An Sandras Seite (Teil 22): Ein Abend mit Lisa (fm:Cuckold, 3381 Wörter) [22/22] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: TrustYourWife | ||
| Veröffentlicht: Nov 05 2026 | Gesehen / Gelesen: 938 / 791 [84%] | Bewertung Teil: 8.69 (26 Stimmen) |
| Andreas verbringt den Abend mit Lisa – und Sandra mit Chris. | ||
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Sie nickte.
„Komplett. Abgebrochen.“
„Was ist passiert?“
Ein kurzes, trockenes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Ich habe mir vor einem halben Jahr ein Team vor Ort gesucht. Gute Referenzen, schöne Versprechen, perfekte Präsentationen.“ Sie schüttelte leicht den Kopf. „Auf dem Papier sah alles hervorragend aus.“
„Und in der Realität?“
„Chaos.“ Ihre Stimme blieb ruhig, aber man hörte den Ärger darunter. „Fehlende Genehmigungen. Falsch organisierte Transporte. Equipment, das nicht da war, wo es sein sollte. Leute, die behauptet haben, sie hätten Erfahrung mit Wildtier-Drehs… und dann nicht einmal wussten, wie man sich in der Nähe von Elefanten verhält.“
Ich verzog das Gesicht.
„Das klingt… unerquicklich.“
„Das ist eine sehr höfliche Beschreibung“, sagte sie trocken.
Wir gingen langsam Richtung Ausgang.
„Ich habe ein paar Tage versucht, das noch irgendwie einzufangen“, fuhr sie fort. „Selbst organisiert, nachjustiert, Druck gemacht. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem du merkst: Du verbrennst nur Zeit und Geld.“
„Also hast du den Stecker gezogen.“
Sie nickte.
„Ich produziere keine halben Sachen. Entweder ich mache das richtig – oder gar nicht.“
Ein kurzer Moment Stille entstand zwischen uns. Dann sagte ich:
„Und jetzt?“
„Jetzt werden wir etwas Gutes essen, trinken ein gutes Glas Wein…“ Sie sah kurz zu mir rüber; „…und fahren zu Dir nach Hause. In den nächsten Wochen suche ich mir dann ein Team, das weiß, was es tut.“
Ich musste lächeln.
~~~~~~~~~~
Eine halbe Stunde später saßen wir in einem kleinen italienischen Restaurant. Kerzenlicht, Wein, gedämpfte Stimmen von den Nachbartischen. Lisa wirkte schon etwas entspannter.
„Das hier ist gut“, sagte sie nach dem ersten Schluck Wein.
„Der Wein oder der Abend?“
„Beides.“
Sie sah mich kurz an.
„Chris hat erzählt, dass Sandra bei ihm ist.“
Ich nickte.
„Ja.“
„Wie läuft dein Wochenende?“
Ich lachte leise.
„Schwer zu sagen.“
<<Ping>>
20:28
Lisa sah kurz auf.
„Sandra?“
Ich nickte und öffnete die Nachricht.
>>Wir relaxen jetzt vor dem Kamin.<<
Ein paar Sekunden später:
>>Chris meint, ich soll aufhören, dir zu schreiben.<<
Kurze Pause. Dann:
>>Aber ich finde es irgendwie spannend, dass du weißt, was ich gerade tue.<<
Ich spürte, wie es in meinem Magen wieder zu kribbeln anfing. Lisa beobachtete mein Gesicht aufmerksam.
„Wie fühlt sich das an?“
Ich überlegte.
„Als würde ich gleichzeitig dazugehören… und komplett außen stehen.“
Sie nickte langsam.
„Ja. Und genau so ist es ja auch.“
<<Ping>>
20:35
Ich sah wieder auf das Display.
>>Er sagt übrigens, du würdest jetzt wahrscheinlich wieder viele Fragen im Kopf haben.“<<
Dann:
>>Und dass ich sie dir später beantworten soll, weil<<
Ein paar Sekunden später dann:
>>Sandra ist jetzt beschäftigt. Ihr könnt später turteln!<<
Ich legte das Handy langsam wieder auf den Tisch. Ein Teil von mir war elektrisiert. Ein anderer Teil fühlte sich plötzlich… klein. Ich war nur noch derjenige, der Nachrichten bekam, während meine Frau gerade etwas erlebte, das ohne mich stattfand.
Lisa musterte mich ruhig.
„Du stellst dir gerade ziemlich viel vor, oder?“
Ich lachte kurz.
„So bin ich nun mal.“
„Der Mathematiker sieht die unendlichen Konstellationen.“
„Genau.“
Sie lächelte.
„Beziehungen funktionieren leider nicht wie Wahrscheinlichkeitsmodelle.“
„Das merke ich.“
Wir bestellten Essen. Während wir warteten, erzählte ich ihr, wie begeistert Sandra von ihrem Anwesen war.
„Sie hat mir gestern Sprachnachrichten über euer Zuhause geschickt.“
Lisa lachte leise.
„Der Garten ist tatsächlich ziemlich schön.“
„Und die Gebäude.“
„Chris ist ein bisschen stolz darauf.“
„Zu Recht?“
Lisa drehte ihr Glas zwischen den Fingern.
„Ich hatte einfach Glück“, sagte sie ruhig. „Ich habe sehr gut geerbt.“
Ich nickte.
„Sandra hat das erwähnt.“
„Und Chris verdient als internationaler Ingenieur auch sehr ordentlich.“
Sie zuckte mit den Schultern.
„Aber Geld ist am Ende nur Komfort.“
„So wirkt ihr auch.“
Sie lächelte.
„Ich sitze trotzdem regelmäßig irgendwo im Schlamm und warte auf einen scheuen Luchs.“
„Tierfilmerin.“
„Biologin“, korrigierte sie sanft.
<<Ping>>
20:52
>>Gefällt es Dir, wenn ich Dir schreibe, dass wir Spaß haben?<<
Kurze Pause.
>>Chris sagt, ich soll das Handy weglegen.<<
Noch eine Nachricht.
>>Sonst konzentriere ich mich nicht genug auf ihn.<<
Ich spürte dieses bekannte Ziehen im Bauch. Und die Enge in meinem Hosenbund.
>>Ist natürlich Quatsch! Ich find’s lustig, ihn zu ärgern und das mit Dir zu teilen. :-D<<
Ich fühlte, wie die Eifersucht in mir hochstieg. Aber nicht nur das. Es war dieses Gefühl von Distanz.
Beim Ressort-Treffen hatte ich wenigstens hören können, was zwischen ihnen passierte. Stimmen hinter der Wand, Bewegungen, leises Lachen. Jetzt hatte ich nur diese kleinen Textfragmente.
Lisa beobachtete mich.
„Du vermisst es, näher dran zu sein.“
Ich sah überrascht auf.
„Ist das so offensichtlich?“
Sie nickte ruhig.
„Sehr.“
~~~~~~~~~~
Später saßen wir bei Kerzenschein bei mir auf der Terrasse. Die zweite Flasche Wein war offen, der Garten lag still und dunkel vor uns. Ich drehte mein Glas zwischen den Fingern.
„Weißt du“, sagte ich schließlich, „im Ressort war es irgendwie… anders.“
Lisa sah mich an.
„Weil du mehr mitbekommen hast.“
„Ja.“
Ich zögerte.
„Ich konnte hören, was passiert.“
Sie nickte.
„Und jetzt?“
„Jetzt bekomme ich nur diese Nachrichten.“
Ich zeigte kurz auf mein Handy.
„Bruchstücke.“
Ich suchte nach Worten.
„Es ist, als würde ich vor einer verschlossenen Tür stehen.“
Lisa schwieg einen Moment. Dann sagte sie ruhig:
„Du möchtest mehr teilhaben.“
Ich nickte langsam.
„Ich glaube schon.“ Ich sah auf das dunkle Display meines Handys. „Aber gleichzeitig habe ich auch Angst davor.“
„Wovor genau?“
Ich atmete aus.
„Zu sehen, wie sehr sie ihn genießt.“
Die Worte fühlten sich plötzlich schwer an. Lisa reagierte nicht sofort. Dann sagte sie vorsichtig:
„Das könnte tatsächlich… heftig sein.“
Ich sah sie an.
„Chris kann sehr fordernd sein.“ Sie lächelte leicht.
„Das weiß ich.“
„Sandra ist gerade wahrscheinlich in einer Phase, in der sie sich völlig hingibt.“
Ich nickte.
„Und genau dafür braucht sie Abstand von dir.“
Der Satz traf. Weil ich wusste, dass er stimmte.
Lisa beobachtete mich ruhig.
„Aber dein Wunsch ist trotzdem verständlich.“
Ich sah sie fragend an.
„Wirklich?“
„Ja.“
Sie nahm einen Schluck Wein.
„Viele Männer in solchen Konstellationen wollen irgendwann mehr sehen oder verstehen.“
Ich lachte leise.
„Du meinst, ich bin kein kompletter Sonderfall.“
„Ganz und gar nicht.“
Lisa drehte ihr Glas langsam zwischen den Fingern.
„Apropos Sehen“, sagte sie nach einer kurzen Pause. „Ich wollte euch sowieso noch etwas fragen.“
Ich sah auf.
„Sandra und dich.“
„Ja?“
Sie lächelte.
„In vier Wochen habe ich Geburtstag.“
Ich nickte automatisch.
„Und?“
„Dieses Jahr fällt er auf einen Samstag.“
Sie nahm einen Schluck Wein.
„Chris und ich machen eine kleine Party.“
Ich wartete.
„Und wir würden uns freuen, wenn ihr beide kommt.“
Einen Moment sagte ich nichts.
„Ihr könnt auch einfach das ganze Wochenende bleiben“, fügte sie hinzu. „Freitag anreisen, Sonntag zurück. Im Gästehaus haben wir ein Zimmer für Euch.“
In meinem Kopf begann sofort etwas zu arbeiten. Das Gästehaus. Der Garten. Der Whirlpool. Der Kamin.
Sandra.
Chris.
Ich sah sie beide plötzlich wieder vor mir – so lebendig, als würde ich sie tatsächlich beobachten. Sandra, wie sie lachte. Wie sie sich von Chris berühren ließ. Wie leicht sie sich inzwischen in seiner Nähe bewegte.
Eine Party. Mit deren Freunden. Mit Alkohol. Mit Musik. Mit diesem Haus voller Zimmer und Möglichkeiten.
Meine Fantasie begann sofort, Szenen zu produzieren, gegen die ich mich kaum wehren konnte. Sandra im Sommerkleid zwischen Gästen. Chris, der ihr ein Glas Wein reichte. Seine Hand vielleicht etwas länger auf ihrem Rücken.
Vielleicht würden die anderen Gäste etwas merken. Oder vielleicht wäre das Ganze viel offener, als ich es mir bisher vorstellen konnte. Vielleicht waren solche Partys in diesem Haus ganz anders als die Geburtstagsfeiern, die ich kannte.
Vielleicht war ich dort der einzige Mann, der nicht genau wusste, welche Regeln wirklich galten. Vielleicht war ich einfach der Ehemann, der zusah.
Ich merkte, wie mein Magen sich leicht zusammenzog.
Lisa beobachtete mich aufmerksam.
„Du siehst gerade sehr viele Dinge gleichzeitig.“
Ich musste lachen, obwohl es sich nicht ganz ehrlich anfühlte.
„Ist das so offensichtlich?“
Sie nickte ruhig.
„Ja.“
Ich sah wieder auf mein Glas.
„Was für eine Art Party ist das?“
Sie zog leicht eine Augenbraue hoch.
„Geburtstag.“
„Nur Geburtstag?“
„Nur Geburtstag.“
Ich zögerte.
„Mit… vielen Leuten?“
„Ein paar Freunde. Vielleicht so zwanzig oder dreißig.“
Sie lächelte leicht.
„Keine geheimen Rituale, falls du das befürchtest.“
Ich lachte leise. Aber ganz beruhigt war ich nicht. Mein Kopf arbeitete weiter.
Sandra würde wieder bei Chris sein. Direkt neben ihm. Vielleicht sogar im selben Haus schlafen. Der Gedanke löste wieder dieses bekannte Ziehen in meiner Brust aus: Eifersucht. Erregung. Unsicherheit.
Ein Teil von mir wollte unbedingt sehen, wie sich diese Dynamik weiterentwickelte. Ein anderer Teil hätte Sandra am liebsten einfach wieder ganz für sich allein.
Lisa sah mich eine Weile schweigend an. Dann sagte sie ruhig:
„Andreas.“
Ich hob den Blick.
„Es ist wirklich nur eine Party.“
Ihre Stimme war warm, ruhig, fast beruhigend.
„Ein paar Freunde. Wein. Musik. Grillen.“
Sie lächelte leicht.
„Und wahrscheinlich sehr viele Gespräche über Tiere und Baustellen.“
Ich musste lachen.
„Das klingt harmloser, als mein Kopf gerade konstruiert.“
„Dein Kopf konstruiert anscheinend gerade ziemlich wilde und… abwegige Szenarien.“
„Berufskrankheit.“
„Ich dachte, Du bist der sorgfältig abwägende Mathematiker?“
Ich atmete langsam aus.
Vier Wochen. Vier Wochen bis zu diesem Wochenende. Bis ich Sandra wieder mit Chris sehen würde. Vielleicht näher, als ich es mir bisher vorstellen konnte. Vielleicht auch ganz anders.
Ich nahm einen Schluck Wein. Dann nickte ich.
„Okay.“
Lisa lächelte.
„Okay?“
„Wir kommen.“
Sie hob ihr Glas.
„Sehr schön.“
Ich stieß mit ihr an. Und während die Gläser leise klangen, wusste ich bereits, dass die nächsten vier Wochen in meinem Kopf vermutlich sehr lang werden würden.
Lisa nahm noch einen Schluck Wein und stellte das Glas langsam ab. Ihr Blick blieb einen Moment auf mir liegen, als würde sie prüfen, wo ich innerlich gerade stand.
„Weißt du“, sagte sie schließlich ruhig, „was du vorhin gesagt hast…“
Ich sah sie an.
„Dass dir etwas fehlt.“
Ich antwortete nicht sofort. Aber ich musste auch nichts sagen. Sie wusste es.
„Diese Distanz“, fuhr sie fort, „das Nicht-Dabei-Sein… das arbeitet in dir.“
Ich nickte langsam und suchte nach dem richtigen Wort.
„Dieses Mal fühlt es sich einfach an, als würde alles ohne mich passieren.“
Lisa legte den Kopf leicht schief.
„Und du willst das anders.“
„Ja.“
Ein kurzer Moment Stille. Sie sah hinaus in die Dunkelheit des Gartens, dann wieder zu mir zurück. In ihrem Blick lag plötzlich etwas Konzentrierteres. Etwas, das über das bloße Zuhören hinausging.
„Vielleicht“, sagte sie langsam, „muss man das gar nicht so schwarz-weiß sehen.“
Ich runzelte leicht die Stirn.
„Wie meinst du das?“
Sie lächelte leicht.
„Du gehst davon aus, dass du entweder komplett draußen bist – oder direkt mittendrin.“
Ich sagte nichts.
„Aber es gibt auch Zwischenstufen.“
Jetzt wurde ich aufmerksam. Lisa lehnte sich entspannt zurück, als würde sie das Thema ganz beiläufig weiterdenken.
„Man kann Dinge beobachten, ohne sie zu stören.“
Ich spürte, wie sich etwas in mir regte.
„Beobachten?“
Ein kleines, fast amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen.
„Ich arbeite seit Jahren genau so.“
Ich musste unwillkürlich schmunzeln.
„Du meinst deine Dokumentarfilme.“
„Ja“, sagte sie ruhig. Dann hob sie leicht die Schultern. „Mein Beruf besteht im Grunde darin, scheues Verhalten sichtbar zu machen, ohne es zu verändern.“
Ich sah sie jetzt sehr direkt an. Sie ließ einen kurzen Moment verstreichen. Dann sagte sie, fast nebenbei:
„Und glaub mir… ich habe Erfahrung mit sehr kleinen Kameras.“
Ich musste lachen.
„Du willst Sandra wie einen Luchs filmen?“
Sie grinste. Ich starrte sie an.
„Du meinst das ernst.“
„Vielleicht.“
Sie hob die Schultern.
„Natürlich nur, wenn alle einverstanden sind.“
Mein Herz schlug plötzlich schneller. Der Gedanke war verrückt. Und gleichzeitig faszinierend.
Lisa beobachtete meine Reaktion.
„Ich denke einfach mal darüber nach“, sagte sie ruhig. „Vielleicht fällt mir etwas ein.“
<<Ping>>
23:51
Neue Nachricht.
>>Ich glaube, ich habe gerade vergessen, wie spät es ist.“<<
Pause.
>>Chris sagt, ich soll mich nicht ablenken lassen.“<<
>>Er meint, ich hätte heute noch viel vor mir.<<
Ich starrte auf das Display. Und spürte wieder dieses widersprüchliche Gefühl.
Lisa sah mich an.
„Du liebst sie.“
Ich nickte.
„Sehr.“
„Dann vertraue ihr.“
Ich atmete langsam aus.
~~~~~~~~~~
Am nächsten Morgen frühstückten wir lange. Die Sonne fiel durch das Küchenfenster.
<<Ping>>
09:17
>>„Ich bin komplett erledigt.<<
>>Chris hat mich wirklich gefordert.<<
Lisa grinste leicht.
„Sandra?“
„Ja. Sie scheint etwas fertig zu sein.“
„Das klingt sehr nach ihm.“
Ich schüttelte den Kopf und musste trotzdem lachen.
Später gingen wir noch spazieren. Als ich Lisa schließlich zum Bahnhof brachte, umarmte sie mich herzlich.
„Du machst das gut“, sagte sie.
„Ich versuche es.“
Sie lächelte.
„Mehr braucht es nicht.“
Der Zug fuhr ab. Ich blieb noch einen Moment auf dem Bahnsteig stehen.
<<Ping>>
12:40
>>Sitze im Zug.<<
Pause. Dann:
>>Ich glaube, ich schlafe gleich ein.“<<
Und schließlich:
>>Freue mich auf dich.<<
Ich steckte das Handy ein. Noch ein paar Stunden.
Dann würde ich sie wiedersehen.
~~~~~~~~~~
Sandras Rückkehr
Der Bahnhof war ruhig. Das gedämpfte Rauschen eines einfahrenden Zuges lag noch in der Luft, dazu das metallische Klacken von Türen und das Murmeln der Reisenden, die sich über den Bahnsteig verteilten.
Ich stand ein paar Schritte vom Gleis entfernt und beobachtete, wie sich die Türen des ICE öffneten.
Dann sah ich sie.
Sie kam langsam die Stufen aus dem Wagen herunter, ihren kleinen Koffer hinter sich herziehend, das Haar locker zusammengebunden. Ihr Schritt war ruhig – aber nicht ganz so energisch wie sonst.
Als sie mich entdeckte, lächelte sie. Dieses vertraute Lächeln, warm und weich. Und gleichzeitig lag etwas Neues darin.
Ich ging ihr entgegen.
„Hey.“
„Hey.“
Wir umarmten uns. Sie drückte sich kurz fest an mich, ihr Körper war warm, vertraut – und gleichzeitig irgendwie… schwer. Als würde in ihr noch die Müdigkeit des langen, intensiven Wochenendes stecken.
Als sie sich wieder löste, strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Schön, wieder bei Dir zu sein.“
„Ja. Gut, dass Du wieder hier bist.“
Ich nahm ihren Koffer. Während wir zum Parkplatz gingen, bemerkte ich, dass ich sie heimlich musterte.
Sie sah zufrieden aus. Nicht nur entspannt. Zufrieden. Fast satt. Man sah ihr an, dass sie etwas erlebt hatte, das noch immer innerlich in ihr nachhallte.
Im Auto lehnte sie den Kopf kurz gegen die Kopfstütze und schloss die Augen.
„Ich glaube, ich habe mich ein bisschen übernommen.“
Ich lächelte vorsichtig.
„Anstrengendes Wochenende?“
Sie öffnete ein Auge und sah mich an. Ein langsames, wissendes Lächeln.
„Sehr.“
Der Wagen rollte vom Parkplatz. Eine Weile sagte keiner von uns etwas. Dann streckte sie die Beine ein wenig aus und atmete tief durch.
„Chris hat… erstaunlich viel Energie.“
Der Satz kam beiläufig. Aber er traf mich wie ein kleiner elektrischer Schlag.
Ich hielt den Blick auf die Straße gerichtet.
„So?“
Sie nickte leicht.
„Ich hatte vergessen, wie fordernd er ist.“
Ich spürte, wie mein Magen sich zusammenzog. Sandra bemerkte meine Reaktion sofort. Sie drehte den Kopf leicht zu mir.
„Du willst es doch wissen, oder?“
Ich zögerte.
„Ein bisschen.“
Sie lächelte ruhig.
„Wir haben das ganze Haus genutzt.“
Ich schluckte.
„Das ganze Haus?“
Sie nickte.
„Der Whirlpool nachts war tatsächlich ziemlich… einladend.“
Ich merkte, wie meine Finger sich etwas fester um das Lenkrad schlossen. Bilder entstanden in meinem Kopf. Warmes Wasser. Sandras nackte Haut. Chris dicht hinter ihr.
Sie bemerkte meine Stille.
„Und der Pool.“
Sie lächelte leicht, fast verträumt.
„Das Wasser war angenehm.“
Sie ließ den Satz hängen. Und ich wusste sofort, was sie meinte. Mein Herz schlug schneller.
„Chris ist… sehr kreativ.“
Sie sagte es so ruhig, als würde sie über ein gutes Restaurant sprechen. Ich spürte gleichzeitig Eifersucht und eine seltsame, heiße Spannung in meinem Bauch.
„Du klingst zufrieden.“
Sandra drehte langsam den Kopf zu mir. Ihre Augen musterten mich kurz.
„Ich hatte ein sehr gutes Wochenende.“
Der Satz war ruhig. Aber in ihm lag eine Selbstverständlichkeit, die mich gleichzeitig traf und faszinierte.
„Chris weiß ziemlich genau, was er tut.“
Mein Atem ging etwas langsamer. Sie bemerkte es sofort.
„Andreas.“
Ich sah kurz zu ihr.
„Ja?“
Sie lächelte sanft.
„Du siehst gerade aus, als würdest du versuchen, dir alles gleichzeitig vorzustellen.“
Ich musste leise lachen.
„Vielleicht.“
Sie legte ihre Hand kurz auf mein Bein. Die Berührung war weich, vertraut – und gleichzeitig hatte sie etwas Führendes.
„Du bist mein Mann“, sagte sie ruhig. „Natürlich sollst du wissen, dass ich Spaß hatte.“
Der Satz drang in mich ein. Ich wusste, dass sie genau verstand, was in mir vorging. Dass ein Teil von mir diese Informationen brauchte. Vielleicht sogar verlangte.
Sie zog ihre Hand wieder zurück.
„Chris hat mich ziemlich beschäftigt.“
Sie streckte sich leicht.
„Ich glaube, ich habe seit Donnerstag kaum geschlafen.“
Sie sagte es fast stolz. Und genau dieses kleine bisschen Stolz ließ meinen Magen erneut kribbeln. Ich stellte mir vor, wie sie durch dieses große Haus gegangen war. Mit ihm. Zimmer für Zimmer. Vielleicht lachend. Vielleicht atemlos. Vielleicht völlig in diesem Moment aufgehend.
Sandra sah wieder aus dem Fenster.
„Du würdest das Anwesen wirklich mögen.“
Der Satz war harmlos. Aber ich hörte den Unterton. Dieses Haus war für ein paar Tage ihr Raum gewesen.
Mit Chris.
Ein Ort, an dem ich nicht gewesen war.
„Lisa hat uns übrigens eingeladen“, sagte ich vorsichtig.
„Ach ja?“
„Zu ihrem Geburtstag. In vier Wochen.“
Sandra lächelte.
„Das wird eine gute Party.“
Ich sah kurz zu ihr.
„Meinst Du?“
„Chris und Lisa können feiern.“
Sie schloss wieder kurz die Augen.
„Und das Gästehaus ist perfekt für ein langes Wochenende.“
Ich wusste nicht genau, ob der Satz beruhigend oder beunruhigend sein sollte.
Nachdem wir zu Hause angekommen waren, setzten wir uns zum Abendessen. Sandra erzählte ein paar kleine Geschichten von der Tagung, von Kollegen, von Gesprächen. Chris tauchte nur in kleinen, beiläufigen Bemerkungen auf.
Aber genau diese Bemerkungen wirkten.
„Er hat mich einmal die Treppe hochgejagt“, sagte sie irgendwann und lachte müde.
Ich hob den Blick. Sie merkte sofort, was dieser Satz in meinem Kopf auslöste. Ihr Lächeln wurde ein kleines bisschen breiter.
Später lagen wir im Bett. Sandra rückte nah an mich heran und legte den Kopf auf meine Schulter. Ich strich über ihren Rücken. Sie war warm. Vertraut. Meine Frau.
„Ich bin wirklich erledigt“, murmelte sie.
„Glaub ich.“
Sie lächelte im Halbschlaf.
„Chris ist sehr… ausdauernd.“
Der Satz kam kaum hörbar. Aber er blieb in meinem Kopf hängen.
Ich hielt sie fest. Und während ihr Atem langsam ruhiger wurde, arbeitete mein Kopf weiter.
Was genau hatte dieses Wochenende bedeutet? Wie weit war Sandra gegangen? Und wie weit würden wir beide noch gehen?
Irgendwann dachte ich wieder an Lisa. An ihr ruhiges Lächeln auf der Terrasse. An ihren Satz über Kameras. Sehr kleine Kameras.
Ich stellte mir vor, wie Sandra irgendwann wieder in diesem Haus war. Mit Chris. Und ich nicht nur Nachrichten bekam.
Neben mir schlief Sandra bereits. Ich zog sie etwas näher an mich. Morgen würde der Alltag zurückkehren.
Aber ich wusste inzwischen ziemlich sicher, dass unser Leben längst kein gewöhnlicher Alltag mehr war.
| Teil 22 von 22 Teilen. | ||
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