Im Cafe (fm:Romantisch, 6052 Wörter) | ||
| Autor: Burgunder2017 | ||
| Veröffentlicht: Aug 03 2026 | Gesehen / Gelesen: 401 / 286 [71%] | Bewertung Geschichte: 10.00 (3 Stimmen) |
| Erster Teil einer Geschichte die sich immer weiter verselbständigt. Jule und Tom treffen aufeinander und loten nicht nur literarische Gemeinsamkeiten aus. Der zweite Teil sollte zum Wiedersehen führen, hat aber eine überraschende Wendung genommen... | ||
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noch da bist. Sorry, dass es so lange gedauert hat.“ Sie hatte den Tisch mittlerweile erreicht, ließ sich auf einen Stuhl fallen und zerrte einen Stapel Papiere aus der Tasche, die sie irgendwie zu ordnen versuchte und zeitgleich ihrem Gegenüber auszuhändigen. Die beiden waren sich wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich, wenn gleich ihr alles an Ruhe und Mäßigung fehlte. Tom schien gegen das Geplapper völlig immun zu sein. Nickte hier und da. Zu Wort gekommen wäre er eh nicht und ich hätte seine Worte kaum verstanden, solange sie wie ein Wirbelwind um ihn herum war. Könnte sie nicht einfach mal schweigen? Ich wollte seine Stimme wieder hören, durchfuhr es mich! Und wenn er Einkaufslisten vorliest … völlig egal.
Um mich abzulenken, wandte ich mich dem Apfelstrudel zu, nippte an meinem Kaffee und starrte dabei widerwillig auf die Straße hinaus, nur um meine Ohren noch intensiver zu spitzen, und hoffte darauf, dass er endlich etwas zum Dialog beitrug. An anderen Tagen hätte ich mit dem Apfelstrudel das Gelärme völlig ignoriert. Wäre eingetaucht in die fruchtig- saure Apfelfüllung, die so gekonnt von der süßen Vanillesauce ausbalanciert wurde. Hätte den knusperfeinen Teig mit der Gabel abgeteilt und wäre eingetaucht in meine kulinarische Kindheit, zurückversetzt in eine Zeit, als ich den Apfelstrudel ofenwarm vom Blech naschte. Den ausgelaufenen, karamellisierten Apfelsaft von den Fingern schleckte. Ich wähnte mich glücklich, einen solchen Küchenkünstler, der das zustande brachte, in diesem Café gefunden zu haben, und wann immer das Leben nervte oder Soul-Food die einzige denkbare Lösung war, kehrte ich hier ein. Um auszubrechen und zu genießen, war ich heute aber viel zu nervös, wartete darauf, dass dieses unverwechselbare Timbre erneut zu mir herüberdrang. Das Geplapper und Papiergeraschel am Nebentisch dauerte an, wurde gelegentlich vom Kratzen eines Kugelschreibers auf Papier in kurzem, stakkatohaftem Gekritzel unterbrochen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, mein Teller war längst leer, wurde das Papier zusammengeschoben und seine Stimme hob an: „Dann sind wir durch? Alles zu Deiner Zufriedenheit?“ Die Worte krochen in mich hinein. Nicht mit den Ohren hörte ich sie, sie schwangen auf meiner Haut, die sich unmittelbar zur Gänsehaut aufrichtete. Ich hörte, wie ein Stuhl zurückgeschoben wurde, und befürchtete, er würde entschwinden, bevor ich auch nur eine Chance bekommen hätte. Aber es war seine Schwester, die sich erhob: „Danke, dass Du extra gekommen bist und wir das so schnell lösen könnten. Bist ein Schatz! Danke.“ Ich drehte mich um und sah, wie sie ihn halbherzig umarmte, bevor sie sich zum Ausgang wandte. „Mein Zug geht in einer Stunde.“, beantwortete er ihren fragenden Blick. „Aber du hast jetzt ja genug zu tun.“, lächelte er sie an. Nicht gequält oder abfällig, aber unverständlich. Sie hielt kurz inne, den Unterton, den Blick wahrnehmend. Sie holte tief Luft: „Tom, wenn du mit der Regelung nicht einverstanden bist, dann hätten wir das anders machen müssen!“, fuhr sie ihn an, beileibe nicht so souverän, wie sie wohl gerne gewirkt hätte. Schlichen sich da Gewissensbisse ein? Für einen kurzen Moment sah sie sehr verunsichert aus. Panik flackerte kurz in den Augen auf, die so klug funkelten. „Nein, Schwesterherz. Alles wie besprochen!“, sagte er mit einem ruhigen, unmissverständlichen Tonfall, der eine Vorstandssitzung ohne Widerworte hätte beenden können. Dieser Verbindlichkeit hatte sie nichts entgegenzusetzen: „Okay, dann melde Dich wenigstens ab und an mal bei mir.“ Damit wandte sie sich dem Gehen zu, in dem vollen Bewusstsein, dass es keine Umkehr gab. In völligem Kontrast zu ihrem Eintreten entschwand sie fast lautlos aus dem Café.
Ich ahnte nicht, was die Beiden zu dem heutigen Treffen geführt hatte, aber ich war überzeugt, sie würden sich noch lange an dieses Zusammentreffen erinnern. Mit Gefühlen, die kaum unterschiedlicher sein könnten.
Als der Kellner an dem Tisch kam, um nach dem Rechten zu sehen und Überzähliges abzuräumen, saß Tom regungslos da, gedankenverloren. Erst als alles auf dem Tablet verstaut war, blickte er auf. „Bringen Sie mir bitte einen Talisker, doppelt.“ Der Kellner nickte und lieferte wenig später den gewünschten Tumbler, ergänzt um eine kleine Karaffe Wasser. Tom nahm das Getränk immer noch schweigend entgegen. Hob den Tumbler an die Nase und schloss die Augen, atmete tief ein, um ihn dann sachte wieder auf den Tisch zu stellen. Linkshändig öffnete er seine Tasche und zog ein Buch hervor. Wohl um die verbleibende Stunde zu füllen. Ich betrachte ihn aus dem Augenwinkel und suchte nach einem Ansatz, ihm weitere Worte, gar Sätze, direkt an mich gewandt zu entlocken. Als er das Buch hervorzog, trafen sich unsere Blicke und die Erkenntnis, dass ich das Buch augenblicklich erkannt hatte, konnte er wohl von meinen Augen ablesen. Lila Paperback, schmal, fast unscheinbar, pinkes Muster auf dem Cover und vier fette, dicke Lettern. Jelinek! Sprang es mir wohl förmlich aus dem Gesicht! Er schaute auf das Buch, zu seinem Whisky, und lächelte mich an: „Bei dem Eindruck, den ich jetzt bei Ihnen erwecke, werden Sie wohl jedes Interesse verlieren, oder?“
Hatte ich mich so auffällig um ihn bemüht? Konnte er all mein Beben und Sehnen so kinderleicht erahnen? Über den Eindruck, den er machte, lag er dennoch völlig daneben, wenngleich jeder andere, der morgens um 11 mit Whisky und pornografischer Literatur im Café sitzen würde, nicht zwangsläufig in mein Beuteschema aufgenommen werden würde. Bei ihm hatte ich mir dazu noch keinerlei Gedanken gemacht. Hastig widersprach ich ihm: „Nein, absolut nein!“, bevor mir überhaupt klar wurde, ihm damit einzugestehen, vor Interesse fast zu platzen, und mir die Röte erneut in die Wangen schoss. „Da bin ich erleichtert, in meiner Gedankenlosigkeit nicht alles verdorben zu haben! Sie scheinen die Jelinek ebenfalls zu lesen? Richtig? “
Gerne würde ich sagen, ich stand mit dem Rücken zur Wand, aber an der hätte ich Halt gefunden! Er hatte mich vollkommen überrollt, ich war ihm schutzlos ausgeliefert. Er traf mich mit jedem Satz und Wort im Innersten. Stellte die Frage ohne Urteil oder vorgefertigte Meinung zur Antwort. Offen, neugierig. Jedes Ausweichen oder Verstecken hinter Fassaden oder Phrasen wäre unaufrichtig, ja vergeblich, und so versuchte ich, gleichzuziehen. „Bitte siez mich nicht. Juliane, oder wenn’s zu lang ist, Jule.“ „Oh ja, wie unhöflich, ich hatte mich nicht vorgestellt. Ich bin Tom …“ Bevor er das fortsetzen konnte, fiel ich ihm ins Wort. „Weiß ich, war ja nicht zu überhören.“ „Stimmt, meine Schwester neigt zur Übertreibung und lässt die ganze Welt teilhaben an ihren Konversationen.“ Nachdem wir die Formalitäten damit geklärt hatten, vertiefte sich unser Gespräch in Windeseile. Kein Smalltalk oder Belanglosigkeiten über’s Wetter, wir tauschten uns umgehend intensiv über präferierte Literatur oder Schriftsteller aus. Fanden gemeinsame Favoriten und Autoren, die vielversprechende, noch ungelesene Bücher für den anderen bereithielten. Die knappe Stunde bis zu seinem Zug verflog schneller als der unangetastete Whisky vor ihm. „Wofür wolltest Du den haben?“, fragte ich ihn. „Um den Gedanken fortzuspülen, dass meine Schwester mich um den Großteil eines Erbanteils gebracht hat, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber dank Dir war das gar nicht nötig.“ Ich erröte erneut sichtlich, außer Stande, etwas zu erwidern. „Darf ich Dich einladen und Dir meine Telefonnummer geben, verbunden mit der Hoffnung, unser begonnenes Gespräch demnächst fortzusetzen? “ Er reichte mir seine Karte. Name, Anschrift und Telefonnummer waren darauf lesbar. Also Festnetznummer, +39 usw. „Hast Du kein Handy, dann könnten wir auch über …“ Ich brachte den Satz nicht ganz zu Ende, er schüttelte den Kopf: „Noch nie gehabt, wozu auch?“ Völlig baff schaute ich von der Karte auf. Er wollte nicht erklärt haben, wozu man ein Handy nutzen konnte, und doch war die Frage nicht rhetorisch gemeint. „Okay, verstehe.“ Wenngleich das überhaupt nicht der Fall war: „Wann erreiche ich Dich denn?“ „Wenn ich nicht in der Uni bin.“, erwiderte er prompt. War es vermessen, eine konkrete Antwort zu erwarten wie „am besten ab 20 Uhr oder freitagsvormittags“? Oder gab es unter Studenten einen unausgesprochenen Kodex, wann sie selbstverständlich zuhause sind? Ich war perplex. Der Mann mir gegenüber hatte zuvor ganze Romane in zwei, drei Sätze komprimiert, die Essenz der Werke wie ein Gemälde vor meinem geistigen Auge entworfen, aber ein Telefonat zu vereinbaren brachte ihn ins Straucheln? Ich sah mich schon jeden Donnerstag um 11 Uhr hier im Café sitzend, monatelang in der Hoffnung, dass Mr. Wonderful „zufällig“ nochmal eine Erbschaft regeln muss. Das wäre zwar total romantisch, aber aussichtslos. Ich wühlte meinerseits in meiner Tasche und stellte fest, sowohl Handy als auch Portmonee nicht vorzufinden. „Scheiße.“, entwischte es mir. Ohne Alternativen zu haben, musste ich seine Einladung annehmen. Zum Glück fand ich immerhin was zum Schreiben und die Serviette auf dem Tisch war für die Situation eine mehr als angemessene Schreibunterlage. Ich notierte fein säuberlich meine Handynummer mit Vornamen, überlegte kurz, meine Festnetznummer zu ergänzen, verwarf den Gedanken aber, da sie nur den wichtigsten Menschen in meinem Leben bekannt war. Ich reichte ihm die Serviette: „Falls ich glücklos bin, was Deine Unizeiten anbelangt.“ Er nahm die Serviette, faltete sie der Länge nach und steckte sie wie ein Lesezeichen zwischen die Seiten von Jelineks „Lust“. Ein Schmunzeln strich über mein Gesicht. War das ein Omen? Meine Nummer zwischen den Seiten dieses frivolen Werkes in den Händen dieses Mannes? Ich hoffte, ahnte voraus, dass unsere Gespräche nicht nur literarische Gemeinsamkeiten ausloten würden.
Der Kellner hatte das vorläufige Finale unseres Zusammentreffens bemerkt und stand in Reichweite, um die Rechnung zu präsentieren. Tom wiederholte seine Nachfrage, mich einladen zu dürfen, da ich ihm die Antwort schuldig geblieben war. Etwas widerwillig stimmte ich dem zu: „Da ich leider mein Portemonnaie vergessen habe, wäre ich Dir sehr dankbar, mich hier nicht zum Abwaschen zurückzulassen.“ Der Kellner half mir gutmütig aus der Zwicklage: „Auch wenn Sie nicht häufig unser Gast sind, würde ich Sie dennoch umgehend als kreditwürdig betrachten.“ Tom erwiderte: „Da teile ich Ihre Einschätzung und würde dennoch gerne die ganze Rechnung begleichen.“ Die Feministin in mir kochte hoch. Was fiel diesen Herren ein, sich über meine Kreditwürdigkeit auszutauschen oder diese mit großer Geste gewähren zu wollen? Vielleicht Gegenleistungen erwartend für ihre Großzügigkeit? Hallo, wir haben 2025 und niemand muss mir etwas gewähren oder erlauben, was ich mir nicht einfach nehmen kann, weil es mir zusteht! Und im Übrigen … ach Scheiße, zum Teufel mit den Empfindsamkeiten: „Danke, Tom!“
…
Kaum zuhause angekommen und von der Straßenkleidung befreit, durchforstete ich mein Bücherregal nach dem vertrauten Einband. Als ich es endlich fand, erinnerte es mich an meine sträflich vernachlässigten Hausarbeiten. Ein beachtlicher Staubfilm hatte sich auf der Oberseite angesammelt und wirbelte munter im Sonnenlicht umher, als ich ihn von den Seiten pustete. Ich fuhr mit einem Finger an beliebiger Stelle zwischen die Seiten und begann noch im Stehen, die ersten Zeilen zu lesen. Ihr heftiger, fast ordinärer Stil schlug mir entgegen. Wie ein Eimer Eiswürfel prasselten ihre präzise gesetzten Worte über mich herein, erschreckten mich erneut in ihrer Klarheit und ihrem treffenden Protest. Trotz des verheißungsvollen Titels kein Buch für gemütliche Nachmittage auf der Couch. Einem Manifest gleich mochte es auf Marktplätzen herausgeschrien werden, gehört werden. Definitiv nicht gerade das Buch, was zu meiner Stimmung passte. Dennoch legte ich es nicht wieder zur Seite. Ich steckte seine Karte zwischen die Seiten, dass sie oben herauslugte, und platzierte es neben der Couch, auf dass ich es im Bedarfsfalle gleich zur Hand hatte.
Ich wollte ihn heute nicht direkt anrufen. Wollte nicht eifrig, aufdringlich sein. Dennoch erwischte ich mich dabei, zu sinnieren, wie lange der Zug nach Mailand wohl brauchen würde. Zu fortgeschrittener Stunde – er müsste sicherlich längst zuhause sein – bekam meine Zurückhaltung Risse, bis es endlich wirklich zu spät war, noch anzurufen. Es dauerte dann noch drei weitere Tage, bis er nicht in der Uni war und ich eine Frauenstimme an der Leitung hatte. Hatte ich erwartet, dass er neben dem Telefon auf meinen Anruf wartete, oder warum war ich so überrascht, dass unter einer Mailänder Nummer eine italienisch sprechende Person das Gespräch annahm? Stockend haspelte ich mich voran: „Seniore Tom, ähm, per favore.“ Die Leitung blieb stumm, der Hörer wurde abgelegt. „Ich ruf Dich gleich zurück, Jule.“ und schon war die Verbindung getrennt. Ich starrte etwas ungläubig auf’s Handy. Kannte er meine Nummer schon auswendig, dass er sie sofort erkannt hatte? Eine kleine Ewigkeit später brummte mein Handy und es bedurfte keinerlei Hellseherei, um zu wissen, dass es Tom war. „Danke für Deine Geduld, jetzt habe ich gerade 2 Stunden nur für Dich Zeit! “ Wow, dachte ich, was für eine Begrüßung! Diese offene, klare Kommunikation war einfach überwältigend. Genauso leicht und geradeaus setzten wir unser Gespräch aus dem Café ohne Lücke fort, als wenn wir eine literarische Insel betraten. Nichts Triviales, Alltägliches wurde mit angespült. Wir suchten Schutz im Dickicht der Worte, der fiktiven Geschichten und der Phantasie. Kamen von den großen Namen zu unentdeckten Schätzen, lasen Fried und Fromm, da sie so alphabetisch naheliegend waren, und störten uns kaum am Weltenbruch zwischen den beiden. Wir sprachen über Bücher und Autoren wie bereiste Welten, als ich seine Schritte in einem hohen Raum mit Holzboden hörte, bevor ein weiteres Buch aufgeschlagen wurde und Papier raschelte. „Ich hatte es Dir schon empfohlen. Darf ich Dir eine Passage vorlesen?“ Keine Antwort abwartend hob er an und malte die Szenen vor meinem inneren Auge, erweckte die Zeilen zum Leben, ließ mich teilhaben an dem Geschehen. In alten poetischen Worten fanden sich zwei Liebende, der Text stets im Vagen bleibend, umriss die Handlung klar und unmissverständlich und ließ die bebende Lust erlebbar werden. Sich lösende Gewänder fielen achtlos zu Boden oder wurden tollkühn zerrissen. Körperliche Vorzüge lüsternd überzeichnet. Grotesk stürmten sie aufeinander ein, alle Hemmnisse des Lebens fortwischend. War es das Werk, war es seine Stimme? Mit dem verschwitzten Finale der Leiber stöhnte ich lustvoll auf und nicht ohne Absicht beichtete ich ihm nun, was seine Stimme vermochte, da sie ihre Wirkung auch über die Distanz nicht verloren hatte. Mein Ansinnen fiel auf fruchtbaren Boden und die Leitung knisterte fortan nicht nur aus elektrischen Gründen. Wir taten es den Beiden gleich, wischten die Distanz hinfort und ersetzten die Hände des anderen mit den eigenen, die forschend und begierig unter Stoffe drängten. Lösten Knöpfe und Verschlüsse, gaben unseren Händen den ersehnten Freiraum. Wechselseitig fanden wir liebkosende Sätze, erogene Zonen, an denen wir verweilten, bevor die Lust uns weiterdrängte.
…
Es war einer dieser Samstage, die ich für mich ganz alleine vorgesehen hatte. Als sich vor Tagen abzeichnete, dass nichts meine einsame Freiheit an diesem Tag stören würde, keimte in mir der Gedanke auf, diese wundervollen Stunden, die ich mir gelegentlich gönnte, zumindest zum Teil mit Tom teilen zu wollen. Außer ein paar Snacks und einem guten, gerne erotischen Buch bedurfte es nur weniger Vorbereitungen. Die Sonnenliege mit dem dicken Polster auf meiner kleinen Dachterrasse rückte ich am späten Abend in zentrale Position. Dorthin, wo morgen Mittag die pralle Sonne scheinen würde, damit ich mich nicht mit Abdeckplanen rumärgern musste, wenn ich doch nur die Wärme der Sonne auf meinem Körper spüren wollte. Griffbereit daneben eine Kühlbox mit Akkus und einer Flasche Crémant. Auf Gläser verzichtete ich. An vergangenen Tagen waren welche zerbrochen und es ist ein echter Stimmungskiller, nackt mit Handfeger und Schaufel die Terrasse zu putzen. Von den sicherheitshalber erforderlichen Schuhen danach mal ganz zu schweigen.
Dann schaltete ich die Gegensprechanlage aus, verriegelte die Haustür und beraubte auch mein Handy jeder Möglichkeit, mich zu stören. Mit jedem Kleidungsstück, das ich ablegte und mit der Demontage meiner Alltagsmaskarade näherte ich mich selbst. Splitternackt stand ich im Schlafzimmer vor dem großen Spiegel und spürte die leichte Kühle auf meiner Haut. Ich streichelte über meinen Körper, die gefühlten Druckstellen der Kleidung wegwischend, und genoss es, mich selber zu spüren. Meine Hände glitten über meinen Bauch zu meinen Brüsten. Voll und rund wiegte ich sie in den Händen. Ja, ich mochte meinen Busen, wie meinen ganzen Körper. Er war natürlich nicht makellos und ein Schönheitschirurg würde ihn mit seinen Stiften wahrscheinlich in einen schlechten Schnittmusterbogen verwandeln, wie sie bei meiner Oma in den alten Modezeitschriften beilagen. Aber ich wollte auch nicht Model werden und die wenigen, die ihn pur zu Gesicht bekamen, waren nicht in der Stimmung, um zu mäkeln. Ich sprang noch kurz unter die Dusche, um auch die letzten Reste des Tages fortzuspülen. Das volle Programm würde ich mir für morgen aufheben und so duschte ich mich nur gründlich ab und schlüpfte dann in eines der Leinen-Nachthemden, die ich von meinem Opa geerbt hatte. Butterweicher Stoff, knapp knielang und eigentlich nur eine streichelnde Umarmung, die mich liebkoste. Ich schlüpfte ins Bett und sank augenblicklich in den Schlaf, voller Vorfreude auf den kommenden Morgen.
…
In der angestauten Wärme räkelte ich mich und dämmerte langsam und genießerisch dem Bewusstsein entgegen. Erfreute mich an dem verhaltenen Rauschen der Stadt, das nicht von lärmenden Nachbarn übertönt wurde. Mein Schlafzimmer lag im diffusen Halbdunkel hinter zugezogenen Vorhängen. Meine Haut war wohlig erwärmt unter der Decke und zart benetzt. Mit geschlossenen Augen rollte ich mich auf den Rücken, streckte mich vorsichtig und ließ meine Gedanken noch ein wenig treiben. Könnte nicht so ein wohlgebauter Adonis mich jetzt samt Decke auflesen und in das herrlich dampfgeschwängerte Bad tragen? Mich unter die laufende, wohltemperierte Dusche stellen und mit geschickten Händen das Einseifen und vielleicht noch etwas mehr übernehmen? Da ich die Welt und somit auch jeden möglichen Adonis ausgesperrt hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als widerwillig das warme Bett zu verlassen und geschwind selber unter die Dusche zu schlüpfen. Das prasselnde Wasser weckte meine Lebensgeister und da der einzige „Pflichtteil“ für heute aus Reinigung & Rasur bestand, begann ich, mich gründlich einzuseifen. Auch wenn es deutlich lustvoller ist, nicht die eigenen Hände an seinem Körper zu spüren, gestalte ich dies durchaus sinnlich. Begann am Hals und folgte dem Schaum hinab zu meinen Brüsten, massierte sie leicht und rollte sanft meine Nippel zwischen Daumen und Zeigefinger, ließ dann von ihnen ab und folgte den Schaumflocken zu meinem Bauchnabel und weiter hinab. Eine kleine Sitznische in der Dusche gab meinem rechten Fuß sicheren Halt, als meine Hand mehr prüfend als suchend zwischen meine Schenkel glitt. Ich wusch meine Vulva halbherzig, da sie gleich noch reichlich Aufmerksamkeit bekommen sollte, und stellte fest, die Rasur würde heute nicht allzu anspruchsvoll werden. Mit frischem Duschgel befüllt ließ ich meine rechte Hand nun rückseitig hinuntergleiten zwischen meine wohlgeformten Backen und massierte das Duschgel fordernd in meine Pospalte und zielstrebig um meine Rosette. Mein Ringfinger kreiste druckvoll und suchte Einlass. Nicht weit oder tief, nur ganz sanft, den Muskel überwindend, stimulierend das warme Kribbeln durch mein Becken jagend. Ich weiß nicht, wann ich die verpönte Lust entdeckte, aber unter der Dusche war er mir immer einen Besuch wert und er musste an Aufmerksamkeit nicht weit hinter meiner Vulva zurückstecken. Irgendwo zwischen Reinigung und anklingender Selbstbefriedigung widmete ich mich meinem Unterleib, bevor sich das Bad in eine dampfende, wohlriechende Nebelwelt verwandelt hatte und ich das Wasser der Dusche vorerst abdrehte, damit der Rasierschaum für das Finale nicht gleich wieder fortgespült würde. Das Wetter der nächsten Tage ließ es wohl zu, mir das Vergnügen zu bereiten, in leichte Sommerkleider zu schlüpfen und nach Belieben eben nur ein Kleid und nichts weiter drunter. Ich beugte mich dem allgemeinen Befinden über rasierte Beine, da meine kleine Sitznische dies ohne gefährlich akrobatische Einlagen auch unter der Dusche ermöglichte. Bis meine Beine bis zu den Schenkeln schön glatt waren, hatte die Temperatur im Bad doch wieder merklich abgenommen. Ich drehte das Wasser erneut auf, ließ es auf mich niederprasseln und mich erwärmen, bevor ich mich dem gründlichsten Teil widmete. Ich schäumte meinen Schoß ein, fuhr mit der scharfen Klinge um meine Vulva, akribisch jeden noch so kleinen Stoppel sicher glättend. Nur oberhalb zog ich die Kontur eines kleinen Dreiecks sauber nach. Ich liebte es, mit den Fingern durch diese zarten Kringel zu fahren, die glatte, feuchte Hitze meiner Vulva darunter erwartend. Meinem Hintern hätte ich weitere Zeit geschenkt, wenn Besuch zu erwarten wäre, aber Tom ist in Mailand, Natalie ist irgendwo in der Welt unterwegs. So blieben nur meine Hände zu erwarten. Das war kein Mangel, Solosex hatte für mich seinen eigenen Reiz. Ein letztes Mal drehte ich das Wasser wieder an, spülte allen Schaum herunter und prüfte das Ergebnis, gedanklich schon am Abend auf dem großen Badetuch im Bett liegend, mich eincremend, vielleicht etwas auch etwas mehr, meine Beauty-Routine für heute abschließend.
Ich wrang die letzten Tropfen aus meinen Haaren, bevor ich sie mit einem Handtuch zum Turban türmte. Keinen Gedanken verschwendete ich daran, mich abzutrocknen, zu sehr liebte ich es, mir die Haut von der Sonne trocknen zu lassen, und so schlüpfte ich aus dem Bad. Eine klecksende Spur an Wassertropfen folgte mir auf die Terrasse und endete mit mir an der bereits aufgeheizten Sonnenliege. Die leicht bewegte Luft strich über meinen nassen Körper und ließ mich leicht erschaudern, bevor die Sonne kraftvoll Oberhand gewann und meine Haut wärmte. Im Vorbeigehen hatte ich das Festnetztelefon mitgenommen. Meine Ankerkette in die Welt, welche nur mit wenigen Menschen verknüpft war und für unaufschiebbare Fälle reserviert war. Toms Stimme war jetzt für mich einer dieser unaufschiebbaren Fälle. Ich wollte sie unbedingt hören, diese Stimme, die mich anschlug wie eine Stimmgabel, mich schwingen und vibrieren ließ. Ich hoffte innig, dass er bereit war, meinem Treiben zu lauschen, sich einlassen wollte auf ein verbales Techtelmechtel. Wie mein Großvater war er einer dieser Blue-Sky-Boys, völlig verstiegen in sein geistig- wissenschaftliches Fachgebiet, von alltäglichen Banalitäten sofort völlig aus dem Konzept gebracht. Fand aber etwas sein Interesse, war er in seinem Eifer und seiner Detailverliebtheit kaum zu übertreffen und ebenso gründlich und leidenschaftlich hatten wir uns in vorangegangenen Telefonaten erkundet, Vorlieben ausgelotet und gemeinsame Höhepunkte erklommen. Ich hatte mich bäuchlings auf die Liege gelegt und nachdem meine Rückseite ausreichend trocken war, drehte ich mich um, stellte das Rückenteil der Liege auf eine bequeme Sitzposition hoch und öffnete den Crémant. Er hatte die Nacht eiskalt überdauert und die ersten Perlen kribbelten in meinem Mund. Hätte ich heute noch irgendwas Produktives vorgehabt, wäre es sicherlich eine schlechte Idee, den Tag ohne Frühstück, dafür aber mit Schaumwein zu beginnen. Aber an meinen Feel-Good-Tagen schmiss ich alle Konventionen, die mich einengten oder beschränkten, mit Leichtigkeit über Bord. Ich stellte die Flasche zurück in ihr kaltes Verließ und betrachtete die Wasserperlen auf meinem Körper, die in aussichtslosen Versuchen, der Wärme zu entkommen, nach unten perlten. Ich öffnete den Turban und schüttelte meine schulterlangen Locken zu einer ungestümen Mähne. Sollte ich sie nicht gleich bürsten, wäre ein unbändiger Lockenkopf die unausweichliche Folge. Aber heute völlig akzeptabel. Mit jedem Schwung flogen weitere Tropfen kühlen Nasses auf meine Haut. Ich lehnte mich zurück, schloss die Augen und sog jeden wärmenden Sonnenstrahl auf, spürte die zunehmende Wärme, räkelte mich wie eine schnurrende Katze, als das Telefon dezent laut gab. Ohne die Augen zu öffnen fischte ich es unter der Liege hervor. „Ich hab auf Dich gewartet.“, begrüßte ich den Anrufer. Und ich hatte mich nicht geirrt! „Auf mich? Wo Du sonst niemanden Dein Exil stören lässt? “ Wir tänzelten einen kurzen Augenblick in Spitzfindigkeiten umeinander, beide in vollem Bewusstsein, das gleiche Anliegen zu haben.
Unsere Telefonate folgten keiner Choreografie. Wir vermieden die bereits gegangenen Pfade, schlugen uns jedes Mal erneut ins Dickicht der verbalen Lust. Mal weit ausschweifend, mal zielstrebig getrieben, fand ich heute in wohlfeil gesetzten Worten seine kraftvollen Hände unvermittelt an meinen Pobacken, diese liebevoll knetend, und seine Zunge forsch und fordernd in meinem Schoß. Freudig überrascht spreizte ich ihm meine Schenkel, presste meine Vulva seinem durstigen Mund entgegen. In schnellem Schlag preschte seine Zunge zwischen meine Lippen, teilte sie und begehrte Einlass und rief unmittelbar feuchte Reaktion hervor. Ich griff in seinen Haarschopf, das Tremolo voll auskostend. Mein Unterleib bebte, ließ alles um mich herum verschwinden. Seine Zunge wich zurück, umspielte nun sanft meine Lippen, wanderte gen Damm, nur um zu wenden und mit leidenschaftlicher Stärke durch meine Vulva zu pflügen, meine Clit ins Visier nehmend. Seine Lippen schlossen sich fest um meine Perle, saugten sie sanft zwischen sich, um sie bis zum Äußeren zu reizen, als sich erst ein, dann zwei Finger an meine Vulva schoben, erst vorsichtig tastend, sich an den Säften benetzend, sich langsam vorwärts schiebend, innehaltend, aber nur kurz verweilend, bevor sie mich kraftvoll teilten. Sie dehnten mich und stießen hinein in meine Vagina, auf jenen magischen Punkt zusteuernd. Sie rissen mich mit in einen Rausch der Erregung, dass ich ihm all meine Lust durch die Leitung entgegenstöhnte, meine Ekstase herausschrie. Wie gerne würde ich mich doch revanchieren und seinen harten Phallus mit meinem Speichel benetzen wollen, ihn tief in mich saugen, bis er anstieß, mir den Atem und die Beherrschung nahm, mich zu einem einzigen Bündel aus Erregung und Geilheit machte, seine salzigen Tropfen begierig schmecken. Seine Hoden greifen, die faszinierenden Anhängsel fest umschließen und liebkosen. Seine Stöße aufnehmen in freudiger Erwartung seiner Säfte, seinen Schaft umschlingen mit meinem Mund und ihn weiter treiben, auf dass er sich in mir entlädt. Doch Tom hatte anderes im Sinn, drehte mich auf den Bauch. Mehr als bereitwillig, erwartungsvoll reckte ich ihm meinen Po entgegen, wollte seine Eichel meine Lippen liebkosen lassen, doch er fuhr in mich hinein, ungestüm, dass es mir den Atem raubte, und füllte mich aus. Seine Lenden klatschten an meine Backen, pressten mich in die Liege, heftig stieß er immer wieder zu, raubte mir völlig den Verstand, mein Unterleib explodierte. Er packte mich fest am Becken, zog mich zu sich ran und ergoss sich in heißen Schüben in meinen pochenden, bebenden Schoß, als er mich zuvor schon über den Zenit gestoßen hatte und die übermächtigen Wogen eines Orgasmus in mir wogten. Als ich mir meine Finger in den Mund schob in der Hoffnung, ihn zu schmecken, wurde mir mit dem salzige Pendant zu seinen Säften wieder gewahr, dass Tom nicht meinen Körper gekapert hatte, sondern meinen Verstand und seine Säfte nur meiner Phantasie entsprangen. Weitere Worte zu wechseln war überflüssig, keine Abschiedsfloskel würde dem Moment gerecht werden, und so schwelgte ich in dem wohligen Rauschen, das meinen Körper durchströmte und von meiner befriedigten Lust kündete, und ließ mich von der hoch am Himmel stehenden Sonne verwöhnen, während die lustvollen Wogen abebbten, nippte gelegentlich an dem Crémant.
Ein weiteres Bedürfnis meldete sich, dessen Befriedigung sollte ebenso vergnügliche Lust bedeuten. So ganz drängend und inspirierend war mein Appetit noch nicht und ich wollte mich noch nicht erheben. So hing ich noch einige Zeit in Gedanken über mögliche Mahlzeiten nach, wägte ab, verwarf die einen als zu aufwändig, zog andere in Betracht und verwarf sie, wenn sie zu wenig Sättigung versprachen oder nicht meinen Erwartungen an einen Feel-Good-Tag entsprachen. Fast unumgänglich landete ich bei Pasta. Was sonst sollte sättigen, Genuss versprechen und nicht endlose Vorbereitungen erfordern? Um keinen Preis wollte ich meinen Müßiggang mit Arbeit negieren oder gar bekleidet am Tisch sitzen müssen. Pesto war gerade nicht zu haben, blieb also nur Pasta Carbonara. Jeder Kühlschrank, der was auf sich hält, sollte diese Delikatesse immer hergeben. Einfach, brillant und gut zubereitet ist es die ungekrönte Königin unter den Pasta-Gerichten. Zugegebenermaßen musste ich wohl den Abstrich in Kauf nehmen, „nur ordinären Speck“ zur Hand zu haben, aber er würde seinen Zweck erfüllen. Der Gedanke an den dampfenden Teller ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen und auch mein Bauch grummelte zustimmend. Eine aufziehende kleine Wolke verdeckte kurzzeitig die Sonne und war die erforderliche Kleinigkeit, die noch gefehlt hatte, um mich zum Aufstehen zu bewegen. Ich richtete mich auf, blinzelte vorsichtig in das helle Tageslicht, griff nach der Flasche und huschte zügig in das dämmrige Licht der Wohnung. In der Küche warf ich mir die Latzschürze über, kreuzte die Bänder knapp über meinem Po, um sie vorne zur Schleife zu binden. Würde ich über die Schulter nach hinten blicken, könnte ich meinen knackigen Hintern, umrandet von den Säumen der Schürze, über meinen schlanken, wohlgeformten Beinen im hohen Flurspiegel betrachten. Ein sinnlicher Anblick, den ich Tom mit Freuden präsentieren würde, sollte ich mal für ihn kochen. Kurz dachte ich an den kleinen glitzernden Plug im Badezimmer, aber da Tom ihn nicht sehen würde und in meinen Unterleib noch die Wogen unseres Telefonats nachhalten ließ ich ihn wo er war und machte mich an Werk. Ich stellte den Nudeltopf gut gefüllt auf den Herd und salzte das Wasser, bis es nach Ozean schmeckte. Mit wenigen Handgriffen hatte ich den Speck in manierliche Würfel zerlegt und ließ sie mit reichlich Olivenöl in einer großen Pfanne langsam aus, bis sie leicht Farbe nahmen. Schob dann die Pfanne auf eine kalte Platte rüber und schlug zwei, drei Eigelbe in eine kleine Schale, rieb mächtig viel Parmesan darüber und vermengte das Ganze mit ein wenig Pfeffer. Als das Wasser sprudelte, schob ich das ganze Paket Nudeln hinein. Man konnte nie zu viele Nudeln kochen. Falls was übrig blieb, hatte man schon die halbe Mahlzeit für den nächsten Tag mitgekocht. Nudeln waren eben perfekt für Faule, für Puristen oder auch Gourmets. Immer zu allem bereit. Als die Nudeln ihren finalen Garpunkt erreichten, angelte ich mir eine großzügige Portion heraus und gab sie zum Speck, schwenkte sie zaghaft durch, bevor ich die Ei-Masse hinzugab und mit Hilfe des Nudelwassers die perfekte Sämigkeit der Sauce erzielte. Beim Durchschwenken mussten die Nudeln schmatzend in die Pfanne zurückgleiten, so wie es klingt, wenn … Ach, lassen wir das. Den Pfanneninhalt füllte ich zügig auf meinen Teller, goss noch schnell die übrigen Nudeln in ein Sieb und war in Windeseile wieder raus aus der Küche. Mit den dampfenden Nudeln in der einen Hand und dem Crémant in der anderen steuerte ich auf die Couch zu. Ich lümmelte mich zwischen die Kissen, eine leichte Decke bis ans Kinn heranziehend, und tauchte ein in die himmlisch dampfende Pasta. Das Aroma von Speck und Parmesan füllte meinen Mund, mein Magen grummelte freudig, die ersten Happen erwartend. Lustvoll verschlang ich die großzügige Portion, spürte die wohlige Wärme meinen Bauch füllend. Ich stellte den Teller aber erst beiseite als ich auch den letzten Tropfen Soße vom Porzellan geschleckt hatte. Mit schon halbgeschlossenen Augen startete ich mein Nachmittagsprogramm. „Katz und Maus“ von Grass. Die Stimme dieses virtuosen Sprachgenies drang aus den Lautsprechern und füllte meinen Verstand. Sein Schweigen heute schmerzt mehr als alles, was mal gesagt werden musste, und so bleibt mir nur die Wiederholung. Ich hatte dieses Buch schon etliche Male gelesen, gehört und konnte jederzeit an beliebiger Stelle fortfahren, genoss seinen einzigartigen Sprachrhythmus und ließ seine Zeilen bildhaft werden. Lauschte anfänglich jedem Wort, jedem Satzzeichen und ließ mich einlullen, bis die Geschichte sich selbst erzählte und ich abschweifte. Ich sinnierte über Tom und unsere Telefonate, hinterfragte, ob ich ihn leibhaftig erleben wollte. Lag der Reiz nicht im Fiktiven, im Erdachten und Gewünschten? Führte die räumliche Distanz, die die Reduktion aufs Stimmliche verlangte, zu einem Verlust oder zu einem Extrakt, das Überflüssiges ausschloss? Könnte unsere körperliche Begegnung mit unseren Worten, Fantasien mithalten oder wäre es eine grausige Verfilmung unserer einzigartigen Geschichte? Wäre ein weiteres Zusammentreffen ein Anfang oder das Ende? Was könnte ich ertragen? Das ewige Sehnen in unseren Telefonaten oder die Sehnsucht nach unseren Gesprächen, die dann nicht mehr leidenschaftlich wären, von der Realität eingeholt und aller fiktiven Möglichkeiten beraubt?
Im Café hatte ich ihn nur kurz gerochen, der Geschmack seiner Haut und seiner Küsse blieben mir bisher verwehrt, und dennoch waren unsere Gespräche so intensiv und intim, dass sie an nichts mir Bekanntes heranreichten. Wollte ich diese betörende Lust tauschen für eine Nacht, die vielleicht alles beendet? Ich wägte den Gedanken tausend Mal ab und kam doch zu keinem Schluss. Ich wälzte mich auf der Couch, rekapitulierte mit ihm gegangene Pfade, ließ seine Hände über mich gleiten, verwischte erneut die Grenzen zur Phantasie und je wahrhaftiger ich ihn bei mir spürte, wuchs mein Entschluss mit meiner Erregung zum finalen Ja, welches satt und lustvoll über meine Lippen kam.
NACHWORT:
Der zweite Teil ist bereits geschrieben und folgt hier demnächst. Für den 3. Teil brauche ich aber eure Hilfe! Mir gehen die Worte und Formulierungen aus! Wer von euch mit Freude und Wohlgenuss seine Zunge durch triefende Vulven gleiten lässt, seinen Mund über spermanasse Schwänze schiebt möge mir dies doch beschreiben! Wie schmeckt das für EUCH, warum liebt ihr es? Gerne verspielte, poetische Umschreibungen. Kulinarisch präzise Verkostungen und auch gynäkologische Detailberichte. Wie immer IHR es erlebt und genießt!!! Aber nur lustvolle, respektvolle Worte und Formulierungen, bitte!!!
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