Der Masseur (fm:Sonstige, 1779 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Schiller | ||
| Veröffentlicht: Oct 02 2026 | Gesehen / Gelesen: 900 / 775 [86%] | Bewertung Teil: 9.55 (11 Stimmen) |
| Erlebnisse eines Masseurs | ||
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Kopf, und ihre Schläfe lag warm an seinem Handballen. Sie roch nach nichts Parfümiertem, nur nach Haut und einem Rest Shampoo, das schon verflogen war.
„Auf den Rücken“, sagte er nach einer Weile. „Langsam.“
Er führte das Handtuch mit. Als sie lag, die Rolle unter dem Nacken, sah er, dass sie den Slip nicht höher gezogen hatte. Der Bund saß tief auf den Hüftknochen. Das Handtuch bedeckte die Brust, aber sie hatte die Arme nicht sofort neben den Körper gelegt. Sie ließ sie einen Moment über dem Kopf, streckte sich, und das Handtuch rutschte einen Fingerbreit nach unten, bevor sie es mit der Hand wieder anhob und die Arme sinken ließ. Die Bewegung war nicht hastig. Sie sah ihn dabei nicht an. Sie sah an die Decke.
Er begann an den Schlüsselbeinen. Als er an den Brustansatz kam, von vorn, unter dem oberen Rand des Tuchs, atmete sie ein und hielt die Luft nicht an. Sie atmete aus, lang, und ihre Brust hob sich in seine Hände, nicht viel, genug, dass der Muskel unter seinen Fingern sich anders anfühlte, voller, nachgiebiger an den Rändern. Die Brustwarze richtete sich gegen den Stoff, deutlich, und blieb so, auch als er den Druck verringerte. Er arbeitete den Ansatz weiter, rechts, links, und sagte sich, dass es der Muskel sei, der behandelt werden müsse. Das stimmte. Es stimmte nur nicht ganz.
„Fester“, sagte sie.
Er zögerte. Seine Hände lagen still auf dem Übergang von Schulter zu Brust. „Am Muskel“, fügte sie hinzu, und die Ergänzung kam eine Spur zu spät. „Rechts. Da, wo es letzte Woche schon war.“
Er drückte fester. Sie machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen Erleichterung und etwas anderem lag, und ihre Hüfte drückte sich einmal flach gegen die Liege, als würde sie eine Verspannung aus dem unteren Rücken lösen. Das Handtuch über dem Bauch hob sich mit dem Atem. Unter dem unteren Rand, dort, wo der Slip begann, sah er nichts Feuchtes. Noch nicht. Der Stoff lag trocken und glatt, grau auf der Haut.
Er ging zu den Beinen, weil er einen Grund brauchte, die Hände von ihrer Brust zu nehmen, und weil der Befund es hergab. Ein Bein frei, das andere bedeckt. Lange Züge am Oberschenkel, außen, dann innen, nicht bis zum Slip. Beim ersten Bein blieb sie still. Beim zweiten, als seine Hand höher kam, an die Innenseite, dorthin, wo das Gewebe weich wird und die Leiste beginnt, öffnete sie das Knie ein wenig. Nicht weit. Genug, dass der Stoff des Slips sich spannte und in der Mitte eine schmale, dunklere Linie zeigte, die vorher nicht da gewesen war.
Er sah sie. Sie sah nicht hin. Ihre Augen waren geschlossen, die Lippen geteilt, der Atem ging durch den Mund. Seine Hand lag auf der Innenseite des Oberschenkels, der Daumen einen Fingerbreit vom Rand des Slips entfernt. Er hätte die Hand wegnehmen können. Er ließ sie liegen, der Druck gleichmäßig, und bewegte sie nicht weiter nach oben. Eine Minute, vielleicht weniger. Desiree schluckte. Das Geräusch war klein in dem stillen Raum.
„Ist das noch für den Nacken“, fragte sie, sehr leise.
„Das Bein gehört zur Haltung“, sagte er. Die Antwort war nicht falsch. Sie war auch nicht die ganze Antwort. „Wenn es Ihnen zu nah ist, sagen Sie es.“ Sie sagte es nicht. Sie lag, das Knie noch immer ein wenig geöffnet, und nach einem Moment senkte sie es wieder, nicht ganz, nur so weit, dass es nicht mehr wie eine Einladung aussah und doch nicht wie ein Zurückziehen. Er arbeitete den Muskel zu Ende, deckte das Bein zu, und ging zurück an die Schultern, mit trockeneren Händen, abschließende Griffe, die nichts mehr suchten. Als er die Hände wegnahm, öffnete sie die Augen. Sie sah ihn an, zum ersten Mal in dieser Stunde richtig, nicht im Vorbeigehen an der Tür.
„Sie sind vorsichtig“, sagte sie.
„Das gehört dazu.“
„Auch wenn ich nicht darum bitte, vorsichtig zu sein?“
Er stand neben der Liege, die Hände an den Seiten, Öl noch an den Fingern. Sie lag unter dem Handtuch, das Haar aus der Aussparung gelöst, ein Strähne an der Wange. Die Röte saß nicht nur auf den Wangen. Sie saß am Hals, dort, wo er gearbeitet hatte, und tiefer, am Ansatz der Brust, den das Tuch nicht ganz verdeckte.
„Ich behandle Sie“, sagte er. „Das ist etwas anderes als das, wonach es sich gerade anfühlen könnte.“
„Es fühlt sich nach beidem an.“ Sie setzte sich nicht auf. Sie blieb liegen, eine Hand auf dem Handtuch über dem Bauch, die Finger ruhig. „Ich bin nicht hergekommen, um Sie in etwas zu ziehen. Der Nacken ist real. Aber ich merke, was passiert, wenn Sie an bestimmte Stellen gehen. Und ich merke, dass Sie es auch merken.“
Er schwieg. Draußen im Flur lief die Heizung. Im Raum war es warm genug, dass ihre Haut nicht fröstelte, wo sie frei lag.
„Nächste Woche können Sie die Beine auslassen, wenn Sie wollen“, sagte sie. „Oder den Slip. Ich sage es jetzt, damit Sie es nicht für einen Unfall halten, wenn ich es dann tue. Sie können auch nein sagen. Dann ziehe ich mich an wie heute, und wir machen den Nacken, und ich erwähne es nicht wieder.“
Er hätte nein sagen können. Der Satz lag fertig im Mund, professionell, klar, mit einem Verweis auf die Praxisregeln, die es irgendwo gab, auch wenn er sie nie an die Wand gehängt hatte. Stattdessen hörte er sich sagen: „Ziehen Sie sich an. Langsam aufsetzen. Und trinken Sie etwas, bevor Sie gehen.“
Sie nickte, als hätte sie genau diese Antwort erwartet, nicht die andere. Er ging hinaus. Als er zurückkam, stand sie an der Liege, die Bluse zugeknöpft bis auf den obersten, die Hose schon an, barfuß noch, die Schuhe in der Hand.
An der Tür blieb sie stehen.
„Der Nacken ist leichter“, sagte sie, dieselbe Formulierung wie beim ersten Mal, und dann, leiser: „Und der Rest auch. Für den Moment.“
„Gleicher Termin“, sagte er.
„Ja.“
Sie ging. Er bezog die Liege. Der Bezug unter der Stelle, wo ihr Becken gelegen hatte, zeigte wieder einen kleinen Fleck, diesmal deutlicher, noch nicht ganz trocken, als er das Tuch abnahm. Er warf den Bezug in die Wäsche, wusch sich die Hände länger als nötig, und schrieb in die Karte: Nacken gebessert, weiterhin M. pectoralis und Ischiocruralen, Patientin wünscht Fortsetzung. Das andere schrieb er nicht. Es stand auch so im Raum, in der Wärme, die die Heizung nicht allein gemacht hatte, und in der Tatsache, dass er den nächsten Donnerstag nicht gestrichen hatte.
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