Dr. Beckmann (fm:Schwanger, 1521 Wörter) | ||
| Autor: Karo kommt | ||
| Veröffentlicht: Oct 30 2026 | Gesehen / Gelesen: 1386 / 1272 [92%] | Bewertung Geschichte: 9.14 (21 Stimmen) |
| Massive Verspannungen während meiner Schwangerschaft führten mich in seine Praxis... | ||
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Ich war einunddreißig und im achten Monat, und Martin hatte aufgehört, mich anzufassen. Nicht mit einem Knall – es war einfach ausgeblieben. „Heute nicht, du musst doch früh raus.“ „Ich hab irgendwie Respekt vor dem Kleinen da drin.“ Und irgendwann gar nichts mehr. Vier Wochen. Fünf. Ich hatte es in mich reingefressen, und weil ich ihn nicht drängen wollte, hatte ich angefangen, jeden Abend, an dem er sich wegdrehte, mit einem Knoten mehr im Nacken aufzuwachen. Ich war ein einziger verspannter Umstand mit Segelbauch.
Dr. Beckmann kannte mich seit Jahren. Mitte vierzig, groß, breitschultrig, dicke Finger, ruhige braune Augen, einer von der Sorte, die nicht nett reden, wenn man heult.
An dem Dienstag im Juli sah er es sofort. „Sie sehen aus wie ein Fragezeichen, völlig fertig“, sagte er beim Händewaschen.
„Mir geht's gut.“
„Mhm.“ Er setzte sich mir gegenüber auf den Hocker, ohne Schreibtisch dazwischen. „Karo. Was ist los?“
Und weil man ihm sowieso nichts verheimlichen konnte, sagte ich es. Dass Martin und ich seit Wochen nichts mehr hatten. Dass es mir zu schaffen machte, dass es ihm anscheinend nicht zu schaffen machte. Dass ich mir vorkäme wie ein Möbelstück. Wie ein sehr großes Möbelstück.
„Das ist Unsinn“, sagte er. „Sie sind schwanger, nicht unsichtbar...oder gar reizlos.“
Er untersuchte mich – Herztöne, Muttermund, alles bestens –, und dann kam die Brustkontrolle. In der Schwangerschaft ist alles geschwollen und überreizt, und ich war so berührungsempfindlich, dass mir schon der BH wehtat. Er tastete mit den Fingerspitzen. „Sie haben einen Knoten im Schultergürtel, steinhart. Der sitzt da schon länger, oder?“
„Seit Wochen.“
„Drehen Sie sich auf die Seite. Brust weg vom Körper, Arme locker.“
Und dann legte er die Hand auf meine Schulter, um sie zu lagern, und es war die ganze breite, warme Männerhand, die mich hielt, ohne zu drücken. Die Spannung darunter lief sofort aus wie aus einem aufgedrehten Ventil, und ich atmete aus, lang, und es kam ein Ton mit.
Er hielt inne. „Ah“, sagte er. „Da ist ja was.“
Und dann drückte er. Genau in den Knoten, mit dem Daumen, und wartete, bis er nachgab. Es tat weh, auf die gute Art. Ich stöhnte, diesmal laut.
Er arbeitete den Muskel durch, ruhig und gründlich, und ich lag mit freiem Oberkörper da, dick wie ein Schiff, und konnte nichts tun außer atmen.
Als er fertig war, setzte er sich auf den Hocker neben die Liege, und ich blieb liegen, weil ich nicht wusste, wohin mit mir.
„Soll ich Ihnen was sagen, Karo? Bei Schwangeren wird der Sex am Ende fast immer von den Männern abgeschafft. Die haben Angst, sie könnten was kaputtmachen. Und die Frauen sitzen da und denken, sie wären schuld.“
„Er hat gesagt, er hat Respekt.“
„Nett. Nur hilft Ihnen Respekt nichts, wenn Sie Lust haben.“
Ich lachte unbeholfen, und dann rutschte es mir raus: „Mir würde ja schon helfen, wenn mich mal wieder jemand anfassen würde. Überhaupt. Also nicht medizinisch.“
Er schwieg. Dann stand er auf und schloss die Tür ab.
Dieses Klicken. Ich höre es heute noch.
„Ist es das, was Sie sich wünschen?“, fragte er und stand am Kopfende.
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