Mein Campingabenteuer (fm:1 auf 1, 13620 Wörter) | ||
| Autor: Roman Tiker | ||
| Veröffentlicht: Oct 24 2026 | Gesehen / Gelesen: 558 / 423 [76%] | Bewertung Geschichte: 8.00 (1 Stimme) |
| Diese Mal möchte ich von meinem Urlaub berichten. Insgesamt habe ich die Geschichte in drei Teile gegliedert, die ähnlich lang sind. Tut mir für diejenigen leid, die nicht viel Zeit haben, es ging aber nicht kürzer. | ||
![]() Rubber Empire. Das beste in Rubber und Latex fetish. |
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Schnell lenkte ich das Gespräch von ihrer medizinischen Tätigkeit auf freizeitbezogenere Themen und erfuhr, dass eine Leidenschaft von ihr das Rennradfahren war.
»Pumpen Sie mal mit der Faust«, wies sie an, nachdem sie mir die Manschette um den Oberarm gebunden hatte und die Kanüle zur Blutabnahme auspackte. »Es piekst jetzt kurz.« Schon floss der rote Saft in Strömen. »Dann sind wir fertig und, wenn wir bei der Blutuntersuchung etwas feststellen, melden wir uns bei Ihnen.«
»Alles klar«, erwiderte ich, »dann hoffe ich, nichts mehr von Ihnen zu hören.«
Ihr strenger Blick traf mich und ich musste schmunzeln.
Die Untersuchung war viel zu schnell beendet, zumindest empfand ich es so, obwohl sie alles genauso gemacht hatte wie ihr Vorgänger. Es lag wohl eher daran, dass mich bisher, außer der Zahnärztin, nur Männer behandelt hatten, und ich diese angenehme Anwesenheit weiblicher Empathie nicht gewohnt war.
Sie streifte die Handschuhe ab und wusch sich die Hände, während ich mich wieder anzog, dann reichte sie mir die Hand.
»Ebenfalls angenehm«, sagte sie, lächelte mich an und verabschiedete sich.
Auf dem Flur traf ich meinen Hausarzt, der gerade aus einem anderen Behandlungszimmer kam, und fragte ihn, ob er sich denn zur Ruhe setzen wolle und deshalb Verstärkung ins Haus geholt hätte.
»Nein nein ...«, lachte er, »aber du kannst gerne meine Arbeit übernehmen, dann weißt du, wie viele Stunden eine Woche hat.« Väterlich legte er einen Arm auf meine Schulter, »Alles in Ordnung bei dir?«
»Alles wie immer«, antwortete ich und musste über das Herumgeklage schmunzeln.
»Na siehst du. - Tschüss mein Lieber, mach's gut, ich muss weiter.« Mit diesen Worten war er auch schon wieder im nächsten Zimmer verschwunden.
Wie jedes Mal nach dem Checkup fühlte ich mich um einiges besser, gut genug jedenfalls, um Urlaub zu machen. Ich hatte weder etwas gebucht, noch hatte ich einen Plan, was ich machen wollte. Lust auf Fernreisen war mir schon lange vergangen und Flugreisen insgesamt vermiesten mir in den letzten Jahren ebenso den Appetit auf Entspannung. Ich wollte aber auch nicht die ganze Zeit alleine zu Hause verbringen und da fiel mir das Inserat in der Zeitung wieder ein.
Bei der Beschreibung »Abenteuer« kam mir kurz der Gedanke, dass dieser Chris vielleicht jemanden für mehr suchte, als nur für eine Urlaubsbegleitung. Das würde ich hoffentlich bei einem ersten Treffen herausfinden können. Außerdem hatte ich mein eigenes Zelt, das ich mir vor einigen Jahren zugelegt hatte. Ein ausladendes Iglu für zwei bis drei Personen, äußerst robust und wetterfest mit genügend Platz für mich und meine notwendigen Utensilien.
Mein großer Vorteil war, dass ich absolut flexibel planen konnte, mich nach niemandem richten musste und wann und wohin fahren konnte, wo ich wollte. Nein, ich hatte keine Partnerin, zumindest keine feste, und das schon seit langer Zeit nicht. Irgendwie hatte sich das nie ergeben. Während Freunde und Bekannte zwischen zwanzig und dreißig sesshaft geworden waren und Familien gegründet hatten, streifte ich durch die Welt und recherchierte für Verlage, Fernseh- und Radiosender, und fühlte mich wohl damit, unabhängig zu sein. Wenn ich nach Hause zurückkam, hatte ich die interessanteren Geschichten erlebt und war ein gern gesehener Gesprächspartner. Mit der Zeit orientierte ich mich allerdings um, weil die langen Reisen mir nicht mehr guttaten. Meine Tätigkeit beschränkte sich mehr und mehr darauf, Artikel von Kollegen zu lektorieren, Quellen gegen zu checken und auf Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, bis ich genug hatte vom nine to five und nur noch als freier Lektor Aufträge bearbeitete.
Man mag es nicht glauben, aber ich konnte sogar Projekte ablehnen, zu Anfang zumindest, und es gab genügend zu tun. Man riss sich buchstäblich um mich, schätzte meine Kompetenz und Erfahrung, doch mittlerweile müsste ich alles annehmen, was sich mir bot, es sei denn, ich hätte genügend Geld zur Seite gelegt. Das hatte ich, also beschränkte ich mich auf das, was mich wirklich interessierte und stellte damit den Grundstock meiner Rente sicher, während ich den Rest meiner Freizeit damit verbrachte, meine Zukunft zu planen.
Der Freundeskreis war dünn geworden, weil die meisten sich um ihre Kinder und deren Bedürfnisse kümmerten oder sogar schon Enkelkinder hatten. Da zog ich lieber alleine los und war nicht das bekannte fünfte Rad am Wagen. Natürlich traf man sich noch, doch nichts war mehr wie früher. Mein Plan war, irgendwann als gutsituierter Vagabund durch die Gegenden zu ziehen, die mich schon immer interessiert hatten und die ich bisher nicht in ausreichendem Maße bereisen konnte.
Zu Hause holte ich die Zeitung aus dem Papierkorb und sah mir das Inserat wieder an. Eine E-Mail-Adresse war angegeben, was mir erstmal ungewöhnlich erschien. Dennoch schrieb ich eine Nachricht, in der ich nach dem Ziel der Reise und einem möglichen Reisetermin fragte. Zur Sicherheit unterschrieb ich nur mit meinen Initialen.
Es dauerte eine geschlagene Woche, bis ich eine Antwort erhielt und mittlerweile hatte ich das Ganze schon wieder fast vergessen, hatte mir schon gedacht, dass die Anzeige nur dazu gedacht war, entsprechende Adressen zu ergattern, und ich hatte mich zu Anfang schon geärgert, wiedermal auf so eine billige Masche hereingefallen zu sein.
In netten Worten teilte mir Chris mit, dass er zwei Wochen unterwegs sein wollte und kein besonderes Ziel ins Auge gefasst hatte. Auch was den Zeitraum angehe, wäre er äußerst flexibel. Mein anfänglicher Gedanke nach einem Kerl, der mehr suchte, als nur einen Begleiter oder eine Begleiterin, reifte weiter, woraufhin ich ein Treffen vorschlug. Prompt antwortete er, dass wir uns gerne bei ihm treffen könnten, vorher wollte er nur ein paar Angaben von mir wissen, um nicht einem Fake auf den Leim zu gehen. Alter, Interessen und ob ich sportlich wäre, waren ihm wichtig, sonst nichts. Er wollte nicht wissen, ob ich Männlein oder Weiblein war, was meinen Gedanken eines frivolen Wunsches nach einem Abenteuer des Inserenten sofort sterben ließ. Bereitwillig gab ich bekannt, dass ich Angang 50 sei, gerne Rad fahre und ansonsten eine gute Zeit bei schönem Wetter, gerne in der Nähe eines schwimmbaren Gewässers, verleben wolle. Zwei Wochen hörten sich gut an, was ich ihm ebenfalls schrieb, und als Ziel würde ich Frankreich vorschlagen, weil man dort an allen Ecken vernünftige Campingplätze fand.
Am nächsten Tag schlug Chris mir vor, sich am folgenden Samstag zu treffen. Das passte mir gar nicht, weil ich meinem Patenkind schon zugesagt hatte, sie zu besuchen. Ich wollte aber auch nicht warten und entschied, mich unter Umständen eben auch ohne Treffen in das Abenteuer zu stürzen. Alles klang für mich seriös und ich hatte keinerlei Vorbehalte, außerdem hatte ich mein eigenes Zelt dabei und konnte jederzeit aussteigen, wenn es mir zu blöd würde. Innerlich freute ich mich sogar darauf, dieses Mal nicht alleine meinen Urlaub zu verbringen, darum schrieb ich ihm, einfach am Sonntag schon auf große Fahrt zu gehen.
Am nächsten Morgen hatte ich eine E-Mail von Chris, er wäre einverstanden und wir könnten uns auf einem Parkplatz am Rande von Bonn treffen. Ort, Uhrzeit und ein Bild von seinem Camper hatte er mir beigefügt, damit ich ihn erkannte. Ein ansehnliches Stück aus den 90ern war auf dem Bild zu sehen, ein alter Mercedes Bus, auf Hochglanz poliert und genau das, wovon ich selber schon seit Jahren träumte.
Ich bekam richtig Lust, beim Anblick dieses Schmuckstücks, mich nochmal selber umzusehen, wo man so etwas bekam. Vorher müsste ich allerdings ein Praktikum bei einem richtigen Kfz.-Mechaniker machen, der noch mit Fingerspitzengefühl und öligen Händen arbeitete. Das brauchte mal nämlich, wenn man mit derartigen Gefährten unterwegs war und ich war neugierig auf das Auto und seinen Besitzer.
Meinem Patenkind schwärmte ich bei Kaffee und Kuchen natürlich etwas von meinem bevorstehenden Urlaub vor und, als ich am späten Nachmittag nach Hause kam, waren schnell die paar wirklich wichtigen Dinge zusammengesucht, die man bei gutem Wetter brauchte, der Gaskocher, das Geschirr, der Kanister für Frischwasser und die übrigen Dinge wie Klebeband für alle Fälle, ein Stuhl und der kleine Tisch. Zum Anziehen brauchte ich sicher nur ein paar kurze Hosen, T-Shirts, luftige Hemden und Wechselunterwäsche. Immer mehr füllte sich der Laderaum meines alten Volvos mit Kisten, Taschen, meiner Kameraausrüstung und diversen Utensilien, die mir bei vergangenen Campingurlauben schon zu Diensten gewesen waren. Als letztes schwang ich mein Rad auf den Gepäckträger und saß am Ende voller Vorfreude auf dem Bordstein vor meinem Haus mit einem kalten Abschlussbier in er Hand.
Nach einem ausgeruhten Schlaf traf ich am verabredeten Parkplatz ein und sah das technische Schmuckstück schon von weitem. Das Bild hatte nicht getäuscht, der Mercedes sah wirklich toll aus und entsprach genau meinem Geschmack. Mit kindlicher Begeisterung umrundete ich den Camper, der so aussah, als hätte er die ganze Welt gesehen und stockte, als mein Blick auf eher zierliche Beine in schwarzen Lederstiefeln traf. Neugierig bog ich um das Heck deutscher Ingenieurskunst und sah den roten Lockenschopf, der auf einem weiblichen Körper thronte, bedeckt von einem schlichten schwarzen T-Shirt und kurzen Jeans. Mit der Sonnenbrille im Haar lächelte mich die Ärztin an, die mir vor nicht allzu langer Zeit den Blutdruck gemessen hatte. Sie saß in der offenen Schiebetüre und rauchte eine Zigarette.
»Na, wenn das nicht ...«, kicherte sie mit dieser unverkennbar kratzigen Stimme.
»Jetzt bin ich platt. Frau Moolenaers ...«
»Christin«, sagte sie, stand auf und kam mit ausgestreckter Hand auf mich zu. »Unter Campern duzt man sich, zumindest in Holland«, lachte sie.
»Roman«, stotterte ich voller Überraschung.
»Damit hattest du nicht gerechnet?«, fragte sie, weil ich seit ihrem Anblick keinen weiteren Schritt auf sie zu gemacht hatte.
»Nein, das hatte ich nicht ... ich meine ... bei Chris hatte ich eher an einen ... Christof oder Christian gedacht.«
»Und enttäuscht?«
Mittlerweile hatten unsere Hände sich zur Begrüßung gefunden.
»Äh, nein, keineswegs.«
»Jetzt sag nicht, bei dem Auto hättest du niemals mit einer Frau gerechnet?«
Ertappt begann ich schon wieder unsicher zu stocken: »Nein, nein.«
Ihr Blick verriet, dass sie mich durchschaut hatte und mich wahrscheinlich schon jetzt für einen schonungslosen Chauvinisten hielt, der ich beileibe nicht war.
»Was ist, wollen wir los?«, lachte sie. »Lässt du deinen Wagen stehen und fährst bei mir mit oder möchtest du ...?«
Genau, das hätten wir vorher klären sollen, dachte ich. Da ich bisher davon ausgegangen war, mit einem Chris unterwegs zu sein, war bei mir die Frage gar nicht erst aufgekommen. Jetzt, wo diese Christin mich einlud, bei ihr mitzufahren ...
»Dann müsste ich alles umladen und ...«
»Okay, kein Problem, mach wie du willst.«
»Haben wir eigentlich ein Ziel?«, fragte ich und fand die Frage durchaus angebracht.
»Du kannst vorfahren, wohin ist mir egal. Normalerweise fahre ich einfach der Nase nach und halte da an, wo es mir gefällt.«
»Auch ein Plan. Was hältst du davon, wenn wir die erste Station gemeinsam aussuchen und dann weitersehen?«
Christin stapfte in ihren Camper und kam mit einer Landkarte wieder, faltete sie auseinander und reichte sie mir.
»Du hältst fest und ich suche aus?«
Mit einer Hand vor den Augen und dem ausgestreckten Finger der anderen stach Christin auf das Papier und landete kurz hinter der luxemburgischen Grenze.
»Schau mal, da ist sogar ein kleiner See. Du suchtest ja etwas, wo man auch schwimmen kann«, lächelte sie. »Aufsitzen, es geht los«, kündigte sie an, überließ mir die Karte und schwang sich auf den Fahrersitz ihres Mercedes. Staunend sah ich ihr hinterher. Eigentlich eine dumme Idee, mit zwei Autos zu fahren, dachte ich mir. Bei einem Christof oder Christian, der einen männlichen Begleiter mit neckischen Absichten suchte, hätte ich vielleicht lieber in meinem Volvo gesessen, doch was sprach dagegen, meine Klamotten umzuladen und sich beim Fahren abzuwechseln?
Sie hatte den schweren Diesel schon gestartet, als ich ihr bedeutete, die Scheibe herunter zu drehen.
»Wenn genug Platz ist, kann ich vielleicht doch ...«
Ich hatte noch nicht ausgesprochen, da drehte Christin den Schlüssel und ließ den Motor zur Ruhe kommen. Dann stieg sie von ihrem Sitz herunter.
»Na also, geht doch«, sagte sie, »aber ich fahre die erste Strecke.«
Es dauerte keine halbe Stunde, bis wir alles in ihrem Bus verstaut hatten. Sogar mein Fahrrad fand seinen Platz auf einem Gepäckträger neben ihrem Rennrad, und kurze Zeit später waren wir schon auf der Autobahn Richtung Eifel unterwegs. An eine Unterhaltung war zwar kaum zu denken, weil das Fahrgeräusch im Innenraum zu laut war und zu allem Überfluss meine Fahrerin auch noch die Seitenscheibe heruntergedreht hatte, dafür steuerte sie den Fünftonner mit sicherer Hand über die Straße.
»Na, und, fühlt es sich schon nach Urlaub an?«, rief sie mir zu. Ich hob nur den Daumen zur Bestätigung.
Nach gut zwei Stunden fuhr sie von der Autobahn ab und hielt auf einem kleinen Parkplatz.
»Ich muss mal«, erklärte sie trocken, stieg aus und hockte sich, wie selbstverständlich mit heruntergezogener Hose hinter das Heck des Campers. Ich versuchte auch mein Glück, suchte einen geeigneten Platz, an dem ich nicht direkt in ihrem Blickfeld war, und ließ es laufen.
»Das muss reichen«, sagte sie mit Blick auf den Wasserkanister, an dem sie sich die Hände wusch. Anständig wie ich war, ließ ich auch etwas über meine Finger rieseln.
»Ab jetzt fährst du?«, fragte sie und kletterte auf den Beifahrersitz.
»Kann ich machen.«
Beim Verlassen des Parkplatzes fühlte ich mich wie der Kapitän auf einem großen Schiff. Ich hatte zwar schon oft Autos dieser Größe gesteuert, doch das war schon lange her. Christin wies zur Sicherheit auf die großen blauen Schilder, was mir nur ein leichtes Schmunzeln abrang. Allerdings schaute ich zweimal hin, als sie ihre schwarzen Stiefel auszog und ihre nackten Füße mit den rotlackierten Zehen aufs Armaturenbrett setzte. Wenn ich die Frau, die neben mir saß mit der Frau verglich, die mich vor nicht mal zwei Wochen untersucht hatte, hatten beide kaum etwas gemeinsam. Die sachliche, fachlich versierte Ärztin mit dem weißen Kittel, den blauen Einmalhandschuhen und den züchtig zusammengebundenen Haaren war das krasse Gegenteil zu der Frau in der kurzen Jeans, dem labberigen T-Shirt und der wilden rotblonden Mähne, die auf dem Beifahrersitz saß.
Es dauerte nicht lange, bis ich mich mit dem Bus absolut vertraut gemacht hatte und uns gemütlich durch die sonnengeflutete Landschaft schipperte. Christin hatte einen Kopfhörer aufgesetzt und die Augen geschlossen und bot mir die Möglichkeit, einmal mehr hinzusehen. Wie alt mochte sie wohl sein? Und wie kam sie dazu, so mir nichts dir nichts mit einem fremden Mann, der ich ja nun mal war, Urlaub machen zu wollen? Sie musste ein grenzenloses Vertrauen haben, wo sie mich auch noch ihr Schmuckstück steuern ließ und die Gelassenheit besaß, neben mir die Augen zuzumachen. Tatsächlich könnte das ein Abenteuer werden und dabei dachte ich nicht daran, dass zwischen uns etwas passierte. Mir stand überhaupt nicht der Sinn danach, mit meiner neuen Hausärztin irgendeine Liaison einzugehen, sei es auch nur ein Urlaubsflirt.
Die großen Schilder kündigten an, dass wir in der Nähe von Metz angekommen waren, also galt es, den richtigen Weg zu dem kleinen See zu finden, den wir als unser erstes Ziel ausgemacht hatten. Mit einem Schlag schien Christin hellwach zu sein, denn sie hielt die Karte in der Hand und zeigte mit dem Finger auf das Schild, dem ich folgen sollte. Zielsicher navigierte sie uns zu einem abgelegenen Platz, an dem wir hielten.
»Brauchst du einen Campingplatz, oder sollen wir nicht hierbleiben? Ist doch schön hier, oder?«
»Klar, wenn du auf sanitäre Einrichtungen verzichten kannst, soll mir das recht sein.«
»Die Natur hat alles, was man braucht. Waschen kann man sich im See und für den Notfall habe ich ein Klo im Bus und eine Dusche draußen.«
Irgendwie klang das alles sehr unkompliziert, genauso wie ich mir Camping vorstellte.
»Magst du Kaffee?«
»Natürlich. Ich lebe zwar schon lange in Deutschland, aber im Herzen bin ich immer noch Holländerin«, schmunzelte sie.
Ohne Umschweife machte ich mich daran, den Kocher auszupacken und alles, was man sonst noch für einen leckeren Kaffee braucht, während Christin Stühle und einen Tisch auspackte und für das entsprechende Ambiente sorgte. Barfuß stapfte sie durch das Gras zu einem kleinen Waldstück und sammelte Holz, gruppierte ein paar Steine zu einem Kreis, goss Sand hinein und hatte im nu eine Stelle für ein Lagerfeuer mit Grill gebaut.
Bisher war alles zwischen Christin und mir wie selbstverständlich abgelaufen, wir waren augenscheinlich erfahrene Camper, doch aus meiner Sicht gab es einige Punkte zu klären. Daher nahm ich die Gelegenheit wahr, als wir in ihren Stühlen und an ihrem Tisch an der von ihr vorbereiteten Feuerstelle saßen und uns unseren Kaffee schmecken ließen.
»Christin«, begann ich, im Nachhinein etwas holprig, gewann jedoch sofort ihre Aufmerksamkeit, »wir sollten einige Dinge klären, bevor wir richtig in unseren Urlaub starten.«
»Ich verstehe, dass du Fragen hast«, sagte sie, hielt mit einer Hand ihre Kaffeetasse und schlürfte daran, dann zog sie an ihrer Zigarette und blies den Rauch in die Luft, ohne mich anzusehen. Den Blick weiter auf den See gerichtet, fügte sie hinzu: »Der Kaffee ist übrigens sehr gut.« Anschließend drehte sie sich zu mir und lächelte.
Ich ließ mich nicht abhalten. »Genau. Zuerst mal würde mich interessieren, wie du dir das Abenteuer«, dabei malte ich mit den Fingern Gänsefüßchen in die Luft, »mit mir so vorgestellt hast.«
Sie lachte und ich hatte das Gefühl, dass sie sich über mich lustig machte.
»Hast du etwa Angst, weil ich Christin bin und nicht, wie sagtest du noch, Christof oder Christian? Nein, im Ernst, ich habe vor, eine gute Zeit zu verleben, die Welt um mich herum für zwei Wochen einfach Welt sein zu lassen, und mich leiten zu lassen, von dem, was passiert. Ich habe gesehen, du hast dein Zelt dabei, also deinen Rückzugsort, und ich habe meinen Bus. Wenn ich die Türe hinter mir zumache, möchte ich alleine sein, ansonsten können wir auch gerne etwas zusammen unternehmen. Es gibt zweimal am Tag was zu essen, da kann sich jeder einbringen, wie er möchte, und ... habe ich was vergessen? ... Ach ja, ich denke, morgen sollten wir weiterfahren, denn der Hintergrund mit den großen Kühltürmen macht keinen entspannten Eindruck auf mich.«
Erstmal war ich sprachlos. Sie hatte sachlich umrissen, wie die Zeit aus ihrer Sicht ablaufen sollte. Und ich fand den versteckten holländischen Slang beim verkehrten Satzbau echt bezaubernd.
»Soweit d'accord«, blieb mir festzuhalten.
»Wenn du weitere Fragen hast, weißt du, wo du mich findest. Du wirst merken, wenn ich nicht reden will.«
»Kommt das häufig vor?«
»Meistens so einmal im Monat. Da sollten wir in den nächsten beiden Wochen aber safe sein.«
»Womit auch das geklärt wäre«, stellte ich fest.
»Ich hatte nicht den Eindruck, dass du weitere Abenteuer geplant hattest mit Christof und auch nicht mit Christian. Also alles in Butter, wie man so schön sagt bei euch.«
»Und bei euch auch«, konterte ich und rang ihr ein zustimmendes Schmunzeln ab.
»Brauchst du Hilfe beim Zelt?«
»Das schaffe ich alleine.«
»Dann ziehe ich mich ein bisschen aufs Dach zurück und genieße die Sonne.«
»Gut eincremen, Frau Doktor.«
»Das schaffe ich schon alleine und die Frau Doktor ist zu Hause geblieben. Danke übrigens für den Kaffee. Das bleibt wohl ab jetzt deine Aufgabe.«
Sie nahm ihre und meine Tasse und verschwand im Bus.
Die hat echt auf jedem Zahn eine andere Frisur, ging es mir durch den Kopf, und das gefiel mir. Mit Frauen, die auf den Mund gefallen waren, konnte ich noch nie was anfangen.
Keine zwei Minuten später kam sie in einem schwarzen Bikini wieder heraus und hielt einen Hut und eine Flasche Sonnenmilch in der Hand. Geschmeidig kletterte sie die Leiter, die außen am Bus befestigt war, hoch und verschwand aus meinem Blickfeld. Ich hatte den Eindruck, dass unsere Chemie schon mal stimmte, es konnte also lustig werden.
Ich machte mich daran, mein Zelt aufzubauen und die wenigen Sachen einzuräumen, die ich brauchte, bevor ich morgens das Zelt verließ. Da wir noch nichts fürs Abendessen hatten, fuhr ich mit dem Rad in den nächsten Ort. Als ich zurückkam war von Christin nichts zu sehen. Ich wollte auch nicht direkt am ersten Tag ihre Privatsphäre stören und auf dem Dach nachsehen, darum räumte ich erstmal die Dinge weg, die ich gekauft hatte. Ich muss echt sagen, dass der Bus alles hatte, was man so brauchte. Es war natürlich ein Selbstausbau, das erkannte man sofort, doch war alles zweckmäßig und doch sehr liebevoll eingerichtet, hatte eine persönliche Note und nichts kam mir auf irgendeine Weise überflüssig vor. Ein wenig Neid kam in mir auf, weil ich genau so etwas seit Langem suchte. Wahrscheinlich hatte es Monate, wenn nicht Jahre, in Anspruch genommen, alles so umzubauen und herzurichten.
»Kann ich dir helfen?« Christin stand auf einmal vor der offenen Tür des Busses. Das Wasser triefte aus ihren Haaren und ich würde lügen, wenn ich sagte, ihr Anblick hätte mich völlig kalt gelassen.
»Äh, nein, ich schaue mir nur gerade deinen tollen Bus an. Hast du das alles selbst gemacht?«
»Traust du mir das nicht zu?«
Christin stand immer noch in ihrem nassen schwarzen Bikini vor dem Bus und trocknete sich mit einem Handtuch die Haare.
»Warum nicht? Ich dachte nur gerade, wie lange man dafür braucht. Ehrlich gesagt träume ich von sowas, mir fehlen nur das handwerkliche Geschick und das technische Verständnis. Vielleicht solltest du dir was Trockenes anziehen, damit du dich nicht erkältest.«
Christin lachte laut, sah an sich herunter und strich mit dem Handtuch über ihr Bikinioberteil, durch das sich ihre Brustwarzen gerade ein Loch bohrten.
»Ist das so schlimm?«
»Schlimm nicht, aber ab einem gewissen Punkt kann ich für nichts mehr garantieren.«
»Dann wollen wir diesen Punkt doch nicht am ersten Tag schon erreichen, oder?« , lachte sie noch lauter, schob sich an mir vorbei zu ihrem Bett, knotete, mir den Rücken zugewandt, das Oberteil auf und warf es auf den Boden. Anschließend streifte sie ihr schwarzes T-Shirt wieder über und schob das Höschen auf die Füße. Der Zeitpunkt war für mich gekommen, endlich den Bus zu verlassen.
»Ich habe uns was zu Essen besorgt«, rief ich. »Willst du wissen, was es gibt?«
»Nö, ich vertraue dir«, schallte es aus dem Inneren des Busses zurück. »Wann gibt es denn was?«
»Hast du schon Hunger?«
»Ja, so langsam ...« Sie stand schon wieder zwei Schritte hinter mir, ohne dass ich sie hatte kommen hören. Nun trug sie zu dem schwarzen T-Shirt ihre Jeans von vorhin.
Während ich den Grill anzündete, holte Christin ein Glas Wein für jeden und, als ich mich umdrehte, reichte sie mir eins.
»Auf einen schönen Urlaub«, prostete sie mir zu.
»Ja, auf ein aufregendes Abenteuer«, prostete ich zurück.
Nach dem Essen saßen wir beide sinnierend in unseren Stühlen und betrachteten die Sonne über dem See, die sich langsam auf den Horizont zu bewegte. Ich spürte diese Ruhe mit jeder Faser meines Körpers und war heilfroh, mich auf das Inserat gemeldet zu haben.
»Hattest du eigentlich noch mehr Zuschriften auf deine Anzeige?«, fragte ich Christin.
»Warum? Würde dich das stolz machen, wenn ich dich unter unzähligen Bewerbungen ausgewählt hätte?«
»Vielleicht.«
»Das Inserat war schon das dritte. Auf die ersten beiden hat sich niemand gemeldet und da hatte ich die Hoffnung, ehrlich gesagt, schon aufgegeben. Ich muss dich also enttäuschen, du warst der einzige Interessent.«
»Vielleicht hättest du deinen vollen Namen nennen sollen, dann hätte man dir die Tür eingerannt.«
»Und dann hätte ich nur so notgeile Böcke abblitzen lassen müssen.«
»Jetzt machst du mich doch ein bisschen stolz.«
Mit fragendem Blick sah sie mich an.
»Weil du mich nicht hast abblitzen lassen.«
»Hast du schon vergessen? Bis wir uns auf dem Parkplatz getroffen haben, wusste ich nicht mal, wer du bist.«
»Und wenn ich eine Frau gewesen wäre?«
»Dann hätten wir zusammen aufs Klo gehen können«, schmunzelte sie.
»Nein, jetzt mal im Ernst, hattest du überhaupt keine Vorbehalte? Ich meine, du schreibst einfach und weißt nicht, mit wem du die nächsten zwei Wochen verbringst. Ich könnte sonst was sein.«
»Triebtäter melden sich nicht auf Inserate, glaube ich, und Serienmörder auch nicht. Ich habe das schon mal gemacht und damals war das ein super Erlebnis. Außerdem sollte doch spätestens das Bild von meinem Bus gezeigt haben, dass man sich nicht auf die Anfrage einer zart Besaiteten meldet.«
»Aha, du spielst also mit der Psychologie. Da ist was dran. Das Bild hat bei mir den Ausschlag gegeben, keine Zweifel mehr zu haben.«
»Und jetzt ist es gut, so, wie es gekommen ist?«
»Das ich mit meiner Hausärztin am Lagerfeuer sitze? ... A votre santé.«
»A votre santé.«
»Läufst du schon immer alleine durchs Leben?«, fragte ich, als die Stille zu viel Raum eingenommen hatte und begann, mir unangenehm zu werden.
»Wie kommst du darauf, dass ich alleine durchs Leben gehe?«
»Geraten.«
»Ja, richtig geraten.« Für den Moment dachte ich, sie würde von ihrer spitzbübischen Art, die mir im Übrigen sehr gut gefiel, auf eine etwas erwachsenere Ebene kommen. Doch dann fiel sie wieder zurück: »Am Anfang waren meine Eltern und mein Bruder noch da.«
Ihr verschmitztes Lächeln war dennoch schön anzusehen und ihre lässige Art sagte mir mehr als zu. Außerdem hatte sie Humor und das war wichtig.
»Lass uns bitte morgen weiterreden, ich möchte noch ein wenig die Gedanken kreisen lassen und dann bin ich reif fürs Bett. Das Glas kannst du stehen lassen und für den Notfall habe ich noch was für dich.« Aus dem Bus warf sie mir eine Rolle Kunststoffbeutel zu und eine Rolle Toilettenpapier. Wahrscheinlich zwinkerte sie mir auch noch zu, ich konnte es nicht erkennen, weil es schon zu dunkel war. Ich wünschte ihr einen ruhigen Schlaf, was sie mit gleichem Gruß erwiderte.
So kam es, dass ich alleine am See saß und mich an meiner eigenen Gesellschaft erfreute. Nicht die schlechteste Art, den ersten Tag ausklingen zu lassen. Kurz nahm ich nochmal die Karte zur Hand und rechnete nach, wie lange wir zum
-Lac du Der- brauchen würden, einem See, den ich von vergangenen Touren kannte und an dem es einen Platz mit sanitären Einrichtungen geben würde, sofern Christin das Bedürfnis dazu verspürte. Sie hatte recht, das Kernkraftwerk von Cattenom bot wirklich keinen schönen Anblick, obwohl der See eine sehr angenehme Atmosphäre versprühte.
Die Idee mit dem Beutel war tatsächlich eine gute gewesen, denn kurz nachdem ich aufgewacht war, meldete sich mein Körper mit seinen Grundbedürfnissen. Die Sonne schaute gerade erst über den Horizont und ließ mich wahrscheinlich nicht auffliegen, darum suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen, bevor ich nach getaner Arbeit mit Waschzeug bewaffnet den See bestieg. Es hatte etwas ursprüngliches, eine deutliche Spur von Freiheit und ich genoss es total, zusammen mit allen Bewohnern des Ufers den Tag zu begrüßen. Die Vögel störten sich nicht an dem Ambiente, machten Flugübungen über das Wasser und fühlten sich vermutlich genauso sauwohl wie ich, der sich gerade die Zähne putzte. Ich hatte in meinem Zelt geschlafen wie ein Baby, hatte mich wecken lassen vom Gezirpe der Insekten und dem Gekreische der Vögel. Bis zum Bauch stand ich nun im klaren Wasser und genoss den Morgen, als die Bustür sich öffnete. Etwas abseitsstehend beobachtete ich, wie Christins wirre rotblonde Mähne aus der Tür schaute, sie die klare Luft einsog und sich auf dem Weg zum See machte. Völlig unbeschwert hatte sie alles, was sie vorher getragen hatte, im Bus gelassen und tapste in das glasklare Wasser. Glotzend schaute ich auf sie und ihren Körper, der sich hell vom Hintergrund deutlich abhob. Weil ich hinter einem Strauch erst in ihr Blickfeld kam, als sie bereits bis zu den Knien im Wasser stand, hätte sie mich gut und gerne als Spanner bezeichnen und wieder zurücklaufen können, doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen hob sie die Hand zu einem kurzen »Hallo«.
Natürlich wandte ich mit einem Gruß sofort meinen Blick ab, als sie mich sah und schaute auf die Kühltürme. Erst als ich hörte, dass sie eingetaucht war, wagte ich wieder, zu ihr zu sehen.
»Das ist herrlich, oder?«, fragte ich und machte mich auf zu meinem Zelt. Sie hatte vermutlich auch Bedürfnisse und dabei musste ich nicht dabei sein.
»Das kann man wohl sagen. Hast du schon genug?«
»Ich achte deine Privatsphäre.«
»Dankeschön, das ist nett von dir, aber nicht nötig.«
Langsam stapfte ich aus dem Wasser und es ließ sich nicht vermeiden, allen Anwesenden meine blanke Rückseite zu präsentieren. Aus meinem Zelt angelte ich mir ein Handtuch und trocknete mich, größtenteils durch mein Iglu verdeckt, ab und schaute aufs Wasser, wo außer den vielen Flugkünstlern nur ein unscheinbarer Kopf zu sehen war.
»Machst du mir nochmal so einen leckeren Kaffee? Dann tue ich dir auch den Gefallen und komme wieder raus.«
»Ansonsten bleibst du da drin bis zu deinem Ende? Ich dachte, wir fahren heute weiter«, witzelte ich nicht sehr gekonnt.
»Ansonsten fordere ich dich auf, in deinem Zelt zu verschwinden, damit du mir nichts weggucken kannst.« Mit gezielten Schritten kam sie auf mich zu. »Glaubst du etwa, ich habe deine Blicke gestern nicht gesehen?«
Ich hatte es nicht nötig und das wollte ich ihr beweisen, darum zog ich meine kurze Hose an und ging zum Bus. Diesmal hörte ich genau hin, doch wieder waren meine Ohren nicht in der Lage, ihre Schritte wahrzunehmen, bis sie fast vor dem Bus stand. Ohne sie anzusehen, reichte ich ihr das Handtuch und malte weiter Kaffeepulver.
»Oh Gott, sehe ich so schrecklich aus oder traust du dich nur nicht, genauer hinzusehen.«
Ich hob den Kopf und sah ihr direkt in die Augen.
»Ich sagte doch, ich achte deine Privatsphäre.«
»Oh, so streng am frühen Morgen. Ist was passiert?«
»Nein, ich habe sehr gut geschlafen. Ich möchte nur deinen Verführungskünsten, soweit möglich, entgehen. Ich weiß nämlich nicht, wie sich das entwickelt, wo wir noch dreizehn Tage vor uns haben.«
»Entschuldige, ich habe mir nur einen Spaß erlaubt. Glaub mir, ich bin weit davon entfernt, dich zu verführen.«
»Jetzt bin ich aber schon ein bisschen beleidigt«, begab ich mich wieder auf die heitere Ebene unseres bisherigen Umgangs.
»Brauchst du nicht. Weißt du, als Ärztin habe ich ständig mit mehr oder weniger bekleideten Menschen zu tun und da bekommt man einen ganz anderen Umgang mit verkleideten oder blanken Körperteilen. Und außerdem hast du mir eben völlig ungeniert deinen knackigen Hintern hingehalten. Ich halte mich aber ab jetzt zurück, versprochen. Lässt du mich kurz durch?«, fragte sie und bestieg mit umgeschlagenem Handtuch den Camper.
»Ja, sicher.« Ich ließ sie durchgehen zu ihrem Bett, blieb diesmal aber im Bus stehen. Einerseits gingen wir völlig unkompliziert miteinander um und das war toll, andererseits lebten wir beide alleine und da war die Gefahr, dass ... den Gedanken sollte ich nicht weiterführen, zumindest nicht, während ich Christins sinnliche Rückansicht vor mir hatte, weil sie sich gerade anzog.
»Gibt es schon Kaffee?«, riss sie mich aus meiner Trance.
»Das Wasser kocht noch nicht.«
»Geht es schneller, wenn du zuschaust?«
»Was meinst du?«
»Na, kocht das Wasser schneller, wenn du zuschaust?«
»Ich wusste nicht, dass ich draußen warten sollte.«
»So meinte ich das auch nicht.« Im Vorbeigehen strich sie mit ihrer Hand über meine Wange.
Zu unserem Glück pfiff der Wasserkessel und kündigte an, dass es bald einen leckeren Kaffee geben würde, ansonsten hätten wir unsere erste Meinungsverschiedenheit austragen müssen.
»Ich habe gestern mal was rausgesucht, wo wir hinfahren können. Möchtest du es sehen?«
»Ja, zeig mal her. Im Grunde ist es mir recht, Hauptsache es ist schön dort.«
»Ich war da schon mal«, ich breitete die Karte auf dem Tisch aus, »und mir hat es gefallen. Es gibt auch einen Platz mit guten sanitären Anlagen. Wenn du möchtest, können wir aber auch direkt am See etwas suchen.« Mit dem Finger zeigte ich ihr, wo ich hinwollte.
»Eine warme Dusche ist auch was Feines, oder?« Christin zündete sich eine Zigarette an und ich merkte sofort, dass sie sich über mich lustig machen wollte.
»Männer schaffen es auch, Wochen ohne warme Dusche auszukommen. Ich dachte da eher an dich.«
»Dann kommst du aber nicht mehr in meinen Bus, selbst wenn es regnet.« Wir waren schon wieder bei den Neckereien vom Vortag angekommen. »Nein, das ist nett von dir. Ja, wir können vielleicht auch länger dortbleiben, wenn es uns gefällt. Dann nehmen wir die Duschen und Toiletten mal in Anspruch und die restliche Zeit verbringen wir am See.«
»Das hört sich gut an. Schon eine Idee fürs Abendessen?«
»Ich habe noch nicht mal gefrühstückt«, lachte sie.
»Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, wie wir das mit dem Geld regeln? Immerhin stellst du deinen Bus zur Verfügung.«
»Wir sollten nicht über Geld reden. Wir wollen eine schöne Zeit haben und da möchte ich mich nicht mit solchem unwichtigen Kram beschäftigen. Wenn wir am Ende das Gefühl haben, etwas ausgleichen zu müssen, tun wir das. Bis dahin ist alles gut.«
»Okay, ich dachte nur.«
»Sollen wir nach dem Kaffee sofort los? Mich zieht es irgendwie hier weg.«
Zusammen bauten wir mein Zelt ab, verstauten alles wieder im Bus und es war nicht mal zehn Uhr, bis wir wieder unterwegs waren.
»Magst du eine Radtour machen, wenn wir ankommen?« rief ich vom Beifahrersitz aus und bekam ein zustimmendes Nicken als Antwort. Während Christin den Mercedes über die Nationalstraße steuerte, suchte ich eine Route raus. Nach knapp dreieinhalb Stunden kamen wir an dem weitläufigen See an und waren beide überrascht über die wohltuende Atmosphäre, die dieses Naturschauspiel auf uns ausgoss.
Unterwegs hatte Christin an einer Boulangerie angehalten und wir hatten während der Fahrt etwas gegessen.
»Das Iglu bauen wir nachher auf, mir ist nach Bewegung«, meinte meine rotblonde Fahrerin und streckte sich.
So schnell als möglich schwangen wir uns auf die Räder und rollten los. Cruisten wir zu Beginn, noch gefangen von der atemberaubenden Kulisse, entwickelte sich unsere Tour schnell zu einem Wettlauf, bei dem ich keine Chance hatte zu gewinnen. Christin merkte schnell, dass ich mit ihr und ihrem Rennrad nicht mithalten konnte und ließ sich bis auf meine Höhe zurückfallen.
»Ich bin zwar ansonsten nicht neugierig, aber mich würde schon interessieren, warum du alleine unterwegs bist.«
»Bin ich nicht«, keuchte ich, weil ich etwas aus der Puste war, »ich mache ja Urlaub mit meiner Hausärztin.«
»Aha«, stellte sie fest und trat wieder in die Pedale. Ich hatte Mühe, ihr bei zu kommen, schloss nur langsam zu ihr auf, wollte mir aber auch keine Schwäche nachsagen lassen, darum trat ich in die Pedale was das Zeug hielt.
»Kleine Trinkpause?«, fragte sie und bremste ab.
»Einverstanden. Hat sich übrigens einfach nicht ergeben.«
Stutzend sah sie mich an. »Zu deiner Frage von vorhin.«
Ich erzählte ihr von meinen Reisen und meiner früheren Tätigkeit, gab dabei einige Anekdoten zum Besten und merkte, dass es sie wirklich interessierte.
»Und dann hast du irgendwann gemerkt, dass alle Guten schon vergeben sind.«
»Oder anderweitig interessiert.«
»Das heißt was?«
»Na, zu meiner Zeit mussten sich diejenigen, die auf das eigne Geschlecht fixiert waren, noch verstecken. Das ist heute anders und darum merkte man erst spät, wie die Frauen, für die man sich vielleicht interessierte, mehr und mehr zu Frauen tendierten.«
»Und das war für dich ein Problem«, vervollständigte sie. »Vielleicht liegt es gar nicht immer an den Frauen, sondern an dem fehlenden Verständnis der Männer. Machos gibt es an jeder Straßenecke, aber Männer, die wirklich wissen, was Frauen wollen, sind eher selten. Da blieb manchen Frauen, die eigentlich gerne mit dem männlichen Geschlecht Bekanntschaft machen würden, vielleicht gar nichts anderes übrig.«
»Interessante Sichtweise, das solltest du mal mit der ein oder anderen Frau diskutieren.«
»Habe ich und viele gaben mir recht.«
»Und wie war es bei dir?« Christin antwortete nicht sofort, darum glaubte ich, einen wunden Punkt getroffen zu haben. »Geht mich auch eigentlich nichts an.«
»Doch doch, bei mir war es ähnlich. Ja, eigentlich fühle ich mich mittlerweile auch bei Frauen wohler, aber ab und zu sehne ich mich auch nach ...«
»Reicht, ich habe verstanden.«
»Wenn mich die Lust überkommt«, redete sie ungefragt weiter, »dann tut mir ein Mann im Bett auch schon mal richtig gut.«
Dieses Eingeständnis ließ ich einfach zwischen uns stehen, wollte gar nicht nachbohren, obwohl es mich neugierig machte.
»Genug geplaudert, lass uns weiter«, gab ich mich angriffslustig und schwang mich aufs Rad. Ich erarbeitete mir einen gehörigen Vorsprung, den meine Gegnerin erstmal aufholen musste. Ohne weiter das Thema vertieft zu haben, bog sie plötzlich von der Route ab und steuerte einen kleinen Einkaufsmarkt an. Wir erstanden etwas Brot, Salat und ein schönes Stück Fisch. Im Vorbeigehen packte ich noch ein großes Stück Camembert und zwei Flaschen Rotwein ein.
»Jetzt täte mir eine Dusche aber echt gut«, gab ich mich ein wenig schwächelnd, als wir wieder am Bus ankamen. Sofort verschwand Christin im Inneren und kam mit einem Schlauch zurück, den sie umgehend an der Außenwand befestigte. Unter einer Klappe war ein Anschluss versteckt, den ich bisher für den Stromanschluss gehalten hatte.
»Wenn du noch zehn Minuten Zeit hast, ist das Wasser warm.«
»Und ich soll mich hier draußen ...«
»Mache ich nachher auch. Sei beruhigt, hier kann dich niemand sehen ... außer mir natürlich.« Sie lachte. »Keine Angst, ich habe es dir versprochen, ich rauche in der Zeit eine.
»Das tat richtig gut«, gab Christin zu.
Ich hatte mich tatsächlich vor ihrem Bus ausgezogen und mich von dem warmen Wasser berieseln lassen. Irgendwann hatte sie von drinnen das Wasser abgestellt.
»Sonst haben wir gleich schon den Tank leer«, hatte sie von weitem gerufen, »und ich wollte auch noch.«
»Du bist wirklich gut ausgestattet«, gestand ich ein.
»Hast du mir also doch heimlich beim Duschen zugesehen?«
»Ich meine natürlich deinen Camper.«
»Na, dann bin ich aber beruhigt«, tat sie übertrieben.
»Hättest du gerne einen Zuschauer gehabt?«, nahm ich den Faden wieder auf.
»Also, ich habe dir ja schon erklärt, wie ich dazu stehe. Ich habe grundsätzlich gar kein Problem damit ...«
»Beruflich«, fügte ich hinzu, »und privat?«
»Kann ich das trennen? Warte mal, lass mich überlegen ... nein.«
»Dann solltest du dich auf die Anzeige in der Zeitung melden.«
»Welche Anzeige meinst du?«
»Dass ich auf deine Anfrage gestoßen bin, war Zufall. Seit einiger Zeit stöbere ich ...« Ich erzählte davon, dass ich auf die Anzeige dieses Paares aufmerksam geworden war, das nach jemandem suchte, mit dem sie ihr Naturisten Dasein in vollen Zügen ausleben konnten.
»Dann lass uns doch gemeinsam hingehen, vielleicht wird das lustig? Nein, im Ernst, es gibt viele Menschen, die auf verschiedene Weise ihr Leben und ihre Sexualität ausleben, und das ist ja auch gut so, um es mit dem ehemaligen Berliner Bürgermeister zu sagen ...«
Sie gab einige Geschichten aus ihrer Zeit im Krankenhaus preis, ohne auf zu detaillierte Einzelheiten einzugehen, die auf lebende Personen schließen ließen, und gab damit ausreichend Anlass, uns herzhaft zu amüsieren. Ihr Lachen war ansteckend und, wenn sie sich schütteln musste, wehte ihr rotblondes Haar wie die Zweige eines majestätischen Baumes um ihren Kopf.
»Jetzt habe ich mich fast eingenässt und müsste schon wieder duschen«, kicherte sie und drückte sich eine Hand auf den Schritt.
»Ich kann dir auch eine neue Windel machen, wenn du möchtest. Du hast doch sicher so etwas an Bord in deinem Operationssaal.«
Christin sprintete in den Camper und versuchte, dabei die Schiebetüre zu schließen, was ihr nur beinah gelang. Ich fragte mich schon, was passiert war, dann sah ich, dass sie sich auf ihre Toilettenschüssel setzte. Beschämt trat ich zur Seite.
»Damit haben auch eher Männer als Frauen Schwierigkeiten. Oder kannst du, wenn man dir zusieht?«
»Probiere es aus«, platzte es aus mir heraus und war mir im nächsten Moment schon unangenehm. »Nee, das hatten wir ja schon«, setzte ich nach. »Ich kümmere mich mal ums Essen.«
»Das ist heute mein Part«, schallte es vom Klo.
»Dann wasch dir vorher bitte gut die Hände.«
»Und du, bau dein Iglu auf, bevor du noch bei mir schlafen musst.«
Ich ließ die Bemerkung unkommentiert und gab mich daran, mein Zelt aufzubauen. Anschließend besichtigte ich den sonnigen Platz auf dem Dach, auf dem Christin es sich am Vortag gemütlich gemacht hatte und musste feststellen, dass sie sich hier ein wirklich nettes Plätzchen ausgesucht hatte. Ihr Rufen, dass das Essen bereitstehen würde, weckte mich aus meinem Tiefschlaf.
»Eincremen, mein Lieber, mit der Sonne ist nicht zu spaßen.«
Reumütig kletterte ich, weit weniger geschmeidig als sie, die Leiter herunter und wunderte mich, wie lange ich geistig weggewesen war, denn der Tisch war bereits reichlich gedeckt. Meine Urlaubsbegleitung beherbergte in ihrem Camper ein wahres Sammelsurium an Gewürzen und Kräutern und ich staunte nicht schlecht, was sie dort gezaubert hatte.
»Hätte ich das gewusst, hätte ich mir gestern gar nicht so viel Mühe gemacht. Von mir aus, kannst du ab jetzt immer das Essen machen.«
»Das hättest du wohl gerne. Springen wir nachher nochmal in den See?«
»Ich bin frisch geduscht.«
»Das macht doch nichts, du schläfst doch eh in deinem kleinen Iglu.«
»Ich gebe dir gleich -kleines Iglu- ...«
»Ach, jetzt drohst du mir schon Gewalt an, und das an unserem zweiten Tag?«
»Ich schlage keine Frauen.«
»Sondern machst was mit ihnen?«
»Das möchtest du nicht wissen.«
»Möchte ich nicht?«
»In Ordnung, ich schwimme nachher noch mit dir eine Runde im See«, lenkte ich ein, um von den schlüpfrigen Themen wegzukommen.
Wir spülten gemeinsam, hatten vorsorglich beim Essen auf Alkohol verzichtet, und verzogen uns, nach Christins Zigarette, in unsere Refugien zurück, um uns umzuziehen. Wieder mal hatte sie recht, es war ein herrliches Gefühl, sich im klaren Wasser treiben zu lassen und gleichzeitig den Sonnenuntergang zu genießen. Es war schon fast dunkel, als wir uns nebeneinanderstehend abtrockneten und der Sonne dabei zusahen, wie sie langsam am Horizont verschwand.
»Ist das nicht herrlich?«, fragte sie.
»Wunderschön.«
Der Wind hatte etwas aufgefrischt, deshalb saßen wir etwas später mit Jacke beieinander und genossen ein Glas leckeren französischen Rotwein und ein Stück Käse.
»Uns geht es doch richtig gut, oder?«
Nickend stimmte ich ihr zu. »Und wie ist dein erster Eindruck von deiner Reisebegleitung?«
»Och, ganz nett.«
Streng sah ich zu ihr herüber und konnte erkennen, dass sie den Mund zu einem schelmischen Grinsen verzog.
»Magst du noch?« Ich hielt ihr die Flasche hin.
»Gerne, der ist echt gut.«
Wir sprachen nicht wirklich viel an diesem Abend, ließen die Eindrücke wirken und ich fühlte mich wohl, nicht alleine hier zu sitzen und jemanden neben mir zu wissen. Wir wussten schon einige Dinge voneinander, aber das Wichtigste war, dass wir uns verstanden. Ihre unkomplizierte Art imponierte mir und ich hatte den Eindruck, dass sie ähnlich dachte, wenn sie es auch nicht direkt aussprach.
Ich schaute zu ihr herüber und beneidete sie darum, wie sie ihre Zigarette genoss. Die Glut zeichnete kleine Kreise in die Dunkelheit, wenn sie sie in den Fingern drehte. Vor langer Zeit hatte ich das Rauchen aufgegeben, doch gerade in Momenten wie diesem, hätte ich mir einfach so wieder eine anmachen können. Reinen Genuss strahlte sie aus, wie sie dort saß, an ihrem Glas nippte und anschließend an ihrer Kippe zog.
»Du schaust mich so an, was ist los?«
»Ach nichts, ich dachte nur gerade darüber nach, wie es war, als ich noch rauchte.«
»Ein altes Laster von mir, das ich längst hätte aufgeben sollen, aber in Momenten wie diesem, genieße ich es einfach zu sehr.«
Als ob sie Gedanken lesen konnte, wiederholte sie, was mir gerade durch den Kopf gegangen war.
Ich konnte immer noch nicht glauben, dass ich mit meiner Hausärztin unterwegs war, hatte mir das Ganze nicht so unkompliziert vorgestellt, wie die ersten Tage verlaufen waren. Wir passten gut zusammen, verstanden uns blendend und die Art, wie wir miteinander umgingen, war mir alles andere als unangenehm.
Wir machten uns auf, als die Flasche leer und der Himmel schon vollends von dunklen Wolken überzogen war, die den Blick auf die Sterne verdeckten. Das hätte mir zu denken geben sollen, denn das Wetter schlug um, als ich mich gerade schlafen gelegt hatte. Ein Sturm zog auf, gefolgt von tosendem Regen und ich dachte sofort an die Stühle und den Tisch. Zum Glück hatten wir alles andere schon weggeräumt und ich hatte das Zelt sicher vertäut. Ich schälte mich aus dem Iglu, zog den Reißverschluss auf und mir schlug direkt eine nasse Böe ins Gesicht. Stumm warteten Christins Möbel darauf, gerettet zu werden, darum fasste ich mir ein Herz und kroch herüber, klappte den Tisch mit Mühe zusammen und schob ihn unter den Bus. Anschließend machte ich mich an die Stühle und verstaute sie ebenfalls sicher unter dem Camper. Gerade als ich wieder in mein Zelt zurückwollte, öffnete sich die Schiebetür und Christin rief mir, gedämpft durch den Sturm, zu, ich solle zu ihr kommen. Zunächst dachte ich daran, dass etwas passiert sei, darum machte ich einen Schritt auf sie zu und fragte, was los sei, doch sie bedeutete mir nur, ins Trockene zu kommen.
»Mein Zelt ist noch offen«, rief ich und deutete auf mein Iglu, das im Sturm zitterte. Christin sprang in den Regen, schloss den Reißverschluss und war im Handumdrehen wieder zurück.
»Komm rein, bei dem Sauwetter kannst du unmöglich draußen schlafen. Ich würde kein Auge zu machen.«
»Du liegst doch warm und trocken.«
»Genau das meine ich ja. Ich könnte kein Auge zu machen, wenn ich wüsste, dass du da draußen bist, du Trottel.«
»Ich bin pitschnass.«
»Das kann man trocknen, gib mal her.« Sofort griff sie nach dem Saum meines T-Shirts.
»Genau, das hättest du gerne, dass ich mich hier ausziehe.«
»Schon vergessen, ich habe dich untersucht? Los, her damit, mit den nassen Sachen kommst du mir nicht ins Bett.«
»Du bist doch auch total nass«, lachte ich.
»Wenn uns hier jemand hören könnte, würde er sonst was denken. Meine Klamotten sind nass, ich noch nicht.« Ihre zweideutige Anspielung wurde mir erst da bewusst.
Ohne abzuwarten zog Christin mir das nasse T-Shirt über den Kopf.
»Du siehst, ich dulde keinen Widerspruch. Machst du den Rest jetzt selbst, bitte?«
Zögerlich drehte ich ihr den Rücken zu und schob meine Hose herunter.
»Na also, übrigens, den kenne ich auch schon.« Damit meinte sie wohl meinen Hintern, »Jetzt komm schon, zier dich nicht so und leg dich unter die Decke, bevor ich mich an dir vergehe.« Beide mussten wir laut lachen und übertönten das Zerren des Windes und den prasselnden Regen.
Ich lag noch nicht ganz unter der Decke, da hatte Christin ihre nassen Klamotten ebenfalls ausgezogen und lag neben mir.
»Nicht anfassen, nur schlafen, hörst du?« Mit erhobenem Zeigefinger sah sie mich an und schon wieder musste sie sich beherrschen, nicht laut los zu lachen.
»Jawohl, Mami.«
»Machst du bitte hinter dir das Licht aus? Es gibt nur diesen einen Schalter.« Dabei zeigte sie auf eine Stelle hinter mir, »Und nenn mich nie wieder Mami, dann komme ich mir so alt vor. Mutter eines ... wie alt bist du?«
»Meinst du mein tatsächliches Alter?«
»Gibt es noch ein anderes?«
»Also, ich fühle mich wie knapp über 40.«
Bevor sie darauf reagieren konnte, langte ich hinter mich und traf den Lichtschalter.
»Schlaf gut.«
»Du auch.«
An Schlaf war bei mir natürlich nicht zu denken. Zum einen hämmerte der Regen auf das Blechdach und sorgte für einen monotonen Lärm, und zum anderen fochten zwei Areale in meinem Kopf einen ungleichen Kampf aus. Auf der einen Seite stand der Teil, der für Vernunft zuständig ist und argumentierte, Christin wäre zwar eine sehr attraktive Frau, die jedoch, wie sie sagte, eher auf Frauen stand. Auf der anderen war derjenige, dessen Aufgabe es ist, Paarungswilligkeit zu signalisieren. Letzterer sorgte mehr und mehr für Spannung im Gebälk und konnte nur mäßig vom anderen Teil eingebremst werden. Kurz war ich sogar entschlossen, den entstandenen Druck selbständig abzubauen, doch wo sollte ich hin? Nach draußen in den Regen oder etwa aufs offenstehende Klo? Beide Optionen kamen nicht in Frage, darum ließ ich es und versuchte, damit klar zu kommen.
Neben mir vernahm ich nach kurzer Zeit ein gleichmäßiges Schnurren, Christin war eingeschlafen und ließ mich aufgeregt zurück. Wahnsinn, diese Frau, die pennt sogar bei Lärm, ging es mir durch den Kopf. Sie war wohl sehr ausgeglichen.
Irgendwann musste ich, trotz hin und her Wälzens dennoch eingeschlafen sein, denn als der erste Sonnenstrahl mein Gesicht erreichte, fühlte ich etwas Weiches in meinem Arm, was sich aber sofort bewegte und das Bett verließ. Ich wollte hinterhersehen, war jedoch so übermüdet, dass mir die Augen wieder zufielen und mich ins Reich der Träume zurückführten.
»Los wachwerden, du Schlafmütze! Draußen ist es herrlich.« Mit Mühe öffnete ich die verklebten Augen und sah in ein strahlendes Gesicht. Meine Begleiterin saß auf dem Rand des Bettes und trocknete sich die Haare. Den Rest von sich hatte sie auf verführerische Weise mit einem Handtuch bedeckt, das oberhalb ihrer kleinen Brüste zusammengebunden war.
»Dein Zelt steht übrigens noch, es scheint sogar, den Sturm ganz gut überstanden zu haben.«
»Na, Gott sei Dank.«
»Warum, hat es dir bei mir nicht gefallen? Also, ich kann mich daran gewöhnen«, lachte sie. »Übrigens, Respekt und Anerkennung, dass du mich heute Nacht in Ruhe gelassen hast.«
»Habe ich?«
»Hast du nicht?«
»Hast du gar nichts mitbekommen?« Kurz stutzte sie, dann warf sie mir ihr Handtuch ins Gesicht.
»Steh auf, ich brauche einen Kaffee.«
»Warst du schon duschen?«
»Ich war schon im See, das war echt toll.«
Bei der aufkommenden Härte in meinem Schritt sollte ich das vielleicht auch tun.
»Kann ich mir das mal kurz ausleihen, um mich damit zu bedecken?«
»Die Vögel interessiert das nicht und ansonsten sind wir alleine.«
»Genau, wir.«
»Wenn du meinst. Ich bin kurz draußen.« Sie drehte sich zu mir und zwinkerte mir verschwörerisch zu.
Langsam schälte ich mich von der ausladenden Matratze und wieder einmal wurde mir die angenehme Größe des Campers bewusst. Mit zwei Leuten konnte man hier wirklich mehrere Wochen verbringen, ohne sich zu sehr auf die Pelle zu rücken. Vor dem Bus stand Christin und versuchte, ihre rotblonde Mähne mit einer Bürste zu bändigen.
»Pass auf, nicht dass dir dein Handtuchkleidchen noch verrutscht.«
»Da kann nicht viel passieren, das ist alles viel zu klein«, gab sie lässig zurück. Manch eine Frau hätte ganz anders reagiert, dachte ich, und ließ meine Augen von ihrem Körper über die herrliche Landschaft wandern, damit es unter meinem Handtuch nicht noch enger wurde.
Die Gegend hatte etwas herrlich Naturbelassenes mit den ganzen Vögeln, dem Bewuchs am Ufer und der Weite, obwohl ich wusste, dass sich hinter dem kleinen Wald auf der gegenüberliegenden Seite ein großer Stellplatz befand.
»Augen zu, jetzt wird es ernst«, kündigte ich an, dass ich nun die Fluten besteigen würde. Züchtig hielt Christin sich die Hand vors Gesicht und ich warf das Handtuch zur Seite und rannte zum See.
Das Wasser war sehr erfrischend, etwas trüb, was wohl am Unwetter letzte Nacht liegen mochte, aber ansonsten sehr angenehm. Ich schwamm ein Stück, versuchte, außer Sichtweite des Campers zu kommen, was mir allerdings schwerlich gelang. Der Uferbewuchs war an unserer Seite alles andere als dicht. Christin war im Moment aber mit sich selbst beschäftigt und kümmerte sich gar nicht um mich. Völlig ungestört schwamm ich ein Stück, drehte mich auf den Rücken und ließ mich anschließend im Wasser treiben.
Als ich wieder herauswollte, kam Christin auf das Ufer zu, stellte sich demonstrativ an den Saum und sah mir zu. Sie hatte heute die Haare zusammengebunden oder hochgesteckt, so genau konnte ich das nicht erkennen, jedenfalls wehte die sonst so ansehnliche Mähne nicht im Wind. Und sie trug ein grünes T-Shirt zu ihrer schwarzen Short. In der Hand hielt sie das Handtuch, das ich eben benutzt hatte, um mich zu bedecken, und hielt es mir hin. Bis zum Bauch tauchte ich aus dem Wasser und blieb stehen. Ich hatte keine Ahnung, was sie vorhatte und was sie mir mit dem Handtuch an ihrem ausgestreckten Arm sagen wollte.
Wie Charles Bronson und Henry Fonda standen wir uns gegenüber, sie mit Handtuch bewaffnet und ich bis zum Bauch im Wasser, und das Szenario kam mir in diesem Moment genauso vor wie in dem Film, nur die Musik fehlte. Mit der Hand strich ich mir durchs nasse Haar, eher ein Akt der Verlegenheit, und für sie anscheinend das Signal, auf mich zuzukommen. Bis ihr das Wasser über die Knie reichte, kam sie mir entgegen, uns trennten nur noch wenige Meter und ich wusste nicht, was das zu bedeuten hatte.
»Du kannst gerne weiter hier den prüden Johannes spielen, doch das fände ich echt affig«, begann sie ihre Erklärung und klang fast so wie Charles Bronson im Film.
»Was meinst du?«
»Komm jetzt!«, sagte sie nur, hielt mir mit zwei ausgestreckten Armen das Handtuch entgegen und fixierte mein Gesicht mit ihren Augen.
Ich ahnte zu wissen, was sie meinte, denn langsam hob sie das Handtuch vor ihr Gesicht, senkte es jedoch sofort wieder, nachdem ich einen Schritt auf sie zu gemacht hatte. Zwar wanderte ihr Blick prüfend über meinen Körper, doch wieder zurück zu gehen, kam mir ehrlich gesagt ein wenig dämlich vor, darum ging ich weiter und stand auf einmal vor ihr. Das Handtuch weiter in der Hand haltend sah sie mir direkt in die Augen.
»Wir können weiter so unschuldig tun ... ich fände es aber kindisch. Heute Morgen fand ich es gar nicht so schlecht, in deinem Arm aufzuwachen und zumindest dein Körper signalisierte mir, dass dir nicht unwohl dabei war. Also stell dich jetzt nicht so an. Glaube mir, ich habe schon ganz andere Sachen gesehen ... Das heißt jetzt nicht, dass wir sofort übereinander herfallen müssen, aber ...« Sie machte eine Pause und gab sich und mir die Gelegenheit, einmal tief durchzuatmen. »Du bist ungebunden und ich bin es auch. Was spricht also dagegen, miteinander ein wenig ... naja ... die Urlaubsstimmung aufzuhübschen.« Weiterhin fixierte sie mich, als hätte ich eine gefährliche Waffe in der Hand, dabei fehlten mir völlig die Argumente. »Wenn ich dazu keine Lust habe, würde ich es dich spüren lassen, denn ich mache seit Jahren Kampfsport. Und wenn du keine Lust hättest, würde mich der da nicht so gierig ansehen.« Mit dem Finger zeigte sie zu meinem Schritt.
Christin sah mich an, als erwarte sie eine sofortige Antwort, entschied sich dann aber wohl anders und warf mir mit leichtem Schwung das Handtuch zu. Beinah wäre es ins Wasser gefallen, weil ich nicht schnell genug reagierte. Hatte ich mich also doch nicht getäuscht, sie hatte sich heute Morgen an mich geschmiegt und das nicht nur unbewusst. Und meinte sie damit etwa ..., dass mein Freund sich ausgewachsen an ihr ...
Ich hielt das Handtuch in der Hand und sah ihr nach, wie sie zurück zu ihrem Camper ging.
»Ich wäre dir echt dankbar, wenn du uns nochmal so einen leckeren Kaffee machen könntest, Ich hole in der Zwischenzeit etwas zu essen«, rief sie, ohne mich anzusehen, schwang sich leichtfüßig auf ihr Rennrad, sah nochmal kurz zu mir und zwinkerte mir zu.
»Sieht echt lecker aus.«
Ich folgte ihrem Blick an mir herunter und musste mit ansehen, wie an meiner Vorderseite wilder Wuchs herrschte und sich jemand lang machte.
Beim Frühstück verloren wir kein weiteres Wort über die Szene von vorhin, doch irgendwie schien immer etwas zwischen uns zu stehen, was unausgesprochen die Stimmung anfeuerte.
»Willst du damit sagen, dass wir miteinander ins Bett gehen sollten?«, fasste ich mir ein Herz und eröffnete diese notwendige Auseinandersetzung.
»Ich sprach davon, dass wir uns nicht zieren sollten.«
»Fragt man sein Gegenüber nicht mehr, ob es ihm genauso geht?«
»Roman, ich bin Ärztin und glaube mir, es gibt deutliche Anzeichen, die genau das ausdrücken. Außerdem ist es ungesund, seinen Trieb zu unterdrücken, sowohl physisch als auch mental.«
»Aha, jetzt bist du also auch Psychologin?«
»Ich sehe es in deinen Augen, Roman.«
Christin drückte ihre Zigarette aus, trank den Rest Kaffee, stand auf und verschwand im Bus. Ich hörte, dass sie sich die Zähne putzte. War das jetzt eine logische Folge, dass wir uns körperlich näherkamen, weil das Thema zwischen uns umherschwirrte? Erwartete Christin etwa, dass ich sie packte und aufs Bett warf? Doch wohl kaum.
Natürlich, wir waren uns sympathisch, verstanden uns blendend und ich musste zugeben, dass ihr Anblick, ihre Bewegungen, die Neckereien zwischen uns und die eindeutigen Bemerkungen meinen Jagdinstinkt geweckt hatten. Doch sie war deutlich jünger als ich, stand mitten im Leben, könnte mit ihrem Aussehen und ihrer Figur wahrscheinlich jeden haben, den sie wollte. Außerdem, so hatte sie mir bereits gestanden, stand sie seit geraumer Zeit eher auf Frauen und zu guter Letzt war sie meine Hausärztin.
Ob ich diese Nacht besser wieder im Zelt schlafen sollte, fragte ich mich, entschied mich dafür und stand auf, um es ihr zu sagen, zögerte dann einen Moment, weil sie noch am Becken stand und räumte stattdessen das Geschirr zusammen. Mit dem Tablett in der Hand drehte ich mich zum Camper, da stand sie plötzlich vor mir. Auge in Auge, unmittelbar gegenüber, ... sprachlos ... und die Luft flirrte. Christin nahm mir das Tablett ab und stellte es langsam zurück auf den Tisch. Dabei verlor sie mich nicht aus den Augen, richtete sich wieder auf und ihr sehniger Körper streifte meinen Arm. Ihr Haar löste sich und fiel herab, strich über meine Schulter und sie machte noch einen Schritt auf mich zu, einen halben vielleicht, weil sie mir nicht näherkommen konnte, und ihr Gesicht kam mir so nah, dass ich ihren Atem spüren musste.
Sie überließ mir den letzten Schritt, diesen unausweichlichen Schritt. Der, den ich gehen wollte, jetzt, wo ihr Wille so eindeutig war, wo alle Hürden, alle Zweifel keine Rolle mehr spielten, wo alle gegenteiligen Gedanken sich in Luft auflösten und wo sich unsere Lippen auf einmal berührten.
Sie schmeckte nach Zahncreme.
Wonach ich schmeckte, wusste ich nicht, vielleicht nach Kaffee, aber auf jeden Fall nach mehr, denn sie behielt sie dort, wich nicht zurück, sondern drückte ihren Mund fester auf meine Lippen.
Ihr Kinn an meinem Kinn, meine Brust an ihrer, ihr Becken an meinem und ihre Knie gegen mein Bein, standen wir wie elektrisiert vor dem Bus. Unsere Finger fanden sich, berührten sich und verschränkten sich sanft miteinander, unbeachtet und doch so wichtig.
Christin schloss die Augen und ich tat es auch, bevor unsere Zungen schmeichelnd das Liebesspiel vollführten, das unweigerlich folgen würde ... vielleicht gleich ... oder nachher ... oder irgendwann.
Mein Pulsschlag rannte auf Hochtouren, beruhigte sich ein wenig, als wir begannen, uns zu küssen, und meine Anspannung wich dem befreienden Gefühl von Wärme. Ich löste eine Hand aus ihrer und legte sie auf Christins Rücken, spürte die feinen Linien unter dem Stoff, die der Muskeln, die angespannt waren, weil sie aufgeregt war, weil sie es gewagt hatte und weil sie sich strecken musste.
Unter dem Stoff spürte ich die Anspannung noch deutlicher. Ihre freie Hand legte sich auf mein Kreuz, ich fühlte sie ganz deutlich, sie zog mich zu sich, obwohl zwischen uns kaum mehr ein Staubkorn passte. Atemlos öffneten wir die Augen, beide gleichzeitig, wie auf ein Zeichen, als der Kuss eine Pause machte.
Ich warf den letzten Rest Skrupel über Bord und packte sie, legte meine Hände auf ihren Po und, als ich spürte, wie wild sie sich an mich drückte, hob ich sie an.
Wie ein Äffchen klammerte sie sich an mich, umschlang meinen Hals mit ihren Armen und meine Taille mit ihren Beinen und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass sie es wollte. Sie wollte, dass ich mich über sie hermachte, also tat ich es. Aber nicht hier, wo uns jeder sehen konnte, darum trug ich sie in den Camper und legte sie auf das Bett.
Mit verklärtem Blick sah sie mich an und in ihren Augen sah ich das Feuer, das tief in ihr brannte, ich erkannte diese unbändige Lust, die sie beherrschte und die mir sagte, dass ich weitermachen sollte.
Ich schob ihr T-Shirt hoch und küsste ihren Bauch, leckte über die Linien, die die definierten Muskeln darauf zeichneten, küsste die weiße Haut, die unter meiner Berührung begann zu beben, schob das T-Shirt noch höher und küsste ihre zierliche Brust, ließ meine Augen sich sattsehen an den steifen Knospen, die sich ihnen gierig entgegenstreckten und fuhr mit der Zunge daran vorbei. Christin zog sich selber das T-Shirt aus, riss es sich förmlich über den Kopf und warf es beiseite, erfasste meine Arme und zog mich auf sich. Mit ihren Händen streifte sie mir das Hemd von den Schultern, zog es über den Rücken und versuchte, mit den Füßen mir die Hose auszuziehen. Ich half ihr, legte das Hemd zur Seite, schob das einzige Kleidungsstück, das ich noch trug, auf meine Füße und legte mich der Länge nach auf dieses rotblonde Bündel aus Lust. Sofort erfasste sie meinen Kopf und wir begannen mit einer wilden Knutscherei. Hände strichen hastig über nackte Haut, Beine schlangen um meinen nackten Körper und Zungen fochten eine nasse Schlacht aus.
Außer Atem lagen wir zunächst etwas konsterniert da und sahen uns an, bevor Christin sich unter mir hindurchschob, und sie hatte nicht gelogen, als sie gesagt hatte, dass sie Kampfsport machte, denn, ohne mich zu versehen, lag ich auf dem Rücken und sie auf mir. Wie eine Raubkatze knabberte sie sich von meinem Gesicht abwärts, bis sie an demjenigen angekommen war, der sie am Morgen bedroht haben sollte.
Deutlich geschwollen nahm sie ihn in die Hand und begann, ihn wohlig zu kneten. Ihre Augen leuchteten diabolisch, als sie mich ansah und ihn, mich weiter fixierend, zwischen ihren Lippen verschwinden ließ. Mit einem Mal spürte ich in mir wieder diese Leidenschaft aufkommen und ich wusste, dass das nicht gutgehen konnte, darum hielt ich ihren Kopf fest, zog sie auf mich und bekam den Bund ihrer schwarzen kurzen Hose zu fassen. Christin war leicht wie ein Fliegengewicht, vielleicht auch nur so wendig, dass es mir wie eines vorkam, doch es war ein Leichtes, ihr die Hose auszuziehen. Sie wusste genau, was ich vorhatte, kniete sich über mich und gab mir raunend die Möglichkeit, ihr auch die Baumwollunterhose auszuziehen. Voller Erwartung sah sie zu, wie ich ihre Venus inspizierte, die aus der Nähe noch viel schöner aussah als aus der Ferne. Sie roch fantastisch.
Habe ich schon mal gesagt, wie ich es liebe, mich im Schoß einer leidenschaftlichen Frau zu verlieren, sie zu dirigieren wie Karajan sein Orchester und zuzusehen, wenn sie die Kontrolle abgibt?
Küssend näherte ich mich ihrem Paradies, das glänzte wie ein Edelstein, und ließ meiner Zunge freien Lauf. Sie keuchte laut auf und drückte mir ihren lieblichen Schatz entgegen, so dass ich mich austoben konnte. Im nächsten Moment wurde meine eigene Leidenschaft jedoch dadurch unterbrochen, dass Christin sich, auf mir gedreht, wieder über meinen Schritt beugte und von reinem Lutschen und Lecken zum Saugen übergegangen war. Ich musste eingreifen und sie bremsen, also hielt ich sie fest.
»Wir wollen doch beide was davon haben«, stöhnte ich ihr zu und nutzte eine kleine Pause, um wieder meinen Mund auf ihre Lippen zu drücken, sie mit einem Ruck auf die Seite zu rollen und ihr Bein hochzuhalten, damit ich mehr Platz hatte. Obszön ließ ich meine Zunge über ihr nasses Geschlecht gleiten, bis sie laut aufjaulte.
Es war wunderbar, wie sie sich lesen ließ, wie sie wie ein offenes Buch neben mir lag und wie ich spürte, dass sie hemmungslos zuckte, wenn ich ihre Lippen in den Mund nahm und daran zutzelte. Sie entspannte sich, wenn ich kurz innehielt und sie voller Erwartung überrascht wurde, weil ich meine Zungenspitze zwischen den Lippen kreisen ließ und ab und an dazwischen versenkte. Am Griff ihrer Hand an meinem besten Stück spürte ich genau, wann ich richtig lag.
»Willst du ihn erwürgen?«, raunte ich ihr zu.
»Sorry, ... aber ...«
Weiter kam sie nicht, weil ich ihre Beere unter ihrem Hütchen gefunden hatte und mit der Zunge darum kreiste, bis sie ihr schönstes Gesicht zeigte, mir entgegenwuchs und ich die pure Geilheit meiner Spielpartnerin darin erkennen konnte. Sie keuchte so laut, dass uns jeder hätte hören können, der vorbei ging. Klar, wir hatten vergessen, die Schiebetüre zu schließen, doch das interessierte im Moment weder Christin noch mich. Zu sehr waren wir mit uns beschäftigt, ich mit ihrer Beere und sie mit meiner Kirsche, wobei sie immer wieder unterbrechen musste, weil ich wohl zu heftig an ihr zugange war. Laut stöhnend setzten ihre Atmung und ihr herrlicher Mund mehrfach aus, bis sie begann zu wimmern, bis ihre Muskeln sich anspannten, bis ihre Hand versuchte, meinen Kopf zu fassen zu bekommen, um mich festzuhalten oder mich noch stärker an sich zu drücken. Heftig stieß Christin die Luft aus ihren Lungen, nur um noch tiefer einzuatmen und ihre Bauchmuskeln noch weiter anzuspannen, weil ich begonnen hatte, die mächtige Beere mit meiner Zunge nicht nur anzustupsen, sondern weil ich sie eingesaugt hatte und in meinem Mund damit spielte, wie die Katze mit einem Ball.
Einen Finger zu Hilfe nehmend suchte ich die Stelle, die vielen Frauen größte Lust verschafft, fand sie schnell und sorgte dafür, dass Christin ihre Lungen mit einem Stoß leeren musste und mein Gesicht fest auf ihre nasse Vulva gepresst wurde. Wie im Rausch leckte ich ihre hübsche wunderbar schmeckende Blüte, wechselte zwischen der mittlerweile hellroten Beere und den lieblichen Lippen, während mein Finger in ihrem Inneren ein wahrliches Feuerwerk entzündete, bis sie sich zuckend krümmte und den letzten Rest Luft aus ihren Lungen presste.
Sie hatte sich ergeben und es trat Stille ein, eine Stille, die nicht die Ruhe vor dem Sturm bedeutete, sondern die entspannte Stille nach etwas Großem. Christin atmete hastig, presste ihre Hände in ihren Schoß und mir war danach, sie in den Arm zu nehmen und an mich zu drücken. Stumm kroch ich zu ihr und legte meine Arme sanft um sie, wollte ihr zeigen, dass ich bei ihr war. Ihr Atem beruhigte sich nur schleppend.
»Gib mir ... einen Moment ...«, flehte sie.
Natürlich gab ich ihr diesen Moment und genoss ihren angestrengten Blick, der immer wieder in ein zufriedenes Lächeln wechselte. Der Moment brauchte eine ganze Weile, doch wir hatten alle Zeit der Welt.
»Roman, das war großartig«, hauchte sie und lächelte mich an. Ich hielt sie fest und war überglücklich, ihr diesen Moment schenken zu dürfen.
»Möchtest du noch meine Blüte bestäuben?«, fragte sie nach einiger Zeit lasziv und ich wusste, dass sie wieder die Alte war.
Mein zufriedenes Grunzen musste sie wohl als Bestätigung gedeutet haben, denn sie drehte mich mit einem gekonnten Griff auf den Rücken und schwang sich über mich. Langsam ließ sie ihre Blume auf meinen Stempel ab, half mit einer Hand etwas nach, bis wir innig miteinander verbunden waren.
Ich bestäubte ihre Blume, so wie sie es wollte, weil sie auf mir saß und den Takt angab. Christin suchte meine Hände, verschränkte sie mit ihren und bewegte ihr Becken auf mir, wog sich wie eine Dressurreiterin im Sattel, tanzte auf mir wie eine Tänzerin beim Bolero, bis ich es nicht mehr halten konnte. Scheinbar zufrieden sackte sie anschließend auf mir zusammen und fragte allen Ernstes, ob ich nachher nochmal könne.
»Kann das sein, dass du ziemlich ausgehungert bist?«, fragte ich und schlürfte beiläufig an meiner Tasse. Wir hatten uns nach einiger Zeit aus dem Bett gerollt und ich hatte uns noch einen Kaffee gemacht.
»Kann schon sein, dass ich das war. Du aber auch«, grinste sie. »Weißt du eigentlich, wie gesund so ein ...« Christin suchte nach dem passenden Wort.
»Fick?«
»Ein unschönes Wort für das Spektakel, das wir gerade veranstaltet haben, oder? Wir Holländer sagen dazu -neuken-.«
»Klingt auch nicht besser... Liebe machen würde ich es auch nicht nennen. Bestäubung fand ich gut.«
»Ja, aber das trifft nur den letzten Teil, als du mir deine Leidenschaft eingepflanzt hast.«
»Auch schön ausgedrückt.«
»Jedenfalls, weißt du, wie gesund das ist? Das ist besser als Physio- und Kardiotraining in einem.«
»Dann sollten wir das öfter machen, wenn meine Hausärztin das sagt.«
Christin beugte sich nach vorne und legte mir ihren Zeigefinger auf den Mund.
»Trink aus, ich möchte nochmal«, flüsterte sie und drückte ihre Lippen auf meine.
Ich war noch nicht ganz erholt, aber voll Vertrauen, dass Frau Doktor das hinbekam. Von der plötzlich entbrannten Leidenschaft füreinander gepackt, schoben wir uns gegenseitig zurück in den Bus und entblätterten unsere immer noch erhitzten Körper von den paar Fetzen, die wir zuvor notdürftig übergezogen hatten. Den ersten Druck hatten wir vorhin abgelassen, daher ließen wir uns diesmal deutlich mehr Zeit, unsere Geheimnisse und versteckten Gelüste zu entdecken.
»Wie soll es nun weitergehen mit uns?«, fragte ich, nachdem wir uns ausgiebig miteinander beschäftigt hatten und geschafft auf der Matratze lagen. Christin hatte sich fest an mich gedrückt und ich sie in meinen Arm gezogen und ich streichelte mit den Fingerspitzen über ihre Brust.
»Ich denke, wir machen das, wozu wir Lust haben«, entgegnete sie lapidar.
»Und was ist, wenn dich die Lust packt und mich nicht?«
»Dann finde ich Mittel und Wege.« Sie löste sich aus meiner Umarmung und krabbelte an mir herunter.
»Öh öh, der hat jetzt Pause.« Ich hielt ihren Kopf fest und zog sie wieder zu mir, konnte dabei jedoch nicht verhindern, dass ihre Hand über meine Samenspender und das runzelig zusammengezogenen Stück Männlichkeit fuhr.
»Weißt du, dass ich vor heute schon seit über einem Jahr nicht mehr mit einem Mann geschlafen habe?«
»Dafür hast du das ganz gut hinbekommen.« Bevor sie etwas antworten konnte, erstickte ich jedwede Reaktion mit einem Kuss.
»Magst du schwimmen? Ich fühle mich irgendwie schmierig«, flüsterte Christin.
»In Ordnung, geben wir den Fischen was zu essen und nachher besorgen wir uns was, bevor wir noch verhungern.«
Ich machte heute den Abwasch alleine, weil Christin noch etwas für sich sein wollte. Sie brauchte etwas Zeit für ihr eigenes Wellnessprogramm, wie sie es nannte. Sie stand am Ufer und machte komische Bewegungen, bei der sie ausladend ihre Arme in Positionen brachte, die an Thai Chi oder Yoga erinnerten, während sie kunstvoll die Beine umeinander schwang und immer wieder in der Bewegung verharrte. Dazu hatte sie extra eine weite lange schwarze Hose angezogen und ein enges weißes Oberteil.
Ich beobachtete sie von meinem Posten im Campingstuhl aus, hatte meine Kamera aus dem Zelt geholt, visierte sie an und drückte ab. Wahllos fing ich sie ein, wie sie in einem Fluss ihren Körper bewegte und wiedermal wurde mir bewusst, welch aufregende Bekanntschaft ich hier gemacht hatte. So gut, wie sie aussah, fragte ich mich, wie es dazu kam, dass sie gerade mich als ihren Beglücker ausgewählt hatte. Ich meine, sie hätte wahrscheinlich jeden haben können. Vielleicht war ich ja für sie auch nur ein Abenteuer, und wenn das so wäre, könnte es mir auch egal sein. Ich hatte meinen Spaß und würde vermutlich in der nächsten Zeit noch mehr davon haben. Und doch hatte Christin in mir etwas wieder geweckt, was lange geschlummert hatte.
»Möchtest du auch mal versuchen?«
Sie war in einer Position verharrt, in der sie den einen Fuß an das Knie des anderen Beines gelehnt hatte und ihre Hände das Dach eines Hauses über ihrem Kopf bildeten.
»Ich sehe dir zu gerne zu, als dass ich mitmachen könnte.«
»Versuch es mal, du wirst sehen es tut dir gut. Sag mal, fotografierst du mich etwa?«
In der Position, in der sie verharrte, wäre ich schon mehr als einmal wie ein nasser Sack umgefallen.
»Ich mache nur ein paar Urlaubsfotos. Außerdem«, ich zeigte mit dem Finger auf sie und drehte ihn herum, »möchte ich mich nicht schon am Anfang unserer aufregenden Reise verletzen.«
»Das ist Übungssache.« Sie hatte ihre Position verlassen und war auf mich zugekommen. »Du solltest dein inneres Qi finden«, hauchte sie und beugte sich zu mir herunter. »Solltest du mich vorher nicht fragen, wenn du Fotos von mir machst, ob ich das überhaupt möchte?«
»Du fragst doch auch nicht, bevor du mich verführst.«
»Wer hat denn hier wen verführt?«
Ich wollte sie schon festhalten und sie küssen, doch sie entzog sich mir.
»Los, alter Mann, tu was für deine Fitness, sonst kommst du vielleicht nicht mehr dazu, meine Blüte zu bestäuben«, säuselte sie mir zu und grinste frech.
»Dann summt das Bienchen eben zur nächsten Blume.«
»Glaube mir, die kommen alle dahin zurück, wo der Nektar am süßesten ist.«
»Täusche dich da nicht. Auch andere Blumen haben süße Blüten.«
»Was willst du damit sagen?«
»Nichts.«
»Wenn du glaubst, du kannst hier mit mir vögeln und dann zur nächsten gehen ...«
Ich stand auf, nahm sie in den Arm und drückte sie fest an mich. »Hältst du mich etwa für Casanova?«
Christin schmunzelte. »Probiere es doch einfach mal.« Sie schob sich von mir weg, erfasste meine Hand und zog daran.
Ich knickte ein, wollte es ihr nicht unnötig schwermachen, mich zu überzeugen.
»Muss ich mir was anderes anziehen?«, fragte ich und stand schon auf, um zu meinem Zelt zu gehen. Ich wusste natürlich, dass ich keine passende Kleidung für eine Yogastunde dabeihatte, doch Christin sollte wissen, dass ich meinen guten Willen zeigte.
»Man braucht dafür nichts anziehen«, schmunzelte sie.
»Das hättest du wohl gerne, dass ich mich ausziehe und mit schwingendem Schwert neben dir stehe. Und was ist mit dir?« Ich zeigte auf ihr auffälliges Outfit.
»Jetzt übertreibst du aber -schwingendes Schwert-«, lachte sie, »komm mit.«
Wir standen uns gegenüber und Christin machte Bewegungen, denen ich folgen sollte. Ich wusste genau, wie bescheuert ich dabei aussah, gab mich trotzdem selbstbewusst und machte alles das nach, was meine schöne Urlaubsbekanntschaft vormachte. Am Ende musste ich zugeben, dass ich ein wenig geschafft zum Bus zurückkehrte und unbedingt etwas trinken sollte, um nicht zu dehydrieren.
»Das sieht so locker aus, ist es aber nicht«, grinste Christin und wusste, dass sie mich ziemlich rangenommen hatte. Ich sparte mir die Antwort, schenkte ihr nur ein schmales Lächeln und verabschiedete mich unter die Dusche. Durch das Wasser, das mir wohltuend über den Körper lief, sah ich, wie Christin sich aufmachte, sich im See abzukühlen. Dabei hatte sie wiedermal komplett auf ihren Bikini verzichtet und mir verschlug es den Atem, wie sie am Ufer stand. Ihre Erscheinung war schon etwas ganz Besonderes, das musste ich unumwunden zugeben. Schnell drehte ich das Wasser ab, schnappte mir ein Handtuch und griff zu meiner Kamera. Ich bekam noch ein paar Schnappschüsse von ihr, wie sie knietief im Wasser stand, sich die Haare zusammenband, weiter watete und unter der Oberfläche verschwand. Nachher, wenn sie zurückkommen würde, hätte ich sicher nochmal die Gelegenheit, sie von vorne einzufangen.
Genüsslich setzte ich mich in den Campingstuhl und nahm meinen Block zur Hand.
Als ich zwischendurch aufsah, schwamm sie immer noch, doch mir fiel ein Boot auf, dass mitten auf dem See ankerte und aus dem sich zwei Figuren über die Bordwand beugten. Erkennen konnte ich nicht wirklich viel, nur so viel, dass sie etwas aus dem Wasser zogen und an Bord hievten. Mir war wichtiger, dass sie nicht auf Christin aufmerksam würden. Dennoch nahm ich abermals die Kamera zur Hand und versuchte, sie näher einzufangen.
»Machst du schon wieder Fotos von mir?«, fragte sie von weitem.
Ich deutete auf das Boot, auf dem die beiden Personen gerade dabei waren, den heraufgezogenen Gegenstand zu inspizieren, und brauchte mehrere Versuche, bis Christin mich verstand und ihren Blick ebenfalls dorthin richtete. Die beiden hatten uns sicher bemerkt, doch sie schienen sich nicht um uns zu kümmern. Vielleicht hatten sie Christins Kopf auch gar nicht wahrgenommen bei dem ganzen Gefieder, das im und über dem Wasser unterwegs war. Jedenfalls ließen sie sich nicht stören und ruderten nach einiger Zeit ans gegenüberliegende Ufer.
Mit der Hand winkte ich meiner rotblonden Gefährtin zu, dass die Luft rein sei und sie nun herauskommen konnte, und griff im nächsten Moment wieder zu meiner Kamera. Christin störte sich nicht daran, dass ich auf sie anhielt, sie sah eher belustigt herüber.
»Brauchst du ein Andenken?«
»Ich mache die Bilder für dich. Möchtest du mal sehen?«
Mit einem Handtuch trocknete sie ihre Haare und stand neben mir, als ich die Bilder auf dem kleinen Bildschirm der Kamera ansah.
»Hübsch, oder?«, kommentierte sie.
»Geht so«, murmelte ich und erntete eine Faust auf meinem Arm.
»Ich meine, das Licht hätte besser stehen können, dann würde man erkennen, wer in dem Boot sitzt.«
Kopfschüttelnd ging Christin zur Dusche und wusch sich das Seewasser von ihrem atemberaubenden Körper. Natürlich fing ich sie dabei ein, ich wollte schließlich schöne Urlaubsfotos mit nach Hause nehmen.
»Wir müssen Wasser auffüllen, sonst haben wir morgen noch nicht mal mehr einen Kaffee«, meinte sie, als sie zurückkam und schon wieder barfuß vom Kopf bis zu den Zehen neben mir stand.
»Willst du ab jetzt nur noch nackt durch die Gegend laufen?«
»Würde es dich stören?«
»Wenn es dich nicht stört, dass ich die ganze Zeit mit geschwollener Rute rumlaufe?«
»Oh Gott, ist es so schlimm? Dann ziehe ich mir doch besser was an«, lachte sie und verschwand im Bus.
Heute nahmen wir den Camper, um unsere Vorräte aufzufüllen, vielmehr fuhr Christin los und ich widmete mich meinem Roman. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie wieder zurückkehrte und sie erzählte mir, dass sie auf der anderen Seite des Sees gewesen sei, um nachzusehen, wo das Boot angelegt hatte. Dort hatte sie eine interessante Entdeckung gemacht, Reifenspuren führten vom Weg bis fast ins Wasser. Das Ding, welches die beiden Leute in dem Boot gehoben hatten, war wahrscheinlich so schwer gewesen, dass man es an Land nicht so einfach transportieren konnte. Darum hatten sie sich sicher eine Stelle ausgesucht, an der man mit dem Auto bis ans Wasser kam. Wir beschlossen, uns die Sache am folgenden Tag mit dem Fahrrad nochmal anzusehen.
Mit dem, was sie mir am Abend gestand, traf sie mich allerdings zutiefst: »Du darfst mir nicht böse sein, aber ich finde, du solltest heute in deinem Zelt schlafen.« Ihr Schmunzeln war verzogen und sie sah mich ernst an. »Ich brauche Zeit.«
Wir hatten uns nach dem Spülen zum obligatorischen Rotwein an den Tisch gesetzt und dann hatte sie mir kühl eröffnet, dass sie heute alleine bleiben wollte. Anschließend hatten wir uns gegenseitig eine gute Nacht gewünscht und waren getrennte Wege gegangen.
»In Ordnung, kein Problem. Wäre ja auch völlig abwegig, wenn ...«
»Sei bitte nicht eingeschnappt.«
»Nein, alles gut.«
So ähnlich war es abgelaufen, ich konnte mich nicht mehr genau an die Worte erinnern.
Natürlich war ich enttäuscht. Aber wenn sie das so wollte, dann sollte es wohl so sein. Wie konnte ich sie auch zwingen, die Nacht mit mir in einem Bett zu verbringen? Wir hatten ja schließlich nur miteinander geschlafen. - Nein, ich hatte sie ins Nirwana geleckt und dann mit ihr geschlafen. Wäre ja auch völlig abwegig, wenn ich annehmen würde, es wäre das normalste der Welt, jetzt in einem Bett ...
Ich war nicht nur enttäuscht, ich war maßlos enttäuscht, abgrundtief, wenn das noch eine Steigerung bedeutete.
Dem Roman konnte ich nicht folgen, weil meine Gedanken immer wieder abschweiften, während ich alleine in meinem Iglu vor mich hin überlegte.
Jetzt lag ich hier und grübelte, was passiert sein könnte. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, verstand die Welt nicht, vor allem aber verstand ich die Frau nicht, die im Bus lag. Hatte sie nicht gesagt, wir sollten ... war es nicht ihre Idee gewesen?
Im Nachhinein musste mir klar sein, dass ich überreagierte, doch in diesem Augenblick traf es mich wie ein Hammer. Ich fühlte mich benutzt.
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