Bis zum Horizont ... und darüber hinaus (fm:Sonstige, 19773 Wörter) [5/5] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Mr_Empire | ||
| Veröffentlicht: Oct 21 2026 | Gesehen / Gelesen: 215 / 153 [71%] | Bewertung Teil: 10.00 (2 Stimmen) |
| AKT IV: Zwischen Horizont und darüberhinaus (ENDE) | ||
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AKT IV: Zwischen Horizont und darüber hinaus
Ein Jahr ist vergangen – ein Jahr, das Manuel wie ein halbes Leben vorkam. Manchmal hatte sich die Zeit gedehnt, schwer und still, und doch war etwas Kostbares geblieben: der Kontakt zu Sabrina. Nun sitzt er im Wagen, auf dem Weg zu ihr und Dirk. Heute ist für sie alle ein besonderer Tag: Celina, ihre Tochter, wird getauft, und Sabrina hat Manuel gebeten, ihr Patenonkel zu werden.
Manuel spürt eine leise, warme Vorfreude darauf, Sabrina wiederzusehen. Seit sie ihn zum Grab von Tanja geführt hatte, ist dies ihr erstes persönliches Treffen. Bisher hatten sie nur gelegentlich telefoniert oder kurze E-Mails ausgetauscht. Celina kannte er bislang nur von Fotos – und doch fühlte sich dieses Kind bereits auf seltsame Weise mit ihm verbunden an.
Ohne Hast lenkt er den Wagen durch den Verkehr. Blasses Tageslicht liegt auf den Windschutzscheiben der anderen Autos, und das gedämpfte Rauschen der Reifen begleitet ihn wie ein gleichmäßiger Atem. Je näher er dem Haus kommt, desto deutlicher spürt er dieses leise Ziehen in der Brust – eine Mischung aus Erwartung, Dankbarkeit und Erinnerungen, die nie ganz verstummen. Schließlich erreicht er das Haus, in dem Sabrina und Dirk zur Miete wohnen. Manuel stellt den Motor ab; mit einem Mal wird es still, nur irgendwo schlägt eine Autotür zu. Er steigt aus, atmet die kühle Luft ein und streckt sich nach der langen Fahrt. Dann geht er zur Eingangstür, sucht die richtige Klingel und drückt nur kurz darauf. Er möchte Celina nicht wecken, falls sie schläft. Der Türsummer schnarrt, und Manuel tritt ein. Im Treppenhaus riecht es schwach nach Reinigungsmittel und warmem Holz. Nach ein paar Stufen steht er vor Sabrina, die ihn in der Tür erwartet und Celina auf dem Arm hält.
„Hallo Manuel. Schön, dass du wirklich gekommen bist“, begrüßt sie ihn und nimmt ihn in den Arm.
Manuel erwidert die herzliche Umarmung und hält sie einen Augenblick länger fest, als Worte es könnten. „Hallo Sabrina. Ich bin sehr gern gekommen. Es ist mir eine Ehre und eine große Freude.“
Sabrina löst sich von ihm und bittet ihn herein. Aus der Wohnung dringen der Duft von frischem Kaffee und ein Hauch von Babycreme. Celina sieht Manuel fragend an. „Das ist dein Patenonkel, Celina. Leider kennst du ihn noch gar nicht. Das müssen wir ab jetzt ändern.“ Bei den letzten Worten sieht sie Manuel direkt an.
Er lächelt erst Sabrina, dann Celina an. „Ich denke, das bekommen wir hin. Oder, Celina, was meinst du?“
Skeptisch sieht Celina von ihm zu ihrer Mutter und drückt sich etwas fester an Sabrina, als suche sie dort Schutz vor diesem noch fremden Gesicht. „Alles gut, Schatz. Manuel tut dir nichts. Im Gegenteil: In gewisser Weise ist er sogar auch dein Opa.“
„Sabrina, ich weiß, was du vor einem Jahr zu mir gesagt hast, aber …“, beginnt Manuel.
„Manuel, ich bin sicher: Wenn Mama mehr Zeit geblieben wäre, wäre sie heute noch hier. Sie wäre freudestrahlend mit dir vor den Altar getreten“, sagt Sabrina ruhig. In ihrer Stimme liegt keine Unsicherheit, nur eine sanfte Gewissheit, die Manuel zugleich tröstet und schmerzt.
„Das war ein schöner Traum“, seufzt Manuel, und für einen Moment klingt darin all das mit, was nie Wirklichkeit werden durfte. Sabrina setzt Celina behutsam ab. Mit noch unsicheren Schritten macht sich das Mädchen auf den Weg ins Wohnzimmer.
Sabrinas Blick fällt auf seinen Ringfinger, immer noch trägt Manuel ihren Ehering. Sanft legt Sabrina Manuel eine Hand auf die Schulter. Die Berührung ist leicht, doch sie erreicht ihn tiefer, als er erwartet hätte. „Nicht nur für dich. Glaub mir das, Manuel.“ Dann folgen die beiden Celina ins Wohnzimmer, wo warmes Licht durch die Fenster fällt. Dirk hält seine Tochter auf dem Arm und zupft gerade an ihrem Taufkleidchen. Manuel und Dirk begrüßen sich mit einem Handschlag. Doch bevor sie sich näher kennenlernen können, mahnt Sabrina, dass sie langsam losmüssten, wenn sie nicht zu spät zur Taufe in der Kirche
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