Intensiv untergebracht war. Marvin betrat ein erstes Zimmer, dass ihm gewiesen wurde und sah hier in die aufblickenden Augen einer süßen kleinen Maus.
Viviane war eigentlich noch fast ein Kind. Eine zierliche kleine Maus mit braunen Locken und süßen großen Augen. Sie sah zu ihm auf und nickte nur, als Marvin fragte, ob er sie stören dürfte. Damit betrat er ein Krankenzimmer, in dem noch zwei weitere Menschen um einen Tisch saßen, wo sie ruhig Karten spielten. Die Stimmung war Mist, aber alle betrachteten Marvin, als der sagte:
„Hallo zusammen. Ich bin Marvin Block und habe gehört, dass ihr hier Probleme bekommen habt. Wie geht es euch denn?“
Viviane sah den Besucher ungerührt an und fragte zurück:
„Wie es uns geht, solltest du ja wissen. Bist du von meinem Onkel geschickt worden, damit wir hier durchhalten, oder kommst du von meinen Eltern, damit wir endlich hier wegkommen?“
Marvin zog sich einen Stuhl an das Bett und setzte sich zu Viviane. Zu aller Überraschung gab er Penin ein Zeichen, dass diese sich auf die Bettkante setzen sollte. Die eilte aber lieber zu Marvin und setzte sich auf dessen Schoß, was natürlich noch mehr verwirrte. Lächelnd klärte der kleine Teddy auf:
„Marvin ist mein Freund und ich mag ihn sehr. Bitte stört euch nicht daran, aber ich möchte lieber in seiner Nähe sein!“
Marvin schnürte es sein Herz zu und er wurde sogar leicht rot. Viviane lächelte wenigstens mal ein bisschen und fragte die Kleine:
„So kenne ich dich ja gar nicht. Du gehst doch sonst allen anderen Wesen ängstlich aus dem Weg?“
Pinin sagte dazu nur:
„Das stimmt und du wirst vielleicht auch merken, wie toll es ist, wenn du endlich einen echten und starken Freund gefunden hast. Menschen und Kors sind nicht kompatibel. Wir können uns nicht paaren oder verbinden und doch hat Marvin mich in kürzester Zeit so herzlich angenommen und akzeptiert. Ich will seine Nähe einfach genießen und endlich mal keine Angst haben!“
Natürlich verblüfften solche Worte die verletzten Menschen und verwunderten diese, aber es sorgte auch für eine leichte Verbesserung der Stimmung. Marvin fragte die Patientin sanft:
„Ich wurde von deinem Onkel geschickt um euch zu helfen. Er hat mir ganz klare Anweisungen gegeben und macht sich unglaubliche Sorgen um euch. Aber was ist mit euch? Was wollt Ihr?“
Die beiden Jungs am Tisch hatten ihr Spiel zwischenzeitig eingestellt um aufmerksam zuzuhören als Viviane antwortete:
„Wir haben inzwischen Angst um unser Leben. Jeden Tag passiert etwas, irgendeiner tut uns weh und keiner hilft uns. Die Verantwortlichen gucken einfach weg, oder machen sogar mit. Lucas war angeblich Opfer eines Trainingsunfalls. Rohul, unser Kampftrainer hat ihn aber bewusst und vor allen Studenten richtig verprügelt. Wegen ihm war auch ich schon hier gelandet. Alle haben gesehen, wie der Trainer ihn einfach mit ein paar gezielten Schlägen ins Krankenhaus geprügelt hat. Jetzt liegt er auf der Intensivstation. Er hat einen gebrochenen Schädel und Hirnblutungen. Möglicherweise wird er nicht überleben und keiner tut etwas dagegen. Wir Menschen sind hier Zielscheiben und die Verantwortlichen hier fördern sogar den Hass und die Ablehnungen gegen uns. Wir wollen hier nur noch weg, aber keiner hilft oder lässt uns gehen!“
Es war Jonas, einer der beiden zuhörenden Jungs, der fragte:
„Wieso dein Onkel? Wer ist denn dein Onkel?“
Viviane antwortete:
„Ach, mein Onkel ist so ein wirklich lieber, aber immer steifer Admiral. Was der jetzt zu sagen hat weiß ich auch nicht genau, aber der sagt mir immer, dass ich durchhalten und schlau sein soll. Der und sein blöder Navy Kram eben!“
Das konnte Marvin nun wirklich nicht gut verschlucken. Erst recht nicht, als er sich das dumme Gesicht von Peter Hardwell vorstellte, wenn der diesen Satz gehört hätte und so nahm er ihn wenigstens mal ein bisschen in Schutz, als er sagte:
„Ja also Viviane, ich weiß ja nicht, ob deine Beschreibung jetzt wirklich so genau war, aber eventuell könntest du ja erwähnen, dass dein Onkel immerhin Chairman of the Joint Chiefs of Staff ist. Ich meine, man könnte ja mal erwähnen, dass er Oberbefehlshaber der kompletten Erdstreitkräfte ist. Nebenbei militärischer Führer der Koalition. Nur so am Rande!“
Klar machten die Jungens im Raum dazu jetzt dicke Backen. Pinin sagte das nicht viel und war ihr auch wurscht. Die grinste vor sich hin und schwang mit ihren Beinen, aber Jonas, der kleinere der beiden Jungs fragte entsetzt nach:
„Mensch Viviane, dass hast du uns ja gar nicht erzählt. Marvin, bist du dann auch Soldat?“
Viviane, als echte Frau war schneller, als sie zickte:
„So einen albernen Titel kann ich mir eh nicht merken und der soll sich da mal nicht so viel drauf einbilden und logisch ist Marvin ein Soldat. Das schreit doch förmlich aus jeder Faser von dem Typ!“
Marvin nahms amüsiert, als er dazu nur sagte:
„Ach ja, ich komme zurecht bei der Truppe!“
So entstand nun eine leise und heimliche Gesprächsrunde. Die beiden Kartenspieler kamen nun auf die Bettkante und beteiligten sich. Pinin streichelte sanft Vivianes Hand, wehrend Marvin sanft Pinin streichelte. Während dessen redeten sie zusammen und Marvin bekam nun die dringend benötigten Informationen. Es war weit schlimmer, als erwartet und jede Information zeichnete ein immer düsteres Bild. Marvin aber zeigte keinerlei Angst, oder Bedenken. Im Gegenteil. Er zeigte ein fast beängstigendes Lächeln, was Pinin ein gesträubtes Fell verschaffte. Sie sah ihrem Freund in die Augen und fragte ihn mit einem Gruseln:
„Du siehst gerade aus wie ein Raubtier, dass seine Beute gefunden hat und sich auf die Jagd freut!“
Der Mensch antwortete nicht, aber lächelte sie einfach still an. Er stupste die süße Nase des Teddys und ließ das so stehen. Auch die anderen Menschen hatten den Jäger erkannt und verdrängten einen Schauer, erzählten aber weiter, bis eine gute Stunde später von Marvin kam:
„Pinin und ich lassen euch jetzt erst mal wieder in Ruhe und wünschen euch gute Besserung. Werdet schnell gesund und macht euch keine Sorgen. Wenn ihr wieder fit seid, werden wir zusammen an eurem Schutz und einer besseren Zukunft arbeiten. Gebt noch nicht auf, aber ich verspreche euch. Wenn wir das nicht deutlich besser in den Griff kriegen, werde ich euch persönlich helfen, schnellstens von hier weg zu kommen!“
Es war eine deutlich entspanntere Stimmung, als die beiden Besucher nun aufbrachen und die Patienten wieder in Ruhe ließen. Auch der Weg zur gemeinsamen Stube war für die zwei ungleichen Gefährten nun deutlich entspannter. Es waren kaum noch Wesen auf den Gängen unterwegs. Die Meisten waren schon in ihren Unterkünften und so konnte man höchstens zwei merkwürdige Wesen sehen, die leise redend und händchenhaltend durch die Korridore zogen um schließlich auf deren Stube zu verschwinden. Hier trainierten sie nun erst mal weiter an ihrem Zusammenleben. Die Schikane der Verantwortlichen scheiterte auch jetzt wieder, denn selbst eine zeitweise Nacktheit des Menschen barg keine Probleme.
Pinin sah ihn an und stellte die Unterschiede fest. Diese konnte sich nicht entblößen und musste somit keine Scham empfinden. Marvin dagegen hatte hierzu keine Hemmungen, von denen er gewusst hätte. So arbeiteten die Beiden nun die nächsten Tage an der Eingewöhnung des neuen Menschen und an ihrer gemeinsamen Bindung. Dabei störte nicht mal die Tatsache, dass Pinin frei zugab, dass sie sich seinen Schutz ersehnte. Ganz im Gegenteil. Diese offene Ehrlichkeit in jedem Detail ihrer Beziehung festigte das Vertrauen und Verständnis. Sie besuchten beide unabhängig voneinander ihre jeweils eigenen Vorlesungen, einige gemeinsam und selbst der letzte Student hatte schnell erkannt, dass die Zwei Freunde waren.
Überraschenderweise dauerte es schließlich eine ganze Woche, bis die Raudies und Schläger endlich aus ihren Löchern gekrochen kamen. Blöd war nur, dass sie nicht mit Marvin gerechnet hatten, denn der hatte deren Ideen schon erahnt, bevor die den ersten Schritt gemacht hatten. Marvin hatte mit Pinin darüber gesprochen und ihr klar gemacht, dass sie sicher deren erstes Ziel werden würde. Er war sich sicher, dass die Typen sie, als das schwächste Glied in der Gleichung als erstes angreifen würden und so war es dann auch. Nur hatte Marvin ihr einen Notsender verpasst, den sie nur betätigen müsste und er würde sofort kommen.
Pinin betätigte diesen Sender, als Marvin gerade in einer Vorlesung über Quantenphysik saß. Dieser bekam einen Warnton auf seinem Kommunikator und in nahezu derselben Sekunde sprang er auf und explodierte aus dem Saal. Ein Professor und ein kompletter Saal voller Studenten konnten nur fassungslos verarbeiten, was sie alle gar nicht richtig mitbekamen. Keiner konnte so schnell schalten, wie dieser merkwürdige Mensch auch schon weg war. In den Gängen erhielt er automatisierte Ermahnungen von Drohnen, Sicherheitssystemen und Personal, sich sicherer und langsamer zu bewegen, nur nichts konnte ihn stoppen. So war er auch nur Augenblicke später im inzwischen gut bekannten Botanik Labor, wo er Pinin mit weinenden riesigen Augen zwischen mehreren Schlägern vorfand.
Er stürmte hinein, schaltete sofort und packte den kleinen Teddy, um diesen in einer schnellen Drehung einfach hinter sich in eine geschützte Position zu bringen. Erst da drehte er sich zu diesen drei Schlägern um und sagte:
„Ach hallo, euch Jungs kenne ich doch noch von neulich, oder? Haben wir uns nicht schon mal in den Korridoren getroffen? Wart ihr damals nicht zu viert? Also nochmal. Ich bin Marvin. Mit wem habe ich denn das Vergnügen?“
Statt einer Antwort bekam er nun diverse lautstarke Flüche und Beleidigungen und einen überraschenden Angriff des ersten Crel. Ein Angriff, mit dem Marvin schon gerechnet hatte und so ging sie los. Die erste Schlacht, das erste Gefecht und jetzt machte Marvin keine Blümchen mehr um seine Handlungen. Er nutzte all seine Ausbildung und Erfahrung. Nutzte Energien der Angriffe, attackierte Gelenke und Schwachstellen, alles nur um die Gegner schnellstens außer Gefecht zu setzen und so einen möglichen Übergriff auf Pinin im Keim zu ersticken. Das war weiß Gott kein richtiger Kampf. Kein Gefecht. Mit überwältigender Gewalt griffen die Crel den Menschen an. Mit verheerender Präzision antwortete ein echter menschlicher Krieger und nur Augenblicke später waren die drei Crel am Boden, ohne noch einen Ton zu sagen.
Als Marvin sich nun zu Pinin auf seine Knie heruntergelassen hatte, um diese zu untersuchen und nach Verletzungen zu suchen kam auch tatsächlich endlich die Stationssicherheit. Wie immer erst dann, wenn alles vorbei war. Und wie Marvin erwartet hatte, nahmen die ihn direkt fest und legten ihm Handschellen an. Hier fragte niemand, was passiert war und wer hier Opfer wäre. Nein. Pinin wurde grob am Arm gepackt und hinter einem Sicherheitsbeamten hergezerrt. Marvin wurde auf seine Beine gerissen und grob aus dem Raum gestoßen, wobei er sogar mehrere heimliche Schläge abbekommen hatte. In der Zwischenzeit wurden die drei Crel medizinisch versorgt und in die Krankenstation gebracht.
Marvin hatte seine Zeit auf dieser Schule schon bestens genutzt und war sich inzwischen sicher, dass dies hier passieren würde. Er hatte längst durchschaut, dass die Schikanen gegen Menschen von den Verantwortlichen hier orchestriert wurden. So hatte nun kein einziger Beteiligter auch nur die geringste Ahnung, dass Marvin direkt ein vorbereitetes Signal verschickt hatte. Die Kameras und Überwachungssysteme waren gehackt und mit dem Notsignal von Pinin gab es auf der Erde eine ganze Abteilung, die die Bilder verfolgte. Mit dem zweiten Signal von Marvin bekamen die Menschen das Zeichen, dass er mit ernsten Problemen und Gefahr für sein Leben rechnete.
So wurden zwei unschuldige Gefangene in einen Verhörraum gestoßen und Marvin bekam einen Faustschlag in seinen Magen, um ihn auf den bereitstehenden Stuhl zu falten. Pinin sah das und schrie in voller Panik auf, was ihr einen weiteren Schlag hinter ihren Kopf einbrachte. Marvin sagte nur knirschend zu ihr:
„Bleib ruhig. Halt dich zurück und lass mich das machen!“
Der am Tisch sitzende Sicherheitschef lachte auf, als er das hörte und rief belustigt aus:
„Mensch, du dummer kleiner Wicht. Was willst du denn machen? Du hast drei unschuldige Crel Schüler verprügelt. Du machst so bald überhaupt nichts mehr!“
Marvin hatte jetzt einen Blick drauf, der selbst diesem gestandenen Valdari Krieger, in seiner vollen Rüstung einen Schauer verpasste. Die Augen dieses Menschen. Dieses unglaubliche Grinsen in dessen Gesicht. Selbst die Sicherheitsleute bewegten sich unbewusst ein Stück zurück, als Marvin zischte:
„Mit wem habe ich denn das Vergnügen? Gehe ich also recht in der Annahme, dass sie die Überwachungsaufnahmen und Tatsachen nicht überprüfen werden und ich jetzt schon verurteilt bin?“
Auf der Erde hörten alle mit, als der Sicherheitschef sagte:
„Du Made von einem Menschen hast hier keine Rechte!“
Die Beobachter auf der Erde sahen Marvins Zeichen und entspannten sich sichtlich. Inzwischen war dort Admiral Hardwell eingetroffen und sah nun ebenfalls zu, wie sich die Dinge in diesem Raum entwickelten. Der Admiral tauschte nach Marvins Handzeichen grinsende Blicke mit den anderen Beobachtern und sagte:
„Leute, dass wird lustig!“
Marvin hatte sich unbemerkt und heimlich aus seinen Fesseln befreit und saß nun dort, an diesem Tisch und fragte den Valdari:
„Na also erst mal der Reihe nach. Mit wem habe ich denn nun das Vergnügen, oder ist das geheim?“
Der angesprochene spuckte fast aus, als er voller Hass keifte:
„Ich bin Kommandant Rohul und werde dir erst mal richtige Manieren beibringen…!“
Marvin hatte diesen gierigen Blick nicht abgelegt, unterbrach die schöne Rede des Kommandanten aber ziemlich ungerührt, als er weiter fragte:
„Nun lieber Kommandant. Warum hassen sie uns Menschen denn so? Haben wir ihnen ihr Schmusekissen geklaut?“
Diese Frage sollte nicht nur provozieren, sondern tat das auch erfolgreich. Fassungslos sah Pinin zu ihrem Freund hinüber und so sah sie nur aus den Augenwinkeln, wie der Kommandant von seinem Stuhl aufsprang, diesen unkontrolliert umstieß, um diesem im Anschluss nur noch auf dessen Weg nach unten zu folgen. Im selben Moment war nämlich Marvin aufgesprungen und hatte den Kommandanten mit zwei üblen Schlägen auf die Bretter geschickt. Die beiden Wachen konnten so schnell gar nicht reagieren und lagen nur Augenblicke später bei ihrem Chef im Dreck.
Die beobachtenden Menschen, auf der Erde, jubelten und lachten. Sie warfen sich Sprüche um die Ohren:
„Ja verdammt, habt ihr das gesehen?“
„Verdammt, was hat der Major die Jungens kalt erwischt?“
„Wie hat der bloß seine Fesseln losbekommen? Was für ein Teufelskerl!“
Wenigstens hatte eine junge Frau Sergeant noch an ihre Aufgaben gedacht, nur konnte auch sie sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie die Sicherheit von Nexus Prime in diesen Raum zitierte. Diese kam in diesem Raum an und konnte sich nur wundern. Marvin kümmerte sich gerade um eine zitternde Pinin und beruhigte sie sanft. Drei Wachleute lagen bewusstlos am Boden und Marvin sagte zu den neu eingetroffenen Kräften, die nicht nur die Schule, sondern übergeordnet den ganzen Komplex schützten:
„Kümmert euch bitte um die Drei, lasst sie aber wieder gehen. Ich will mit diesem Kommandanten noch mal in Ruhe reden. Braucht ihr noch was von mir, oder können wir gehen?“
Der Truppführer dieser kleinen Sicherheitsmannschaft, ein beeindruckender Hewe, war informiert und sagte somit nur:
„Nein Sir, wir wissen Bescheid. Sie können gehen!“
Gut, dass so manche Wesen noch bewusstlos waren und das nicht mitbekommen hatten. Sicher wäre sonst vieles anders gekommen, denn Marvin hatte seinem Admiral sein Wort gegeben und das wollte der auch halten. Aktuell ging Marvin mit einer wieder deutlich entspannteren Kors Maus an der Hand zurück in die Schule und hörte hier von der kleinen Pinin:
„Meine Güte, was hatte ich eine unglaubliche Angst. Ich bin so froh, dass du mein Freund bist. Meinst du, die kommen wieder?“
„Süße, so Typen kommen immer wieder, aber diesmal werden wir besser vorbereitet sein!“
Die Zwei gingen direkt in das Labor von Pinin, wo die Angriffe so einige Kulturen und Pflanzen umgeworfen und zerstört hatten. Inzwischen hatte Marvin sowieso schon ordentlich Spaß an der Gärtnerei gefunden. Es faszinierte ihn unglaublich, seine Freundin bei ihrer Arbeit zu beobachten und ihr auch dabei zu helfen. So machten die Zwei sich nun auch ohne Worte an die Arbeit und gemeinsam topften sie Pflanzen um und reparierten, was zu reparieren war. Er sah ihr zu, half ohne Worte mit und lächelte, als sie wieder begann, mit ihren Pflanzen zu reden und leise zu summen. Pinin und ihre Pflanzen hatten etwas Spirituelles. Eine Oase für die Seele, die die beiden inzwischen auch auf ihrem Zimmer ausgebreitet hatten. Hier sah es schon aus, wie in einem tropischen Urwald.
In regelmäßigen Abständen half Marvin seiner Freundin, ganze Ladungen von Pflanzen zu verpacken und transportfertig zu machen. In speziell angefertigten Containern wurden so ganze Kulturen auf die Kors Heimatwelt verschickt, wo sie in die neu zu entwickelnde Natur ausgepflanzt wurden. Natürlich handelte es sich dabei nicht um Pflanzen, die auch so schon wieder heimisch waren, sondern immer um kleine Schätze, die bis dahin als verloren galten. Auf ihrer Welt war Pinin so schon zu einer echten Berühmtheit geworden. Auf Nexus Prime half ihr das hingegen gar nicht.
Dafür hatte sie hier aber Technik, Ausstattung und Ausbildung aus allen Spezies und nur hier die Best mögliche Hilfe, verlorene Schätze wieder ins Leben zu führen. Angefangen in der Gen-Technik, bis hin zu klassischen Baumschul Methoden. Hier hatte sie, was sie zuhause nicht finden würde.
So kam nun eine etwas ruhigere Zeit, wenn auch die ständige Spannung, das Knistern in der Luft nicht gehen wollte. Man rechnete jeden Augenblick mit einem Angriff. Viele Wesen waren mit ständigem Lauern und Beobachten beschäftigt. Die Spannungen waren unerträglich, nur war Marvin inzwischen zu einem echten Warnhinweis geworden. Hasser waren gewarnt und unsicher. Es fehlte nur ein Funke, aber der kam nicht. Auch nicht, als endlich die ersten Menschen aus der Krankenstation zurückkamen.
Sogar Lucas war inzwischen aus dem Krankenhaus zurück. Dieser ging noch an Krücken, aber seine Freunde halfen ihm. Auch war Pinin nun nicht mehr die einzige Außerirdische, die sich der Truppe angeschlossen hatte. Es hatte sich herumgesprochen, dass Marvin sich verteidigen konnte und dass um ihn herum eben deutlich mehr Sicherheit und Ruhe herrschte. Zudem war die Stimmung hier einfach warm und angenehm und so wurde dieser Kreis eben immer größer. Es hatte etwas unbeschreibliches, etwas mythisches zu sehen, wie Marvin seiner süßen Freundin das Fell pflegte, die beiden dabei einfach mit anderen redeten, oder Aufgaben lösten. Auf ihrer Heimatwelt machten die Kors das gegenseitig untereinander und stärkten damit ihre Verbundenheit. Hier war Pinin alleine und hatte somit niemanden für dieses schöne Gefühl. Marvin liebte das. Manchmal dachte er, dass Menschen wohl aus ähnlichen Gründen auch Hunde hielten. Es hatte etwas Schönes, sich um seine Familie kümmern zu können. Kümmern zu dürfen. Mit Pinin war das nur sehr grob ähnlich, denn Pinin war ein intelligentes, ein hoch intelligentes Wesen, dass ihm geistig weit überlegen war. Die süße kleine Maus war wie ein Quantencomputer.
Egal ob starke und wehrhafte Spezies, oder zarte und eher sanfte Gesellen. Es war hier wurscht, wer man war. Man konnte einfach jederzeit dazu gehören und lebte soeben den eigentlichen Geist der neuen Koalition. Menschen waren nichts für grobe Hasser. Menschen wollten nicht alleine sein und waren schon verdammt gesellige Zeitgenossen. Kleine Kors, sanfte Nexari, grobe Crel, gewöhnungsbedürftige Vortak, Hewe, die immer ein bisschen angriffslustig wirkten oder schwer zu beurteilende Kristallinen. Die Truppe war bunt gemischt und wuchs immer weiter.
Regelmäßige Berichte an den Admiral hatten längst das wahre Ausmaß der Probleme aufgezeigt. Es waren eben bei weitem nicht nur die Menschen, die so sehr litten, sondern fast alle, zumindest schwächere oder sanfteren Spezies. Diese Informationen sorgten für unglaublich intensive Krisensitzungen, in der gesamten Koalition.
Marvin hatte sich angewöhnt, nun langsam und vorsichtig, mit erst nur den Menschen, dann immer mehr Neugierigen andere Spezies, in der Freizeit zu trainieren. Er hatte es dem Admiral versprochen, aber auch selbst seinen Spaß daran und so zogen sie sich in einer Trainingsanlage zurück und übten. Marvin zeigte ihnen wie und die Anderen machten es nach.
Alle lernten so, sich immer mehr und besser zu verteidigen. Sogar Pinin lernte, dass ihre Krallen an Händen und Füßen nicht nur super zum Klettern waren, sondern auch wirklich üble Waffen abgaben. Sie musste eben nur lernen, damit umzugehen.
Sie lachten viel und machten das so locker und entspannt, dass sie damit eben immer mehr Beobachter anlockten. Natürlich blieb es dann auch nicht aus, dass auch andere Mal versuchen wollten. Dieses völlig andere. Dieses ganz neue, was hier noch keiner kannte. Ein Nexari Junge kam dazu und fragte. So landete er mit Marvin im Ring, wo der ihm zeigte, wie er stehen sollte. Wie er sich zu bewegen hatte und was er bei welchem Angriff machen sollte. Neu war, dass Marvin ihm nicht weh tat, sondern ihm in Zeitlupe zeigte, wie er reagierte und was der Nexari nun machen konnte um aus seinem Problem heraus zu kommen.
Das sahen eben alle und so lernten sie auch alle und am Ende standen sie noch alle, hatten Spaß, lernten und wurden nicht brutal verprügelt.
Das schaffte Vertrauen und Mut bei den anderen Beobachtern und so kamen immer mehr dazu, die mit übten. Als tatsächlich sogar einer der Crel Schläger sich traute und sich gegenüber von Marvin aufstellte, war der Punkt erreicht, wo Marvin gewonnen hatte. In ihrem Duell geriet der Crel aus der Kontrolle und hatte es eigentlich übertrieben. Marvin konterte, schickte den Crel aber eher vorsichtig auf die Bretter und sagte:
„Das war gut, aber hier musst du aufpassen und vorsichtiger sein. Wir trainieren und lernen und achten auf uns gegenseitig. Wenn hier einer verletzt wird, ist es kein Training mehr!“
Damit zog Marvin seinen Gegner wieder auf die Beine, sagte:
„Pass auf, wir testen, wo du deinen Fehler gemacht hast!“
Damit animierte er seinen Gegner, die Abläufe des letzten Kampfes in Zeitlupe zu wiederholen und erklärte ihm genau, was wann passiert war und ab wann er hätte anders reagieren müssen. Staunende Gesichter der Anwesenden, gewaltige Veränderung der Atmosphäre und ganz langsam lernten alle zusammen, aufeinander zu achten und aufzupassen. Interessanter Weise machte das den ängstlichen Wesen genau so viel Spaß, wie den Kriegern. Bis schließlich Marvin beobachtete, wie genau dieser Crel einem Menschen half, eine Kampfsimulation in Zeitlupe zu verstehen und besser zu werden.
Ab da wusste Marvin. Ich habe gewonnen. Das hier wird gut. Richtig gut.
Für Marvin selbst wurde es noch sehr viel besser, als eines Tages vier rote Aliens beim Training auftauchten, die er bisher noch nie gesehen hatte. Es handelte sich um eine Spezies, die man Assasuren nannte. Keine Mitglieder in der Koalition, handelten und kooperierten sie aber als Verbündete und hatten diese vier Gastplätze bekommen, um sich in der Koalition langsam zurecht zu finden. Natürlich erwartete man, dass diese Spezies eventuell schließlich doch in die Gemeinschaft eintreten würde, aber diese Wesen waren schon speziell.
Assasuren waren nämlich ein bisschen ausgefallener. Für Menschen wohl noch am ehesten, denn diese Wesen sahen fast aus, wie mythische Teufel. Humanoid, zwei Arme, zwei Beine, mit Schwanz, Hörnern, gespaltene Zunge und üblen Zähnen hatten sie nicht nur beängstigende Klauen an den Händen, sondern auch an den Zehen. Es war Kalimet, die auf Marvin zukam und im Ganzen nur eines ausdrückte:
„Ich bin dein Untergang und du mein Opfer!“
So bewegte sich dieser weibliche Teufel auf Marvin zu und fragte ihn schließlich:
„Darf ich es mal versuchen?“
Was Marvin beim Aufsehen erblickte, machte ihn dann auch verständlicherweise sprachlos und ließ ihn erst mal trocken schlucken. Hier stand sie vor ihm. Ungefähr in seiner Größe trug sie ein ledernes Nichts, dass mehr frei ließ, als zu verdecken. Alles an ihr sprach von Krieg und schmerzhaftem Ende. Sie war schön. Exotisch und schön. Sah fast aus, wie eine menschliche Frau, nur eben noch eher wie ein weiblicher Teufel. Diese Figur, diese Brüste… Ihre großen schwarzen Augen. Spitze Zähne, die die grinsenden Lippen entblößten. Sie hatte Ohren, die sehr lang, aber von unten her breiter kommend einem Blatt ähnelten. In deren Biegung folgten auf deren Kopf die Hörner, die aus langem geflochtenem Haar erwuchsen. Die Hörner waren gerillt und die Ohren bewegten sich ständig, je nach Stimmung und Aufmerksamkeit.
Was Marvin dachte, als er endlich etwas denken konnte?
„Verdammte Scheiße. Wenn schon sterben, dann bitte mit ihr!“
Für Reden hatte es gerade keinen Platz in seinem Kopf und so gab er ihr nur ein Zeichen auf die Kampffläche. Hier stellten sie sich gegenüber auf und grinsten sich an. Gleichzeitig verbeugten sie sich zueinander und in der Aufwärtsbewegung stürmte sie auch schon auf ihn los. Marvin hatte das erwartet und konnte kontern, aber der nun folgende Kampf hatte nichts von Marvins Überlegenheit. Jeder konnte sehen, dass beide sich kontrollierten und auf gefährliche Gewalt verzichteten, aber alle konnten auch sehen, dass die Zwei sich testeten. Marvin war sehr offensichtlich begeistert, denn er strahlte, wie unterm Weihnachtsbaum. Endlich… Endlich eine richtige Kampfmaus und was für eine…
Die beiden faszinierten ihr Publikum und selbst die drei zuschauenden Assasuren setzten sich mit ins Publikum und hatten sichtlich Spaß an dem Geschehen, bis schließlich Kalimet den Menschen zu packen bekam und dieser im großen Bogen mit dem Rücken auf dem Boden aufschlug. Dort saß sie auf seiner Körpermitte und grinste ihn wild an. Marvin war hin und weg. So grinste er zurück und fragte:
„Was jetzt? Weiter, oder krieg ich deine Nummer?“
Verwirrt sah die Kriegerin ihr Opfer an und fragte zurück:
„Was für eine Nummer?“
Im Publikum brüllten die Menschen los und lachten sich kaputt. Erst nach und nach erfuhren die anderen Spezies den Hintergrund dieser Frage und so war die Stimmung natürlich schnell am Kochen. Erst recht, als Marvin seine Bezwingerin aufklärte:
„Na deine Telefonnummer, damit ich dich anrufen kann und wir ein Date ausmachen können!“
Kalimet sah ihn sichtlich verwirrt an und erst langsam dämmerte ihr der Sinn dieser Aussage, was nun auch sie aufmunterte. So antwortete sie keck:
„Wir haben keine Telefone und erst recht keine Nummern dazu. Wenn du dich mit mir paaren willst, dann frag mich einfach!“
Das wiederum war jetzt eine Aussage, die nun er nicht gut verdaute und erst mal sprachlos reagieren ließ. Der guckte die Kampfmaus mit offen pumpenden Lippen sprachlos an, bis er von einem der anderen Assasuren abgelenkt wurde. Dieser fragte:
„Mensch, ich bin Amenir. Stell dich mir jetzt und zeig mir diese Technik, mit der du Kalimet eben ausgetrickst hast. Das Weibchen kannst du später haben!“
Natürlich brachte das nun wieder alle zum Lachen und so stieg die Kampfmaus nun endlich von ihrem Opfer herunter und Marvin fand sich nun langsam, bei bester Laune einem echten und eindrucksvollen Teufel gegenüber. Was man aber merkte war, dass inzwischen die Stimmung so war, wie sie auch sein sollte. Hier saßen richtige Kampfmonster beieinander und lachten zusammen mit deren natürlicher Beute, oder Opfer. Pinin klatschte vor Freude in die Hände und tauschte ein glückliches Lachen mit einem Crel aus, der sie vor ein paar Wochen noch schikaniert hatte.
Nicht weit von ihnen saßen ein paar Wesen, die wie reine Energie aussahen und nicht laufen mussten. Sie konnten schweben und waren teilweise durchsichtig, wie ein Gebilde aus Glas. Es war faszinierend, wie unterschiedlich all diese Wesen waren. Sogar zwei junge Valdari lachten mit allen zusammen und machten mit. Bemerkenswert, da doch die Valdari hier auf der Schule die meisten Sicherheitskräfte stellten und diese eben die Schwachen bisher schikaniert hatten. Marvin war stolz und glücklich, denn er hatte etwas Eindrucksvolles erreicht, was er auch ständig seinen Vorgesetzten melden konnte.
Jetzt stand er einem Assasuren, namens Amenir gegenüber und der konnte einem schon rein optisch richtig Angst machen. Eine feuerrote, beängstigende Gewalt aus reinen Muskeln. Und ja… diese Beiden zeigten dem Publikum ebenfalls einen eindrucksvollen Kampf, mit Verbeugung und Respekt, Anerkennung und Ausdauer. Es war klasse und für Marvin ein echter Traum. Traum, warum? Als Amenir eine unglaublich schnelle und faszinierende Angriffstechnik zeigte, konnte Marvin zwar kontern, aber er war begeistert. So fragte er seinen Gegner einfach:
„Amenir, diese Angriffssequenz eben war unglaublich! Wie hast du das gemacht? Kannst du mir das in langsam noch mal zeigen?“
Womit die Zwei kurz Pause machten, die vergangene Kampfsequenz noch mal in Zeitlupe spiegelten und Amenir seinem Gegner ganz genau sagte, was er warum und wie gemacht hatte. Marvins Bemerkung:
„Das hast du richtig klasse hinbekommen. Ich hätte es fast nicht kommen sehen. Richtig gut!“
Daraufhin machten sie weiter und Marvin konnte seinen Gegner schließlich überlisten und aushebeln, sodass Amenir im hohen Bogen auf dem Boden landete. Hier lachten die Zwei sich an und Marvin reichte seinem Gegner die Hand, um ihn wieder auf die Füße zu ziehen. Es waren klasse Vorführungen und machten riesigen Spaß. Schließlich sagte Marvin zu seiner Gruppe:
„Leute, ich bin so unglaublich stolz auf euch. Seht doch nur, wie sehr ihr euch alle entwickelt habt. Das ist unfassbar. Lasst uns jetzt noch ein bisschen mit allen üben. Dazu bitte ich jetzt immer einen Kämpfer und einen weniger guten zusammen zu kommen. Liebe Kämpfer, zeigt und helft den Anderen, besser zu werden. Ich will, dass am Ende jeder in der Lage ist, sich wenigstens selbst zu helfen und zu schützen. Passt aber auf euch auf. Das ist Training und keiner darf verletzt werden!“
Marvin übte mit Pinin, die anderen übten mit jeweils gemischten Partnern, wie angewiesen und tatsächlich. Überall sah man, wie sich Kämpfer die Schwachen ansahen und diesen halfen, etwas Sinnvolles zu lernen. Somit waren die Kämpfer plötzlich alle Lehrer, was deren Egos schmeichelte und Schwache vorwärtsbrachte. Man half sich gegenseitig, Stärken und Besonderheiten der Spezies wurden entdeckt, entwickelt und kein einziger Schüler wurde verletzt. Ein Traum für die Menschen und für die Schule. Ein Zusammenhalt, der sich bis hin zu Pausen und Arbeits-, oder Studiengruppen ausdehnte, wo nun wieder die Schwachen ihre Stärken mit den Starken teilten, denn die waren eben meistens die Pauker. Eine tolle Zeit, die aber natürlich nicht ewig halten konnte.
Für Marvin aber wichtiger war das Ende, dieses denkwürdigen Trainings, denn da schnappte er sich seine Chance und machte sich noch mal an diese Kalimet heran, als er sie ansprach:
„He du heiße Kämpferin. Wie sieht es aus? Hast du Lust dich mit mir zu paaren?“
Klar gab das Gelächter. Von Pinin kam nur:
„Männer!“
Kalimet funkelte diesen Wicht von einem Menschen an und antwortete zischend:
„Komm!“
Womit die Beiden die Truppe alleine ließen und Kalimet das Opfer hinter sich herzog. Sie hatte keine Probleme den kleinen Mann mit in ihr Zimmer zu ziehen, wo sie ihn auch direkt hinter der Türe anfiel und an dessen Kleidung herumzerrte. Ja, das war etwas für Marvin und so ließ er auch seinerseits seine Finger nicht bei sich. Wild packten sie sich und die wilden Küsse begleiteten das stürmische Gefummel und Gezerre. Ein paar Tropfen Blut flossen, als Marvin sich an ihren Zähnen geschnitten hatte.
Egal. Er hatte mit einer Hand ihre Brust gepackt, mit der anderen zog er gerade ihren Hintern in seine Richtung. Zum Denken hatten sie jetzt sowieso keinen Nerv mehr und so dauerte es nicht wirklich lange, bis Kalimet nackt war, seinen Degen in Bereitschaft hatte und mit einem angezogenen Bein vor ihm stand, um sich seinen Freund in ihre Grotte zu zerren.
Für diese Nummer musste man schon bestens in Form sein und natürlich konnte somit auch nicht jeder dieser weiblichen Naturgewalt Herr werden. Marvin aber tobte mit ihr durch dieses Zimmer. Sie bissen sich, packten sich grob, um sich gegenseitig zu dominieren und zu zeigen, wie der Sex jetzt zu sein hatte. Es war somit auch nur ein kleiner Moment der Schwäche, als er sie endlich gepackt bekam und mit deren Oberkörper über den Schreibtisch streckte. Von hinten drang er jetzt wieder in sie ein und rammte sie, dass ihr Stöhnen beängstigende Töne und Lautstärken erzeugte. Ab hier dauerte es auch nicht mehr lange und beide kamen fast gleichzeitig zu ihren absolut befriedigenden Orgasmen.
Zwei Höhepunkte, die die Beiden nur langsam wieder in der Galaxie ankommen ließen, wo sie nun aber eine sehr überraschende Änderung durchlebten. Marvin lag erschlagen auf ihr, aber nicht ohne sie sanft und liebevoll zu streicheln. Dies ließ sie schnurren und genießen und so kuschelten die Beiden sich tatsächlich in Kalimets Bett, wo sie nun einfach mal still zusammen schmusten. So lange, dass man eigentlich hätte schlafen wollen, aber Kalimet sagte sanft:
„Du kannst nicht hier schlafen. Meine Zimmergenossin kommt gleich!“
Er küsste sie im Aufraffen und antwortete:
„Du bist der Hammer, aber ich kann auch nicht bleiben. Pinin hat sicher Angst, wenn sie nicht weiß, was los ist!“
Eine Aussage, die beide zum Auflachen brachte, wenn sie sich auch beide verspielt fertig machten und sie fast gleichzeitig feststellen ließ:
„Die weiß ganz genau, was los ist!“
Pinin fand er wie zu erwarten in ihrem Labor, wo sie dankbar aufblickte und lächelte, als er den Raum betrat. Sie strahlte ihn an und fragte:
„Na du Frauenheld? Du siehst ja mal so richtig erledigt aus. Freut mich, wenn du Spaß hattest!“
Sie lachten sich an und er reichte ihr Werkzeuge, während er ihr beim Arbeiten zusah. So fragte er sie:
„Stört es dich? Oder ist es Okay für dich!“
Sie lächelte ihn an und fragte zurück:
„Können wir deswegen jetzt nicht wie bisher befreundet sein? Störe ich dich jetzt?“
„Was für ein Quatsch. Du bist meine mit Abstand beste Freundin. Kalimet hat gesagt, dass sie das weiß und gut findet! Das sind für mich zwei völlig verschiedene Dinge!“
„Dann stört mich das überhaupt nicht. Kann ja auch mal sein, dass ich auch einen Partner finde, der zu mir passt. Dann will ich ja auch nicht, dass unsere Freundschaft darunter leidet!“
Diese Behauptungen wurden im Anschluss noch oft unter Beweis gestellt, denn Kalimet schlief nun öfter über Nacht bei diesem Menschen und seiner Kors Freundin. Zu dritt hatten sie sogar an Pinins Projekt gearbeitet, als einer ihrer Baumstämme zwar nicht so hoch, wie normal, aber ausreichend stark geworden war. In dessen Blätterdach halfen sie nun zusammen, ein Nest für Pinin zu bauen. Dafür nutzte sie die Zweige, Äste und Blätter um diese in einer absolut faszinierenden Art zu flechten. So erzeugte sie eine Nestkugel, wie dies auch die Webervögel auf der Erde konnten, nur eben größer. Ein absolutes Wunderwerk der Architektur. Damit flog ihr Bett aus dem Zimmer und Pinin hatte mehr Platz für neues Grünzeug und jeden Morgen ein verträumtes Lächeln im Gesicht, wenn sie wieder aus ihrer Kugel kam. Man merkte ihr dieses wunderschöne Stück Zuhause immer direkt an.
Im Folgezeitraum blieb es dann auch genauso und wie zu erwarten. Marvin und Kalimet rieben sich nun immer mal wieder die Hörner aneinander, wie geschrieben auch über Nacht mit Pinin im gleichen Zimmer und doch blieb es bei einer sehr lockeren Geschichte, was man von Marvin und Pinin nun wieder gar nicht sagen konnte. Auswirkungen hatte es aber deutlich im täglichen Leben, denn da waren die beiden nun nur noch selten alleine. Immer waren diverse andere Studenten und Spezies um sie herum und trotzdem blieb es nun ruhig.
Seit diesem Vorfall mit Pinin, in ihrem Labor, waren schon so viele Wochen vergangen, dass manche fast glaubten, es wäre endlich Ruhe eingekehrt, als es dann doch endlich krachte. Es war wieder eines der üblichen schulischen und offiziellen Kampftrainings, als nun der echte Knall passierte. Rohul, Sicherheitschef und Kampftrainer hatte seinen Hass lange verschluckt. Marvin wusste inzwischen, dass dieser Valdari seinen Hass aus den Vorfällen mit den Nexari entwickelt hatte. Bei dem damaligen Überfall war nicht nur das Leben der Valdari so übel den Bach hinunter gegangen, sondern ein Mensch, namens Andreas Müller hatte damals ein Valdari Kriegsschiff vernichtet, auf dem der Sohn dieses Sicherheitschefs Dienst getan hatte. Man konnte also noch nicht mal sagen, dass Rohul einen unberechtigten Hass pflegte. Nein. Er pflegte die Trauer und den Hass in gleichem Maße, was wohl über Spezies Grenzen hinaus auch viele andere so gemacht hätten.
Marvin wusste das nun und hatte viel darüber nachgedacht, als er nun hörte, wie Rohul wieder einen Menschen in den Ring rief. Unsicherheit und verzweifelte Angst waren unter allen Menschen offensichtlich, was Marvin aber gar nicht weiter zulassen wollte. Er stand auf und drückte den zitternden Stefen zurück auf dessen Sitz. Stattdessen schlenderte nun Marvin zu Rohul in den Ring. Der grollte bösartig:
„Ich habe den anderen Menschen aufgefordert. Geh zurück auf deinen Platz und warte, bis ich dich auffordere!“
Marvin grinste den Lehrer an und antwortete:
„Stefen hast du schon beschädigt. Warte gefälligst, bis er wieder ganz fit ist. Bis dahin musst du mit mir vorliebnehmen. Ich bin ja aktuell der einzige unverletzte Mensch hier!“
Oh ja… In diesem Moment war es so still, wie im weiten All, in dieser Halle. Keiner wollte atmen und jeder konnte den Hass des einen und die Gier des anderen Kämpfers sehen, als der Lehrer seinen Schüler anfauchte:
„Du miese kleine Made. Dann werden wir dir mal zeigen, wo dein Platz ist!“
Marvin grinste und antwortete:
„Oh, ich dachte das hier sollte eine Trainingssimulation werden!“
Die Antwort kam in Form einer blitzschnellen Attacke des Valdari, der mit weit ausgefahrenen Krallen und aller Kraft auf den Menschen los ging. Dieser parierte geschickt mit so minimalen Bewegungen, dass jeder sehen konnte, dass Marvin hier keine Probleme hatte. Nur Rohul hatte sichtliche Probleme und seine Wut nicht mehr im Griff. Als der weiter angriff und eskalierte, spielte Marvin weiterhin sehr entspannt mit ihm und sagte dann, so dass es alle hören konnten:
„Für einen Sicherheitschef und Kriegshelden hast du deine Emotionen aber verdammt wenig im Griff. Hast du deshalb ein kleines zartes Mädchen fast getötet, einen weit unterlegenen Schüler fast getötet? Ist das die Art der Valdari? Dann habe ich andere deiner Art aber wohl auf dem falschen Fuß kennen gelernt, denn deine Art ist mächtig, stolz und voller Ehre. Du hast anscheinend dann wohl nichts davon!“
Natürlich hatte diese Ansage den Zweck, den Angreifer weiter zu provozieren und selbstverständlich hatte Marvin gierig darauf gewartet, als Rohul nun all seine Kraft in dessen nächsten Angriff legte. Mit weit ausholender und überwältigender Gewalt stürzte dieser sich auf den Menschen und der griff nun seinerseits an. Mit einer Kombination aus Hebeln und Schlägen ging dieser nun geschickt in die Deckung des Angreifers und hatte diesen an der Kehle gepackt, mit einem brutalen Schwung auf den Boden geschleudert. Hier hielt er seinen Lehrer nun bösartig grinsend festgenagelt und zischte:
„Ich verstehe deinen Schmerz und deinen Zorn sehr gut. Glaub mir, ich verstehe dich nur zu gut. Solltest du aber noch ein einziges Mal einen Schüler deswegen angreifen und verletzen, werde ich dich töten. Denk mal darüber nach, ob dein Sohn dich als ehrenhaft empfinden würde, oder ob er sich nicht für dich schämt?“
Nichts war zu hören. Nicht mal das Summen der Umweltsysteme, als Marvin seinen Lehrer losließ und ohne eine weitere Reaktion auf seinen Platz zurück ging um sich wieder zu setzen. Kein Ton war zu hören, als Sanitäter zu Rohul geeilt kamen und diesen schließlich auf einer schwebenden Krankenbare in die Krankenstation brachten.
Der Kampfunterricht war damit erst mal beendet und die Gesichter allseits nachdenklich. Rohul aber dachte nicht nach und war sich wohl sicher, dass er alles richtig machte. Auf jeden Fall nutzte er seine Erfahrungen nicht weiter zum Denken und sinnierte schon auf dem Weg zum Krankenflügel auf Rache. Er wollte nur noch diesen Menschen töten und war nicht mehr zu gebrauchen. Während er sich erholte, hatte Marvin einige Besprechungen mit seinem Chef und dessen Berater. Hier stellte Marvin klar:
„Es liegt an der Prägung, der jeweiligen Kultur, dass es diese Probleme gibt. Diese Schule muss mit bestehenden Konventionen brechen, denn mit jedem neuen Studenten werden die alten Probleme immer wieder neu in die Schule gebracht und alles blüht von vorne auf. Es sind nicht die Wesen. Es ist die Umwelt. Hier gibt es auch keinen richtigen Direktor, oder Lenker. Es gibt die Lehrerversammlung, einen Verwaltungschef und einen Sicherheitschef. Ich weiß noch nicht, wie man das besser machen könnte, aber es fehlt an dem Wir Gefühl in der Führung. Wie sollte es da bei den Studenten anders sein?“
Damit war wohl das Hauptproblem schon gut beschrieben.
Ein Hauptproblem, dass noch lange zu diskutieren war und nur unterbrochen wurde, als die Studenten einige Tage später zu einer Versammlung zusammengerufen wurden. Eine Versammlung, die von eben diesem Sicherheitschef einberufen wurde, und sichtlich beunruhigte Professoren und unwissende Studenten zusammenbrachte. Hier brüllte Rohul über die Menge:
„Wir haben inzwischen unhaltbare Umstände auf dieser Schule und werden von den hier anwesenden Menschen nun lange genug schikaniert. Das muss jetzt ein Ende haben. Ich…“
Brachte er noch heraus, als ein lauter Alarm durch die ganze Station hallte und eine Stimme aus den Lautsprechern ertönte:
„Achtung! An alle Wesen auf Nexus Prime. Wir haben einen Notfall im Orbit. Ein Passagierschiff der Solari ist nach Meteoriteneinschlag in Not geraten. Wir bitten alle qualifizierten Wesen um Meldung für eine Notfall-Rettung. Dies ist keine Übung. Bitte melden sie sich bei der Nexus Zentralsicherheit für den sofortigen Einsatz!“
Augenblicklich stand ein stinke saurer Sicherheits-Chef, wie ein kleiner Dummer vor seinem Publikum, wo spontan einige eindrucksvolle Wesen aufsprangen und sofort Richtung Sicherheitsbüro eilten. Marvin packte sich auf seinem Weg nach draußen eine sichtlich unsichere Kalimet, griff sie bei deren Schultern und sah ihr eindringlich in die Augen. Diese stöhnte schon fast:
„Mensch, ich bin eine Kriegerin. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Kann ich dort helfen? Ich weiß es nicht!“
Für Marvin war das der goldene Grahl. Sein Sechser im Lotto, als er sie anlächelte und sagte:
„Süße, ich bin für sowas ausgebildet worden. Ich kann und werde dort helfen, aber ich brauche dich hier. Bitte Kalimet. Sieh dir diesen Sicherheitschef an. Sieh dir Rohul an. Er wird es ausnutzen, wenn ich weg bin und wird Pinin eventuell gefährlich werden. Bitte Kalimet, halte mir den Rücken frei und beschütze unsere Pinin. Kannst du das für mich tun?“
Kalimet lächelte, nickte ihm zu und damit war er auch schon weg und hinter den anderen Freiwilligen hinterher. Sie kamen fast zeitgleich in der Zentrale der Nexus Sicherheit an, wo schon richtig was los war. Ein menschliches Schiff war gerade in günstiger Nähe. Ein kleiner Frachter, der aber mit Empfang des Notrufs direkt seine Hilfe angeboten hatte. Dieser kam gerade an der Station an, wurde entladen und mit Ausrüstung und Helfern beladen. Die Helfer waren dann zwei Mitarbeiter vom Wachdienst, ein Wissenschaftler der Solari, der mit umfangreicher Militärerfahrung dienen konnte. Aus der Schule waren die drei Assasuren, drei Crel und zwei Valdari Schüler angetreten, die zusammen mit Marvin schon dabei waren, geeignete Schutzanzüge anzuziehen.
Während sich alle bereit machten, bekamen sie eine schnelle Einweisung, der Rest sollte dann unterwegs kommen:
„Das Solari Schiff ist von mehreren Meteoriten getroffen worden und hat katastrophalen Systemausfall mit Hüllenbruch. Es kann sein, dass wir zu spät kommen, aber an Bord sind sechzig Lebewesen, verschiedener Spezies. Wir müssen es einfach versuchen. Ihr Auftrag ist so viele Leben wie möglich retten und wieder sicher zurückkommen. Sie bekommen unterwegs alle Informationen, die wir haben. Sie werden ungefähr eine Stunde brauchen, bis sie am havarierten Schiff ankommen. Viel Glück und Danke für Ihre Unterstützung!“
Damit eilten die Helfer los und nur Augenblicke später war der umgeräumte Frachter auch schon auf dem Weg. Auf dem menschlichen Frachter glühte nicht nur das Triebwerk, sondern auch die Kommunikation. Man bekam alle Informationen, die verfügbar waren und Details zur verunfallten Besatzung und Pläne zu Grundrissen und Technik des Solari Schiffes.
Marvin sah sich um und lächelte seine Mitstreiter an, als er sagte:
„Hättet ihr das vor zwei Monaten gedacht, dass wir mal mit so vielen verschiedenen Spezies auf so eine Rettungsmission aufbrechen würden? Leute, ich bin so unglaublich stolz darauf, mit euch zusammen in diesen Einsatz ziehen zu dürfen!“
Auf diesem Schiff wussten offensichtlich sogar die beiden Sicherheitskräfte von der Nexus Sicherheit Bescheid, denn die wunderten sich nicht mal im Ansatz über diese komische Aussage. Im Gegenteil, denn auch diese freuten sich und teilten mit den anderen Helfern freundschaftliche Schulterschläge, Lächeln und Anerkennung aus. Alle wussten, was Marvins Ansprache zu bedeuten hatte und so halfen sie sich nun noch still beim Richten ihrer Ausrüstung und warteten auf die Ankunft an der Unfallstelle.
In der Zwischenzeit zeigte sich in den Hallen der Schule ganz klar, dass Marvins Sorgen durchaus berechtigt waren. Pinin hatte es zwar alles mitbekommen, verstand aber auch, dass für viele Worte keine Zeit mehr war. Sie sah ihrem Freund zu und hinterher und blickte dann direkt in die Augen von Rohul, der sie offensichtlich gesucht und gefunden hatte. Sie wusste sofort, was dessen Gesichtsausdruck zu sagen hatte und so hatte sie spontan nur noch ein einziges Ziel:
Flucht
Nichts wie weg hier und unsichtbar werden. So dachte sie auch gar nicht mehr groß nach, drehte sich um und wollte direkt losrennen, als sie unsanft im Nacken gepackt wurde. Mit dem klaren Gedanken, jetzt zu sterben, sah sie hinter sich, nach oben und direkt in das Gesicht von Kalimet, die sie angrinste und sagte:
„Los du Teddybär, komm schnell mit mir!“
Ein Blick nach hinten zeigte einen Valdari, mit Hass verzerrten Augen, der versuchte, sich durch die Ansammlung der verschiedenen Wesen zu kämpfen und klar auf sie zu rennen wollte, als Pinin sich von Kalimet aus dem Raum ziehen ließ. Für alle Beobachter war das sicher ein unfassbares Bild. Für Menschen konnte das so aber einfach nicht wahr sein. Da zog ein eindrucksvoller roter weiblicher Teufel einen zuckersüßen Teddybären hinter sich her und beide rannten vor einem tollwütigen Valdari Krieger in voller Rüstung weg.
An der Türe angekommen konnte man nur sehen, wie Kalimet die kleine Pinin packte und einfach unter ihren Arm zog, um damit sofort durch den offenen Gang zu stürmen. Damit spielte sie nun eine ihrer besten Waffen aus, denn sie war schon verdammt schnell und hatte damit sofort einen ordentlichen Abstand zu ihrem Feind geschaffen. Nur wenige Augenblicke später waren die Zwei außer Sichtweite von Rohul, der schreiend und fluchend versuchte aufzuholen.
Im All waren die Helfer zu dieser Zeit am verunglückten Solari Schiff angekommen und waren gerade dabei, eine Notschleuse aufzubauen. Eine Arbeit, bei der es gut war, dass zwei Menschen an Bord waren, denn das war ein rein Menschliches System, wie es auch Admiral Andreas Müller schon mal eingesetzt hatte. Ironischerweise auch bei der Rettung von einem Solari Schiff. Ob das wohl Sytem hatte? Wohl eher ein unguter Zufall, wenn auch diesmal wieder Eile geboten war.
Die Menschen hatten mit Hilfe der anderen die Schleuse errichtet, da stürmten die anderen Helfer auch schon durch und auf das Solari Schiff. Hier hätte die Ankunft keine Minute später sein dürfen und so wurden die Passagiere hier auch direkt in sogenannte Notkapseln verfrachtet. Das waren kleine Geräte, die jeweils mit einem Gurt um die Körper der Opfer befestigt wurden. Nach einem Knopfdruck wurden diese aktiviert und ein Ballon, wie ein Bratenschlauch riss förmlich um die jeweiligen Wesen herum. Diese wurden so blitzschnell eingeschlossen und direkt wieder mit atembarer Luft versorgt.
Einige, im Wesentlichen Bordpersonal hatten Schutzanzüge an und konnten schon Atmen. Für die Passagiere standen aber nicht genug Anzüge bereit, was sicher später ein paar Fragen aufwerfen würde. Jetzt galt es aber einfach, alle Lebewesen in Sicherheit zu bringen und das klappte auch recht gut. Helfer arbeiteten zusammen, wie ein Mann, Solari Schiffsbesatzung half mit, so gut es eben ging und so war es eine Rettungsaktion, die in nur wenigen Augenblicken erledigt war.
Auf dem menschlichen Schiff übernahmen Sanitäter und zwei Ärzte die Versorgung der geretteten und der Rest klärte, ob und was eventuell zu retten war. Eine Frage, die mit Blick auf kritische Reaktorwerte nicht weiter besprochen wurde und nur Augenblicke später war das menschliche Schiff auch schon wieder weg.
Sie hatten sich schon auf sicheren Abstand gebracht, da konnten alle nur noch die Explosion des verunglückten Schiffs sehen. Es war somit sicher logisch, dass alle Anwesenden damit absolut still in ihren Gedanken vertieft waren.
Währenddessen war auf Nexus Prime die Hölle ausgebrochen. Rohul war auf der Jagd. Kalimet hatte Pinin in einen Lüftungsschacht gestopft und baute sich gerade auf, um sich dem Kampf mit dem Valdari zu stellen und in den Hallen der Schule war es inzwischen aufgefallen, was hier gerade passierte. Sicherheit und Anwesende hatten jetzt erst wirklich geschaltet und so blieben einige Wenige einfach desinteressiert und tatenlos, die meisten aber eilten los, um in die zu erwartende Auseinandersetzung einzugreifen.
Als das Rettungsschiff gerade wieder auf Nexus Prime gelandet war, hatte Rohul die wartende Kalimet erreicht. Rohul stürzte gerade auf die Teufelin los und schlug mit seinen Krallen nach ihr. Diese parierte seine Angriffe, um auch ihrerseits nun zu zeigen, dass sie nicht aus Pappe war. Im Gegenteil. Sie wehrte sich und lieferte einen unglaublichen Kampf ab. Aus dem Wartungsschacht sah ein süßer kleiner Schmusebär mit aufgerissenen, tränengefüllten Augen panisch diesem Kampf zu, während sie sich in die Faust biss, um keinen Ton zu machen, der sie hätte verraten können.
Der Kampf war stürmisch und brutal. Beide Kämpfer mussten einige Schnittwunden und Schläge einstecken. Mit Landung des Rettungsschiffes war aber Marvin direkt losgerannt und eilte wieder zurück zur Schule. Verzweifelt rief er in sein Kom-System:
„Wo sind Pinin und Kalimet? Wo ist Rohul? Wie ist der Status? Kommen, was ist los?“
Die Erde hatte alles verfolgt und auch schon die Galaxy Hawk alarmiert, die natürlich wieder mal weit ab, vom direkten Weg, aber zufällig in günstiger Nähe war. Das Kommando konnte ja nicht wissen, wer, wann, wie schnell hätte eingreifen können und so alarmierten sie den, der sowieso alles nutzte, um sich vor seinem Auftrag zu drücken.
Nur wenige Kilometer vor der Station fiel somit ein menschliches Super Kriegsschiff aus dem Hyperraum, als Marvin gerade die beiden Kämpfer erreicht hatte. Kalimet war inzwischen übel verletzt und so griff er sie an ihren Schultern und drehte sie aus dem Kampf. In einer gewirbelten Spirale schleuderte er sie schon unsanft in einiger Entfernung fort und stieg nun selbst in die Auseinandersetzung ein, als er dem Sicherheitschef zu zischte:
„Rohul, ich hätte darauf gewettet, dass du kein bisschen Ehre in deinem Leib trägst und die Situation ausnutzen würdest. Du Schandfleck deiner Art. Lass es uns jetzt zu Ende bringen!“
Auch dieser Kampf war jetzt brutal und wirklich übel, aber Rohul hatte alle Hemmungen und Anstand abgeworfen. Er stürzte sich mit allem, was er hatte auf diesen Menschen, der sich wirklich gut schlug, aber aktuell keine Chancen hatte. Ihm blieb nur, sich zu wehren und nach Lücken in der gegnerischen Verteidigung zu suchen.
Was hier keiner wissen konnte war, dass Andreas inzwischen mit seinen beiden Ninja und ein paar seiner Marines auf der Station gelandet war und auch die nun vom Kommando zu den Kämpfenden gelotst wurden, wo inzwischen auch schon einige weitere Wesen angekommen waren, die jedoch nicht wussten, was sie machen sollten. Ein Problem, dass Andreas und seine beiden Schwarzen nicht hatten, denn Tedeschi reagierte jetzt und sofort.
Er machte mit dem inzwischen ebenfalls verletzten Marvin Block jetzt genau das, was der zuvor mit seiner Teufels Braut gemacht hatte und schleuderte ihn aus diesem Kampf. Damit stand nun Tedeschi mit gezogener Klinge dem immer noch wütenden Rohul gegenüber, der nun aber sichtlich verunsichert pausierte und seinen neuen Gegner intensiv musterte.
Andreas nutzte diese Gelegenheit und sprach:
„Kommandant Rohul. Stellen sie jetzt diesen Kampf ein. Sie haben jetzt genug Unheil angerichtet und werden sich nun einem ordentlichen Gerichtsverfahren zu stellen haben. Diese unglaublichen Angriffe und Brutalität an einer Schule werden hier auf Nexus Prime vor einem Koalitionsgericht enden. Ich glaube nicht, dass es einen Valdari gibt, der ihnen diese Verfehlungen noch nachsieht!“
Mit dieser Ansage wurde Rohul jetzt erst auf Andreas aufmerksam und dem brannten direkt alle Sicherungen durch, als er aufschrie:
„Du! Du menschlicher Abschaum!“
Er stürmte auf Andreas los, nur um direkt in seiner Bewegung gestoppt zu werden. Tedeschi hatte ihm den Griff seines Schwertes direkt in sein Gesicht gerammt und den Sicherheitschef postwendend auf die Bretter geschickt. Hier lag er nun. Bewusstlos und geschlagen. Von einigen Leuten gepackt und gefesselt, aktuell aber noch bewusstlos. Eine unglaubliche Situation und überall sah man Wesen, die jammerten und ihre Wunden leckten.
Pipin kam aus ihrem Versteck gewuselt und stürzte sich direkt, erst auf Kalimet, die aber aktuell schon verarztet wurde und gerade nicht reagieren konnte. Der kleine Schmusebär weinte und winselte, als sie das viele Blut sah. Dann wendete sie sich an ihren Menschen, jedoch auch er war gerade in Behandlung, nur sah er seine kleine Freundin direkt kommen und streckte seine Hand nach ihr aus. Ein Anschiss des Sanitäters:
„Halten sie Ruhe. Nicht jetzt. Das hier ist verdammt ernst!“
Marvin zwang sich jedoch zu einem verkrampften Lächeln und antwortete:
„Ja und meine Medizin ist auch schon da!“
Damit winkte er Pipin zu sich und die versuchte ihm so nahe wie möglich zu kommen, ohne ihren Freund und dessen Behandlungen zu gefährden. Sie sah ihren Freund an und jammerte:
„Oh, bei den Ahnen, warum ist das so schief gegangen? Warum gab es so viel Blut? Warum sorge ich nur immer wieder für so viel Leid?“
Marvin streichelte die kleine Maus und tröstete sie:
„Süße Maus, du bist nicht schuld. Du hast nur Freunde, die eben mal nicht so gut klargekommen sind. Wir sind ein Team und Rohul war dermaßen außer Kontrolle, dass selbst ich, ohne Waffen machtlos war. Es ist doch noch mal gut gegangen!“
Damit schloss der Sanitäter seine Versorgung ab, womit Pinin nun endlich kuscheln kommen konnte, Kalimet kroch zu den beiden dazu und schloss sich bei dem Geschmuse mit an und Andreas hatte sich vor den Dreien aufgebaut und beobachtete das Schauspiel mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht. So sagte dieser:
„Wenn ich in meinen Jahren im Weltall ja schon einiges gesehen habe, dann seid ihr Drei aber mal sicher einer der spektakulärsten Anblicke. Ein ziemlich ramponierter Mensch, mit einem unglaublich süßen Bärenwesen und einem weiblichen Teufel, bei dem ich noch nicht weiß, ob die Dame mir nun Angst macht, oder mich schlicht vom Hocker haut, weil sie derart schön ist. Junge, Junge, was ein Anblick!“
Admiral Andreas Müller setzte sich zu den Dreien auf den Boden und beobachtete sie einfach leise weiter. Er ließ ihnen Zeit, sich wieder zu erholen, dachte aber ganz offensichtlich sehr intensiv nach.
In den Räumen der Nexus Sicherheit wurden zu diesem Zeitpunkt Aussagen aufgenommen und Fakten gesammelt. Hier wollten die Verantwortlichen ganz besonders wissen, warum die reguläre Besatzung des verunglückten Schiffes Notfallanzüge hatten, die Passagiere aber nicht? Warum wurden die Passagiere nicht zuerst gesichert? Wer hatte die Verantwortung und warum war das Schiff ohne ausreichende Sicherheitsschilde unterwegs? Was war mit den Rettungskapseln und so weiter und so weiter. Die hier verhörten Offiziere und der verantwortliche Kapitän hatten sicher schon mal bessere Zeiten.
Im Krankenhaus von Nexus Prime wurden gerettete Wesen behandelt, die eben medizinische Hilfe brauchten. Auch hier wurde ganz genau darauf geachtet, welche Verletzungen warum vorhanden waren. Was war hier passiert? Ein einfacher Meteoritenschauer hätte eine solche Katastrophe sicher nicht auslösen sollen. Alles roch nach grober Fahrlässigkeit und unzähligen Verstößen. Sicher noch viel Arbeit für die Justiz.
Kommandant Rohul war in eine Zelle gebracht worden, wo er entwaffnet und in Handschellen langsam wieder zu sich kommen konnte. Er war bei dem Ganzen noch ganz gut davongekommen, zumal er ja auch der Einzige war, der mit seinen Krallen Waffen genutzt hatte. Als er langsam wieder zu sich kam, war selbst ihm klar, dass er wohl eine längere Auszeit nehmen musste.
Als Marvin und seine zwei Frauen sich wieder etwas beruhigt hatten, sahen sie einem sichtlich erleichterten Admiral in die Augen und ein immer noch fassungsloses Publikum sah zu, ließ ihnen aber einen angemessenen Raum. Im Ganzen löste sich der Trubel aber schon langsam auf und so versammelten sich schließlich nur noch die aktuell Beteiligten in einem kleinen Klassenzimmer, wo sie die Stühle mal so um die Tische arrangierten, dass sie sich alle in Ruhe unterhalten konnten, dabei aber eben Sichtkontakt halten konnten.
Admiral Andreas Müller ließ jetzt eine Verbindung zur Erde herstellen und so erschien nun auch noch der Oberbefehlshaber auf einem Bildschirm. Dieser hatte ebenfalls alles mitbekommen, hatte mit seinem Team die Koordination geführt und Beweise gesichert. Er schien nun auch endlich etwas entspannt und fragte einleitend:
„Major, wo ist meine Nichte? Wo sind die anderen Menschen? Geht es allen gut?“
Marvin antwortete, mit seiner Pipin auf seinem Schoß und Kalimet an seiner Schulter:
„Admiral Sir, Viviane und die Anderen sind in Sicherheit und wahrscheinlich schon auf ihren Zimmern. Sie waren jetzt ausnahmsweise mal nicht beteiligt und blieben endlich mal unbeschadet!“
Als Antwort kam von der Erde:
„Gott sei Dank. Andreas, dann bitte ich dich zu übernehmen, wie wir das besprochen haben. Major, mein herzlicher Dank geht an sie. Sehr gute Arbeit. Erde Ende!“
Als nun einige Getränke in den Raum gebracht wurden, ergriff Andreas nun wieder das Wort und so wurde nun eine ordentliche Nachbesprechung durchgeführt und alle Fakten, die jeder noch liefern konnte, auf den Tisch gebracht. Inzwischen waren die Ninjas auch wieder entspannter und die restlichen Begleiter des Admirals hatten sich auf der Station verteilt, um sich ihrerseits nützlich zu machen. Sie suchten nach dem restlichen Valdari Team von Rohul, verhafteten dieses und brachten sie ebenfalls in die bereiteten Zellen. Das ging mal mehr, mal weniger einfach, jedoch fehlte mit Rohul die motivierende Kraft.
Fast alle Besatzungsmitglieder, der Galaxy Hawk kamen auf Station. Sie beteiligten sich an der Krisenbeseitigung, Beweissicherung und Versorgung. Andere entspannten einfach und sahen sich um, wieder andere besuchten Stationen und Freunde. Jeder, wie es gerade passte. Andreas ging zusammen mit Marvin und dessen Gefolge zuerst in den Zellenbereich und prüften, wer eingesperrt wurde und ob jemand fehlte, wie auch immer. Marvin überraschte aber mit klaren Aussagen, als der mit Schrecken korrigierte:
„Leute, ein Valdari ist nicht per Beschreibung ein Verbrecher. Die Drei hier haben nichts mit den Vorfällen zu tun. Lasst sie frei. Die gehören zu uns!“
Weiter ging es zum Krankenhausbereich, wo man eben sehen wollte, ob alles klappte. Was hier nicht klappte war ein echter Schock für Andreas und das war einer, mit dem er in seinem ganzen Leben nicht gerechnet hatte. Im Krankenhausbereich war gerade die Hölle los, wenn hier auch jeder wusste, was er tat, oder zu tun hatte. So waren diese neugierigen Störenfriede auch nur geduldet, konnten aber absolut nichts Sinnvolles beitragen. Andreas, Marvin und all die Anderen beobachteten gerade und sahen dem Gewusel zu, als der Admiral plötzlich zur Salzsäule erstarrte. Fassungslos sah er auf einige der Ärzte und Sanitäter, als dort eine junge und hübsche Krankenschwester den Beobachter registrierte.
Lange Momente sahen sich diese Krankenschwester und ein Admiral einfach still und ohne Regung in die Augen. Über eine verhältnismäßig lange Entfernung standen sie da. Beide verharrten vollkommen Reglos und schweigend, ohne Reaktion, bis die Umstehenden Beobachter endlich bemerkten, dass etwas nicht stimmte. Livia und Luna, die inzwischen zu Andreas aufgeschlossen hatten beobachteten dieses merkwürdige Verhalten und erkannten schließlich, dass es wohl um diese Krankenschwester ging. Luna durchforschte Personalakten und sagte leise zu Livia:
„Alina Mc Mallon!“
Der Name sagte beiden nichts, bis Luna mittels Querverweise und Datenabgleiche auf die Lösung kam:
„Weisenhaus. Das gleiche, zur gleichen Zeit wie Andreas!“
Andreas hörte es nicht. Er sah nicht, wie alle Anwesenden zu den Beiden auf Abstand gingen und dachte aktuell auch nicht darüber nach. Er sah nur, wie Alina sich ganz langsam und vorsichtig in Bewegung gesetzt hatte und sehr vorsichtig auf ihn zukam. Er tat es ihr gleich. Ganz langsam setzte auch er sich in Bewegung und kam ihr entgegen. Die ganze Zeit sahen sie sich einfach nur schweigend und emotionslos in die Augen, bis sie schließlich kurz voreinander stehen blieben. Absolut gleichzeitig erhoben sie ihre Arme. Sie legte ihre Hände auf seine Oberarme. Er legte seine auf ihre Wangen und so zog er sie streichelnd und schließlich umschlingend in seine Arme, wo auch sie schließlich seinen Körper umschlang.
Eine Sache, die alle Beobachter schweigend verunsicherte und alle Blicke tauschen ließ. Was war hier los? Wer war sie? Wie würde Livia reagieren? Livia reagierte, wie das wohl nicht jede Frau getan hätte. Sie nahm die verunsicherte und fragend blickende Eva auf ihren Arm und wartete ab. Sie ließ ihrem Mann die Zeit. Sie hatte sehr viele merkwürdige Gefühle im Bauch, Von Angst, Verwunderung und Eiversucht, bis hin zu krampfhafter Geduld und tiefem Vertrauen war alles dabei.
Alina lehnte an Andreas Brust gekuschelt in seinen Armen und erst viele Augenblicke später lösten sie sich voneinander. Frauen sind schneller. Frauen sind fixer und so sagte Alina als erste:
„Admiral, Sir, es freut mich sie hier so überraschend wiederzusehen!“
Andreas verzog sein Gesicht zu einem verkrampften Lächeln und antwortete leicht verkrampft:
„Ma am, ich habe dich über viele Wochen gesucht und jeden gefragt, der mir hätte helfen können. Keiner konnte mir sagen, wohin du verschwunden bist. Ich dachte, du wärst tot!“
Nein, sie war nicht tot. Sie bekam einen sanften Kuss auf ihre Stirn, seine Hand in der ihren und so sah er sich nach seiner Maus um und zog Alina dann in passende Richtung hinter sich her, bis er vor seinen drei Mädels stand. Hier führte er die verunsicherte Krankenschwester vor sich und stellte die Damen erst mal vor:
„Alina, das sind meine Frau, Livia, der Zwerg hier ist Eva, meine Tochter. Die Süße hier ist Luna, meine Schwester. Mädels, das hier ist Alina. Alina Mc Mallon. Meine alte Freundin aus Kinderzeiten. Wir waren zusammen im Waisenhaus und damals echt gute Freunde, bis sie mit ihrem achtzehnten Geburtstag einfach verschwunden war!“
Livia machte es amtlich, dass sie ihrem Mann nicht nur vertraute, sondern eben seine gute Seite war, als sie auf Alina zukam und sie einfach in die Arme nahm. Alina haltend sagte sie ganz einfach:
„Hallo Alina, es freut mich, dich kennen zu lernen!“
Eva kam auf die Fremde zu und sagte leise:
„Hallo Alina. Ich bin Eva und schön, dich kennen zu lernen!“
Luna sah nur zu und reagierte erst mal gar nicht weiter. So zuckte Eva eben mit den Schultern und machte sich mit ihren Freunden lieber wieder auf den Weg, etwas Cooles zu entdecken. Nicht ohne Nalkis, der sich zum Babywächter erklärt hatte und alle Wesen in Panik versetzte.
Die vier Großen begaben sich stattdessen lieber in die angrenzende Cafeteria um dort in einer Ecke sitzend einfach mal zu reden. Andreas machte den Anfang, als er sagte:
„Was ist damals passiert? Was hast du gemacht?“
Alina sah auch nur kurz auf die beiden fremden Frauen, überlegte, ob sie vor diesen alles auspacken wollte, entschied dann wohl, dass sie sicher sowieso alles erfahren würden und begann dann leise zu erzählen:
„Ich wurde ja damals von der Polizei aufgegriffen und ins Heim zurückgebracht. Sie waren der Meinung, dass ich damals auf den Strich gegangen wäre. Das stimmte so aber nicht ganz. Ich hatte damals nach Lösungen gesucht, wie wir ja alle. Ich war nun mal nicht so gut, wie du. So zog ich in der Stadt herum und überlegte, suchte Angebote und sprach diverse Leute an. Kurz habe ich wirklich überlegt, ob ich eventuell wenigstens eine Zeit lang anschaffen gehen sollte, um wenigstens einen Start finanzieren zu können.
Wenn ich heute so darüber nachdenke habe ich das dann eigentlich auch so gemacht.
Vor einer Bank hatte mich ein älterer Mann dort beobachtet und schließlich auch angesprochen. Er hat mich ganz direkt gefragt, ob ich Probleme hätte, ob er helfen könnte.
Damit hat er mich dann in einen Diner eingeladen, wo wir uns einfach so unterhalten haben. Als ich mich sicherer gefühlt habe, habe ich ihm dann von meinen Problemen und meiner Verzweiflung erzählt. Er hat einfach nur still dagesessen und mir zugehört. Sagte lange nichts und ließ mich einfach reden.
Schließlich hat er mir vorgeschlagen, dass er sich einen Deal auf Gegenseitigkeit sehr gut vorstellen könne. Er wäre nun mal inzwischen alt und unansehnlich, hätte aber etwas Geld. Ich wäre genau das Gegenteil. Warum wir uns nicht einfach zusammentun würden?
So haben wir es dann auch entschieden.
Er gab mir die Möglichkeit, bei ihm in seiner Firma eine Ausbildung zu machen und ließ mich in seinem Haus wohnen. Ich ließ ihn mich vögeln und seinen Spaß haben. So hatte ich nur einen Freier und eine Chance auf ein besseres Leben. Ich bin so auch viele Jahre bei ihm geblieben. Wir haben uns nicht wirklich geliebt, aber wir mochten uns immer mehr. Er war immer gut zu mir und als er gestorben ist, habe ich sogar ein bisschen was von ihm geerbt.
Ich habe ein paar Jahre später dann deinen Fernsehauftritt gesehen. Diese Wahnsinns Show, wo du all die verrückten Aliens vorgestellt hast. Das war für mich eine richtige Achterbahn der Gefühle. Ich habe fast eine Woche in meinem Kopf das größte Caos gehabt, bis ich dann entschieden habe.
Was du kannst, kann ich auch
Und so habe ich mich dann für einen Einsatz im Weltall beworben. Im Büro haben die keinen gesucht, aber ich konnte umschulen, da Krankenschwestern sowieso nicht so einfach eingesetzt werden konnten. Auch die mussten noch mal ganz neu lernen, da es ja so viele unterschiedliche Wesen da draußen gibt. Somit war ich dann zwei Jahre auf der Schule und bin schließlich hier gelandet.
Ich hätte nie im Leben geglaubt, dass wir uns hier jemals treffen würden und trotzdem bin ich jetzt froh, dass es passiert ist.
Naja und Livia, du bist eine wirklich wunderbare Schönheit und ihr habt eine unglaubliche Tochter. Meinen herzlichsten Glückwunsch. Andreas und ich hatten aber nie so etwas wie Liebe. Wir sind damals wirklich gute Freunde gewesen. Mach dir also bitte keine Sorgen wegen mir!“
Die beiden Frauen lächelten sich an und drückten sich die Hände und die Gespräche nahmen nun einen lockereren und entspannteren Verlauf. Sie erzählten, was sie gemacht und erlebt hatten. Wie es ihnen ginge und all solche Sachen, bis Alina schließlich sagte:
„Luna, damals in der Fernsehsendung haben alle gesagt, dass du ein Android wärst? Ist das wirklich wahr? Ich beobachte dich hier die ganze Zeit und könnte jede Wette deswegen verlieren. Stimmt das wirklich?“
„Ja, das stimmt. Wenn Andreas nicht gewesen wäre, wäre ich auch jetzt noch ein Programm, in irgendeinem Rechner. Eigentlich sogar ein ausrangiertes Programm auf einer eingelagerten Festplatte, weil mich sonst keiner haben wollte!“
Andreas grätschte hier mal schleunigst dazwischen und warf ein:
„Keiner haben wollte! Wie lustig! Armeen würden in den Krieg ziehen um dich erbeuten zu können. Der war gut, keiner will dich!“
Die Gespräche plätscherten schließlich einfach noch so daher, während um sie herum das Leben einfach weiter ging. Schließlich verabschiedeten sich die vier voneinander, wobei sie sich aber noch zu einem Abendessen verabredeten, um weiter reden zu können.
So nahm dieser Mist nun auch endlich mal ein Ende und alle verstreuten sich schließlich wieder in ihre eigenen Quartiere. Admiral Müller aber hatte jetzt erst mal Arbeit. Zusammen mit Luna nahm er sich diese Schule erst mal richtig vor und die kommenden Tage führte er ganz andere Schlachten mit all den Verantwortlichen auf dieser Schule. Das waren Schlachten, die für die meisten Verantwortlichen nicht wirklich gut ausgingen. Es wurden Schlachten, die in so manchen Regierungskreisen für ziemlichen Wirbel sorgten. Zumal eben immer klarer wurde, dass es die Menschen wohl am härtesten getroffen hatte, diese aber bei weitem nicht die einzigen Opfer waren. Eine Erkenntnis, die auf einer Schule einfach nichts zu suchen hatte.
Die vier Schüler der Assasuren wurden recht zügig nach Hause zurückgerufen, womit nun auch der schöne Spaß zwischen Marvin und Kalimet ein Ende fand. Kalimet dachte recht lange darüber nach und überlegte, was sie machen sollte. Schließlich entschied sie aber, dass sie in ihre Heimat zurückkehren wollte und teilte dies schließlich Marvin mit.
Tja, der merkte dann mal, dass er diesen Teufel wohl doch mehr mochte, als gedacht, denn er hatte damit einen unglaublichen Kloß im Hals. Selbst Pinin weinte dicke Tränen und so war es nicht mal mehr etwas mit einem schicken Abschiedsfick. Nein. Die Stimmung war hinüber und so trennten sie sich schließlich auch einfach nur in aller Freundschaft.
Sie wurden von einem Kriegsschiff der Assasuren abgeholt, dass so auch erst mal seines gleichen suchte. Tief schwarz, mit roten Applikationen hing diese angsteinflößende Kriegsmaschine im Orbit. Nicht so groß wie die Galaxy Hawk, aber optisch wesentlich brutaler und grober zeigte es klar, mit welcher Art Spezies man es hier zu tun hatte. Natürlich war Marvin damit auch ziemlich niedergeschlagen, aber Pinin und seine anderen Freunde brachten ihn schon wieder in die Spur.
Zwei Monate vergingen danach und nichts Weiteres passierte.
Andreas, seine Leute und die Justiz bauten das Gerichtsverfahren auf. Diplomaten stritten und versuchten die Interessen ihrer Regierungen in das Verfahren einzubringen. Marvin war heimlich still und leise zum Interessenvertreter der Studenten erkoren worden. Keiner hatte es ausgesprochen, aber für alle schien das einfach so zu sein. Gab es Streit, oder Probleme, dann kamen alle zu ihm und ließen ihn schlichten. Nachdem eine der ersten Streitigkeiten von ihm gegen einen der Menschen entschieden wurde, waren selbst die skeptischsten Wesen sicher, dass er fair war. Marvin studierte in seinen Fächern einfach fertig. Lebte mit seiner Pinin, wie gewohnt und genoss die Zeit mit ihr, wie immer.
Andreas und seine Crew erledigten die verschiedensten Aufgaben, beteiligten sich bei den Untersuchungen und warteten einfach ab, bis sie wieder weiter ziehen würden. Inzwischen war es auch schon normal, dass zwei Draconier und ein Camrati eben auch zu Gast waren, wenn auch diese Eingewöhnung am längsten dauerte.
Alina war mehrmals zu Gast auf der Galaxy Hawk, ansonsten blieb hier aber alles beim Alten. Als schließlich das große Gerichtsverfahren eröffnet werden sollte, war das, wie eine riesige politische Veranstaltung. In den Tagen vor der Eröffnung erschienen plötzlich und unangekündigt unzählige Schiffe vor der Station und parkten dort im Orbit. Fast jede Spezies schickte Diplomaten und Vertreter der jeweiligen Regierung. Alle sahen diese Verhandlung für die Zukunft ihrer Interessen als wichtiger, als anfangs erwartet.
Sogar Admiral Peter Hardwell war persönlich erschienen und so war wohl alles anwesend, was Rang und Namen hatte. Entsprechend angespannt verlief dann auch der Anfang dieser Verhandlung. Zuerst musste ein viel größerer Saal bereitet werden. Dann wurde die Form um ein Vielfaches mehr aufgeblasen und alles nur wegen einem Sicherheitschef, der seine Schüler Tyrannisiert hatte?
Tja, nicht ganz, denn politisch war das ein echtes Pulverfass. So begann das Verfahren auch alles andere als normal, denn zur Eröffnung gaben recht viele Regierungen erst mal ihre Statements ab. Die Valdari waren dabei die größte Überraschung, als deren Vertreter aufstand und sagte:
„Wir, die Valdari erklären hiermit offiziell, dass wir nicht auf Linie mit Sicherheitschef Rohul sind. Wir verurteilen sein Verhalten und sind stolz auf unsere anderen Vertreter auf dieser Schule, die hier zu wertvollen und starken Mitgliedern der koalierten Gemeinschaft geworden sind. Wir akzeptieren jedes Urteil, dass ganz sicher im Sinne der Gerechtigkeit gefällt wird!“
Mehrere der schwächeren Spezies hatten sich zu einer gemeinsamen Erklärung zusammengefunden und nur ein Vertreter, eine Älteste der Nexari verlas deren Standpunkt:
„Wir, die bisher die Opfer in diesem Spiel stellen mussten bedanken uns ausdrücklich bei den Vertretern der Menschheit. Die Menschen sind wohl mit die mächtigste Spezies in unserer Allianz, in ihrem Wesen echte Raubtiere, die aber ihren Wert zum Schutz der Schwachen deutlich unter Beweis gestellt haben. Wir bleiben Freunde der Valdari, bitten aber alle Verantwortlichen, zukünftig der besonderen Rolle der Menschen Rechnung zu tragen. Wir würden es begrüßen, wenn zukünftig nicht mehr eine Spezies die Sicherheit unserer Kinder stellt, sondern ein Gemisch, unter der Leitung der Menschen!“
Die Richterin, eine recht eindrucksvolle Erscheinung, ein ziemlich wehrhafter und beängstigender Käfer, vom Stamme der Hewe, schien schon kurz vor dem Verzweifeln, als sie fluchte:
„Können wir dann, oder soll ich mir Urlaub eintragen?“
Mit doch etwas Gelächter ging sie dann los. Die anfangs so normale Verhandlung, die dann doch so sehr an Tragweite gewann. Es wurden Zeugen gehört, Beweise vorgelegt. Kreuzverhöre zwischen Anklage und Verteidigung. Eben der übliche und langweilige Kram. Pinin wurde gehört, die zwar immer wieder zu ihrem Marvin sah, inzwischen aber zu einer wirklich tollen Persönlichkeit herangewachsen war. Sie war in den letzten Wochen mehrfach mit einem netten jungen Kors Vertreter zusammen und war jetzt eben nicht mehr so ganz so schüchtern. Im Gegenteil. Sie wurde langsam wer.
Was im Anschluss von Marvin wohl noch mal deutlich getoppt wurde, denn nun gab er sich als der Vertreter der Erde zu erkennen, der er nun mal war. Als er aufgerufen wurde und in den Zeugenstand trat, machte er den ganzen Saal sprachlos. Der immer etwas schlampige und ungepflegte junge Ex-Offizier erschien in Gala Uniform, mit all seinem Lametta auf der Brust und brauchte dazu auch nichts mehr zu sagen. Die Anwälte der beiden Seiten klärten das schon auf. So erfuhren die Alliierten eben jetzt, wie die Hintergründe waren, was er war und warum er dort war. Sie erfuhren alles und für die beklagten Valdari wurde es jetzt immer enger. Die Menschen legten nun ihre Beweise vor, schilderten sogar die Hintergründe für Rohuls Hass.
Eigentlich war das Verfahren weit einfacher und klarer, als der ganze Zirkus darum vermuten ließ. Nur war es mit dem Urteil eben dann nicht zu Ende. Rohul wurde auf eine Kolonie strafversetzt, wo er helfen musste, eine dortige Agrargesellschaft aufzubauen. Sein Rang und Position wurden ihm genommen, aber sein Leid und seine Geschichte wurde eben auch nicht ignoriert. Die Valdari selbst wollten mit seiner Historie auch nicht mehr so viel zu tun haben. Eher schämten sie sich für diesen Teil ihrer Vergangenheit und so war es dann eben ein wirklich gutes Urteil. Für Alle…
Was dann kam war das deutlich Wichtigere…
Die Richterin machte, dass sie wegkam, der Saal blieb in Stille versammelt sitzen, als der Vertreter der Solari in den Raum fragte:
„Was machen wir jetzt mit dieser Schule? Wie wollen wir auf die vergangenen Probleme reagieren?“
Damit ging sie dann auch los. Die weit wichtigere Verhandlung und eine unglaubliche Diskussion, die trotzdem immer noch recht zivilisiert blieb. Viele brachten Meinungen ein und eröffneten Vorschläge. Diverse Ideen wurden diskutiert. Die Admiräle der Erde saßen im Publikum und hörten interessiert zu, ließen den Mist aber die anderen lösen, bis aus Reihen der Crel der finale Vorschlag kam:
„Wir schlagen vor, die beiden Akademien zusammen zu legen. Militär und Zivil sollten verbunden werden, damit die beiden Gruppen nicht zu weit auseinanderdriften. Etwas mehr Disziplin und auf der anderen Seite etwas mehr Offenheit und Weitblick können beiden Seiten nicht schaden. Wir bitten zu bedenken, dass der Gedanke, die Schwachen zu schützen und zusammen zu halten aktuell eben nur von einer Spezies respektabel vertreten worden ist.
Unsere Schüler haben dazu eine einzige passende Rückmeldung gegeben. Die Kors, die eine unserer Welten vertreten haben dem mit eindrucksvollen Argumenten zugestimmt. Wir, die Crel schlagen ein neues System vor. Akademisch sollte es beim aktuellen Ratssystem bleiben. Für Integration, Sicherheit und Struktur wünschen wir uns Major Marvin Block als ersten Direktor der Nexus Akademien. Nicht weil er ein Elite Krieger ist, sondern weil er als Elite Krieger die starken Völker verstehen und lenken kann, als Mensch aber die Schwachen optimal schützt!“
Zwei menschliche Admiräle nickten zufrieden lächelnd, ein menschlicher Major bekam einen knall roten Kopf und im Saal erwachten überall leise Diskussionen, wobei die allgemeine Verwunderung nicht zu kurz kam, einen solchen Vorschlag ausgerechnet von der Crel Seite zu hören. Andererseits waren Menschen und Crel so sehr verschieden, inzwischen aber trotzdem so eng befreundet, dass es auch wieder nicht verwundern sollte.
Am Ende gab es eine Abstimmung, wie sonst in den Regierungsgremien und aus dem menschlichen Elitesolldaten sollte nun ein Schuldirektor werden, der sogar einstimmig gewählt wurde. Blöd ist die Geschichte nur, wenn man als gewählter Direktor dann noch nein sagen will. Er sagte nicht nein, hatte aber ziemlich weiche Knie. Würde das doch wohl seine größte und wichtigste Schlacht werden, auf die er sich aber sicher am meisten freute.
Nicht wirklich verwunderlich wurde nach dieser Gerichtsverhandlung doch eine ziemlich große und spontane Feier organisiert. Der neue Direktor mit umfangreichen Glückwünschen und Gratulationen willkommen geheißen, wobei Schüler, Diplomaten, Militärs und Professoren offensichtlich alle gleichmäßig erfreut reagierten.
Das Leben nahm für Marvin damit eine Wendung, die er so nun wirklich nicht erwartet hatte. Von seiner Familie kamen Glückwünsche, mit der Ankündigung, dass man ihn bald besuchen wollte. Auf dem Campus änderte sich so viel und doch blieb so vieles beim Alten. Marvin begann mit der Organisation des Sicherheitsteams. Hier forderte er Bewerbungen an und bekam weit mehr, als er erwartet hatte. Als sich auch vorsichtig einige der Valdari bewarben, hatte er ein Problem. Er löste es mit einem Treffen und Schulung, wo er erklären konnte, was er erwartete.
Trotzdem, oder gerade deswegen übernahm er einige der ursprünglichen Leute und gab ihnen eine Chance. Ohne Rohul erwies sich das als weit einfacher, als erwartet. Er Verknüpfte Campus- und Nexus Sicherheit weit enger, als bisher und so vertiefte man hier nun die Zusammenarbeit, bis schließlich kaum noch Unterschiede vorhanden waren. Es waren eben mehrere Abteilungen, die eng zusammenarbeiteten.
Mit Beginn des nächsten Semesters machte Marvin dann den wichtigsten Unterschied. Als alle Studenten angekommen waren und sich eingerichtet hatten, war sein erstes Event eine Riesen Große Versammlung, in der er alle neuen und alten Studenten willkommen hieß. Hier sagte er:
„Liebe Studenten, Professoren und helfenden Kräfte. Ich bitte euch alle mal aufzustehen und euch umzusehen. Betrachtet euch bitte mal eure Mitstreiter hier und denkt mal nach!
Wenn ich euch alle hier so sehe, dann steigt in mir ein Stolz und eine Freude auf, die ich kaum ausdrücken kann. Jeder von euch hat etwas geschafft, dass eine besondere Anerkennung verdient. Ihr seid auf die speziellste Universität gekommen, die es in unseren Welten überhaupt gibt. Hierher schicken alle Völker ihre besten und hoffnungsvollsten Geister um hier mit all den anderen zusammen zu lernen und die Welten ein Stückchen besser zu machen.
Zusammen studiert ihr, forscht ihr und zusammen werdet ihr besser und stärker. Jeder bringt etwas in unsere Gemeinschaft mit, mit dem wir alle zusammenwachsen. Wir sehen hier starke, stolze und mächtige Krieger, die zu weit mehr als einfache Kampfmaschinen werden. Dann sehen wir sanfte und zarte Wesen, die ganz andere Stärken beisteuern. Die Starken beschützen hier jetzt die Schwachen und die Schwachen unterstützen die Starken.
Liebe Krieger und starken Völker. Es liegt keine Ehre, oder Stolz in dem besiegen schwacher Welten und Spezies. Es ist Tyrannentum und Missbrauch von Stärke. Missbrauch von Stärke ist einfach nur peinlich. Stolz und Ehre liegt im Kampf gegen vergleichbare Stärken. Der Sieg aus einer vermeintlich schwachen Position heraus. Nur der Sieggegen gleiche, oder sogar Stärkere macht stolz und zurecht selbstbewusst. Unter den Menschen bin ich ein sehr besonderer Krieger. Stolz und mehrfach ausgezeichnet. Ich besitze nur einen Orden, den ich erhalten habe, weil ich es geschafft habe, Schwache zu schützen und in Sicherheit zu bringen. Das ist meine einzige Auszeichnung, auf die ich heute noch stolz bin.
An alle schwachen und hilflosen Spezies. Seit stark, seit schlau und lasst euch helfen. Entwickelt euch und lernt das Beste aus dem zu machen, was ihr habt. Unterstützt eure Mitschüler. Macht eure starken Freunde besser, mit dem was ihr habt. Gebt nicht einfach gleich auf, sondern entwickelt auch ihr euch weiter.
Wenn euer aller Zeit hier rum sein wird und ihr hoffentlich alle eure Abschlüsse geschafft haben werdet, werdet ihr weit mehr gelernt haben.
Gemeinsam seid ihr stärker und wir alle geben unser Bestes dafür!“
Es dauerte keine Wochen. Keine Generationen. Schon ab diesem ersten Termin war es offensichtlich, dass sich so sehr vieles geändert hatte. Emotionale und eher brutale Charaktere bekamen ihre Möglichkeiten, sich auszutoben. Es gab Wettkämpfe und Trainings, in denen sie sich beweisen konnten. Es gab diverse Gruppen und Kreise, in denen andere Interessen gepflegt werden konnten. In Studienfächern war Gruppenarbeit immer sehr wichtig und hier wurden Gruppen bunt gemischt. Es war deutlich einfacher, als viele erwartet hatten.
Marvin führte Selbstverteidigungskurse und Seminare zur Bildung des Körperbewusstseins selbst, wo nun alle teilnehmen durften. Es mischten sich Wesen aus allen Spezies, beiden Akademien und Personal frei nach Interesse, weshalb es sehr schnell auch so einige Veranstaltungen gab. Freiwillige Hilfslehrer waren wieder nötig und so trainierten auch nun wieder schwache Wesen mit eigentlich angsteinflößenden Lehrern. Marvin war stolz wie Oscar, bis er auf einem Abendseminar auf eine menschliche süße und junge Frau traf.
Sehr schüchtern und ängstlich stand sie da und wusste nicht, ob sie richtig war, oder was sie jetzt machen sollte. Als Marvin zu ihr kam und sie lächelnd ansprach:
„Hallo schöne Frau. Du bist neu bei uns hier? Willst du nur zugucken, oder es auch mal probieren?“
Da antwortete sie verlegen:
„Livia und der Admiral haben mich ermutigt einfach mal her zu kommen. Ich wollte gerne mal was anderes sehen und unter Leute kommen, die eben nicht nur Patienten sind. Eigentlich würde ich auch gerne mal lernen, wie ich mich selbst verteidigen und eventuell besser mit meinem Körper zurechtkommen kann. Ich bin nur ein ziemlicher Feigling, wie ich gerade merke!“
Marvin lachte, packte ihre Hand und zog sie hinter sich her. Auf einer dünnen, aber großen Matte drehte er sich wieder zu ihr und lachte sie an:
„Na dann zeig mal, was du schon kannst und wie du dich bewegst!“
Es war ein gemeines Training. Statt sie zu schlagen, oder zu boxen kitzelte er sie. Blitzschnell griff er an und provozierte sie, bis sie endlich begann, sich zu wehren. Schließlich waren die Zwei in einem Gefecht, ohne dass sie es groß gemerkt hätte. Er beobachtete sie, steuerte das Geschehen und brachte sie in Wallung, bis sie schließlich anfing, ihn anzugreifen. Ab da korrigierte er sie und gab ihr Anweisungen.
Mit sehr viel Lachen und belustigten Flüchen tobten sie sich aus und starteten damit ein regelmäßiges und immer lustiges Training. Alina fand ihren Ausgleich und ein lang vermisstes Ventil. Sie joggten bald zusammen und bewältigten verschiedene Geschicklichkeits- und Fitness Einrichtungen. Sogar auf einem Schießstand in der Militärakademie waren sie mit mehreren Gruppen zusammen, wo sie auch den Umgang mit verschiedenen Waffen lernten. Eine gute Zeit, die schließlich zu einer Einladung zum Essen führen musste.
Alina hatte sich verliebt. Anfangs nicht bemerkt, hatte sie bald schon tiefe Gefühle entwickelt und erwischte sich bei den ständigen Wünschen, dass er sie wieder besiegen sollte. Er sollte mit ihr kämpfen und sie packen. Er sollte sie anfassen und Kontakt zu ihrem Körper aufnehmen. Bis sie merkte, dass er sie packte, oder angriff und schließlich mit Streicheln krönte. Bis sie merkte, dass er sie anders anzusehen begann. Bis sie merkte, dass sie beide die körperliche Nähe suchten. Bis sie sich sicher war, dass auch er sie haben wollte.
An diesem Punkt lud sie ihn ein und hatte für ihn gekocht, weil sie inzwischen wusste, wie sehr er das Essen hier, auf Station hasste. Sie wusste, was er mochte, was er liebte, weil sie sich gegenseitig beim Essen mit Träumen von richtigen Genüssen aufgezogen hatten. Die täglichen Versuche, ihn hier zu vergiften wären das nächste große Projekt, dass er hier anzugehen hätte, hatte er gesagt. Wie gerne er mal endlich wieder einen echten Sauerbraten, mit Klößen und Rotkraut essen würde… Alleine dafür würde er langsam diesen Job hier hinschmeißen.
Tja, Allina konnte kochen und das mal so richtig. Sie bestellte die Zutaten von der Erde, die tiefgefroren, aber immerhin echt bei ihr ankamen. Eine Lieferung, die immerhin sogar über die Kanäle der orbitalen Streitkräfte der Erde erfolgte. Den Braten legte sie aufwendig und mit sehr viel Liebe ein und dann bereitete sie ein Essen vor, dass wohl Beide so schnell nicht mehr vergessen würden.
Ihre Einladung hatte ihn anfangs noch verunsichert und zweifeln lassen. Das geht doch nicht. Du kannst doch nicht einfach für mich kochen, hatte er gesagt. Wir müssten einfach mal zusammen essen gehen, damit wir beide was davon haben, hatte er gesagt. Nur gab es auf Station solche Möglichkeiten nicht. Zumindest noch nicht. Ihre Bitte und ihr Kommentar:
„Du würdest mir eine große Freude machen. Ich kann das gut und ich mache es unglaublich gerne. Vielleicht schmeckt es dir ja sogar?“
Ließen ihn nachgeben und so kam er an ihrer kleinen Zweizimmer Unterkunft an. Hatte Blumen von Pipin mitgebracht, die ihm noch geholfen hatte, anständig auszusehen. Damit stand er mit einer Schale und eben zwei dieser Blumen des Lebens vor ihrer Türe. Sogar mal fast anständig gekleidet und frisch gepflegt. Ihr Strahlen ließ so manche Sonne erblassen als sie ihn so vor ihrer Türe stehen sah. Ihre Freude, mit der sie diesen Traum von Blumen entgegennahm und seinen Kuss zur Begrüßung genoss war der Hammer. Das Essen, dass später folgte, war eine einzige Offenbarung und der Direktor schlicht erschlagen.
Alina verwöhnte einen strahlenden Gast, der sein Glück gar nicht fassen konnte. Sie war so stolz und glücklich und beide merkten, dass sie noch so viel mehr haben wollten. Damit machte sie jetzt Nägel mit Köpfen und schenkte ihm reinen Wein ein. Sie aßen bei Kerzenschein, sie aßen lecker. Sie genossen die Zweisamkeit, bei leckerem Wein. Sie erzählten von sich und ihren Wünschen, bis sie ihm sagte:
„Ich muss dir da was sagen…!“
Damit setzten sie sich auf ihre Couch und so hörte er ihr mit einem Glas Wein in der Hand einfach nur zu. Sie erzählte ihm alles. Das Kinderheim, ihrem Start mit einem alten Freier, was sie erlebt hatte und wie sie hier hochgekommen war. Von sich und Admiral Andreas Müller, mit dem und dessen Familie sie jetzt eine innige Freundschaft pflegen würde. Sie ließ nichts aus, bis sie zum eigentlichen Punkt ankam:
„Ich musste dir das erzählen, weil ich mich in dich verliebt habe. Nicht nur mit dir schlafen will, sondern gerne mein Leben mit dir aufbauen möchte!“
Seine Reaktionen, sein Lächeln ließen nicht mal dumme Gefühle bei ihr aufkommen. Sie erzählte einfach, beichtete ihm alles, bis er sein Glas abgestellt hatte, Sie in seine Arme zog und sie sanft und innig küsste. Sie schmusten sehr zart und streichelten sich, bis sie auf ihm lag und er ihr antwortete:
„Nicht jeder wird mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Jeder muss sein Bestes versuchen, wenn auch nicht jeder erfolgreich werden kann. Ich habe noch von keiner meiner Beziehungen gewusst, was sie vor mir mit uns Männern so getrieben hatte. Ich komme mit dir und deinem Leben sehr gut klar und ja… Ich will dich auch!“
Der anschließende Umzug in ihr Bett war dann der Beginn einer nicht ganz so kurzfristigen Freundschaft.
Sie ließen sich Zeit und gönnten sich ein sehr langes und zärtliches Spiel. Es dauerte sehr lange, bis er überhaupt mal in sie eingedrungen war. Auch hier waren das Schmusen und Streicheln, das Küssen und Knabbern weit wichtiger, als der hemmungslose Sex. Sie steigerten sich schließlich auch nur in sehr sanften Schritten, bis sie endlich die Gier aufgebaut hatten und schließlich doch wild das erlösende Finale erreicht hatten. So war es dann auch kein Wunder, dass die Zwei ziemlich zufrieden, wenn auch erschlagen und eng umschlungen einschliefen. Das arme Bett hatte auf jeden Fall am nächsten Morgen eine ausgesprochen wilde Geschichte zu erzählen.
Jetzt war es auch nicht mehr langsam, oder vorsichtig. Es startete einfach und damit gut. Sie kam am nächsten Abend mit zu ihm, weil er ihr sagte, dass sie auch seinen Teil des Lebens besser kennen sollte und das war für sie auf jeden Fall mal etwas anders, als erwartet.
Marvin führte sie nach Feierabend und ihrem Dienstschluss nämlich in den Frachtbereich, was sie zu der Aussage brachte:
„Hast du mich schon satt? Willst du mich auf eine andere Welt verschicken?“
Sein dreckiges Grinsen und sein:
„Warte es ab!“
Machten die Nummer auch nicht besser und so bekam sie immer mehr, ein ganz flaues Gefühl im Bauch. Was hatte er bloß vor? Was er vor hatte war dann doch etwas leichter zu verdauen, wenn auch trotzdem ein ziemlicher Hammer.
Marvin und Pinin waren selbst nach seiner Ernennung, zum Direktor noch lange auf ihrem Zimmer geblieben. Sicher weder passend, noch gut zu verstehen, hatten sie aber ein paar wirklich gravierende Probleme. Ihm hätte mit seinem neuen Job eigentlich eine wirklich schöne Wohnung zugestanden, die aber einige Fehler hatte. Man konnte da nicht einfach umbauen, wie man wollte. Es war auch alles deutlich zu edel. Pinin hätte nicht mitgekonnt, weil sie ihren Urwald nicht hätte mitbringen können. Ohne Pinin war der Gedanke vom Umzug schon ohne Spaß. Somit war die Wohnung weggefallen.
Sie suchten gemeinsam nach einer Lösung, bis Marvin mit Insiderinformationen auf eine alte Lagerhalle aufmerksam wurde. Zu Ratszeiten wurden hier diverse Güter eingelagert, von denen damals nicht jeder wissen sollte. Mit diversen Umbauarbeiten war die Halle dann so blöd erreichbar, dass sie eigentlich nur ein sehr großes und sinnfreies Loch auf der Station war. Marvin verhandelte mit der Stationsverwaltung und schließlich bekam er dieses riesengroße Loch zu einem echten Spottpreis, was mit seiner ihm zustehenden Wohnung verrechnet wurde.
Als Pinin dieses Loch das erste Mal gesehen hatte, machte sie ein Gesicht, dass ihn heute noch zum Lachen brachte. Er musste nur an Ihren damaligen Blick denken und schon hatte er wieder gute Laune. Er erinnerte sich noch ganz genau an dem Moment, als sie vorsichtig durch viele alte Kisten und Schrottberge durch die Halle ging und irgendwann einfach stehen blieb und es Klick bei ihr machte. Sie schnellte zu ihm herum und riss die sowieso schon großen Augen noch weiter auf, als sie ausrief:
„Du willst die Halle zu einem Biotop machen? Du willst, dass wir zwei uns hier unser Zuhause aufbauen?“
Er lachte sie an, strahlte, wie ein König und zeigte ihr nur einen Daumen hoch.
Marvin musste bis heute lange nachdenken, ob er schon mal ein Wesen gesehen hatte, dass ab da, mit solcher Energie und Begeisterung an eine Sache heran gegangen war. Mit Hilfe vieler wunderbarer Hände schafften sie ein richtiges kleines Wunder. Viviane erzählte sogar ihrem Onkel von diesem unglaublichen Projekt. Sie hatten sich angewöhnt, nun regelmäßig mal zu telefonieren, wo sie ihm berichtete, wie es lief, was es Neues gab und wie sich die Menschen so fühlten. Admiral Andreas Müller war gerade wieder abgeflogen, als diese Nummer startete. Sein Chef, Peter Hardwell machte es kurz. Er rief ihn an, berichtete von diesem Vorhaben und sagte einfach:
„Du drückst dich doch eh wieder irgendwo herum, dann kannst du auch noch mal umdrehen und mit deiner Truppe kurz anpacken!“
Was all die helfenden Hände hier nach Feierabend schafften, war schon klasse. Andreas seine Truppe baute auf einer Höhe von ungefähr neun Metern einen kleinen Bereich mit Zwischenboden, oder Decke ab, wie man es sah. Die Halle war frei, sauber und inzwischen mit Wasser, Strom und sehr viel Licht ausgestattet. Eine Halle, die im Ganzen so gute zwölf Meter hoch war und so richtig groß in Länge mal Breite. Dieser Zwischenboden sah von unten aus, als wenn er einfach so in einer Ecke schweben würde. Auf diesem Boden bauten sie praktisch ein kleines Penthaus, mit großer Terrasse und riesigen Glasflächen. Mit einem Magnetaufzug kam man hoch und runter und hier richtete sich Marvin sein neues Zuhause ein.
Alle Pflanzen, aus ihrem alten Zimmer wurden umgesiedelt, was inzwischen auch schon echte Arbeit war und so wurde aus dieser Halle ein tropischer Garten, mit kleinem See und Grün, wohin das Auge nur sehen konnte. Kletterpflanzen eroberten die Wände und am Ende sah keiner mehr, dass dies hier eine Lagerhalle einer Raumstation war.
In diese „Lagerhalle“ wurde nun die nervöse Alina Mc Mallon geführt und das war es dann auch. Die Maus verlor die Haltung und drohte in den Beinen einzubrechen, hätte der grinsende Marvin sie nicht aufgefangen. Sie verbringt auch heute noch Stunden damit, durch diesen Urwald zu streifen und sich Pflanzen, Blumen und eingebürgerte kleine Tiere anzusehen. Fische im Teich, die an ihren Füßen knabbern, während sie diese im Wasser treiben lässt.
In dieser Halle gibt es inzwischen mehrere Nistkugeln in den Bäumen, da Pinin jetzt nicht nur fest auf Nexus Prime etabliert ist, sondern inzwischen auch selbst unterrichtet. Sie lässt andere Studenten ihrer Art in ihrem Reich glücklich sein und hat offensichtlich auch bald ihren festen Partner gefunden, denn hier bahnt sich gerade etwas an.
Marvin jedenfalls hat dort oben im All wohl geschafft, was so noch nie jemand versucht hat. Inmitten einer riesigen Raumstation. Dem ehemaligen Sitz des Galaktischen Rates, hat er mit seiner besten Freundin ein kleines Paradies geschaffen. Zusammen haben sie sich ihr Glück gebaut und aus einer Schrott Lagerhalle ihr eigenes kleines Reich geschaffen. Mit Alina Mc Mallon haben sie sich um eine süße Maus erweitert, die nun auch endlich mal ein klein wenig Glück im Leben gefunden hat. Pinin wird wohl in Kürze auch nachziehen, sieht das aber völlig entspannt, denn sie kann nicht nur mit Marvin schmusen und lachen.
Menschen sind eben cool und nur ungern alleine.
Die Galaxy Hawk war übrigens auch noch nicht auf der Keplar Station angekommen, als Alina zu Marvin eingezogen war. Die Kurzen dort hatten inzwischen eine gewisse Professionalität im Entern des Schiffes entwickelt. Dann waren da noch so viele wichtige Dinge zu tun und überhaupt. Wofür braucht man auch so blöde Orden.
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