Nachhilfe - Duftorgien (fm:Verführung, 1203 Wörter) | ||
| Autor: Caligula1964 | ||
| Veröffentlicht: Aug 14 2026 | Gesehen / Gelesen: 1726 / 1571 [91%] | Bewertung Geschichte: 8.00 (15 Stimmen) |
| Die 20jährige Lena benötigt Nachhilfe für ihr Abitur. Der verheiratete Thomas tut sein Bestes. | ||
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eng umschlossen, dazu ein bauchfreies Top in hellblau, das den schmalen Bauch und die kleinen, festen Brüste freizügig betonte. Über die Schultern fiel ihr mittelblondes Haar, und in der Hand hielt sie eine prall gefüllte Mappe mit Unterlagen.
„Hallo, Herr… äh, Thomas“, sagte sie mit einem etwas unsicheren Lächeln. Seit Jahren war er für sie der Nachbar, aber jetzt, wo sie zu ihm zum Nachhilfeunterricht kam, wirkte die Anrede plötzlich formal.
„Komm rein, Lena. Setz dich einfach.“ Er führte sie ins Wohnzimmer, wo er den großen Esstisch freigeräumt und zwei Stühle zurechtgerückt hatte. Kathrin war an diesem Abend bei einer Freundin, sodass sie ungestört waren.
Lena legte die Mappe auf den Tisch und öffnete sie. Darin lagen Texte, Notizen, Auszüge aus Prüfungsordnungen und vor allem dicke Kopien und Markierungen zu den Pflichtwerken. Thomas blätterte mit ihr durch die Unterlagen. Es ging um die üblichen Themen: Gedichtanalyse, Dramen, und als zentrales Werk der Roman Das Parfüm von Patrick Süskind.
„Das hier macht mir am meisten Sorgen“, sagte Lena und tippte auf die Seiten zum Roman. „Ich versteh die Grundidee irgendwie nicht. Die Macht des Duftes… das kommt mir so unlogisch vor. Dieser Grenouille, der Leute umbringt, nur weil er ihren Geruch will oder braucht – das wirkt für mich total übertrieben. Als ob ein Geruch so wichtig sein könnte.“
Thomas lächelte. Er lehnte sich etwas zurück und betrachtete sie einen Moment. „Vielleicht muss man das nicht so abstrakt sehen. Manchmal hilft es, wenn man von der eigenen Welt ausgeht.“
Er legte die Hände auf den Tisch. „Benutzt du selbst manchmal Parfüm? Oder Deo?“
Lena nickte sofort. „Klar. Deo jeden Tag, sonst fühle ich mich nicht wohl. Und Parfüm… ja, ab und zu. Vor allem, wenn ich rausgehe.“
„Und warum eigentlich?“, hakte Thomas nach. „Was macht das mit dir? Oder mit den anderen?“
Sie überlegte kurz. „Mit dem Deo will ich nicht schwitzen und unangenehm riechen. Das wäre peinlich. Und Parfüm… das macht mich irgendwie sicherer. Ich mag es, wenn ich gut rieche. Manche Düfte fühlen sich einfach… richtig an.“
„Und wie ist das mit Körpergerüchen allgemein?“, fragte er weiter, ruhig und interessiert. „Wie reagierst du darauf?“
Lena zog die Schultern etwas hoch und begann ausführlich zu erzählen. Sie mochte frische, saubere Düfte – Zitrus, leichte Blumen, etwas Hölzernes, aber nicht zu schwer. Den Geruch von frisch gewaschener Wäsche oder von jemandem, der gerade aus der Dusche kam, fand sie angenehm. Manche Parfüms von Jungs in ihrem Alter seien dagegen zu aufdringlich, zu süß oder zu streng. Körpergeruch nach dem Sport oder an heißen Tagen könne sie abstoßen, besonders wenn er stechend oder säuerlich werde. Gleichzeitig gebe es aber auch Gerüche, die sie irgendwie anzögen, ohne dass sie genau sagen könne, warum – warme Haut, ein leichter, natürlicher Duft unter dem Deo, manchmal sogar der Geruch von jemandem, den sie mochte.
Während sie sprach, gestikulierte sie ein wenig mit den Händen, und Thomas hörte aufmerksam zu. Er nickte zwischendurch und ließ sie ruhig ausreden. Als sie fertig war, lächelte er erneut.
„Genau das“, sagte er. „Du spürst doch selbst, dass Gerüche etwas mit dir machen. Sie lösen etwas aus – Wohlbefinden, Ablehnung, vielleicht sogar Anziehung. Bei Süskind ist das nur extrem gesteigert. Grenouille hat diese Empfindung auf die Spitze getrieben. Der Duft wird bei ihm zu etwas, das Identität, Macht und Verlangen steuert. Wenn man das von deiner eigenen Erfahrung aus denkt, wird der Roman plötzlich viel weniger unlogisch.“
Lena sah ihn nachdenklich an. Sie blätterte in ihren Unterlagen und murmelte: „Vielleicht… ja, vielleicht ergibt das so eher Sinn.“
Thomas beugte sich etwas vor. „Dann lass uns genau da ansetzen. Erzähl mir noch einmal, welche Stellen dir besonders merkwürdig vorkommen. Wir gehen sie durch – diesmal von deinem Geruchsempfinden aus.“
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